Der Gebrauch des Computers im deutschen Schulwesen und seine mögliche Verwendung in Peru von Dipl. Math. Uwe Afemann

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1 Der Gebrauch des Computers im deutschen Schulwesen und seine mögliche Verwendung in Peru von Dipl. Math. Uwe Afemann Bevor ich über die aktuelle Situation Deutschlands in bezug auf den Gebrauch von Computern im Unterricht sprechen werde, möchte ich Ihnen einige Ideen präsentieren, welche die Diskussion über dieses Thema in Deutschland geprägt haben. "Die neuen Technologien bieten uns neue Möglichkeiten, bergen aber auch gleichzeitig neue Gefahren in sich. Sie erlauben die Befreiung des Menschen von inhumanen Arbeitsbedingungen in den Fabriken.... Durch den schnellen und rationalen Einsatz, durch die Speicherung und die Informationsmöglichkeiten entstehen bisher unbekannte Möglichkeiten zur Problemlösung und Hilfen beim Lernprozeß. Aber das, was wir jetzt als Chance empfinden, kann sich langfristig als das Gegenteil entpuppen.... Es ist bekannt, daß Einschränkungen im Entscheidungsprozeß und beim Handeln am Arbeitsplatz die Gesundheit und das soziale Verhalten schädigen können und daß der exzessive Gebrauch des Computers einen Einfluß auf das Denken, das Fühlen und das Verhalten hat. Außerdem führt die Konzentration der Informatik zu einer Konzentration von Macht.... Die Epoche der Informatik, die gerade begonnen hat, können wir in ihren Risiken und Gefahren noch nicht einschätzen. Gegenwärtig erleiden wir und erfahren wir die längerfristigen Auswirkungen von z. B. chemischen Produkten und die Auswirkungen der Umweltverschmutzungen und bezogen auf die Materie "Information" können wir die Auswirkungen kaum als Hypothese aussprechen." (Neue Informations- und Kommunikationstechnologien in der Schule, Heft 43, S , 1987, Kultusministerium von Nordrhein Westfalen) Das Eindringen der Mikroelektronik z. B. in der Textverarbeitung hat die Arbeit im Büro verändert und zu einer neuen Sprache durch Standardisierungen geführt; einige Elemente unserer Sprache werden nicht mehr benötigt. Dies verursacht die Austrocknung und Verarmung der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Anfänglich spüren das nur einige sensible Menschen aber langfristig wird diese Veränderung generell sein und auch die Strukturen des Denkens verändern. Man sagt der Computer sei ein Werkzeug zum logischen Denken. Gemäß seiner Funktion braucht der Computer Programme die seine Prozesse steuern. Für die Programme ist die Digitalisierung von entscheidender Bedeutung. Das bedeutet, daß sich die Programme an abstrakte und entwickelte Methoden orientieren müssen. Es entsteht eine Orientierung an rein logische und formale Strukturen, was zu einer Vernachlässigung der qualitativen Aspekte führt und die Quantifizierung bevorzugt. Mehrdeutigkeit und sprachliche Annäherungen werden durch die Notwendigkeit einer formalen Eindeutigkeit ersetzt. Man bearbeitet die Information mit mathematischen Einteilungen in kleinen Einheiten. Es werden Methoden bevorzugt, die sich auf bekannte Tatsachen herleiten lassen. All dies reduziert die Denkstrukturen auf eindimensionales Denken. Die negativen Auswirkungen der Wirtschaft erfahren wir gegenwärtig als hohe Arbeitslosigkeit, z. Zeit ca. 11 % und diese Arbeitslosigkeit hat negative Begleitumstände für die Menschen ohne Arbeit, wie Alkoholismus, Drogensucht, soziale Isolation und psychologische Schäden, um nur einige zu nennen. Und so können wir festhalten, daß die Automation und die Mikroelektronik Tausende von Arbeitsplätzen in der Industrie und im Dienstleistungssektor überflüssig gemacht haben. (La realidad alemana; Gütersloh 1986) Zudem sind 25 % der Personen ohne Arbeit jünger als 25 Jahre. Traditionellerweise besteht der Unterricht in den Schulklassen in einer Kommunikation zwischen den Menschen, zwischen den Schülern und dem Lehrer, aber durch die neuen Technologien wird die Kommunikation durch eine Mensch-Maschine Kommunikation ersetzt. Es wäre sehr nützlich die Konsequenzen, die diese Kommunikation verursacht, zu untersuchen, und mir scheint es 1

