Dokumentation Workshop FREIWILLIG.DABEI.BLEIBEN?

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Transkript:

Referent_Innen: Kati Simmank und Henning Remisch, AWO Landesverband Sachsen e.v. Zentrale Fragestellungen des Workshops Freiwillig.Dabei.Bleiben? Wie bleiben Freiwillige auch über ihren Freiwilligendienst hinaus motiviert, sich sozial zu engagieren? Welche Anreize gibt es dafür? Welche Möglichkeiten gibt es für Freiwillige bei ihrem Träger oder in der Gesellschaft engagiert zu bleiben? Was sind die Voraussetzungen, die schon während des Dienstes vom Träger, von der Einsatzstelle und den Freiwilligen erbracht werden sollten, damit sich junge Menschen weiterhin engagieren? Welche Wünsche und Bedarfe gibt es, wenn es um das weitere Engagement der Freiwilligen geht? Workshopbeschreibung Freiwillige und Ehrenamtliche wirken bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben mit. Sie übernehmen aktiv Verantwortung und stellen ihre Zeit, Motivation und Ideen der Gesellschaft zur Verfügung. Dieser Workshop baut eine Brücke zwischen Freiwilligendienst, Ehrenamt und weiterführendem Engagement. Mit den WorkshopteilnehmerInnen tauschen wir uns aus über Erfahrungen zur Bindung von Freiwilligen über deren Dienstzeit hinaus, sammeln wir gemeinsam Möglichkeiten für Freiwillige, sich nach ihrem Dienst bei ihrem Träger oder in den EST weiter zu engagieren, entwickeln wir gemeinsam einen Leitfaden: "Was ist bei der Einbindung von Freiwilligen über ihren Dienst hinaus zu beachten?". Ziel des Workshops Die Teilnehmenden sollen Wege zur Bindung und Motivation von Freiwilligen nach deren Freiwilligendienst finden. In einem weiteren Schritt soll ein Konzept oder ein Leitfaden zu einem konkreten Thema, z.b. Mentoring von neuen Freiwilligen erstellt werden. Zum Workshop Freiwillig.Dabei.Bleiben? Am Workshop nahmen durchgängig fünf Personen teil. Darunter waren zwei FÖJler, eine Vertreterin der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Sächsischen Landtag, eine Mitarbeiterin der Jugendfreiwilligendienste und Jugendverbandsentwicklung beim AWO Landesverband Sachsen e.v. und ein Vertreter des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, Referat 41.

Wir starteten mit einer kurzen Kennenlernrunde, bei der die Teilnehmenden in lockerer Atmosphäre erzählten, in welchem Bereich sie tätig sind, warum Engagement für sie wichtig ist und was sie sich vom Workshop erwarten. In der kleinen Runde entstand unmittelbar ein Gespräch darüber wie sich junge Leute engagieren (wollen) und welche Bedingungen dafür notwendig sind. Im darauffolgenden Schritt wurde der Workshopplan vorgestellt. Um in der knappen Zeit ein Ergebnis erzielen zu können, sammelten die Workshopteilnehmenden zum Einstieg Schlagworte, die sie mit der Bindung von Freiwilligen bzw. Alumniarbeit verbinden. Es wurden zwei Gruppen gebildet und auf Moderationskarten wurden die Schlagworte gesammelt.

Im Anschluss stellten die beiden Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum vor. Um Struktur in die Schlagworte der Teilnehmenden zu bringen, wurden diese an der Pinnwand nach vier Kategorien geclustert, welche die Teilnehmenden im Vorfeld nicht kannten: 1.Welche konkreten Angebote sind bereits vorhanden? 2. Welche Wünsche und Bedarfe gibt es seitens der Träger, der Einsatzstellen, der Freiwilligen und der Gesellschaft allgemein? 3. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden? 4. Welche offenen Fragen sind entstanden? Es wurde sehr schnell klar, dass es viele Wünsche in Bezug auf das weitere Engagement von Freiwilligen gibt und dass verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der Anreiz für ein weiterführendes Engagement gegeben ist. Vor allem war den Workshopteilnehmenden wichtig, dass es eine Anerkennungskultur auch schon während des Freiwilligendienstes gibt und zwar von Seiten der Träger, Einsatzstellen und der Gesellschaft. Wichtig war auch, dass es flexible Einsatzmöglichkeiten im Engagement gibt und echte Beteiligung in Form von Projektumsetzung und Veranstaltungsplanung. Außerdem wollen Freiwillige die Gesellschaft gestalten und benötigen dafür den Spielraum in den Einrichtungen und auch seitens Gesellschaft und Politik. Das betrifft auch die Finanzierung des Engagements und schließt einen Bogen zur Anerkennungskultur.

Nicht zuletzt ist eine gute Vernetzung eine elementare Grundlage für funktionierende Beteiligung. Wenn Freiwillige ihren Dienst beendet haben, braucht es Strukturen wie sie unkompliziert Kontakt zu ihrer Seminargruppe und den Einrichtungen halten können. Wenn sie sich in einem bestimmten Bereich engagieren wollen, müssen sie Zugang zu diesem haben und entsprechende Ansprechpartner_Innen, die auch überregional miteinander agieren. Ein FÖJler nannte als Beispiel den FÖJ-AKTIV e.v., dem Aktiven- und Ehemaligenverein des FÖJ, der aktuelle und ehemalige Teilnehmer_Innen des FÖJ vernetzt, auch, wenn sie einmal in eine andere Stadt ziehen. Allein die Möglichkeit, sich unkompliziert einbringen zu können, erzeugt eine direkte Verbindung zwischen Freiwilligendienst und ehrenamtlichem Engagement nach dem Dienst. Die Ergebnisse aus dieser Ideenfindungsphase dienten als Leitfaden für die Erstellung eines konkreten Konzeptes, das im nächsten Schritt erarbeitet wurde. Seitens der Workshopleitung gab es zwei Ansätze wie die Teilnehmenden mit den ersten Ideen zu einem konkreten Ergebnis kommen können. Zum einen gab es die Möglichkeit anhand einer der Schlagworte ein Konzept zur Umsetzung in der Praxis zu erstellen. Dabei wurden Leitfragen zu den Themenfeldern Bedarfsanalyse, Schaffen von Voraussetzungen und Umsetzung vorgegeben, mit denen die Teilnehmenden arbeiten konnten.

