5. Merkmale des Studiums
8 MERKMALE DES STUDIUMS Ausgewählte Ergebnisse im Überblick Fächerstruktur Studierende im Erststudium (in %) insg. Uni FH Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Ingenieurwissenschaften Mathematik/Naturwissenschaften Sprach- und Kulturwissenschaften Sozialwiss., -wesen/psychologie/pädagogik Medizin, Gesundheitswissenschaften Studienverlauf (Studierende in %) 7 6 9 8 9 7 6 7 6 8 Studiengangwechsel (nur Erststudium) 7 Studienunterbrechung (nur Erststudium) 6 Hochschulwechsel (nur Erststudium) weiterführendes Studium studienbezogener Auslandsaufenthalt (Studierende in höheren Semestern: FH ab 6, Uni ab 8) 9 8 Angestrebter Abschluss (Studierende in %) 6 FH-Diplom Uni-Diplom Magister Bachelor Master Staatsexamen Staatsexamen für ein Lehramt Promotion kein oder anderer Abschluss 5 < 5 9 < Rundungsdifferenzen möglich
MERKMALE DES STUDIUMS 9 Technische Hinweise Definitionen Fächergruppen Folgende Fächergruppen werden abweichend von der Systematik der amtlichen Statistik gebildet: Sprach- und Kulturwissenschaften (ohne die Studienbereiche Psychologie, Erziehungswissenschaften und Sonderpädagogik; einschl. die Fächergruppen Sport und Kunst, Kunstwissenschaften), Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (ohne Sozialwissenschaften und Sozialwesen) Mathematik, Naturwissenschaften (einschl. Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften), Medizin/Gesundheitswissenschaften (umfasst die Fächergruppen Humanmedizin/ Gesundheitswissenschaften und Veterinärmedizin ) sowie Sozialwissenschaften, Sozialwesen, Psychologie, Pädagogik. Studiengangwechsel Der Studiengangwechsel umfasst den Wechsel des Hauptstudienfaches, den Wechsel der Abschlussart oder den gleichzeitigen Wechsel von von Hauptstudienfach und Abschlussart. Studienunterbrechung Offizielle oder nichtoffizielle Unterbrechung des Studiums von mindestens einem Semester. Studierende höherer Semester Studentinnen und Studenten, die zum Befragungszeitpunkt an Fachhochschulen mindestens sechs Hochschulsemester, an Universitäten mindestens acht Hochschulsemester studieren. Postgraduale Studiengänge Dazu zählen ein Zweitstudium, ein weiterbildender Studiengang oder ein Promotionsstudium nach Abschluss eines Erststudiums. Bezugsgruppe Deutsche Studierende und studierende Bildungsinländer/innen. Datenquellen 8. Sozialerhebung, Fragen -7, 7-9 Statistisches Bundesamt, Fachserien Reihe, HIS-Absolventenstudien
MERKMALE DES STUDIUMS 5. Fächerstruktur und angestrebte Abschlüsse 5.. Veränderungen in der Fächerstruktur Die Fächerstruktur für Studierende im Erststudium hat sich gegenüber nur unwesentlich verändert. In den Ingenieurwissenschaften nahm der Anteil Studierender leicht zu und beträgt im Sommersemester 6 gut 7 %. Verglichen mit 99 liegt dieser Anteil jedoch um sieben Prozentpunkte niedriger (Bild 5.). Gesunken, wenn auch nur leicht, ist der Anteil der Studierenden in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen bzw. in Studiengängen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Nach einer Zunahme in den letzten Jahren wird damit wieder der Stand von Mitte der 99er Jahre erreicht. Die Anteile der Studierenden in den übrigen Fächergruppen bleiben gegenüber dem Jahr konstant (Bild 5.). Die Berücksichtigung der Bildungsinländer/innen, die seit dieser Sozialerhebung dem Berichtskreis der Sozialerhebung zugeordnet werden, hat keinen Einfluss auf die Verteilung der Studierenden nach Fächergruppen. Es existieren jedoch Unterschiede zwischen den Gruppen. So belegen Bildungsinländer/innen häufiger Studiengänge der Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften und sind seltener in den Sozial- bzw. Sprach- und Kulturwissenschaften zu finden. Die Zusammensetzung der Studieren- den nach einzelnen Fächergruppen und ihre Entwicklung hängen im Wesentlichen davon ab, wie sich die Studienanfängerzahlen in den einzelnen Fächergruppen verändern. Zwischen 998 und sind die Studienanfängerzahlen in fast allen Fächergruppen gestiegen und gingen danach deutlich zurück. Im Jahr 5 liegen sie dennoch über dem Stand der letzten Sozialerhebung (Bild 5.). Die Studienanfängerzahlen variieren mit den Fächergruppen. Seit (Studienjahr ) ist vor allem die Anzahl der Studienanfänger/innen in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gesunken. Ebenso ist ein Rückgang bei den Lehramtsstudiengängen zu beobachten. Eine deutliche Zunahme der Studienanfängerzahlen ist in den Ingenieurwissenschaften zu verzeichnen. Der Zuwachs beträgt im Vergleich zum Studienjahr zwei Prozentpunkte. Einen, wenn auch geringeren, Anstieg gab es in den übrigen Fächergruppen. Der nach festzustellende Anstieg der Studienanfänger/ innen in der Fächergruppe Medizin/Gesundheitswissenschaften (Bild 5.) ist vor allem darauf zurückzuführen, dass dieser Fächergruppe seit dem Wintersemester /5 auch die Gesundheitswissenschaften zugeordnet werden. Langfristig fallen vor allem drei Trends Das erklärt sich u.a. auch dadurch, dass seit dem Wintersemester /5 Studiengänge, die vorher diesem Bereich zugeordnet waren, der neu gebildeten Fächergruppe Medizin/Gesundheitswissenschaften zugeordnet werden.
