Die Auswahl von Aktien unter Verwendung charttechnischer Kriterien

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1 Die Auswahl von Aktien unter Verwendung charttechnischer Kriterien Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, sein Geld in Aktien zu investieren, sollte meiner Meinung nach, zunächst sehr gründlich recherchiert werden. Ein Einstieg zu einem falschen Zeitpunkt oder in das falsche Unternehmen kann unter Umständen viel Geld kosten. Darum handle ich nach einem Konzept, welches dabei helfen soll, sowohl einen günstigen Einstiegszeitpunkt, als auch ein vielversprechendes Unternehmen zu finden. Es werden dabei charttechnische und fundamentale Aspekte berücksichtigt und durch diese Kombination versucht, die Trefferquote für erfolgreiche Investitionen zu erhöhen. In dieser Anleitung möchte ich ganz konkret auf meine charttechnischen Auswahlkriterien eingehen. Ich verwende dafür gängige charttechnische Hilfsmittel. Die Signalisierung für Ein- bzw. Ausstieg ist leicht nachzuempfinden und kann im Internet auf Börsenwebsites, die ein interaktives Charttool anbieten leicht selbst erfasst werden (ich bevorzuge die Websites von TraderFox, Consorsbank und Börse-Online). Vorauswahl Bevor jedoch einzelne Unternehmen betrachtet werden, sollte zunächst die Auswahl eingeschränkt werden. Das bedeutet, man versucht Branchen oder Märkte mit hohem Wachstumspotenzial ausfindig zu machen. Dabei hilft der Blick in die (Börsen-)Nachrichten oder in die eigene Umgebung. Welches Produkt, welche Dienstleistung oder welche Technologie hat das Potenzial, langfristig ein Erfolg zu werden? Oder welches Unternehmen ist bereits seit langem erfolgreich und kann diesen Erfolg auf absehbare Zeit aufrechterhalten? Wurde die Anzahl in Frage kommender Aktien verringert, folgt nun eine genauere Betrachtung unter charttechnischen Aspekten. Grundgedanken der charttechnischen Kriterien In der Charttechnik geht es darum, die zukünftige Kursentwicklung mit Hilfe des vergangenen Kursverlaufs zu bestimmen. Ich nutze diese Idee, um einen Einstiegszeitpunkt für eine langfristige Investition zu finden (in der Regel etwa ein bis drei Jahre). Signalisierung Für die Signalisierung für Kauf und Verkauf werden die 38- (rot) und die 200-Tagelinie (orange) verwendet. Es handelt sich dabei um Durchschnittskurse (auch gleitender Durchschnitt genannt) der vergangenen 38 bzw. 200 Handelstage. Dabei bewegt sich die 38-Tagelinie aufgrund der geringeren Anzahl betrachteter Tage schneller mit dem tatsächlichen Kurs mit als die 200-Tagelinie. Signale werden generiert, wenn die 38-Tagelinie die 200-Tagelinie schneidet.

2 Zyklizität Das von mir verwendete Konzept ist prozyklisch. Das bedeutet, dass eine Investition erst dann getätigt wird, wenn sich ein langfristiger Trend ausgebildet hat. Der Nachteil an dieser Vorgehensweise besteht darin, dass nie zum tiefsten Kurs gekauft werden kann. In der Regel hat sich der Kurs bereits merklich von seinem Tiefstkurs abgesetzt, bevor ein Signal generiert wird. Zwar kann man so die ersten Prozente nicht mitnehmen, aber solange ein Aufwärtstrend nicht durch ein Schneiden der beiden Durchschnittskurse bestätigt ist, kann es sich bei der beobachteten Kursbewegung auch nur um eine Zwischenerholung handeln (Abbildung 1, links). Das gleiche gilt auch für das Verkaufssignal. Der Hochpunkt wird in den seltensten Fällen dem Verkaufskurs entsprechen. Auch hierfür gelten die vorangegangenen Gründe: Einerseits sollte mit dem Verkauf abgewartet werden, bis eine langfristige Trendwende bestätigt ist. Und andererseits sollten Konsolidierungen bzw. Korrekturen Platz gelassen werden (Abbildung 1, rechts). Konsolidierungen und Korrekturen sind Phasen, in denen sich der Kurs entgegen des übergeordneten Trends bewegt. Diese Phasen gehören zu langfristigen Trends dazu und bestätigen diese üblicherweise, weswegen es sinnvoll ist, ihnen den nötigen Platz zu lassen. Abbildung 1: Verfrühter Einstieg bei Sartorius: 2007 bis 2010 (links) und verfrühte Ausstiege bei Henkel: 2005 bis 2008 (rechts); Charts bereitgestellt von. Ermitteln der historischen Trendstärke Ein wesentlicher Aspekt des Konzeptes ist es, vornehmlich in trendstarke Aktien zu investieren. Damit ist gemeint, dass Aktien gefunden werden sollen, die in der Vergangenheit nach einem Kaufsignal eine möglichst starke Performance gezeigt haben, bevor ein Verkaufssignal generiert wurde. Um herauszufinden, wie trendstark eine Aktie ist, wird der Kursverlauf der vergangenen (mindestens) zehn Jahre betrachtet. Es wird dabei für alle Kaufsignale ermittelt, um wie viel Prozent der Wert der Aktie bis zu den entsprechenden Verkaufssignalen gestiegen bzw. gefallen war. Es bleibt jedoch zu beachten, dass Trendstärke in der Vergangenheit kein Garant für zukünftig starke Anstiege ist. Das Risiko, dass es auch mal anders läuft, bleibt natürlich bestehen.

