Gätjen Lotta lernt essen
Die Autorin Edith Gätjen ist Ökotrophologin und tätig beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB). Sie arbeitet dort u. a. als Dozentin im Bereich Säuglings- und Kinderernährung und bildet ErnährungsberaterInnen aus. Sie hat selbst vier Kinder und ein Enkelkind Lotta! Die Autorin lebt in der Nähe von Köln. Für Lotta, Pauline und Lennart Danke Bram, Justus, Frieder und Philine
Edith Gätjen Lotta lernt essen Stillen, Milch und Babybreie: Der Ratgeber fürs wirkliche Leben
Inhalt 6 Vorwort SPECIAL 7 Alles für einen guten Start 8 Die Ernährung in der Schwangerschaft 8 Gesundheit für Sie und Ihr Kind 11 Inhaltsstoffe unserer Nahrung 18 Besonders wichtige Nährstoffe 24 Gut ernährt durch die Woche 28 Die Ernährung in der Stillzeit 28 Besondere Bedürfnisse 29 Ihr Energiebedarf während der Stillzeit 30 Gute Qualität der Muttermilch 38 Für die ersten Monate: Milch 39 Ganz natürlich stillen 39 Ein gelungener Start 42 Stillen Lust statt Last? Lauter Gründe fürs Stillen 53 Industrielle Säuglingsnahrung 53 Welche Milch ist die richtige? 63 Beikost 64 Was heißt eigentlich Beikost? 64 Umgewöhnung in kleinen Schritten 68 Fast Food oder Slow Food Konserve oder frisch? 76 Essen vom Löffel, Trinken aus dem Glas 12 Katrin ist schwanger und merkt es auch 22 Katrin ist schwanger und den ganzen Tag unterwegs 37 Katrin stillt sie muss essen 45 Katrin stillt was ihr und Lotta hilft 51 Lotta hat keine Blähungen mehr 56 Christian gibt Lotta die Flasche 70 Lotta lernt Löffeln Lotta isst nicht 79 Lotta kann löffeln Lotta isst aber nicht oder nur wenig 92 Lotta macht die Nacht zum Tag 106 Lotta ist unterwegs 116 Für alle kochen in einem Topf 127 Lottas erster Geburtstag 138 Alle essen aus einem Topf 4
Inhalt 86 Der Beikostfahrplan 87 Der Weg zur ersten Breimahlzeit 89 Der Tagesablauf Katrin stillt Lotta Muttermilch, maßgeschneidert Hunger, Durst und das Bedürfnis nach Nähe und Hautkontakt STILL TEE 96 Lebensmittel für die Beikost 96 Was ist in der Nahrung drin? 97 Gemüse 99 Obst 101 Getreide 102 Milch 103 Fleisch/Fisch 104 Fette 108 Getränke 109 Rezepte 115 Auf Vorrat zubereitet 118 Allergieprävention im ersten Lebensjahr Für alle kochen: Kartoffeln + Spinat pürieren: für: Lotta Ein Topf als Auflauf: mit Gewürzen, Sahne + Lachs für: Katrin & Christian Mit Beginn der Beikost fängt das Familienessen an. Einfache Zutaten werden unterschiedlich zubereitet und angeboten. 121 Brei und was dann? 122 Püriert oder nicht püriert? 122 Beikost 2.0 für Breiliebhaber 123 Die Liebhaber von Nichtpüriertem 124 Worauf kommt es denn an? 129 Alles erlaubt? 129 Essensalltag mit Kindern 131 Neues entdecken 133 Regeln gehören dazu 140 Stichwortverzeichnis 5
Liebe Leserinnen, liebe Leser mit diesem Buch möchte ich Ihnen Orientierung geben hin zu einer individuellen Ernährung Ihres Kindes und diese beginnt schon im Mutterleib! So läuft die kleine Lotta von Anfang an durch dieses Buch und entdeckt spielerisch ihren eigenen Essensstil. Daher verstehe ich Lotta lernt essen mehr als einen Leitfaden oder ein persönliches Lösungsbuch, weniger als einen Ratgeber im engeren Sinne, denn Sie kennen sich, Ihr Kind und Ihre Bedürfnisse am besten. Vertrauen Sie sich und Ihrem Kind! Da mir die individuelle Ernährungsweise eines jeden Menschen sehr wichtig ist, lege ich in der Beratung primär den Focus darauf, die Menschen zu beraten, weniger die offiziellen Empfehlungen, die dennoch die Grundlage sind. Diese Grundlagen sind die aktuellen Empfehlungen von Gesund ins Leben Netzwerk Junge Familie, herausgegeben vom AID, gefördert vom BMELV. 