9 Zusammenfassung 155
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- Edith Raske
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1 Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der plastischen Querschnittstragfähigkeit von doppeltsymmetrischen I-Profilen. Dazu wird das grundlegende Tragverhalten für verschiedene Schnittgrößenkombinationen untersucht. Ein Schwerpunkt liegt in der Ermittlung der genauen Lösungen für Standardanwendungsfälle und in der Entwicklung von baupraktisch genauen Ingenieurmodellen (TSV-plus) zur Bestimmung der plastischen Querschnittstragfähigkeit. Für die Interaktionsbeziehungen gemäß TSV-plus sowie den in DIN [14] und DIN EN [15] angegebenen Gleichungen werden die Abweichungen zur genauen Lösung bestimmt. Nachdem in Kapitel 1 die verschiedenen Methoden nach dem Stand der Forschung vorgestellt werden, folgen in Kapitel 2 die grundlegenden Beziehungen zur Spannungsermittlung. Darüber hinaus werden die Nachweismethoden nach der Elastizitätstheorie und der Plastizitätstheorie erläutert. Die plastische Querschnittstragfähigkeit wird in Nachweisstufe I und II klassifiziert. In Kapitel 3 werden die verschiedenen Methoden zur Bestimmung der plastischen Querschnittstragfähigkeit erläutert und das im Rahmen dieser Arbeit erstellte Computerprogramm LILOBEC [70] behandelt. Mit diesem Programm erfolgt die Bestimmung der Abweichungen in den nachfolgenden Kapiteln. Es ist möglich, Rechteckquerschnitte, doppeltsymmetrische geschweißte und gewalzte I-Querschnitte zu untersuchen. Mit einer Optimierungsfunktion wird für den diskretisierten Querschnitt die Spannungsverteilung im Grenzzustand der Tragfähigkeit bestimmt und der Faktor für die gegebene Schnittgrößenkombination ermittelt. Es können alle acht Schnittgrößen sowie die Verwölbung über die Blechdicke berücksichtigt werden. Die Untersuchungen des Rechteckquerschnitts in Kapitel 4 dienen als wesentliche Grundlage für die Betrachtungen in den nachfolgenden Kapiteln. Ingenieurmäßig werden die Grenzschnittgrößen M pl,xp und M pl, hergeleitet. Für die Bestimmung der Grenzschnittgrößen der primären Torsion erweisen sich die Prandtl sche Membrananalogie (M el,xp ) und die Nadai sche Sandhügelanalogie (M pl,xp ) als sehr anschaulich. Die grundsätzliche Frage nach dem Verlauf der Spannungsnulllinie wird diskutiert. Abhängig von der Lage und der Form der Spannungsnulllinie ergeben sich nach Integration der Spannungen unterschiedliche Schnittgrößenkombinationen. Anhand eines Beispiels ist erkennbar, dass die Spannungsnulllinie auch gekrümmt verlaufen kann. Zur Bestimmung der Tragfähigkeit infolge N, M y und M z werden ingenieurmäßige Modelle für die Fälle mit unplanmäßiger Torsion und ohne unplanmäßige Torsion vorgestellt und deren Genauigkeit angegeben. Das ingenieurmäßige Hohlzellenmodell ermöglicht die Ermittlung von Schubspannungen infolge gleichzeitiger Beanspruchung durch die Schnittgrößen V und M xp.
2 155 Bei gewalzten Querschnitten entstehen aufgrund des Herstellungsprozesses Ausrundungen. Die Schnittgrößenkombinationen für diese Ausrundungen als Teilquerschnitte werden in Kapitel 5 untersucht. Naheliegend ist die Vereinfachung einer Ausrundung als gleichschenkliges Dreieck. Für die N-M y -Interaktion erhält man zweckdienliche Lösungen. Bei der exakten Berücksichtigung der Ausrundungen ergeben sich Terme, die nur mithilfe einer Iteration lösbar sind. Zur Vermeidung der Iteration werden sgleichungen angegeben. Die direkte Berücksichtigung der Ausrundungen als Teilquerschnitte bei gewalzten Querschnitten erscheint wenig praktikabel. In Kapitel 6 werden doppeltsymmetrische geschweißte I-Profile betrachtet. Da es wegen der variablen Blechabmessungen zu einer Vielzahl von Querschnittsvarianten kommt, erfolgt die Untersuchung vereinfacht für die Walzprofilreihen IPE, HEA, HEB und HEM unter Vernachlässigung der Ausrundungen (r = 0!). Für diese Querschnitte werden Lösungen zur Ermittlung der plastischen Grenzschnittgrößen M pl,xp und M pl, angegeben. Zur