ÖSTERREICHS ZEITUNG FÜR WIRTSCHAFT UND FINANZEN - REGIONALAUSGABE

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1 Mittwoch, 3. Juni 2015 wirtschaftsblatt.at ärnten ÖSTERREICHS ZEITUNG FÜR WIRTSCHAFT UND FINANZEN - REGIONALAUSGABE Interview Die Vorstände der Liaunig Holding üben Kritik an der Politik 6 Unternehmen Der Möbelhändler Rutar eröffnet drei Häuser in Norditalien 10 Bildung Ein neuer Lehrgang für Kärntens Sporttourismus 24 So stark ist Kärnten colourbox.de Analyse. ungeachtet aller negativschlagzeilen belegt Kärnten in einigen Bereichen Spitzenplätze mit einem hohen Grad an Bildungsabschlüssen, einer starken Exportbilanz und stattlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung. im Bundesländervergleich hat das Land zudem die nase vorn, was den Anteil an erneuerbarer Energie betrifft. und die tourismusbilanz lässt sich trotz Schwierigkeiten durchaus sehen. in vielen Bereichen sind es vor allem die unternehmen, die das image des Landes aufpolieren. 2-4 Auszeichnung. Das WirtschaftsBlatt kürte Kärntens bestes Familienunternehmen: das Kinderhotel Brennseehof. 13 Jetzt bestellen. Jeden Monat Wirtschafts-News aus Ihrem Bundesland. Name und Anschrift an: wirtschaftsblatt.at/regional Retouren an PF 100, 1350 Wien - GZ 13Z039580W - P.b.b. Redaktion: 1030 Wien, Hainburger Straße 33, Tel:

2 2 Thema Mittwoch, 3. Juni 2015 ANALYSE Kärnten ist mehr als die Hypo Kärnten verfügt über den größten Anteil erneuerbarer Energien. Kärnten liegt bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung über dem Durchschnitt. Und Kärnten kann mehr als in Schönheit sterben. VON TeReSa-aNTONIa SPaRI Ja, in Kärnten läuft nicht alles bestens. Die hypo hängt als Damoklesschwert über dem Land. Der hcb-skandal drückt auf das image. Die Politik und manche Betriebe haben Entwicklungen verschlafen (siehe Kommentar Seite 16). ungeachtet der negativschlagzeilen, trotz gestrichener Förderungen und mangelnder hilfe durch die öffentliche hand schafft es das Bundesland nach wie vor, in einigen Bereichen zur Spitze Österreichs zu gehören. Kärntner sind gebildet Kärntner zwischen 25 und 64 Jahren haben eine Matura. Mit einer Quote von 14,6 Prozent steht das Land damit im Bundesländervergleich auf Platz vier. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 14 Prozent. Bei der Zentralmatura hat Kärnten mit einer nicht-genügend-quote von zwei Prozent bundesweit am besten abgeschnitten. ohne Alterseinschränkung und im gesamten sekundären Bildungsbereich, zu dem auch Berufsschulen und Polytechnische Lehrgänge gehören, liegt Kärnten mit 73,1 Prozent Abschlüssen ebenfalls über dem Österreich-Durchschnitt von 65,9 Prozent. Landesschulrat Rudolf Altersberger: in den ländlichen Regionen fehlen Arbeitsplätze, vom Kleingewerbehandel bis hin zum nahversorger. Mit Bildung kann man dem Kreislauf entkommen und mit höheren Qualifikationen adäquate Arbeitsplätze sichern, daher verzeichnet das Gail- und Lesachtal die höchste Maturantenquote. nicht nur die Zahl der Abschlüsse rückt Kärnten in ein günstiges Licht, sondern auch eine Einrichtung wie das taz, das test- und Ausbildungszentrum. Seit 2011 werden dort Schüler auf ihre Fähigkeiten getestet, über Berufsmöglichkeiten informiert und mit Betrieben vernetzt. Die Errichtungskosten von fünf Millionen teilten sich wirtschaftskammer, Land Kärnten und AMS Jugendliche wurden bis jetzt beraten. Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist Eine Stärke Kärntens sind herausragende Unternehmen. PETER KAISER LANDESHAUPTMANN KÄRNTEN die international School carinthia: Kärntner unternehmen, angeführt von infineon, riefen die Schule 2013 ins Leben; seit der Eröffnung wurde die Klassenzahl erhöht soll zur Volksschule ein Gymnasium kommen. unterstützung gibt es vor allem aus der wirtschaft: Geldspenden von der Villacher LAM Research AG, technische Ausstattung von Kapsch, ein Labor von treibacher Schleifmittel oder Stipendien von infineon. Kärntner unternehmen Die international School ist beispielhaft dafür, dass Kärnten von seinen unternehmern profitiert. Diese sind etwa dafür verantwortlich, dass sich die warenproduktion laut erstem Konjunkturreport 2015 des instituts für höhere Studien mit einem wachstum von 3,3 Prozent deutlich besser entwickelt als in Österreich insgesamt (plus 0,9 Prozent). Positiv ist auch die Kärntner Exportbilanz: 42 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erzielt Kärnten über den Export, 2013 war es mit 990 Millionen Export-

3 Mittwoch, 3. Juni 2015 Thema 3 und hübsche Seen Drohnen aus dem Lakeside Lab in Klagenfurt, Forschung bei Infineon in Villach, das Speicherkraftwerk Reißeck II hoch über dem Mölltal: Stärken hat Kärnten in allen Regionen. HIDDEN CHAMPIONS n Geislinger, Bad St. Leonhard: Als Hersteller von Schiffskupplungen ist Geislinger weltweit Marktführer. 543 Mitarbeiter sind in Salzburg und Kärnten beschäftigt, der Umsatz betrug im Jahr ,6 Millionen. n Kohlbach Gruppe, Wolfsberg: Heizkessel hat Kohlbach in 27 Ländern montiert; Exportquote: 75 Prozent. Mit 200 Mitarbeitern ist der Betrieb einer der größten Arbeitgeber im Lavanttal. Umsatz 2014: 27 Millionen. n Hermes Arzneimittel, Wolfsberg: 25 Millionen Arzneipackungen fertigt das Unternehmen an seinen Standorten in Bayern und im Lavanttal. In Österreich (Wien und Wolfsberg) sind 281 Mitarbeiter beschäftigt. Umsatz des Österreich-Teils: 55,72 Millionen. n Kruschitz Recycling, Völkermarkt: Der Kunststoffrecycler startete 1999 die erste PET- Recycling-Anlage Österreichs. Mit 106 Mitarbeitern macht der Betrieb 31 Millionen Umsatz. n Wild Gruppe, Völkermarkt: Der zur Liaunig Holding gehörende Hersteller von Optik-, Medizin- und Labortechnik zählt Betriebe wie Microsoft zu seinen Kunden. Der Umsatz 2014 betrug 91 Millionen ; Beigestellt, Bloomberg, Verbund 400 Mitarbeiter sind beschäftigt, 300 davon in Kärnten. n Merck, Spittal: In der Merck- Gruppe arbeiten Menschen in 66 Ländern an Hightech-Produkten in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Das Werk in Spittal beschäftigt 320 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 88,7 Millionen. n Hobas Rohre, Klein St. Paul: Vom Bezirk St. Veit aus exportiert Hobas Rohre in mehr als 100 Länder und macht damit 220 Millionen Umsatz. 154 Mitarbeiter sind beschäftigt. Gesundheit. Kärntner leben länger Klare Bergluft, saubere Seen, sonnige tage und südlicher Flair: nicht nur die Sujets der Kärnten-werbung wecken in Kärnten die Lust am Leben. Auch die Statistiken geben den werbern recht: wer in Kärnten lebt, lebt gesund und damit länger. Kärntens Männer werden mit 78,8 Jahren um 0,3 Jahre älter als der Österreicher durchschnittlich. Die Frauen leben im Schnitt 83,9 Jahre und damit ebenfalls um 0,3 Jahre länger. wies Kärnten vor 45 Jahren eine der höchsten Sterblichkeitsraten innerhalb Österreichs auf, so hat das Land derzeit die niedrigste: Auf Säuglinge kommt ein gestorbener, österreichweit waren es drei. im Rückblick auf fünf Jahre hält Kärnten die Bestplatzierung. Trend nach oben höhere Lebenserwartung, niedrige Säuglingssterblichkeit: trotz guter Voraussetzungen hatte Kärnten in den vergangenen Jahren einen Bevölkerungsschwund zu verzeichnen änderte sich das zum ersten Mal: Der Zuwachs von 400 Personen kam über Einwanderung zustande stieg die Bevölkerung um 1.500, aktuell leben erneut rund Menschen mehr hier als im Vorjahr. ob der Kärntner Dialekt, der laut imas-umfrage 2014 der beliebteste Österreichs ist, die Zuwanderer neuerdings vermehrt nach Kärnten zieht, ist jedoch ungewiss. [tasp]

4 4 Thema Mittwoch, 3. Juni 2015 Beigestellt Die International School in Velden wurde auf Initiative von Unternehmen gegründet. Träger ist die Kirche. ANZEIGE! überschuss eines von fünf Bundesländern mit positiver Außenhandelsbilanz wurde voraussichtlich die Milliarden- Marke geknackt. Kärntner forschen Mehr als ein Viertel 27,5 Prozent der Kärntner arbeiten in wissenschaft und technologie. Das beschert dem Land im Bundesländervergleich den vierten Platz. Auf dem vierten Platz liegt das Bundesland auch bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung: 2,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes fließen in diesen Bereich, pro 1000 Einwohner macht das 863. Verantwortlich dafür sind Betriebe, allen voran infineon, das zusammen mit 39 Partnern aus Europa aktuell 87 Millionen in die Entwicklung neuer Energiespar-chips investiert. Mit diesem Projekt will das unternehmen den Standort Villach stärken und dazu beitragen, dass Europa wettbewerbsfähig bleibt, sagt Vorstand Sabine herlitschka. Außerdem werde so nachhaltig wissensorientierte Produktion in Kärnten gehalten. Kärntner sind nachhaltig Fast die hälfte der Kärntner Energie stammt von erneuerbaren Energieträgern: Mit 48,6 Prozent verweist das Land die anderen Bundesländer auf die hinteren Plätze. Vornehmlich Biomasse und wasserkraft werden eingesetzt; die Solarenergie nimmt den dritten Platz ein. Die nutzung der windenergie lässt zwar noch zu wünschen übrig (in Kärnten steht nur ein windrad), aber mit dem Pumpspeicherkraftwerk Reißeck ii verfügt das Land seit Februar 2015 über ein Vorzeigeprojekt europaweit: 400 Millionen hat der Verbund investiert, mit einer turbinenleistung von 1400 Megawatt bildet es die größte wasserkraftwerksgruppe Europas. Kärntner begrüßen Gäste Der tourismus darf, wo es um Kärntens Stärken geht, nicht fehlen. Auch wenn in der Branche seit Jahren vieles im Argen liegt: Das Land war im vergangenen Sommerhalbjahr mit 8,7 Millionen nächtigungen das drittstärkste tourismus-bundesland nach tirol und Salzburg. in der wintersaison 2014/15 verzeichnete Kärnten mit nächtigungen einen Zuwachs von einem Prozent. Zahlen: Land Kärnten, Statistik Austria, Wirtschaftskammer Kärnten Die autorin des artikels erreichen Sie unter