25 Jahre Erfahrung in der Elternarbeit und die persönliche Erfahrung mit 4 Kindern und der Enkeltochter Lotta sowie Erkenntnisse zur Entwicklungsphysiologie und -psychologie bei Säuglingen haben mir sowohl den Horizont geöffnet als auch mich motiviert, Lösungsmöglichkeiten für das wahre Leben zu suchen und zu finden, die die Ernährungslehre allein nicht bieten kann. Liebe Pauline (Katrin), lieber Lennart (Christian), ich danke Euch für Lotta! Liebe Lotta, Deine Ankunft war Überraschung pur, Dein Auftritt ist wahrer Genuss! Bergisch Gladbach, im Sommer 2011 Edith Gätjen 6
Alles für einen guten Start Schon in der Schwangerschaft und Stillzeit legen Sie mit Ihrer eigenen Ernährung den Grundstein für die gesunde Ernährung Ihres Kindes.
Alles für einen guten Start Die Ernährung in der Schwangerschaft Ein neuer Lebensabschnitt beginnt! Machen Sie das Beste daraus, genießen Sie die Zeit und freuen Sie sich auf Ihr Kind! Die Gelegenheit ist günstig, der Zeitpunkt perfekt, um alte Gewohnheiten durch neue zu ersetzen zu Ihrem Wohl und zum Wohl Ihres Kindes! Sie werden feststellen, dass Sie nicht allein sind, die Umgebung nimmt rege teil und wird Sie mit zahlreichen gut gemeinten Ratschlägen versorgen, die aber hinterfragt werden können. Sie hören zum Beispiel: Die Gesundheit des Kindes liegt in Ihren Händen, Das Kind holt sich das, was es braucht, Jedes Kind kostet einen Zahn und einen Zopf oder Du musst jetzt für zwei essen. Dies ist sicher nur eine kleine Auswahl es gibt noch jede Menge mehr und aus der Erfahrung heraus kann ich Ihnen versichern, dass, wenn das Kind erst einmal geboren ist, der Strom der Ratschläge nicht abreißen wird. Hinterfragen, annehmen oder ignorieren? Gesundheit für Sie und Ihr Kind Das, was Sie jetzt essen und trinken, geben Sie an Ihr Kind weiter. Dabei gibt es Dinge, die das Wachstum und die Gesundheit Ihres Kindes fördern und andere, wie z. B. Genußmittel (Alkohol, Nikotin, Koffein ), die das gute Gedeihen behindern könne. Auf das Maß kommt es an. Die Gesundheit des Kindes liegt in Ihren Händen. Aber: Die Gesundheit Ihres Kindes hängt von Ihrer eigenen Gesundheit ab. Das, was normalerweise nur für Sie ungesund ist, z. B. Alkohol- oder Nikotingenuss, schadet nun auch Ihrem ungeborenen Kind. 8
Die Ernährung in der Schwangerschaft Ihr Kind ist weder in der Lage, schädigende Stoffe oder ungesunde Nahrungsmittel in gute zu verwandeln noch kann es sagen das mag ich nicht! oder es bekommt mir nicht!. Ihr Kind isst und trinkt, was Sie essen und trinken. Gut ernährt durch die Schwangerschaft heißt für Sie, nicht nur Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen, sondern auch Verantwortung für Ihr Kind nicht nur bis zur Geburt, sondern für sein ganzes Leben. Bereits im Mutterleib beginnt die Programmierung des Stoffwechsels. Hier werden schon die Weichen gestellt für das mögliche Auftreten von Zuckerkrankheit (Diabetes), Übergewicht (Adipositas) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus beginnt bereits im Mutterleib die Entwicklung des kindlichen Geschmacksinns. Denn das, was die schwangere Frau genießt und schmeckt, schmeckt das Kind über das Trinken des Fruchtwassers ebenfalls. Je ausgewogener und vielseitiger sich also die Mutter ernährt, umso differenzierter entwickelt sich auch der Geschmacksinn des Kindes. Seien Sie sich an dieser Stelle schon bewusst, dass Sie schon während der Schwangerschaft Ihr Kind an die Familienkost gewöhnen können. Dies kann in jedem Fall der Beginn einer schönen und genussvollen Essgeschichte werden. Das Kind holt sich das, was es braucht. Aber: Wo nichts ist, kann es sich auch nichts holen Ihr Kind kann sich eben nur die Nährstoffe holen, mit denen Sie ausreichend versorgt sind oder die Sie in genügendem Maße gespeichert haben. Haben Sie einen Mangel an einem bestimmten Nährstoff, so wird das Kind in Ihrem Bauch mit diesem Nährstoff auch nicht ausreichend versorgt werden. Jedes Kind kostet einen Zahn und einen Zopf. Aber: Das muss nicht sein! Diese Aussage kann aber zutreffen. Als Mutter werden Sie merken, dass Ihr Kind während der Schwangerschaft, der Stillzeit eigentlich ein Leben lang immer Priorität haben wird! Und das gilt vom ersten Moment an. Am Beispiel des Kalziums ist das leicht zu verstehen. Auch wenn die Frau während der Schwangerschaft nicht ausreichend mit Kalzium versorgt ist, ist die Kalziumversorgung des Kindes dennoch gesichert. Es ist in der Lage, das bei der Frau z. B. in den Knochen und Zähnen gespeicherte Kalzium zu mobilisieren und für sich zu nutzen. Seien Sie es sich selbst wert und 9
Alles für einen guten Start WISSEN Nährstoffdichte Die Nährstoffdichte setzt den Gehalt an wertvollen Nährstoffen mit dem Energiegehalt eines Lebensmittels ins Verhältnis. Erlauben Sie mir einen gewagten Vergleich zur Erklärung des Begriffs Nährstoffdichte. Würden Sie Ihren täglichen Eisenbedarf mit handelsüblicher Nuss-Nugat-Creme decken, laut Werbung 680 g purer Genuss, so würden Sie Ihren Tagesenergiebedarf um mehr als die Hälfte überschreiten. Decken Sie Ihren Eisenbedarf hingegen über mageres Rindfleisch, nehmen Sie etwa 1/3 Ihrer benötigten Tagesenergie auf. Die Nährstoffdichte in Bezug auf Eisen ist in Nuss-Nugat-Creme gering, im Rindfleisch aber sehr hoch. Ähnlich ist es bei Obst und Gemüse, sie gehören mit ihrem geringen Energiegehalt und ihrem hohen Nährstoffgehalt zu den Lebensmitteln mit einer hohen Nährstoffdichte. genießen Sie eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft und auch später in der Stillzeit. Du musst jetzt für zwei essen. Aber: Klasse statt Masse! Das stimmt. Nehmen Sie sich vor, während der Schwangerschaft (und der Stillzeit), doppelt so gut zu essen, aber nicht doppelt so viel. Eine gute Ernährung in der Schwangerschaft bedeutet, möglichst viele Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen und eher weniger Energie. Als Grundregel können Sie sich merken: doppelt so viel Obst und Gemüse und halb so viel Schokolade Der zusätzliche Energiebedarf in der Schwangerschaft ist nicht annähernd so hoch, wie oftmals gedacht und vermittelt wird. Wie viel zusätzliche Energie benötigen Sie denn nun tatsächlich und wofür? Vom ersten Tag der Schwangerschaft bis zur Geburt werden nur etwa 250 kcal /Tag zusätzlich benötigt, und zwar für die Neubildung von Gewebe (z. B. Aufbau von Brustgewebe, Plazenta, kindliches Gewebe), für den Erhalt dieses neu gebildeten Gewebes, für Energie, die in Fettdepots gespeichert wird, und als Energiereserve in der Stillzeit. 10
