Bericht - Exkursion zu Fujitsu Siemens Computers in Sömmerda

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1 Bericht - Exkursion zu Fujitsu Siemens Computers in Sömmerda Die dritte Exkursion des Jahres 2005 führte am 24. Mai mit 36 Teilnehmern, darunter auch VDI-Mitglieder und Gäste, zunächst zum Computerhersteller Fujitsu Siemens in Sömmerda und nach der Mittagspause in deren Kantine weiter zum Tobiashammer in Ohrdruf am Nordrand des Thüringer Waldes. Dieser Bericht beschränkt sich auf den Besuch beim Computerhersteller Fujitsu Siemens Fujitsu Siemens Computers (nachfolgend als FSC bezeichnet) gehört zu den führenden europäischen IT Herstellern. Mit innovativen IT Produkten, zuverlässigen IT Infrastrukturen und Services erfüllt das Unternehmen nach eigenen Angaben die spezifischen Anforderungen von Privatkunden sowie Geschäftskunden in kleineren, mittelständigen und großen Unternehmen. Da eine relativ weite Fahrtstrecke zurückzulegen war, starteten wir bereits um 7:00 Uhr ab dem Parkplatz am Auestadion in Kassel und nahmen an der BAB-Ausfahrt Homberg/Efze die beiden letzten unserer Teilnehmer auf. Am Kirchheimer Dreieck bogen wir auf die A4 ab und erreichten mit etwa 20-minütiger Verspätung verursacht durch die Unkenntnis über die Fahrtstrecke das Werk Sömmerda von FUJITSU SIEMENS COMPUTERS (nachfolgend abgekürzt als FSC bezeichnet). Dipl.-Ing. Edgar Schweigel, Assistent der Geschäftsleitung von FSC, begrüßte uns am Wareneingang der Fabrikhallen und stellte uns kurz sein Besichtigungsprogramm vor: Um bedingt durch die Verspätung nicht durch eine leere Fabrikhalle wegen der Mittagspause der Mitarbeiter zu gehen, sahen wir uns zunächst die Produktion an und bekamen anschließend durch Herrn Schweigel eine Information über die Entstehung des Werkes. An dieser Stelle muss bereits lobend erwähnt werden, dass wir in drei Gruppen aufgeteilt wurden, um den Erläuterungen der uns Führenden besser folgen zu können. Es versteht sich von selbst, dass bei dieser Werksführung nicht fotografiert werden durfte, jeder der Teilnehmer war also zusätzlich zu den Erklärungen nur auf seine eigene Wahrnehmungsfähigkeit angewiesen. Dies gilt selbstverständlich auch für den Unterzeichner, der diesen Bericht wegen der umfangreichen Vorbereitungen für den Tag der Technik erst einige Zeit nach der Exkursion erstellen konnte. Das Werk umfasst im Wesentlichen die Bereiche: - Logistik des Wareneingangs, - Logistik der Teilebereitstellung - Vormontage (Prozessor- und RAM-Montage auf dem Motherboard) - Zusammenbau - Qualitätssicherung - Verpackung - Logistik des Warenausgangs und ist nach den klassischen Materialflussregeln aufgebaut: An einem Ende der Halle kommen die Zulieferprodukte an, werden zunächst zwischengelagert, dann kommissioniert, danach zusammengebaut und verlassen nach Qualitätskontrolle und Verpackung am anderen Ende der Halle das Werk