5 Mittwoch, 3. Juni 2015 KonjunKtur 5 UMFRAGE Vorausgedacht... Jeden Monat bitten wir Unternehmer und Manager aus führenden Betrieben um ihre Meinung zu dringlichen Fragen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Politik oder Forschung. Darüber hinaus geben diese regionalen Entscheider eine Schnelleinschätzung zur aktuellen Konjunkturlage. Österreich hinkt beim Thema Innovation laut aktuellem EU-Bericht hinterher. Welche Maßnahmen müssen gesetzt werden, um gegenzusteuern? Wie entwickelt sich die Konjunktur? hertha StocKBAuER VoRStAnD BKS BAnK Österreich müsste das Umfeld für internationale Forscher verbessern, die Attraktivität der Technischen Unis erhöhen und die Innovationskraft von Startups stärker fördern. Die derzeitigen Initiativen könnten durch steuerliche Anreize weiter verstärkt werden. Die geplante Erhöhung der Forschungsprämie von zehn Prozent auf zwölf Prozent ist ein Schritt in die richtige Richtung.! MAnFRED FREitAG VoRStAnDS- MitGLiED KELAG Wir benötigen eine enge Verschränkung von funktionierenden Förderstrukturen, zukunftsfähigen Kooperationen von Wirtschaft und Wissenschaft und einer lebendigen Innovationskultur. Kärnten ist mit seiner hohen Forschungsquote und der starken Position beim Thema Industrie 4.0 ein ernst zu nehmender regionaler Standort.! MARKuS LEEB GF LEEB BALKonE GMBh Investitionen in Forschung und Entwicklung sollten steuerlich stärker begünstigt werden. Außerdem sollte der Zugang zu den bestehenden Instrumenten wie Forschungsfreibetrag und Forschungsprämie so gestaltet werden, dass auch KMU eine reelle Chance haben, diese geltend zu machen.! StEFAn JAuSZ GF J. M. offner FERtiGhAuS GMBh Kooperationen zwischen Unternehmen, Lieferanten und Universitäten bzw. Forschungsinstitutionen müssen verstärkt gefördert werden. Zudem sollte eine bürokratiefreie steuerliche Innovationsprämie geschaffen werden.! ERnSt hofbauer centermanager city ARKADEn Hier ist mit Sicherheit die Politik gefordert. Einerseits muss in die Forschung investiert werden, andererseits sollten innovative Unternehmen unterstützt werden. Und es muss in die Ausbildung investiert werden, die dringend notwendige Schulreform gehört endlich umgesetzt, denn ohne gute Ausbildung wird es immer weniger gut ausgebildete Fachkräfte geben.! hubert KoLLER DiREKtoR KoLLERS hotel Welche Werte sind für unsere Jugend heute wichtig? Deckt sich das mit dem Thema Innovation? Das Schulsystem gehört reformiert weg vom Einheits- Mittelmaß! Es muss in den Schulen auf die individuellen Stärken der Schüler eingegangen werden sie gehören gefördert. Es braucht Aufbruchsstimmung und Firmen auf breiter Front, die in Forschung und Entwicklung investieren!! Beigestellt (3), Peroutka π, Foltin π, Wilke

6 6 IntervIew Mittwoch, 3. Juni 2015 Herbert Liaunig hat mehr als 20 unternehmen erfolgreich saniert, darunter die Jenbacher werke, Lenzing oder die damals größte Pleite Kärntens, die Funder werke. heute hält seine industrieholding beträchtliche Anteile am in wien ansässigen Stahlbauer waagner Biro, am steirischen Maschinenbauer Binder & co und am Völkermarkter Medizintechnikunternehmen wild. Vor zwei Jahren hat herbert Liaunig das Zepter an seine beiden Söhne übergeben. während Peter Liaunig das Museum in neuhaus leitet, führt Alexander Liaunig gemeinsam mit thomas Jost die Geschicke der industriebeteiligungen. Foltin π (3) WirtschaftsBlatt: Ihr Vater hat Unternehmen saniert und so die Industrieholding aufgebaut. Wo sehen Sie Ihren Fokus auf dem Erhalt der bestehenden Beteiligungen oder in der Akquisition neuer? Alexander Liaunig: ich kümmere mich um die bestehenden Beteiligungen, während sich herr Jost auch um die Akquisition neuer unternehmen kümmert. Das ist momentan aufgrund von Managementengpässen aber kein thema. Sanierungen auch nicht? Thomas Jost: Das ist bestimmt nicht unser Fokus. unsere Grundidee ist organisches wachstum bei den bestehenden Beteiligungen und Zukauf, wenn es ins Portfolio passt. Das kann eine Sanierung sein, muss aber nicht. Das Geschäftsmodell von herbert Liaunig war auf Sanierungen ausgerichtet. Das ist nicht mehr der Fall. Sie sind mit Ihren Beteiligungen wachstumsverwöhnt. Wild und Waagner Biro wuchsen in den vergangenen Jahren fast zweistellig. Was ist das Erfolgsgeheimnis? Liaunig: wir sind nicht konjunkturresistent, wir spüren bei waagner Biro und Binder & co mit unseren mehrjährigen Projektgeschäften die schwache Konjunktur nur versetzt. wild zeigt sich davon unbeeindruckt. Jost: Es gibt wenige unternehmen, die groß genug sind, sich einen Markt zu machen. wir sind es sicherlich nicht. Aber es gibt in schlechten Märkten und schlechten Zeiten immer herausragende unternehmen. Das sind wir, und das zu bleiben, ist unser Ziel. Thomas Jost (l.) und Alexander Liaunig bilden den Vorstand der Liaunig Holding.

7 Mittwoch, 3. Juni 2015 IntervIew 7 Wachstum findet in Österreich nicht statt Alexander Liaunig und Thomas Jost. Die Vorstände der Liaunig Industrieholding sehen den nordamerikanischen Raum als Zukunftsmarkt, konzentrieren sich aber auf ihre europäischen Standorte. von AnnA OFFner Die Politik macht sich keine Gedanken, was der bürokratische Wahnsinn kostet. ALEXANDER LIAUNIG Liaunig: wichtig ist es, sich immer im oberen Drittel zu bewegen. nur das obere Drittel überlebt, das untere Drittel fällt ohnehin aus dem Markt. Wie gelingt Ihnen das? Jost: Durch die richtigen Mitarbeiter. Fachkräfte und High Potentials zu akquirieren ist eine der größten Herausforderungen. Jost: wir setzen einerseits bei allen Beteiligungen sehr stark auf die interne Entwicklung der Mitarbeiter, und wir versuchen, die besten Mitarbeiter vom Markt zu holen. wenngleich das bei unseren Spezialgebieten nur teilweise möglich ist, denn selbst die am besten ausgebildeten Kräfte werden bei uns zusätzlich spezialisiert. Es gibt zwischen den Bundesländern unterschiede. in Kärnten gibt es wenige Betriebe wie wild und auch wenige Mitarbeiter, die die Qualifikation haben, die wir benötigen. Bei wild investieren wir sehr viel in die Facharbeiterausbidung also klassische Lehre und umschulungsprogramme. Gelingt Ihnen das? Jost: im Bereich der Frauenentwicklung gelingt das sehr gut, denn für die feine Montagetechnik sind Frauen prädestiniert. Das fehlende wissen bringen wir unseren Mitarbeiterinnen über Erwachsenenbildung in drei bis vier Jahren bei. Bei der universitären Ausbildung versuchen wir, Kärntner zu motivieren, wieder nach hause zu kommen, oder Steirer, nach Kärnten zu kommen. Wie gehen Sie dabei vor? Jost: wir sprechen techniker und Physiker an den universitäten an, indem wir sie zu Diplomarbeiten oder Dissertationen in unser haus holen. Zudem gibt es in fast jeder größeren Stadt Kärntner clubs oder Stammtische, die wir aktiv nutzen, indem wir unser unternehmen dort vorstellen. Liaunig: Die Kärntner Standorte in Völkermarkt und wernberg tragen die wild-gruppe. Dort beschäftigen wir den Großteil unserer 350 Mitarbeiter; 270 davon in Völkermarkt. Zehn Prozent unseres umsatzes fließen in die Produktneuentwicklung, in der dementsprechend qualifiziertes Personal benötigt wird. Herr Jost, Sie haben angekündigt, den Umsatz bei Waagner Biro, an der Sie zu 25 Prozent beteiligt sind, um 100 Prozent zu steigern. Wie? Jost: Aufgrund unserer geografischen und diversionalen Streuung rechnen wir damit, dass das wachstum möglich ist. Bei unseren Projekten handelt es sich um solche mit langer Vorlaufzeit, die zwischen drei und fünf Jahre dauern. Auf den Philippinen kämpfen wir etwa seit mehr als drei Jahren um die Finalisierung eines Auftrages über mehr als 90 Millionen. Dabei handelt es sich in Summe um 70 Brücken; da kommt es Die Luft in Europa wird dünner, der Handlungsspielraum geht gegen null. THOMAS JOST schon vor, dass die eine oder andere politische Entscheidung um Monate verschoben wird. Wo sehen Sie Wachstumsregionen? Jost: Das wachstum findet seit zehn Jahren nicht mehr in Europa statt und in Österreich schon gar nicht. Das wachstum wird, wenn der Erdölpreis wieder steigen wird, im arabischen Raum und im Kaukasus stattfinden. Die halbierung des Erdölpreises ist für uns zunächst unangenehm, weil große investitionen aufgeschoben werden, aber langfristig wird sich das wieder ausgleichen. Nordamerika steht nicht auf Ihrer Agenda? Jost: nein, aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen wollen wir uns dort nicht exponieren. Das Schadensersatzrecht ist so anders als bei uns und bedürfte eigentlich einer anderen organisationsform. wir blenden die usa nicht aus, aber das Baugeschäft ist schon per se ein großes Risiko. Wenn Sie das Wachstum um 100 Prozent steigern wollen, stehen größere Investitionen ins Haus? Liaunig: nein, denn waagner Biro ist in erster Linie ein Engineeringunternehmen mit Fremdfertigung. Jost: wir müssen lokal wachsen. Es hilft uns nicht, in Österreich zu wachsen, wenn das Geschäft nicht hier stattfindet. Zu glauben, dass unser wirtschaftswachstum unternehmen wie waagner Biro in Österreich hält, ist pure illusion. Von unseren 250 Millionen umsatz machen wir operativ 2,5 Millionen in Österreich. Der Standort ist rein erratisch hier, das versteht nur die Politik nicht. in Österreich gibt es in unserer Branche seit vielen Jahren kein wachstum, und auch die meisten anderen Branchen leben ausschließlich vom Export. Liaunig: Das gilt im übrigen auch für Binder & co und wild. Auch diese unternehmen leben vom Export. Bei wild gehen 80 Prozent aller Produkte in den Export. Die Exportlastigkeit erlaubt uns, jährlich zwischen fünf und zehn Prozent zu wachsen. Bedeutet das, dass Sie langfristig keine Standortgarantie abgeben können?

