Noah, der gerne spricht

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1 Noah, der gerne spricht Noah ist 8 Jahre alt und blond. Er hat blaue Augen und Sommersprossen auf der Nase. Und er kann reden, aber wie! Im Bauch seiner Mutter wurde Noah schon am Herzen operiert. Nach der Geburt wird er noch zwei Mal operiert. Mit 3 Jahren bekommt er einen Hirnschlag. Dabei wird das Gehirn nicht mehr richtig mit Blut versorgt. Seitdem ist er auf einer Seite gelähmt. Er muss Medikamente nehmen, die sein Blut verdünnen. Das Taxi holt Noah in Meiningen ab und bringt ihn ins Schulheim Mäder. Im ersten Schuljahr war er in einer Integrationsklasse in der Volksschule. Das hat nicht gut geklappt. Deshalb ist er jetzt im zweiten Schuljahr im Schulheim Mäder. Er kann eigentlich laufen und sich selbst umziehen. Aber im Urlaub hat er sich das schwache Bein gebrochen. Er hat jetzt einen Gips und sitzt deshalb im Rollstuhl. Darum kann er auch nicht zum Schwimmen mitgehen. Das stört ihn sehr. Noah isst gerne Leberkäse. Gemüse mag ich nicht, aber leere Nudeln, leerer Reis, Lasagne, Pizza und das andere Glump, das man nicht essen darf, sagt Noah.

2 Andrea ist eine der 4 Lehrerinnen in der Klasse. Sie sagt, dass Noah manchmal doch schweren Herzens Gemüse essen muss. Was heißt schweren Herzens?, will Noah wissen. Noah packt seine Schultasche aus. Er hat seine Star-Wars-Figuren dabei. Die müssen aber in die Schublade bis zur Mittagspause. Seine 5 Klassenkolleginnen und Klassenkollegen heißen David, Eda, Dominik, Julia und Katharina. Wenn er nicht aufpasst, schnappt ihm Julia das Essen weg. Dominik kann nicht reden. Nur sein Talker. Das ist ein kleiner Computer, der spricht, wenn man auf ihn drückt. Dominik hat für jedes Kind eine Gebärde. Bei Noah reibt er sich mit dem Finger die Nase. so wie bei Wickie und die starken Männer. Weil Noah auch so gute Ideen hat wie Wickie. Noah zählt auf, was er gut kann: Reden, Unfälle bauen und Stürzen, Schwimmen und Springen, aber nur, wenn der Gips weg ist. Nicht so gut läuft es mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Ausgerechnet das soll er jetzt machen. Er rechnet mit Zahlen von 1 bis 6. Er schreibt Wörter und liest Sätze. Dazwischen braucht er Pause.

3 Die ersten 5 Lebensjahre haben Noah und seine Familie schon viel erlebt. Die Operation im Mutterleib war für Silvia, seine Mama, sehr schlimm. Für eine natürliche Geburt war Noah zu schwach. Er muss mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden. Er hat einen schweren Herzfehler. Das Fachwort dafür ist: Hypoplastisches Linksherz-Syndrom. Silvia unterstützt ihn mit alternativen Heilmethoden. Er entwickelt sich sehr gut. Er läuft mit 15 Monaten und spricht sehr früh. Mit Worten kann er gut umgehen. Dann kommt sein Bruder Leon auf die Welt. Gleich darauf, nach der zweiten Herz-Operation, bekommt Noah einen Hirnschlag. Er kann nicht mehr sitzen, nicht mehr essen, alles, was er gelernt hat, ist weg. Die fremden Teile, die man ihm bei den Operationen eingepflanzt hat, haben den Hirnschlag ausgelöst. Jedes Jahr verbringt Silvia jetzt mit Noah und dem kleinen Leon 3 Monate in der Kinderklinik in Deutschland. Sein Papa fährt hin und her. Noah bekommt dort viele Therapien und lernt schnell wieder reden. Das Gehen lernen ist mühsam. Noah möchte mit anderen Kindern zusammen sein. Aber die Spielgruppe zuhause ist im Keller des Pfarrhauses. Die Treppe ist zu gefährlich für Noah.

4 Nach längerer Suche, kann er in Götzis in die Spielgruppe gehen. Die Fahrten dahin sind umständlich, aber er fühlt sich wohl. Den Kindergarten kann Noah in Meiningen besuchen, da wo er wohnt. Seine Mama muss den Kindergärtnerinnen gut zureden. Dann probieren sie es. Es klappt. Noah ist ein freundliches, offenes Kind. Er darf ein Jahr länger bleiben. Seine Kumpel kommen in die Schule, er nicht. Seine Eltern wünschen sich, dass er danach in die normale Volksschule kommt und dort Freunde findet. Die Direktorin der Schule unterstützt sie. Aber die Klassenlehrerin ist überfordert, auch schon ohne ihn. Er wird von der Stützlehrerin immer wieder aus der Klasse geholt. Er ist immer weniger mit den anderen Kinder zusammen. Er fühlt sich ausgeschlossen. Er ist oft traurig. Auch die Eltern haben sich Integration anders vorgestellt. Eine Lehrerin vom Schulheim Mäder besucht ihn im Unterricht. Sie sieht, dass die Rahmenbedingungen für eine gute Integration fehlen. Nach den Ferien kommt Noah ins Schulheim Mäder. Aber er mag nichts, was mit Schule zu tun hat. Die Lehrerinnen und Lehrer lassen ihm Zeit. Langsam erholt er sich. Dann bricht er sich in den Semesterferien das Bein. Und wieder mag er nicht mehr lernen. Seine Eltern hoffen, dass sein Selbstbewusstsein gestärkt wird.

5 Sie wissen nicht, ob das Schulheim Mäder der richtige Weg ist. Etwas zwischen Schulheim und Volksschule wäre ideal. Am meisten wünschen sie sich Freunde für Noah.

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