Inklusion in der Einrichtung. Geht das? Prof. Dr. Bernd Halfar Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Das ist eine Zusammen-Fassung des Vortrages: Strategien der Leistungsträger im Zeitalter der Inklusion von Bernd Halfar. Um was geht es? Herr Halfar fragt: Was machen die Einrichtungen eigentlich für die Inklusion? Wird dadurch das Leben der Menschen besser? Herr Halfar sagt: Alle reden von Inklusion. Inklusion ist ein Wort. Aber: Worte alleine machen das Leben der Menschen nicht besser. Worte führen zu Tagungen, zu Büchern, zu Fortbildungen. Was steht bei der Inklusion im Mittel-Punkt? Ist es wirklich die Lebens-Qualität der behinderten Menschen? Halfar: Inklusion in der Einrichtung 1
Viele Politiker und andere Menschen sagen: Menschen mit Behinderung sollen nicht mehr in Werkstätten arbeiten. Und sie sollen nicht in Heimen wohnen. Und sie sollen nicht in Förder-Schulen lernen. Können diese Menschen das bestimmen? Wie ernst meinen sie das? Geben sie dafür auch mehr Geld aus? Herr Halfar hat dazu 6 Fragen. 1. Brauchen wir noch die Behinderten-Verbände? Inklusion heißt: Behinderte und nicht-behinderte Menschen können alles zusammen machen. Die Behinderung eines Menschen soll nicht darüber entscheiden, wo wir arbeiten, lernen und leben. Wenn die Behinderung keine Rolle mehr spielt, dann brauchen wir keine Behinderten-Vereine und Verbände mehr. Dann müssen wir die Behinderten-Verbände auflösen. Ist das die richtige Schluss-Folgerung? Oder ist es vielleicht falsch? Ist so viel Inklusion vielleicht gar nicht sinnvoll? Halfar: Inklusion in der Einrichtung 2
2. Was ist mit den Menschen, die in der Einrichtung bleiben wollen? Inklusion heißt: Behinderte Menschen sollen nicht mehr in Heimen wohnen und in Werkstätten arbeiten. Aber es gibt Menschen mit Behinderung, die gerne in einer Werkstatt arbeiten. Und es gibt Menschen mit Behinderung, die gerne in einer großen Einrichtung leben. Was sagt man zu denen, die in den Einrichtungen bleiben? Nennt man sie die Inklusions-Verweigerer, die Schwachen, die Versager? Welches Bild bekommen dann diese Einrichtungen? Sagt man dann: Die guten Behinderten sind draußen. Die schlechten Behinderten sind drinnen? 3. Wer prüft, ob das Leben der behinderten Menschen besser wird? Wenn die Inklusion ein wichtiges Ziel ist, dann muss Inklusion auch die Lebens-Qualität der Menschen mit Behinderungen verbessern. Das wird wahrscheinlich bei den meisten Menschen auch so sein. Aber wissen wir das wirklich? Oder glauben wir vielleicht nur daran? Halfar: Inklusion in der Einrichtung 3
Jede Einrichtung und jede Firma prüft die Zahlen und die Abrechnungen. Das nennt man: Controlling. Das heißt auf deutsch: Kontrolle. Das Controlling sagt, ob die Firma gut und wirtschaftlich arbeitet. Dann muss man in einer sozialen Einrichtung auch die Lebens-Qualität der Menschen prüfen. So kann man genau sagen, ob die Arbeit auch eine Auswirkung auf die Lebens-Qualität hat. Aber warum tun wir es nicht? 4. Wie viel Inklusion ist in einer Einrichtung möglich? Wie wäre es, wenn wir Inklusion in unseren Einrichtungen haben. Als normaler Kunde kann ich sehr viel bestimmen: Zum Beispiel beim Frisör: Ich wähle die Person, die mir die Haare schneiden soll. Ich bestimme die Zeit. Und ich sage, wie ich die Haare haben möchte. Jetzt stellen Sie sich vor: Jeder behinderte Mensch in einer Wohn-Einrichtung könnte 4 Stunden pro Woche einen Mitarbeiter für sich alleine haben und bestimmen, was passiert. Geht das? Halfar: Inklusion in der Einrichtung 4
Inklusion heißt: Man kann mehr mit-bestimmen, wie etwas gemacht wird, und wer es macht. Heißt Inklusion dann auch, dass Menschen mit Behinderung bei den Dienst-Pläne mit-bestimmen? Und dass sie bestimmen, wer in dem Wohn-Heim arbeitet? 5. Wer sagt, was gute Arbeit ist? Inklusion heißt, dass man mehr mit-bestimmen kann. Aber können die Menschen mit Behinderung bestimmen, was gute Arbeit ist? Die Träger und die Einrichtungen schreiben Qualitäts-Handbücher. Da steht zum Beispiel: Wie soll man etwas machen? Worauf soll man achten? Wer muss welche Sachen unterschreiben? Und vieles mehr. Sollten nicht die Menschen mit Behinderungen selbst sagen, was gute Arbeit ist? Und wie würde dann die Arbeit aussehen? Halfar: Inklusion in der Einrichtung 5
6. Wie können unsere Angebote für alle sein? Inklusion bedeutet, dass die Behinderung keine Rolle spielen soll. Aber es gibt viele Angebote nur für behinderte Menschen. Herr Halfar fragt: Wie machen wir die Angebote so, dass sie nicht den Stempel: Behinderten-Dienst-Leister haben? Denn die Angebote sollen für alle da sein, nicht nur für behinderte Menschen. Wie können unsere Angebote für alle sein? Halfar: Inklusion in der Einrichtung 6