8 8 IntervIew Mittwoch, 3. Juni 2015 Foltin π Alexander Liaunig (r.) und Thomas Jost kritisieren im Gespräch mit Anna Offner bürokratische Hürden. Jost: wir glauben an den Standort in Europa, die Luft wird aber immer dünner, der handlungsspielraum geht gegen null. Binder & Co ist von den Sanktionen gegen Russland betroffen. Generell sind Ihre Betriebe in politisch heiklen Regionen tätig. Wie geht man mit diesen Rahmenbedingungen um? Jost: Das sind schlaflose nächte! insbesondere der Anlagenbau ist ein nicht präzise planbares Geschäft. Ruhige Phasen gibt es selten. Wie gehen Sie damit um? Jost: Regional und diversional streuen und eine vermehrte Kleinteiligkeit des Geschäftes. Manchmal entscheidet man sich bewusst gegen einen wachstumsmarkt wie die usa, weil die Kopfschmerzen im Vergleich zum Gewinn einfach zu groß sind. Aber zu glauben, dass die Rechtsstaatlichkeit in Europa gegeben ist, ist auch eine illusion. in Deutschland führen wir seit 18 Jahren ein Bauverfahren. Liaunig: Die Zeiten sind auch andere. Die Juristen finden vermehrt Einzug ins Geschäft. heute streitet man sich schon per se. Jost: Es ist aber schon noch einfacher, ein urteil in Europa zu exekutieren als anderswo. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das unternehmen dann noch besteht. Dass Baufirmen gerne in Konkurs gehen, ist ein allseits beliebtes Modell, sich seiner Schulden und Verpflichtungen zu entledigen. Österreich verliert in allen Standortrankings an Boden. Was ist der größte Hemmschuh? Jost: Die arbeitsrechtlichen Vorschriften in Europa sind für unternehmer kontraproduktiv, um nicht zu sagen prohibitiv. Die Art und weise, zu arbeiten, hat sich geändert, und es gibt keinen wie auch immer gearteten Ansatz, dass sich das Arbeitsrecht oder die Bildung an diese veränderten Rahmenbedingungen anpassen. unsere Mitarbeiter arbeiten täglich mit Leuten aus anderen Ländern, mit anderen Sprachen und Kulturen zusammen. Das schaffe ich mit nur österreichischen Mitarbeitern leider nicht. Deshalb müssten wir uns die besten Köpfe nach Österreich holen. Aber anstatt diesen Leuten den Zuzug zu erleichtern, schließen wir sie aus. Liaunig: Über die hohe Abgabenquote brauchen wir erst gar nicht beginnen, zu sprechen. ich glaube nicht, dass sich die Politik überlegt, wie hinderlich alle diese Vorschriften für einen unternehmer sind. Das gilt nicht nur für die industrie, sondern für alle Bereiche. Ein Gastwirt, der kurzfristig aufgrund der Einkehr eines Reisebusses mit 50 Gästen Personal benötigt, schafft es kaum, diese am selben tag bei der Sozialversicherung anzumelden. Muss er aber. Jost: Die Bürokratie bedarf einer derart hohen Aufmerksamkeit des Managements, dass man sich nicht aufs eigentliche Geschäft konzentrieren kann. Versuchen Sie doch, ein Bankkonto zu eröffnen. Die Geldwäschevorschriften führen dazu, dass eine einfache Kontoeröffnung für den Zahlungsverkehr zum Spießrutenlauf wird. Liaunig: was dieser bürokratische wahnsinn bedeutet und kostet, darüber macht sich kein Politiker Gedanken. und im Endeffekt zahlt es immer der Kunde. Jost: und die Volkswirtschaft. und der Spielraum der industrie wird immer kleiner. Die gesamten Dienstleistungen haben alle eine industrielle Basis, und die Politik entzieht der gesamten wirtschaft ihre Basis. wir haben so ein tolles Land mit so hohem Potenzial, und wir entziehen es uns selbst. Liaunig: und eine Kehrtwende ist nicht in Sicht. im Gegenteil: Denken Sie nur an die Diskussion um das Bankgeheimnis und die Kontoöffnung. Der Staat geht prinzipiell davon aus, dass man Steuern und Abgaben hinterzieht. Es gibt überhaupt kein Vertrauen der Politik in die unternehmer. Das sind leider falsche Voraussetzungen. Was bräuchte es, einen Standort in Österreich auf die grüne Wiese zu stellen? Jost: in erster Linie einen lokalen Markt. Das gesamte thema der Bildung gehört auf ein vernünftiges niveau gehoben. Die breite Mittelschicht braucht eine bessere Bildung. Es ist unmöglich, dass ein highpotential 100 Leute hinter sich herzieht. ich glaube sehr an das Potenzial der Österreicher, aber es wird nicht gehoben. Die Autorin des Artikels erreichen Sie unter LIAUNIG HOLDING n Die zu 100 Prozent im Eigentum der Herbert Liaunig Privatstiftung befindliche Industrieholding AG ist über die Wild Holding GmbH mit 75 Prozent am in Völkermarkt ansässigen Hersteller von optomechatronischen Produkten Wild GmbH beteiligt. Im Dezember 2012 wurde die Genera Holding GmbH gegründet, die mit 36 Prozent an Waagner Biro und mit 28 Prozent an Binder+Co beteiligt ist. Im Mai 2012 stieg Herbert Liaunig bei der Semper Constantia Privatbank als Miteigentümer ein.

