Politik Mara Rebmann / Juliane Marmuth Transformation als historischer Prozess Karl Polanyi Studienarbeit
Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung...1 2. Das internationale System...2 2.1 Der hundertjährige Friede...2 2.2 Die konservativen 20er und die revolutionären 30er Jahre...3 3. Marktwirtschaft und Industrielle Revolution...3 3.1 Die Industrielle Revolution...5 3.2 Die Entwicklung des Marktwesens...6 3.3 Der selbstregulierende Markt und die fiktiven Waren: Arbeit, Boden, Geld...7 4. Das Speenhamland-System, 1795...8 4.1 Kritik am Speenhamland-System...10 5. Der Selbstschutz der Gesellschaft...11 5.1 Die Gefährdung der Gesellschaft...11 5.1.1 Die Marktwirtschaft und der selbstregulierende Markt...11 5.1.2 Der Warencharakter der menschlichen Arbeit...11 5.1.3 Grund und Boden...12 5.1.4 Der Goldstandard...12 5.2 Der Protektionismus...13 5.3 Das Scheitern der Marktwirtschaft...15 6. Das Scheitern des selbstregulierenden Marktes als Ursache für den Faschismus...16 6.1 Der Faschismus...17 7. Polanyi: Fazit und Kritik...18 8. Kritik...19 9. Fazit...22 10. Quellenangaben...23 11. Anhang...24
1. Einleitung The Great Transformation diese Begrifflichkeit beschreibt den Übergang von integrierten Gesellschaften zur nicht integrierten Gesellschaft vom Typ der freien Marktwirtschaft. Polanyi geht von der These aus, dass erst die Herausbildung einer liberalen Marktwirtschaft mit ihrem freien Spiel der Kräfte zu jener charakteristischen Herauslösung und Verselbständigung der Ökonomie gegenüber der Gesellschaft geführt hat, die historisch ein Novum darstellt und die bürgerliche Gesellschaft von allen anderen Gesellschaftsformationen unterscheidet. 1 Mit dieser Hausarbeit sollen die komplexen Wandel der Gesellschaften durch die Wechselwirkung mit der Wirtschaftsordnung an Hand von Polanyis Werk The Great Transformation deskriptiv erläutert und diskutiert werden. Hierbei werden seine Thesen aufgegriffen und aus seiner Sicht erklärt. Der erste Unterpunkt bildet Das internationale System. Der erste Abschnitt Der hundertjährige Friede erläutert die These, dass die Organisation des Friedens auf der Organisation der Wirtschaft beruht. Die konservativen 20er und revolutionären 30er Jahre zeigen den Zusammenbruch der internationalen Wirtschaftsordnung als Grundursache der Krise, der mit dem Zerfall des Goldstandards die Transformation einer ganzen Zivilisation bedeutet. Der folgende Gliederungspunkt Marktwirtschaft und Industrielle Revolution mit den Unterpunkten Die Industrielle Revolution, Die Entwicklung des Marktwesens und Der selbstregulierende Markt und die fiktiven Waren: Arbeit, Boden, Geld erklärt erst, dass die maschinelle Produktion in einer kommerziellen Gesellschaft die Transformation dieser in Waren mit sich bringt und durch die Umgestaltung des Wirtschaftssystem eine Umgestaltung der Gesellschaft erforderlich ist. Die Warenfiktion von Arbeit, Boden und Geld wird dabei Organisationsprinzip der Gesellschaft. Der nächste Punkt ist das Speenhamland-System, 1795, in dem erst das Speenhamlandgesetz gegen die Errichtung eines Arbeitsmarktes aufgezeigt, seine Folgen erklärt und kritisiert werden. Im fünften Punkt Der Selbstschutz der Gesellschaft baut auf der These auf, dass die Selbstregulierung des Marktes die Gesellschaft zerstört. Hier wird erst Die Gefährdung der Gesellschaft an Hand von Die Marktwirtschaft und der selbstregulierende Markt, Der Warencharakter der menschlichen Arbeit, Grund und Boden und Der Goldstandard aufgezeigt. Der Protektionismus beschäftigt sich dann folgend mit den sozialen Schutzmaßnahmen als Begleiterscheinungen eines angeblich selbstregulierenden Marktes. Abgeschlossen wird dieser Themenbereich mit Das Scheitern der Marktwirtschaft, indem das Versagen der Marktutopie als der Auslöser der großen Transformation erläutert wird. Der nächste Themenpunkt übernimmt diese Problematik und setzt sie als Ursache für 1 vgl. Polanyi, The Great Transformation, Klappentext 1
den folgenden Faschismus. Der Faschismus wird im Unterpunkt einzeln betrachtet als eine latente politische Möglichkeit und jederzeit mögliche emotionelle Reaktion. Der siebte Punkt fasst abschließend Polanyis Fazit und Kritik zusammen. Im letzten Punkt dieser Hausarbeit wird Polanyis Argumentation kritisch Betrachtet. Um diese Kritik fundieren zu können, wird auf die Zivilisationstheorie von Norbert Elias Bezug genommen, der den Transformationsprozess soziologisch erklärt. 2. Das internationale System 2.1 Der hundertjährige Friede Zu Beginn seines Werkes geht Polanyi davon aus, dass die Welt des 19. Jahrhunderts auf vier zentralen Einrichtungen beruht. Zum einen herrscht ein Kräftegleichgewicht vor, das in der Lage war lange Kriege zu verhindern. Der Goldstandard, als Symbol einer einmaligen Form der Weltwirtschaft, wurde im 19. Jahrhundert eingeführt. Der selbstregulierende Markt brachte eine bis dahin ungekannte Form des Wohlstandes. Die letzte bedeutende Einrichtung war der liberale Staat. 2 Den wichtigsten Faktor sah Polanyi im Goldstandard, denn sein Niedergang sollte die unmittelbare Ursache für die Katastrophe sein. Die Quelle des ganzen Systems ist der selbstregulierende Markt, der gleichzeitig Anstoß für die spezifische Zivilisation war. Polanyi vertritt die Ansicht, [ ]dass die Idee eines selbstregulierenden Marktes eine krasse Utopie[ ] 3 sei. Denn dieser kann nicht über einen längeren Zeitraum bestehen, ohne die Gesellschaft zu vernichten. Durch das Zusammenwirken einer großen Anzahl eigenständiger Faktoren entstehen Zivilisationen. Somit ist diese nicht auf eine feste Einrichtung zurückführbar. Dabei ist die Zivilisation des 19. Jahrhunderts einmalig, denn sie beruhte auf bestimmten institutionellen Mechanismen. 4 Eine Besonderheit war die Zeit von 1815 bis 1914. 5 Die bis dahin häufigen und normal gewordenen Kriege, wurden von einer Ära des Friedens abgelöst. Ein wichtiger Faktor für dieses war, dass nun ein Interesse am Frieden vorherrschte, weil dieser wichtig für die Volkswirtschaften war. Die Träger des Friedens waren Monarchen und Feudalherren. 6 Dabei war ein wichtiger Faktor das internationale Kräftegleichgewicht. Doch auch dieses kann gestört werden. Es muss also noch einen weiteren wichtigen Faktor geben. Diesen sieht Polanyi in der Hochfinanz. Diese war im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts das Bin- 2 vgl. Polanyi, The Great Transformation S.19 3 Polanyi, The Great Transformation S.19 4 vgl. Polanyi, The Great Transformation S.20 5 Polanyi, The Great Transformation S. 21 6 vgl. Polanyi, The Great Transformation S.24 2