18. Studiengang Betriebswirt/in (VWA) in Ravensburg WS 2014/2016 - SS 2017 SS 2015 Beschaffung und Logistik Professor Dr. oec. Wolf Wenger Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart 03/2015
Beschaffung und Logistik Prof. Dr. Wolf Wenger wolf.wenger@dhbw stuttgart.de Tel. 0711/1849 4521
Inhaltsübersicht LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 2
Literatur Benz, J.; Höflinger, M.: [Logistikprozesse mit SAP], 2008 Gronau, N.: [Repetierfaktor Material], Studienunterlagen der Universität Potsdam, 2009, abrufbar unter http://wi.uni potsdam.de Hahn, D.; Kaufmann, L. (Hrsg.): Handbuch industrielles [Beschaffungsmanagement]: internationale Konzepte innovative Instrumente aktuelle Praxisbeispiele, 2002 Kluck, D.: Materialwirtschaft und Logistik, 3. Auflage, 2008 Kummer, S. (Hrsg.) et al: [Grundzüge der Beschaffung], Produktion und Logistik, 3. Auflage, 2013 Oeldorf, G.; Olfert, K.: Materialwirtschaft, 12. Auflage, 2008 Pfohl, H. Ch.: [Logistikmanagement] Konzeption und Funktion, 2. Auflage, 2004 Renner; I.: Methodische Unterstützung funktionsorientierter [Baukastenentwicklung] am Beispiel Automobil, Dissertation an der TU München, 2007 Schieck, A.: [Internationale Logistik], 2008 3
Literatur (Fortsetzung) Schulte, G.: [Material und Logistikmanagement], 2. Auflage, 2001 Troßmann, E.: Entscheidungsorientiertes Rechnungswesen, [Studienunterlagen] der Universität Hohenheim, 2003 Troßmann, E. et al: Management [Fallstudien] im Controlling, 2. Auflage, 2008 Troßmann, E.; Wenger, W.: Grundlagen des Supply Chain Managements, in: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Theorie und Politik des Wirtschaftens in Unternehmen (Schweizer, M; Baumeister, A. (Hrsg.)), 11. Auflage, 2015, S. 769 815 Vahs, D.; Schäfer Kunz, J.: Einführung in die [Betriebswirtschaftslehre], 5. Auflage, 2007 Voigt, K. I.: [Industrielles Management], 2008 Wannenwetsch, H.: [Integrierte Materialwirtschaft] und Logistik, 4. Auflage, 2010 Wenger, W. et al (Hrsg.): [Business Excellence] in Produktion und Logistik, 2011 Zahn, E.; Schmid, U.: [Produktionswirtschaft I]: Grundlagen und operatives Produktionsmanagement, 1996 4
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.1 Wesen und Aufgabengebiete der Materialwirtschaft 1.2 Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 5
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.1 Wesen und Aufgabengebiete der Materialwirtschaft Materialwirtschaft als Zusammenschluss spezieller Beschaffungs und Logistikaufgaben Gegenstand der Materialwirtschaft [oder des Materialmanagements] ist es, durch die Beschaffung und durch die Logistik die Versorgung mit [...] Gütern für alle Bereiche und alle Kunden von Betrieben entsprechend der jeweiligen Bedarfe sicherzustellen. ([Betriebswirtschaftslehre], S. 464) Schematische Darstellung der Beziehungen zwischen Beschaffung, Logistik und Materialwirtschaft Beschaffung Produktion Absatz Logistik 6
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.1 Wesen und Aufgabengebiete der Materialwirtschaft Materialwirtschaft gestaltet die Schnittstellen zwischen Lieferant, Beschaffung und Produktion Distributionslogistik Produktionslogistik Tier xlieferant Endverbraucher Beschaffungslogistik Unternehmenslogistik (abgeändert aus [Grundzüge der Beschaffung], S. 372) 7
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.1 Wesen und Aufgabengebiete der Materialwirtschaft Aufgabenbereiche der Materialwirtschaft an der Schnittstelle von Beschaffung und Logistik ([Grundzüge der Beschaffung], S. 375) 8
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.2 Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg Bedeutung des Materialmanagements für den Unternehmenserfolg Gründe für eine zunehmende Bedeutung des Materialmanagements: verschärfte Wettbewerbsintensität, insb. durch Sättigungstendenzen, z.b. auf Konsumgüter, Automobilund IKT Märkten Wettbewerbsfähigkeit erfordert mehr, als nur ein gutes Produkt, z.b. höhere Produkt und Variantenflexibilität kürzere Lieferzeiten und damit höhere interne Lieferbereitschaft kleinere Bestellmengen abs. Variantenvielfalt beim BMW X3 und rel. Variantenvielfalt verschiedener Hersteller im Vergleich ([Baukastenentwicklung], S. 3f) 9