Zum anderen konnten die Teilnehmenden auch einen Leitfaden zum Thema Alumniarbeit mit Hilfe folgender Teilfragen erstellen: Was sollte man unbedingt tun? Was sollte man unterlassen? Und was ist noch wichtig? Ziel der Methode war es, dass die Teilnehmenden nicht nur lose Ideen sammeln, sondern am Ende eine konkrete Vorstellung haben wie sie eine der Ideen, die sie an der Pinnwand gesammelt haben, zeitnah umsetzen können. Aufgrund der Gruppengröße entschied sich die Gruppe zur gemeinsamen Bearbeitung eines der Themengebiete aus der Schlagwortsammlung. Dabei fiel es den Teilnehmenden schwer, ein Thema auszuwählen, da in der Gesamtheit die genannten Schlagworte alle Relevanz hatten. Mit Hilfe von 5 Punkten, die jede/r der Teilnehmenden an den Schlagworten setzen konnte, kristallisierte sich das Thema Anerkennungskultur heraus. Die Teilnehmenden entschieden sich dazu, ein konkretes Konzept zu erstellen wie Anerkennungskultur im und nach dem Freiwilligendienst gestaltet sein muss. Da die Gruppe sehr kommunikationsfreudig war und anhand der Leitfragen intensiv in den Austausch gingen, wurden die Ergebnisse der Konzeptionierung von der Workshopleitung dokumentiert.

Leider blieb nicht genügend Zeit, um alle Impulse, Anmerkungen und Hinweise zu einem konkreten Fahrplan zusammenzuschnüren. Dennoch ist die entstandene Sammlung ein guter Ansatz für die weitere Arbeit im Themenfeld Anerkennungskultur. Im Austausch besprachen die Teilnehmenden in allererster Linie, was unter Anerkennung zu verstehen ist. Es sind eben nicht nur die kleinen Geschenke, sondern auch ein respektvoller Umgang miteinander und sich als selbstwirksam zu erleben. Um Anerkennung zu vermitteln, ist vor allem hervorzuheben, dass Freiwillige und eben auch ehrenamtlich Engagierte, in der Gesellschaft wahrgenommen werden müssen. Eine Teilnehmerin formulierte dazu: dass eben nicht die Frage kommt, Was machst Du? Was ist denn ein FSJ?. Dazu ist vor allem auch eine stärkere mediale Berichterstattung notwendig. Zu selten wird das soziale Engagement der vielen Ehrenamtlichen als Thema in den Medien aufgegriffen. Als greifbare Grundlagen für eine Anerkennungskultur und damit Stärkung von freiwilligem Engagement auch nach dem Freiwilligendienst nannten die Teilnehmenden Patenschaften ehemaliger Freiwilliger, damit sie ihre Erfahrungen weitergeben und andere unterstützen können Die Anerkennung des Freiwilligendienstes als Wartesemester im Studium Förderung des ÖPNV, auch über die Stärkung des Freiwilligendienstausweises als offizielles Dokument Kostenloses Mittagessen in den Einsatzstellen Dankeschönveranstaltungen vor allem auch für junge Leute GEZ-Befreiung

Die Teilnehmenden waren sich dabei in drei Punkten einig: 1. Ein Freiwilligendienst stärkt die (spätere) Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Daher ist eine entsprechende Anerkennung Grundlage für eine funktionierende zivilgesellschaftliche Beteiligung. 2. Es sind alle Akteure in der sozialen Arbeit gefragt: Politik, Fördermittelgeber, Träger, Einsatzstellen und Freiwillige selbst. Sie müssen die Frage beantworten: Was ist ein Freiwilligendienst wert und wie stärken wir ihn in der gesellschaftlichen Wahrnehmung? 3. Der Bereitschaft zum Engagement muss mit einer Flexibilisierung der Strukturen des klassischen Ehrenamtes entgegengekommen werden, z.b. durch Projektarbeit, kürzere Engagementzeiten, überregionale Vernetzung, um bei Wohnortwechseln unkompliziert tätig zu werden. Damit wird der Zeit, die Freiwillige aufbringen sowie dem großen Interessenspektrum Rechnung getragen. In der Auswertung des Workshops formulierten die Teilnehmenden, dass der Workshop an einem Punkt endet, an dem das Thema erst richtig aufgemacht wurde und dass nun erst die richtige Konzepterstellung beginnen würde. Es wurde Bedauern geäußert, dass nicht mehr genug Zeit blieb, tiefer in das Thema hineinzugehen und eine komplette Strategie (Wie gewinne ich Freiwillige für meine Idee? Welches Projekt ist unkompliziert umsetzbar? Wo kommt Geld her?) z.b. auch anhand der Leitfragen zu erstellen. Das Thema Anerkennung, aber vor allem auch ehrenamtliches Engagement können aber auch Thema eines gesamten Fachtages sein. Daher setzte dieser Workshop in erster Linie Impulse für ein Umdenken und für weitere Planungen im Rahmen der Freiwilligenarbeit.