2 Viele Zulieferteile kommen nach den Worten von Herrn Schweigel per Flugzeug in Deutschland auf den Flughäfen Frankfurt und Halle/Leipzig an und werden von den beauftragten Spediteuren per Lkw ans Werk geliefert. Unmittelbar nach Eingang erfolgen Identifizierung der Teile und Abgleich mit den Bestellvorgängen des Unternehmens bei seinen Lieferanten. Falsch gelieferte Teile werden gesperrt. Außerdem erfolgt im Bereich des Wareneingangs eine Qualitätseingangsprüfung. Richtig gelieferte und für gut befundene Teile werden eingelagert und stehen dem späteren Zusammenbau zur Verfügung. Da im Werk je nach Arbeitsanfall bis zu PC/Arbeitstag zusammengebaut werden können, ist eine ausgeklügelte Produktionsplanung erforderlich. Die Losgröße kann im Extremfall 1 betragen, jedoch werden zumeist Aufträge der gleichen Konfiguration, jedoch von verschiedenen Auftraggebern zusammengefasst. Sobald die Produktionsplanung anhand der Vollständigkeitsprüfung feststellt, dass ein Auftrag ohne Leerlauf in der eigentlichen Montage abgearbeitet werden kann, werden die hierfür erforderlichen Teile auf Paletten kommissioniert. Die Fertigung erfolgt auf insgesamt acht Produktionslinien, die je nach Arbeitsanfall teilweise oder komplett ein- oder zweischichtig betrieben werden können. Diesen Produktionslinien vorgeschaltet ist jedoch eine Vormontage, bestehend aus mehreren Abschnitten. Hierfür vier Beispiele: - Die Gehäuse für PC in Towerbauform werden vom Zulieferer Schäfer Gehäusesysteme GmbH und der Schwestergesellschaft Schäfer IT Logistik GmbH geliefert und kommissioniert. Gefertigt werden die Gehäuse derzeit zwar einheitlich im Werk Dresden der Fa. Schäfer. Da je nach Auftragsfall eine unterschiedliche Zahl von Laufwerken (HDD, CD-ROM, DVD+/-R usw.), Kartenlesegeräten, PCI-Karten u.ä. montiert werden müssen, werden die Gehäuse auftrags- und kundenbezogen vorbereitet. Das vorgesehene Netzteil wird montiert, nicht benötigte Abdeckungen und Blenden werden demontiert. - FSC beliefert Kunden in allen Sprachräumen dieser Welt, benötigt also Tastaturen mit den unterschiedlichsten Schriften. Dies führt zwangsläufig zu hohen Lagerbeständen. Die Tastaturen für Notebooks werden daher vom Lieferanten ohne Beschriftung geliefert. Eine vollautomatische Maschine der deutschen Firma Rofin beschriftet die Tastatur mittels parallel arbeitenden Lasern, montiert an numerisch gesteuerten Achsen, innerhalb von etwa 30 Sekunden je nach benötigter Schrift. Eine Mitarbeiterin legt die unbeschriftete Tastatur auf einem Rundtisch mit zwei Stationen in eine entsprechende Aufnahme, der Rundtisch wechselt nach Freigabe in die Beschriftungsstation und gibt gleichzeitig die bereits beschriftete frei. Durch entsprechende Abschirmung hat die gesamte Anlage trotz ihrer hohen Leistung die Laserklasse 1, durch ein Fenster kann der Einbrennvorgang in den Kunststoff beobachtet werden. - Je nach Leistungsklasse der aufzubauenden PC werden unterschiedliche Prozessoren und Arbeitsspeicher benötigt. Diese werden bei der Towerbauform ebenfalls in der Vormontage auf die entsprechenden Motherboards montiert. Auch der Lüfter für den Prozessor wird zusammen mit einer Luftführung bereits hier montiert. Diese Luftführung stützt sich federbelastet beim zusammengebauten PC an der gegenüberliegenden Blechabdeckung ab und sorgt somit für eine gute und geräuscharme Kühlung des PC. Ähnliches gilt für die Notebook-Bauform, wo immerhin bis zu 35 W Verlustleistung abzuführen sind.