9 Mittwoch, 3. Juni 2015 Unternehmen 9 NEU IM GESCHÄFT LG KLAGENFURT AIR-CHECK Lüftungstechnik GmbH, Leutschacherstrasse 38/3, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN k. GF+GS: Raimund Dreier, Mario Kitz.GS+Prok.: Claudia Kitz. FLANEVO GmbH, Bichlweg 6, 9500 Villach, FN v. GF+GS: Chu Song. IS INNOVATIVE SAILS OG, Warmbader Straße 72/29, 9504 Warmbad Villach, FN v. GS: Gianpaolo Centuori, Roberto Dogani. Moringa Live Trading GmbH, Altendorf 69, 9411 St.Michael im Lavanttal, FN i. GF+GS: Walter Zmug, Franz Josef Zmug. Moser Touristik GmbH, Kärntnerisch Laßnitz 9, 8850 Murau, FN x. GF+GS: Mag. (FH) Kurt Moser. querquadrat gmbh, St.Gandolf 4/3, 9071 Köttmannsdorf, FN t. GF+GS: DI Robert Heiglauer. GS: BC Regionalenergie Verwaltung und Beteiligung GmbH, GS: Ing. Christof Aichholzer. Dreatix Einzelunternehmen, Johann-Weichard-Valvasor-Gasse 9c, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN b. Inh.: Matthis Kattnig. JK Immoservice Einzelunternehmen, Am Waldrand 46, 9871 Seeboden, FN f. Inh.: Jacqueline Cecilia Margaretha Rutgers. SK - Fassaden - Bau KG, Kautscheleweg 10, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN v. GS: Karl Kocher. KOMM+Prok.: Kurt Schweighofer. COROPHARMGmbH, Saak 64, 9611 Nötsch im Gailtal, FN a GF+GS: Mag. Claudia Kowatsch. E-King Einzelunternehmen, Villacher Straße 32, 9300 St.Veit an der Glan, FN k. Inh.: Gernot Maier. FOY-Property SW 62/1 Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Irnigstraße 7, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN b. GF: Mag. Michael Köhler. GS: Solarwave AG. Hogt OG, Gerlitzenstraße 32, 9551 Bodensdorf am Ossiacher See, FN z. GS: Eduard Christiaan Maria Hogt, Charlotte Biezeman. Holding Colosseum software Angels vs Devils GmbH, Khevenhüllerstraße 35/97, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN h. GF+GS: Francesco Bellavia. GS: Denis Raiu. Johannes Kunzer Einzelunternehmen, Miegererstraße 1, 9065 Ebenthal in Kärnten, FN z. Inh.: Johannes Kunzer. KVB Malerbetrieb OG, Hauptstraße 25 Top 1.2, 9341 Straßburg, FN a. GS: Balazs Kercsmar, Arnold Varga, Janos Böszörmenyi. Moyson KG, Mallnitz 18, 9822 Mallnitz, FN w. GS: Jozef Luc Moyson. KOMM: Sandra Francisca Baes. OLYMPIC GASTRO KG, Pöckau 32/3, 9601 Arnoldstein, FN x. GS: Petre-Ioan Cocias. KOMM: Massimiliano Rigo. WaKaTECH Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Brown-Boveri-Straße 2, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN k. GF+GS: Ing.Michael Schulze, Sieghard Walker. Taxiunternehmen Glantschnig Alexander KG, Feldkirchner Straße 294/6, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN s. GS+KOMM: Alexander Glantschnig. MediKur Betriebsgesellschaft mit beschränkter Haftung, Politzen 2, 9702 Ferndorf, FN w. GF: Peter Daniek. GS: PeDan Grundstückskonzepte GmbH. RM Regionalmanagement kärnten:mitte Gesellschaft m.b.h, Hauptplatz 23, 9300 St.Veit an der Glan, FN h. GF: Mag. Dr. Andreas Duller. GS: Verein Regionalentwicklung. Tabaktrafik Gräßl Einzelunternehmen, Klagenfurter Straße 35, 9400 Wolfsberg, FN h. Inh.: Eva Maria Gräßl. B & I tecon gmbh, Volkshausplatz 4a, 9586 Fürnitz,FN s. GF: Dr. Adolf Tepan. GS: Erna Tepan. Lunar Mar Gastronomie OG, Seepromenade 7, 9220 Velden am Wörther See, FN k. GS: Heinz Andreas Lunacek, Herbert Marcola. 4b pretium GmbH, Unterer Platz 7, 9300 St.Veit an der Glan, FN k. GF: Mag. Kerstin Rauter. GS: Dr. Bernd Mlekusch. HÜPO Agrar KG, Thurn 2a, 9063 Maria Saal, FN b. GS: Lukas Poscharnig. KOMM: Klaus Peter Poscharnig, Gregor Poscharnig. Optomotive GmbH, Leutschacher Straße 36, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN m. GF+GS: Peter Kunstic. GS: Barbara Rakovec Gorkic, Ales Gorkic. Veus Consulting Einzelunternehmen, Rauth 95, 9074 Keutschach, FN b. Inh.: Ing. Günter Bauer. BikeDoc Grassler Einzelunternehmen, Wimpassing 14, 9433 St.Andrä im Lavanttal, FN y. Inh.: Cornelia Graßler. CFF Leasing and more HandelsgesmbH, Köstenbergerstraße 149, 9220 Velden am Wörther See, FN p. GF+GS: Gudrun Hainthaler. Flair R.U.M.KG, Seenweg 6, 9122 St.Kanzian am Klopeinersee, FN s. GS: Mario Kaura. KOMM: Martin Isak. GS: Josef Mario Zmugg, Tomislav Pejanovic. Oberrauner Bauplanung und Baumanagement GmbH, Villacher Schächtestr.63, 9500 Villach, FN GF+GS: Herwig Richard Oberrauner MSc. Versaformwork GmbH, Hauptplatz 9, 9300 St.Veit an der Glan, FN t. GF+GS: Mohamed Ahmed Abdelgawwad Salem. ZEKO OG, Karl-Truppe-Straße 31, 9073 Klagenfurt-Viktring, FN s. GS: Danijel Zeko, Ivo Tadic, Vidos Drago, Danijel Markovic, Zvonko Krznar. Constant ImmoBau Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Fischlstraße 86, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN g. GF+GS: Constantin Ploscar. GS: Tania Gavrilas, David Gavrilas. DL Marketing GmbH, Ringmauergasse 3, 9500 Villach, FN f. GF+GS: Michael Legath BA, Ana- Maria Leauta GS: Erich Pöcheim. EKO Baustellen-Projekt-Management GmbH, Laas 43, 9640 Kötschach-Mauthen, FN s. GF+GS: Mathias Eisner, Stefan Obernoster, Markus Köhle. Go Fit for Ladies Goritschnig C&D OG, Siebenbürgengasse 3, 9073 Klagenfurt-Viktring, FN h. GS: Cornelia Goritschnig, Daniela Goritschnig. HTS Hausbetreuung Einzelunternehmen, Kraßniggstraße 29/1/19, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN w. Inh.: Dietmar Kaltenhofer. Kofler Daniel OG, St.Daniel 33, 9635 Dellach im Gailtal, FN z. GS: Daniel Kofler, Walter Lenzhofer. LS Entwicklungsberatung OG, Sterneckstraße 19, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN i. GS: DI Gilbert Lassnig, MA. GS: Dr. Heimo Schader. LUNATIC GMBH, Morogasse 27/7, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN v. GF+GS: Senka Sepic. meetyour.fish Einzelunternehmen, Lakeside B 01, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN h. Inh.: Ing. Stefan Verhounig, M.Sc. Po.& Da.Immo KG, Peraustraße 24, 9500 Villach, FN a. GS: Adolf Pobaschnig. KOMM: Helena Dankl. HNS Web GmbH, Jesenfeldrain 2/7, 9500 Villach, FN g. GF: Emiliano Zanetti. GS: Sinoma Sacchetti Oberhammer. Huang Iper GmbH, GAV Center Handwerksstraße 22, 9500 Villach, FN i. GF+GS: Fenghua Huang. GS: Dingguang Zheng. RJ-Bau GmbH, St.Jakober Straße 53, 9400 Wolfsberg, FN g. GF+GS: Ing. Josef Six. HANA Media Gesellschaft mbh, Villacher Straße 40, 9300 St. Veit an der Glan, FN x. GF+GS: DI Lukas Hancik. GS: NFB Beteiligungs GmbH. Tijssen Landschaftsarchitektur KG, Politzen 30, 9702 Ferndorf, FN b. KOMM+Prok.: Thomas Perkonig. GS: DI (FH) Janis Tijssen. Bäckerei Jakits GmbH, Ebentaler Straße 225, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN w. GF: Raphael Jakits. GS: Leopold Jakits. BHI OG Bau - Handwerk - Industrieprodukte, Unterwuchel 13, 9131 Grafenstein, FN p. GS: Ludwig Kopp, Alexander Brummer. CMS Montagen Ltd, Niederlassung Österreich, Sterneckstraße 27, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN w. GF: DI Christian Garz. RPM Gebäudemonitoring GmbH, Frankenweg 2, 9100 Völkermarkt, FN s. GF: Mag. Gerhard Rabensteiner. GS: Reinhard Eder, Blechbaugesellschaft m.b.h.. SOLwash GmbH, Welsbachstraße 4, 9065 Ebenthal in Kärnten, FN i. GF+GS: Ing. David Klemen. Schachinger GmbH, Aussichtsweg 30, 9582 Oberaichwald, FN x. GF: Carmen Schachinger, Tina Schachinger. GS: Elfriede Schachinger, Franz Schachinger. Solidum GmbH, St.Veiterstr.34, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN m. GF+GS: Sonja Skofljanc. 4S Biodünger GmbH, Lastenstraße 7, 9560 Feldkirchen, FN f. GF+GS: Ing. Peter Siegel, Rudolf Siegel, GS: Mag. Jörg Siegel, Christina Siegel-Houtz. Biermanufaktur Loncium GmbH, Mauthen 60, 9640 Kötschach- Mauthen, FN w. GF+GS: Mag.(FH) Alois Planner, Klaus Feistritzer. MBK Finanzcheck GmbH, Feldkirchner Straße 138, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, FN y. GF+GS: Miriam Wagner. GS: Ingrid Velina, Brigitte Wagner. Fürst Immobilien GmbH, Lorbersteig 1/3/6, 9201 Krumpendorf, FN p. GF+GS: DI (FH) Julian Fürst. GS: Sabine Stibora. ERÖFFNETE INSOLVENZEN LG KLAGENFURT Christian Tomaschitz Installateur, Rain 7, 9130 Poggersdorf, Einzelfirma. MV: Mag. Dr. Bernhard Fink, 9020 Klagenfurt. (SV) FIRE FOX Bioheizsysteme Gesellschaft mbh, Eisenstraße 54, 9330 Treibach Althofen, FN170943m. MV: Dr. Harald Mlinar, 9300 St. Veit an der Glan. (K) S.M.A.R.T. Schaden Management Analyse Renovation Technologie GmbH, Anton Tuderstraße 2, 9500 Villach, FN274074a. MV: Dr. Bernhard Hundegger, 9500 Villach. (SV) Cafe Syno KG, St. Veiter Straße 104, 9020 Klagenfurt, FN348993a. MV: Dr. Kurt Hirn, 9020 Klagenfurt. (K) Eduard Laritz Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Weizenweg 6, 9241 Wernberg, FN224774a. MV: Dr. Paul Wachschütz, 9500 Villach. (K) LUEDER Fruchthandel Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Ackerweg 9/1, 9500 Villach, FN159842m. MV: Dr. Helmut Binder, 9500 Villach. (K) EIS DOLCE CREMA Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Neuer Platz 10, 9020 Klagenfurt, FN413305b. MV: Mag. Herbert Premur, 9020 Klagenfurt. (SVE) Abdelmaj Abassi Kaffeehaus Cip- Cafe Privat: Bernhardstraße 25, Südpark 1, 9020 Klagenfurt, Einzelfirma. MV: Mag. Robert Levovnik, 9020 Klagenfurt. (K) (K) = Konkurs, (SV) = Sanierungsverfahren, (SVE) = Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Forderungen können u.a. beim Kreditschutzverband, 1120 Wien, Wagenseilgasse 7, angemeldet werden. Tel: , Fax: ;

