Horst W. Opaschowski, Feierabend?
Horst W. Opaschowski Feierabend? Von der Zukunft ohne Arbeit zur Arbeit mit Zukunft Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 1998
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Opaschowski, Horst W.: Feierabend? Von der Zukunft ohne Arbeit zur Arbeit mit Zukunft/Horst W. Opaschowski. ISBN 978-3-663-10049-2 DOI 10.1007/978-3-663-10048-5 ISBN 978-3-663-10048-5 (ebook) 1998 Springer Fachmedien Wiesbaden Ursprünglich erschienen bei Leske + Budrich, Opladen 1998 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfaltigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Inhalt Vorwort I. Die Beschäftigungskrise. Problemanalysen und Lösungsansätze 1. Ausgangsdaten 2. Von der Voll- zur Unterbeschäftigung 3. Zukunft der Arbeit: Arbeit ohne Zukunft? 4. Drohender Ausverkauf der Arbeitslust 5. Herausforderung an Wirtschaft und Gesellschaft 6. Folgen für die Personalpolitik 7. Hilferuf der Jugend an Staat und Wirtschaft 8. Lösungsansätze aus der Sicht der Bevölkerung 8.1 Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren 8.2 Neue Existenzgründungen fördern 8.3 Sozialeinkommen mit gemeinnütziger Tätigkeit verbinden 8.4 Teilen der Erwerbsarbeit 9. Mehr Zeit, weniger Geld - und die Folgen 11. Die Leistungsgesellschaft. Beschäftigungschancen und Sinnperspektiven 1. Abschied von der Arbeitsgesellschaft 2. Sinnwelt Arbeit - Sinnwelt Freizeit: Von der Alternative zur Symbiose 3. Auflösung des Arbeit-Freizeit-Paradigmas 4. Ein erweiterter Arbeitsbegriff 5. Von der Arbeits- zur Schaffensfreude 6. Wandel des Leistungsverständnisses 7. Leistung als Credo des 21. Jahrhunderts 8. Chancen und Risiken einer neuen Leistungskultur 9. Das puritanische Erbe überlebt sich III. Die Arbeitswelten der Zukunft. Leistungs- und Solidarisierungspotentiale 1. Die Arbeit hat viele Gesichter: Zwischen Erwerbstätigkeit und Gemeinnützigkeit 2. Die Erwerbs-Arbeit 2.1 Hoffnungsträger Telearbeit? 2.2 Wieder-Entdeckung der Dienst-Leistung 2.3 Wandel im Karrierebewußtsein 2.4 Neue Anreize für berufliche Mobilität 2.5 New Work: Arbeit muß Spaß machen 2.6 Vom Abhängig Beschäftigten zum Neuen Selbständigen 2.7 Arbeitsformen der Zukunft 5
3. Die Lern-Arbeit 4. Die Familien-Arbeit 5. Die Gesellschafts-Arbeit 6. Neue Solidarität: Soziales Voluntariat als Zweitkarriere 7. Neue Berufe: Die Macher gehen, die Inspiratoren kommen 8. Neue Lebensziele: Wie wollen wir eigentlich leben? 9. Ausblick: Die Tätigkeitsgesellschaft als visionäre Zukunft Grundlagenliteratur 6
Vorwort An der Schwelle zum 21. Jahrhundert werden wir mit einer Reihe unbequemer Wahrheiten konfrontiert: Die alte Arbeitsgesellschaft ist tot. Das Leitbild der Vollbeschäftigung ist überholt. Der Ausverkauf der Arbeit beginnt. Schluß. Aus. Vorbei. Was machen wir ohne Arbeit? Und was kommt danach? Der Buchtitel ist doppeldeutig, läßt hoffen, hat aber auch Fallbeil Charakter: Ende der Arbeit, Schattenwirtschaft ohne Ende. Das Gespenst der Globalisierung geht um in der westlichen Welt. Die Arbeit wandert aus, die Industriegesellschaft verschwindet. Jeder neunte Europäer ist ohne Arbeit, die Hälfte davon bereits seit mehr als einem Jahr. "Wieviel Arbeit braucht der Mensch?" fragte schon Anfang der achtziger Jahre die österreichische Sozialforscherin MARIE J AHODA die gesamte westli - che Welt. Diese Frage ist heute offener denn je. Die westlichen IndustriegeseIlschaften stehen vor ihrer größten Herausforderung seit hundert Jahren: Ihr Arbeitsmodell der Zukunft soll der "Formel 20 zu 80" (HANS-PETER MARTIN/HARALD SCHUMANN) gleichen, wonach nur mehr zwanzig Prozent der Bevölkerung eine bezahlte Arbeit bekommen. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend wird der "Übergang zur Freizeitgesellschaft" (BUND) heraufbeschworen, der den übrigen achtzig Prozent "Tittytainment" (ZBIGNIEW BRZEZINSK/), "McDonaldisierung" (GEORGE RITZER) oder "Disney-Kolonialisierung" (BENJAMIN R. BARBER) beschert. Erinnerungen an GEORGE ORWELLS Zukunftsroman,,1984" werden wach, wonach die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ihr Leben nur noch mit der Sorge um Heim und Kinder, kleinlichen Streitigkeiten mit Nachbarn, Kino, Fußball, Bier und vor allem Glücksspielen ausfüllen werde... So wird und so darf die Zukunft im nächsten Jahrhundert nicht enden. Arbeit hat eine Zukunft, weil es weiterhin sinnvolle Aufgaben für alle gibt. Sicher: Die Erwerbsarbeit ist im 21. Jahrhundert keine Garantie für Wohlstand und Lebensqualität mehr. Mut zur sozialen Phantasie ist daher gefordert. Wege aus der arbeitslosen Gesellschaft müssen gefunden werden. Die Suche nach neuen Arbeitswelten muß zum Credo für das 21. Jahrhundert 7
werden. Im gleichen Maße, wie die bezahlte Arbeit zur Mangelware wird, muß ernsthaft Ausschau nach neuen Beschäftigungsformen gehalten werden, die Existenzsicherung und Lebenserfüllung gleichermaßen gewähren. Die Arbeit ist tot! Es lebe die Arbeit! Solche Zukunftsthesen provozieren, müssen provozieren, zwingen zum Umdenken und Handeln. Ein entsprechendes Vorgehen wird ebenso unkonventionell wie unbequem sein. Es beginnt mit einer Neubewertung, ja Aufwertung des Arbeitsbegriffs und schließt auch notwendige Maßnahmen zur Entkoppelung von Erwerbs-Arbeit und sozialer Sicherung nicht aus. Dazu gehört insbesondere die Frage eines garantierten Grundeinkommens für alle Nichterwerbstätigen, wenn sie den Nachweis gemeinnütziger Tätigkeit erbringen. Das Buch will Orientierungen für das 21. Jahrhundert geben, damit soziale Konflikte großen Ausmaßes verhindert werden und soziale Gerechtigkeit für alle erhalten bleibt. Wir müssen Abschied nehmen von der alten Arbeitsgesellschaft, damit neue Arbeitswelten eine Zukunft haben. HORST W. OPASCHOWSKI 8