Probeklausur Management Accounting



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Transkript:

TECHNISCHE UNIVERSITÄT MÜNCHEN Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Lehrstuhl für Controlling Prof. Dr. Gunther Friedl Probeklausur Management Accounting Allgemeine Hinweise zu allen Aufgaben: Prüfen Sie, ob Ihre Klausurangabe (inkl. Deckblatt) 7 leserlich bedruckte Seiten (4 Aufgaben) enthält. Andernfalls verlangen Sie bitte ein anderes Exemplar. Bitte benutzen Sie nur den Bearbeitungsbogen zur Beantwortung der Fragestellungen. Achten Sie darauf, dass die Aufgaben eindeutig beschriftet sind! Die Bearbeitungsdauer beträgt insgesamt 120 Minuten. Als Hilfsmittel sind ein nicht programmierbarer Taschenrechner erlaubt sowie ein Wörterbuch für Austauschstudenten. Bei Unterbrechung der Bearbeitungszeit ist der Klausurbogen und Bearbeitungsbogen bei der Aufsichtsführung zu hinterlegen. Das Mitbringen von Mobiltelefonen ist nicht gestattet. Bei Täuschungshandlungen oder beim Auffinden unerlaubter Hilfsmittel wird die Prüfungsleistung als nicht ausreichend (5,0) gewertet. Sollten Sie benötigte Ergebnisse einer Teilaufgabe nicht haben, treffen Sie bitte logische Annahmen. Ergebnisse soweit nötig bitte auf zwei Stellen nach dem Komma runden. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg! Name: Vorname: Matrikel-Nr.: Studiengang: Semester: Aufgabe 1 2 3 4 Gesamt Punkte 22 38 30 30 120 Note

Seite 2 Aufgabe 1: Verschiedene Teilgebiete des Management Accounting (22 Punkte) 1.1 Unter welchen Umständen unterscheidet sich der Gewinn in der Vollkostenrechnung von dem in der Teilkostenrechnung? Wie ist dies zu erklären? (6 Punkte) 1.2 Wie kommt eine Abweichung 2. Grades zustande? Nennen Sie drei Verfahren der Zurechnung dieser Abweichung. (5 Punkte) 1.3 Beschreiben Sie die Zielsetzungen des Target Costing. Würde sich das Target Costing zum Einsatz in der Automobilindustrie eignen? Begründen Sie Ihre Antwort. (5 Punkte) 1.4 Vergleichen Sie den investitionstheoretischen Ansatz der Kostenrechnung mit der Prozesskostenrechnung anhand dreier von Ihnen gewählter Kriterien. (6 Punkte)

Seite 3 Aufgabe 2: Mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung (38 Punkte) Die HöWu AG produziert seit vielen Jahren verschiedene Fleischprodukte. Derzeit werden die Produkte Nürnberger Grillwürste, Fürther Käsewürste und Münchner Weißwürste produziert. Folgende Informationen liegen Ihnen über Preise und Einzelkosten (Löhne und Material) vor: Nürnberger Fürther Münchner Preis [Euro] 2,50 3 2 Einzelkosten (Löhne und Material) [Euro] 2,20 1,60 1,35 Die Produkte Nürnberger Grillwürste und Fürther Käsewürste werden in der Kostenstelle I produziert, die Münchner Weißwürste in der Kostenstelle II. Es liegen folgende Informationen über die Fertigungsgemeinkosten in den Kostenstellen vor: FGK Variabel [Euro] Fix [Euro] Kostenstelle I 6.000 7.500 Kostenstelle II 3.600 3.000 Die HöWu AG unterteilt ihr Absatzgebiet in die zwei Regionen Bayern und Franken. Die Produkte werden über selbstständige Supermärkte vertrieben, für die die HöWu AG einen Fixkostenanteil übernimmt und zum anderen Provisionen zahlt. Die Fixkosten betragen in Bayern 1500 Euro und in Franken 2500 Euro. Die Provisionen verteilen sich wie folgt auf die Produkte und Regionen: Provisionen auf den Umsatz Nürnberger Fürther Münchner Bayern 15 % 8 % 7 % Franken 5 % 8 % 18 % Weiterhin fallen fixe Kosten für die Unternehmensleitung in Höhe von 3.000 Euro an.

Seite 4 Die Absatz- und Herstellmengen der Produkte in den beiden Regionen betragen: Produkt Region Menge Nürnberger Bayern 5.000 Franken 10.000 Fürther Bayern 7.500 Franken 7.500 Münchner Bayern 10.000 Franken 8.000 2.1 Berechnen Sie die variablen Fertigungsgemeinkosten pro Stück für die drei Produkte. Verteilen Sie dazu die Fertigungsgemeinkosten von KSt I entsprechend der Fertigungszeiten. (3 Punkte) Produkt Fertigungszeit [min] Gesamte Menge Nürnberger 1 15.000 Fürther 1,5 15.000 2.2 Führen Sie eine mehrfach gestufte Deckungsbeitragsrechnung durch. Sie vermuten insbesondere, dass das Produkt Nürnberger Grillwürste in Bayern und das Produkt Münchner Weißwürste in Franken einen negativen Erfolgsbeitrag leistet. Verwenden Sie daher die Hierarchie: Kostenstellen Produkte Regionen. (23 Punkte) 2.3 Welche Empfehlung würden Sie hinsichtlich der Sortimentspolitik abgeben? Begründen Sie Ihre Ansicht. (2 Punkte) 2.4 Welche Hierarchie müsste Ihre Deckungsbeitragsrechnung aufweisen, um eine möglichst genaue Analyse der Erfolgsbeiträge der beiden Regionen zu erhalten? Welche Kosten können dadurch anders als in Aufgabe 2.2 auf beide Regionen verteilt werden? (4 Punkte) 2.5 Nennen Sie zwei Unterschiede und zwei Gemeinsamkeiten zwischen der Grenzplankostenrechnung und der Relativen Einzel- und Deckungsbeitragsrechnung nach Riebel. (6 Punkte)

