Wege in der Physikdidaktik
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- Julian Maier
- vor 10 Jahren
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1 ARBEITSKREIS BAYERISCHER PHYSIKDIDAKTIKER BEIITRAG AUS DER REIHE: Werner B. Schneider (Hrsg.) Wege in der Physikdidaktik Band 3 Rückblick und Perspektive ISBN Verlag Palm & Enke, Erlangen 1993 Anmerkung: Die Bände 1 bis 5 sind (Ausnahme Band 5) im Buchhandel vergriffen. Die einzelnen Beiträge stehen jedoch auf der Homepage zum freien Herunterladen zur Verfügung. Das Copyright liegt bei den Autoren und Herausgebern. Zum privaten Gebrauch dürfen die Beiträge unter Angabe der Quelle genutzt werden. Auf der Homepage werden noch weitere Materialien zur Verfügung gestellt.
2 Walter Bube, Nils Fischer Die Erde von oben betrachtet - Zur Technik der Satellitenbilder "Der Mensch muß sich über die Erde erheben - an das Ende der Atmosphäre und darüber hinaus -. nur dann wird er die Welt. in der er lebt. voll verstehen." (Sokrates um 450 v. Chr.) Der erste Teil dieses Satzes wurde durch die technischen Möglichkeiten der Raumfahrt und die Beobachtung der Erde vom Weltraum aus in den letzten beiden Jahrzehnten umgesetzt, das volle Verständnis unserer Welt bleibt sicher eine Utopie, Die Erkundung der Erde vom Satelliten aus ist jedoch für die Kartografie sowie für die Umwelt- und Klimabeobachtung ein unentbehrliches Hilfsmittel geworden, das angesichts der Klimaproblematik sicher noch an Bedeutung gewinnen wird. Weithin bekannt sind die Wetterbeobachtungssatelliten wie Meteosat und Nimbus. Satellitenbilder von unserem Planeten haben uns in eindringlicher Weise einen neuen Blick auf unseren Planeten eröffnet und das Bewußtsein für globale Zusammenhänge und gemeinsame Verantwortung geschärft; andererseits zeigten die Aufnahmen von brennenden Ölfeldem in Kuwait, daß die Lösung von Konflikten trotz höherentwickelter Technik nicht im angesprochenen Sinne gelingt. Elektronische Kameras an Bord von Satelliten registrieren die schwache Strahlung von der Erdoberfläche aus großer Höhe. Eine hochentwickelte Aufhahmetechnik mit strahlungsempfindlichen elektronischen Sensoren ermöglicht inzwischen Bilder, die Details der Größenordnung m erkennen lassen. Die Bilddaten werden an Bord des Satelliten zwischengespeichert und beim Uberflug den Empfangsstationen auf der Erde per Funk zur Weiterverarbeitung übermittelt (die Daten können auch direkt über einen Nachrichtensatelliten gesendet werden wie beim Tracking and Data Relay Satellite TDRS der USA für Landsat 5). Die elektronischen Sensoren nutzen neben Wellenlängenbereichen des sichtbaren reflektierten Lichts auch andere spektrale Bereiche wie z.b. das reflektierte und emittierte Infrarot. Die verschiedenen Spektralbereiche werden unterschiedlich von den Strukturen der Erdoberfläche reflektiert und unterscheiden sich auch in der Absorption durch die Atmosphäre; je nach gewähltem Spektralbereich - auch als Kanal oder Band bezeichnet - erscheinen andere Strukturen deutlicher. Man kann damit verschiedene Bodenarten, Vegetation, Eis, Wasser oder Wolken unterscheiden. Erst die komplexe Auswertung der Bilddaten mit Computersystemen (Korrrektur der Bildverzerrung, Umsetzung der gemessenen Intensität in Graustufen, Einfärbung, Verknüpfung der Daten mit anderen Informationssystemen...) liefert die endgültigen Bilder als farbige Ausdrucke
