Pädagogisches Rollenspiel

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1 Pädagogisches Rollenspiel Modell einer realen (Problem-)Situation Fachtagung Schulsozialarbeit in Niedersachsen 10 vom November 2009 in Bergkirchen Birgit Kleinschmidt Seite 1

2 Methodisches Vorgehen und Spielhilfen des Pädagogischen Rollenspiels A) Motivationsphase vor Beginn des Rollenspiels B) Beschreibung des Problems und Herausarbeiten der zu spielenden Situation 1. Aufbau der Szene 2. Vorstellen der Spieler C) Rollenspiel, Rollenfeedback und Handlungsalternative(n) 3. Nachspielen der Szene 4. Rollentausch 5. Beisatzreden 6. Rollenfeedback 7. Spiegeln 8. Veränderung der Szene D) Nachbetrachtung und Ausklang 9. Sharing 10. Entlassen aus der Rolle 11. Gruppenfeedback (12. Transfer in die Realsituation) Spielleiter: Aufgabe des Beobachters, Analytikers, Beraters und Helfers Seite 2

3 Wenn einer versteht, was ein anderer sagt, ist das nicht nur ein Gemeintes, sondern ein Geteiltes, ein Gemeinsames ( ) Im spielenden Verhalten sind alle Zweckbezüge, die das tätige und sorgende Dasein bestimmen, nicht einfach verschwunden, sondern werden auf eigentümliche Weise gestaltet. Das Spielen geschieht nicht nur >um der Erholung willen<, sondern dient auch der Heilung von unguten Regungen und Gemütszuständen. (Hans-Georg Gadamer) Anwendung des Pädagogischen Rollenspiels - zur Veranschaulichung einer realen (Problem-)Situation - zum besseren Verständnis einer zu untersuchenden Situation - zur Einübung sozialer Rollen und Strategien - zum Zwecke vorwegnehmender Erkenntnisse - als Hilfestellung in schwierigen Situationen - zur Erkundung möglicher Alternativen - für einen besseren Umgang mit Konflikten - als Supervision für die Lehrkraft Seite 3

4 Pädagogisches Rollenspiel in der Schule Das pädagogische Rollenspiel mit seinen breiten Anwendungsmöglichkeiten und differenzierten Spielhilfen ist sehr alltags- und praxisorientiert und bietet dem Schüler auf spielerische Weise die Möglichkeit zu lernen, mit Konflikten besser umzugehen. Statt hilflosem Vermeiden von schwierigen Situationen kann sich Freude am Lösen von Problemen entwickeln. Die im Rollenspiel dramatisierte Situation entspricht für Körper und Gefühl die der realen Situation, kann jedoch beliebig oft wiederholt, verändert und nach Beratungen neu erprobt und erfahren werden. Die Schüler übernehmen ganzheitlich die Rolle eines anderen Menschen; indem sie vorgeben, wie der andere Mensch zu fühlen, zu denken und zu agieren, zeigen sie eigene Gefühle - ohne Bewertungen, Sanktionen und Repressalien ausgesetzt zu sein. Durch Rollentausch kann eine Situation von verschiedenen Standpunkten aus angeschaut, erlebt und begriffen werden. Individuelle Spontaneität, Kreativität und Intuition werden gefördert. Im Rollenspiel kommt es hauptsächlich auf das Agieren an. Teilnehmer sowie Zuschauer diskutieren nicht nur über Verhaltensprobleme und alternative Handlungsweisen; sie beobachten und praktizieren andere Verhaltensweisen. Der Schwerpunkt liegt auf der aktiven Teilnahme am Lernprozess. Die Fähigkeit zu angemessener (verbaler und nonverbaler) Kommunikation und selbstständiger Interaktion wird gesteigert. Die Schüler versetzen sich in die Rolle eines anderen Menschen; sie identifizieren sich mit den realen Umgebungen und Vorstellungen anderer und erlangen ein besseres Verständnis für die Wirkung von (eigenem) Verhalten auf Mitmenschen. Indem sie eine Vielfalt von Verhaltensweisen praktizieren und die Wirkungen diskutieren, können sie befähigt werden, ihre Handlungsweisen adäquater zu wählen als zuvor. Empfindungen und Assoziationen können veranschaulicht, mit den Rollen verbundene Darstellungs- und Verhaltensweisen bei sich und anderen wahrgenommen und reflektiert sowie neue Verhaltens- und Ausdrucksmöglichkeiten erprobt werden. Dies trägt erfahrungsgemäß auch zu einer Reduktion unterschiedlichster Ängste und Unsicherheiten und zur Ich-Stärkung der Schüler bei. (Private) Fragen und Schwierigkeiten können ohne Bedenken untersucht werden, da sie nicht auf das Ich konzentriert, sondern einer gegebenen Rolle unterstellt werden. Auch übergeordnete soziale Probleme lassen sich darstellen und sind den Schülern eine Hilfe für eine effektivere Auseinandersetzung damit. Das Aufzeigen verschiedener Wege der Lösung sozialer und persönlicher Konflikte in Rollenspielen erhält Bedeutung für die Bewusstwerdung eigener Bedürfnisse und Interessen. Neue Perspektiven in Bezug auf das eigene (Alltags-) Handeln werden ermöglicht. Seite 4

5 Zeichen und Signale der Körpersprache Mögliche Beobachtungspunkte: - Haltung, Standpunkte - Körperhälften - Gangarten, Schritt, Fußbewegungen - Sitzarten, Sitzordnungen - Brust, Atmung - Kopf, Hals - Augen, Blickkontakt - Mund, Sprechen - Hände, Finger, Handreichungen in bestimmten Situationen mit unterschiedlichen Personen in verschiedenen Rollen Seite 5

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