Bestimmung der Tragfähigkeit mithilfe des Teilschnittgrößenverfahrens bei gleichzeitigem Auftreten mehrerer Schnittgrößen kann man in einem ersten Schritt die Schubspannungen berücksichtigen. Die Schnittgrößen V y, V z, M xp und M xs werden auf das Profil aufgeteilt und die Streckgrenze der einzelnen Querschnittsteile reduziert. Im zweiten Schritt erfolgt die Erfassung der Schnittgrößen M z, M und N und die Bestimmung der maximal aufnehmbaren Schnittgröße M y. Als Grundlage dient die Betrachtung des Profils im Grenzzustand. Für die verschiedenen Schnittgrößenkombinationen werden Lösungen formuliert und deren Genauigkeit angegeben. Dabei erfolgt die Einteilung der Interaktionsbedingungen in die Nachweisstufe I und die Nachweisstufe II. Auf Grundlage der Kapitel 5 und Kapitel 6 werden in Kapitel 7 doppeltsymmetrische gewalzte I-Profile untersucht. Dabei steht der Einfluss der Ausrundungen bei der Ermittlung der plastischen Grenzschnittgrößen im Vordergrund. In Tabelle 9.1 ist eine Übersicht über die Genauigkeit der einzelnen Grenzschnittgrößen aus Kapitel 6 und Kapitel 7 enthalten. Analog zu Kapitel 6 werden in Kapitel 7 ingenieurmäßige Lösungen für die verschiedenen Schnittgrößenkombinationen entwickelt. Dabei erfolgt die Berücksichtigung der Ausrundungen nicht mit einem separaten Fall. Durch die Extrapolation der Beziehungen ergeben sich baupraktisch genaue Lösungen. Mit dieser neuen Methode erhält man übersichtliche Lösungen mit hoher Genauigkeit. Eine Übersicht der Interaktionsbeziehungen nach TSV-plus ist in Tabelle 9.2 zusammengestellt. In Tabelle 9.3 wird die Anzahl der untersuchten Variationen angegeben, auf deren Basis die in Tabelle 9.5 angegebenen Abweichungen bestimmt worden sind.
3 156 Tabelle 9.1 Grenzschnitt größe Genauigkeit der Grenzschnittgrößen für doppeltsymmetrische I-Profile Geschweißte I-Profile Gewalzte I-Profile N pl genaue Lösung (Tabelle 6.2) genaue Lösung (Tabelle 7.1) M pl,y genaue Lösung (Tabelle 6.2) genaue Lösung (Tabelle 7.1) M pl,z genaue Lösung (Tabelle 6.2) genaue Lösung (Tabelle 7.1) V pl,y V pl,z üblich: nur Gurte (Tabelle 6.2) ist ausreichend genau üblich: Steg zwischen den Gurten (Tabelle 6.2) üblich: nur Gurte (Tabelle 7.1) ist ausreichend genau in [14]: Steg bis Mitte Gurt in [15]: Steg mit Ausrundung bis Mitte Gurt, s. Bild 7.3 M pl,xp M pl,xs M pl, nach Gl. (6.6) ist ausreichend genau üblich: nur Gurte ([43]) ist ausreichend genau Mittellinienmodell nach Gl. (6.7) fast genaue Lösung nach Gl. (6.10) nach Gl. (6.6) ist ausreichend genau üblich: nur Gurte ([43]) ist ausreichend genau fast genaue Lösung (Tabelle 7.4) Tabelle 9.2 Übersicht der Interaktionsbeziehungen mit TSV-plus Schnittgrößen Geschweißte I-Profile Gewalzte I-Profile N-M y Tabelle 6.3 Tabelle 7.6 N-M z Tabelle 6.4 Tabelle 7.7 M y -M z Tabelle 6.5 Tabelle 7.8 N-M y -M z * Tabelle 6.9 Tabelle 7.9 N-M y -M z -M Tabelle 6.12 bis Tabelle 6.14 Tabelle 6.12 bis Tabelle 6.14 und Gl. (7.4) N-M y -M z ** Tabelle 6.17 Tabelle 6.17 mit Gl. (7.6) alle Schnittgrößen Tabelle 6.19 und Tabelle 6.23 bis Tabelle 6.22 Tabelle 6.19 und Tabelle 6.23 bis Tabelle 6.22*** *** Hinweise s. Abschnitt 7.3.8
4 157 Tabelle 9.3 Anzahl der untersuchten Variationen für doppeltsymmetrische gewalzte I-Profile Interaktionsbeziehung N-M y N-M z M y -M z N-M y -M z * N-M y -M z ** Variationen Bei der N-M y -M z -Interaktion erfolgt eine explizite Unterscheidung zwischen dem Fall mit unplanmäßiger Torsion (NW-St II) und dem Fall ohne unplanmäßige Torsion (NW-St I). Für den Anwender ist entscheidend, dass sich bei der Anwendung der N-M y -M z -Interaktion in DIN [14] und DIN EN [15] unplanmäßige Torsion ergibt (NW-St II). Die Torsionsschnittgrößen müssen vom System aufgenommen werden können. Bei Anwendung der Interaktionsbeziehungen in DIN [14] und DIN EN [15] können die Ergebnisse weit auf der unsicheren Seite liegen, wenn eine Behinderung der Verdrehung z. B. durch die konstruktive Ausführung vorliegt. Es ergibt sich dann eine N-M y -M z -Interaktion mit der Bedingung