Gemeinsame Prüfungsaufgaben der Steuerberaterkammern im Lande Nordrhein-Westfalen Name: ABSCHLUSSPRÜFUNG SOMMER 2010 Ausbildungsberuf: Steuerfachangestellte/r Prüfungsort: Termin: Donnerstag, 22. April 2010 Prüfungsfach: Wirtschafts- und Sozialkunde Bearbeitungszeit: 90 Minuten Bitte deutlich schreiben und Füllhalter, Kugelschreiber oder Filzstift benutzen. Gesamtpunktzahl: 100,0 Erzielte Punkte: 1. Aufgabenteil: 30,5 2. Aufgabenteil: 34,5 3. Aufgabenteil: 9,0 4. Aufgabenteil: 26,0 Note: Unterschrift Erstzensor: Unterschrift Zweitzensor:
1. Aufgabenteil: (30,5 Punkte) Sachverhalt 1 (2,0 Punkte) Frank Funke, Helmut Kreuzer und Andrea Stich studieren in Düsseldorf Betriebswirtschaftslehre. In ihrer Freizeit kaufen sie gemeinsam alte Handys nebst Zubehör. Diese Gegenstände verkaufen sie wieder auf Flohmärkten. Mitarbeiter beschäftigen sie nicht. In 2009 erzielten sie einen Umsatz von 7.000,00 und einen Gewinn von 2.700,00. Aufgabe Prüfen und begründen Sie, ob Frank Funke, Helmut Kreuzer und Andrea Stich Kaufleute i. S. des HGB sind. Nennen Sie die gesetzliche Grundlage. Sachverhalt 2 (28,5 Punkte) Frank Funke, Helmut Kreuzer und Andrea Stich beschließen, ihr Studium aufzugeben und hauptberuflich einen Handel mit Handys zu betreiben. Mitarbeiter sollen nach wie vor nicht beschäftigt werden. Hinsichtlich der zu wählenden Rechtsform schwebt ihnen die Gründung einer Unternehmergesellschaft vor. Frank Funke und Helmut Kreuzer sollen Geschäftsführer sein. Da sie jedoch noch unschlüssig sind, hätten sie gern einige Fragen zur Unternehmergesellschaft beantwortet. Aufgaben Beantworten Sie die nachfolgenden Fragen zur Unternehmergesellschaft und geben Sie jeweils eine kurze Begründung. 1. Aus Gründen der Werbewirkung möchten wir unter dem Namen Handyshop UGmbH firmieren. Ist das möglich? Nennen Sie die gesetzliche Grundlage.
2. Als Startkapital können wir alternativ anbieten: a) vorrätige Handys im Gesamtwert von 1.500,00 bzw. b) eigene Ersparnisse von jeweils 500,00. Reicht das in rechtlicher Hinsicht zur Gründung einer Unternehmergesellschaft aus? Nennen Sie jeweils die gesetzliche Grundlage. Lösungen: zu a) zu b) 3. Da wir bisher lediglich Studenten waren und Mitarbeiter auch in Zukunft weiterhin nicht beschäftigt werden sollen, möchten wir gerne wissen a) welche Kaufmannseigenschaft vorliegen würde, und b) ob wir unseren Gewinn durch Einnahmenüberschussrechnung ermitteln können. Lösungen: zu a) zu b)
4. Um Notarkosten zu sparen, möchten wir die Unternehmergesellschaft gerne im vereinfachten Verfahren gründen und zu diesem Zweck das in der Anlage zum GmbHG bestimmte Musterprotokoll verwenden. Ist das möglich? Nennen Sie die gesetzliche Grundlage. 5. Dürfen wir als Gesellschafter der Unternehmergesellschaft in unbeschränkter Höhe Geld für den laufenden Lebensunterhalt vom Konto der Gesellschaft abheben? 6. Hinsichtlich der Verteilung des Jahresüberschusses sind wir uns noch nicht sicher. a) Dürfte die Unternehmergesellschaft den Jahresüberschuss in voller Höhe ausschütten? Nennen Sie die gesetzliche Grundlage. b) Wie wäre der Jahresüberschuss zu verwenden bzw. zu verteilen, wenn im Gesellschaftsvertrag hierzu keine Vereinbarungen getroffen werden? c) Hat jeder Gesellschafter einen Anspruch auf Auszahlung seines Jahresüberschussanteils? Lösungen: zu a) zu b) zu c)
7. Es ist geplant, dass der Gesellschaftsvertrag bereits nächste Woche abgeschlossen werden soll und wir dann sofort im Namen der Unternehmergesellschaft weitere Handys einkaufen werden. a) Haften wir für diese Verbindlichkeiten der Unternehmergesellschaft persönlich, wenn die Unternehmergesellschaft erst voraussichtlich Ende Mai 2010 ins Handelsregister eingetragen wird? Nennen Sie uns dazu bitte auch die gesetzliche Grundlage! b) Und wie wäre es, wenn wir die Handys erst nach Eintragung der Unternehmergesellschaft ins Handelsregister kaufen würden, die Unternehmergesellschaft aber ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könnte? Nennen Sie uns dazu bitte ebenfalls die gesetzliche Grundlage! Lösungen: zu a) zu b)
2. Aufgabenteil: (34,5 Punkte) Sachverhalt 1 (7,0 Punkte) Marc Klein betreibt einen kleinen Kiosk ohne weitere Angestellte. Obwohl seine Unternehmung einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert, hat er sich freiwillig in das Handelsregister eintragen lassen. Nun wurden ihm aber die damit verbundenen Verpflichtungen, insbesondere die Buchführungspflicht, lästig, sodass er seine Firma auf seinen Antrag hin wieder aus dem Handelsregister hat löschen lassen. Dies wurde am 22.03.2010 bekannt gemacht. Gestern (21.04.2010) hat Marc Klein von seinem ständigen Lieferanten Peter Meurer e. K. ein Darlehen zum gesetzlichen Zinssatz erhalten. Marc Klein ist nun der Ansicht, den gesetzlichen Zinssatz nach 246 BGB von 4 % zu schulden; Peter Meurer besteht demgegenüber auf die Zahlung des gesetzlichen Zinssatzes nach 352 Abs. 1 HGB von 5 %. Aufgabe Prüfen und begründen Sie mithilfe des 15 HGB, welchen gesetzlichen Zinssatz Marc Klein bezahlen muss, wenn dem Peter Meurer e. K. am 21.04.2010 nicht bekannt war, dass Marc Klein nicht mehr Kaufmann ist.
