(c) ALL DENTE GMBH. bei Schulkindern und Jugendlichen. Kurzübersicht: Prophylaxe bei Schulkindern und Jugendlichen

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1 bei Schulkindern und Jugendlichen Kurzübersicht: Prophylaxe bei Schulkindern und Jugendlichen Chlorhexidin-Applikation bei noch nicht voll durchgebrochenen Seitenzähnen Fissurenversiegelung Diagnostik von Zahnzwischenraumkaries durch Bissflügelaufnahmen oder Kaltlicht elektrische (Ultraschall-) Zahnbürsten sehr empfehlenswert Gebrauch von Zahnseide zahngesundes Schulbrot

2 bei Schulkindern und Jugendlichen (6 bis 18 Jahre) Im 6. Lebensjahr wird hinter dem letzten Milchzahn ein großer bleibender Zahn sichtbar, ohne dass ein Milchzahn ausfällt, es ist der Sechsjahr-Molar. Er ist für die weitere Gebissentwicklung besonders wichtig, deshalb sollte er besonders gut geputzt und am besten noch vom Zahnarzt durch eine Versiegelung geschützt werden. Der Grund: Der Zahnschmelz der Neuen ist bei ihrem Durchbruch noch nicht völlig hart und damit besonders kariesgefährdet. Liegt ein hohes Kariesrisiko vor, sollte schon in der Durchbruchsphase des Sechsjahr- Molaren eine Präventivmaßnahme erfolgen. Dazu eignet sich insbesondere chlorhexidinhaltiges Gel, das unter die Halbdurchgebrochener 6er mit Schleimhautkapuze 54 Schleimhautkapuze auf die Kaufläche des Sechsjahr-Molaren vom Zahnarzt schmerzfrei appliziert wird. Dies verhindert eine bakterielle Besiedlung und ermöglicht einen unbeschädigten Durchbruch der Kaufläche. Eine Versiegelung kann nämlich erst durchgeführt werden, wenn die gesamte Kaufläche vollständig durchgebrochen ist. Gehen Milchzähne frühzeitig durch Karies verloren, schiebt sich dieser Sechsjahr-Molar nach vorne und die nachfolgenden Zähne sind in ihrem Durchbruch eingeengt. Diese Zähne wachsen dann schief. Wichtig ist also, die Milchzähne so lange wie möglich zu erhalten, bis sie auf natürliche Weise von den bleibenden Zähnen ausgetauscht werden. Vollständig durchgebrochener 6er und eine perfekt gemachte Versiegelung

3 Reihenfolge der durchbrechenden Zähne. Die Zähne des bleibenden Gebisses ersetzen ab dem 6. Lebensjahr das Milchgebiss. Nach dem Durchbruch des Sechsjahr- Molaren wechseln meistens die Schneidezähne, dann die kleinen Backenzähne und dann der Eckzahn. Als letztes brechen die Zweiten Mahlzähne mit ca Jahren durch. Beim 14-jährigen Kind sind meistens alle bleibenden Zähne vorhanden bis auf die Weißheitszähne, die frühestens mit dem 15. oder 16. Lebensjahr durchbrechen, teilweise aber auch ein Leben lang im Knochen verbleiben können. Die bleibenden Backen- und Mahlzähne haben wesentlich tiefere Furchen und Gruben auf der Kaufläche im Vergleich mit den Milchzähnen. Diese sogenannten Fissuren sind oft der Ausgangspunkt für das Entstehen von Karies. In tiefen Fissuren bleiben Speisereste kleben, so dass sie auch von der Zahnbürste nicht immer erreicht werden können. Manchmal weisen solche Fissuren sogar ampullenförmige Erweiterungen auf, so dass selbst bei perfekter Zahnpflege bakterielle Plaque in diesen Fissuren verbleibt und eine Karies über kurz oder lang entstehen kann. Der Zahnbelag ist letztendlich an allem Schuld. 55