2 notwendig festzuhalten, daß dies in Wirklichkeit keine Kommunikation sein wird, sondern eine Befragung. Wie können die Computer in der Schule eingesetzt werden? Folgende sind die verschiedenen Möglichkeiten den Computer im Unterricht einzusetzen: Die programmierte Unterweisung, die Simulation, die Unterrichtung im Gebrauch von Softwarepaketen und die Vermittlung von Programmierkenntnissen. Unter den beiden ersten Möglichkeiten versteht man das, was computergestütztes Lernen genannt wird. Der Brasilianer Valdemar W. Setzer, ein Fachmann für Informatik mit reichlich Erfahrung in der Wissensvermittlung, schreibt in seinem Anticomputermanifest: "Die Programmierte Unterweisung ersetzt das Buch durch den Computer mit einem Programm, das den Text des Buches enthält, angereichert mit Zeichnungen und Animationen, weiter nichts. Durch die Anwendung des Computers müssen die Abfolge der Unterrichtung und die Lernschritte noch formaler sein. Das ist ungefähr so wie Schachspielen: Jeder Zug muß im voraus geplant sein und alle möglichen Reaktionen des "Gegners" müssen untersucht werden und im Rechner, der den Prozeß kontrolliert, vollständig programmiert werden. Mit anderen Worten, der Wissensvermittlungsprozeß verwandelt sich in ein mathematisches Spiel. Wenn die Programmierte Unterweisung durch einen Rechner gesteuert wird, entsteht ein zusätzliches Problem: Der Lernprozeß wird extrem langweilig aufgrund der häufigen Wiederholungen ein und derselben Situation. Es ist sehr wichtig daraufhinzuweisen, daß das Wichtige nicht das Auswendigwissen eines bestimmten Faktums ist, sondern daß der Prozeß des Lernens des Faktums gelebt wird. Denn an was erinnern wir uns noch von dem, was wir einmal gelernt haben? Die Lehrer müssen Künstler sein und die Probleme eines jeden Schülers der Klasse erfassen und den Unterricht so gestalten, daß jeder Schüler gemäß seiner individuellen Reife behandelt wird. Zusammenfassend kann man sagen, daß die Erziehungsaufgabe die Schüler nicht als etwas Abstraktes behandeln darf, so wie eine Maschine, denn jeder Schüler ist verschieden." Die Simulation Der Gebrauch des Computers in der Simulation besteht in der Konstruktion eines mathematischen Modells eines natürlichen oder abstrakten Phänomens. Der Computer wurde so programmiert, daß er das Modell durchrechnet und die Ergebnisse auf dem Bildschirm anzeigt. Bei den Simulationsexperimenten wird anstatt, daß der Schüler im Labor mit realen Materialien arbeitet, eine rein abstrakte Situation auf dem Rechner produziert. Z. B. habe ich ein Programm der Firma Thompson zur Simulation der Flugparabeln gesehen. Da stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre mit den Schülern und einem Ball auf den Schulhof zu gehen und den Ball zu treten, um so die Gesetze über die Flugparabel zu entdecken. Denn dann können die Schüler das Experiment durchleben, und sie erinnern sich dann besser an das Gelernte. D. h. es ist allemal besser von den konkreten Erfahrungen der Schüler auszugehen, um dann zu abstrakten Konzepten zu gelangen. Wie können sich die Schüler mit dem Lernprozeß identifizieren und Begeisterung zeigen in einem solchen abstraktem Szenario wie der Simulation? Setzer sagt: "Nur in oberen Klassen der höheren Mittelschule (sprich Sekundarstufe II, der Autor) würde ich eine begrenzte Zahl von Simulationsversuchen für spezielle Themen durchführen, die 2

3 nicht im Labor realisierbar sind, und auch dann würde ich mir die Frage stellen, ob sich die Mühe lohnte, den voruniversitären Schülern etwas zu lehren, das sich nicht in der Wirklichkeit zeigen läßt. Die Idee den Gebrauch von Softwarepaketen zu unterrichten, basiert auf dem Argument, daß einige dieser Pakete nützliche Werkzeuge seien, die jeder kennen sollte. Aber in Wirklichkeit werden es nur sehr wenige sein, die mit diesen Programmen arbeiten werden und der Umgang mit diesen Paketen ist so einfach, daß er in kürzester Zeit erlernbar ist, wenn es dann nötig sein sollte. Und in vielen Fällen besteht die Bedienung nur im einfachen Ausfüllen eines mit Hinweisen gefüllten Bildschirms, sprich eines Menüs. Die Programmierung von Computern Die vierte Form den Computer im Unterricht zu benutzen, besteht in der Vermittlung von Programmierkenntnissen. Wie ich in den peruanischen Schulen beobachten konnte, unterrichten die meisten die Programmiersprache Basic. Aber die Tatsache Programmieren zu lernen, hat fast gar nichts mit der Erlernen einer Programmiersprache zu tun. Das Programmieren besteht hauptsächlich darin, die Lösung eines Problems in algorithmischen Begriffen auszudrücken, ohne eine Computer zu gebrauchen; die Rechner sind dagegen notwendig, um eine Programmiersprache zu erlernen. Der schwierigere Teil ist dabei jedoch die Programmierung, das Lernen einer Computersprache dagegen ist sehr einfach. Kehren wir jedoch zur Programmierung zurück. Wenn man einen Algorithmus erarbeitet hat, muß man ein adäquates Instrument zu seiner Anwendung benutzen. Basic ist dies nicht, denn Basic ist keine strukturierte Sprache, die einen Algorithmus fachgerecht umsetzen läßt. Programmieren in Basic ist wie das Rechnen mit Römischen Zahlen. Empfehlenswerter sind hier Sprachen wie Logo oder PASCAL. Die drei erstgenannten Methoden der Unterrichtung mit Computern, nämlich die Programmierte Unterweisung, die Simulation und das Unterrichten vom Gebrauch von Softwarepaketen sollte man auf keinem Fall aus den erwähnten Gründen benutzen, während die letzte Methode, nämlich das Programmieren schon. Es bleibt jedoch noch die Frage, wann man damit beginnen sollte? Da die Programmierung sehr abstrakt ist, wäre es angebracht, in einem späteren Alter damit zu beginnen. Ein weiterer Grund ist, daß der Computer eine fast unkontrollierbare Faszination ausübt, was ich später noch näher ausführen werde. Welche anderen Probleme entstehen beim exzessiven Gebrauch des Computers? Es ist richtig, daß der Gebrauch der Computers im Informatikunterricht und bei der Programmierung das logische Denken fördert. Aber darin liegen auch Gefahren, die wir beachten sollen. Die menschliche Fähigkeit Probleme zu lösen, Unbekanntes zu erforschen hat ihre Ursache in der Kreativität des Denkens. Das Abweichen von ausgetretenen Wegen, von unumstößlichen Gesetzen hat den Fortschritt ermöglicht. Der Gebrauch der Computer behindert die Entwicklung dieser Fähigkeiten, denn alles geschieht bei ihm nach festen Regeln. Nachdem man Monate und Jahre den Rechner benutzt hat, denkt man, daß sich alles in der realen Welt auf "JA" oder "NEIN" bzw. Ursache und Wirkung reduzieren ließe. Es besteht die Gefahr, daß sich eine mechanistische Mentalität, die in der Idee einer Menschen-Maschine gipfeln kann, einstellt. Verlust von zwischenmenschlichen Beziehungen und Zunahme von Gewalt Ein Problem, das besonders in den Industrienationen, welche Computer in den Schulen benützen, auftritt, ist der Verlust an zwischenmenschlichen Beziehungen unter den Schülern und die Zunahme 3

