Rumpf & Rücken & Kruppe Stockmaß Die Größe eines Pferdes wird als Stockmaß bezeichnet und vom Boden bis zum Widerrist gemessen. Die Angabe erfolgt in cm. Man unterscheidet drei Größen beim Pferd: Pony Kleinpferd Großpferd Rumpf und Rücken Die Länge des Rückens ist ein rassetypisches Merkmal. Man unterscheidet zwei Typen: den quadratischen und den rechteckigen Typ. Quadratischer Typ: Widerristhöhe und Rumpflänge bilden ein Quadrat Rechteckiger Typ: Widerristhöhe und Rumpflänge bilden ein Rechteck Der Pferderücken sollte eine gute Beweglichkeit in der Vertikalen und Horizontalen aufweisen und gut geschwungen sein. Eine gezielte Gymnastizierung kann helfen die Beweglichkeit zu erhalten. Probleme bereitet ein sogenannter tiefer Senkrücken ebenso wie ein hoch gekrümmter Rücken, auch Karpfenrücken genannt. Ein ausgeprägter geraden Rücken führt dazu, dass das Pferd in seiner Bewegung stark eingeschränkt ist und steif wird. Kruppe Die Kruppe ist am Hinterteil des Pferdes. Ihre Form und die Ausprägung der dortigen Muskulatur ist sehr wichtig, denn der Antrieb des Pferdes befindet sich in der Hinterhand. Viele Rassen haben eine lange und breite Kruppe, die weich abfällt und einen hohen Schweifansatz hat. Bei diesen Tieren ist die Tendenz für nach hinten ausgestellte Hinterläufe gegeben, was ein Indiz dafür ist, dass ihre Antriebskraft deutlicher stärker ausgeprägt ist, als ihre Tragkraft.
Anatomie des Pferderückens Der Rücken ist die horizontale Verbindung zwischen Vor- und Hinterhand und wird nur durch diese gestützt. Der Rücken besteht aus Wirbeln, die durch Gelenke, Knorpelscheiben und starke Bänder miteinander verbunden sind. Je nach Lage im Körper, werden die Wirbel in Gruppen eingeteilt. Das Pferd hat 7 Halswirbel, 18 Brustwirbel, 6 Lendenwirbel, 5 Kreuzwirbel und 18 bis 20 Schweifwirbel. Die Kreuzwirbel sind zu einem Knochen miteinander verwachsen, dem Kreuzbein. 12. bis 13. die 7 Halswirbel 14. die 18 Rückenwirbel 15. die 6 Lendenwirbel 16. Kreuz- oder Heiligenbein 17. die 18 Schweifwirbel 18. Hüftbein 19. Schambein 20. Sitzbein (die 3 letzteren Knochen bilden zusammen das Becken) Einzig die Hinterhand hat eine knöcherne Verbindung zur Wirbelsäule - über das Kreuzdarmbeingelenk wird der Schub der Hinterhand auf die Wirbelsäule übertragen - zwischen Vorhand und Rumpf gibt es keine knöcherne Verbindung. Das Pferdeskelett hat kein Schlüsselbein, der Rumpf hängt also zwischen den Schulterblättern und wird von vielen Muskeln getragen. Mit jedem Brustwirbel ist jeweils ein Rippenpaar flexibel verbunden. Sie bilden den Brustkorb, der die Brustwirbelsäule stabilisiert und die inneren Organe schützt. Die 18 Rippenpaare werden in zwei Gruppen unterteilt. 8 Rippenpaare sind knorpelig-gelenkig mit dem Brustbein verbunden. Sie werden als Tragrippen, die restlichen 10 Rippenpaare als Atmungsrippen bezeichnet. Die Atmungsrippen haben keinerlei Verbindung zum Brustbein, sind daher beweglich und erweitern den Brustkorb bei der Atmung. Alle Rückenwirbel haben Dornfortsätze, allerdings von unterschiedlicher Länge und Neigung. Die Dornfortsätze der vorderen Hälfte neigen sich dem Schweif entgegen, die der hinteren Hälfte neigen sich dem Kopf entgegen. Die Neigung dieser Fortsätze nimmt zur Mitte hin ab und daher steht der mittlere Wirbel fast senkrecht. Die unterschiedliche Länge der Dornfortsätze bildet den Widerrist. In diesem Bereich können sie bei großen Pferden mit ausgeprägtem Widerrist bis zu 30cm hoch werden. Im Bereich der Lendenwirbel sind die Dornfortsätze weniger stark ausgeprägt, stattdessen haben diese Wirbel lange seitliche Fortsätze, die der Verankerung der Muskulatur dienen. Die Lendenwirbelsäule hat keine Stabilisierung durch den Brustkorb. Sie ist eine freitragende Konstruktion und muss zusätzlich von der Bauchmuskulatur gestützt werden. Betrachtet man sich die Abbildung des Pferdeskelettes, kann man gut die engen Abstände zwischen den Dornfortsätzen erkennen. Wird jetzt vom Reiter diese Wirbelbrücke belastet, besteht die Gefahr, dass das Pferd den Rücken wegdrückt, sich die Dornfortsätze berühren und das zu schmerzhaften Schäden im Rücken führt.