3 Die Fennerkundung von Satelliten aus unterstützt die kartografische Erfassung der Topographie; die größte Bedeutung liegt in der Möglichkeit, lokal gut untersuchte Phänomene wie Schnee- und Eisdecken oder Vegetationsschäden in ihrer räumlichen Ausdehnung zu registrieren und bildlich darzustellen. Als wichtige Beispiele für thematische Kartierungen seien genannt: - Klassifikationen, z.b. Waldverteilung oder Bodennutzung - ökologische Kartierung, z.b. Waldschadenskartierungen, Beobachtung von Algen oder Insektenfraß - geologische Kartierungen (z.b. Lagerstättenprospektion) - Eiskartierung Die Satellitenbilder bestehen aus einzelnen kleinsten Bildpunkten, den sogenannten Pixels. Sie entsprechen der kleinstmöglichen Bodenfläche, für die der Sensor die Strahlung vom Nachbarbezirk trennen kann. Ihre Größe wird als die geometrische Auflösung des Sensors bezeichnet. Bei Landsat 4-5 stellt jedes Pixel eine Fläche von 30 m30 m dar. Für jede dieser zumeist quadratischen Flächen erfaßt der Sensor die Intensität der Strahlung und speichert sie als Graustufe digital ab Die Zahl der Graustufen bestimmt die radiometrische Auflösung des Sensorsystems (das Aufhahmesystem Landsat Thematic Mapper TM kann z.b 256 = 2^ Graustufen unterscheiden). Auf diese Weise enstehen zunächst Einzelbilder verschiedener Spektralbereiche (Spektralkanäle), die unterschiedliche Informationen enthalten und bei der Verarbeitung mit dem Computer beliebig eingefärbt werden können. Bei der Zusammensetzung zu einem Gesamtbild kann man die Farben auch so wählen, daß ein sehr natumahes Farbkomposit (Wasser blau, Vegetation grün,...) entsteht. Die Bildeigenschaften werden dabei bestimmt von: - der Umlaufbahn des Satelliten - den physikalischen Eigenschaften des Aufhahmesystems - der elektronischen Bildverarbeitung (u.a. auch Verknüpfung mit anderen Informationssystemen) - dem Objekt selbst und der Atmosphäre. Das endgültige Bild ist also ein Falschfarbenbild und entspricht, im Gegensatz zur fotografischen Aufnahme, nicht dem Eindruck, den ein Mensch aus dem All haben würde. Das Satellitenbild bedarf deshalb immer einer Interpretation. Im Gegensatz zu einer Karte enthält ein Satellitenbild den gesamten Informationsgehalt, Eine Veränderung des Maßstabes kann daher allein durch Vergrößern eines Bildausschnittes mit dem Computer erreicht werden. Diese Vergrößerung wird durch die räumlich nicht mehr auflösbaren Pixelquadrate nach oben beschränkt. Bezug zum Unterricht Im Fach Physik können, als Anwendung von Satellitenbahnen in der Jahrgangsstufe 11, die besonderen Erfordernisse der Umlaufbahn von Satelliten zur Femerkundung erarbeitet werden. Die spektra
4 len Eigenschaften der Aufnahmesysteme lassen sich in vereinfachter Weise mit den Grundkenntnissen über das Spektrum des Lichts aus der Mittelstufe erläutern; vertiefte Betrachtungen sind erst mit den Kenntnissen der Oberstufe möglich. Abb. l: Der Fernerkundungssatellit LANDSAT Im Geographieunterricht können Satellitenbilder vor allem im Rahmen der geowissenschaftlichen Theorienbildung (früheres Forschungsprojekt) sowie bei der Erarbeitung der Naturräume in Deutschland in der Jahrgangsstufe 11 ausgewertet werden. Das Thema bietet sich besonders für eine fächerübergreifende Zusammenarbeit der beiden Fächer auch im Rahmen eines Studientages an, bei dem sich am Beispiel ökologischer Kartierungen viele anwendungsbezogene Aspekte ergeben. Ziel