Bedingungsloses Grundeinkommen

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Transkript:

Bedingungsloses Grundeinkommen Vorbemerkungen Idee des BGE Hartz IV Arbeitskritik Prämissen des BGE Einwände Modelle Bewertung Durchsetzung 1

Vorbemerkungen Das BGE ist nicht neu Neoliberale Konzepte zum Grundeinkommen 2

Vorbemerkungen Neoliberale Konzepte zum Grundeinkommen beabsichtigen beitragsfinanzierte Sozialversicherung incl. Arbeitgeberbeitrag abzuschaffen (fast) alle steuerfinanzierten Sozialleistungen aufzulösen eine v. a. von Arbeitnehmern finanzierte Grundsicherung Umstellung des Steuersystems zugunsten von Arbeitgebern und Besserverdienenden 3

Grundsicherung wenn kein anderes ausreichendes Einkommen vorhanden ist Bedürftigkeitsprüfung mit Arbeitsverpflichtung oder Nachweis Arbeitsbereitschaft wird an Haushalte gezahlt 4

Idee: Das BGE soll ein steuerfinanziertes Basiseinkommen für alle sein, in existenz- und teilhabesichernder Höhe und ohne sozialadministrative Bedürftigkeitsprüfung (Einkommen/Vermögen) bzw. ohne Arbeits-/Tätigkeitsverpflichtung. 5

Hartz IV BGE: Einkommen ohne Arbeit vs. Hartz IV: Arbeit ohne Einkommen Ziel: Lohnsenkung / Etablierung eines Niedriglohnsektors Mittel: Schaffung prekärer Arbeit ohne tragfähige soziale Absicherung und Niederreißen sozialer Auffangnetze 6

Hartz IV Folge: eine wachsende Grauzone aus Unterbeschäftigung (Über-)Ausbeutung staatlich organisierter Pseudoarbeit Scheinselbständigkeit 7

Arbeitskritik Westliche Industrieländer halten mit hohem administrativem und finanziellen Aufwand den Mythos der Erwerbsarbeit hoch, z. B. durch Manipulationen offizieller Statistiken Schaffung staatlich organisierter Pseudoarbeit 8

Arbeitskritik (..) Beschäftigungsagenturen sind..rangierbahnhöfe, auf dem Wägelchen mit der Aufschrift Arbeitslose auf abseitige Gleise jenseits der öffentlichen Kenntnisnahme dirigiert werden. Grasbewachsene Gleise, die irgendwo auf einer grünen Wiese landen. Dort werden die Wägelchen geleert und deren Insassen gezwungen, solange mit der Kinderpost zu spielen, bis sie wieder zurück aufs Wartegleis rangiert werden. Wer sich gut genug beträgt, darf der Rangierwärter sein. 9

Erweiterung des Arbeitsbegriffs Außerhalb der Erwerbsarbeit gibt es viele Tätigkeiten, die gesellschaftlich sinnvoll und wünschenswert sind Es gibt keine eindeutige und sinnvolle Defintion von Arbeit Ob jemand Einkommen erhält, kann daher nicht daran festgemacht werden, ob jemand arbeitet 10

Erweiterung des Arbeitsbegriffs Nicht-Arbeit heißt nicht Untätigkeit oder Nichtsnützigkeit Gesellschaftlicher Reichtum wird von allen Bürgern geschaffen, ob durch Erwerbsarbeit, Familienarbeit, bürgerschaftliche Arbeit oder Bildung Daraus erwächst ein Anspruch auf angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum 11

Der Gesellschaft geht die Arbeit aus Mikroelektronisch u. EDV-bedingte Produktivitätssteigerungen massiver Stellenabbau in Industrieländern 1970-1996 ist in West-D das Arbeitsvolumen > als 1/5 zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum ist hier die Produktivität um über 60% gestiegen. 12

Der Gesellschaft geht die Arbeit aus Beispiele für Rationalisierungswellen in Banken: Büroautomation, Selbstbedienung im Handel betroffen: jede Form d. Groß- / Zwischenhandels zugunsten direkter Abwicklung zw. Hersteller u. Kunden im Vertrieb: Bedeutungsverlust des klassischen Versicherungsvertriebs 13

Das Wirtschaftswachstum kann nicht weiter steigen Die BRD-Wirtschaft ist 1950 72 um das 7 fache u. seit 1972 noch einmal um das 2 fache gestiegen wird es immer schwerer, hohe Wachstums-raten zu erreichen. Das derzeit noch erzielbare Wachs-tum führt meist nicht zur Schaffung, sondern zum Abbau von Arbeits-plätzen ( jobless growth ) 14

Das Wirtschaftswachstum darf nicht weiter steigen Weiteres Wirtschaftswachstum ist ökologisch nicht vertretbar: Immer größere Rohstoffmengen müssen für stetig abnehmende Wachstumsraten ausgebeutet werden. Dass die Industrieländer Ø 20 mal mehr verbrauchen als die Entwikklungsländer, ist unsolidarisch 15

