Lerntheoretische Didaktik Das zweite klassische didaktische Modell 1
Zur Erinnerung: Klafki > Bildung Gegenposition (Paul Heimann): Stratosphärendenken Primat der Didaktik vernachlässigt die Unterrichtspraxis Reine Hermeneutik (Themenauswahl), lässt empirisch-analytische Verfahren außen vor Bildung` ist keine Hilfe im Unterricht 2
Die Väter der lerntheoretischen Didaktik 3
Lern theoretische Didaktik geht vom Lernen aus analysiert Unterricht plant Unterricht, da jeder Unterricht eine zeitlose Struktur hat. 4
Der Knochenbau jeder Stunde Da gibt es zunächst einmal so etwas, was man eine zeitlose Struktur des Unterrichts nennen könnte... Sie wissen, kein Unterricht gleicht dem anderen. Sie steigen nicht zweimal in denselben Fluss. Der heutige Unterricht ist ein anderer als der gestrige..., der in Russland ein anderer als in Amerika... Aber es ergibt sich dennoch eine gewisse Gleichartigkeit in Hinsicht auf seine zeitlose, formale Struktur. (Paul Heimann) 5
Die Grundstruktur des Unterrichts a) Da ist jemand, der hat eine bestimmte Absicht. b) In dieser Absicht bringt er einen Gegenstand c) in den Horizont einer bestimmten Gruppe. d) Er tut dies in einer ganz bestimmten Weise e) unter Verwendung von Hilfsmitteln f) in einer ganz bestimmten Situation. 6
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Strukturanalyse des Berliner Modells` (Schüler) (Lehrperson) Schule Lernziele Anschaulichkeit Motivation Medien Methoden Intentionen Schülerorientierung Inhalt Stufen/Phasen der Stunde Didaktik Handlungsmuster Engagement Übung 1: Suchen Sie 4 Begriffe, die elementar für die Grundstruktur Universität des Trier Unterrichts 2008 sind. 8
Strukturanalyse des Berliner Modells` Intentionen Inhalte Methoden Medien 9
Formale Konstanz und inhaltliche Varianz Unterricht weist in formaler Hinsicht immer dieselben formalen Strukturen auf; diese sind aber inhaltlich variabel und erscheinen in jeder Situation auf je besondere Weise. 10
Interdependenzprobleme Übung 2: Suchen Sie nach der Passung! Einführung in Relativitätstheorie = Diskussion? oder = LV? Schule: Begleitetes Fahren mit 17 = LV? oder = Rollenspiel??? Passung von Inhalt + Methode 11
Interdependenzprobleme Übung 3: Suchen Sie nach der Passung! Schule: Bodenerosion = Text oder = Bild? Passung von Inhalt + Medium Nathan der Weise = stilles Lesen oder = Lesen mit verteilten Rollen? Passung von Methode + Medium 12
Strukturanalyse des Berliner Modells` Anthropogene Voraussetzungen Sozio-kulturelle Voraussetzungen Intentionen Inhalte Methoden Medien 13
Die Thesen vom Primat der Didaktik`(Klafki) und von der Interdependez der unterrichtsstrukturellen Momente` (Heimann) schließen einander nicht aus, sondern ergänzen und präzisieren einander. Hilbert Meyer (in DM) 14
Fazit Im deutschsprachigen Raum das favorisierte Modell Eher Metatheorie, da keine inhaltlichen Aussagen oder Handlungsanweisungen (!) Modell sucht das Theoretisieren` zu lehren: Wie ist Unterricht? und Wie sollte er sein? 15
Titel der Veröffentlichung von 1965 von Paul Heimann, Gunter Otto & Wolfgang Schulz: Unterricht, Analyse und Planung 16
Beispielthema: Ursachen der Gewaltausbrüche zweier Jugendlicher in der U-Bahn München (2 Stunden in der 9.Klasse, Gy) Übung 4: Füllen Sie die 4 Felder! Intentionen: Inhalte: Methoden: Medien: 17
