Ing. Steffen Ismer

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2.2.3 Bilanzkennzahlen 2.2.3.1 Kennzahlen zur Vermögensstruktur Betrachtung der Aktivseite Vergleich von Anlage- und Umlaufvermögen sowie deren Einzelpositionen Anlageintensität und Umlaufintensität Anlageintensität Anteil des AV am Gesamtvermögen Umlaufintensität Anteil des UV am Gesamtvermögen = = Argumente für und gegen eine hohe Anlagenintensität Pro Contra Gute Kreditsicherheit (kommt auf Hohe Fixkosten Kosten der Objekt und Verkehrswert an) Bereitstellung Eventuell stille Reserven Schwere Verwertungsmöglichkeit Unabhängigkeit, da Eigentum Liquidation u.u. problematisch Geringere Flexibilität Hohe Kapitalbindung (Kosten) Ziel ist eine geringe Anlagenintensität durch Leasing kann die Anlagenintensität sinken je höher das Anlagevermögen umso höher fixe Kosten (AfA, Instandhaltung) (diese Kosten sind auch bei fallender Beschäftigung zu decken)

2.2.3.2 Kennzahlen zur Kapitalstruktur (siehe Kennzahlen Punkt A) Beurteilung der Zusammensetzung des Gesamtkapitals Beziehungen auf der Passivseite der Bilanz Wie hoch ist der Anteil der Eigen- bzw. Fremdkapitals Eigenkapital: o Garantiefunktion / Haftungsfunktion o Bei guten Unternehmen liegt die EK-Quote bei ca. 30% o Innenfinanzierungspotential o Stabilitätsfunktion, da dauerhaft o Daher sollte der EK-Anteil möglichst hoch sein o Es gibt jedoch keine optimale EK-Quote, da dies auch von Branchen bzw. Unternehmensstruktur abhängig sein kann o Leasing-Problem: Firmen, die leasen, brauchen weniger Eigenkapital o Eigenkapitalanteil gibt somit auch den Grad der finanziellen Unabhängigkeit an Fremdkapital: o Abhängigkeit des Unternehmens von Kreditgebern o Ermöglichung der Nutzung des Leverageeffekts Erhöhung der EK-Rentabilität durch FK-Einsatz o Liquiditätsproblematik, da FK-Geber fristengerecht bedient werden müssen o Dauerhafte Kapitalbelastung o Unterscheidung zwischen langfristigem und kurzfristigem Fremdkapital o Kurzfristiges Fremdkapital ist aufgrund der hohen Zinsen und der Liquiditätsbelastung und der nicht dauerhaften Verwendbarkeit kritisch Pensionsrückstellungen / Sonderposten mit Rücklageanteil o Gehen je zu 50% in EK und FK ein Sonstige Rückstellungen: wenn nicht gegliedert 50% langfr. Verbindlichkeiten und 50% kurzfristige Verbindlichkeiten Vor- und Nachteile einer hohen EK-Quote Vorteile Kreditwürdigkeit Mehr Unabhängigkeit Weniger Zinsaufwand mehr Gewinn Bessere Liquidität durch geringeren Kapitaldienst Nachteile Keine optimale Anlage, wenn EK nicht hoch genug verzinst wird Persönliches Risiko, da EK= Haftungsgrundlage Zwang zur guten Verzinsung durch Verzinsungsanspruch der EK-Geber EK = EK + ½ Sonderposten m. Rücklagenanteil + ½ Pensionsrückstellungen Langfr. FK = langfr. Verbindlichkeiten + ½ Pensionsrückstellungen Kurzfr. FK = kurzfr. Verb. (aus Lieferung & Leistung) +½ SoPo mit Rücklagenanteil+ Wechsel

Problem ist beim Fremdkapital, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern noch Kreditlinien zur Verfügung stehen Durch Stichtagsbezogenheit können die Quoten durch Bilanzpolitik verändert werden Eigenkapitalanteil Kennzahlen der Kapitalstrukturanalyse Kennzahl Berechnung Fremdkapitalanteil Anteil des langfristigen Fremdkapitals Anteil des kurzfristigen Fremdkapitals je höher der Eigenkapitalanteil umso kreditwürdiger und damit umso weniger Verpflichtungen (finanziell + Weisung) gegenüber Gläubigern