MERKMALE DES STUDIUMS Bild 5. Studierende nach Fächergruppen Fächerstruktur Studierende im Erststudium, in % insgesamt Männer Frauen 9 8 6 7 7 8 8 6 6 6 9 7 6 9 8 6 7 7 5 7 5 5 5 5 5 5 9 8 8 8 7 7 5 7 8 7 7 8 8 6 6 6 8 7 7 7 9 9 997 99 99 6 6 8 9 9 9 8 997 99 99 6 8 997 99 99 6 Ingenieurwissenschaften Sprach- und Kulturwissenschaften Mathematik, Naturwissenschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Sozialwiss., -wesen/psychologie/pädagogik bis nur Deutsche, 6 inkl. Bildungsinländer/innen Rundungsdifferenzen möglich bis Human - und Veterinärmedizin, ab 6 einschl. Gesundheitswissenschaften DSW/HIS 8. Sozialerhebung auf: Trotz der prozentualen Abnahme des Anteils in der Fachrichtung Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in den letzten drei Jahren ist über den Zeitraum von 5 Jahren ein deutlicher Anstieg feststellbar. Demgegenüber nehmen die Anteile der Ingenieurwissenschaften über die- sen Zeitraum kontinuierlich ab und stabilisieren sich erst in den vergangenen drei Jahren wieder auf niedrigem Niveau. Die sinkenden Anteile erklären sich unter anderem dadurch, dass gerade potentielle Studienanfänger/innen in den Ingenieurwissenschaften sensibel auf Arbeitsmarktentwicklun-
MERKMALE DES STUDIUMS Bild 5. Studienanfänger/innen 98-5 an Universitäten und Fachhochschulen nach Fächergruppen in absoluten Zahlen 9 8 7 6 5 98 98 987 99 99 996 999 5 Sprach-/Kulturwissenschaften/Sport Rechts-/Wirtschafts-/Sozialwiss. Mathematik/Naturwiss./Informatik Medizin/Gesundheitswissenschaften Agrar-/Forst-/Ernährungswiss. Ingenieurwissenschaften Kunst Lehramtsstudiengänge DSW/HIS 8. Sozialerhebung ab 99 einschließlich neue Länder bis 998 deutsche Studierende, ab 999 inklusive Bildungsinländer/innen bis Human- und Veterinärmedizin, ab inklusive Gesundheitswissenschaften Quelle: StBA, Fachserie Reihe
MERKMALE DES STUDIUMS gen reagieren und sich deshalb konjunkturelle Krisen und industrieller Stukturwandel auf potentielle Studienanfänger/innen dieser Studiengänge auswirken (Minks, Pastohr/Wolter 5). Weiterhin fällt die alternierende Zu- bzw. Abnahme der Studienanfängerzahlen in den Lehramtsstudiengängen auf. Während sie zwischen den Studienjahren 998 und, wie schon zum Ende der 98er Jahre, deutlich anstiegen, fallen sie in den jeweils darauffolgenden Jahren wieder kontinuierlich ab (Bild 5.). 5.. Geschlechtsspezifische Unterschiede Auch im Sommersemester 6 unterscheiden sich Männer und Frauen hinsichtlich ihrer Studienfachwahl. Die Präferenzen ver- festigen sich gegenüber dem Studienjahr weiter. Die deutlichsten Unterschiede finden sich in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften und der Fächergruppe Sozialwissenschaften, Sozialwesen, Pädagogik und Psychologie (Bild 5.). Während in der letztgenannten Fächergruppe Studentinnen mit 7 % stark überrepräsentiert sind, überwiegen weiterhin die Männer in den Ingenieurwissenschaften deutlich. Vier von fünf der Studierenden dieser Fächergruppe sind männlich. Deutlich mehr Frauen als Männer sind in Studiengängen der Fächergruppen Sprach- und Kulturwissenschaften (65 %) und Medizin/Gesundheitswissenschaften (6 %) eingeschrieben. Allein in den medizinischen Studiengängen ist der Frauenanteil Bild 5. Studenten und Studentinnen je Fächergruppe Studierende im Erststudium, in % Männer Frauen Sozialwissenschaften/Pädagogik/Psychologie Sprach- und Kulturwissenschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften Rechtswissenschaften 5 6 5 7 65 6 55 Wirtschaftswissenschaften Mathematik/Naturwissenschaften 59 6 9 Ingenieurwissenschaften 8 9 DSW/HIS 8.Sozialerhebung
MERKMALE DES STUDIUMS von 59 % im Jahre auf 6 % im Jahre 6 gestiegen.umgekehrt gibt es überproportionale Männeranteile in den Wirtschaftswissenschaften (59 %) sowie in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern (6 %). Im Vergleich der Studienfächer nach Ländern zeigen sich kaum Unterschiede. Lediglich der Anteil an Ingenieuren/innen liegt in den neuen Ländern höher als in den alten. Studierende der Rechtswissenschaften sind inden alten Ländern sowohl als auch im Jahr 6 leicht überrepräsentiert. Alle anderen Fächergruppen weisen im Zeitvergleich nur marginale Unterschiede auf. Auch 6 bleiben bei den Geschlechtern die Unterschiede zwischen den alten und neuen Ländern erhalten. Wie vor drei bzw. sechs Jahren liegt der Anteil der Studentinnen in den neuen Ländern um knapp fünf Prozentpunkte höher als in den alten Ländern. Bemerkenswert ist, dass die vormals klassisch männlich dominierten Studiengänge der Medizin und der Rechtswissenschaften die stärksten Unterschiede aufweisen. Zwei von drei Rechtswissenschaftlern im Erststudium in den neuen Ländern sind Frauen, in den alten Ländern trifft das nur auf jeden zweiten zu. 7 % aller Studierenden der Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin aus den neuen Ländern sind Frauen, in den alten Ländern sind es immerhin noch 6 %. 