4 Zahnbelag besteht aus mehreren Schichten : aus Speiseresten, die man leicht entfernen oder abspülen kann aus einem gelblich weißen Belag mit abgestorbenen Bakterien und Zellresten und aus einem festen, fast unsichtbaren Belag aus Millionen von Bakterien, der sog. Plaque, den man nur durch intensive Zahnpflege entfernen kann. In den Bakterien der Plaque werden Säuren gebildet, die selbst die härteste Substanz des Körpers, den Zahnschmelz, auflösen können. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Bakterien größere Säuremengen produzieren dürfen. Zucker ist das Hauptnahrungsmittel dieser Mundbakterien. Die Bakterien verdauen den Zucker, und scheiden Säure und Zellgifte aus. Dieser Kreislauf funktioniert aber nur, wenn die Bakterien reichlich Zuckerfutter erhalten und der Zahnbelag nicht entfernt wird. Durch sinnvolle Ernährung ist es also möglich, den gefräßigen Bakterien ihre Lieblingsnahrung, den Zucker, zu entziehen. Eine wichtige Schutzfunktion hat die Natur in Form des Speichels mitgegeben. Der Speichel verdünnt normalerweise die Säuren und remineralisiert den Zahnschmelz. Werden aber zu viele Bakterien mit Zucker gefüttert und können so ihr Unwesen treiben, kann auch der Speichel die Zähne nicht mehr vor diesen Säuren schützen. Die Borsten der Zahnbürste reichen nicht in die ampullenförmigen Fissuren Die Fissurenversiegelung der Kauflächen bleibender Zähne bedeutet für das Schulkind einen sicheren Schutz vor Karies. Dabei werden die Zahnvertiefungen vom Zahnarzt, ohne dass gebohrt werden muss, schmerzfrei mit einem Spezialkunststoff aufgefüllt. 56

5 Versiegelungskunststoff in den ampullenförmigen Fissuren Wichtig ist vorher eine gründliche Reinigung der Kauflächen und eine genaue Inspektion, ob nicht bereits Mikrokaries vorhanden ist. Die Fissurenversiegelung sollte so früh wie möglich nach vollständigem Durchbruch der jeweiligen Zähne stattfinden. Es ist peinlich genau vom Zahnarzt darauf zu achten, dass Miniaturkaries vor der Versiegelung gründlich entfernt wird, da diese sonst unter der Versiegelung eingemauert wird und weiter wachsen kann. Aus diesem Grund ist eine möglichst frühe Versiegelung anzuraten. Neben den zerklüfteten Kauflächen (Fissuren) der Seitenzähne, sind die Zahnzwischenräume und die Zahnhälse noch besonders kariesgefährdet. Hier bleiben nämlich häufig Reste von klebrigen Speisen haften, und es entsteht der Zahnbelag. Durch Anfärben mit speziellen Färbetabletten lässt sich oftmals in den Zahnzwischenräumen und girlandenförmig am Zahnfleischrand entlang, diese bakterielle Besiedlung sichtbar machen. In den Zahnzwischenräumen und am Zahnhals entstehen so aggressive Säuren, die den Zahnschmelz angreifen und auflösen und Karies entstehen lassen. Zahnzwischenraum mit intakter Schmelzbrücke Zwischenraumkaries mit eingebrochener Schmelzbrücke über dem kariösen Defekt 57

6 Zahnzwischenraumkaries lässt sich auch vom Zahnarzt bei der Inspektion nicht immer erkennen. Die Kontaktfläche zweier bleibender Zähne bleibt auch für den Zahnarzt bei gründlicher Untersuchung im Verborgenen. Für den Patienten wird die Karies oft erst dann sichtbar, wenn die dünne Schmelzbrücke, die sich oberhalb der kariösen Defekte befindet, beim Beißen auf einen harten Gegenstand einbricht. Approximalflächenkaries In diesem Stadium hat sich die Karies schon weit in das Innere des Zahnes ausgebreitet. Im Anschluss an die visuelle Befunderhebung des Zahnarztes empfiehlt sich bei Schulkindern mit bereits bleibendem Gebiss eine Untersuchung der Zahnzwischenräume durch Röntgendiagnostik, Kaltlichtdiagnostik [s.a.] oder digitaler Radiovisiographie [ s.a.]. Diese Spezialröntgenbilder können versteckte Schmelz- bzw. Dentinkaries in den Zahnzwischenräumen offenbaren. Es empfiehlt sich, solche Bissflügelaufnahmen in regelmäßigem Abstand alle zwei oder drei Jahre zu wiederholen. Die Strahlenbelastung solcher Aufnahmen ist minimal und kann durch digitale Visiographie noch um bis zu 80 % reduziert werden. 2 Bissflügelaufnahmen: Approximalkaries im Röntgenbild 58