10 10 Unternehmen Mittwoch, 3. Juni 2015 MÖBELHANDEL Rutar expandiert nach Italien Zentrale Expansionsvorhaben in Slowenien und Italien möchte die Kärntner Möbelkette Rutar heuer und nächstes Jahr umsetzen: Drei neue Häuser sollen bis 2016 entstehen. michaela GeIStLer-QUenDLer EBERnDoRF. in Slowenien ist Rutar bereits mit neun Möbelhäusern vertreten. Die geplanten beiden neuen Märkte unter der Diskontmarke Dipo sollen sich in nova Gorica und novo Mesto präsentieren. Eröffnet werden sollen sie 2015 und Damit ist die Expansion in diesem Land abgeschlossen. Das unternehmen erwirtschaftet zurzeit etwa die hälfte seines umsatzes in Slowenien. umstrukturierungen gab es kürzlich am ursprünglichen Firmensitz in Eberndorf: wir haben eine interne umstrukturierung der Betriebsflächen durchgeführt und das Lager von zentral auf dezentral umgestellt. Sämtliche Arbeitsplätze in Verbindung mit Weichselbraun Helmuth Weixxx Josef Rutar beschäftigt in seiner Möbelhausgruppe 800 Mitarbeiter. unserem Servicecenter bleiben erhalten. nun widmet sich das unternehmen dem norditalienischen Raum. heuer soll das erste haus in udine entstehen, sagt Geschäftsführer Josef Rutar. Man wolle vom norden italiens in den Süden vorstoßen. Anfangs gestaltete sich das Engagement im Ausland vielfach schwierig. Man finde andere kulturelle, rechtliche und steuerliche Gegebenheiten als in Österreich vor, so Rutar. Hoffnungsmarkt Italien in italien bieten sich neue Marktchancen: Möbelcenter reihen sich dort kaum aneinander, große Ketten mit unterschiedlichen Preissegmenten seien kaum vertreten. Das kann man mit der österreichischen Möbelhausdichte nicht vergleichen, sagt der Geschäftsführer. um den Marktvorteil zu nutzen und sich gegen andere nördliche Branchengrößen behaupten zu können, wurde Rutar Gesellschafter der größten Einkaufsgemeinschaft Europas. Darin haben sich 30 handelsunternehmen mit 180 Standorten in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Slowenien zusammengeschlossen, um am Markt billig auftreten zu können. Das umsatzvolumen dieser Einkaufsgemeinschaft beträgt 3,5 Milliarden. Als regionales unternehmen sei Rutar nah am Kunden, sagt der Geschäftsführer. Dies ermögliche auch, neue Entwicklungen im Konsumentenverhalten, etwa durch die zunehmende Digitalisierung, verstärkt wahrzunehmen. Der konsolidierte umsatz der Rutar-Gruppe liegt bei 100 Millionen ; 800 Mitarbeiter sind beschäftigt. Die Autorin des Artikels erreichen Sie unter SOFTWARE Ein Accelerator als Türöffner für Symvaro KLAGEnFuRt. Mit Applikationen, die Behördenwege vereinfachen sollen, hat die Software-Firma Symvaro mit Sitz in Klagenfurt auf sich aufmerksam gemacht. Dazu gehört die wasser-app, die eine Zählerstandsermittlung via Smartphone und internet ermöglicht, oder die Müll-App mit informationen zur Entsorgung. Das Know-how weckte interesse in Slowenien: in Laibach nutzt das unternehmen derzeit die chance, am ABc Accelerator - Programm teilzunehmen. Der Accelerator ( Beschleuniger, Anm.) unterstützt Firmen dabei, international wachsen zu können, erklärt Geschäftsführer Beigestellt Symvaro-Team: Gernot Fleiss, Rudolf Ball und Philip Kozeny (v.l.) Rudolf Ball. Von 120 Bewerbern aus elf Ländern wurden acht für das Programm ausgewählt, Symvaro als einziges österreichisches unternehmen. Die Ressourcen stellt der Accelerator zur Verfügung, der dafür Geschäftsanteile von acht Prozent erhält. Die trainer sind erfolgreiche unternehmer und Mentoren. Drei Monate dauert die Vorbereitung auf den Demo-Day am 24. Juni, bei dem sich Symvaro vor 200 investoren präsentieren kann. Derzeit kommen die Kunden der Firma aus Österreich und Deutschland. Ziel ist es, die innovationen des unternehmens künftig europaweit vertreiben zu können. Vor dem Demo-Day erhält Symvaro Gelegenheit, sich am 13. Juni auf der EXPo in Mailand im slowenischen Pavillon darzustellen gegründet, erarbeitet die Firma, die 2014 mit zwölf Mitarbeitern Euro umsatz erwirtschaftete, Software-Lösungen für kluge Städte. wir möchten Bürger und citys näher zusammenbringen, sagt der Geschäftsführer. Zuletzt entwickelte Symvaro mit der Kärnten werbung, der Zentralanstalt für Meterologie und Geodynamik und der Softwarefirma net4you eine Kärntner wetter-app. [bgq]

11 Mittwoch, 3. Juni 2015 Unternehmen 11 MÜHLE Kropfitsch investiert in neue Maschinen KLAGEnFuRt. Die zunehmende industrialisierung führt in der Mühlenbranche Österreichs zu einem Strukturwandel. wenige große Mühlen beherrschen den Markt, die kleinen gewerblichen Mühlenbetreiber punkten mit Spezialitäten und der Mittelbau wird ausgedünnt, sagt der Klagenfurter Mühlenbetreiber Martin Kropfitsch. Als Geschäftsführer und 60-Prozent-Eigentümer der Kärntner Mühle Kropfitsch & Glanzer Gmbh beschreibt er damit auch die aktuelle Situation der Getreidemühlen in Kärnten. Angesichts dieser Entwicklung hat sich unsere vor knapp zwei Jahren erfolgte Fusion mit der Glanzer Mühle in Spittal/Drau bestens bewährt, resümiert Kropfitsch. Er teilt sich die Geschäftsführung mit otto Glanzer, der 40 Prozent des unternehmens hält. Ein Drittel Export Die vier größten Mühlen in Kärnten, zu denen auch die trattner Mühle, die Ebenthaler Mühle und die thalhofmühle zählen, vermahlen jährlich tonnen Getreide, erklärt Kropfitsch, der auch Fachgruppenvorsitzender der wirtschaftskammer Kärnten ist. Zum Vergleich: Von Goodmills in niederösterreich, der größten Mühlengruppe Österreichs, werden jährlich tonnen Getreide vermahlen. weizen und Roggen machen pro Jahr tonnen aus. Etwa ein Viertel stammt aus Kärnten, der Rest wird aus anderen Bundesländern zugekauft. Mehr als ein Drittel der Produktion werde in Form von weizenmehl nach italien, Slowenien, Kroatien und darüber hinaus bis nach Montenegro exportiert, informiert otto Glanzer. Rohstoffkosten steigen 2014 erzielte die Kärntner Mühle, die 30 Mitarbeiter beschäftigt, einen umsatz von rund neun Millionen, heuer rechnet man mit 9,5 Millionen. Etwa eine Million soll dieses Jahr in den Maschinenpark investiert werden. Beliefert werden Bäcker, die Backindustrie und der Lebensmitteleinzelhandel. wenig erfreut sind Kropfitsch und Glanzer über die schwankenden Rohstoffpreise, die etwa 70 Prozent der Mehlkosten ausmachen. Man kann sie nur schwer an den Kunden weitergeben. Besonders gut entwickle sich, so Kropfitsch, das Projekt Kärnten Korn. wir liefern speziell gekennzeichnete und kontrollierte Qualitätsmehle exklusiv an 16 Bäcker, die wir auch werbe- und marketingmäßig unterstützen, sagt Kropfitsch. Die wertschöpfung, vom Anbau bis zum fertigen Backprodukt, bleibe im Land. transparenz und Qualitätssicherheit bietet eine iso-zertifizierung. [gema] Erfolg durch Fusion: Martin Kropfitsch (links) und Otto Glanzer. Kärntner Mühle FERTIGUNG Hirsch plant Ausbau der Produktion Hirsch Armbänder setzte zuletzt rund 65 Millionen um. KLAGEnFuRt. hirsch-armbänder werden inzwischen weltweit in 85 Ländern vertrieben. Der Produktionsbetrieb der hirsch Armbänder Gmbh in Klagenfurt soll nun weiter ausgebaut werden, teilt ceo Robert hirsch mit. Längerfristig sei daran gedacht, auch die Armbandherstellung in Südostasien in das Mutterhaus zu verlegen, da sich das Lohnniveau dort langsam dem unsrigen angleicht. Der umfang der Erweiterung, die bis 2017 stattfinden soll, stehe noch nicht fest. hinsichtlich der wertschöpfung liege der Standort in Klagenfurt mit seinen 420 Mitarbeitern klar vorne; gemessen an der Stückzahl ist es Südostasien, ergänzt corporate communications Manager Birgit nicolelli, ohne konkrete Zahlen zu nennen. nur so viel: 2012 wurde das 250-millionste Armband hergestellt. Zukunftsmärkte in den vergangenen drei Jahren stieg der Jahresumsatz des unternehmens von 56 Millionen auf 65 Millionen. Auch heuer rechnen wir mit einem umsatzplus von 30 bis 40 Prozent, so nicolelli. Die tragenden Säulen der Geschäftstätigkeit seien die uhrenindustrie wie auch der gehobene Fachhandel. Zu den top- Exportmärkten zählt in Europa vor allem die Schweiz, wo wir als Erstausrüster für Luxusmodelle fungieren. Darüber hinaus werde neben Asien und Amerika vor allem Südamerika als Zukunftsmarkt gesehen, sagt nicolelli. Der Erfolg des unternehmens liege in der ständigen weiterentwicklung, so Robert hirsch. Als aktuelles Beispiel nennt er die 2014 eingeführte siebenteilige hirsch Performance collection. Das ist ein gänzlich neuer Produkttypus, der die beiden Materialien Leder und Kautschuk in einem Armband vereint, erklärt der Firmenchef. Diese Kollektion sei 2015 mit dem begehrten reddot Design-Award in der Kategorie Schmuck ausgezeichnet worden. hirsch biete mehr als Einzelartikel an und arbeitet unter anderem mit Kiska Design in Salzburg zusammen. teil der Produktpalette sind auch hightech-armbänder mit integriertem Mikrochip, der Zutrittsberechtigungen, persönliche Daten oder Geldwerte speichern kann. Handarbeit Die herstellung von Armbändern im hochpreisigen Segment erfordere etwa 60 Arbeitsschritte, die weitestgehend händisch durchgeführt werden müssen. Das erkläre auch den hohen Mitarbeiterstand in Klagenfurt, informiert Robert hirsch. Das Familienunternehmen feiert im Juni gleich drei Jubiläen: 250 Jahre Lederverarbeitung, 70 Jahre uhr-armband, und seit zehn Jahren ist Robert hirsch Geschäftsführer und Eigentümer des Armbandherstellers. [gema] Hirsch