5.. Angestrebte Abschlüsse Die in der Folge der Bologna-Beschlüsse eingeführte Studienstruktur wirkt sich erwartungsgemäß auf die angestrebten Abschlüsse der Studierenden aus. Auch wenn das Universitätsdiplom noch immer der am häufigsten genannte angestrebte Studienabschluss ist, nimmt aufgrund der fortschreitenden Umstellung der Anteil an Studierenden, die einen Bachelor-Abschluss anstreben, stark zu. Inzwischen sind % aller Studierenden dieser Gruppe zuzuordnen; waren es lediglich %. Die zunehmende Orientierung auf Bachelorabschlüsse geht mit einer Abnahme bei den klassischen Abschlüssen einher. So weisen Fachhochschul- ( %) und Universitätsdiplome ( %) sowie Magisterabschlüsse (9 %) einen leichten Rückgang gegenüber auf. Jeweils etwas mehr als ein Zehntel plant, das Studium mit einem Staatsexamen für ein Lehramt oder mit einem anderen Staatsexamen zu beenden (Bild 5.). Zwischen den Fachhochschulen und den Universitäten zeigen sich die erwarteten Unterschiede. An den Universitäten bleibt die Verteilung der angestrebten Abschlüsse relativ konstant. Hier wollen % der Studierenden mit einem Diplom abschließen, an den Fachhochschulen streben 78 % der Studierenden ein FH-Diplom an. Der deutliche Rückgang gegenüber erklärt sich aus starken Zunahme an Bachelorabschlüssen. Nahezu jede/r fünfte Studierende strebt an einer Fachhochschule
MERKMALE DES STUDIUMS 5 Bild 5. Studierende nach Art des angestrebten Abschlusses in % angestrebter Abschluss insgesamt davon Frauen Uni Fachhochschule Erststudium postgraduales Studium FH-Diplom 8 78 5 Uni-Diplom < Magister 9 6 < 9 Bachelor 8 8 8 Master 6 < 8 Staatsexamen 6 - Staatsexamen für ein Lehramt 66 6-9 Promotion 5 - - 5 anderer oder kein Abschluss 8 < < 5 Rundungsdifferenzen möglich DSW/HIS 8.Sozialerhebung diesen Abschluss an. Frauen unterscheiden sich in der Wahl der Studienabschlüsse von den Männern. Wenig überraschend ist der mit 66 % sehr hohe Anteil der Studentinnen, die ein Lehramt anstreben. In den Studiengängen, die mit einem Bachelor abschließen, sind Frauen leicht unterrepräsentiert. Noch geringer ist ihr Anteil unter Master-Studierenden (6 %), was zum Teil mit der Fächerstruktur zu erklären ist (vgl. HRK 6: 9). Von den Studierenden, die sich im postgradualen Studium befinden, stellen diejenigen die einen Doktortitel erlangen wollen, mit 5 % die größte Gruppe (Bild 5.). Bereits 8 % dieser Gruppe streben einen Mast- erabschluss an. Diese durch die Umstellung der Studiengänge in Gang gesetzte Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. Vor allem ist mit einem weiter ansteigenden Anteil an Abschlüssen aus Masterstudiengängen zu rechnen 5. Studienverlauf 5.. Studiengangwechsel Ein Studiengangwechsel gilt dann als vollzogen, wenn der ursprünglich angestrebte Abschluss, das Studienfach oder beides in Kombination gewechselt wird. Der Anteil der Studiengangwechsler/innen ist mit ca. % über die Jahre konstant geblieben. Nach wie vor gibt es deutliche Unter-
6 MERKMALE DES STUDIUMS schiede beim Studiengangwechsel zwischen den Studierenden der Hochschularten. Etwa % der Studierenden an Universitäten, aber nur 6 % der Studierenden an Fachhochschulen haben bereits einen Studiengangwechsel vollzogen (Bild 5.5). Wechselquoten nach Fächergruppen Um Aussagen über den Zusammenhang zwischen einem Studiengangwechsel und möglichen Einflüssen auf die Studieneffektivität machen zu können, bedarf es der Un- terscheidung der Wechselquoten nach Fächergruppen. Der Wechsel über eine Fächergruppe hinweg wirkt sich eher negativ auf die Effektivität des Studiums aus als ein Wechsel innerhalb der Fächergruppe, da die Anerkennung bisheriger Studienleistungen schwieriger ist und zudem weniger Anknüpfungspunkte an bisher erworbenes Studienwissen existieren. Bild 5.6 zeigt die Fächergruppen vor und nach einem Studiengangwechsel. Knapp zwei Fünftel der Studiengang- Bild 5.5 Studiengangwechsler/innen 6 in % Studierende im Erststudium 8 gewechselt 9 ja, Fach und Abschluss ja, Fach nicht gewechselt 9 ja, Abschluss Studierende an Universitäten Studierende an Fachhochschulen 78 gewechselt 8 6 gewechselt nicht gewechselt nicht gewechselt DSW/HIS 8.Sozialerhebung