dieses Artikels ist es, die Grundlagen der Fernerkundung darzustellen und Anregungen für die Umsetzung im Geographie- und Physikunterricht zu geben. Neben typischen Anwendungen der Femerkundung sind am Ende des Kapitels Literaturfündstellen als Anregung für fächerübergreifende Ansätze (Physik, Erdkunde und evtl. Biologie) zusammengestellt. Damit läßt sich sowohl angewandte Physik betreiben als auch ein Einblick in die Bedeutung der Raumfahrt für die geografische und ökologische Datenerfassung vermitteln
5 l. Physikalische Grundlagen der Fernerkundung Vereinfachtes Modell der Femerkundung (passive Systeme) Passive Systeme (wie SPOT, LANDSAT, NOAA) registrieren mittels hochempfindlicher elektronischer Sensoren die von der Erde reflektierte oder emittierte Strahlung in verschiedenen Spektralbereichen vom sichtbaren Licht bis zur Wärmestrahlung (thermales Infrarot). Für die Zukunft werden auch vermehrt aktive Systeme wie ERS l (Radarsatelliten) entwickelt, die selbst Mikrowellen aussenden und die von der Erde reflektierte Strahlung analysieren. Die gewonnenen elektronischen Daten werden, wie bei den passiven Systemen, in digitalisierter Form zur Erde übermittelt, wo sie mittels komplexer Computerprogramme verarbeitet und in ein Bild umgesetzt werden. Das Prinzip der Fernerkundungssatelliten soll exemplarisch am Beispiel der LANDSAT-Systeme (Abb. l) dargestellt werden. Die Wahl der geeigneten Bahn, das Aufnahmesystem Multispectral Scanner (MSS) bzw. Thematic Mapper (TM) und die abschliessende Bildgewinnung sind dabei die Schwerpunkte. 1.1 Die Umlaufbahn Geostationäre Satelliten befinden sich über dem Äquator in ca km Höhe. Ihre Umlaufge- Abb.2: Umlaufbahnen im Femerkundungssatelliten schwindigkeit ist dann mit der Drehung der Erde "synchronisiert", so daß sie scheinbar über einem Punkt der Erde stillstehen (Abb. 2) und mit ihrem Aufnahmesystem die halbe Erdkugel erfassen. Bekanntestes Beispiel im Bereich der Fernerkundung ist der Wettersatellit Meteosat. Die Berechnung der notwendigen Höhe für geostationäre Satelliten gehört zu den Standardaufgaben des Physikunterrichts in der Jahrgangsstufe
6 Will man kleinere Gebiete der Erdoberfläche beobachten, so bieten sich polare Umlaufbahnen an. Die Umlaufzeit des Satelliten, die mit seiner Höhe wächst, führt zusammen mit der Drehung der Erde zu einem komplizierteren Überfliegen einzelner Streifen der Erdoberfläche. Das soll in Abb. 3 anhand der LANDSAT (l..3) Satelliten erläutert werden. Ein halber Umlauf dauert in der Höhe von 920 km ca. 52 min., damit schafft dieser Satellit an einem Tag 14 Umläufe. Wie man an den projizierten Bahnkurven sieht, haben zwei aufeinanderfolgende Bahnkurven auf dem Äquator einen gewissen Abstand (25,8167 in Längengraden ausgedrückt). Nach 14 Umläufen summiert sich das zu 361,43 ; der Abstand zwischen l. und 15. Umlauf beträgt auf dem Äquator demnach 1,43, was 159 km entspricht. Mit einer Breite des Aufnahmefeldes von 185 km (siehe Tabelle) liegen benachbarte Streifen im günstigsten Fall zeitlich einen Tag auseinander. Die Ausgangsbahn ist nach 18 Tagen wieder erreicht (181,43-25,82 ). Die Umlaufbahn der LANDSAT, NOAA und NIMBUS- Satelliten verläuft nicht ganz polar; am Nordpol ist sie leicht nach Osten versetzt, am Südpol entsprechend nach Westen (Inklination 99 ). Man erhält damit etwa gleiche Beleuchtungsverhältnisse, weil jedes Gebiet zur gleichen Ortszeit überflogen wird. Ab LANDSAT 4 wurden die Bahnparameter modifiziert. Die Flughöhe von 705 km und die Inklination der Bahn von 98 bewirken eine Wiederholungsperiode von 16 anstatt 18 Tagen und eine komliziertere Sequenz von Flächenabdeckungen (Näheres siehe Literaturhinweise: Bahr, H.P., S. 254). Eine Zusammenfassung wesentlicher Daten verschiedener Fernerkundungssatelliten gibt die Tabelle. Bemannte Satelliten, von denen aus