12 12 Unternehmen Mittwoch, 3. Juni 2015 PORTRÄT Ich esse kein frisches Brot Vom Wolfgang- an den Wörthersee zog Manfred Raudaschl der Liebe wegen. Dort fand er eine Großfamilie. Und eine Bäckerei, die er zur ersten reinen Biobäckerei Kärntens machte. Puch VOn teresa-antonia SPArI AM RADAR Eigentlich ist unser Geschäft kundenfeindlich, sagt Bäcker Manfred Raudaschl. Er produziert in seiner Bäckerei in Krumpendorf nur Mengen, die auch verkauft werden können. Da kommt es schon einmal vor, dass ein Kunde kurz vor Ladenschluss nur mehr einen Kaffee bekommt. Geschlossen wird übrigens um 13 uhr, am Sonntag um 10 uhr umsatz im vergangenen Jahr zeigen, dass sein Konzept funktioniert: Qualität statt Erreichbarkeit rund um die uhr. Biologisches Gebäck und Eigenkreationen statt Einheitsgebäck aus dem Backautomaten. Die Schaumrolle aus Kamut etwa. oder das Brot aus Leintrester, den Resten der Leinöl-Produktion. Es hat viele omega-3-fettsäuren und ist damit perfekt geeignet für Veganer. Außerdem bleibt es drei wochen frisch, sagt Raudaschl. Deshalb werde es auch nur ein Mal in der woche produziert. Die Bäckerei, die Raudaschl von seinen Schwiegereltern übernommen hat, besteht seit Generationen und liegt in Krumpendorf abseits der hauptstraße. Die Bank hielt mich für wahnsinnig, einen Kleinbetrieb zu übernehmen, weil zu der Zeit gerade die Backshops der Ketten aus dem Boden schossen. in seiner heimat, am wolfgangsee, hätte Manfred Raudaschl den gut gehenden Betrieb seines Lehrherren übernehmen können. noch bei meiner hochzeit hat er ihn mir angeboten. Zu dem Zeitpunkt war Raudaschl schon in die Manfred Raudaschl hat sich dem Urgetreide Kamut verschrieben: Brot, Croissants und Reindling werden daraus gebacken. Kunden, die spät kommen, stehen mitunter vor leeren Regalen. Großfamilie nadrag integriert: Die Entscheidung gegen den wolfgangsee fiel schweren herzens. Aber damals war unser erster Sohn, Julian, schon auf der welt, der zweite unterwegs. Abenteuer Unternehmen Damals war Manfred Raudaschl auch gerade Produktionsleiter der Kärntner Bäckerei Legat, hatte geregelte Arbeitszeiten, ein fixes Einkommen, urlaub und andere Annehmlichkeiten. Aber ich wollte schon als Kind unternehmer werden. und meine eigenen ideen umsetzen, sagt er. Dass er das in der Bäckerbranche macht, war Zufall: Mein Vater starb, als ich sechs Jahre alt war. Als Jugendlicher suchte ich nach einer Lehre, bei der ich tagsüber zu hause sein und meiner Mutter helfen konnte. nach der Lehrzeit arbeitete er in der Sommersaison am wolfgangsee, im winter in obertauern, wo er auch seine Frau Elke kennenlernte. Statt urlaub zu machen, besuchte ich im herbst Kurse, machte die Meister- und unternehmerprüfung sowie die Gastrokonzession. Mit Letzterer betreibt er in seiner Bäckerei auch ein Kaffeehaus. Die Übernahme des Betriebes lief nicht reibungslos: Mit der umstellung auf Bio kamen radikale umsatzeinbrüche, sagt Manfred Raudaschl. Statt mit werbung versuchte er es mit Aufklärung: einer Schaubackstube, Vorträgen in Schulen. heute vertreibt er mit einem Partner sein Gebäck in ganz Kärnten. Bestellungen funktionieren online, Kunden gibt es bis nach hamburg. Begonnen habe ich mit drei Lieferwagen und treibstoffkosten. Durch den Partner habe ich nur noch einen wagen, und der wird so gut wie nie gebraucht. Die Bezeichnung einziger Bio-Bäcker Kärntens macht Manfred Raudaschl daran fest, dass er vom eigenen Saatgut weg seine Produkte ausschließlich mit Biozutaten herstellt. heute suchen die Kunden nach mir statt ich nach den Kunden. Zugute komme ihm der allgemeine trend, auf den eigenen Körper und gesunde, nachhaltige Ernährung zu achten. Lebenswandel Mit der Biobäckerei kam die umstellung der eigenen Essgewohnheiten. ich esse ein bis zwei Mal die woche Fleisch. Vielleicht einmal im Monat ein hendl. Das kenne ich aber dafür beim namen. Brot isst er am liebsten, wenn es ein paar tage alt ist: Ein gutes Produkt reift im Geschmack. und sollte zu Ladenschluss doch einmal etwas übrig bleiben, wird es nicht weggeworfen, sondern tiefgefroren und dem Roten Kreuz geschenkt. wirtschaftlicher wäre leider, es wegzuschmeissen, sagt Manfred Raudaschl. Die Autorin des Artikels erreichen Sie unter

13 Redaktion Alexander Pfeffer Mittwoch, 3. Juni 2015 Businesstalk 13 GALA Peroutka (3) $ Fest der Familienerfolge wien. Eine Gala für Österreichs beste Familienunternehmen: Das wirtschaftsblatt hatte gemeinsam mit seinen Partnern, dem Bankhaus Spängler, BDo Austria und der Österreichischen notariatskammer, in die Aula der wissenschaften geladen. Zum Kärnten-Sieger wurde dabei das Kinder-Sporthotel Brennseehof mit seinen Eigentümern Erika und Siegfried Palle gekürt. Der Österreich-Sieg ging an die Fussl Modestraße Mayr Gmbh. Finanzminister hans Jörg Schelling hielt die Festansprache, in der er sich für den Einsatz und das Engagement der Familienunternehmen bedankte, und Karl-heinz Strauss, chef der Porr AG, war der Keynote- Speaker des Abends. Rund 300 Gäste ließen die Gewinner bei der anschließenden Feier hochleben. " & # Das Kinder-Sporthotel Brennseehof ist Kärntens bestes Familienunternehmen 2015: Notariatskammer-Generalsekretär Christian Sonnweber (l.) beglückwünscht die Eigentümer Erika und Siegfried Palle zum Erfolg.!In Christoph Neumayer (l.), Generalsekretär der Industriellenvereinigung, mit Karl-Heinz Strauss, Vorstandsvorsitzender der Porr AG und Keynote-Speaker der Veranstaltung, beim festlichen Empfang mit rund 300 Gästen. % In einer wirtschaftlich anspruchsvollen Zeit sind solche Veranstaltungen von besonderem Wert : Finanzminister Schelling im Einsatz als Festredner bei der Gala in der Aula der Wissenschaften. Ihr Event ist unser Business Ein rundes Jubiläum, das Ihr Unternehmen feiert, eine festliche Präsentation, zu der Sie Business-Partner laden, oder ein Galaabend, der mit hochkarätigen Gästen über die Bühne geht: Halten Sie uns auf dem Laufenden, schicken Sie uns Informationen und mailen Sie uns!

14 14 Familienunternehmen Mittwoch, 3. Juni 2015 EXPERTENTIPP Hackerangriffe erfolgreich abwehren Die Anzahl an spektakulären Datendiebstählen hat sich laut aktueller KPMG-Studie in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt. Dabei reichen die Ziele der hacker von Betriebsspionage über Diebstahl von personenbezogenen Daten bis hin zu Erpressung. unternehmen werden aus verschiedenen Gründen zum opfer. oft ist die Konkurrenz an Forschungsergebnissen, Qualitätsdaten der Produktion oder Ausschreibungsinformationen interessiert. Beauftragte hacker platzieren zielgerichtet ein Schadprogramm, das sich im unternehmenssystem verteilt und dieses nach Datenbanken, Projektverzeichnissen und E- Mail-Daten durchsucht, die anschließend oft unbemerkt ins internet kopiert werden. Geringe Sicherheitsniveaus. in anderen Fällen werden unternehmen ausgewählt, bei denen der cyberangriff aufgrund eines geringen Sicherheitsniveaus erfolgversprechend ist. Die unternehmen werden über voll automatisierte Scans, die permanent über das internet ausgeführt werden, identifiziert. wenn zum Beispiel ein Serversystem nicht regelmäßig upgedatet wird, ist es den Angreifern möglich, die Gewalt darüber zu erlangen. unternehmen können hier bereits mit einfachen Mitteln cyberangriffen vorbeugen. wenn technische Absicherungsmaßnahmen bereits implementiert worden sind, überschätzen viele unternehmen deren Schutz. cyberkriminelle verbessern ihre techniken zunehmend, und erfolgreiche Einbrüche werden oft nicht bemerkt, sondern als normaler it-ausfall behandelt. Da die hacker lediglich einen Angriffspunkt im System finden, die unternehmen hingegen alle Schwachstellen vermeiden müssen, ist der Aufwand für einen erfolgreichen Angriff viel geringer als jener, sein unternehmen zu schützen. Erschwerend kommt hinzu, dass die it-abteilungen bemüht sind, nach Systemunregelmäßigkeiten oder -ausfällen möglichst rasch den Geschäftsbetrieb wiederherzustellen. Doch zur Erkennung eines cyberangriffs sind oft umfassende Analyseschritte notwendig. Die Experten sogenannte cyberforensiker suchen in den verfügbaren Systemdaten nach der nadel im heuhaufen, um die Existenz eines Angreifers aufzudecken. Erst durch die genaue Aufarbeitung kann festgestellt werden, wo der wahre Schaden liegt und ob rechtliche Verpflichtungen zu erfüllen sind. Denn sobald während eines cyberangriffs personenbezogene Daten wie etwa Kreditkarteninformationen betroffen sind, muss eine Meldung nach dem Datenschutzgesetz erstattet werden. Familienunternehmen sollten sich darüber im Klaren sein, wo sich ihre wichtigsten informationen befinden. Zudem ist es notwendig, Verantwortliche für informationssicherheit sowie adäquate Schutzmaßnahmen zu definieren. Die widerstandsfähigkeit gegen cyberangriffe zu erhöhen gelingt nur dann, wenn die it-sicherheit im unternehmen den entsprechenden Stellenwert bekommt und die unternehmensleitung einen regelmäßigen Lagebericht erhält. Externe Audits bringen innovative ideen zur Abwehr mit ein. walter ZEnKL Partner KPmG IT-SICHERHEIT Mit der Firewall Die Spedition G. Englmayer hat sich auf die wachsende Bedrohung im Internet vorbereitet: Nachdem das Unternehmen in ausfallsichere Systeme investiert hat, wurde nun die Firewall ausgetauscht. VOn WOlFGanG DruCKer Wir hatten noch keinen Angriff auf unser System, sagt Robert hacker, it-abteilungsleiter beim Familienunternehmen G. Englmayer. Damit dies auch so bleibt, hat sich das oberösterreichische Logistikunternehmen nun besser auf mögliche Bedrohungen vorbereitet. nach einer genauen Auswahl der Produkte am Markt Bedienfreundlichkeit und flexible Anpassung waren wichtige Kriterien hat sich das unternehmen vor Kurzem für eine neue Firewall-Lösung entschieden (unter dieser Art Schutzmauer versteht man eine Software, die einzelne Computer oder das System vor unerwünschten Zugriffen aus dem Internet schützt, Anm.) in der Vergangenheit hat man oft zugewartet, sagt hacker. Viele unternehmen hätten erst reagiert, wenn der Ernstfall eingetreten ist. Diese Zeiten seien nun aber vorbei. hacker: Eine Sicherheitsvorsorge ist längst State of the Art. Das wird auch in der Als Spedition ist das Unternehmen Geschäftsleitung bewusst wahrgenommen. Familienunternehmen haben längst allen Grund, sich auf die neue Bedrohungslage einzustellen. wie sich im vergangenen Jahr zeigte, haben internetkriminalität und die Zahl der Angriffe auf computersysteme stark zugenommen. Das belegt eine Statistik des österreichischen computer Emergency Response team (cert): 2014 verzeichnete das cert bereits knapp Fälle, die tatsächlich ein Sicherheitsrisiko darstellten; über Mal hat die Stelle betroffene unternehmen, organisationen und Privatanwender informiert und bei der Behebung von Problemen unterstützt. Stärker vernetzt noch dramatischer sind Studien von Beratungsunternehmen. Laut diesen wurde in den vergangenen zwei Jahren bereits jedes vierte unternehmen opfer eines cyberangriffs, so die Einschätzung von Experten. Die durchschnittliche Schadenshöhe betrug dabei rund Bei G. Englmayer muss man gerade punkto it- und Daten-

