Integrierte Managementsysteme
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- Friederike Kaufman
- vor 10 Jahren
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Transkript
1 Anni Koubek Wolfgang Pölz Integrierte Managementsysteme Von komplexen Anforderungen zu zielgerichteten Lösungen
2 Inhalt 1 Wohin geht diese Reise? Zunehmende Komplexität Die ISO-Explosion Im Wettlauf mit der Zeit Expeditionsetappen Was sind Integrierte Managementsysteme? Managementsysteme Begriffsklärung Komplexe soziale Systeme Unterschiedliche Ebenen Sechs Blickwinkel sechs Welten Aufbauorganisation Prozessmanagement Managementsysteme Führung und Kommunikation Ständige Verbesserung Betriebswirtschaft Netzwerke Rubiks Herausforderung Integration Richtungsklarheit Kraft Agilität Ausdauer Beziehungsfähigkeit Integration in ISO-Standards... 88
3 VIII Inhalt Die kontextabhängige Gestaltung von Managementsystemen Stakeholder-Ansatz Der risikobasierte Ansatz Was betrachtet der Annex SL nicht? Warum werden Integrierte Management systeme in Zukunft noch wichtiger? Was ein gutes Unternehmen ausmacht Die Welt wird älter Das geht mich was an Qualität ist Aufgabe des Topmanagements Risiken und Sicherheitsbedürfnisse Begeisterte Kunden Globale Individuen als Kunden, Lieferanten und Netzwerkpartner Wie gestaltet man ein gut integriertes Managementsystem? Der Glaube an den Erfolg Vertrauensvolle Arbeitsumgebung Der individuelle Weg zählt Zeitreisende haben es leichter Projekte zur Integration von Managementsystemen Schritt 1: Vorbereiten Schritt 2: Planen Schritt 3: Maßnahmen festlegen Schritt 4: Maßnahmen umsetzen Intermezzo: Die Achterbahnfahrt zwischen Lust und Frust Schritt 5: Externe Anerkennung sichern Schritt 6: Weiterentwickeln Hochsprungrekorde und PDCA Gesundheitsvorsorge für die Unternehmenskultur: EFQM Alles dreht sich, alles bewegt sich, nichts tut sich
4 Inhalt IX 4.9 Führung oder das Prinzip Pain or Pleasure Leadership Problemlösung für kniffelige Situationen Risikomanagement Eine neue Toolbox für Systemmanager Das beste Managementsystem Mehrere Anforderungsstandards integrieren Für Vorsichtige und Liebhaber: Parallele Systeme Für Realisten und Pragmatiker: Adaption Für Leistungssportler: Systemorientiertes Vorgehen Kompetenz Wen brauchen wir im Boot? Was ist Kompetenz? Vom Können zum Tun Die Vielfalt der Kompetenzen Von der Kompetenz zum Handeln oder der Mensch im Kontext der Organisation Organisationskultur Kompetenz Anforderungen aus ISO und Co Die Rolle von Auszeichnungen und Zertifikaten Bewertung der Integration eines Managementsystems? Managementsysteme: Einfach oder kompliziert? Simplicity Eine neue Perspektive Es kann auch zu einfach sein Optimaler Komplexitätsgrad Komplexität Ausdruck von Kreativität Komplizierte Managementsysteme Die Herausforderung der Einfachheit Simplicity-Methoden Alter Wein in neuen Schläuchen Vereinfachungspotenziale bei Managementsystemen Schlankheitsmethode Wertstromanalyse
5 X Inhalt 7 Wirken Integrierte Managementsysteme? Qualitativer Nutzen Quantitativer Nutzen Gelungenes IMS Index Die Autoren
6 1 Wohin geht diese Reise? Now, here, you see, it takes all the running you can do, to keep in the same place. Also, hierzulande musst du laufen, so schnell du kannst, um an derselben Stelle zu bleiben. Lewis Carroll (1871) Der Begriff Managementsystem ist eng mit der Welt der zertifizierten Managementsysteme verbunden und damit mit den internationalen Standards, die für diesen Zweck entwickelt wurden. Das Managementsystem einer Organisation, also die Weise, wie sie agiert, darf jedoch nicht mit einer definierten Menge von Anforderungen verwechselt werden. Hinter diesem Begriff steckt viel mehr es geht darum, wie eine Organisation ihre Ziele erreicht, wie einzelne Menschen zusammenspielen, wie einzelne Systemelemente gestaltet sind. Das heißt, hinter diesem Begriff liegt die gesamte Funktionsweise einer Organisation. Der Ursprung des Begriffs Managementsystem stammt aus dem Umfeld des Qualitätsmanagements. Dort hat man sehr früh erkannt, dass es nicht ausreicht, Kennzahlen und Ergebnisse festzulegen und diese zu überprüfen, sondern dass ein methodischer durchgehender Ansatz in einer Organisation umgesetzt werden muss, um diese Ziele zu erreichen. So entwickelte sich Qualität von einem Thema, das zu prüfen war, über methodische Vorschriften und Vorschläge zu einem Ansatz, welcher die Gesamtorganisation umfasst. Diese Erkenntnis, dass Qualität nur über einen systemischen und systema tischen An - satz im Unternehmen erreicht werden kann, haben schon Qualitätspioniere wie Juran oder Deming betont (Juran 2010).