Nacken- und Rückenband Quelle Abb.: Hertsch, Anatomie des Pferdes, 3. Auflage 2000 Der Bauch mit den inneren Organen macht etwa die Hälfte des Körpergewichtes aus. Beim Reiten kommen dann noch das Gewicht des Reitersund des Sattels hinzu. Dieses Gewicht wird ohne jegliche Muskelkraft und daher völlig ermüdungsfrei von einer Bänderkonstruktion getragen. Die Enden aller Dornfortsätze sind durch das Rückenband miteinander verbunden. Das Rückenband, welches im Bereich des Rist eine Kappe bildet, zieht als starker elastischer Nackenstrang zum Hinterkopf. Dieser Nackenstrang ist die Grundlage des Mähnenkamms. Da die Halswirbel viel tiefer liegen, sind diese wiederum über eine breite elastische Platte, die Nackenplatte, mit dem Nackenband verbunden. Quelle Abb.: Denoix /Pailloux, Physiotherapie und Massage bei Pferden, 2. Auflage 1997 Bei wild lebenden Pferden, welche die meiste Zeit des Tages beim Grasen mit der Nase am Boden verbringen, spannt sich auf natürliche Weise in dieser Haltung das Bändersystem. Die langen Dornfortsätze werden in Zugrichtung aufgerichtet. Dieser Zug wird auf die weiteren Brust- und Lendenwirbel übertragen. Der Rücken behält so ganz ohne Muskelkraft seine natürliche Form. Die Bänder, die vom Brustbein zur Hüfte ziehen und überwiegend aus sehnigen Platten der Bauchmuskulatur bestehen, unterstützen zudem den Rücken. Das korrekt vorwärts-abwärts gerittene Pferd, nimmt über das Nackenband Zug auf die vorderen Brustwirbel auf und die Abstände zwischen den Dornfortsätzen vergrößern sich, und es wird eine Beugung der gesamten Brustwirbelsäule bewirkt. Der lange Rückenmuskel wird gedehnt und kann frei schwingen, der Schub der Hinterhand kann frei nach vorne übertragen werden.
Natürliche Haltung des Bändersystems Quelle Abb.: Denoix / Pailloux, Physiotherapie und Massage bei Pferden, 2. Auflage 1997 Dehnungshaltung Die Dehnungshaltung führt also dazu, dass das Pferd den Hals aus der Schulter heraus fallen lässt, es zur Spannung des Nackenbandes kommt und somit zur Aufwölbung des Rückens und zur Dehnung der langen Rückenmuskulatur. Nicht jede Lektion im Reitsport kann aus der Dehnungshaltung heraus geritten werden. Höhere Dressurlektionen oder spezielle Gänge erfordern eine relative Aufrichtung. Die relative Aufrichtung ist nur durch eine gut ausgebildeten Nacken- und Halsmuskulatur möglich mit dessen Unterstützung das Pferd den Nackenstrang spannen kann und die den Rücken in seiner natürlichen Haltung tragen, ohne dabei die Rückenmuskulatur anzuspannen. Die Lendenwirbelsäule wird von einer gut trainierten Kruppen- und Bauchmuskulatur unterstützt. Nimmt ein Pferd nun seine Muskeln am Nacken und Oberhals zum Tragen in Anspruch und entwickelt dabei noch den erforderlichen Schwung von hinten, kommt es fast von selbst zur relativen Aufrichtung. Rückengänger
Verkrampft der lange Rückenmuskel, verkürzt sich dieser und der Rücken wird nach unten durchgedrückt. Wird dazu noch der Kopf hoch genommen, lässt die Spannung des Nackenbandes nach und die Dornfortsätze nähern sich aneinander an und können aneinander scheuern. Dies kann langfristig zu erheblichen Rückenschäden führt. Quelle: Denoix/Pailloux, Physiotherapie und Massage bei Pferden, 2. Aufl. 1997 Schenkelgänger (meist beim Dressurpferd) Als Spannrückengänger (Hyperflexion oder Rollkur ) bezeichnet man eine Kopf-Hals- Position bei der das Oberhalssystem extrem überspannt wird und der Rücken über den Wideristhebel extrem angehoben wird. Das Pferd verliert an Dynamik, da bei dieser Positionierung der Kopf-Hals-Achse die Hinterhand nicht richtig Schub aufbauen kann und sich der Schwerpunkt des Pferdes auf die Vorhand verlagert. Beim Schenkelgänger und Spannrückengänger verstärkt sich der mechanische Verschleiß im Bereich des Bindeund Stützgewebes erheblich. Schenkelgänger (meist beim Dressurpferd) Das physiologisch korrekt gerittene Pferd erkennt man demnach an einer kräftigen, aber lockeren Muskulatur. Der lange Rückenmuskel füllt die Mulde oberhalb der Rippen aus, so dass die Dornfortsätze nicht knochig nach oben sichtbar hervorstehen. Beim Freilaufen schwingt der Muskel taktmäßig mit ist auf keinen Fall druckempfindlich. Die Nackenmuskulatur ist deutlich ausgeprägt und die obere Halsmuskulatur füllt das Dreieck zwischen Halswirbeln und Mähnenkamm aus, das bedeutet, dass vor dem Schulterblatt keine deutliche Mulde sichtbar ist. Im Gegensatz dazu wirkt der Unterhals deutlich schmaler. Die Kruppe ist gut bemuskelt und von runder Form. Der Sattel sollte gut angepasst sein, d.h. die Kammerweite muss zum Widerrist des Pferdes passen. Der Schwerpunkt des Sattels muss mit dem des Pferdes übereinstimmen und gerade bei Pferden mit relativ kurzem Rücken sollte darauf geachtet werden, dass der Reiter nicht im Bereich der Lendenwirbelsäule zum Sitzen kommt.