3 - Die Installierung der dem PC mitgelieferten Software ist zeitaufwendig und dauert je nach Umfang etwa 30 Minuten. Daher ist unmittelbar neben der Endmontage ein Bereich angeordnet, an dem gleichzeitig viele Festplatten gleichzeitig beschrieben werden können. Hierzu werden die HDD manuell an Spannungsversorgung und Datenkabel angeschlossen und anschließend von Servern mit der für den jeweiligen Auftrag vorgesehenen Software beschrieben. Nach diesen Vormontagen beginnt die Endmontage. Zwei Montagelinien sind einander spiegelbildlich gegenüber angeordnet und grundsätzlich in der Lage sowohl die Tower- wie auch die Notebook-Bauweise zu ermöglichen. Meist allerdings werden auf der einen Linie Tower-PC montiert, auf der anderen Notebooks. Die eigentliche Montage beginnt für die Towerbauweise mit dem Einbau des bereits in der Vormontage bestückten Motherboards und aller weiteren Komponenten wie Floppy- Laufwerk, DVD-/CD-Lesegeräten und -Brennern, Kartenlesern usw. Die komplette Montagearbeit ist so aufgeteilt, dass mit lediglich fünf MitarbeiterInnen der komplette PC aufgebaut und einschaltbereit ist. Der Aufbau erfolgt auf einer Grundplatte, die auf der Montagelinie weiterbewegt wird. Die Grundplatte erhält wo nötig eine Stromzuführung über parallel verlaufende Stromschienen In der anschließenden Prüfung wird der PC das erste Mal eingeschaltet und läuft mit den nur notwendigsten Softwareteilen von Windows hoch. Dies hat den Vorteil einer kürzeren Hochlaufzeit. Erste Qualitätsprüfungen werden hier vorgenommen, die erforderlichen Einstellungen im BIOS werden überprüft, das aktuelle Datum und die Uhrzeit werden hier eingestellt. Auch ein Spannungsausfall wird durch Abschalten der Stromversorgung simuliert, Windows also nicht ordnungsgemäß beendet. Schließlich werden die Prüfroutinen wieder automatisch von der Festplatte entfernt. Am Ende der Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen werden die PC verpackt und die notwendigen zusätzlichen Teile wie Tastatur, Maus, Software auf CD, Handbücher usw. werden beigepackt. Ein vollautomatischer Portalroboter stapelt die Kartons so auf Paletten, dass das Label mit der Charakterisierung jedes PC, also dessen kompletter Bestückung, immer außen ist. Im anschließenden Warenausgang werden diese Daten mittels Funkscanner erfasst und somit der gesamte Warenausgang erfasst. Einer Reklamation des Warenempfängers über fehlende PC kann somit begegnet werden. Die jetzt beendete Führung durch das Werk war von hohem Informationswert. Die Teilnehmer, unter denen sowohl Ehefrauen wie auch Ingenieurinnen waren, erlebten eine eindrucksvolle Führung durch einen modernen Betrieb mit hohen Anforderungen an Datenverarbeitung, Flexibilität und Qualität. Um das Ganze abzurunden trug Herr Schweigel anschließend an diese Führung den Aufbau und die Entwicklung des Werkes vor: In Sömmerda existierte vor der Wende das Robotron Büromaschinenwerk der DDR, welches jedoch wie so viele Werke wirtschaftlich nicht überlebte, andererseits aber ausgebildetes Personal hinterließ. Die im Oktober 1989 in Bad Homburg gegründete Aquarius Systems International GmbH (ASI) kooperiert noch im gleichen Jahr mit Robotron. Diese Kooperation mündet am in die Gründung der Aquarius Robotron Systems GmbH, die PC- Produktion beginnt. Im Juni 1995 übernimmt FUJITSU über ein Tochterunternehmen die Mehrheit an ASI und fasst die verschiedenen PC-Interessen in der ASI Computer GmbH zusammen. In mehreren Zwischenschritten entsteht hieraus in 1998 die deutsche FUJITSU Computer GmbH.