MERKMALE DES STUDIUMS 7 Bild 5.6 Studiengangwechsel und Fächermobilität in % Fächergruppe nach dem Wechsel Fächergruppe vor dem Wechsel Ingenieurwiss. Sprach-/ Kulturwiss. Mathematik, Naturwiss. Medizin/ Gesundheitsw. Rechts- u. Wirtschaftswiss. Soz./Päd./Psy. Ingenieurwissenschaften Sprach- und Kulturwissenschaften Mathematik, Naturwissenschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Sozialw., -wesen/pädagogik/psychologie 55 8 6 6 9 7 9 7 9 6 9 9 6 7 8 7 DSW/HIS 8.Sozialerhebung wechsler/innen entscheiden sich für einen Wechsel innerhalb der Fächergruppe (9 %). Dieser Anteil variiert je nach Fächergruppe zwischen % in den medizinischen Disziplinen bis zu 55 % in den Sprach- und Kulturwissenschaften. Zeitpunkt des Studiengangwechsels Im Durchschnitt erfolgt der Studiengangwechsel nach drei Hochschulsemestern, wobei dieser Wert von einer Reihe deutlich höherer Semesterzahlen verzerrt wird. 58 % der Studiengangwechsel werden innerhalb des ersten Studienjahres vollzogen. Innerhalb der ersten drei Semester entscheiden sich knapp 7 % aller Studiengangwechsler/innen für einen Wechsel des Studienfaches, des Abschlusses oder für einen gemeinsamen Wechsel von Fach und Abschluss. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass drei von zehn Studiengangwechslern erst nach mehr als drei Semestern die Entscheidung zur Neuausrichtung ihres Studienziels fällen. Bei näherer Betrachtung dieser Gruppe wird deutlich, dass es sich vorwiegend um Studenten der Fächergruppen Ingenieurwissenschaften, Medizin sowie Rechts-und Wirtschaftswissenschaften handelt. Eine mögliche Erklärung für den späten Wechsel liegt in den vergleichsweise hohen Leistungsanforderungen und der Studiengestaltung der betroffenen Studiengänge begründet. Wird nach weiteren Einflüssen geprüft
8 MERKMALE DES STUDIUMS (Geschlecht, Alter, Nationalität, Region, Kinderzahl, Studiengebühren und Beratungsbedarf), bestätigt sich der Trend des signifikant späteren Zeitpunktes des Studienwechsels durch Studierende dieser Fächergruppen. Der Effekt tritt an den Universitäten und den Fachhochschulen gleichermaßen auf. 5.. Studienunterbrechung Im Sommersemester 6 weisen weniger Studierende im Erststudium eine Studienunterbrechung auf als (knapp % vs. %). Werden nur deutsche Studierende verglichen, die bis Bezugsgruppe der Sozialerhebung waren, fällt die Differenz mit drei Prozentpunkten noch deutlicher aus. Häufig hängen Studiengangwechsel und Studienunterbrechung zusammen. Verglichen mit den Studierenden im Erststudium, die den Studiengang nicht gewechselt haben, weisen Studiengangwechsler/innen eine dreimal höhere Unterbrecherquote auf. Insgesamt unterbrechen Studierende an Fachhochschulen etwas seltener ihr Studium ( %) als Studierende an den Universitäten ( %). Die Unterschiede zwischen Studierenden der alten und neuen Länder, die in allen vorangegangenen Sozialerhebungen festgestellt wurden, sind nicht mehr vorhanden. Sowohl in den neuen als auch den alten Ländern unterbrechen % der Studierenden ihr Studium. Zwischen Männern und Frauen gibt es ebenfalls keine signifikanten Unterschiede. Jeder achte männliche und jede achte weibliche Studierende im Erststudium hat das Studium einmal unterbrochen. Dauer und Gründe für eine Studienunterbrechung Die Gründe für eine Studienunterbrechung sind vielfältig. In der Regel führt sie zur Verlängerung der Studiendauer, muss jedoch nicht zwangsläufig die Qualität, die Studieninhalte und damit die Effektivität des Studiums mindern. Nachteilig wirken sich Unterbrechungen dann aus, wenn die Inhalte des bisherigen und des neuen Studienganges keine inhaltliche Überschneidung aufweisen. Vier von zehn Studierenden, die das Studium unterbrochen haben, pausierten ein Semester. Ein weiteres Viertel unterbrach das Studium für zwei Semester, knapp zehn Prozent legten eine Pause von drei Semestern ein. 9 Prozent aller Unterbrechungen dauern nicht länger als sechs Semester an. Wichtigster Unterbrechungsgrund ist, wie auch im Jahr, der Zweifel am Sinn des Studiums. Ein Viertel aller Studienunterbrecher/innen gibt dies als Grund an. Besonders häufig geschieht das bei Studierenden der Sprach- und Kulturwissenschaften sowie der Fächergruppe Sozialwissenschaften/ Sozialwesen/Pädagogik/Psychologie (Bild 5.7). Weitere Gründe für eine Studienunterbrechung, sind der Wunsch andere Erfah-