Sachverhalt 2 (27,5 Punkte) Der Kiosk von Marc Klein bietet auch die Möglichkeit des Fotokopierens an. Da das geschäftseigene Kopiergerät bereits veraltet ist, soll ein neues, leistungsstärkeres Gerät angeschafft werden. Dabei stellt sich die Frage, ob das Kopiergerät gekauft oder geleast werden soll. Aufgaben 1. Nennen Sie zwei vorteilhafte Gründe des Leasing aus der Sicht des Leasingnehmers. 2. Nennen Sie zwei Nachteile des Leasing aus der Sicht des Leasingnehmers. 3. Händler Kolbe bietet einen Kopierer an, der geleast werden kann (vgl. Anlage 1). Reparaturen und Wartungen werden von Händler Kolbe übernommen. Marc Klein rechnet mit 55.000 Kopien jährlich. Erfahrungsgemäß kann der Kopierer für einen üblichen Zeitraum von vier Jahren genutzt werden. Anschließend so die Planung soll er dem Händler zurückgegeben werden. Eine verbindliche Grundmietzeit ist bei dem kurzfristigen Leasing nicht vorgesehen. Ermitteln Sie den Gesamtaufwand, der sich für das Leasingangebot ergibt.
Gesamtaufwand durch Leasing: 4. Die Sparkasse Leverkusen hat ein Finanzierungsangebot für den Kauf des gleichen Kopierers erstellt (vgl. Auszug Anlage 2). Erstellen Sie aufgrund des Finanzierungsangebotes der Sparkasse Leverkusen den Tilgungsplan für den aufzunehmenden Kredit und ermitteln Sie den Finanzierungsaufwand. Gehen Sie dabei von einer jährlichen Tilgung jeweils zum Jahresende aus. Nach vier Jahren soll der vollständig abgeschriebene Kopierer veräußert werden. Es ist mit einem Erlös von 50 % der Anschaffungskosten zu rechnen. Außerdem fallen jährliche Erhaltungsaufwendungen in Höhe von 200,00 an. Tilgungsplan: Darlehensjahr Darlehenssumme am Anfang des Jahres (in ) Zinsen (in ) Tilgungsrate (in ) Darlehenssumme am Ende des Jahres (in ) 1 2 3 4 Finanzierungsaufwand: 5. Für welche Alternative sollte sich Marc Klein aufgrund Ihrer Berechnung entscheiden? Begründen Sie Ihre Entscheidung und betrachten Sie dabei den Gesamtaufwand.