Einwände Arbeitsmärkte ohne Zwang funktionieren nicht Grundeinkommen ist nicht finanzierbar 16

Arbeitsmärkte ohne Zwang funktionieren nicht? Annahme von markträumenden Löhnen workfare-ethik ist empirisch nicht zu belegen 17

Grundeinkommen ist nicht finanzierbar? hängt ab von: Niveau des Grundeinkommens Individual- oder Haushaltsprinzip was es einschließt wie sonstiges Einkommen angerechnet wird 18

Grundeinkommen ist nicht finanzierbar? Ob ein Grundeinkommen finanzierbar ist, hängt von seiner Ausgestaltung ab. Ob man es will, das entscheidet sich am politischen Klima, der politischen Kultur, daran, dass man sich nicht lähmen lässt, sondern soziale Grundrechte auf die Tagesordnung hebt. (Michael Opielka) 19

Modelle (nach Eichler) Reform des bestehenden Systems Hartz IV Negative Einkommenssteuer NIT Bürgergeld Unconditional Basic Incomes (UBI) Modell der BAG SHI 20

21

Kriterien: Personenkreis Subjekt des Transfers und Einsatzgemeinschaft/Familiensubsidiarität Stellung zum Sozialversicherungs-, Sozialhilfe- und zum Steuersystem Definition des Existenzminimums, Ableitung des Bedarfs Maximale Höhe des Transfers 22

Kriterien: Berücksichtigung Sonderbedarfe Dynamisierung des Transfers Dauer des Transfers/Bezugs Bedürftigkeitsprüfung Bemessungsgrundlage Prüfung Arbeitsbereitschaft/-willigkeit (Arbeitspflicht, Arbeitszwang) 23

Kriterien: Transferentzug Finanzierung Institutionelle Ausformung/Verwaltung Arbeitsmarkteffekte Lohneffekte 24

Existenzgeld für Alle Das Konzept der BAG-SHI Die wesentlichen Merkmale

In Deutschland sollen alle 800.- EURO Existenzgeld (vor 2002: 1.500.- DM ) und eine angemessene Warm-Miete bekommen, unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Alter und Familienstand, ohne Unterhaltspflicht, ohne Bedürftigkeitsprüfung, ohne Arbeitszwang 26

Bedarfssäulen S1 S2 S3 tägl. Bedarf incl. Ernährung + Energie Gesundheit + Krankenversicherung Soziales (Teilhabe) + Urlaub 270 40 20 110 110 65 310 130 + Mobilität 55 230 S4 Kleidung 80 + Instandh./Ans. Möbel 50 130 Gesamt: 800 27

Finanzierung 50%ige Abgabe auf alle Netto- Einkommen (Take-half) Umschichtung bisheriger Sozialtransfers bisherige Sozialabgaben Einsparung bei Verwaltung 28

Finanzierung Neue Einnahmequellen: Erbschaftssteuer Energiesteuer Mehrwertsteuererhöhung Subventionseinsparungen Zunahme Konsum 29

Finanzbedarf 12 Monate x 800 x ca. 82 Mio. Personen: 787,2 Mrd. Wohnkosten: 182,1 Mrd. Gesamtkosten: 969,3 Mrd. 30

Einnahmen Take-half: 460,4 Mrd. Umschichtungen Transfer / Sozialabgaben: 372,7 Mrd. Steuern: 87,5 Mrd. 31

Einnahmen Einsparung Verwaltung: 9,0 Mrd. Konsum-Effekte: 50,0 Mrd. Gesamt: 979,6 Mrd. 32

Auswirkung 2/3 der Bevölkerung hat Vorteile bzw. keine Nachteile 33

Kritik am Beispiel Daniel Kreutz Anspruch auf Existenzsicherung richtet sich an Staat, Arbeitsentgeld wird zum Zubrot: d.h. Kombilohn für alle Mindestlohn macht keinen Sinn mehr, das Existenzsicherung abgedeckt ist 34

Gründe für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle (Werner Rätz) Wir müssen es: Die Vollbeschäftigung kommt nicht wieder Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als Einkommen und Erwerbsarbeit zunehmend zu entkoppeln. Soziale Teilhabe oder Ausgrenzung hängen in Zukunft wesentlich davon ab, dass ganz real jeder über ein Einkommen verfügt, auch wenn sie oder er keine Erwerbsarbeit hat. Eine Arbeitsstelle mag ein Recht sein, ein Einkommen ist eine Notwendigkeit. 35

Gründe für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle (Werner Rätz) Wir müssen es wollen: Der alte Sozialstaat war ohnehin keine emanzipatorische Einrichtung Ich will nicht zurück zu einem Sozialstaat, der Anspruch auf soziale Teilhabe an die Unterwerfung unter diese Arbeitsreglementierung bindet, der Frauen, Kranke, Unangepasste ausgrenzt oder an einen männlichen Hauptverdiener und Ernährer bindet. 36