5.2 Gotik XVII

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Transkript:

Kultur des Bauens Romanik Kultur des Bauens Türme gab es begleitend zur Apsis und auch im Westen neben dem Eingang. Anfänglich waren die Kirchen mit flachen hölzernen Decken versehen, wie bei St. Michael in Hildesheim, später mit Tonnen- oder Kreuzgewölben. Bei Dreikonchenanlagen, wie in Köln, gruppierten sich um die Vierung drei halbrunde Altarnischen, die Konchen. Im gebundenen System ist die Vierung das Grundmaß des Hauptschiffes. Zwei Gewölbefelder des Seitenschiffes entsprechen einem des Hauptschiffes. Es ergibt sich dadurch ein Wechsel aus Hauptstützen und Nebenstützen, die nur das Gewölbe des Seitenschiffes tragen. Die Kaiserdome in Mainz, Speyer und Worms sind nach diesem System erbaut. Um den Schub der Gewölbe aufzunehmen, bedurfte es dicker Mauern, wodurch die Gebäude massig und wehrhaft wirken mit wenigen, formal reduzierten Ornamenten. Im Laufe der Jahre wurde die Ornamentierung reicher, die Rippen der Gewölbe wurden hervorgehoben, die Stützen mit Halbsäulen oder Säulenbündeln betont. Die einfachen Würfelkapitelle der Frühzeit wurden ornamentiert oder durch Figurenkapitelle ersetzt. Die Öffnungen waren mit Rundbögen überspannt, manchmal als gekuppelte Fenster unter einem gemeinsamen Bogen. Rundfenster und Kleeblattfenster waren seltener zu finden. Portale waren häufig als Trichterportale mit Halbsäulen oder frei stehenden Säulen ausgebildet. Säulen wurden später auch als Säulenbündel mit Knoten oder wie ein Seil gedreht ausgebildet. Massive und wehrhafte Steinbauten Tonnengewölbe und Kreuzgewölbe mit dicken Mauern zur Aufnahme des Gewölbeschubs Rundbogenöffnungen, runde Fenster, gekuppelte Fenster, Trichterportal. Würfelkapitell, Figurenkapitell, einfacher Figurenschmuck Speyer, Dom 1030 1106 5.2 Gotik 1250 1500 Schon um 1150 entstanden in Frankreich die ersten gotischen Kathedralen. Um 1250 wurden das Straßburger Münster und der Kölner Dom begonnen, der erst im 19. Jh. fertiggestellt wurde. Das gebundene System wurde erweitert, indem die Seitenschiffe um den verlängerten Chor herumgeführt werden, auch wurde das Querhaus häufig mehrschiffig ausgeführt. Türme stehen beiderseits des Eingangs an der Westseite. Wände und Gewölbe wurden in tragende Steinrippen und dünne Füllungen mit großen Fensteröffnungen aufgelöst. Die Rippen des Gewölbes werden als Dienst einer Vorlage vor dem Pfeiler oder als Bündelpfeiler weitergeführt. Mit einem System aus Strebebögen und - pfeilern wurde der Gewölbeschub abgeleitet, kleine Türmchen auf den Strebepfeilern, die Fialen, dienten als Auflast. Der Spitzbogen kam dem tatsächlichen Kräfteverlauf nahe und entwickelte einen dynamischen Zug nach oben. Die Vertikale war die bestimmende Richtung im Inneren, obwohl die Wände wie in der Romanik horizontal gegliedert waren. Die Fenster wurden mit feinem Maßwerk aus Stein unterteilt und mit in Blei gefassten farbigen Scheiben als hinterleuchtete Bilder gestaltet, die die biblische Geschichte erzählten. Die Versuche, höher und feingliedriger zu bauen, führten bei vielen Bauwerken zu teilweisen Einstürzen der Gewölbe. Die Fassaden waren wie die tragende Struktur aufgelöst und mit reicher Bauplastik versehen. Die Figuren waren realistisch fließend nach oben gewandt und mit kunstvollem Faltenwurf der Gewänder versehen. Murrhardt, Portal 1230 Worms, Dom 1125 1230 Paris, Nôtre Dame 1160 begonnen Köln, Dom, Schnitt und Grundriss 1248 begonnen XVII