2.2.3.3 Kennzahlen zur Anlagenfinanzierung (Investierung) Die Deckung (Finanzierung) des Anlagevermögens durch Eigenkapital (Deckungsgrad I) und durch das gesamte langfristige Kapital, also durch Eigen- u. langfristiges Fremdkapital (Deckungsgrad II), ist zugleich ein wichtiger Maßstab zur Beurteilung der Kapitalausstattung und damit der finanziellen Stabilität des Unternehmens. Ermittlung der strategischen Liquidität Früher galt die Goldene Bilanzregel: EK/AV >1 Heute ist es kaum möglich, dass Anlagevermögen komplett mit Eigenkapital zu finanzieren, so dass die Regel dahingehend modifiziert wurde, dass das Anlagevermögen langfristig finanziert sein muss Kennzahlen der Liquiditätsanalyse Kennzahl Anlagendeckungsgrad 1 keine feste Zielgröße Berechnung Anlagendeckungsgrad 2 1 als Zielgröße Ziel ist die Fristenkongruenz, d.h. die Güter werden über die Länge ihrer Nutzungsdauer finanziert Ein Anlagendeckungsgrad, der deutlich über 1 liegt ist nicht unbedingt sehr vorteilhaft langfristig zur Verfügung stehendes Kapital soll langfristig Vermögen decken Goldene Bilanzregel

2.2.3.4 Kennzahlen zur Liquidität Analyse der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens Die Liquiditätskennziffern sind jedoch mittlerweile weitgehend durch den Cashflow verdrängt Kennzahlen der Liquiditätsanalyse Kennzahl Berechnung Liquidität 1. Grades (Barliquidität) keine feste Zielgröße (meist 50%) Liquidität 2. Grades 100% als Zielgröße Liquidität 3. Grades 200% als Zielgröße Die Liquidität 1. Grades gibt Auskunft über die Liquiditätssituation des Unternehmens. Die Liquidität 2. Grades ist am bedeutsamsten, da die Verbindlichkeiten nicht immer sofort, sondern mit Zahlungsziel fällig werden und somit ein Barbestand in voller Höhe nicht erforderlich ist Wertpapiere sind erst in der Liquidität 3. Grades enthalten Die Liquidität 3. Grades ist eigentlich nur für Handelsunternehmen mit Vorräten interessant, da diese ja auch zu einem kurzfristig späteren Zeitpunkt zu Rückflüssen führen Kritikpunkte der Liquiditätskennzahlen (hauptsächlich 2. Grad): o Wertpapierproblematik Wertpapiere sind sehr liquide und tauchen erst im Liquiditätsgrad 3 auf o Unsicherheit über Forderungseingänge o Stichtagsbetrachtung & durch späte Bilanzerstellung sind die Zahlen veraltet

2.2.3.5 G u V - Kennzahlen dient der Darstellung von Abhängigkeiten des Unternehmens Personalaufwandsquote Wichtige Kennzahl, da Personalaufwand Fixkosten darstellen und somit problematisch sind, wenn die Umsatzerlöse sinken Bei Dienstleistungsunternehmen ist eine Quote bis 60% gut (bis 70% noch akzeptabel) Bei Industrieunternehmen ist eine Quote von ca. 30% als Zielgröße anzusehen Materialquote Beim Handel traditionell sehr hoch und bei Dienstleistungsunternehmen niedrig Zinsquote je größer die Quote, desto abhängiger ist das Unternehmen von FK-Gebern hohe Quote: o Umsatz ist stark fremdfinanziert o Hohes Risiko bei Umsatzrückgang o Hohe Belastung viel Kapital, dass nicht produktiv re-investiert werden kann hohe Liquiditätsbindung Einschränkung der Geschäftstätigkeit Bis 10% sind bei anlagenintensiven Unternehmen noch akzeptabel ABER: Eine hohe Quote kann auch durch eine Übernahme resultieren