MERKMALE DES STUDIUMS 9 Bild 5.7 Gründe einer Studienunterbrechung nach Fächergruppe Studierende im Erststudium, in % Fächergruppe insgesamt Ingenieurwiss. Sprach- und Kuturwiss. Mathematik, Naturwiss. Medizin/ Gesundheitsw. Rechts- u. Wirtschaftswiss. Soz./Päd./ Psy. Unterbrecherquoten 9 7 Unterbrechungsgründe Zweifel am Sinn des Studiums andere Erfahrungen sammeln 5 8 Erwerbstätigkeit finanzielle Probleme 9 8 gesundheitliche Probleme familiäre Probleme Schwangerschaft/Kindererzieh. Wehr- und Zivildienst sonstige Gründe Mehrfachnennungen möglich 8 8 7 9 8 6 7 6 5 8 9 9 7 9 8 8 9 5 6 8 7 DSW/HIS 8. Sozialerhebung rungen zu sammeln, und die Erwerbstätigkeit (je %). Studienunterbrechungen aufgrund von Erwerbstätigkeit kommen besonders häufig bei Studierenden in höheren Semestern vor. Bei nicht wenigen Studierenden wächst gerade in höheren Semestern der wirtschaftliche Druck, weil die BAföG- Förderung ausläuft oder die Eltern die Zahlungen einschränken. Hierdurch sind Studierende eher gezwungen, selbst für ihren Unterhalt aufzukommen und deshalb einer Erwerbstätigkeit zur Studienfinanzierung nachzugehen (vgl. Kap.8 BAföG). Finanzielle Probleme, die von jedem fünften Studienunterbrecher als Unterbrechungsgrund angegeben werden, betreffen eher Männer (5 %) als Frauen ( %). Schwangerschaft bzw. Kindererziehung ist für % der Studienunterbrecher/innen Grund für eine Unterbrechung. Erwartungsgemäß unterbrechen vier von fünf Frauen, ihr Studium in einer Familiengründungs-
6 MERKMALE DES STUDIUMS phase. Gleiches trifft auf nahezu jeden vierten Studienunterbrecher dieser Gruppe zu ( %). Verglichen mit allen erwerbstätigen (werdenden) Vätern in Deutschland (vgl. Cornelißen 5:f.), ist diese Quote erstaunlich hoch und spricht einerseits für die Motivation der Väter, sich in der Elternphase über den Beruf hinaus in der Familie zu engagieren, andererseits aber auch für die Möglichkeiten, die die Ausbildungsform Studium im Falle einer Familiengründungsphase zulässt. Studierende der Herkunftsgruppe niedrig unterbrechen ihr Studium häufiger wegen finanzieller Probleme als alle anderen. Während Studierende der Herkunftsgruppe hoch nahezu doppelt so häufig als die der Herkunftsgruppe niedrig unterbrechen, um Erfahrungen außerhalb des Studiums zu sammeln (9 % vs. 6 %). 5.. Hochschulwechsel Der Anteil der Studierenden, die im Laufe ihres Studiums die Hochschule wechseln, ist in den letzten Jahren konstant geblieben. Er liegt auch 6 bei knapp %. Grundsätzlich kann sich ein Hochschulwechsel positiv auf die Erfahrungen und Qualifikationen der Studierenden auswirken. Die Daten der 8. Sozialerhebung zeigen jedoch, dass ein Studienfachwechsel, im Rahmen einer Studienunterbrechung oder eines Hochschulwechsels, meist in eine neue Fächergruppe führt (vgl. Kapitel 5..). Dadurch steigt das Risiko, bereits angeeignete fachspezifische Kompetenzen nicht angemessen transferieren zu können. Mehr als 6 % der Studierenden mit Fach- und Abschlusswechsel wechseln auch die Hochschule. Bei Studierenden, die nur ihren Studienabschluss ändern, wechselt Bild 5.8 Hochschulwechsel nach Art des Studiengangwechsels Studierende im Erststudium, in % kein Hochschulwechsel Hochschulwechsel nur Abschluss gewechselt nur Fach gewechselt Fach und Abschluss gewechselt 6 5 9 8 8 6 kein Studiengangwechsel 9 6 DSW/HIS 8. Sozialerhebung