4 von Gewalt sowie die Hyperaktivität bei Kindern. Kindern, die schon darunter leiden Kontakte mit anderen schließen zu können, verstärken diesen Mängel noch mehr. Statt daß sie Kontakte mit Menschen pflegen, beschäftigen sie sich mit der Maschine und verlieren so gänzlich die Fähigkeit Kontakte zu schließen. Viele von ihnen leiden an einer Manie für den Computer und pflegen ihre Freizeit allein vor dem Bildschirm zu verbringen, ohne auf ihre Umgebung zu achten. Heutzutage wird dieses Thema in Elterngruppen und zwischen Experten diskutiert, denn es verschlimmert sich zusehends. Und wir selbst "freuen uns, wenn der neue Fortschritt der Computer es uns erlaubt, in die Rolle einer Unterseebootkapitäns zu schlüpfen, um ein feindliches Schiff mit unseren eigenen Händen zu versenken, obwohl wir die Gedanken beiseite rücken, daß wir feindliche Seeleute töten. Das Zusammenspiel der Fernsehtechnik mit dem Computer wird in höchsten Tönen gefeiert und gelobt, was uns hieran teilnehmen läßt und nicht nur auf passive weise, sowie wir täglich hunderte von Morden im Fernsehen sehen, sondern was uns auf spielerische weise töten läßt. Diese einfache Wahrheit müssen wir klarstellen, die sich auf die Tatsache bezieht, daß die Erfindung und die Entwicklung des Computers seinen Ursprung im Militärischen hat, seit seinen Anfängen und auch heute noch." (Josef Weizenbaum in der Frankfurter Rundschau vom 5. Juni 1981) Verarmung der Sprache Eine weiter Gefahr, die viele Pädagogen im frühzeitigen Gebrach des Computers sehen, ist die Verarmung der Sprache der Kinder, denn mit dem Computer spricht man nur in einem sehr rudimentärem Englisch. Dies führt zu keinem noch so kleinem Fortschritt in der Sprachentwicklung. Ich habe auch Programme zur Einübung der Spanischen Grammatik gesehen. Besser sprechen wir nicht über die Qualität dieser Programme, stellen wir nur die Frage: "Ist eine Sprache keine lebendige Sache? Ist es nicht besser eine Sprache zu sprechen, als sie auf einem stummen und tauben Bildschirm zu sehen?" Gegen die Verherrlichung der Technik Es ist notwendig gegen die Glorifizierung der Technik zu sein, wenn man den Computer benutzt. Nicht alle Probleme einer Gesellschaft lassen sich durch die Technik lösen oder dadurch, daß man einen Knopf an einem Mikrocomputer drückt. Probleme zu lösen bedeutet immer neue Ideen suchen, unbekannte Wege gehen, alltägliche Gedankengänge beiseite schieben. Außerdem kann man soziale Probleme nicht technisch lösen, denn die menschliche und soziale Realität ist nicht mathematisch. Leider vermittelt der Computer den Jugendlichen den Eindruck, daß sich die Probleme technisch sehr einfach lösen lassen. "Beinahe jede Person, die methodisch denken kann, kann durch einige kleine Hilfen und ein wenig Übung ein guter Programmierer werden. Die Programmierung bietet eine beinahe zeitgleiche Belohnung; das soll heißen, daß der Computer sich fast so verhält, wie es der Programmierer geplant hat und das macht es, daß die Programmierung eine Versuchung besonders für Anfänger ist.... Unreife Studenten werden schnell von dem Glauben befallen, daß sie Fähigkeiten mit viel Macht und Wirkung besitzen, und in Wirklichkeit beherrschen sie nur Grundkenntnisse und sind noch nicht zum wichtigsten vorgestoßen." (Josef Weizenbaum: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft. Frankfurt/M. 1978, S. 362) Auswirkungen des Computergebrauchs In den Industrienationen haben die Computer nicht nur Fortschritt gebracht. Heute haben wir in der Bundesrepublik Deutschland eine Arbeitslosigkeit von 11 % sowie in Frankreich und in England 4

5 auch. Eine der Ursachen ist sicherlich das Vordringen der Roboter in der Industrie, die Ersetzung des Menschen durch die Maschine. Viele sagen, um dies zu vermeiden, muß man den Kindern eine gute Ausbildung geben, eine Ausbildung mit dem Computer, damit der zukünftige Arbeiter oder Angestellte besser und angepaßter die Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes erfüllt. Aber in Wirklichkeit ist es nicht so. Leider ist die Arbeitslosigkeit unter den Jüngeren doppelt so hoch wie allgemein und dies obwohl die deutschen Schulen gut ausgerüstet sind und obwohl an deutschen Schulen auch Mikrocomputer benützt werden. In Bezug auf die Auswirkungen der Informatik in den Industrienationen möchte ich noch einige Punkte mehr erwähnen: Die Umweltverschmutzung z. B. im Silicon Valley in Kalifornien aufgrund der Hardwareproduktion, die mögliche total Kontrolle der Bürger durch Informationssysteme in Fabriken und öffentlichen Büros, die Gesundheitsschäden der Personen die Computerchips herstellen und die Gesundheitsschäden der Anwender die am Bildschirm arbeiten usw. Aber fahren wir fort mit der Beschreibung der Ziele des Unterrichtes von neuen Informationstechnologien und Kommunikation in Deutschland. "Nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft, die durch die neuen Technologien geprägt ist, brauchen vertiefte Kenntnisse der Mikroelektronik oder der Informatik, sie brauchen vielmehr ein Basiswissen über das, was das Funktionieren der Informationstechnologie und Kommunikation ausmacht, wo sie angewandt werden kann und wann von ihrem Gebrauch Abstand zu nehmen ist." (a.a.o. S. 13) So wie es nicht nötig ist ein Spezialist in Mikroelektronik zu sein, um fernzusehen, so wichtig wäre es aber über die Auswirkungen des Fernsehens Bescheid zu wissen. Das deutsche Bildungssystem ist vom peruanischen System sehr verschieden. In Deutschland gibt es zwei Schulformen, obwohl Deutschland ein Bundesstaat ist und jede Region autonom in der Festsetzung der Bildungsziele ist. Die Schulformen sind die allgemeinbildenden Schulen und die Schulen zur beruflichen Bildung. Deshalb muß man genau unterscheiden, wenn man über den Gebrauch von Computern in der Schule spricht. Die allgemeinbildenden Schulen gliedern sich nach drei Stufen gemäß dem Schüleralter und diese Schulstufen sind nach verschiedenen Ausbildungsrichtungen untergliedert. Die ersten vier Schuljahre beziehen sich auf die Grundschule, danach folgt eine Aufgliederung. Zum einem gibt es die Hauptschule (primaria superior), eine allgemeinbildende Schule mit praktischer Ausrichtung für spätere Handwerksberufe oder einfache Industrieberufe, dann gibt es die Realschule (escuela secundaria elemental) mit einer etwas mehr theoretischen Ausrichtung aus technische und kaufmännische Berufe und dann gibt es noch das Gymnasium (secundaria superior), die den Schülern eine Ausbildung zum Erlangen der Hochschulreife bietet. Dazu existiert die Gesamtschule, eine integrierte Schule, die alle drei vorherigen Schulzweige umfaßt. Diese Schulform wurde in den letzten Jahren in den Bundesländern geschaffen, in denen die Sozialdemokratie regiert, um denjenigen Schülern bessere Chancen zu geben, die aufgrund ihrer sozialen Zugehörigkeit sonst in der Hauptschule geblieben wären. Das alte System verfestigte die bestehende Struktur der sozialen Klassen. Heute wechselt ca. die Hälfte der Kinder von der Grundschule zur Hauptschule und ein Drittel zur Realschule, ein Fünftel wechselt zum Gymnasium. Früher war das Verhältnis noch ungünstiger. Die Hauptschule, die Realschule und die ersten sechs Klassen des Gymnasiums bilden die Sekundarstufe I und die letzten drei Jahre des Gymnasiums, also die Klassen 11 bis 13, machen die Sekundarstufe II aus. 5