7 fotografische Erdaufnahmen gemacht werden, bewegen sich in geneigten Umlaufbahnen (z.b.skylab). 1.2 Die Aiil'nahnieleclinik Das Prinzip der Abtastung der Erdoberfläche läßt sich am Beispiel des Multispektralscanners (MS S) von LANDSAT erklären (Abb. 4). Ein oszillierender Abtastspiegel erfaßt quer zur Flugrichtung die von der Erde reflektierte Strahlung und die emittierte Wärmestrahlung (thermisches IR). Die einfallende Strahlung wird spektral zerlegt und für jedes spektrale Band (Kanal) auf 6 elektronische Detektoren verteilt, die die Strahlung in elektrische Signale umsetzen. Jede der 6 Abtastzeilen am Boden hat eine Breite von 79m und eine Länge von 185km Die geometrische Auflösung dieses LANDSAT-Systems beträgt 79 m-56 m; ihr entspricht ein Pixel im endgültigen Bild. Für jedes Bodenpixel funkt der Satellit für jeden Spektralbereich den gemessenen Intensitätswert der Strahlung (als Graustufenwert) zur Erde. Das endgültige Bild, die sog. LANDSAT-Szene, stellt üblicherweise eine Fläche von km dar. Das vorgestellte LANDSAT-System gehört zu den opto-mechanischen Abtastsystemen. Andere Fernerkundungssatelliten benutzen elektrooptische Abtaster. Sie enthalten keine beweglichen Teile, die gesamte Bildzeile wird simultan erfaßt. Viele Halbleiterdetektoren werden in Zeilen angeordnet, so daß jeder Bildzeile eine Detektorzeile entspricht. Beim MOM-System realisierte man eine Zeilen
8 länge von 6912 Elementen, was durch eine Kombination von 4 Sensorzeilen mit je 1728 Elementen gelang. Man verwendet dazu für jeden der beiden Spektralbereiche Gelb und Infrarot 2 Objektive und 4 Sensorzeilen;, die Bodenauflösung beträgt 20m-20m (siehe dazu auch Literaturhinweise: Schmidt, W.). Um diese größere geometrische Auflösung mit der besseren spektralen Auflösung der LANDSAT-Systeme zu koppeln, verwendet man häufig Kombinationen von beiden Datensätzen. Im Jahre 1982 wurde das neue Sensorsystem "Thematic Mapper" (TM) mit LANDS AT 4 in eine Umlaufbahn gebracht. Es arbeitet zwar auch mit dem opto-mechanischem Prinzip, erreicht aber eine Bodenauflösung von 30 m-30 m. Noch wichtiger ist die bessere spektrale Auflösung. Das TM-System arbeitet mit 7 schmalbandigen Spektralbereichen (Kanälen), die erst genaue Zuordnungen (Vegetetionsarten, Böden...) möglich machen: Kanal l (0,45...0,52 [im)'. Anwendung für Küstengewässer, dringt etwas in Wasser ein Unterscheidung Boden/Vegetation Kanal 2 (0,52...0,60 um): entspricht etwa dem MSS-Kanal 4 Kanal 3 (0,63...0,69 um): entspricht etwa dem MSS-Kanal 5 Kanal 4 (0,76...0,90 um): ist gegenüber dem MSS-Kanal 6 weiter ins Infrarot abgesetzt