MERKMALE DES STUDIUMS 6 knapp jeder zweite die Hochschule, 8 % der Studienfachwechsler studieren an einer anderen Hochschule weiter. Im Gegensatz dazu stellt der Hochschulwechsel bei Studierenden, die auf einen Studiengangwechsel verzichtet haben, die Ausnahme dar. Gerade einmal 6 % der Studierenden dieser Gruppe haben die Hochschule gewechselt (Bild 5.8). Auch nach Fächergruppen differenziert, variieren die Anteile der Hochschulwechsler. Seltener als der Durchschnitt entscheiden sich angehende Ingenieure/innen, Mathematiker/innen und Naturwissenschaftler/innen für einen Hochschulwechsel. Überproportional häufig wechseln Studie- rende der Sprach- und Kulturwissenschaften und der Fächergruppe Sozialwissenschaften, Pädagogik und Psychologie (Bild 5.9). Die Unterschiede im Wechselverhalten der Studierenden nach der Art der Hochschule haben sich angeglichen. Der Anteil der Hochschulwechsler/innen liegt sowohl an den Universitäten als auch den Fachhochschulen bei %. Unterschiede gibt es nach wie vor zwischen den Studierenden, die in den neuen oder den alten Ländern ihre Hochschulzugangsberechtigung erworben haben. Studierende aus den alten Ländern wechseln die Hochschule häufiger Bild 5.9 Hochschulwechsler/innen nach Fächergruppen und Region Studierende im Erststudium, in % Merkmal Anteil der Hochschulwechsler/innen Universität Fachhochschule insgesamt Fächergruppen Ingenieurwissenschaften Sprach- u. Kulturwissenschaften Mathematik, Naturwissénschaften Medizin/Gesundheitswissenschaften Rechts- und Wirtschaftswiss. Sozialwiss./Pädagogik/Psychologie Regionale Herkunft alte Länder neue Länder 7 8 6 8 7 7 insgesamt DSW/HIS 8.Sozialerhebung
6 MERKMALE DES STUDIUMS als Studierende mit einer Hochschulzugangsberechtigung aus den neuen Ländern ( % vs. %, Bild 5.9). Studierende mit niedrigerer sozialer Herkunft wechseln seltener die Hochschule als ihre Kommilitonen/innen aus der Herkunftsgruppe hoch ( % vs. 9 %). Gründe für einen Hochschulwechsel Die Motive, die Studierende zu einem Hochschulwechsel bewegen, sind unterschiedlich. Sowohl das Studienangebot (58 %), als auch der der Wunsch nach einem Studiengangwechsel (5 %) oder persönliche Gründe (58 %) werden ähnlich häufig genannt. In der nachfolgenden Übersicht werden die Antwortkategorien sehr starke bzw. starke Zustimmung der möglichen Wechselgründe zusammengefasst und nach Rangfolge der Antworthäufigkeiten aufgeführt: Wechselgründe Zustimmung in % Studienangebot 58 persönliche Gründe 58 Studiengangwechsel 5 Studienbedingungen 8 attraktivere Stadt Ruf der Hochschule 8 Lebenshaltungskosten Studienbeiträge Werden die Wechselmotive mit Hilfe einer Faktorenanalyse zusammengefasst, zeigen sich drei Gruppen, auf die sich die Gründe für einen Hochschulwechsel zurückfüh- ren lassen. Zum Ersten können studienbzw. karrierebezogene Motive zu einem Hochschulwechsel führen (Merkmale: Studienbedingungen, Studienangebot, Ruf der Hochschule). Zum Zweiten, wenn auch nur von einer relativ kleinen Gruppe der Wechsler/innen benannt, sind es finanzielle Motive (Lebenshaltungskosten, Studienbeiträge), und zum Dritten spielen private Gründe bei der Entscheidung für eine andere Hochschule eine Rolle (persönliche Gründe, Studiengangwechsel, attraktivere Stadt). Der Wechsel des Studienganges wird hier bei der Entscheidung für einen Hochschulwechsel bewusst in den Hintergrund gestellt. Unterschieden nach sozialer Herkunft zeigt sich, dass Studierende aus höheren Gruppen sozialer Herkunft seltener finanzielle Motive für einen Hochschulwechsel angeben als Studierende der Herkunftsgruppe niedrig. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass diese Aussagen aufgrund geringer Fallzahlen eher tendenziellen Charakter aufweisen. 5.. Postgraduale Studiengänge Zu den postgradualen Studiengängen gehören das Zweitstudium, weiterführende Studiengänge also Ergänzungs-, Zusatzoder Aufbaustudium und das Promotionsstudium. Etwa jeder zwölfte Studierende befindet sich in einem postgradualen Studium. Das gilt für deutsche Studierende und studierende Bildungsinländer/innen glei-
MERKMALE DES STUDIUMS 6 Bild 5. Anteile der Studierenden in postgradualen Studiengängen nach Hochschulart in % Universität im postgradualen Studium Fachhochschule im postgradualen Studium 8 Zweitstudium 5 Zweitstudium 9 Ergänzungsstudium 9 Promotion 97 65 Ergänzungsstudium im Erststudium im Erststudium DSW/HIS 8. Sozialerhebung chermaßen. Damit ist der Trend gegenüber dem Jahr, als sich jeder zehnte Studierende in einem postgradualen Studium befand, leicht rückläufig. An Universitäten bestehen mehr Möglichkeiten, einen weiterführenden Abschluss zu erlangen, als an Fachhochschulen. Dementsprechend fällt der Vergleich postgradualer Studiengänge nach Hochschularten zugunsten der Universitäten aus ( % vs. %). Auch die Formen des postgradualen Studiums unterscheiden sich deutlich nach besuchter Hochschulart (Bild 5.). Zur Aufnahme eines postgradualen Studiums können