6 In der Grundschule gibt es überhaupt keinen Unterricht mit Computern und auch keinen Informatikunterricht. Die Bildungspolitik für die Grundschule hat u. a. folgende Zielsetzungen: "Das Prinzip der altersgemäßen Unterrichtung gestattet keine Stoffvermittlung über die neuen Technologien. Grundlage der Grundschulerziehung muß der Erfahrungsbereich des Lebens und des Lernens der Schüler sein. Die Schüler müssen ihre lernen ihre Realität wiederzuerkennen, sie müssen sie erklären und verändern können. Sie sollen befähigt werden Schlüsse aus ihre Schulrealität und der Realität außerhalb der Schule zu ziehen." (a.a.o. S. 17) Deshalb gibt es in fast allen deutschen Grundschulen keine Computer. In der Sekundarstufe I jedweder Form bekommen die Schüler eine obligatorische Grundbildung über die neuen Technologien der Informationstechnik und Kommunikation. Mit dieser Grundbildung sollen die Schüler auf eine sich ständig verändernde Wirklichkeit durch neue Technologien vorbereitet werden, sie sollen zur Kritik und zum Handeln befähigt werden. Sie brauchen eine Ausbildung zum selbständigen verantwortlichen Handeln auf sozial Art und Weise. Ausgehend von ihren täglichen Erfahrungen müssen ihnen die Beziehungen zwischen den neuen Technologien, ihren Anwendungen und ihren sozialen Auswirkungen bekannt gemacht werden. Diese Ausbildung erhalten sie normalerweise im Rahmen der üblichen Fächer wie Deutsch, Mathematik oder Gesellschaftskunde. Mit Beginn des achten Schuljahres, d. h. wenn die Schüler 14 Jahre alt sind, werden ca. zwei Wochenstunden für die Vermittlung dieser Lerninhalte verwandt, denn "erst in diesen Alter bestehen das Interesse und die notwendigen intellektuellen Fähigkeiten." Die Sekundarstufe II ist geprägt durch vom Übergang des Schullebens zum Berufsleben, deshalb muß aufbauend auf die Grundbildung der Sekundarstufe I eine auf die zukünftige berufliche Beschäftigung orientierte Ausbildung bzw. eine voruniversitäre Ausbildung angeboten werden. Die Sekundarstufe II ist außerdem die Phase des Übergangs der Jugend zum Erwachsensein, in der ein politisches Verhalten und ein unabhängigeres Dasein angenommen wird. Deshalb muß neben der beruflichen Bildung mehr Gewicht auf die Entwicklung der Fähigkeiten zum humanen Handeln zum Wohle der Allgemeinheit. Deshalb wird der Computer mehr auf dieser Ausbildungsstufe angewandt. Die Veränderungen in der Arbeitswelt, am Arbeitsplatz und den Strukturen in der Organisation von Firmen und Fabriken, in denen ein Großteil der beruflichen Ausbildung heutzutage stattfindet, ermöglicht eine vollständige und systematische Ausbildung in diesen Bereichen. Daher ist eine Ausbildung an den staatlichen Berufsschulen besonders wichtig. Es muß ein vollständiges Grundwissen vermittelt werden und systematische Fähigkeiten im Rahmen der Berufsausbildung gegeben werden, welche die Anwendung der neuen Technologien beinhaltet und gleichzeitig die sozialen Folgen berücksichtigt. Der Informatikunterricht ist immer auf den speziellen Beruf ausgerichtet und daher für jeden Berufszweig unterschiedlich. Der Gebrauch des Computers in den Berufsschulen ist relativ hoch insbesondere im Bereich der Elektronik und kaufmännischen Verwaltung. 6

7 Wie verteilen sich die Lehrlinge auf die verschiedenen Berufszweige? Lehrlinge im Jahre 1985 geordnet nach Berufszweigen insgesamt % Handwerk ,5 % Industrie und Handel % Hauswirtschaft % freie Berufe, öffentlicher Dienst % Landwirtschaft % (Quelle: Information Nr. 28, Berufliche Bildung, Presse und Informationsamt der BRD, Bonn 4/1987) Wie verteilen sich die Computer in den Schulen? 85 % der Gymnasien besitzen mindestens einen Computer, 75 % der Berufsschulen und 50 % der Integrierten Gesamtschulen. Und hier sind einige Zahlen über den Gebrauch und die Anzahl von Rechnern in Schulen verschiedenen Typs in den Bundesländern in Deutschland 1985: Bundesländer Gymnasium Berufsschule Hauptschule Realschule Gesamtschule integriert additiv Schleswig Holstein Hamburg Bremen Niedersachsen Nordrhein Westfalen Hessen (1986) Rheinland Pfalz Saarland Baden Württemberg Bayern (1987) Berlin (West) Insgesamt Quelle: 1. Neue Medien und moderne Technologien in der Schule, Bericht der Kultusministerkonferenz vom Gesamtkonzept für die informationstechnische Bildung in der Schule, Fortschreibung 1987, München Juli 1987, bayerisches Staatsministerium für Erziehung und Kultur 7