3 Beispiel Sartorius (Labor- und Prozesstechnologien, TecDAX) Als ein erstes, sehr positives Beispiel möchte ich den TecDAX-Wert Sartorius anbringen (Abbildung 2). Der abgebildete Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie der letzten 12 Jahre. Kaufsignale wurden generiert, wenn die 38-Tagelinie (rot) die 200-Tagelinie (orange) von unten nach oben geschnitten hat (grün eingekreist). Verkaufssignale entstanden demnach, wenn die 200-Tagelinie von oben nach unten geschnitten wurde (rot eingekreist). Abbildung 2: Trendstärke von Sartorius: Juli 2003 bis Mai 2015; Chart bereitgestellt von. Die jeweiligen Gewinne sind an den eingezeichneten Dreiecken abzulesen. Mit diesen Performancewerten zählt Sartorius eindeutig zu den trendstarken Aktien. In der Vergangenheit hat sich der Wert der Aktie in drei von fünf Fällen mehr als verdoppelt und nie musste eine negative Wertentwicklung in Kauf genommen werden. Auch seit dem Kaufsignal Ende 2014 bis Mai 2015 verbuchte die Aktie bereits einen Gewinn von ca. 60%. Es fällt jedoch auf, dass der Verkauf in vier von fünf Fällen nicht wirklich sinnvoll gewesen wäre. Der Kurs hat sich nach den schwächeren Phasen direkt erholt und ist weiter gestiegen. Da man das jedoch nie vorher weiß, ist es empfehlenswert, der Vorgehensweise ganz emotionslos zu folgen. Nicht zuletzt konnte im fünften Fall (Ende 2007) dadurch ein Verlust von ca. 75% vermieden werden. Alternativ ist es möglich, durch Setzen von Stop-Loss-Marken an geeigneten Widerständen unterhalb des Tiefstkurses, der vor dem Generieren eines Verkaufssignals erreicht wurde, die Anzahl wenig sinnvoller Verkäufe weiter zu verringern. Ein Vergleich der Gesamtperformance rechtfertigt das vorsichtige Vorgehen: Hätte man beim ersten Kaufsignal (Mitte 2003) gekauft und seine Anteile durchgehend bis zum letzten Verkaufssignal (Ende 2014) gehalten, hätte man eine Performance von ca. 1200% erzielt sehr beachtlich. Dem gegenüber steht allerdings eine Wertentwicklung von ca. 2100%, wenn man bei den entsprechenden Signalen verkauft und die vorangegangenen Gewinne bei jedem neuen Kauf reinvestiert hätte. Durch das Auslassen des sehr verlustreichen Jahres 2008 hätte die Gesamtperformance also deutlich gesteigert werden können.

4 Beispiel Henkel (Konsumgüter, DAX) Ein etwas konservativeres, aber dennoch vielversprechendes Unternehmen ist Henkel (Abbildung 3). Abbildung 3: Trendstärke von Henkel: August 2003 bis Mai 2015; Chart bereitgestellt von. Auch die Henkelaktie stellt sich als trendstark heraus. Dass die maximalen Gewinne dabei geringer ausfallen als bei Sartorius, liegt an den Branchen, in denen die Unternehmen tätig sind. Sartorius als Laborausstatter weist ein größeres Wachstumspotenzial auf als Konsumgüterhersteller Henkel, der in einem eher langsam wachsenden Umfeld tätig ist. Nichtsdestoweniger empfiehlt sich Henkel als konservative, langfristige Investition. Seit dem Kaufsignal Anfang 2015 war die Aktie bereits im Mai 2015 mit ca. 21% im Plus. An diesem Beispiel wird darüber hinaus deutlich, dass auch Verluste nicht ausgeschlossen sind. Keine Strategie ist perfekt. Wichtig ist es jedoch, die Verluste nicht zu groß werden zu lassen. Der Vergleich zwischen Kaufen-und-Halten vom ersten Kaufsignal bis zum letzten Verkaufssignal mit Kauf-und-Verkaufen, wenn die entsprechenden Signale generiert werden, zeigt erneut, dass es sich lohnt, dem Konzept zu folgen (330% vs. 410%). Bitte beachten: In keinem der beiden Fälle werden Transaktionskosten oder gegebenenfalls anfallende Steuern berücksichtigt! Nimmt man drauf Rücksicht, fallen die Unterschiede geringer aus.