Seite 5 Aufgabe 3: Prozesskostenrechnung (30 Punkte) Ihr Unternehmen produziert ein Produkt in den drei Varianten A, B und C. Folgende Plandaten liegen Ihnen für die nächste Periode vor: Variante Absatzpreis [ /Stück] Planherstellmenge Fertigungseinzelkosten [ /Stück] Materialeinzelkosten [ /Stück] A 160 150 20 15 B 240 120 30 25 C 200 200 40 10 In der Materialkostenstelle werden in der folgenden Periode Materialgemeinkosten in Höhe von 72.000 Euro anfallen. Eine Funktionsanalyse ergab, dass sich diese Gemeinkosten auf drei Arten von leistungsmengeninduzierten (lmi) Prozessen zurückführen lassen, die entweder von der Ausbringungsmenge oder der Anzahl von Produktvarianten abhängen. Dabei handelt es sich um die Prozesse Wareneingang, Qualitätskontrolle und Lagerung. Leistungsmengenneutrale Kosten wurden nicht identifiziert. Prozessart Planprozessmenge geplante Gesamtkosten der Planprozessmenge [Euro] ausbringungsmengenabhängige Prozessmenge variantenzahlabhängige Prozessmenge Wareneingang 1.000 18.000 200 800 Kontrolle 1.000 30.000 1.000 0 Lagerung 3.000 24.000 750 2.250 3.1 Bestimmen Sie die leistungsmengeninduzierten Prozesskostensätze für die drei Prozesse. (3 Punkte) 3.2 Bestimmen Sie die ausbringungsmengenabhängigen sowie die variantenzahlabhängigen Materialgemeinkosten pro Stück für jede der beiden Varianten mithilfe eines prozessorientierten Ansatzes. Bestimmen Sie mit diesen die gesamten Materialgemeinkosten pro Stück für jede der beiden Varianten. (15 Punkte)

Seite 6 3.3 Bestimmen Sie die variablen Herstellkosten pro Stück der drei Varianten. Verwenden Sie für die variablen Materialgemeinkosten Ihr Ergebnis aus 3.1. Dabei sind die ausbringungsmengenabhängigen Materialgemeinkosten als variabel, die variantenzahlabhängigen Materialgemeinkosten als fix zu betrachten. Es fallen keine variablen Fertigungsgemeinkosten an. (3 Punkte) 3.4 Es ist geplant, in der nächsten Periode von jeder der drei Varianten 200 Stück abzusetzen. Ermitteln Sie den geplanten Periodenerfolg mithilfe eines Umsatzkostenverfahrens auf Teilkostenbasis. Es fallen fixe Fertigungsgemeinkosten in Höhe von 5.000 Euro an. (Hinweis: Wenn Ihnen Werte aus Aufgabe 3.3 fehlen, nehmen Sie für die variablen Herstellkosten folgende Werte an: Produkt A: 100 Euro, Produkt B: 110 Euro, Produkt C: 120 Euro ) (9 Punkte)

Seite 7 Aufgabe 4: Preisuntergrenzen (30 Punkte) Der IT-Hersteller Peach AG plant in die Vermarktung und die Produktion eines neuen Smartphones zu investieren. Die Vermarktung des Produktes ist nach fünf Perioden geplant. Im Zeitpunkt 0 muss eine Maschine zu einem Preis von 10.000.000 angeschafft werden. Zum Zeitpunkt 0 starten die intensiven Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die einen kontinuierlichen Zahlungsstrom von 1.000.000 je Periode bis zum Ende von Periode 5 verursachen. Zum Zeitpunkt 2 entsteht eine fixe Auszahlung von 1.500.000. Nach insgesamt fünf Perioden Vorlauf wird geplant, das Produkt drei Perioden lang zu produzieren und abzusetzen. In allen Absatzperioden entsteht ein kontinuierlicher variabler Auszahlungsstrom in Höhe von 150 je verkaufter Einheit. Insgesamt werden 100.000 Einheiten je Periode gefertigt. 4.1 Gehen Sie zunächst von einem kalkulatorischen Zinssatz von 0 % aus. Wie hoch ist die Preisuntergrenze für eine verkaufte Einheit in einer Voll- und in einer Teilkostenrechnung nach der traditionellen Kostenrechnung? (6 Punkte) 4.2 Unterstellen Sie nun eine kontinuierliche Verzinsung von 10 %. Bestimmen Sie die Preisuntergrenzen nach dem investitionstheoretischen Ansatz der Kostenrechnung zu folgenden Zeitpunkten: vor dem Kauf der Maschine zum Zeitpunkt 0 vor der Auszahlung zum Zeitpunkt 2 zum Zeitpunkt 7. (18 Punkte) 4.3 Erläutern Sie die Zielsetzung und die Grundprinzipien des investitionstheoretischen Ansatzes. (6 Punkte)