Unterricht ist NICHT total vorplanbar! beobachtbar geplant ungeplant unbeobachtbar 18
Die Intentionen Wenn man nicht weiß, wohin man will, muss man sich nicht wundern, wenn man irgendwo ankommt (Mager, 1965) 19
Definition Lernziel Ein Lernziel ist die sprachlich artikulierte Vorstellung über die durch Unterricht zu bewirkende gewünschte Verhaltensänderung eines Lernenden. Es - beschreibt Endverhalten - i.d.r. in verbalisierter Form als Satz - nach Dimensionen, Hierarchien, Taxonomien 20
A. Dimensionen (1) 21
A. Dimensionen (2) - Kognitiv Denken - Affektiv (emotional) Fühlen/Werte - Pragmatisch (psychomotorisch) Tätigkeiten 22
Ordnen Sie in Heinmanns Pyramide die folgenden Begriffe in je 3 Stufen ein: Übung 5: Erkenntnisse Fähigkeiten Erste Eindrücke Fertigkeiten Gewohnheiten Erleben Überzeugungen Kenntnisse Gesinnungen kognitiv 23 pragmatisch affektiv
B. Hierarchien (1) Leitziele abstrakt Richtziele Grobziel FZ 24
B. Hierarchien (2) Übung 6: Ordnen Sie nach RZ GZ FZ Die S sollen naturwissenschaftliches Arbeiten beherrschen Die S sollen den Blütenkelch einer Tulpe unter dem Mikroskop in seinen Einzelteilen analysieren können Die S sollen mit dem Mikroskop sachgemäß arbeiten können 25
B. Hierarchien (3) Wir begnügen uns i.d.r. mit 1 Stundenziel (z.b. S sollen die gegen den Krieg gewandte Haltung des Autors analysieren können ) 3-5 Teilzielen (z.b. S sollen die Auswirkungen des Krieges mit Textzitaten (z.b.v 2,3,7,12) erklären können S sollen die Verrohung der Menschen anhand der Metaphern X und Y in Vers 8 erkennen und erläutern können ) Testen Sie Ihre Fähigkeit gute Lernziele von unpassenden zu differenzieren! 26
Lernziele formulieren: tops und flops Übung 7: Finden Sie geeignete/ungeeignete LZ Thema: Rauchen eine Gefahr für deine Gesundheit Die Schüler sollen: 1. zuhören, dass Rauchen Krebs erzeugt 2. die Tabakindustrie und ihre Notlage verstehen 3. den bewussten Umgang mit Zigaretten lernen 4. Zigarettenwerbung als Manipulation entlarven können 5. Ekel vorm Rauchen bekommen 6. die Inhaltsstoffe Nikotin und Kondensat in Zusammensetzung und Wirkung darstellen können 7. Rauchen als Mittel zur Erlangung sozialer Anerkennung durchschauen 8. anhand einer Statistik den Zusammenhang von Rauchen und Krebserkrankungen erklären können 9. in wenigen Zügen den Geschmack einer Zigarette erleben 10. die Beeinträchtigung der Lungenfunktion durch Teerstoffe erklären können 27
C. Taxonomien Übung 8: 1. S sollen den Inhalt eines gesprochenen frz. Textes wiedergeben. 2. S sollen Greenpeace als Umwelt-Organisation einordnen. 3. S sollen den Unterschied zwischen das-dass kennen. 4.S sollen die Formen von to be` beherrschen. 5. S sollen einen Gesetzes- Text zum 175 entwerfen Beurteilen Synthese Analyse Anwenden Verstehen Wissen 28
Hausaufgabe 1. Finden Sie die 4 Elemente der Strukturanalyse des Berliner Modells zum Thema: Schuluniformen an deutschen Gymnasien Formulieren Sie bei den Intentionen bis zu 5 Lernziele zum Thema Intentionen: Inhalte: Methoden: Medien: 29
Literatur Peterßen, W.H.(2001), Lehrbuch Allgemeine Didaktik, S. 39 58 (Weiterentwicklung des Hamburger Modells: S. 58 70) oder Jank, W./Meyer, H. (5. A. 2002), Didaktische Modelle, S. 261 285 (Peterßen, W.H. (2000), Handbuch Unterrichtsplanung, S. 82 95 (Kurzfassung)) 30