Kultur des Bauens Kultur des Bauens Gotik Außer dem basilikalen Grundriss, bei dem das Hauptschiff die Seitenschiffe überragt und durch die Fenster im Obergaden Licht erhält, baute man Hallenkirchen, die nur über die Außenwand belichtet wurden. Die Wölbungen des Haupt- und Seitenschiffes beginnen meist in gleicher Höhe, können aber auch versetzt sein, um den riesigen Dachstuhl auszunützen, wie bei St. Stephan in Wien. Dessen Baugeschichte zeigt, dass der Dombau über Jahrhunderte eine große Anstrengung der Bürgerschaft erforderte. Der gotische Chor wurde 1340 begonnen. Damals stand noch die romanische Vorgängerkirche aus dem 12. Jh., von der nur das Westportal mit den kleinen Türmen erhalten blieb. Das Langhaus wurde um die bestehende Kirche herum gebaut und erst um 1450 gemeinsam mit dem Südturm beendet. Dann erst wurde das romanische Langhaus abgetragen. Der Nordturm wurde nie fertiggestellt. Die netzartige Gewölbestruktur ist für die Spätgotik typisch. Im Norden, wo Natursteine knapp sind, entwickelte sich die Backsteingotik. Im Vergleich zur Feingliedrigkeit des gotischen Steinbaus sind die Gebäude in ihrer Erscheinung strenger und einfacher. Nach dem Vorbild der Lübecker Marienkirche (1250 1350) wurde die Nikolaikirche in Wismar um 1380 als Basilika mit Chorumgang begonnen. Nach der Einwölbung wurde sie 1459 geweiht, aber nach einem teilweisen Gewölbeeinsturz erst um 1550 fertiggestellt. Profanbauten Neben öffentlichen Bauten entstanden Bürgerhäuser, die vom Wohlstand und Reichtum der Besitzer zeugen. In den Hansestädten Lübeck und Wismar findet man viele Beispiele dafür, wie das Staffelgibelhaus Alter Schwede in Wismar von 1380, dem ältesten Profanbau der Stadt. Als neuer Bautyp sozialer Einrichtungen entstanden Spitäler, die eine vom Klosterbau abgeleitete Grundrissanordnung hatten. Das Heiligengeistspital in Lübeck wurde 1286 erbaut. Die Krankenbetten standen in einer großen Halle, in die später 4 m 2 große Kammern eingebaut wurden. Für das Seelenheil der Kranken gab es eine Kirche. Stadttore waren funktionelle Wehrbauten und Zeichen nach außen, das vom Wohlstand der Stadt zeugte. Das Holstentor in Lübeck mit seinen beiden flankierenden Rundtürmen wurde 1478 vollendet. Besonders in Handelsstädten zeigte das Bürgertum mit aufwendigen Rathausbauten Selbstbewusstsein gegenüber der Macht der Kirche. Meist war im Erdgeschoss eine Markthalle untergebracht, wie beim Rathaus in Münster. Darüber befand sich in gleicher Größe der Bürgersaal. Auch in Ulm wurde das Erdgeschoss ursprünglich als Markthalle genutzt. Neben diesen Beispielen einer Bauweise, welche Stilelemente der Sakralbauten übernahm, können Rathausbauten auch als prächtige Bürgerbauten auftreten, wie das als Fachwerk gebaute Rathaus in Markgröningen um 1440. Leichte, vielfach durchbrochene Steinbauten Betonung der Vertikalen Spitzbogen Rippengewölbe, Netzrippengewölbe und Netzgewölbe Aufnahme des Gewölbeschubs durch Strebebögen und -pfeiler, dadurch dünne Außenwände mit großen Öffnungen. Bündelpfeiler Basilikale Grundform und Hallenkirchen Im Norden Backsteingotik Spitzbogenöffnungen und Rosettenfenster mit Maßwerk unterteilt, farbige Glasfenster Stadttore, Rathäuser, Spitäler, Bürgerbauten Reicher Figurenschmuck in fließenden Formen XVIII Wien, St. Stephan, spätgotische Hallenkirche, Gewölbe 1340 Wismar, Nikolaikirche, späte Backsteingotik 1380 Lübeck, Heiligengeistspital, 1286 Wismar, Alter Schwede Lübeck, Holstentor, 1478 Münster, Rathaus, 1320 Ulm, Rathaus, 1370 Markgröningen, Rathaus, 1440

