Irrtümer der Gesundheit

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1 Irrtümer der Gesundheit Irrtümer der Gesundheit oder Entscheiden Zahlen über Gesundheit Egon Werlen 1

2 Einführung Themen Der BMI und das Übergewicht Depression Bluthochdruck und Cholesterin Es gäbe da noch mehr Das will ich vermitteln und diskutieren Wie und wer definiert Krankheit Veröffentlichung von Ratschlägen Gesundheit oder Krankheit 2

3 Übergewicht Ich habe Übergewicht: 78 kg bei 1.73 m BMI = kg / m 2 = 78 / 2.99 = 26 mit 84 kg: BMI = 28 mit 90 kg: BMI = 30 Bauchumfang = 98 cm -> erhöhtes Risiko (>94) Haben Sie Übergewicht? Änderungen des BMI: von 28 auf 25 (1997)!? Neue Masse: Bauchumfang 3

4 4 Übergewicht

5 5 Übergewicht

6 6 Übergewicht

7 7 Übergewicht

8 Übergewicht Das Risiko für Folgeerkrankungen beginnt bei ca. BMI 30. Nicht beachtet werden oft: körperliche Fitness andere Risikofaktoren (Rauchen, Arbeitsbedinungen, Bewegung usw.)... These: Von Medien, Behörden und anderen Institutionen wird oft ein vereinfachtes und damit auch falsches Bild vermittelt. 8

9 Depression Depression: Die neue Volkskrankheit Gelegentlich liest man: Jede/r 2. (=50%) ist einmal im Leben depressiv (Quellen: Medien und Internet) Das hier scheint mir schon realistischer: Man schätzt, dass 17% der Bevölkerung einmal im Leben an einer schweren Depression leidet (Kessler et al.,2000, Wittchen et al., 2000, OMS, 2001). (Quelle: 10% aller Menschen in Deutschland erkranken einmal in ihrem Leben an einer schweren Depression. Nimmt man die leichteren klinischen Formen dazu, z.b. Dysthymie, sind es 20%. (Quelle: Dr. Nico Niedermeier vom Kompetenznetz Depression) 9

10 Depression Was ist eine Depression Wie sieht eine (schwere) Depression aus? Depressive Episode (F32) Rezidivierende depressive Störung (F33; wiederholte Depr. Episode) Was ist mit Trauer, Burnout, Stimmungstiefs...? 10

11 Depression Was ist eine Depression Mindestens 2 (für eine schwere Depression 3) der folgenden Symptome liegen vor 1 depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmass, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag, im wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen und mindestens 2 Wochen anhaltend; 2 Interessen- oder Freudenverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren; 3 verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit. * Eines oder mehr der folgenden Symptome zusätzlich, wobei die Gesamtzahl der Symptome je nach Schweregrad mindestens 4-8 beträgt (siehe unten): 1. Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühles; 2. unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle; 3. Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid; suizidales Verhalten; 4. Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit; 5. psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv); 6. Schlafstörungen jeder Art; 7. Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung. Abstufung der Depression in Schweregrade: * Leichte Depression: 2 der Symptome 1-3, Gesamtzahl mindestens 4 * Mittelgradige Depression: 2 der Symptome 1-3, Gesamtzahl mindestens 6 * Schwere Depression: 3 der Symptome 1-3, Gesamtzahl mindestens 8 Quelle: 11

12 12 Depression

13 Depression Fazit Neben Medikamenten hilft: Psychotherapie körperliche Training, Sport -> kurz Bewegung (aber...) Psychohygiene... Thesen: Heute gibt es mehr Depressionen, weil: - sie schneller diagnostiziert wird ( - weil sich die gesellschaftlichen Bedingungen geändert haben 13

14 Bluthochdruck Grenzwerte Bluthochdruck < 120 / 80 mmhg optimal im nicht-belasteten Zustand < 129 / 84 mmhg normal / mmhg hoher Normalwert / mmhg leicht erhöhter Blutdruck / mmhg mittelgradig erhöhter Blutdruck > 180 / 110 mmhg schwerer Bluthochdruck Quelle: 14