9 Die Kanäle 2,3 und 4 dienen hauptsächlich der Untersuchung der Vegetation. Kanal 2 erfaßt das Maximum der Grünreflexion, Kanal 3 das Minimum und Kanal 4 das infrarote Maximum der Chlorophyllreflexion. Kanals (l,55...1,75 um): Kanal 6 (10, ,40 um): Kanal 7 (2,08...2,35 um): Feuchtigkeitsindikator für Böden und Vegetation Thermalkanal mit reduzierter geometrischer Auflösung unterscheidet Gesteinsarten (geologische Anwendungen) 1.3 Spektrale Information - Erfassung und Deutung Im folgenden soll genauer betrachtet werden, wie der Sensor "Licht" verschiedener Wellenlängen erfaßt und welche Information darin enthalten sind. Der Weg der Strahlung von der Erde zum Sensor Die Strahlung der Sonne wird auf dem Weg zur Erde in der Atmosphäre teilweise gestreut und absorbiert (Abb. 5). Ein Bodensegment B wird durch den direkten Strahlungsfluß, aber auch durch den gestreuten Strahlungsfluß (z.b. bei G) beleuchtet. Dieses Bodensegment reflektiert wiederum nur einen Teil des einfallenden Strahlungsflusses in Richtung des Sensors. Zusätzlich emittiert die aufgewärmte Erde thermische Strahlung, Auf dem Weg durch die Atmosphäre werden von der Strahlung des Bodensegments wieder Anteile absorbiert und gestreut
10 Die Wellenlängenbereiche der Strahlung Der sichtbare (optische) Teil des Spektrums elektromagnetischer Wellen liegt zwischen 0,3 m und 15 m. Für den längerwelligen Infrarotbereich haben sich verschiedene begriffliche Zuordnungen eingebürgert; UV-Strahlung Sichtbare Strahlung Reflexionsbereich Infrarot. Thermisches Infrarot ,38 um 0,38-0,72 um 0,72-3,00 um 7,00-14,00 um Alternative Beschreibung im Infrarotbereich: Nahes Infrarot Mittleres Infrarot Fernes Infrarot 0,72-1,3 um 1,30-3,0 um 7, um Die von der Sonne einfallende Strahlung liegt größtenteils im sichtbaren Bereich des Spektrums (Abb. 6), ein kleiner Teil gehört zum Infrarot-Bereich, weil die Atmosphäre hier stark absorbiert (gleichbedeutend mit geringer Transmission). Von einer Bodenfläche reflektierte Energie wird all
11 seits abgestrahlt, nur ein sehr geringer Teil gelangt zum Femerkundungssensor. Bei Wellenlängen unterhalb von 3,0 um spricht man vom Reflexionsbereich des elektromagnetischen Spektrums, darüber vom Emissionsbereich; die Strahlungsenergie kommt hier vom erwärmten Objekt. Die Erwärmung ist eine Folge der von der Erde absorbierten Strahlungsenergie. Die Abstrahlung der Erde entspricht in etwa der eines schwarzen Körpers der Temperatur 300 K (27 C). Die Emission dieser thermischen Infrarotstrahlung beginnt etwa bei 4,5 um und fällt nach dem Maximum bei 9,7 [im wieder ab; für höhere Temperaturen verschiebt sich das Maximum zu kürzeren Wellenlängen. Für die Sensorsysteme muß man Spektralbereiche auswählen, für die die Erdatmosphäre durchlässig ist (sog. atmosphärischen Fenster) Hohe Transmission ergibt sich z.b. auch für das Maximum der von der Erde emittierten thermischen IR-Strahlung. Ferner bestimmt das Aufgabengebiet des Satelliten die Wahl der Spektralbereiche; sie müssen deutlich die zu untersuchenden Strukturen (Böden, Vegetation...) unterscheiden. Die Spektralbereiche der Fernerkundungssysteme Die unterschiedliche Reflexion von Strukturen der Erdoberfläche in einzelnen Spektralbereichen kann zur Identifizierung genutzt werden. Abb. 7 zeigt die Reflexion des eingestrahlten Sonnenlichts von einigen wichtigen Strukturen und die spektralen Kanäle, wie sie der LANDSAT TM benutzt. Klares Wasser absorbiert oberhalb 0,8 um das Sonnenlicht fast vollständig, deshalb zeigt Wasser nur in den ersten 3 Kanälen eine merkliche Reflexion des Sonnenlichts, deren Intensität von der Trübung abhängt. Gewässerflächen lassen sich so im Gelände leicht identifizieren. Darüberhinaus läßt sich aber auch klares Wasser von Wasser mit