Die Ernährung in der Schwangerschaft Worin stecken eigentlich 250 kcal? 1 Scheibe Vollkornbrot + 1 Tl Butter + 15 g Käse oder 150 g Joghurt + 2 EL Haferflocken + 1 EL Sonnenblumenkerne + 1 Apfelsine oder 50 g Butterkekse oder 2 kleine Kugeln Schokoladeneis Die Schwangerschaft ist kein Freibrief für eine unbegrenzte Nahrungsaufnahme. Hier geht es zum einen nicht nur darum, dass Sie nach der Geburt nicht mehr zu Ihrer alten Figur gelangen. Ein zu hohes Gewicht am Ende der Schwangerschaft (in Bezug auf das Ausgangsgewicht) kann auch dazu führen, dass Ihre Beweglichkeit in den letzten Monaten vor der Geburt verringert ist, dass ein Schwangerschaftsdiabetes mit einem damit verbundenen Risiko für Diabetes für Sie und Ihr Kind auftreten kann und dass möglicherweise die Geburt erschwert ist. So viel dürfen Sie zunehmen Gewicht BMI Empfohlene Gesamtgewichtszunahme Zunahme pro Monat untergewichtig < 18,5 12,5 18 kg 2,3 kg normalgewichtig 18,5 25 11,5 16 kg 1,8 kg übergewichtig 25 30 7 11,5 kg 1,2 kg stark übergewichtig > 30 ca. 6 kg ca. 0,8 kg Inhaltsstoffe unserer Nahrung Der Stoffwechsel in der Schwangerschaft muss geradezu Höchstleistungen vollbringen. Hier geht es um die Versorgung zweier Organismen, wobei sich einer, der Fötus, im Aufbaustoffwechsel befindet. Das Ungeborene braucht Nährstoffe und Energie, um sich selbst zu erhalten, aber auch um sich aufzubauen und 11
Alles für einen guten Start Katrin ist schwanger und merkt es auch Katrins Freude über die Schwangerschaft ist zeitweise ein bisschen getrübt. Die Hormone und die neue Lebenslage mit all ihren Veränderungen sind für diese kleinen Launen des Körpers verantwortlich. Nach dem ersten Gespräch mit ihrer Hebamme wird Katrin klar, was noch so alles auf sie zukommen könnte. Die Übelkeit zu Beginn der Schwangerschaft hat sie zum Glück schon hinter sich gebracht. Katrin ist speiübel Liegt es an der allgemeinen körperlichen und seelischen Umstellung? Isst Katrin zu wenig oder zu unregelmäßig? Gut ist, dass Katrins Übelkeit nach drei Monaten vorbei ist, aber vorher hat sie sie gut im Griff gehabt, indem sie regelmäßig und ausreichend getrunken und gegessen hat. Auch jetzt noch isst sie vor dem Einschlafen einen Joghurt und legt sich eine Banane oder einen Vollkornzwieback auf den Nachttisch, um schon vor dem Aufstehen noch liegend etwas zu essen. Lotta nimmt keine Rücksicht auf Katrins Nachtruhe, sie isst die ganze Nacht ununterbrochen. Je länger bei Katrin die Pause zwischen Abendessen und Frühstück ist, umso niedriger ist ihr Blutzuckerspiegel am Morgen, der dann für das schummrige Gefühl im Magen verantwortlich ist. Tagsüber erleichtert sie sich das Leben, indem sie immer wieder eine Tasse Fencheltee trinkt, ein Kaugummi nimmt, auf einem Stück Ingwer oder auf einer Haselnuss kaut. Katrin kann nicht schlafen Ist es die Aufregung oder nur der dicke Bauch? Der dicke Bauch ist sicherlich im Weg, aber altbewährte Hausmittel wie ein Glas warme Milch, Melissen- oder Baldriantee, ein schöner Spaziergang oder ein Entspannungsbad vor dem Schlafengehen helfen, den Bauch zeitweise zu vergessen. Mit einem Kissen zwischen den Knien kann Katrin auch einmal auf der Seite einschlafen. Katrin hat Sodbrennen Hat das Essen einen Einfluss? Oder sind es wieder die Hormone? Oder drückt Lotta auf 12