8 Computeranzahl in Schulen mit Computern Hessen 1 Bayern 2 durchsch > 12 durchs > 8 Gymnasium 10.8 n % 53.8 % 35.3 % 12.6 chn. % 87.5 % additive Gesamtschule % 59.5 % 16.2 % Integrierte Gesamtschule % 52.9 % 16.2 % Hauptschule % 16.4 % 1.6 % 6.0 % 12.5 % Realschule % 16.4 % 1.9 % 11.9 % 87.5 % Berufsschule % 12.6 % 58.8 % 14.2 % 69.7 % Weil die Berufsschulen unterschiedliche Berufsfelder abdecken, hier die Zahlen des Bundesland Hessen: Berufszweig > 12 Computer Handwerk/Technik 54 % Handel 67 % Hauswirtschaft 51 % Landwirtschaft 37 % Zahlen über die anderen Bundesländer liegen mit nicht vor. Es bleibt zu bemerken, daß an den Schulen kein einheitliches Computermodell eingesetzt wird. Die hessische Ausstattung vermag einen Eindruck über den Einsatz der unterschiedlichen Rechner vermitteln: Computermodell Gymnasium integrierte Gesamtschule additive Gesamtschule Realschule Hauptschule Berufsschule Apple II/III+/E C Commodore CBM Commodore PC Commodore PET Alphatronic IBM PC/XT Triumph Adler Apple compatible C TA 50/ Schule und Datenverarbeitung in Hessen, Heft 29, HIBS Gesamtkonzept für die informationstechnische Bildung in der Schule, Fortschreibung 1987, Byerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultur. Anmerkung: in Bayern gibt es keine Gesamtschulen. 8

9 Und das sind die Computerhersteller, der in Hessen eingesetzten Mikrorechner: Commodore 46.4 % Apple 34.5 % Triumph Adler 15.4 % IBM 7.5 % Olivetti 6.5 % Hewlett Packard 3.1 % Digital Equipment 3.3 % Sinclair 3.1 % Siemens 2.7 % Atari 2.5 % Schneider 1.9 % Aufteilung der Computer nach Arbeitsspeichergröße für das Bundesland Hessen: < 64 KB KB > 128 KB 7.3 % 53.6 % 37.8 % Verbreitung der Betriebssystem: CP/M MS-DOS UCDS andere insgesamt 42.0 % 36.3% 18.8 % 20.5 % Berufsschulen 35.3 % 63.7 % 11.8 % 22.5 % Computeranwendungen geordnet nach Fächern an hessischen Schulen: Gymnasium integr. Gesamt- additive Gesamtschule Haupt- /Realschule Berufsschule Informatik Mathematik Organisationslehre Textverarbeitung Chemie Biologie Gemeinschaftskunde Wirtschaftslehre Elektrotechnik Metallverarbeitung Quelle: Schule und Datenverarbeitung in Hessen, Heft 29, HIBS 1987 Die Informationstechnik ist ein besonderes Schulfach in allen Schulen der Sekundarstufe II. In der Sekundarstufe I wird dieses Fach nur in den Bundesländern Berlin, Nordrhein Westfalen, Saarland und Schleswig Holstein gesondert unterrichtet. Als Blockunterricht im Rahmen anderer Fächer wird die Informationstechnik in der Hälfte der Schulen in der Sekundarstufe I in den verschiedenen Bundesländern ab dem achten Schuljahr durchgeführt. Fast alle deutschen Schulen bieten den Informatikunterricht als freiwilliges Fach ab der achten Klasse an, d. h. für Schüler ab 14 Jahren. 9

10 In der Sekundarstufe II steht der Begriff des Algorithmus im Mittelpunkt des Informatikunterrichts. Der Informatikunterricht und die Ausbildung über Basistechnologien findet in allen Schulen aufgrund von verbindlichen Lehrplänen der verschiedenen Kultusministerien statt. Jedoch haben diese Pläne in allen Bundesländern z. Zt. nur einen experimentellen Charakter. Ich habe viele statistische Angaben über die Verbreitung von Computern und ihre Anwendung gegeben, doch diese Zahlen sagen nichts über den tatsächlichen Einsatz aus. Über den wirklichen Einsatz möchte ich Ihnen noch ein paar überraschende Zahlen aus dem Bundesland Hessen nennen: Hauptschule Realschule Gymnasium Sek I integr. Gesamt. Sek I Gymnasium Sek II Schulen insgesamt Schulen mit Computern % 39.4 % 90.9 % 80.2 % 88.0 % Schulen mit Computereinsatz % % % % % Woran liegt der geringe tatsächliche Einsatz? Vielleicht sind die Lehrer noch nicht genügend ausgebildet, um mit einem Rechner zu arbeiten oder vielleicht benutzen sie ihn nur in einigen ausgewählten Kursen oder es handelt sich um kritische Lehrer? Gegenwärtig dann ich dazu keine abschließende Aussage treffen. Da ein Großteil der Schulen, nämlich 8 %, die Rechner erst ein Jahr vor der Umfrage bekommen hat, ist es wahrscheinlich, daß sie noch ein Vorbereitungs- und Eingewöhnungsphase benötigen. Aber das erklärt natürlich nicht vollständig die großen angeführten Diskrepanzen. Es gibt viele Forschungsprojekte über die Auswirkungen des Computerunterrichts auf das Lernverhalten, das Schülerverhalten und andere positive und negative Veränderungen. Aber bisher sind diese Forschungen noch nicht abgeschlossen und deshalb liegen noch keine endgültigen Ergebnisse vor. Aber ich kann Ihnen eine Untersuchung von Walter Tietenberg aus den Jahre 1983 an Schulen in Rheinland Pfalz über die Interessen von Schülern bieten, die das Fach Informatik gewählt haben und die es nicht gewählt haben. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die erste Gruppe, welche die Informatik bevorzugte, auch Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften zeigte, sie sich aber nicht für Gemeinschaftskunde, Biologie, Literatur und Sprache, Musik und Kunst interessierte, während es bei der Vergleichsgruppe gerade umgekehrt war. (Walter Tietenberg: Begleituntersuchung zum Kursverhalten. in: Programmiersprachen im Unterricht, Hrsg. Winfried Ohmes, Mainz 1983) 10