unterschiedliche Beweggründe führen. Einige Studierende nutzen ein weiterführendes Studium als Weiteroder Höherqualifizierung. Hierzu zählen insbesondere Studierende im Ergänzungsoder Promotionsstudium. In diesen Studien- arten befinden sich 8 % bzw. % der Studierenden im weiterführenden Studium. Ein Zweitstudium absolvieren etwa 9 % der Studierenden in einem postgradualen Studiengang. In dieser Gruppe dürften sich eher Studierende finden, die ein solches Studium als Zwischenlösung bis zum Berufseintritt nutzen. Die im Zweitstudium angestrebten Abschlüsse richten sich vor allem nach der bisher erreichten Qualifikation. Deutlich häufiger als noch geben Studierende mit einem Erstabschluss den Wunsch an, ihr weiterführendes Studium als Master abzuschließen (8 % vs. 5 %). Nahezu ein Drittel der Fachhochschulabsolventen/innen mit Diplom, die ein weiterführendes Studium aufgenommen haben, streben im Sommersemester 6 einen Masterabschluss an (Bild 5.).
6 MERKMALE DES STUDIUMS Bild 5. Studierende im postgradualen Studium nach Abschluss im Erststudium und angestrebtem Abschluss Zeilemprozente angestrebter Abschluss erworbener Abschluss FH-Diplom Uni-Diplom Magister Bachelor Master Staatsexamen o. LA Lehramt Promotion anderer Abschluss kein Abschluss FH-Diplom 7 5 7 5 5 Uni-Diplom 6 6 5 7 Magister 5 7 5 Bachelor Master 77 89 5 Staatsexamen (inkl. LA) anderer Abschluss 8 6 5 7 56 5 insgesamt 8 8 6 wegen geringer Fallzahlen sind hier nur Tendenzaussagen möglich DSW/HIS 8. Sozialerhebung Auch die überwiegende Mehrheit der Bachelorstudenten/innen, die ein postgraduales Studium aufnehmen, wählt als Studienziel den Master. Nur noch knapp jeder Zwanzigste möchte das postgraduale Studium mit einem Magistertitel abschließen. gab noch jeder Elfte dieses Ziel an. Die Zahlen bestätigen das Fortschreiten des Bologna-Prozesses, das sich hier in der Neuorientierung der angestrebten Bildungsabschlüsse manifestiert. Sieben von zehn Universitätsabsolventen/innen mit einem Diplom oder mit einem Magistertitel beabsichtigen, sofern sie ein weiterführendes Studium aufgenommen haben, dieses mit einer Promotion abzuschließen (je 7 %). Insgesamt vertritt fast jeder Zweite dieses Ziel (Bild 5.). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass viele Promotionsstudenten/innen nicht immatrikuliert sind und damit nicht zur Grundgesamtheit der Sozialerhebung gehören. 5..5 Studienbezogener Auslandsaufenthalt Seit 99 wird durch die Sozialerhebung festgestellt, dass der Anteil Studierender, die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt durchgeführt haben, kontinuier-
MERKMALE DES STUDIUMS 65 lich steigt (99: %, 997: 7 %, : 9 %, : %). 6 hat sich dieser Trend nicht fortgesetzt. Mit 9 % (Bild 5.) liegt der Anteil der Studierenden mit studienbezogenen Auslandserfahrungen in etwa auf dem Niveau von bzw.. Die ausgewiesene Quote gilt auch, wenn wie in den vorangegangenen Sozialerhebungen nur deutsche Studierende berücksichtigt werden. Diese Quotenberechnung basiert auf Studierenden in höheren Semestern. Ange- Studierenden in höheren Semestern. Angesichts der gegenwärtig nur leicht abgeschwächten Tendenz bleibt abzuwarten, ob die Zahl der Auslandsaufenthalte zukünftig weiter zurückgeht oder ob, etwa durch den Bologna-Prozess, neue Impulse gesetzt werden können. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in einem zentralen Punkt studienbezogener Auslandsaufenthalte, Studierende an Fachhochschulen ab dem 6. Semester, an Universitäten ab dem 8. Semester. Bild 5. Studienbezogene Auslandsaufenthalte und Auslandspläne Studierende in höheren Semestern, in % Studierende in höheren Semestern % ja 9 % studienbedingt im Ausland gewesen? nein 7 % Art des Auslandsaufenthaltes ja 8 % Aufenthalt während des Studiums geplant? nein 5 % immatrikuliert % Praktikum % Sprachkurs 7 % Sonstiges % eventuell % bestimmt % vorbereitet % Mehrfachnennungen möglich DSW/HIS 8. Sozialerhebung