FLITZER den Magen? Katrin versucht, fettes, süßes und stark gewürztes Essen zu meiden. Kleine und regelmäßige Mahlzeiten tun ihr und ihrem Magen gut. Leinsamensud (2 EL Leinsamen mit 250 ml Wasser 10 Minuten köcheln lassen, abseihen) trinkt sie vor jeder Mahlzeit, das ist gut für ihre Magenschleimhaut. Sie weiß aber auch, dass das Hormon, das ihre Gebärmutter während der Schwangerschaft ruhig stellt, Auswirkungen auf ihre Speiseröhre und den Mageneingang hat. Wenn Lotta dann immer größer wird und sich im Bauch Platz verschafft, drückt sie natürlich auch auf den Magen. Nach dem Essen ein kleiner Spaziergang und ein Mittagsschlaf danach in halb sitzender Position tun den beiden gut. Katrin hat Blähungen. Isst Katrin zu gesund? Hat sie auf der Arbeit keine Zeit, in Ruhe zu essen? Katrin hat ihre Ernährung sofort umgestellt. Vorher hat sie nicht annähernd so viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte gegessen. Die schmecken ihr jetzt sehr gut, aber ihr Darm macht noch nicht immer mit. Sie hat auch festgestellt, dass es ihr am Nachmittag besser geht, wenn sie zum Frühstück ihr Vollkornbrot mit Käse oder Wurst isst. Zucker und Vollkorn sind wohl keine gute Kombination. Seitdem sich Katrin beim Essen in der Kantine mehr Zeit zum Kauen nimmt, geht es ihr auch besser. Wenn dann doch Blähungen auftreten, hilft ihr eine Tasse Kümmel- oder Fencheltee genauso wie ein Spaziergang. 13
Alles für einen guten Start Katrin hat Verstopfung Sind es die Hormone? Oder isst Katrin zu wenig Gesundes und zu viel Schokolade? Trinkt oder bewegt sie sich zu wenig? Auch der Darm arbeitet durch den Einfluss der Schwangerschaftshormone langsamer und zusätzlich wird er von Lotta zunehmend zur Seite gedrängt. Katrin achtet jetzt mehr darauf, regelmäßiger Obst und Gemüse zu essen, und sie schafft es auch, morgens einen großen Naturjoghurt und wenigstens am Abend Vollkornbrot zu essen. Die Wasserflasche und die Trockenpflaumen fehlen jetzt nie in der Handtasche. Außerdem bewegt sie sich mehr. Sie nimmt nicht mehr den Aufzug und fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Katrin hat Wadenkrämpfe Hat sie vielleicht einen Magnesiummangel? Im Supermarkt hat Katrin ein Mineralwasser mit mehr als 100 mg Magnesium pro Liter gefunden. Davon trinkt sie jetzt 2 Liter pro Tag. Dazu isst sie täglich eine Handvoll Nüsse, die nicht nur ihr, sondern auch Lotta sehr guttun. Katrin hat dicke Beine Soll Katrin auf Salz verzichten? Von ihrer Hebamme hat Katrin erfahren, dass Reis- und Obsttage zum Entwässern in der Schwangerschaft out sind. Normal gesalzenes Essen ist angesagt. Was ihr wirklich gegen die dicken Beine und Hände am Abend hilft, sind Wechselduschen und lange Spaziergänge mit Christian. Katrins Blutzucker fährt Achterbahn Hat Katrin Schwangerschaftsdiabetes? Katrin ist