4 FSC wurde zum durch Zusammenlegung der Fujitsu Computers (Europe) und dem Geschäftsgebiet Computer Systems der Siemens AG gegründet. Es werden derzeit weltweit rd Mitarbeiter, davon ca in der FSC GmbH Deutschland beschäftigt. Die Hauptfertigungsstätten liegen in Augsburg und Sömmerda. Die Entwicklung konzentriert sich im Wesentlichen auf Paderborn, Augsburg und München. Die Gründung der FSC war das Signal für die PC-Fertigung in neuen Dimensionen. Durch Ausbau des Werkes in Sömmerda im Jahre 2002 auf m 2, davon m 2 für Produktion und m 2 für Materiallogistik, konnte die Kapazität auf jährlich über zwei Millionen Stück erhöht und die Marktführerschaft bei Consumer PC nicht nur in Deutschland sondern auch in Europa erreicht werden Entgegen dem starken Wachstumsrückgang in der IT-Branche, hat FSC seit seiner Gründung eine stetig positive Entwicklung genommen. Neben hohen Wachstumsraten in der Produktion wurden Marktanteile erobert und werden weiter gefestigt. Die Entwicklung der Produktionsstückzahlen (PC, Mobiles u. Batch) im Werk Sömmerda lautet: - Geschäftsjahr 2001/02: Stück - Geschäftsjahr 2002/03: Stück - Geschäftsjahr 2003/ Stück - Geschäftsjahr 2004/05: Stück Allgemeine Angaben zum Standort Sömmerda: - Von 1990 bis 2004 wurden am Standort Sömmerda 61, 7 Millionen Euro investiert. - In Sömmerda werden Notebook der Marke Amilo und PC der Marke Scaleo für den Privatkundenmarkt gefertigt. - Im Privatkundenmarkt ist Fujitsu Siemens Computers in Deutschland Marktführer mit einem Marktanteil von rund 16% (act.15 %) bei Desktops und 18 % bei Mobiles. - FSC-Beschäftigte März 2005: 358, plus 137 Zeitarbeitskräfte, zusätzlich 582 Arbeitskräfte bei Partnerfirmen auf dem Gelände. Arbeitskräfte am Standort: Im Finanzjahr 2004/05 wurden in Sömmerda Einheiten montiert ( PC und Notebook ), dazu kommen Batches (Batch: Endkonfektionierung und Einzelverpackung von in Auftrag von FSC beim Zulieferer gefertigter Notebook. - Zur Zeit werden 33 Azubis und BA-Studenten ausgebildet (ab September 2005 sind es wieder 41 Auszubildende). Weiterhin sind 8 Werkstudenten bei FSC in Sömmerda tätig - Wie schon in der Vormontage bei den Gehäusen erläutert, vermietet FSC Produktionsfläche an Firmen, mit denen eine Kooperation besteht. Dies schafft Synergien, bringt kurze Wege und Effektivitätsgewinn. Jede Firma bringt ihre spezielle Kompetenz in die Partnerschaft ein und trägt so zum Gesamtergebnis bei. Außer der Firma Schäfer sind tätig RTS Elektronik Systeme GmbH für die Retourenabwicklung und die Ersatzteillogistik, CTK Computer Telekommunikations GmbH für technischen Support, Helpline und Garantieabwicklung der FSC-Computer und weitere Firmen.

5 Nach diesen Erläuterungen und einer Diskussion über Gesehenes und Gehörtes hatten wir Gelegenheit, in der Kantine des Werkes, ebenfalls über Outsourcing betrieben, unser Mittagessen einzunehmen. Danach fuhren wir weiter nach Ohrdruf zum Tobiashammer. Hierüber wird ein eigener Bericht veröffentlicht. Wir bedanken uns bei der Unternehmensleitung von FSC in Sömmerda, vertreten durch Herrn Dipl.-Ing. Edgar Schweigel, für die ausgezeichnete und sehr informative Führung sowie die ausführlichen Erläuterungen. Im Gegensatz zur letzten Exkursion bei einem der Marktführer der Windenergieerzeugung war diese ein wohltuender Gegensatz und die Professionalität des Unternehmens deutlich zu spüren. Wir wünschen dem Unternehmen und seiner Belegschaft eine stetige Fortentwicklung und sichere Zukunft. Aus verständlichen Gründen können wie bei anderen Produktionsbetrieben auch in diesem Bericht keine Bilder enthalten sein. Der Leser dieses Berichts wird hierfür Verständnis haben. Wolfgang Dünkel Obmann Exkursionen, Öffentlichkeit und Senioren

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