Deckungsbeitragsquote Deckungsbeitrag = Anteil der Fixkosten, der durch den Verkauf eines Produktes gedeckt ist Da der Deckungsbeitrag aus der Bilanz nicht ersichtlich ist, nimmt man ersatzweise folgende Größen: o Bruttogewinn = Umsatzerlöse Materialaufwand o Betriebsergebnis = Bruttogewinn Personalaufwand o Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit = Betriebsergebnis AfA sonstige betriebliche Aufwendungen Deckungsbeitragsquote = Eine sinkende Quote deutet auf eine prozentuale Ergebnisverschlechterung und eine geringere Kapazitätsauslastung hin Leistung je Mitarbeiter Gesamtleistung = Umsatz + sonstige betriebliche Erträge +/- Bestandsveränderung + aktivierte Eigenleistungen Ein Mitarbeiter sollte mindestens das 3,5- bis 5-fache seines Jahresgehaltes erwirtschaften Problem: Freiberufler / ausgelagerte Mitarbeiter erhöhen künstlich die Quote 2.2.3.6 Rentabilität Bereinigter Jahresgewinn = Jahresüberschuss + außerordentliche Aufwendungen außerordentliche Erträge (- kalkulatorischer Unternehmerlohn) Kalkulatorischer Unternehmerlohn o Bei einem Geschäftsführer: Personalaufwand an Bank Aufwand o Bei Einzelunternehmen: Privatentnahme an Bank kein Aufwand o Um Vergleichbarkeit herzustellen, muss der Unternehmerlohn bei Personengesellschaften vom Gewinn abgezogen werden o Ermittlung: durchschn. Geschäftsführergehalt in dieser Branche Außerordentliche Erträge / Aufwendungen sind nicht wiederholbar und spiegeln daher nicht die reale Ertragskraft des Unternehmens wieder

2.2.3.6.1. Kapitalrentabilität Die Kapitalrentabilität ist der Maßstab für den Ertrag des im Unternehmen investierten Eigenund Fremdkapitals. Sie wird nach Eigenkapitalrentabilität und Rentabilität des Gesamtkapitals getrennt ermittelt. Letztere ist bedeutsamer. Eigenkapital-Rentabilität Zielgröße: langfr. Zins für Bundespapiere + Risikozuschlag Wichtig ist, dass die Rendite höher als die der Bundespapiere ist Ist immer eine kurzfristige Betrachtung langfristige Beobachtung nötig, um besondere Effekte nicht zu stark einfließen zu lassen Gesamtkapital-Rentabilität Gesamtkapitalrentabilität ist mit dem Leverage-Effekt verbunden Leverage-Effekt durch Einsatz von Fremdkapital wird die Eigenkapitalrendite gesteigert Die Gesamtkapitalrendite gibt den maximalen Zins an, der für neue Kredite gezahlt werden kann, damit der Leverage-Effekt funktioniert 2.2.3.6.2 Umsatzrentabilität gibt an, wie viel Gewinn auf 100 Umsatz gemacht werden gibt somit den Preisgestaltungsspielraum an Beispiel: o Umsatzrendite = 17% o Damit hat das Unternehmen die Möglichkeit die Preise um bis zu 17% zu senken, ohne das es Probleme gibt Kritik an den Rentabilitätskennziffern Bezug zwischen Umsatz und Gewinn ist nicht immer gegeben, da der Gewinn auch aus Finanzgeschäften stammen kann Basis für die EK-Rendite ist nicht exakt, da im EK vom 31.12. schon der Gewinn enthalten ist besser ist es daher das EK vom 01.01. zu nehmen Aussagen über die Gesamtkapitalrendite lassen keine Prognose für die Zukunft zu

Fazit Die Bilanz ermöglicht eine Bewertung und Beurteilung des Unternehmens und seines wirtschaftlichen Erfolges. Die Bilanz beinhaltet aber auch die Grundlagen für unternehmerische Entscheidungen. Der Zeitvergleich hat mit die größte Aussagekraft. Aus der Aufbereitung und Gegenüberstellung der drei letzten Bilanzen sind die absoluten Veränderungen abzulesen. Die Veränderungen selber sind am eindeutigsten anhand von Prozentwerten oder anderer Kennziffern darzustellen, da sie mehrere Zahlen miteinander verknüpfen (Beispiel Lagerumschlag). Außerdem ist der Vergleich der eigenen Kennziffern mit Kennziffern aus dem Branchenvergleich des Instituts für Handelsforschung (kostenpflichtig) an der Universität zu Köln (IfH), einer Erfa-Gruppe, eines Einkaufsverbandes oder sonstiger Veröffentlichungen von besonderer Bedeutung. Die eigenen Stärken und Schwächen werden so in wenigen Kennziffern ausgedrückt. Viele mittelständische Unternehmen sind sich der Tatsache bewusst, dass in Ihrem Unternehmen Schwachstellen vorhanden sind, können diese aber nicht lokalisieren. Dies liegt häufig in einem unzureichenden Einsatz von Planungs- und Kontrollinstrumenten begründet. Dadurch werden Stärken und Schwächen nicht rechtzeitig erkannt und dementsprechend wird zu spät oder gar nicht auf Entwicklungen reagiert.