jetzt in der 25. Schwangerschaftswoche und hat schon 12 kg zugenommen und es wird ihr oft schummrig eine Heißhungerattacke jagt die andere. Ihr Gynäkologe hat jetzt einen Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Katrin hat erfahren, dass es dadurch Probleme unter der Geburt geben könnte und dass sich aus dem Schwangerschaftsdiabetes später ein richtiger Diabetes entwickeln kann. Auch Lotta könnte dadurch später Diabetikerin werden und eine Adipositas entwickeln. Katrin hat einen Termin bei einer Ernährungsberatung wahrgenommen, bei dem sie viel Mut und Hoffnung bekommen hat, den Diabetes mittel- und langfristig in den Griff zu bekommen. Sie achtet jetzt mehr auf ihr Gewicht. Das gelingt ihr, indem sie sich noch mehr an die Empfehlungen für die Ernährung in der Schwangerschaft hält. Sie bewegt sich mehr und wird später darauf achten, lange zu stillen, denn das reduziert bei ihr und bei Lotta das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln. Außerdem wird sie sich und ihre Familie in der Stillzeit und auch danach vollwertig ernähren. 14
Die Ernährung in der Schwangerschaft zu wachsen. So versteht sich von allein, dass hierfür hochwertige Nährstoffe benötigt werden. Dies sind die drei Energie tragenden Hauptnährstoffe Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate die Vitamine und Mineralstoffe sowie Wasser. Diese erfüllen unterschiedliche Aufgaben in unserem Körper: Als Baustoffe dienen sie dem Körper zum Aufbau und zur Erhaltung der Zellen Eiweiße, Wasser und Mineralstoffe. Als Brennstoffe liefern sie dem Körper Energie Fette und Kohlenhydrate. Als Wirk- bzw. Schutzstoffe regeln sie die Körpervorgänge und schützen vor Krankheiten Vitamine und Mineralstoffe. Eiweiße Eiweiße setzen sich aus Aminosäuren zusammen. Davon sind einige essenziell, das heißt, der Körper kann sie nicht selbst herstellen und muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Man unterscheidet pflanzliche und tierische Eiweiße, letztere kann der Körper besonders gut verwerten. Pflanzliche Eiweiße sollten miteinander kombiniert werden, um eine gute Versorgung zu garantieren. Zum Beispiel sind Hülsenfrüchte mit Kartoffeln, Getreide mit Hülsenfrüchten oder Kartoffeln mit Ei oder Quark hochwertige Eiweißkombinationen. Wofür brauchen Sie Eiweiß? Eiweiß benötigt der Körper als Baustoff. Für den Aufbau von Muskeln, Blutzellen, Hormonen und Enzymen sind Proteine, wie Eiweiße auch genannt werden, in der Schwangerschaft unersetzlich. Kohlenhydrate Kohlenhydrate bestehen aus Zuckermolekülen. Abhängig von der Anzahl der Zuckermoleküle unterscheiden wir Einfachzucker (z. B. Trauben- und Fruchtzucker), Zweifachzucker (z. B. Haushaltszucker und Milchzucker), Mehrfachzucker (z. B. Maltodextrin) oder Vielfachzucker (z. B. Stärke). Wofür brauchen Sie Kohlenhydrate? Kohlenhydrate benötigt der Körper als Energielieferanten. Zucker und Süßwaren enthalten Einfach- oder Zweifachzucker. Diese Zuckerarten liefern sehr schnell Energie, da sie direkt in das Blut übergehen, halten aber nur sehr kurz vor und sättigen nicht. Übrigens: Der Fötus ernährt sich zu 90 Prozent über den Einfachzucker Glukose und das 24 Sunden am Tag. Getreide oder Kartoffeln enthalten komplexere Vielfachzucker (Stärke), 15