Trübstoffen sehr deutlich unterscheiden, wenn man den Kanal 4 wählt. Hier liegt auch das Maximum der Chlorophyllreflexion, Vegetation kann so von Böden klar getrennt werden. Die Beispiele zeigen, wie man durch geschickte Wahl der Spektralkanäle Information gewinnen kann. Die spektrale Auflösung des Landsat MSS Systems ist geringer, weil es nur 3 anstatt 7 Spektralkanäle zur Verfügung hat. Der Kanal 6 des TM-Systems liegt im thermischen Infrarot, also oberhalb der Darstellung in Abb. 7 Der Kanal 6 unterscheidet sich grundsätzlich von den anderen, weil er über die Thermalstrahlung die Eigenwärme der Erdoberfläche aufnimmt und somit Oberflächentemperaturen registrieren kann. In diesem Bereich wäre eine Trennung Wasser und Böden schwierig bzw. unmöglich. Reine Thermalaufnahmen werden zumeist in Blau- (kalt) und Rottönen (warm) eingefärbt. Häufig färbt man die Graubilder der drei sichtbaren Spektralbereiche so ein, daß beim Kombinieren ein naturnahes Farbkomposit entsteht, das aber trotzdem ein Falschfarbenbild ist. Die Reflexionseigenschaften der Vegetation Die unterschiedliche Reflexion der Vegetationsarten in verschiedenen Spektralbereichen wird zur Identifikation von Bodenbedeckungsarten benutzt. Die Reflexionskurven für grüne Blätter zeigen eine ähnliche Struktur (Vegetation in Abb. 7): -332-
12 Abb.7: Renexionsvermögcn der Hauptbodcnbcdcckungsarten Das Reflexionsvermögen im Sichtbaren ist relativ niedrig; verantwortlich dafür sind die beiden Chlorophyll-Absorptionsbanden bei 0,45 (im und 0,65 um. Die grüne Farbe des Blattes ist das Ergebnis der starken Absorptionen im "blauen" und "roten" Wellenlängenbereich. Das Reflexionsvermögen im nahen IR von 0,7 [im bis 1,3 um ist hoch; das Blatt absorbiert hier fast nicht. Die ausgeprägten Strukturen im mittleren IR bei 1,4 um, 1,9 um und 2,6 um sind bedingt durch die starke Wasserabsorption
13 Fläche der Blendenöffnung Ag] 1 cm 2 Fläche der Halbkugel A _ [^ LEISTUNGSFÄHIGKEIT -^1, auf eine Fotozelle treffende Lichtleistung PsS ^ (Schwächungen durch Absorption und Streuung wurden mit einem Faktor von 0,7 berücksichtigt.) Quelle: nach Schmidt W., Physikaulgaben, Beispiele aus der modernen Arbeitswert, Kielt Verlag, Stuttgart 1986, S Abb.8: Empfindlichkeit elektronischer Satellitenkameras am Beispiel von MOMS Dieses charakteristische Reflexionsspektrum ändert sich mit dem Alter, dem Wassergehalt und dem Vitalitätsgrad der Pflanze. Waldschäden, die sich durch Nadelverlust bemerkbar machen, sind durch
14 die Fernerkundung erfaßbar, weil an diesen Stellen die Reflexion des Bodens stärker hervortritt. Um verschiedene Baumarten mit der Fernerkundung aufgrund des Reflexionsvermögen klassifizieren zu können, müssen die Unterschiede typisch und von den Sensoren erfaßbar sein. 2. Anwendungen im Unterricht Neben den Berechnungen zu Satellitenbahnen kann das Fach Physik Hintergrundinformationen zu den Abtast- und Aufnahmesystemen liefern. Zur Fernerkundung der Erde findet man viele Aufgaben bei W. Schmidt (siehe Literaturhinweise). Die Abb. 8 zeigt ausgewählte Aspekte dieser Aufgaben zum Abtastsystem MOMS. Das Herz dieser elektronischen Kamera ist ein Fotosensor, der aus 1728 linear aufgereihten winzigen Fotoelementen (Solarzellen) besteht. Jedes Element ist quadratisch mit 16 um Seitenlänge und gibt bei einer Beleuchtung mit nur 136 pw Lichtleistung das volle elektrische Signal ab. Die Signalgröße