7 Als dritte Methode zum Aufspüren von Zwischenraumkaries eignet sich die Kaltlicht-Diagnostik. Dabei leuchtet der Zahnarzt mit dem Kaltlichtstab durch die Zahnzwischenräume. Sind die Kontaktflächen kariös, so erscheinen diese Stellen im Lichtstrahl dunkler, da kariöse Substanz eine andere Lichtbrechung als gesunder Zahnschmelz hat. Kariesdiagnostik mit Kaltlicht Damit diese kritischen Stellen gründlich gereinigt werden, empfiehlt sich eine systematische Putztechnik, die das Schulkind leicht erlernen kann. Es gilt die KAI-Regel, das heißt Kauflächen Außenflächen Innenflächen in dieser Reihenfolge zusammen ca. 2 bis 3 Minuten lang zu putzen. Systematisch bedeutet, jeden Abschnitt ca. 10 Sekunden lang rütteln. Auf diese Weise können die Borstenbüschel auch in die Zahnvertiefungen (Fissuren) der Seitenzähne und in die Zahnzwischenräume eindringen. Gleichzeitig werden Zahnhals und Zahnfleischrand mit gesäubert und massiert. Auf einem sauberen, glatten Zahn haben die Bakterien kaum eine Vermehrungschance. Eine wesentliche Verbesserung der Putztechnik ist durch die sogenannte Bassmethode [s.a.] zu erreichen. Die Zahnbürste wird angewinkelt in einem Winkel von 45 Grad auf Zahn und Zahnhals angesetzt. Kleine Rüttelbewegungen sorgen dann für eine gründliche Entfernung der Plaque. Das Borstenfeld zeigt immer zum Zahnfleisch hin. An Schneide- und Eckzähnen kommt die Zahnbürste senkrecht zum Einsatz. So lassen sich fest klebende Bakterienbesiedlungen besonders gut ablösen. Mit der Rot-Weiß-Methode kommt Bewegung ins Spiel, damit auch die Zahnzwischenräume blitzsauber werden. Wenn das Zahnfleisch bei einer solchen Putztechnik am Anfang auch mal bluten sollte, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Keinesfalls sollte man dann das Zähneputzen sein lassen. 59

8 Im Gegenteil: Zahnfleischbluten kann zwar das erste Zeichen für eine Zahnfleischentzündung sein, die aber verschwindet, wenn man regelmäßig die beschriebene Putztechnik und Massagetechnik anwendet. Eine weitere Therapie ist dann meistens nicht erforderlich. Anstelle der normalen Putztechnik sind natürlich auch elektrische Zahnbürsten empfehlenswert. Am besten sind solche geeignet mit rundem Bürstenkopf und oszillierenden Schwingungen z.b. Produkte der Firma Oral-B. Diese gibt es auch im kinderfreundlichen Design, und sie erleichtern das Putzen ganz erheblich. Grundregeln sollten hier sein: Systematisches Vorgehen Bürstenkopf am Übergang Zahn/ Zahnfleisch ansetzen nur geringer Anpressdruck Besonders effizient sind die neuerdings erhältlichen Ultraschallzahnbürsten, die anstelle der üblichen Schwingungen und mehr Schwingungen pro Minute erreichen. Die Zahnpasta wird so zu einem feinen Reinigungsschaum. Diese Mechanik ist den normalen handbetriebenen Zahnbürsten weit überlegen. Für die Zahnzwischenraumpflege ist zusätzlich die Anwendung von Zahnseide angezeigt. Die beschriebene Putztechnik nach Bass sowie der sachgerechte Gebrauch von Zahnseide sollte in jedem Fall in der zahnärztlichen Praxis vom Fachpersonal mit dem Kind eingeübt werden. Bei unsachgemäßer Anwendung von Zahnseide und einer falschen Putztechnik, beispielsweise einem zu hohen Kraftaufwand, kann es auch zu Schäden an Zahnfleisch und Zähnen kommen. Wichtig: Die sachgerechte Handhabung von Zahnseide muss unter Anleitung des Fachpersonals in der Zahnarztpraxis eingeübt werden. Bei unsachgemäßer Anwendung kann es sonst zu Zahnfleischverletzungen kommen. 60

