Das Projekt EASI-science L Naturwissenschaftliche Bildung in der Kita: Gestaltung von Lehr-Lernsituationen, sprachliche Anregungsqualität und sprachliche sowie naturwissenschaftliche Fähigkeiten der Kinder Prof. Dr. Astrid Rank, Prof. Dr. Sabina Pauen, Prof. Dr. Anja Wildemann, Prof. Dr. Andreas Hartinger, Megan Bock, Sabrina Tietze
Hintergründe zur Studie EASI-science L Kinder mit wenig Literalität gelten vor allem aufgrund der Schwierigkeiten mit dem akademischen Sprachniveau bzw. der Bildungssprache als Verlierer im Bildungssystem. Eine durchgängige Sprachbildung ist zentral, um diesen Schwierigkeiten zu begegnen (vgl. Gogolin u.a. 2011). In alltagsintegrierten Lehr-Lern-Situationen sollen die pädagogischen Fachkräfte durch geeigneten fachlichen und sprachlichen Input und eine kokonstruktive Haltung Lernprozesse in Gang setzen. Inwieweit dies in naturwissenschaftlichen Situationen gelingt und welche Auswirkungen eine entsprechende Anregung auf die Kinder hat, will die vorliegende Studie klären.
Die Studie Stichprobe: 58 pädagogische Fachkräfte 222 Kinder (Alter MW 5;8 Jahre (SD=0;5), 119 Mädchen, 103 Jungen 121 mit Deutsch als Erstsprache 101 mit Deutsch als Zweitsprache) 1. 2. 3. 4. Befragung (schriftlich) Testung der Kinder (Intelligenz, Sprachstand) Laborsituation: Experimentieren (30. min.); sinken und schwimmen Auswertung: Videogestützt (CLASS, DO-RESI, Ra- Bi-Skala) deskriptiv und inferenzstatistisch 15.07.2016 3
Welche Ihrer Forschungsbefunde/Projektergebnisse sollte eine pädagogische Fachkraft in der Kita unbedingt kennen? Ergebnis 1: Das wissenschaftliche Experimentieren kann sprachförderlich genutzt werden. Aber gerade die sprachförderlichen Phasen kommen am seltensten vor. "Sprachliche Unterstützung" und "Wiederholung unvollständiger Aussagen" besonders häufig in der Phase "Beobachten & Beschreiben" In der Phase "Beobachten & Beschreiben" doppelt so viele Merkmale der sprachlich-kognitiven Anregung (SKA) wie in der Phase "Ausprobieren & Versuch durchführen" Die Phase "Ergebnisse erörtern" kommt zwar seltener vor, dafür wurden in dieser Phase mehrere Merkmale der SKA umgesetzt. Ebenso bei "Ergebnisse dokumentieren/sammeln".
Welche Ihrer Forschungsbefunde/Projektergebnisse sollte eine pädagogische Fachkraft in der Kita unbedingt kennen? Ergebnis 2: Die Erzieherinnen, die die Sprachförderung anregend umsetzen, haben mehr Fortbildungen im Nawi- Bereich (Sprachfortbildungen wirken sich nicht aus) also wahrscheinlich höheres Sachwissen! Sprachlich-kognitive Anregung korreliert signifikant mit - Fortbildung nur zu einem Nawi-Thema (r=.288; p=.045) - Fortbildung zu einem Nawi-Thema oder einem Sprachthema (r=.305; p=.033) Sprachlich-kognitive Anregung korreliert negativ mit - Fortbildung zu einem Sprachthema (r=-.177; p=.246)
Welche Ihrer Forschungsbefunde/Projektergebnisse sollte eine pädagogische Fachkraft in der Kita unbedingt kennen? Ergebnis 3: Die bildungssprachliche Kompetenz der Kinder hängt nicht von der Erstsprache ab, sondern von Intelligenz und Elternhaus Bildungssprachliche Kompetenz der Kinder korreliert signifikant mit - Schulabschluss und Bildungsstand der Eltern (r=.265; p=.002) - Intelligenz (r=.178; p=.008) - Geschlecht (Jungen besser) (η2=.034; p=.005) Bildungssprachliche Kompetenz korreliert nicht mit Erstsprache
Welche Ihrer Forschungsbefunde/Projektergebnisse sollte eine pädagogische Fachkraft in der Kita unbedingt kennen? Ergebnis 4: Die bildungssprachliche Kompetenz der Kinder hängt auch von der sprachlichen Anregungsqualität in der Kita ab Es zeigen sich signifikante Zusammenhänge (r=.281; p=.001) zwischen der bildungssprachlichen Kompetenz der Kinder und der sprachlichen Anregungsqualität in der Situation.
Was verändert sich an der konkreten Arbeit in der Kita (z.b. für Kinder/Eltern/Fachkräfte), wenn die pädagogischen Fachkräfte die Ergebnisse Ihrer Projekte/Forschung kennen? Die Kinder benötigen also beides, hochwertige Sachbegegnung und hochwertige Sprachanregung. Dafür ist es erforderlich, das pädagogische Fachpersonal weiterhin entsprechend zu qualifizieren. Denn sowohl die Erkenntnisse aus der Spracherwerbsforschung als auch unsere Befunde zeigen: Kinder können schon frühzeitig bildungssprachliche Kompetenzen aufbauen. Gerade der naturwissenschaftliche Bereich bietet hierzu ein motivierendes und anregendes Setting. (Wildemann, Rank, Hartinger, Sutter 2016, S. 78)
Was sind Gelingensfaktoren und/oder Stolpersteine für den Transfer Ihrer Forschungsergebnisse in die Handlungspraxis von Kitas? Erfordernisse für gelingenden Transfer Qualifizierung der Pädagogischen Fachkräfte Wissen Können Einstellungen Rahmenbedingungen 15.07.2016 9
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Publikationen zum Projekt (Auswahl) Sutter, Sabrina; Rank, Astrid; Wildemann, Anja; Hartinger, Andreas (2015): Das Projekt Easi-science L: Naturwissenschaftliche Bildung in der Kita: Gestaltung von Lehr-Lernsituationen, sprachliche Anregungsqualität und sprachliche sowie naturwissenschaftliche Fähigkeiten der Kinder. In: transfer Forschung-Schule, Heft 1, S. 162-164. Tietze, Sabrina; Rank, Astrid; Wildemann, Anja (2016): Erfassung bildungssprachlicher Kompetenzen von Kindern im Vorschulalter. Grundlagen und Entwicklung einer Ratingskala (RaBi). S. 1-42. URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-120766 Wildemann, Anja; Rank, Astrid; Hartinger, Andreas; Sutter, Sabrina (2016): Bildungssprache im Kontext kindlicher Entwicklung. Eine Studie zur Erfassung früher bildungssprachlicher Fähigkeiten. In: Die Deutsche Schule (DDS), Beiheft 13, S. 54-81. Zitierte Publikation Gogolin, I., Dirim, İ., Klinger, Th., Lange, I., Lengyel, D., Michel, U., Neumann, U., Reich H. H. & Schwippert, K. (2011) (Hrsg.): Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund FörMig. Bilanz und Perspektiven eines Modellprogramms. Münster, New York, München, Berlin: Waxmann, S. 12-24.