wird in 2 7 = 128 Stufen (7 bit) eingeteilt, d.h. in digitale Form umgewandelt. Die Empfindlichkeit moderner elektronischer Satellitenkameras wird ebenfalls bei W. Schmidt dargestellt. Ein 20 m20 m großes Bodenpixel wird mit dem gelben Anteil der reflektierten Sonnenstrahlung beleuchtet. Unter Berücksichtigung der Absorption in der Atmosphäre und der Verteilung der Streustrahlung auf eine Halbkugel (r = 300 km) läßt sich errechnen, daß auf l cm2 Blendenöffnung nur etwa 4 pw Lichtleistung treffen. (Zum Vergleich: Eine Taschenlampenbime mit l W Lichtleistung liefert in ca km dieselbe Lichtleistung auf l cm 2 Fläche.) Gestattet es die Rechnerausstattung der Schule, so läßt sich die Auswertung von Fernerkundungsdaten, mit Hilfe eines entsprechenden Programms, sehr schön an einem PC zeigen. In einem Pilotprojekt werden an zahlreichen Schulen in der Bundesrepublik mit dem Programm IDRISI (siehe Literaturhinweis) Erfährungen in dieser Richtung gesammelt. Genauere Auswertungen durch Schüler dürften jedoch, wegen des großen Zeitaufwandes, nur in Arbeitsgemeinschaften oder Projektgruppen möglich sein. Literaturhinweise und Medienempfehlungen: IDRISI, The Graduate School of Geography, Clark University, 950 Main Street, Worcester, MA 0610 Als Hardwarevoraussetzung wird mindestens ein 286 AT mit 20 MB Festplatte, 512 kb Ram und einer Graphikkarte (Hercules- CGA. EGA. VGA oder 8514/A) benötigt. Ein schneller und unkomplizierter Einstieg wird durch ein zweibändiges Handbuch und ein ausführliches Tutorial mit beigefügten Beispieldatensatzen (Landsal MSSATM-Daten. NOAA-Daten, Höhenmodelle, etc.) ermöglicht. Die Verarbeitung und Auswertung von Fernerkundungsdaten wie Satellitendaten oder gescannte Luftbilder bildet einen wesentlichen Anwendungspunkl in EDRIST. Die digitale Bildvcrarbeitung schließt die verschiedenen Verfahren zur Bildverbesserung (Histogrammstreckung, Konüastanhebung, Filterung etc.) ebenso mit ein wie unübenvachte (Cluster) und überwachte Bildklassifikationen. IDRISI unterstützt die Abfrage nach bestimmten räumlichen Kriterien und führt Oberflächenanlysen auf der Basis eines digitalen Höhenmodells (z.b. Berechnung von Hangneigung und - richtung. Analyse von Wassereinzugsgebieten und Sichtbarkeitszonen) und Distanzoperationen (z.b. zur Ermittlung von Entfernungen, "Kostenoberfläche" und Standortsuche) durch. IDRISI ist eine preiswerte und leistungsfähige Al
15 temative für große professionelle GIS-Systeme besonders in den Bereichen Klimatologie, Geologie, Hydrologie, Geobotanik, Raumplanung und im Umweltschutz. Der Preis für Schulen beträgt ca DM. Für weitere Informationen wenden Sie sich an: GEOSPACE Satellitenbilddaten GmbH, ISY-IDRISI-Projekt, Siemensstraße 8, 5300 Bonn l, Telefon: 0228/ Maetzel, R. (Hrsg.), Satellitenbilder im Unterricht, Einführung und Interpretation, Orbit Verlag, Bonn 1989 Das Medienpaket enthält hochwertige Folienbilder für den zeitgemäßen Geographieunterricht. Zu jedem Bild werden technische Angaben flir die Bildinterpretation gegeben. Die unterrichtliche Einsatzmöglichkeiten werden in gut gegliederten Interpretationstexten aufgezeigt. Für viele Bilder liegen topographische Grundgerüste als Kopiervorlage oder als Overlayfolie bei. Ausführliche didaktische Hinweise in den Lehrertexten und eine Auflistung möglicher Unterrichtsthemen machen die Bilder zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: von der Orientierung über einfache Strukturen und Zusammenhänge bis hin zu Spezialthemen. Die Schulertexte zur Aufnahmetechnik sind sowohl filr Schüler mit physikalischen Grundkenntnissen als auch iür Schüler der Mittel- und Unterstufe ausgearbeitet. Schmidt, W., Physikaufgaben mit Bezug zur modernen Arbeitswelt, S.78-83, Klett Verlag Stuttgart 1988 Es wird in Teilaufgaben gezeigt, wie eine elektronische Satellitenkamera im optischen Spektralbereich arbeitet. Die einführenden Teilaufgaben zu Abbildungseigenschaflen eignen sich bereits filr die Mittelstufe, die Aufgaben zu Sensoren und spektraler Trennung sind für die Oberstufe gedacht. Im selben Werk findet man auf S auch Material zur Technik des ESA Remote Sensing Satellite (ERS-1) für den Physikunterricht der Oberstufe. Dieser Satellit untersucht von einer polnahen sonnensynchronen Kreisbahn aus die Meeres- und Küstenregionen hinsichtlich Wetter, Wind, Wellen, Eis, Schnee, Oberflächentemperatur und Höhenprofil. Zusätzlich macht er hochauflösende Bilder. Die Aufgaben zeigen, wie dies alles mit einer ausgeklügelten Mikrowellentechnik möglich ist. Bahr, H.P. (Hrsg.), Digitale Bildverarbeitung, Anwendung in Photogrammetrie und Femerkundung, Wichmann Verlag, Karlsruhe 1985 Das Buch enthält neben Grundlagen der digitalen Bildverarbeitung auch spezielle anwendungsbezogene Kapitel, sowie mathematisch anspruchsvolle theoretische Hintergründe. Winter, R., Anwendungs- und Aufgabenbereiche satellitengetragener Femerkundung, Lehrveranstaltung am Inst. für Geographie der LMU München, Wintersem. 1990/91 Geographische Rundschau, Jahrg.41, Heft 12, Dez. 1989, Westermann Verlag, Braunschweig Das Sonderheft zur Femerkundung stellt verschiedene Femerkundungssysteme vor. Anhand von Beispielen werden spezifische Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt wie z.b.: - Meteosat, Wolkenbewegungsszenen - Abschätzung des Weidepotentials in ariden Gebieten Kenias - Topographische Datensätze aus SPOT-Aufnahmen Winter, R., Beckel, L. (Hrsg.), GEO-Satellitenbildatlas Deutschland, RV Reise- und Verkehrsverlag GmbH, München 1991 Der Atlas bezieht sich auf die geodätischen Grundlagen der amtlicheu deutschen topographischen Kartenwerke und ist die erste flächendeckende exakt-raumbezogene bildhafte Bestandsaufnahme Deutschlands an einem Wendepunkt der Geschichte. Neben hochwertigem, farbigen Bildmaterial wird auch eine landeskundliche historische Einführung gegeben. Bei den DLR Forschungszentren in Braunschweig, Göttingen, Oberpfaffenhofen, Stuttgart und Köln-Porz können zu den verschiedensten aktuellen Forschungsprojekten kostenlos kurze Projektbeschreibungen und sonstiges Informationsmaterial bezogen werden. Die Einsatzmöglichkeiten von Satelliten zur ökologischen Kartierung zeigen kurze Projektbeschreibungen der DLR: - Algen in der Adria - Überschwemmungen in Argentinien - Langzeitbeobachtungen des arkt. Meereises - Insektenfraß - Beiträge zur Waldschadensforschung Ähnliche Themen enthält auch die Diaserie RS4 des Deutschen Femerkundungsdatenzentrums der DLR. Vielfältige Anwendungen der Femerkundung zeigen auch die Tagungsbände der Nutzerseminare des Deutschen Femerkundungsdatenzentrums der DLR in 8031 Oberpfaffenhofen. Nützlich ist die Adresse der Zentrale der DLR: Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt e.v., Linder Höhe, Köln
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