7 2 1 Wohin geht diese Reise? Qualität ist jedoch nur ein Themenbereich, in dem Anforderungen an Unternehmen gestellt werden. Zunehmend mehr und verschiedene Interessengruppen fordern eine systematische und systemische Behandlung ihrer Anliegen. Systematisch bedeutet, dass die Anliegen geplant und entsprechend dieser Planung umgesetzt werden. Systemisch bedeutet, dass die Anliegen unter Berücksichtigung des be - troffenen Gesamtsystems und der Wechselwirkungen behandelt werden. Eigentümer fordern ein fundiertes Finanzmanagement, Kunden möglichst zielgruppenspezifische Produkte und Dienstleistungen, Be - hörden eine fundierte Umsetzung von Gesetzen und Vorschriften, Mit arbeiter sichere und faire Arbeitsbedingungen, die Öffentlichkeit verantwortlichen Umgang mit Menschen in der Lieferkette, umweltschonende Arbeitsweisen etc. Aus dieser Vielfalt an Anforderungen kann für ein Unternehmen bald eine Überforderung entstehen. Wird ein Aspekt nicht beachtet, können sich existenzielle Risiken für das Unternehmen ergeben. In einem auch noch zunehmend beschleunigten und globalen Wirtschaftsumfeld ist die Komplexität der verschiedenen Anforderungen oft kaum mehr überblickbar. Der individuelle Charakter einer Organisation in ihrem höchst ein zigartigen Umfeld verlangt eine differenzierte Betrachtung. Keine Organisation gleicht der anderen durch ein unterschiedliches Umfeld, unterschiedliche Kunden und Produkte hat jedes Unternehmen eine individuelle Ausprägung. Schon bei der Entstehung der ISO 9001 wurden Warnrufe laut, aus der Umsetzung könnte ein Einheitsmanagementsystem entstehen, welches Kreativität und Besonderheiten verschiedenster Organisationsformen und Geschäftsmodelle nicht zuließe. Dass ein umfassender Managementansatz für die Erreichung von Qualität erforderlich ist, wurde im Jahr 2000 mit der großen Revision auch in die ISO 9001, dem Standard, der zertifizierbare Anforderungen für Qualitätsmanagementsysteme vorgibt, aufge nom men. Der Ansatz wurde auch auf andere Themen angewandt, und heute arbeiten Mil lionen Organisationen weltweit an verschiedenen Themen wie Umweltmanagement, Arbeitssicherheit, IT-Security, Energiemanage-
8 1 Wohin geht diese Reise? 3 ment etc. und setzen dabei die durch Expertengruppen in einem weltweiten Abstimmungsverfahren definierten Anforderungen von ISO- Standards um. In den letzten Jahren wurde der Zugang auch noch vereinheitlicht, indem man gleiche Kerninhalte für alle Managementsystemstandards fest gelegt hat. Diese normierten Anforderungsstandards entwickeln sich weiter. Im Jahr 2012 startete nach der letzten großen Revision im Jahr 2000 eine weitere große Revision des Leitstandards ISO 9001 (2009 erfolgte eine kleine Revision, bei der es allerdings keine grundlegenden Änderungen gab). Gleichzeitig sind auch andere wesentliche Managementsystemnormen wieder in Revision (ISO 14001, OHSAS bzw. in Zukunft ISO 45001). Diese normierten Standards setzen jedoch in jedem einzelnen Themenfeld nur Min destanforderungen. Sie geben den Unternehmen keine Hilfestellung, wie sie trotz der Erfüllung dieser Anforderungen am Markt erfolgreich agieren und wie sie diese Anforderungen ge - winnbringend im Unternehmen umsetzen. Wie kann die Organisation trotz steigender externer Anforderungen agil und flexibel agieren und erfolgreich ihre Ziele erreichen? Dazu benötigt es einen gesamtheitlichen Blick auf das Managementsystem, also die Funktionsweise einer Organisation. Diesen herzustellen, ist das Hauptanliegen dieses Buches. Nur ein gesamtheitlichen Blick auf das Managementsystem ermöglicht einem Unternehmen, agil und flexibel zu agieren und die steigenden Anforderungen zu bewältigen.
