Evaluative Konditionierung

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Evaluative Konditionierung Seminar Einstellungen Dipl.-Psych. Johannes Ullrich SS 2007 10.05.2007 Referat: Felix Müller, Sabine Stock

Evaluative Konditionierung Woher kommt das Mögen oder Nichtmögen von Objekten, Individuen und Ereignissen ursprünglich? Wie werden Einstellungen gebildet bzw. erworben?

Klassische Konditionierung Erfunden von Iwan Pawlow * 26. 09 1849 in Rjasan; 27. 02 1936 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1904

Klassische Konditionierung

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Klassische Konditionierung

Einstellungsbildungsprozesse: Beziehen sich auf die affektive oder kognitive Bedeutung welche Einstellungsobjekte im Kontext von angenehmen und unangenehmen Erfahrungen erwerben.

Evaluative Konditionierung EC: Kann als das Erlernen vom Mögen bzw. Nichtmögen, also als Erwerb von Präferenzen beschrieben werden. Bezieht sich auf einen Affekttransfer von einem US zu einem CS als Resultat eines Lernprozesses-> picture- picture- paradigm Erklärt wird die Konditionierung durch die Ausbildung einer Assoziation zwischen den kognitiven Repräsentationen des CS und des US.

Funktionelle Charakteristika von konditionierten Einstellungen:

1.Contingency Awareness/ Bewusstheit des Zusammenhangs Ist ein Teilnehmer in der Lage die dem Experiment zu Grunde liegende Hypothese wiederzugeben? Ist der Teilnehmer sich der entscheidenden Verbindung von CS und US bewusst? Die Ausbildung von Einstellungen kann ohne bewusste Kontrolle erfolgen.

2.Statistical Contingency/ Statistischer Zusammenhang: EC ist nicht abhängig vom statistischen Zusammenhang. Für EC hat der raumzeitliche Zusammenhang von CS und US mehr Bedeutung. Vorteil: Das Modell des evaluativen Lernens kann auf viel mehr Situationen angewendet werden.

3.Extinction/ Extinktion (Löschung): Nach erfolgreichem evaluativen Lernen, ändern unverstärkte (also einzelne) CS Präsentationen nicht den Wert des Stimulus. EC ist gegenüber Extinktion resistent.

4.Sensory Preconditioning/ Sensorische Vorkonditionierung: bedeutet, dass der affektive Wert des CS auf Objekte oder Ereignisse transferiert oder ausgeweitet wird, welche bereits mit dem Stimulus vor- assoziiert sind. In vielen sozialen Situationen, werden Einstellungen gebildet, ohne dass ein direktes Erleben eines bewerteten Ereignisses vorliegt.

5.Counterconditioning/ Gegenkonditionierung: Affektive Einstellungen sind nicht unauslöschlich, sie können durch postexperimentelle Paarungen mit einem US der gegenteiligen Valenz abgeändert werden.

6. Unconditioned Stimulus Revaluation/ US Umwertung: Hierbei wird zunächst ein CS- US- Paar präsentiert, daraufhin wird der US in Abwesenheit des CS umgewertet. Dann wird der Wert des CS alleine bestimmt. Die US Umwertung hat einen Effekt auf den angeeigneten Wert des CS.

PC vs. EC Extinktion Statistischer Zusammenhang Bewusstheit des Zusammenhangs Gegenkonditionierung möglich US Umwertung möglich Sensorische Vorkonditionierung möglich resistent gegenüber Extinktion Statistischer Zusammenhang nicht wichtig Bewusstheit des Zusammenhangs ist nicht erforderlich Gegenkonditionierung möglich US Umwertung möglich Sensorische Vorkonditionierung möglich

Selbstwertgefühl Dijksterhuis ist die Einstellung zu sich selbst Grundlage für mentale Gesundheit IdR ist ein positives Selbstbild natürlich vorhanden --> Eigene Dinge / Sachen werden präferiert, z.b. Buchstaben des Eigennamens Signal sozialer Akzeptanz und Beliebtheit Terror Management hilft mit Extremsituationen fertig zu werden

Selbstwertgefühl explizites Selbstwertgefühl : Bewusstseinsprozess basiert (gute Schulnote) implizites Selbstwertgefühl : unbewusste Selbstanalyse besitzt Pufferfunktion für gefährliche Situationen z.b. sehr persönliches Interview ist weder identifiziert noch definiert, schwer erfassbar

Selbstwertgefühl Resultat EC fördert Selbstwertgefühl Auch wenn CS und US unterbewusst präsentiert werden erhöht EC das Selbstwertgefühl EC hat positiven Effekt auf impliziertes Selbstwertgefühl; Achtung: Alle Probanden waren von dem explizitem Konditionieren betroffen! Probanden geben schlechte Laune bei schlechten Ergebnissen und gute Laune bei guten Ergebnissen an. Dies trifft jedoch nicht zu, wenn sie vorher eine positive EC erfahren haben.

Manifestation Kill the messenger effect Nachrichtenüberbringer (CS) wird mit schlechten Nachrichten (US) in Verbindung gebracht Stigmatisation z.b. wenn man in Begleitung Übergewichtiger ist Affective perseverance Chinesische Buchstaben behalten einen negativen touch wenn man es so gelernt hat

Manifestation mere ownership effect name letter effect ingroup favouristism Us wird evtl. gleich bewertet wie I

Manifestation Balance Theory begründet von Fritz Heider --> Anstreben psychologischer Balance Person, Andere Person, Produkt P (+) > A, P < (+) A --> Balance P (+) > r, P > (-) A, A (+) > r --> Inbalance

Manifestation Balance Theory Unit formation Eine Person wird anhand ihrer Gruppenzugehörigkeit eingeschätzt sentiment relation Meinungen zu Personen werden nach den Beziehungen die die Freunde zu der Person haben ausgebildet (leicht wenn btr. Person Freund, sonst schwer) balanced sentiment triad wird durch sentiment relation ausgebildet --> man mag Freunde der Freunde

Anwendungsbereiche Klinische Psychologie Negative Selbstevaluation --> Depression Vicious circle Phobien es kann passieren, dass die Phobie nicht durch das Ereignis ausgelöst worden ist was man damit in Verbindung bringt; viel mehr liegt es nahe, dass man sich der Zusammenhänge zwischen unterbewussten Reiz und Phobie gar nicht bewusst ist, da eine direkte US CS Verbindung nicht notwendig ist. --> Counterconditioning Aversionen

Anwendungsbereiche Werbung wenig empirische Befunde oder Untersuchungen dazu, obwohl EC generell akzeptiert ist EC besonders nutzvoll, da Werbung oft nur nebenher wahrgenommen wird --> großer EC Effekt Mood-congruency (Bower, 1981) wird genutzt um Produkte in einem fröhlichen Setting darzustellen, jedoch sind EC Effekte am höchsten, wenn man schlecht gelaunt ist (Schwarz, 1990). Dies ist aber nicht ausreichend untersucht worden. brand-extension : Nicht nur die Werbung und die damit verbundene Marke muss ein gewisses Bild abgeben, sondern die Stimmung muss auch auf die Produkte an sich verlängert werden.

Fazit: Affektive Einstellungen können durch simple Lernmechanismen ausgebildet werden. Diese affektive Einstellungs- Ausbildung ist scheinbar unabhängig von der Erfahrung eines bewerteten Ereignisses und kann über Assoziationsketten erfolgen.