2. Weihnachtsfeiertag 26. Dezember 2015 Hebräer 1, 1-3. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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1 Predigten von Pastorin Julia Atze 2. Weihnachtsfeiertag 26. Dezember 2015 Hebräer 1, 1-3 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Habt ihr ein Zimmer für uns? Meine Maria ist so müde! Mit immer wieder diesen Worten fragte Josef alias Elios, 5 Jahre, in unserem diesjährigen Krippenspiel im Kita Weihnachtsgottesdienst die Wirte in der Hoffnung ein Dach über dem Kopf für sich und vor allem für seine schwangere Frau zu finden. Dieser kleine Satz hat mich sehr berührt. Drückt er doch in seiner einfachen Schlichtheit die Not und Verzweiflung aus, die Josef und Maria gequält haben muss: Was machen wir bloß, wenn wir keine Unterkunft für die Nacht finden? Und er zeigt auch das Verantwortungsbewusstsein von Josef, der sich um seine Maria kümmert und sorgt, obwohl diese Schwangerschaft so gar nichts mit ihm zu tun hat. Gleichzeitig kann ich als zweifache Mutter auch die Müdigkeit Marias am Ende der Schwangerschaft nachvollziehen: Die Geduld ist am Ende und der Körper

2 Predigten von Pastorin Julia Atze Seite 2 irgendwie auch alles schmerzt, drückt, kneift man bzw. frau hat einfach keine Lust und keine Kraft mehr. Da helfen auch kein gutes Zureden und keine Durchhalteparolen mehr Rettung und Erlösung bringt nur noch eins: die Geburt. Denn wenn das Kind auf der Welt ist, ist alle Müdigkeit, aller Schmerz, alle Unruhe wie weggeblasen. Zum Glück also wird Josefs ja irgendwann erhört und sie finden eine wenn auch denkbar unpassende Bleibe und ein Bett für das neugeborene Kind: die Krippe. und wie steht es denn um Ihre Müdigkeit? Sind Sie heute, am zweiten Weihnachtstag schon weihnachtsmüde? Zu viel Essen, zu viel Familie, zu viel Geschenke? Oder zu wenig von alledem und stattdessen: Zu viel Ruhe, zu viel Alleinsein, zu viel Traurigkeit? Vielleicht sind Sie ja hier, weil sie spüren, dass das alles, ob nun zu viel oder zu wenig Weihnachten noch nicht wirklich ausmacht. Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe.

3 Predigten von Pastorin Julia Atze Seite 3 So beginnt der Hebräerbrief, unser heutiger Predigttext und auch hier ist von Weihnachten die Rede. Allerdings in ganz anderer Form und ganz anderer Sprache und mit ganz anderen Bildern, als wir sie aus Krippenspielen und aus dem Lukas-Evangelium kennen. Der Verfasser des Hebräerbriefs schaut nicht nach rechts oder links hat man das Gefühl, es gibt keine Geschichte, keine Eltern und kein Kind, er konzentriert sich einzig auf die Frage: Wer war dieser Jesus, beziehungsweise wer ist dieser Jesus, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern und dessen Kreuz und Auferstehung wir zu Karfreitag und Ostern bedenken? Die Antwort des Hebräerbriefes lautet: Jesus ist Gottes Sohn, er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und Jesus ist das Ebenbild seines Wesens. In Jesus Christus spricht also nicht nur einer wie ein Bote Gottes oder ein Prophet, in Jesus Christus begegnet uns Gott selbst. Und Gott hat nicht nur durch die Propheten zu den Vätern geredet, sondern er hat in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Zu Weihnachten also wird die Rede Gottes an die Menschen selbst Mensch. Mensch in Jesus. Gott redet zu uns durch das Geschehen der Heiligen Nacht. Gott redet zu uns durch die Predigten und Taten Jesu. Gott redet zu uns durch das Kreuz auf Golgatha. dieser Hebräerbrief ist vor mehr als 1900 Jahren geschrieben worden an Christen, die auch müde geworden waren, glaubensmüde. Sie hatten keine Lust mehr. Ihre Geduld war am Ende: Die versprochene Wiederkehr Jesu Christi und das Reich Gottes, die neue Welt Gottes in Frieden und Erfüllung,

4 Predigten von Pastorin Julia Atze Seite 4 ließ immer noch auf sich warten. Und es kamen Fragen auf, Fragen die bis heute immer wieder aufkommen: Was hat sich denn durch die Geburt Jesu Christi, durch das Kommen Gottes in unsere Welt in dieser Welt eigentlich geändert? Was hat sich geändert seit dem Gesang der Engel auf dem Feld bei Bethlehem, was hat sich geändert durch Jesu Taten und Worte in seinem Leben, was hat sich denn geändert durch Kreuz und Auferstehung? Ist die Welt nicht genauso, wie sie schon immer war bestimmt durch Macht und Gewalt und Krieg und Unfrieden und Lieblosigkeit? Resignation und Müdigkeit machte sich in den Christengemeinden breit. Und auch heute werden Christen müde, weil der versprochene Friede Gottes immer noch auf sich warten lässt. Auch heute werden Christen müde, weil Leben und Wirken Jesu Christi offensichtlich spurlos an dem Weltgeschehen vorüber gegangen ist. Die Welt vergeht in Hass, Terror und Krieg und wo bleibt Gott? Der Verfasser des Hebräerbriefes hält der Müdigkeit entgegen: Gott ist da! Und er hat zu uns geredet in den letzten Tagen, durch Jesus Christus. Durch das Kind in der Krippe und die Geschichte seiner Geburt. Die Antwort auf alle Fragen und Zweifel und Ängste geben die Engel, als sie die Botschaft der Geburt Jesu den Hirten verkünden: Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren! Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

5 Predigten von Pastorin Julia Atze Seite 5 immer wieder wird es Weihnachten. Jahr für Jahr. Immer wieder hören wir diese Botschaft und glauben daran, dass es möglich sein kann, ja, dass es möglich sein muss, dass sie wahr wird. Im Laufe des Jahres werden wir dann oft ein bisschen müde und verlieren immer mal wieder die Botschaft aus den Augen. Aber zum Glück wird es ja dann wieder Weihnachten. Und wir erinnern uns: Ach ja, da ist sie wieder. So erinnert auch der Hebräerbrief: Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe. Auf dass wir die Botschaft nicht vergessen und nicht müde werden, sie in die Welt zu tragen: Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren! Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Sinne und Herzen in Christus Jesus. Amen.

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