9 4 1 Wohin geht diese Reise? 1.1 Zunehmende Komplexität Hat sich das Thema Unternehmensführung und -organisation in den letzten Jahr zehnten wesentlich verändert? Veränderungen passieren ja immer, gibt es hier wirklich einen Paradigmenwechsel, oder sind die neuen Themen nur eine Modeerscheinung? Drastische Veränderungen werden oft nicht wahrgenommen, weil die Aufmerksamkeit nicht in diese Richtung gelenkt wird. Damit werden Veränderungen oft erst dann erkannt, wenn die bestehenden Handlungsmuster nicht mehr funktionieren und die Auswirkungen schon deutlich spürbar sind oder auch eine Katastrophe, also ein un - vorhergesehener, drastischer Zwischenfall, passiert. Durch derartige schmerzvolle Erfahrungen wird dann die Aufmerksamkeit auf die veränderten Themen gelenkt. Eine dieser essenziellen Veränderungen des Umfeldes von Organisationen, welche für ihre innere Organisation, also ihr Managementsystem von höchster Bedeutung ist, ist die Komplexität, mit der Unternehmen heute umgehen müssen: 6 x Der Grad an Komplexität gemessen an der bloßen Zahl von Leis tungsanforderungen, die ein Unternehmen heutzutage regelmäßig erfüllen muss hat in der Wirtschaft immens zugenommen. Studien gehen davon aus, dass Unternehmen heute etwa sechsmal so viele Vorgaben er füllen müssen wie im Jahr x Um damit fertigzuwerden, haben sich Unternehmen anders organisiert. Als Folge ist der Grad der organisatorischen Komplexität in Unterneh men also die Zahl unterschiedlicher Prozesse, Schnittstellen, Abstimmungsschleifen und Entscheidungsstufen um das 35-Fache gestiegen; das lähmt die Produktivität der Menschen im Unternehmen und geht damit zulasten des Erfolgs. (Morieux 2011)
10 1.1 Zunehmende Komplexität 5 Die zunehmende Geschwindigkeit der Entwicklung ist für uns alle spürbar. Die tech nologische Entwicklung im Bereich der Informationstechnologien entwickelt sich exponentiell, Geräte und Anwendungen entstehen in immer kürzer werdenden Zeitabständen und werden in kürzester Zeit global ausgerollt. Technologische Entwicklungen, wie die Entschlüsselung eines Genoms, die vor wenigen Jahren weltweite Forschungsteams beschäftigt haben, sind heute für wenige Tausend Euro als Dienstleistung erhältlich. Die Weltbevölkerung wächst immer rascher, die Veränderung unseres Klimas und einhergehende Wetterextreme sind ein Faktum. Auch im wirtschaftlichen Bereich sind langfristige, sichere Prognosen nicht mehr möglich: Rohstoffpreise fluktuieren innerhalb von Monaten bis zu 50 %, auch die Aktienmärkte zeigen zunehmende Ausschläge nach oben und nach unten. Diese Fakten sind bekannt. Was bedeuten diese Entwicklungen nun konkret für Unternehmen? Zwei Studien eine von Accenture und eine der Boston Consulting Group sind aus Sicht der Gestaltung des Managementsystems besonders relevant. Fünf Herausforderungen einer multipolaren Welt Accenture hat 2011 in seinem Phoenix-Report I und II (Accenture Management Consulting 2011) fünf große Herausforderungen für Unternehmen identifiziert und analysiert. Die Rede ist von einer multipolaren Welt, also einer Welt, in der es nicht mehr die klassischen, wenigen weltweit agierenden Machtzentren gibt, von einer Zukunft oder ist es vielleicht doch auch schon Realität?, in der es vielfältige Machtpole geben wird. Zu diesen fünf großen Herausforderungen zählen: Innovationen an neuen Orten Grundlegende Änderungen finden zunehmend in unterschiedlichsten Ländern in für diese Länder maßgeschneiderter Form statt. Damit steigt die Komplexität die unterschiedlichen Innovationszentren müssen im Auge behalten werden, und Innovation
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