5 Wann sollte ein Kauf erfolgen? Wie am Beispiel der Henkelaktie zu sehen, kann es bei dieser Strategie (wie auch bei jeder anderen) zu Verlusten kommen. Das sollte einem Anleger bei der Investition in Aktien immer bewusst sein. Ein Kauf sollte nicht nur anhand von charttechnischen Kriterien getätigt werden. Die Frage nach dem Zeitpunkt, an dem man in den Markt eintritt, ist von großer Bedeutung. Eine genaue Beobachtung der Situation am Markt hätte im Fall von Henkel Ende 2007 vermutlich dazu geführt, dass man nicht gekauft hätte, da sich die Finanzkrise schon abgezeichnet hat. Oder aber, ein Verkauf wäre unter den Umständen früher getätigt worden und der Verlust hätte begrenzt werden können. Am vielversprechendsten ist ein Einstieg nach einem Crash. In der Regel sind Aktien dann günstig zu haben und das Risiko, dass sie weiter fallen ist vergleichsweise gering, nachdem ein Kaufsignal generiert wurde. Das bedeutet aber auch, dass man unter Umständen lange auf ein Einstiegssignal warten muss (der Gesamtmarkt ist in der Regel ein guter Indikator für die generelle Richtung). Wie sieht es also aus, wenn eine Aufwärtsbewegung in vollem Gange, ein Kaufsignal demnach schon lange her ist? Generell spricht natürlich nichts dagegen, jederzeit in den Markt einzusteigen. Da aber ein Trend unvorhergesehen ein Ende finden kann, steigt damit auch das Verlustrisiko. Darum sollte, wenn überhaupt, nur in trendstarke Aktien angelegt werden. Und auch nur während einer Korrektur innerhalb des Aufwärtstrends (siehe Abbildung 1, rechts). Sicherer wäre es jedoch, auf ein neues, vielversprechendes Kaufsignal zu warten. Das würde auch der Grundidee dieses Anlagekonzeptes entsprechen. Wer auf lange Sicht anlegt, braucht nicht zu jedem Zeitpunkt voll investiert zu sein und kann auf das nächste Kaufsignal warten. Charttechnisch gut gerüstet Damit ist auch schon alles gesagt. Aus charttechnischer Sicht entspricht das oben gesagte all dem, was ich selber berücksichtige. Für eine langfristige Strategie halte ich mehr auch nicht für nötig. Wichtig ist es, wohldefinierte Kauf- und Verkaufssignale zu haben. Andernfalls kann es schnell passieren, dass man nervös wird und überstürzt Entscheidungen trifft. Sind Ein- und Ausstieg klar festgelegt, fällt es leichter, auch in turbulenteren Phasen ruhig zu bleiben. Noch einmal kurz zusammengefasst: Einschränkung der Auswahl durch Markt- und Branchenbeobachtung Ermitteln der Trendstärke einzelner Aktien Einstieg beim Kaufsignal Ausstieg entsprechend beim Verkaufssignal Von vorne beginnen

6 Impressum/Risikohinweis AktientageBlog Newsletter 2015 Kontaktadresse: Volker Rohde, Langobardenallee 1, D Berlin Haftungsausschluss: Die Mitteilungen dieses Newsletters sind sorgfältig recherchiert und beruhen auf Quellen, die wir für vertrauenswürdig und zuverlässig halten. Für Emissionsangaben Dritter übernehmen wir kein Obligo. Trotz sorgfältiger Bearbeitung können wir für die Richtigkeit der Angaben und Kurse keine Gewähr übernehmen. Alle Meinungen und Informationen dienen ausschließlich der Information, begründen kein Haftungsobligo und sollen nicht als Aufforderung verstanden werden, eine Transaktion zu tätigen. Auch stellen die vorgestellten Strategien keinesfalls einen Aufruf zur Nachbildung, auch nicht stillschweigend, dar. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Handel mit Optionsscheinen, Zertifikaten und Optionen mit grundsätzlichen Risiken verbunden ist und der Totalverlust des eingesetzten Kapitals nicht ausgeschlossen werden kann. Die vorgestellten Meinungen, Strategien und Informationen dürfen keinesfalls als allgemeine oder persönliche Beratung aufgefasst werden, da die Inhalte lediglich die subjektive Meinung der Redaktion widerspiegeln. Gewinne aus der Vergangenheit können zukünftige Ergebnisse nicht garantieren. Unsere Hinweise dienen lediglich der aktuellen Information und berücksichtigen in keiner Weise Ihre persönliche Anlagesituation. Sie ersetzen nicht die persönliche Beratung durch einen Anlageberater und sind ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt! Quellenangabe für die verwendeten Charts: Alle Grafiken und Charts wurden zur Verfügung gestellt von TraderFox (

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