66 MERKMALE DES STUDIUMS insgesamt Universität Fachhochschule Art des Auslandsaufenthaltes Studierende in höheren Semestern in % Auslandsstudium 9 8 Praktikum Sprachkurs 7 8 Sonstiges insgesamt 9 5 8 Mehrfachnennungen möglich dem Studium an einer ausländischen Hochschule, die Anteile der Studierenden seit 99 kontinuierlich gestiegen sind und sich im Jahr 6 auf dem Niveau der Ergebnisse der vergangenen Befragung stabilisieren. Frauen unternehmen auch 6 häufiger den Schritt zu einem studienbezogenen Auslandsaufenthalt. Von den Studentinnen waren % bereits im Ausland, von ihren Kommilitonen nur 5 %. Dieser Befund bestätigt sich auch unter Berücksichtigung der Fächerstruktur. Damit vergößert sich der Unterschied zwischen Frauen und Männern gegenüber um zwei Prozentpunkte. Studierende, die ihre Hochschulreife in den neuen Ländern erworben haben, gehen nicht signifikant seltener studienbezo- gen ins Ausland als Studierende mit einer Hochschulzugangsberechtigung aus den alten Ländern. Noch waren Studierende mit einer in den alten Ländern erworbenen Hochschulreife deutlich häufiger im Ausland als ihre Kommilitonen/innen mit einer Hochschulreife aus den neuen Ländern. Die Veränderungen in der Studienstruktur führen an Fachhochschulen offensichtlich nicht dazu, ein stärkeres Auslandsengagement zu entwickeln. Während der Anteil der Studierenden mit einem studienbezogenen Aufenthalt an Universitäten, wie auch schon, bei % liegt, verringert sich der Anteil dieser Gruppe an Fachhochschulen (: %, 6: 8 %). Dieser Unterschied zeigt sich in allen Formen des studi- Auslandsaufenthalt nach Fächergruppen insgesamt Universität Fachhochschule Studierende in höheren Semestern in % Sprach- und Kulturwissenschaften 8 Rechts- und Wirtschaftswissenschaften 8 Medizin/Gesundheitswissenschaften 9 Mathematik, Naturwissenschaften 7 9 8 Sozialwiss./Pädagogik/Psychologie Ingenieurwissenschaften 6 7
MERKMALE DES STUDIUMS 67 enbezogenen Auslandsaufenthaltes. Besonders ausgeprägt ist er aber bei den Studienaufenthalten: 9 % der Studierenden in höheren Semestern an den Universitäten, aber nur 8 % der Studierenden an Fachhochschulen haben einen Abschnitt ihres Studiums im Ausland absolviert. Ein deutlicher Unterschied besteht auch bei den geleisteten Auslandspraktika. Die Chance, ein Auslandspraktikum zu belegen ist für Studierende der Universitäten deutlich höher als für Studierende an Fachhochschulen ( % vs. %). Die spezifische Fächerstruktur der Fachhochschulen reicht allein als Erklärung für die Unterschiede nicht aus. Vielmehr gibt es eine Überlagerung verschiedener Faktoren, die die Realisierung eines Auslandsaufenthaltes beeinflussen. Von Bedeutung ist u. a. die durchschnittlich niedrigere soziale Herkunft der Studierenden an Fachhochschulen. Hinter einer niedrigeren sozialen Herkunft verbergen sich i.d.r. geringere finanzielle Möglichkeiten der Eltern. Von den Studierenden, die der sozialen Herkunftsgruppe niedrig" zuzuordnen sind, haben 7 % einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert, von den Studierenden der höchsten Herkunftsgruppe sind es 7 %. Die Chance für Studierende, deren Eltern einer höheren sozialen Gruppe zuzuordnen sind, einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt zu realisieren, ist damit mehr als doppelt so hoch im Vergleich zu Studierenden mit niedriger sozialer Herkunft. So tragen auch die Auslandsaufent- halte dazu bei, soziale Ungleichheiten zu produzieren, indem sie Absolventen unterschiedliche Wettbewerbschancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnen. Die Unterschiede in den einzelnen Fächergruppen erklären sich zum Teil aus den oben aufgeführten Unterschieden in der Fächerstruktur zwischen Fachhochschulen und Universitäten. Die Unterschiede, zeigen jedoch auch, inwieweit der Aufbau einzelner Studiengänge die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes während des Studiums erleichtert. Weiterhin spielt eine Rolle, wie nützlich Studierende einen Auslandsaufenthalt in Bezug auf studienbegleitende Erfahrungen und Erwerbschancen nach Studienabschluss einschätzen. Sonderauswertungen der HIS-Absolventenbefragungen zeigen, dass ein Auslandsstudium die Studiendauer nicht zwangsläufig verlängert. Gerade in Fächern der Sprach- und Kulturwissenschaften wird ein Studienaufenthalt im Ausland als sehr viel nützlicher angesehen als in anderen Studienfächern. Dagegen ist es in stärker reglementierten Fächern schwerer, einen Studienabschnitt im Ausland in das Studium zu integrieren, ohne dadurch das Studium zu verlängern. % der Studierenden, die ein Fach der Sprach- und Kulturwissenschaften studieren, haben einen Teil ihres bisherigen Studienweges im Ausland zurückgelegt. Bei Studierenden der Ingenieurwissenschaften waren es %.