9 Fluoride: Fluorid ist eine chemische Verbindung von Fluor und Mineralien, die in geringen Konzentrationen in der Natur überall vorkommt und auch in Flüssen, Seen und im Meerwasser enthalten ist. Täglich nehmen Menschen Fluoride mit der Nahrung auf. Sie sorgen mit für das ökologische Gleichgewicht in der Mundhöhle und reparieren unsichtbare kleine Schäden, wenn bakterielle Säuren die Zahnoberfläche angelöst haben, die durch die Fluoride widerstandsfähiger wird. In den meisten Regionen reicht die natürliche Fluoridzufuhr nicht mehr aus, um eine Schutzfunktion für den Zahnschmelz herbeizuführen, denn es werden zuviel Süßwaren und Kohlenhydrate verspeist. Fluoridempfehlung für Schulkinder: 2 mal täglich Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen 1 mal wöchentlich intensive Fluoridierung mit Spülung oder Elmex-Gelee Die Fluoridzufuhr in Tablettenform ist nicht ohne Grund umstritten (siehe Kapitel Kleinkinder). Wenn dennoch Fluoridtabletten verabreicht werden, sollten diese gelutscht, und nicht sofort heruntergeschluckt werden. Nur beim Lutschen können die Fluoride den Schmelz der Zähne härten, und somit auch widerstandsfähiger machen. Die Fluoridkonzentration im Speichel wird erhöht und durch diese nahezu permanente Fluoridierung findet eine Remineralisierung der Zähne statt. Wenn zu Hause anstatt von normalem Speisesalz fluoridiertes Speisesalz und fluoridhaltige Zahnpasta benutzt werden, kann man auf täglich verabreichte Fluoridtabletten verzichten. Fluoridiertes Speisesalz hilft der ganzen Familie. 1 mal monatlich Fluoridlack in der zahnärztlichen Praxis Fluoridiertes Speisesalz im alltäglichen Gebrauch 61

10 und zwischendurch 1 Kaugummi! Xylithaltige Kaugummis senken das Kariesrisiko Uhr 1 Erdbeer-Eis Ernährung der Schulkinder Der soziologische Aufbau der modernen Gesellschaft begünstigt nicht unbedingt eine zahngesunde Ernährung der Kinder. In Alleinerzieher- Haushalten oder Haushalten mit Doppelverdienern ist ein zahngesundes Powerfrühstück nicht immer an der Tagesordnung. Die tägliche Schulzeit reicht häufig bis in den Nachmittag hinein und die Kinder sind sich in der Ernährung selbst überlassen Uhr 2 Toasts 9.00 Uhr 1 Apfel Uhr 1 Joghurt Uhr 1 Banane Uhr 6 Fischstäbchen Die Folge ist oft eine Ernährung, die sehr kohlenhydratreich ist und viele versteckte Zucker enthält. Kinder essen und trinken also meistens zuviel Süßes, und das macht nicht nur dick, sondern schadet auch den Zähnen. Eine besonders große Rolle spielt bei diesen Zuckermassen der versteckte Zucker, der in Getränken, Backwaren, Brotaufstrich und in Naschereien in großen Mengen vorhanden ist. 62

11 Vitamine, Spurenelemente, Ballaststoffe werden dagegen zu wenig aufgenommen. Für Schulkinder besonders wichtig ist ein ausgewogenes, zahngesundes Frühstück. Nach einem Essen in den Schulpausen kann Kaugummikauen eine Zahnpflege zwischendurch sein. In Out Knäckebrot Vollkornbrot Käse Quark Frisches Obst (Äpfel, Birnen, Karotten, Tomaten) Kaugummikauen produziert mehr Speichel und trägt dazu bei, dass von den Bakterien gebildete Säuren verdünnt werden. Zahnfreundliche Süßigkeiten lassen sich erkennen an dem fröhlichen Zahnmännchen mit Schirm. Bei Verzehr dieser Süßigkeiten wird keine zahnaggressive Säure produziert. Weißbrot Brötchen Honig Marmelade Klebriges Obst (Banane) Trockenobst Milchschnitte Schokoriegel 63

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