15 Mittwoch, 3. Juni 2015 Familienunternehmen 15 gegen neue Gefahren gerüstet Englmayer (3) G.Englmayer mit Kunden und Partnern gut vernetzt. Eine moderne und sichere IT-Infrastruktur ist hier besonders wichtig. sicherheit vorne dabei sein, sagt hacker. Denn als Spedition ist man mit Kunden und Partnern stärker vernetzt und it-lastiger als in anderen Branchen. Die neue Firewall sie wurde an allen 17 niederlassungen eingeführt, ist dabei aber trotzdem zentral verwaltbar ist dabei aber nur ein Bestandteil einer umfassenden Sicherheitsstrategie. nachdem vor Jahren einmal das hauptsystem ausgefallen sei, habe man längst auf hoch verfügbare Lösungen umgestellt, berichtet hacker. Das sei auch deshalb notwendig, weil man sich heute einen it-ausfall kaum mehr leisten könne. Umfassende Strategie Eine Sicherheitsvorsorge ist längst State of the Art. ROBERT HACKER ABTEILUNGSLEITER IT G. ENGLMAYER Bei Englmayer habe man erkannt, dass in die it investiert werden muss, erzählt hacker. wie viel ein unternehmen für die Sicherung der it-landschaft budgetieren muss, lasse sich aber kaum sagen, denn zu einer umfassenden Strategie gehören viele Aspekte. Das reicht bis hin zur Schulung von Mitarbeitern. Eines lässt sich aber sagen: Mit dem richtigen Konzept kann man sich auch mit überschaubaren Budgets gut absichern. Das unternehmen ist nach dem Einbruch in der Krise wieder auf wachstumskurs: Der umsatz hat sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt aktuell beschäftigt Englmayer rund 450 Mitarbeiter. Den autor des artikels erreichen Sie unter n Die Serie Familienbetriebe wird von der WirtschaftsBlatt-Redaktion in völliger Unabhängigkeit inhaltlich gestaltet und erscheint in Kooperation mit KPMG. Die Spedition hat im oberösterreichischen Wels ihren Hauptsitz und Niederlassungen in Wundschuh, Leopoldsdorf und Salzburg. FAKTEN n Das Unternehmen wurde 1858 von Martin Dollhäubl gegründet und später nach dem Stiefsohn und Nachfolger Georg Englmayer benannt wurde das Unternehmen zum k. k. amtlich bevollmächtigten Zollagenten, was die Unternehmensentwicklung nachhaltig beeinflusste. n 1994 wurde in Ungarn die erste Auslandsniederlassung gegründet. Heute ist das Unternehmen mit eigenen Töchtern auch in Tschechien, der Slowakei, Rumänien, Kroatien und Slowenien vertreten. n Pro Jahr fertigt das Unternehmen etwa 1,5 Millionen Sendungen ab. Am Firmensitz verfügt Englmayer über Quadratmeter Lagerhallen und 5000 Quadratmeter Büroflächen. Laut Firmencompass betrug der Umsatz in Österreich rund 13 Millionen.

16 16 Mittwoch, 3. Juni 2015 FORUM Diskutieren Sie mit: ONLINE-UMFRAGE Planen Sie heuer eine Aus- und Weiterbildung? Ein Sommer wie damals, ein Sommer in Kärnten 45 impressum % 10 n = 230 Stimmen; WirtschaftsBlatt Grafik/Cmund Nein 45 % Ja, Hochschule 25 % Ja, bei Wifi, bfi etc. 20 % Ja, innerbetrieblich 10 % Von 230 Lesern wollen sich 2015 mehr als die Hälfte weiterbilden ein Viertel davon an einer Hochschule. Medieneigentümer, Herausgeber und Verleger: WirtschaftsBlatt Medien GmbH, Anschrift: Hainburger Straße 33, 1030 Wien, Telefon: 01/ Redaktion: DW 164, Fax 259 Vorsitzender der Geschäftsführung: Dr. Rudolf Schwarz Geschäftsführung: Mag. Herwig Langanger Chefredakteure: Eva Komarek, Gerhard Hofer Redaktionsleitung Regionalausgaben: Markus Stingl, DW 164, Geschäftsleitung Werbemarkt: Romana Stelzl, DW 281, Produktionsleitung: Ing. Matthias Netopilek Marketingleitung: Brigitte Galley Vertriebsleitung: Regina Giller Abonnements: Regionale Ansprechpartner in Kärnten: Redaktion: Verkauf: Sonja Grobauer, 0676/ , Offenlegung gem. 25 MedienG. Hersteller: Druck Carinthia GmbH & Co KG Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach 44 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Gerichtsstand ist Wien. Pfingsten hat die Schwächen des Kärntner tourismus klar vor Augen geführt: Drei tage Dauerregen und Kärntens Betten bleiben leer. Reihenweise flüchten die Kärntner und ihre Gäste an die obere Adria, nach Kroatien oder bleiben zu hause auf der couch. Seit Jahren wird das vermisst, was Studien und tourismusexperten schon lange predigen: ein Allwetterangebot. Das Villacher Atrium, die city Arkaden oder die Kärnten therme reichen nicht aus, um die verwöhnten Gäste in den österreichischen Süden zu locken. Seit Jahren bewegt sich der tourismus nicht vom Fleck und ignoriert geradezu trotzig das Schrillen der Alarmglocken beauftragte die Landesregierung das Marktforschungsinstitut ogm mit dem weißbuch tourismus Kärnten. Ziel war eine tourismusvision für 2015 unter dem Motto Kärnten urlaubsland für das ganze Jahr. Ginge es nach ogm, hätte Kärnten heuer unter anderem vier starke tourismussaisonen, eine um 25 Prozent gesteigerte touristische wertschöpfung und wäre Österreichs erste Adresse für Sport und Aktivurlaub in intakter umwelt, themenführer für ganzheitliche Gesundheit, Kongressstandort nummer drei in Österreich und winterurlaubsland nummer eins in Europa. tatsache ist, dass Kärnten nichts davon erreicht hat, die umwelt dank hcb Skandal auch nicht mehr so intakt ist und das image des Landes sich so verändert hat, dass das Motto Kärnten urlaub bei Freunden nicht zu unrecht von der Bildfläche verschwunden ist. Die 1,5 Milliarden, die tourismusbetriebe in den vergangenen 13 Jahren investierten, konnten weder den Verfall der nächtigungszahlen stoppen noch die Aufenthaltsdauer der Gäste verlängern. unlängst sagte sogar Kärnten werbung chef christian Kresse: wir haben in Kärnten kein Marketingproblem, sondern ein Produktproblem. Abseits dieser traurigen tatsachen änderten sich auch die Rahmenbedingungen: Der Gast wird kritischer, akzeptiert keine Qualitätsmängel, die Sonne scheint auch im südlichsten Bundesland nicht auf Bestellung, und der Klimawandel wird dazu führen, dass Kärntens Skigebiete irgendwann ohne Schnee auskommen müssen. Dem Kärntner tourismus steht eine düstere Saison bevor, und das liegt nicht zwangsläufig am wetter. AnnA offner

17 Mittwoch, 3. Juni 2015 Forum 17 ZITAT Durch den Ausbau des Karawankentunnels wird die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Regionen gestärkt. ANGESPITZT wikipedia/cunha KARL ERJAVEc Außenminister Slowenien Illustration: Michael Riedler WIRTSCHAFTSBLATT REGIONAL IHR TEAM Markus Stingl [mast] Der Kärntner leitet das Regionalressort im WirtschaftsBlatt. Georg K. Maurer [gema] Schreibt über Unternehmen in Kärnten sowie über Immobilien und Karrierethemen. Teresa Spari [tasp] Die langjährige Wahlkärntnerin schreibt über KMU und Wirtschaftspolitik. Anna Offner [off] Die gebürtige Kärntnerin interviewt führende Politiker und Unternehmer. Martina Madner [mad] Die Arbeitsmarktexpertin schreibt über Politik, Bildung, Karriere und Unternehmen. Claudia Peintner [clp] Die Osttirolerin schreibt über Neuigkeiten aus Unternehmen und über Wirtschaftsthemen. Michael Vorauer [vorm] Beobachtet die Unternehmenslandschaft und berichtet über wirtschaftlich relevante Themen. Christoph Pridun [chp] Berichtet über wirtschaftliche Events und Unternehmensveranstaltungen in Ihrem Bundesland. ANZEIGENKONTAKT Sonja Grobauer ist Ihre Ansprechpartnerin in Kärnten. Telefon: 0676/ REDAKTION Telefon: 01/ DW 164, Fax 259

