Johanna Possinger ALLES UNTER EINEM HUT? Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Vereinbarkeit Beruf und Familie Was soll da womit vereinbar gemacht werden? Haushalt Partnerschaft Freunde Existenzsicherung Kinder Familie Bedürftige Angehörige Schule Ehrenamt Erwerbsarbeit Karriere Berufliche Selbstverwirklichung
Der Vereinbarkeitsdiskurs Ökonomischer Duktus Fokus auf Familien der Mittelschicht Fokus auf Perspektive der Eltern, insbesondere der Mütter Fokus auf Kinder, Pflege zweitrangig Gesunde, nicht behinderte Kinder werden vorausgesetzt Alles eine Frage der Organisation
Doppelte Entgrenzung Doppelte Entgrenzung (Jurczyk u.a. 2009) Entgrenzung der Familie Entgrenzung des Arbeitsmarktes Bietet Chancen, aber v.a. auch Risiken für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Neue Spielräume Geschlechterverhältnis 100% Westdeutschland 16% 12% 15% Ostdeutschland 80% 60% 40% 43% 58% 63% 43% 53% 40% 38% 20% 0% 45% 46% 1 bis 3 Jahre N=76 3 bis 6 Jahre N=364 28% 6 bis18 Jahre N=836 25% 13% 1 bis 3 Jahre N=8 19% 3 bis 6 Jahre N=37 37% 10% 6 bis 18 Jahre N=81 Egalitär Modernisiert Traditionell (Quelle Tölke, AID:A/DJI 2012)
Teilzeitquoten nach Kindesalter Quelle: WSI der Hans Böckler Stiftung
Fürsorge ist weiblich 70% der Mütter erledigen anfallende Haus- und Familienarbeit allein (Vorwerk Familienstudie 2012) 72% der Hauptpflegepersonen sind Frauen (TNS Infratest 2010) Mütter leisten den Löwenanteil der Betreuung und Pflege behinderter Kinder
Pflegebedürftige in Mio. Steigender Pflegebedarf 4 Entwicklung der Pflegebedürftigkeit 3,5 3 2,5 2 1,5 Insgesamt Weiblich Männlich 1 0,5 0 2005 2010 2020 2030 Quelle: Reuyß u.a. 2012, eigene Darstellung
Doppelte Entgrenzung Familie Vielfalt Familienformen Spielräume im Geschlechterverhältnis Doppelte Erwerbstätigkeit Steigender Pflegebedarf Gestiegener Bildungs- und Förderdruck
Doppelte Entgrenzung Familie Vielfalt Familienformen Spielräume im Geschlechterverhältnis Doppelte Erwerbstätigkeit Steigender Pflegebedarf Gestiegener Bildungs- und Förderdruck Arbeitswelt Steigender Anteil atypisch Beschäftigter Steigende Arbeitszeiten Leistungs- und Mobilitätsdruck Verfügbarkeit Mobilität Traditionelle Männlichkeit/Weiblichkeit
Doppelte Entgrenzung Familie Vielfalt Familienformen Spielräume im Geschlechterverhältnis Doppelte Erwerbstätigkeit Steigender Pflegebedarf Gestiegener Bildungs- und Förderdruck Arbeitswelt Steigender Anteil atypisch Beschäftigter Steigende Arbeitszeiten Leistungs- und Mobilitätsdruck Verfügbarkeit Mobilität Traditionelle Männlichkeit/Weiblichkeit Konkurrenz um Zeit, Energie und Fürsorge
Staatliche Rahmenbedingungen Defizite in Infrastruktur und Familienförderung Mangelnde Angebote der Kindertagesbetreuung Fehlende integrierte Angebote und zentrale Anlaufstellen Steuerliche Familienförderung geht an vielen Familien vorbei Kosten der Pflege werden privatisiert
Widersprüchliche Leitbilder erhöhen den Druck auf Eltern und Pflegende Die berufstätige Superfrau Die gute Mutter Die bessere Mutter Der neue Vater Der Karrieremann
Eltern am Limit? Bewältigungsstrategien im Umgang mit Zeitnot: Traditionalisierung der Arbeitsteilung Verzicht auf weitere Kinder Familie als Betrieb, Qualitätszeiten Verzicht auf Zeiten für die Partnerschaft Verzicht auf eigene Regeneration
Vereinbarkeit von Beruf und Familie Fazit: Die Vereinbarkeitsfrage ist für die meisten Familien noch immer ungelöst Familien mit behinderten, kranken bzw. unterstützungsbedürftigen Kindern stellt sich das Vereinbarkeitsproblem in besonderer Schärfe
Ressourcen stärken Geld Förderung von Fürsorge Verbesserte steuerliche Absetzbarkeit Absicherung von Pflegezeiten Zeit Infrastruktur Stärkung der Vätermonate Rückkehrrecht in Vollzeit Mehr Vollzeit light Familienbewusste Personalpolitik Ganztägige, inklusive Betreuungsangebote Ausbau des Hilfesystems Zentrale Anlaufstellen für Familien Stärkung von Netzwerken
Ich freue mich auf Ihre Fragen! Kontakt: - Leitung der Fachgruppe Familienpolitik Deutsches Jugendinstitut - Email: possinger@dji.de