Anlage 1 Kolbe-KopierSysteme Elbestr. 68 51371 Leverkusen Leverkusen, 04. Januar 2010 Angebot Farb-Kopierautomat Sehr geehrter Herr Klein, besten Dank für Ihre Anfrage. Wir unterbreiten Ihnen nachfolgend das gewünschte Angebot: 1 Canon Farb-Kopierautomat Modell XY 2010 Komplettpreis (netto) 20.000,00 Empfohlenes Zubehör 1 Sorter G1 20 Fach für dto. (netto) 5.000,00 Kaufpreis (netto) 25.000,00 Lieferungs- und Zahlungsbedingungen: Lieferung: frei Lieferzeit: April 2010 Zahlung: sofort bei Lieferung Alternativ zum Kauf möchten wir Ihnen das folgende Leasing-Angebot unterbreiten: Bei einem Leasingvertrag mit jederzeitiger Kündigungsmöglichkeit von 14 Tagen berechnen wir Ihnen eine monatliche Leasingrate in Höhe von netto 350,00 Der Leasingpreis basiert auf jährlich 50.000 Kopien. Mehrkopien werden je Kopie mit 0,08 zuzüglich 19 % USt berechnet. Mit freundlichen Grüßen Kolbe-KopierSysteme
Anlage 2 Sparkasse Leverkusen Leverkusen, 04. Januar 2010 Finanzierungsangebot Sehr geehrter Herr Klein, wie telefonisch mit Ihnen vereinbart können wir Ihnen zur Finanzierung eines Kopierautomaten folgendes Angebot unterbreiten: Darlehenssumme: 25.000,00 Laufzeit: Tilgung: Zinssatz: 4 Jahre jährlich 25 % der Darlehenssumme zum Jahresende 5,5 % der jeweiligen Darlehenssumme Mit freundlichen Grüßen Ihre Sparkasse Leverkusen
3. Aufgabenteil: (9,0 Punkte) Sachverhalt 1 (4,5 Punkte) Der Fernsehhändler Röhrig bot seinem Kunden Werner Sommer am 29.03.2010 an, einen Fernseher für zwei Wochen auszuprobieren. Werner Sommer nahm den Fernseher mit nach Hause und erschien am 12.04.2010 im Geschäft des Röhrig und bekundete, mit dem Fernseher sehr zufrieden zu sein. Gleichzeitig bat Werner Sommer um Ausstellung einer Rechnung über 3.332,00, die er heute (22.04.2010) per Banküberweisung beglichen hat. Aufgabe Prüfen und begründen Sie unter Angabe des Datums, wann das Eigentum des Fernsehers auf Werner Sommer übergegangen ist. Nennen Sie die gesetzliche Grundlage. Sachverhalt 2 (4,5 Punkte) Andrea Berg interessierte sich am 25.02.2010 für einen ganz bestimmten Fernseher, den der Fernsehhändler Röhrig zu diesem Zeitpunkt nicht auf Lager hatte. Röhrig hatte aber ein derartiges Modell gerade an seine Nichte Sylvia vermietet. Nach einem am 07.04.2010 geführten Telefongespräch zwischen Röhrig und seiner Nichte wurde am 08.04.2010 vereinbart, dass sich Andrea Berg den Fernseher bei der Nichte Sylvia abholen konnte. Andrea Berg fuhr am 13.04.2010 zur Sylvia und nahm den Fernseher in Empfang. Den Kaufpreis beglich sie am 16.04.2010. Aufgabe Prüfen und begründen Sie unter Angabe des Datums, wann das Eigentum des Fernsehers auf Andrea Berg übergegangen ist. Nennen Sie die gesetzliche Grundlage.
4. Aufgabenteil: (26,0 Punkte) Sachverhalt Der Steuerfachangestellte Michael Kist aus Düsseldorf (ledig, evangelisch) ist bei dem Steuerberater Klaus Hansen beschäftigt. Er erhält ein monatliches Bruttogehalt von 2.000,00 (Nettoverdienst: 1.330,60 ). Ein Urlaubs- und Weihnachtsgeld wird nicht gesondert vergütet, weil es in dem monatlichen Bruttogehalt bereits anteilig enthalten ist. Im März 2010 hat Michael Kist erfolgreich die Prüfung zum Steuerfachwirt bestanden. Klaus Hansen bot ihm daraufhin eine Gehaltserhöhung an. Michael Kist kann sich dabei zwischen zwei Alternativen entscheiden: Alternative 1: Zu seinem bisherigen Bruttogehalt erhält er zusätzlich 600,00. Alternative 2: Alternativ schlägt Klaus Hansen vor, einen Firmenwagen zur Verfügung zu stellen, den Michael Kist auch für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (einfache Entfernung 21 km; 15 Arbeitstage/Monat) und für alle Privatfahrten nutzen könnte. Sämtliche Aufwendungen des Firmenwagens trägt Klaus Hansen. Der Bruttolistenpreis des Pkw beträgt 24.000,00. Soweit gesetzlich möglich, will Klaus Hansen die Steuer, die auf die Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entfällt, pauschal übernehmen. Der bisherige PKW von Michael Kist wurde im Februar 2010 verschrottet. Für einen neuen PKW zum Preis von 17.500,00 hätte Michael Kist jährliche PKW- Kosten in Höhe von 6.600,00. Aufgabe Welche Alternative soll Michael Kist wählen? Begründen Sie Ihre Entscheidung durch eine detaillierte monatliche Vergleichsrechnung. Aus Vereinfachungsgründen ist zur Berechnung der Lohnsteuer von einem Steuersatz von 12,5 % und einem Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung von 20,50 % auszugehen. Verwenden Sie für Ihre Lösung die beigefügten beiden Lösungsblätter 1 und 2.
Name: Lösungsblatt 1 zum 4. Aufgabenteil 1. Monatsabrechnung bei Gehaltserhöhung um 600,00 2. Vorteil bei Gehaltserhöhung um 600,00
Lösungsblatt 2 zum 4. Aufgabenteil 3. Monatsabrechnung bei PKW-Gestellung 4. Nachteil bei PKW-Gestellung und begründete Entscheidung für eine Alternative