1 1 Bauplanung und Bauantrag Bauvorlagen Der schriftliche Teil des Lageplanes kann einen Teil der für den zeichnerischen Lageplan vorgesehenen Angaben enthalten, wenn es der Übersichtlichkeit dient. Er enthält im Wesentlichen die Bezeichnungen des Baugrundstücks sowie der angrenzenden Nachbargrundstücke mit Anschrift der Eigentümer. Diese Angaben entsprechen dem Liegenschaftskataster oder dem Grundbuchblatt. Angaben zu Baulasten oder sonstigen Beschränkungen sind ebenfalls anzugeben. Die Festsetzungen des Bebauungsplans und die Nachweise der Grundflächenzahl, der Geschossflächenzahl und gegebenenfalls der Baumassenzahl sind auch im schriftlichen Teil enthalten. Ebenso muss die geplante und die vorhandene Art der baulichen Nutzung ersichtlich sein. Die Berechnung von Grundflächenzahl, Geschossflächenzahl oder Baumassenzahl kann auch formlos erfolgen oder auf einem Formblatt, das entsprechend in dem jeweiligen Bundesland erhältlich ist. Bauzeichnungen Die Bauzeichnungen für einen Bauantrag bestehen aus den Grundrissen sämtlicher Geschosse und des nutzbaren Dachraums, den Schnittzeichnungen und den Ansichten, jeweils im Maßstab 1 : 100. Sämtliche Bauzeichnungen enthalten die Angabe des Maßstabs. Im Erdgeschossgrundriss ist der Nordpfeil darzustellen. Alle Grundriss- und Schnittzeichnungen sollen die wichtigen Maße, die wesentlichen Baustoffe und Konstruktionsarten darstellen. Brandwände und andere Brandschutzmaßnahmen wie Feuerschutztüren sind einzuzeichnen. Bei Änderungen oder beim Umbau eines Gebäudes müssen alle zu entfernenden und alle neu zu errichtenden Bauteile entsprechend farblich gekennzeichnet werden. Diese Farben sind in einer Legende so anzugeben: Mauerwerk rot Bestand grau Beton grün Abbruch gelb In den Grundrissen sind die Treppen, Schornsteine bzw. Abgasanlagen, Feuerstätten, Brennstoffbehälter, Lichtschächte (z. B. in Kellergrundrissen), Toiletten, Duschen, Badewannen und Spülbecken darzustellen. Weiter sind die Schnittlinien und im Erdgeschossgrundriss die Baugrenzen bzw. die Baulinie einzuzeichnen. Die Bemaßung gibt die Maße der Wände, Treppen und Schornsteine sowie die Lage und Größe der Fenster an. Die Raumflächen sind zu bemaßen und die Raumwidmungen einzutragen. Die Schnittzeichnungen stellen die Geschosshöhen, die lichten Raumhöhen, den Verlauf von Treppen mit Angabe der Stufenzahl und des Steigungsverhältnisses, Rampen, die Anschnitte des vorhandenen künftigen Geländes und die Dachneigung dar. Bemaßt werden nur Höhenmaße mit Maßlinie und mit Höhenkoten. Die Höhe das Erdgeschosses über dem Normalnull ist anzugeben. Die Ansichtszeichnungen stellen außer den Ansichten des zu errichtenden Gebäudes auch die Anschlüsse an Nachbargebäude dar. Teilweise müssen sie Angaben zu Firsthöhe, Dachneigung, Wandhöhen, Gebäudeeckpunkten, Geländehöhen über NN (Normalnull) und Straßengefälle enthalten. Die Bemaßung enthält nur die Maße, die aus dem Schnitt nicht ersichtlich sind. +7.16 +3.98 +3.04 +12 18.1/27.0 18.0/27.0 3.75 7.31 16 3.75 6.99 16 49 49 1.01 49 1.51 25 241.01 491.01 2.99 1.25 76 2.63 