11 Verfügbare Software an hessischen Schulen: Software Gymnasium additive Gesamtschule integr. Gesamt- Haupt- /Realschule Berufsschule Textverarbeitung Demonstrationssoftware Kalkulationsprogramme Datenbanken Spiele Rechnungswesen computergestütztes Lernen Lagerhaltung CNC CAD Quelle: Schule und Datenverarbeitung Heft 29, HIBS 1987 Die aufgeführte Statistik bezieht sich nicht auf den Einsatz der Software sondern nur auf ihr Vorhandensein. So wie ich eingangs bereits erwähnte, gibt es vier Formen eines möglichen Computereinsatzes: - die programmierte Unterweisung - die Simulation - die Programmierung - die Anwendung von Softwarepaketen. An deutschen Schulen wird die programmierte Unterweisung nicht angewandt. Die Simulation wird gelegentlich im Physikunterricht, im Fach Chemie und Biologie gebraucht, jedoch ersetzt sie nicht die Experimente, die sich auch ohne Computer durchführen lassen. So können wir in einer deutschen Zeitschrift über Mathematik- und Naturkundeunterricht folgendes lesen: "Mit Hilfe des Computers lassen sich Versuche simulieren, die sonst nicht im Chemieunterricht durchführbar wären. Diese Art der Versuchsreproduktion darf jedoch keinesfalls die Versuche in der Klasse ersetzen, die sich auch anders durchführen lassen. Experimentersetzungen durch Filme kommen der Wirklichkeit näher als Experimente auf dem Computer." (Vorabdruck aus MNU 38/4, 1987 S. 7) Die Unterrichtung im Gebrauch von Softwarepaketen wird nur in Handelsschulen und Berufsschulen als Teil der beruflichen Bildung erteilt. In den allgemeinbildenden Schulen gibt es diese Form des Unterrichts nicht. Die Programmierung von Computern wird vor allem in der Sekundarstufe II unterrichtet oder sie wird als freiwilliger Zusatzkurs angeboten. Leider wird die Programmiersprache Basic aus wirtschaftlichen Gründen stark unterrichtet, denn Basic ist im Preis eines Computers inbegriffen, obwohl auch Logo, PASCAL, COBOL und Elan angeboten werden. 11

12 Ich möchte ihnen auch noch einige Zahlen über die Verbreitung von Computern im Ausbildungssektor einiger weiterer Industrienationen anbieten. Staat Einwohner in Mill Computer Einwohner pro Computer USA Deutschland Frankreich Großbritannien Niederlande Italien/Spanien 56.7/ Skandinavien Quelle: Informatik für alle en: Computer Persönlich Nr. 25, 1986 Schule und Datenverarbeitung in Hessen, Heft 29, HIBS Wiesbaden 1987 Sechs-Neun-Zehn-Zwölf Europas schwieriger Weg zur Einigung, Köln 1986 Man muß anmerken, daß Deutschland eine vollständig andere Wirtschaftsstruktur als Peru hat. Insbesondere ist Deutschland ein hoch technologisiertes Land und Peru ist dagegen mehr ein landwirtschaftlich orientiertes Land gab es ungefähr 27 Millionen tätige Personen in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen Deutschlands. Hier sind die entsprechenden Zahlen: Land- und Forstwirtschaft Viehzucht und Fischerei % Industrie % Handel und Transport % Dienstleistungen % insgesamt % Quelle: La realidad alemana, Gütersloh 1986, S. 170 Die Ausbildung und die Unterrichtshilfen müssen also immer die unterschiedlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aspekte widerspiegeln. Wer ist der Hauptinteressent am Computereinsatz? Zum Schluß möchte ich die Frage aufwerfen, wer der Hauptinteressent am Computereinsatz an peruanischen Schulen ist, welches die Motive zum Computerkauf sind. Nach meinen Erfahrungen sind es immer die großen Computerfirmen, denn sie wollen ihre Waren verkaufen und suchen neue Märkte. Manchmal, so erkennt Araujo e Oliver einer der aktuell geschätzten brasilianischen Pädagogen in der Zeitschrift Perspectivas Nr. 3 der UNESCO von 1982, "der Technologietransfer in der Ausbildung beginnt nicht mit einem Problem, sondern mit der Präsentation, die ein Verkäufer macht oder eine internationale Organisation oder mit einem Finanzierungsplan, oder sie beginnt durch einen Kultusminister oder Gruppen, die durch die sophistische Demonstration, an der sie im Ausland teilgenommen haben oder durch noch subtilere Formen, durch die Bedürfnisse geweckt wurden." Um dieses zu erreichen, machen sie es überall auf der Welt gleich. Z. B. in Deutschland, wo die Firma Commodore ein paar Geräte an Schulen in von der konservativen Partei regierte Bundes- 12

