Wachstumspfad mit Stolpersteinen

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1 Tirage: Poids: Présentation de la page, grand format 12. juin 2010 AUSLAND, SEITE 31: Wachstumspfad mit Stolpersteinen Generikaindustrie hat Sorgen in den USA Verzögerte Zulassung von biotechnischen Generika Grosses Potenzial in Asien Mischa Stünzi Das Umfeld, so scheint es, könnte für die Generikabranche besser nicht sein: Politiker weltweit schreien nach günstigen Medikamenten, Obamas Gesundheitsreform wird 44 Mio. Amerikaner krankenversichern und so zu zahlungskräftigeren Konsumenten machen, und bis 2014 wird der Patentschutz von Blockbuster-Medikamenten im Wert von 142 Mrd. $ auslaufen. Der Global Generics Index hat mit einem Anstieg um 23,7% seit Anfang Jahr deutlich reagiert. Doch einige Branchenschwergewichte stehen nicht in der Gunst der Investoren. Vor allem US-Konzerne fallen zurück. Dabei gelten die USA als Pioniermarkt. In den USA sind 70% der verschriebenen Medikamente Generika. Bei den Pharmazeutika ohne Patentschutz erreichen sie sogar einen Umsatzanteil von fast 90%. Die Industrie generierte 2008 einen US-Umsatz von 63 Mrd. $. Das sind rund 40% der weltweiten Verkäufe. Der wichtige US-Markt macht der Branche Sorgen. Biosimilars haben Potenzial Die US-Gesundheitspolitik drückt die Preise. Statt dem bisherigen Rabatt in staatlichen Gesundheitsprogrammen von 11% verlangt die Regierung neu ein Entgegenkommen von 13%. Dem sehen die führenden Generikakonzerne jedoch gelassen entgegen. Sie gehen davon aus, dass die tieferen Preise durch die steigende Nachfrage kompensiert werden. Auch in Europa sieht sich die Branche mit der Forderung nach tieferen Preisen konfrontiert. Die Marge könne aber gehalten werden, meinte Richard Silver, Generikaanalyst von Barclays Capital, anlässlich einer Analystenkonferenz in Zürich. Die Unternehmen würden einfach die Rabatte, die sie heute den Apotheken gewähren, entsprechend kürzen. Nicht ganz so optimistisch ist dagegen das auf Gesundheitsfragen spezialisierte US-Forschungsunternehmen IMS. «Der Preisdruck setzt die Zukunft der Industrie aufs Spiel», heisst es im aktuellen Generikabericht.

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3 Sicher ist, dass die tieferen Preise und der erhöhte Kostendruck zu einer Konsolidierung der Branche geführt haben. Aktuellstes Beispiel ist die Übernahme der deutschen Ratiopharm durch den Marktführer Teva aus Israel für 3,6 Mrd. Mitte März. In den letzten vier Jahren ist es damit branchenweit zu dreissig M&A-Transaktionen gekommen. Ein Ende ist gemäss einer Studie der Credit Suisse nicht in Sicht. Zusätzliche Sorgen bereitet der Industrie ein Entscheid des US-Parlaments zu Biotech-Medikamenten. Trotz Branchenforderungen, den Patentschutz von Biopharmazeutika auf fünf bis sieben Jahre zu beschränken, entschied der Kongress auf eine Dauer von zwölf Jahren. Bis heute gibt es erst ausserhalb der USA zugelassene biotechnische Generika. Dennoch zeichnet sich ab, dass die sogenannten Biosimilars mittelfristig zu einer Wachstumsgeschichte werden. In den nächsten fünf Jahren verfallen Biotech-Patente, die heute einen Umsatz von 40 Mrd. $ schützen. Teva ist 2009 eine Allianz mit der in Basel ansässigen Lonza eingegangen, um am Potenzial zu partizipieren. Die Generikaerfolgsgeschichte entwickelt sich zusehends zu einem Bumerang für die Industrie. Die FDA ist mit der steigenden Zahl von Zulassungsanträgen für Generika überlastet (vgl. Grafik). Die Branche will nun die FDA finanziell unterstützen und so die Prozesse beschleunigen. Die Schwierigkeiten auf dem US-Markt führen dazu, dass das Wachstum vor allem ausserhalb der Vereinigten Staaten zu finden ist. Südamerika und Asien sind heute die Treiber. Chinas Pharmamarkt ist im letzten Jahr gemäss IMS um mehr als 25% gewachsen. Doch aus Angst vor der lokalen Konkurrenz in den aufstrebenden Märkten China und Indien konzentrieren sich viele grosse Generikaunternehmen auf Europa und die USA.