5 76 1.63 5 24 3.67 8 1.01 8 26 1.82 8 3.26 24 24 1.01 2.26 1.00 35 40 KÜCHE 1.25 1.00 VORR WC 2.08 m² 7.16 m² 2.32 8 3.17 +0,16 9.70 m² 31.12 m² ±0,00 EG ±0,00 = 256,44 Ü.NN TERRASSE 31.31 m² +0,12 3.26 40 75 1.37 +0,12 2.47 5 12 5 2.28 5 26 5 1.40 76 BAD 4.50 m² FLUR 4.97 m² WOHNEN DN 40 10 2.16 16 2.60 10 2.55 15 2.26 20 2.76 20 2.65 32 5 SCHLAFEN 13.07 m² 4 24 2.42 8 7.76 24 49 16 86 5 1.13 5 1.36 5 4.01 1.11 5 2.25 2.63 5 16 10.74 16 75 25 2.52 65 3.34 11.06 TH= +7.75 5 +5.93 5 +3.06 DN 40 1.37 18.1/27.0 EG ±0,00 = 256,44 Ü.NN +16 ±0.00-2.36 +2.96-2.46 18.0/27.0 Baugesuchsplan: Grundriss Erdgeschoss und Schnitt TH= +4.16 5 +3.53 5 Baugesuchsplan für den Umbau eines Wohnhauses in Wien 1.62 8 2.31 24 4.01 24 4.01 24 1.25 6.24 1.25 1.63 5 1.63 5 +2.63 5 +12 16 4.25 4.49 16 GEL -15 46

6 Wände Projektaufgabe 6 6.11 Projektaufgabe Sie sind maßgeblich in die Planung des auf S. 53 60 dargestellten Einfamilienhauses einbezogen und sollen sowohl statische, wärmeschutztechnische als auch gestalterische Aufgaben lösen. Statik 1. Unterscheiden Sie im Grundriss auf S. 55 tragende Wände und nichttragende Wände voneinander. Begründen Sie Ihre Antwort. 2. Der Bauherr wünscht im Erdgeschoss einen offenen Grundriss und möchte Wohnbereich, Küche und Vorraum nicht durch die geplante Wand voneinander trennen. Welche statische Funktion hat diese Wand? 3. Im Wohnbereich soll als Raumteiler eine 11,5 cm dicke, zweiseitig gehaltene Wand eingebaut werden. Ermitteln Sie für diese Wand die Knicklänge h k und die Schlankheit l. Wärmeschutz 4. Suchen Sie für den Aufbau der Außenwand (vgl. S. 57) Materialien mit geringer Wärmeleitfähigkeit l aus und berechnen Sie damit den Wärmedurchlasswiderstand R. 5. Berechnen Sie den Wärmedurchgangswiderstand R T und den Wärmedurchgangskoeffizienten U. Wurde der Mindestwert nach EnEV eingehalten? 6. Machen Sie eine Vergleichsrechnung, wenn statt Ziegeln Kalksandsteine verwendet werden sollen und beurteilen Sie das Ergebnis. 7. Ermitteln Sie für den Außenwandbereich, wie viel m 2 Wärmedämmung benötigt wird. Notwendige Maße können aus den Ansichten S. 59/60 herausgemessen werden. 8. Markieren Sie im abgebildeten Schnitt durch das Wohnhaus die Systemgrenzen des Gebäudes bei einem unbeheizten Keller. 9. Ermitteln Sie die wärmeübertragende Umfassungsfläche A so genau wie möglich. 10. Berechnen Sie das beheizte Gebäudevolumen V e des Wohnhauses. 11. Berechnen Sie die Gebäudenutzfläche A N des Wohnhauses. 12. Ermitteln Sie das beheizte Luftvolumen V in der vereinfachten Form. 13. Machen Sie Vorschläge, wie der Wärmeschutz des Wohnhauses verbessert werden könnte. 14. Zeichen Sie einen Schnitt im Maßstab 1:10 durch die Außenwand des Wohnhauses im Bereich der Kellerdecke. 15. Tragen Sie in den in Aufgabe 14 gezeichneten Schnitt durch die Außenwand den Temperaturverlauf im Winter ein, wenn innen 20 C und außen 10 C herrschen. +9.55 30 30 Detailzeichnung Aufgabe 14 + 16 (nächste Seite ) D1 B3 B3 W2 B2 W1 B1 DG OG EG KG 2.09 5 95 +5.77 15 STG 18.1/26.0 +3.06 18.1/26.0 +0.16 18.0/26.0-2.36 +5.98 +6.02 +5.67 +3.06 +2.96 EG ±0.00 = 72.86 ü.nn +0.16 ±0.00-2.36-2.46 8 30 10 2.16 20 16 2.60 20 10 2.41 20 35 1.02 D2 2.47 5 12 5 2.28 5 12 5 249

14 Straßenbau Höhenplan 14 Höhenplan zum Lageplanausschnitt (normalerweise werden Lageplan und Höhenplan nicht auf einem Zeichnungsblatt abgebildet!) 523