M = 0 und die bereichsweise höhere Tragfähigkeit kann nicht ausgenutzt werden. Die Abweichungen der in DIN [14] und DIN EN [15] angegebenen Interaktionsbeziehungen für doppeltsymmetrische geschweißte und gewalzte I-Profile sind in Tabelle 9.4 und in Tabelle 9.5 enthalten. Tabelle 9.4 Genauigkeit der Interaktionsbeziehungen für doppeltsymmetrische geschweißte I-Profile (Walzprofile mit r = 0) gemäß Abschnitt 6.3 Schnittgrößen DIN [14] DIN EN [15] TSV-plus N-M y 89,1 % bis 102,4 % 95,2 % bis 107,4 % exakte Lösung N-M z 85,3 % bis 104,2 % 99,8 % bis 105,3 % exakte Lösung M y -M z 77,2 % bis 98,1 % 88,3 % bis 100,1 % 98,8 % bis 100,1 % N-M y -M z * nicht vorhanden nicht vorhanden 98,1 % bis 100,1 % N-M y -M z ** 77,1 % bis 104,2 %*** 88,3 % bis 107,4 %*** 89,8 % bis 100,1 % *** Die maximale Abweichung auf der unsicheren Seite ergibt sich bei einer N-M y -Interaktion oder einer N-M z -Interaktion. Bei doppeltsymmetrischen geschweißten I-Querschnitten können die Abweichungen auf der unsicheren Seite, abhängig von der Querschnittsform, noch größer sein. Lösungen für den Fall ohne unplanmäßige Torsion und eine N-M y -M z -M - Interaktionsbeziehung werden in DIN [14] und in DIN EN [15] nicht angegeben, s. Tabelle 1.2. Gemäß Tabelle 9.5 liegen die Interaktionsbeziehungen in DIN [14] und DIN EN [15] für doppeltsymmetrische gewalzte I-Profile teilweise erheblich auf der unsicheren Seite.
5 158 Tabelle 9.5 Genauigkeit der Interaktionsbeziehungen für doppeltsymmetrische gewalzte I-Profile gemäß Abschnitt 7.3 Schnittgrößen DIN [14] DIN EN [15] TSV-plus N-M y 89,4 % bis 102,5 % 95,6 % bis 107,8 % 99,8 % bis 100,3 % N-M z 85,2 % bis 104,3 % 99,7 % bis 105,4 % 99,2 % bis 100,2 % M y -M z 76,6 % bis 99,5 % 87,9 % bis 100,1 % 98,7 % bis 100,1 % N-M y -M z * nicht vorhanden nicht vorhanden 98,1 % bis 100,2 % N-M y -M z ** 76,5 % bis 104,3 %*** 87,9 % bis 107,8 %*** 86,6 % bis 100,3 %*** *** Die maximale Abweichung auf der unsicheren Seite ergibt sich bei einer N-M y -Interaktion oder einer N-M z -Interaktion. In DIN [14] wird der Teilsicherheitsfaktor auf der Materialseite mit M = 1,1 angegeben. Eine Kompensierung der Abweichungen auf der unsicheren Seite ist somit möglich. Im Unterschied dazu wird die Querschnittstragfähigkeit in DIN EN [15] mit M0 = 1,0 bestimmt. Es sind somit auf der Materialseite keine Sicherheiten mehr vorhanden. Somit folgt, dass die Anwendung der Interaktionsbeziehungen in DIN EN [15] nicht empfohlen werden kann. Zur Vermeidung einer unsicheren Bemessung können die Interaktionsbeziehungen gemäß TSV-plus verwendet werden. In Tabelle 9.2 ist eine Übersicht der Interaktionsbeziehungen zusammengestellt. Neben den ingenieurmäßigen Methoden in den vorherigen Kapiteln werden in Kapitel 8 Vergleichsrechnungen mit dem FEM Programmsystems ANSYS [22] durchgeführt und Beispiele aus den Versuchen in [23] vorgestellt. Es erfolgt die Erläuterung der Grundlagen und Besonderheiten bei der Berechnung mit Volumenelementen. Bei den numerischen Untersuchungen zur N-M y -M z -Interaktion beginnen sich die Querschnitte nach Überschreitung der Streckgrenze zu verdrehen, wenn sie sich frei verformen können (Fall unplanmäßige Torsion ). In den Interaktionsbeziehungen in den Abschnitten 4.3, 6.3 und 7.3 wird zwischen den Fällen mit unplanmäßiger Torsion und ohne unplanmäßiger Torsion unterschieden. Die Untersuchung des Tragverhaltens unter Torsionsbeanspruchung erfolgt in Abschnitt Dabei ergibt sich keine eindeutige Grenztragfähigkeit. Nach den vorliegenden Ergebnissen wird die Verteilung von M xp nach dem Ingenieurmodell gemäß Gl. (6.55) empfohlen. Die in dieser Arbeit vorgestellten Methoden zur Bestimmung der plastischen Querschnittstragfähigkeit können als Grundlage für weitergehende Untersuchungen dienen. Das Prinzip des vorgestellten Teilschnittgrößenverfahrens (TSV-plus) kann mit Berücksichtigung der Blechbiegeanteile auch auf einfachsymmetrische Querschnitte oder Hohlprofile übertragen werden.
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