13 länder verschenkte. Hiermit öffnete sich die Firma die Türen zu den Schulen, und nachher wollten auch die anderen Schulen diese Werkzeuge und verlangten von der Regierung den Kauf dieser Gerätschaften. Und wenn der Computer in der Schule gebraucht wird, wollen ihn auch die Kinder zu Hause mit der Begründung, besser die Schulaufgaben erledigen zu können. Aber ist dies wirklich so? Die Kinder benutzen den Rechner nur zu kriegerischen Spielen, wo sie es lernen, Probleme durch die Zerstörung von Sachen, Personen oder anderen Gegenständen zu lösen. Und über kurz oder lang verhalten sich die Kinder auch so mit ihren Mitschülern, was eine Zunahme der Gewalt bedeutet, sowie ich es vorher erwähnt hatte. Ein anderer Weg, den gegenwärtig die Computerindustrie in Deutschland geht um ihre Produkte zu vermarkten, ist die Gründung von Organisationen wie "Computer und Bildung". Diese Institution hat das Ziel, die Beziehungen zwischen der Industrie und den Kultusministerien der Bundesländer zu pflegen, um den Verkauf der Rechner zu verbessern. Wir sind hypnotisiert vom "technologischen fallout", von den zivilen Abfällen der Kriegstechnologie wie dem Computer. "Normalerweise sitzen wir wie die Hunde unter den Tischen, wo die Herren Wirtschaftler und Militärs im Überfluß speisen - häufig das Fleisch ihrer Opfer - ich denke insbesondere an den Waffenhandel mit Afrika, und wir freuen uns, wenn ein Knochen zu uns herunterfällt. Wir sind begeistert über eine Teflonpfanne oder das Satellitenfernsehen, was es uns erlaubt ein Fußballspiel aus Lateinamerika zu sehen, während Tausende von unsichtbaren Gefangenen in den Gefängnissen Südamerikas zu Tode gefoltert werden." (Josef Weizenbaum: in der Frankfurter Rundschau vom 5. Juni 1981) Die gegenwärtige peruanische Regierung möchte Mikrocomputer in den peruanischen Schulen einführen. Eine Absicht ist dabei die Verbesserung des Unterrichts, insbesondere in Geometrie, Trigonometrie, Geographie, Physik, Chemie und Geschichte Perus in den Schulen der Sekundarstufe und ab Anfang 1990 auch in der Grundschule. Auf lange Sicht wird die Überwindung der Unterentwicklung des Landes durch besser ausgebildete Schüler erhofft. Ein ähnlicher Plan wurde in Indien vor einigen Jahren durchgeführt, ein Land das sich in einer ähnlichen Armutssituation befindet wie Peru. "Die Studien des Statistischen Amtes über den Schulabschluß, die Klassenwiederholungen und das vorzeitige Verlassen der Schule erlauben den Schluß, daß im Zeitraum von 1974 bis 1983 von je tausend Schülern, die mit dem ersten Schuljahr eingeschult wurden, 25.9 % der Schüler die Grundschule ohne jegliche Wiederholung abschließen konnten und daß 24.6 % der Schüler eine oder mehrere Klassen wiederholen mußten. Der Rest der Schüler, d. h % verließ die Schule vorzeitig, ohne einen Abschluß zu erlangen." (Quelle: peruanisches Bildungsministerium) "Die Studien des Statistischen Amtes über den Schulabschluß, die Klassenwiederholungen und das vorzeitige Verlassen der Schule erlauben den Schluß, daß im Zeitraum von 1974 bis 1983 von je tausend Schülern, die mit dem ersten Schuljahr eingeschult wurden, 25.9 % der Schüler die Grundschule ohne jegliche Wiederholung abschließen konnten und daß 24.6 % der Schüler eine oder mehrere Klassen wiederholen mußten. Der Rest der Schüler, d. h % verließ die Schule vorzeitig, ohne einen Abschluß zu erlangen." (Quelle: peruanisches Bildungsministerium) 33 % der Schüler, die zur Sekundarstufe wechselten, verließen diese Schule ohne einen Abschluß. Es ist daher nur logisch, daß der Analphabetismus sehr hoch ist, vor allem in den ländlichen Gebieten. Wenn wir die Landesteiles in zwei Gruppen einteilen, nämlich in eine Gruppe A mit einem Anteil ländlicher Bevölkerung unterhalb des Landesdurchschnitts, welche durch die Departements Arequipa, Ica, Lima, Moquegua, Tacna, La Libertad, Lambayeque, Tumbes und Callao gebildet werden, und in eine andere Gruppe B mit einem überdurchschnittlichen Anteil an Landbevölkerung, 13

14 die durch die übrigen Departements gebildet werden, können wir in der Gruppe B einen höheren Anteil an Analphabetismus ausmachen als in Gruppe A. Im einzelnen erhalten wir folgende Statistik: Gruppe A Gruppe B Flächenanteil % % Bevölkerungsanteil % % Analphabeten älter als 15 Jahre % % weibl. Analphabeten % % Einw. über 15 Jahre % % Hier noch weitere Daten um die bestehenden Unterschiede, die im Lande bestehen, zu untermauern. Sie geben Hinweise darüber, warum sie Situation so ist. In der nächsten Tabelle ist Peru in fünf Gruppen aufgeteilt, die sich wie folgt zusammensetzen: I. Cajamarca, Apurímac, Huancavelita, Ayacucho, Amazonas, Puno II. Cusco, Huánuco, Ancash, Pasco, San Martin III. Madre de Dios, Ucayali, Loreto, Piura, Junín, La Libertad IV. Tumbes, Tacna, Moquegua, Lambayeque V. Ica, Arequipa, Lima, Callao I II III IV V Bevölkerung in % ohne Grundschule Waisen 0-4 Jahre in % durchschnittl. Monatseinkommen Häuser in % ohne Trinkwasser Häuser in % ohne Abwasserversorgung Häuser in % ohne Elektrizität Ärzte pro 1000 Einwohner Analphabetismus über 15 Jahre Schülerkosten in Soles (1984) Dies sind Zahlen von Die Quelle ist die "Armutskarte Perus" der Banco Central de Reserva del Peru. Daß diese Zahlen auch heute noch Gültigkeit besitzen, bestätigt das Bildungsministerium mit folgenden Worten: "Dadurch daß diese Statistik präsentiert wird, setzt man voraus, daß das Dokument auch heute noch Gültigkeit hat, ja natürlich, denn in den letzten vier Jahren hat es in Bezug auf die Entwicklung keine merkbare Veränderung in der Situation der Departements des Landes gegeben. 14