18 18 Branchenreport Mittwoch, 3. Juni 2015 TAGUNGEN Kongressanbieter dürfen sich Nach dem Motto Wer stehen bleibt, verliert investiert die heimische Tagungsbranche in Seminarräume, Gemüsegärten oder Autohäuser. Die Bedeutung von Technik und Green Meetings nimmt zu. Von claudia peintner Die Lage im herzen Europas macht Österreich offenbar zu einer beliebten Destination für tagungen. Die Anzahl der Kongresse, Firmentagungen und Seminare stieg 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 9,7 Prozent auf Veranstaltungen österreichweit. Von den teilnehmern kam rund ein Drittel aus dem Ausland. So weit die offiziellen Zahlen. Ein wirtschaftsblatt-rundruf quer durch Österreichs Bundesländer zeigt: Die herausforderungen in der Branche sind groß mitunter wird aus diesem Grund in die infrastrukur investiert in wien laut Kritikern allerdings zu wenig. Flipchart auf der Wiese tatsache ist: Die wirtschaftskrise wirkt sich seit einigen Jahren bei der Kooperationsfreudigkeit von Ausstellern und Sponsoren negativ aus. Darauf zurückzuführen ist auch, dass im Vorjahr auf nationaler Ebene etwa die teilnehmeranzahl pro Event um 9,3 Prozent zurückging, die durchschnittliche Dauer einer tagung um 4,1 Prozent. Das Geschäft im Seminarbereich stagniert, sagt Gerald Stoiser, Direktor des steirischen thermenhotels Stoiser. Denn Seminare und weiterbildung werden als Erstes gestrichen, wenn es ums Kosteneinsparen gehe. Als hotel müsse man sich für diese Kundengruppe stark positionieren und Bereichen, die in die Die Nachfrage nach außergewöhnlichen Locations steigt. GERNOT MARX GESCHÄFTSFÜHRER SALZBURG CONVEN- TION BUREAU Jahre gekommen sind, ein neues outfit geben. Das thermenhotel investiert heuer 3,3 Millionen : Seminarräume mit direktem Zugang in den Gartenbereich werden erneuert und mit einer Klimaanlage ausgestattet, Pausenräume werden umgebaut, und es entsteht ein Ruheraum speziell für Gesundheitsseminare. in der Steiermark hat auch das Grazer Palais-hotel Erzherzog Johann seine Seminarund Besprechungsräume modernisiert. neben dem thermenhotel Rogner Bad Blumau entsteht derzeit ein Bio-Acker. Es wird Gemüse angebaut, das später von Seminargästen geerntet und mit dem Küchenchef des hotels gemeinsam zubereitet werden soll. Laut einer umfrage des Aus- DEFINITIONEN n Kongresse sind ein- bis mehrtägige Zusammenkünfte von Personen zum beruflichen Austausch. Ziel: die Vermittlung von aktuellen Fachkenntnissen und Networking. n Firmentagungen sind geschäftlich orientierte Meetings mit mindestens zehn Teilnehmern, die dasselbe Unternehmen, dieselbe Unternehmensgruppe, Joint Ventures oder Kunden-Lieferantenbeziehungen repräsentieren. n Seminare haben einen intensiven Schulungscharakter für ein Fachpublikum. Generell weisen Seminare weniger Teilnehmer und eine kürzere Dauer auf.

19 Mittwoch, 3. Juni 2015 Branchenreport 19 nicht auf Lorbeeren ausruhen Die Trends. Interaktiv, variabel und grün Eine gute Location reicht nicht aus, weiß thomas Ziegler, Direktor des Design center Linz. Es brauche ein Rundum-wohlfühl-Paket, das Kunden von einem einzigen Ansprechpartner geschnürt bekommen. wer sein Meeting abwechslungsreich gestalten will, könne mit zusätzlichen, auf das tagungsthema abgestimmten Locations zum Perspektivenwechsel anregen. Es gebe auch viele Sitzvarianten, die dazu beitragen, dass die inhalte einer Veranstaltung im Gedächtnis bleiben. tria convention Bureau (AcB) beträgt das investitionsvolumen im tagungssegment von 2012 bis 2017 rund 138 Millionen. Dabei wird vor allem in technik, Ausstattung und Modernisierung investiert. Bis zum Jahr 2017 sind es noch 33 Millionen, die Kongresszentren, hotels und co. ausgeben wollen. Neue Tagungshochburgen Schaut man sich aktuelle Baustellen an, werden es wohl deutlich mehr sein: Das congresszentrum Alpach wird unter anderem um einen zweiten, 426 Quadratmeter großen Plenarsaal sowie drei weitere Seminarräume erweitert. Die Gesamtkosten, die sich das Land tirol, die Europaregion tirol- Südtirol trentino sowie Gemeinde und tourismusverband teilen, Die heimische Tagungswirtschaft ist 2014 weiter gewachsen Veranstalter wie das Congresszentrum Alpach investieren in die Infrastruktur. belaufen sich auf 9,7 Millionen. in Feldkirch eröffnete zu Jahresbeginn das Monforthaus nach zweijähriger umbauphase. in das Kongress- und Veranstaltungszentrum flossen 44,1 Millionen. Für 28 Millionen sollen bei der Messe Dornbirn heuer statt vier kleinerer Standorte zwei große hallen errichtet werden. Dadurch sei man für neue Veranstaltungstypen verwendbar, heißt es von den Betreibern. Auch Mattersburg im Burgenland soll ein neues Kulturzentrum bekommen. Das herzstück werde ein Saal mit einem Fassungsvermögen von 600 Personen sein. Die multimediale technische Ausstattung aller Veranstaltungsräumlichkeiten sei auf den aktuellen Stand der technik zu bringen, sagt wolfgang Kuzmits, Geschäftsführer der Kultur-Service Burgenland Gmbh, die die fünf burgenländischen Kulturzentren betreibt. intensiv in die Erneuerung investiert wird auch in Salzburg: Für 13 Millionen wurde das hotel crowne Plaza um das Pitter Event center sowie um den Restaurantund Barbereich erweitert. in der Pipeline befindet sich in Salzburg ein neues Messehotel in der Josef- Brandstätter-Straße, Betreiber ist die Rhedey & haslacher hotelinvest Gmbh. Das tagungshotel Gut Brandlhof in Saalfelden investiert 2,2 Millionen in die Modernisierung der Zimmer sowie in ein neus Autohaus, das für Automobilveranstaltungen genutzt werden soll. Die nachfrage Teilnehmer reden mit wichtig ist, trends zu erkennen und die kommen zumeist aus den usa. Deswegen ist Ziegler Mitglied bei MPi, dem weltweit größten Verband der Meeting- und Eventindustrie, der Mitglieder vereint. Paul Van Deventer, Präsident und ceo von MPi, fasst trends zusammen: tagungsteilnehmer wollen mitbestimmen, worüber gesprochen wird, kommentieren, bewerten und themen weiterentwickeln globale Vernetzung inklusive. Kongresse werden zu netzwerk- Plattformen und dienen zur Karriereplanung. Auch internationale Forschungsgruppen finden zueinander. nachhaltigkeit wird wichtiger. Das Durchführen von Veranstaltungen nach Richtlinien des umweltzeichens für Green Meetings und Green Events ist bereits oft Bestandteil von Ausschreibungen. [sail]

20 20 Branchenreport Mittwoch, 3. Juni 2015 ÖSTERREICHS TAGUNGSINDUSTRIE 2014 Veranstaltungen Zahlen, absolut Kongresse Firmentagungen Seminare Nächtigungen Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien Firmentagungen in Österreich seit % Zahlen, absolut Kongresse Firmentagungen Seminare Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien k.a. Quelle: Meeting Industry Report Austria 2014 WirtschaftsBlatt Grafik/mp ANZEIGE nach außergewöhnlichen Locations steigt, erklärt Gernot Marx, Geschäftsführer des Salzburg convention Bureau. Anbieter seien gefordert, besonders in die technische infrastruktur zu investieren: wer stehen bleibt, der verliert. Die herausforderung liegt in der Realisierung interaktiver Veranstaltungsformate, im Besetzen von Green Meeting Konzepten und dem Einsatz innovativer technik, heißt es vom convention Bureau oberösterreich. Vor allem für die großen Kongresszentren sei es eine stete herausforderung, im internationalen wettbewerb zu bleiben, betont Edith Mader vom convention Bureau niederösterreich. Mangel an leeren Betten in tirol bemerken die Anbieter einen trend zu neuen Veranstaltungsformaten mit flexibler Raumgestaltung. Die herausforerung: Zu bestimmten Saisonzeiten sei es schwer, freie Bettenkapazitäten aufgrund der hohen Auslastungen in der hotellerie zu bekommen, sagt christine Stelzer, Leiterin des convention Bureau tirol wien ist mit knapp der hälfte aller Veranstaltungen das Flaggschiff der heimischen tagungsbranche. Die Bundeshauptstadt zeigt bei Veranstaltungen als einziges Bundesland einen höheren internationalen (53,4 Prozent) als nationalen (46,6 Prozent) Anteil. Rund 68 Prozent aller tagungsteilnehmer nächtigen in wien. Kritik an Wien Dies liege an der guten infrastruktur und dem hohen niveau der wiener hotellerie, sagt Peter Baierl, der Österreichs größten Kongress, den europäischen Radiologenkongress, in wien mit teilnehmern organisiert. Allerdings kritisiert er, dass Einnahmen aus den Kongressen nicht ausreichend wieder in den Ausbau der Kongress und tagungsindustrie investiert werden (siehe Interview rechts). wir können historische häuser wie die hofburg oder das Austria center nicht einfach abreißen, sondern nur ein Finetuning vornehmen, kontert christian Mutschlechner, Präsident des AcB. Die hotellerie investiere laufend in tagungsräumlichkeiten. Auch Kongressteilnehmer würden zudem von investitionen in die öffentliche infrastruktur profitieren. Die autorin des artikels erreichen Sie unter

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