15 Bluthochdruck Änderungen von Bluthochdruck 1998: von 160 / 90 auf 140 / 80 (aufgrund der HOT-Studie) Wer sich die HOT-Studie genau angesehen hatte, konnte schon 1988 wissen, dass es nicht sinnvoll ist, bei 50- bis 80-jährigen Frauen und Männern den Blutdruck unter 160/90 mm Hg zu senken. Quelle: Prof. Dr. med. Frank P. Meyer: 15

16 Bluthochdruck Alters- und Geschlechtsabhängigkeit von Blutdruck Port und sein Team lösten am 15. Januar 2000 in Lancet das Rätsel [4]: Blutdruck ist alters- und geschlechtsabhängig. Erst jenseits eines bestimmten Schwellenwertes (Männer: / 3 des Alters, Frauen: / 6 des Alters) erhöht sich für Patienten ohne weitere Komorbidität das Risiko zu sterben. Erst jenseits dieser Schwellenwerte ist es sinnvoll zu intervenieren. Bei Diabetikern und anderen Patientengruppen sind derart sichere Aussagen noch nicht möglich. (Port S, Demer L, Jennrich R, Walter D, Garfinkel A. Systolic blood pressure and mortality. Lancet 2000; 355: ) Schwellenwert: Männer: / 3 des Alters, Frauen: / 6 des Alters Quelle: Prof. Dr. med. Frank P. Meyer: 16

17 Bluthochdruck Änderung der Grenzwerte von 160 / 90 auf 140 / 80 Aber: wann, wo und warum fand das statt? -> Konsequenzen (mehr Kranke ) -> Gibt es seither weniger Todesfälle aufgrund der Änderung? Irrtum der Gesundheit: - liegt der Irrtum in den Grenzwerten (d.h. weniger sind krank als gewollt)? - liegt der Irrtum in der Behauptung der Änderung der Grenzwerte? 17

18 Bluthochdruck Quelle: Meyer, F.P. (2011). Krankheit und Therapiebedürftigkeit. Anmerkungen über Geld und Macht der big players. In Die Kunst des Alterns. Medizinische Diskurse über den Alterungsprozess in exogener Einflussnahme. (S ). Bern: Lang. 18

19 Bluthochdruck Das Risiko für Folgeerkrankungen war in der HOT-Studie bei einem systolischen Blutdruck >90 nicht wesentlich erhöht. Neben Medikamenten hilft: körperliche Training, Sport -> kurz Bewegung regelmässige Entspannung(sübungen)... Thesen: Mit nicht-medikamentösen Mitteln kann bei einem grossen Teil der Bluthochdruckpatienten das Problem gelöst werden. Die Senkung des Blutdruckes hat nicht zwingend eine Senkung der koronaren Herzerkrankungen zur Folge. [Frank P. Meyer] 19

20 Cholesterin Cholesterin: Ein weiteres Beispiel Stanine wirken Aber Cholesterin hat wenig Einfluss auf kardiovaskuläre Krankheiten Das Problem mit den guten und bösen Fetten 20

21 Und es gibt noch mehr... Screenings (ein ganz heisses Eisen) Brustscreening Prostatascreening Ernährung 2 Liter Wasser am Tag - Wasservergiftung 5 Einheiten Früchte und Gemüse pro Tag [Achtung Vortrag heute] Diagnostik / Psychologie / Psychiatrie In Zukunft wird es mehr Autisten geben (DSM-V; neue Kriterien) Modekrankheiten: z.b. Hyperaktivität, Bipolare Störung 21

22 Workshop Fragen für den Workshop 1. Entscheiden Zahlen darüber, ob wir krank sind? Und: Wer entscheidet über die Zahlen? 2. Welche für Folgen haben Vereinfachungen im Gesundheitswesen? 3. Sprechen wir von einem Gesundheitswesen oder von einem Krankheitswesen? Und: Was ist der Unterschied? 22

23 Zugabe Ein Beispiel mit Zahlen und Statistik Etwas Statistik (Effektstärke) Anschauliche Beispiele für eine kleine, mittlere, grosse Effektstärke Die Aspirinstudie Der präventive Effekt von Aspirin 23

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