15 Durchschnittseinkommen in sieben wichtigen Städten im Jahre 1986 in Inti: monatliche Durchschnittsgehälter tägliche Durchschnittslöhne Lima > Iquitos Tacna Ica Cusco Piura Trujillo Puno Quelle: Hauptbüro für Beschäftigung, Arbeitsministerium nach "La Republica" vom 12. September Wie wir alle wissen und täglich beobachten können, gehen viele Kinder arbeiten anstatt die Schule zu besuchen, denn sie müssen helfen, um die Unterhaltung der Familie zu sichern. Die Infrastruktur der peruanischen Schulen Für die Diagnose zur Ausbildungssituation Perus ist es wichtig, die Infrastruktur der Schulen zu betrachten. Nur 36 % der Schulen in städtischen Gebieten verfügen über eine Trinkwasserversorgung, eine Abwasserversorgung und elektrisches Licht, und insgesamt 29 % besitzen nichts davon. Und erschrecken Sie nicht: In den Elendsvierteln besitzen nur 1.5 % der Schulen die aufgeführten Einrichtungen und der Rest, also 98.5 % sind ohne Trinkwasser, Abwasseranschluß und elektrisches Licht. Wie will man da Computer installieren, wenn die Schulen keinen elektrischen Strom für ihren Anschluß haben? Was das audiovisuelle Material betrifft, so haben 59 % der städtischen Schulen Landkarten und 50 % Schautafeln, 2.3 % Tonbandgeräte und 0.6 % Filme. Einzelheiten über die Situation der ländlichen Schulen wurden nicht veröffentlicht. Fast alle Schulen besitzen keine Bibliothek und wenn vereinzelt einige vorhanden sind, dann ist ihr Buchbestand nicht aktuell. Im Schnitt gibt es eine Bank für drei Schüler, eine Zahl die sich auf zwanzig von 25 Departements bezieht. Sie wissen sehr gut, daß die Kinder vieler Elendsvierteln ihre eigenen Stühle und Tische zur Schule mitbringen müssen und daß der Unterricht häufig im Freien stattfindet, da es keine Schulräume gibt. Von zehn Klassenräumen besitzen neun eine Tafel, aber in dreizehn Departements bewegt sich die Zahl der Tafeln zwischen fünf und neun. Zwei von fünf Klassenräumen bieten dem Lehrer ein Pult und in 50 % der Departements hat nur jeder zehnte Lehrer einen Schreibtisch. 15

16 Und so folgert das Bildungsministerium: "Man kann nicht mehr länger den Zustand verheimlichen, daß es Schulen ohne Klassenräume gibt, Klassenräume ohne Schulmöbel, Kinder ohne irgendein Schulmaterial und Bevölkerungen, die ständig frustriert sind in ihren Bemühungen ihren Kindern bessere Lebensbedingungen zu bieten." Aber man muß fragen: "Ist es besser das wenige zur Verfügung stehende Geld für Computer auszugeben oder ist es nicht angebrachter die Infrastruktur der Schulen zu verbessern? Eine andere Schwäche ist: "Die formelle Ausbildung Perus automatisiert die Schüler. Dadurch daß die Technologie der konduktiven Bildung angewandt wird, die den Ausbildungsvorgang in einen mechanischen und programmierten Vorgang auf der Basis von stereotypen Fragen und Antworten verkürzt, beseitigt man das kritische Urteilsvermögen." (Carlos Castillos Rios: I Nr. 7, 1983, S. 66). Diese Analyse macht der Autor in Bezug auf eine Schule ohne Computer. Wie viel höher ist die Automatisierung der Schüler mit dem Gebrauch von Computern im Unterricht? Ein Großteil der Lehrpersonen langweilt die Schüler mit Aufgaben, wie reines Abschreiben von Texten, wo weder geeignetes Material noch geeignete Methoden verwandt werden. Diese Arbeiten sind die Grund für den Interessensverlust der Schüler am Lernen. Bis jetzt haben wir noch nicht die Tatsache betrachtet, daß Peru ein multikulturelles Land mit mehr als fünfzig verschiedenen gesprochenen Sprachen ist. Die Mehrzahl der spanischsprechenden Menschen beherrscht weder Quechua noch Aymara, die anderen zwei wichtigen Sprachen Perus. Wir haben es nicht geschafft, uns mit unseren Landsleuten zu unterhalten, wollen aber Logo, Basic, PASCAL und andere Programmiersprachen erlernen. Ist das nicht komisch? In Schulzentren in nicht spanischsprechenden Gebieten findet der Unterricht auf Spanisch statt, was auf eine Unkenntnis der Unterrichtsmethodik schließen läßt und eine Verachtung der übrigen Muttersprachen ausdrückt. Dies berührt die kulturelle Identität dieser Gruppen. Das Lehrpersonal in nicht spanischsprechenden Gebieten, Indianergemeinschaften und Eingeborenensiedlungen usw. ist ohne Ausbildung, erhält keine notwendige Fortbildung. Deshalb sagen die Kritiker zu recht, daß die Ausbildung der peruanischen Lehrer mangelhaft ist. Viele von ihnen besitzen keinen Lehrertitel. Nur 27 % der Lehrer in der Basisausbildung haben eine entsprechende berufliche Ausbildung. In ländlichen Gebieten und im Amazonasgebiet wird der Unterricht bis zur sechsten Klasse nur von einem einzigen Lehrer erteilt, der normalerweise keine Berufsausbildung besitzt. 32 % des Lehrpersonals der Grundschule besitzt keinen pädagogischen Titel. Kann der Computer diese Situation verbessern? Sehen wir, was der Brasilianer Setzer in seinem Anticomputermanifest schreibt: "Die Entwicklungsländer wiederholen die selben Fehler wie die Industrienationen: Entwaldung, Umweltverschmutzung usw. Warum ist es so schwierig einzusehen, daß ihr Weg nicht unser Weg sein kann, daß gerade die Industrienationen ihre eigenen erdrückenden sozialen Probleme nicht gelöst haben, im Gegenteil? Warum ist es so schwierig einzusehen, daß das ständige wirtschaftliche Wachstum ein Irrtum ist und nicht die Lebensbedingungen verbessert? Also, warum sollen wir uns den neuen Theorien der "Computerisierten Gesellschaft", die angeblich besser sei, anschließen und daran glauben, daß nur durch die Einführung von Computern in der Schule der Fortschritt der anderen Länder zu erreichen sei? Wir werden nicht zurückbleiben, wenn wir die Computerwissenschaften für ein höheres Niveau der Ausbildung vorbehalten." 16

17 Bibliografia: Josef Weizenbaum: "Computer power and human reason", 1978 Josef Weizenbaum: "Kurs auf den Eisberg", 1984 Haas/Wildenmann: "Informatik für Lehrer 1", 1982 Zeitschrift Perspectivas Nr 3, UNESCO 1982 Zeitschrift Autoeducación Nr 7, 1983 Waldemar Setzer : "Anticomputer Manifesto", Brasil 1984 Lima

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