4 Indien auf dem Vormarsch Indische Mitbewerber werden es ihnen danken. Sie sind im Heimmarkt gut positioniert, wie eine Studie der Credit Suisse festhält. Das macht indische Generikaunternehmen zu begehrten Übernahmeobjekten. Im Sommer 2008 hat der japanische Pharmakonzern Daiichi mit der Akquisition von Ranbaxy mit 8 Mrd. $ die bisher grösste der Branche für Furore gesorgt. Die Analysten der Credit Suisse sehen auch Dr. Reddy s als möglichen Übernahmekandidaten. Insbesondere deshalb weil er in wichtigen Märkten wie Indien, Russland, Deutschland und den USA gut positioniert ist und als führendes indisches Biosimilar-Unternehmen gilt.

5 Für Investoren gibt es am Branchenriesen Teva kein Vorbeikommen. Die Gesellschaft hält dank der erwähnten Akquisition von Ratiopharm einen Marktanteil von 19%, deutlich mehr als die Nummer zwei, Novartis-Sandoz, mit 11%. In einem Umfeld, wo die Skaleneffekte eine zentrale Rolle spielen, ist das ein gewichtiger Vorteil. Gemäss Prognosen von Barclays Capital wird er zudem bei auslaufenden Patenten wichtiger Blockbuster zu den ersten Generikaanbietern gehören (vgl. Tabelle). Er ist somit für die Herausforderungen der Branche bestens gerüstet. Mit einem KGV von 12 ist er deutlich günstiger zu haben als die indischen Mitbewerber. --- Novartis-Sandoz gut positioniert Der weltweit zweitgrösste Generikaanbieter stammt aus Basel und gehört einem traditionellen Pharmakonzern. Sandoz, Generikatochter von Novartis, erzielte 2009 einen Umsatz von 7,5 Mrd. $ und eine Betriebsgewinnmarge auf bereinigter Basis von 18,6%. Damit trug Sandoz 12% zum Konzernbetriebsgewinn von Novartis bei. Sandoz bietet eine breite Palette an Generika-Medikamenten an. Rund zwei Drittel des Umsatzes werden mit Standardpräparaten erzielt, deren Preise pro Jahr durchschnittlich 10% zurückgehen. Das hält den Druck hoch, die Produktionsmengen laufend zu steigern und Kosten zu senken, um so effizienter zu werden. Der Konkurrenz- und Produktivitätsdruck führt teilweise zu verblüffenden Konstellationen: So hat etwa Sandoz im April 2010 ein Generikum zum Blutdrucksenker Cozaar (ein Milliardenseller von Merck USA) auf den Markt gebracht und innert sechs Wochen 40% Marktanteil ergattert. Das Präparat wird aber nach wie vor von Merck produziert. Auf diese Weise kann Sandoz, dank Hilfestellung des Originalherstellers, Konkurrent Teva, der Cozaar-Kopien gemäss US-Gesetzgebung eigentlich während eines halben Jahres exklusiv vermarkten könnte, gleich von Anfang an Paroli bieten.

6 Eine zweite Strategie, um dem Commoditisierungsdruck auszuweichen, bieten höherwertige Generika wie Biosimilars, Impfstoffe und spezielle Darreichungsformen. Sandoz hat als erstes Unternehmen in Europa (2006) Kanada und Japan (2009) ein Biosimilar auf den Markt gebracht und hat derzeit drei solcher Präparate im Vertrieb. AM Finanz und Wirtschaft

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