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.2 Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg Bedeutung des Materialmanagements für den Unternehmenserfolg Gründe für eine zunehmende Bedeutung des Materialmanagements: globale Beschaffungsmöglichkeiten durch logistische Entwicklungen die Wahl der richtigen Lieferanten und die Zusammenarbeit wird immer wichtiger geringere Fertigungstiefen in den Industrieunternehmen wachsender Anteil der Materialkosten macht das v Materialmanagement zur Gewinnquelle ([Logistikmanagement], S. 67) 10
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.2 Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg Bedeutung des Materialmanagements für den Unternehmenserfolg Einkaufs Benchmarks führender US Wirtschaftssektoren ([Integrierte Materialwirtschaft], S. 5) 11
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.2 Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg Aufgabe 1: Umsatzsteigerung vs. Materialkostenreduzierung (in Anlehnung an den Jahresabschluss 2011 der Daimler AG (Einzelabschluss)) Konzernumsatz: 69,5 Mrd. Materialaufwand (RHB und bezogene Waren): 42,9 Mrd. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit: 05,5 Mrd. Vorgabe der Unternehmensleitung: Steigerung des Ergebnisses um 700 Mio. ; es wird davon ausgegangen, dass die Umsatzrendite konstant gehalten werden kann. Ermitteln Sie einerseits die benötigte relative Umsatzsteigerung und andererseits die benötigte relative Senkung der Materialversorgungskosten, die ein Erreichen der Vorgabe ermöglichen. Variante A: Umsatzsteigerung benötigter Mehrumsatz absolut: 8,85 Mrd. Umsatzsteigerung relativ: 12,7 % Variante B: Senkung der Materialversorgungskosten benötigter Kostensenkung absolut: 700 Mio. Kostensenkung relativ: 1,63 % 12
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.2 Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg Aufgabe 2: Steigerung des ROI durch Senkung des gebundenen Kapitals im UN gebundenes Anlage und Umlaufvermögen: 300 Mio. Gewinn (nach Steuern): 015 Mio. Umsatz: 250 Mio. Vorgabe der Unternehmensleitung: Steigerung des ROI um einen Prozentpunkt; Ermitteln Sie einerseits die benötigte relative Gewinnsteigerung und andererseits die benötigte relative Senkung des gebundenen Kapitals, die ein Erreichen der Vorgabe ermöglichen. Variante A: Gewinnsteigerung benötigter Mehrgewinn absolut: 3 Mio. Gewinnsteigerung relativ: ca. 20 % Variante B: Senkung des gebundenen Kapitals benötigter Bestandssenkung absolut: << 50 Mio. Bestandssenkung relativ: << 17 % ([Grundzüge der Beschaffung], 2. Auflage, S. 265) 13
LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? 1.2 Bedeutung der Materialwirtschaft für den Unternehmenserfolg Kostenziele dominieren den ersten Blick auf das Materialmanagement Auszug aus einem Artikel im Wirtschaftsmagazin ProFirma (Ausgabe Juni 2012) 14
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.1 Aufgabengebiete im strategischen Materialmanagement 2.2 Make or Buy Analyse 2.3 ABC Analyse 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 15
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.1 Aufgabengebiete im strategischen Materialmanagement Überblick über die Aufgabengebiete im strategischen Materialmanagement Unternehmens und sge Strategien Entscheidung über Fertigungstiefe Klassifizierung der zu beschaffenden Güter Analyse der Beschaffungsstruktur Auswahl der Lieferanten und Lieferantenentwicklung Logistische Lieferantenanbindung Make or Buy Analysen ABC /XYZ Analysen Beschaffungsportfolios Sourcing Konzepte Länderrisikoanalysen Bewertungskataloge Total Cost of Ownership (TCO) QM Maßnahmen Wahl des Bereitstellungsprinzips Lagermanagement Kanbansteuerung ausgewählte Themen/Instrumente in den Aufgabengebieten 16
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.2 Make or Buy Analyse Grundlegendes zu Make or Buy Entscheidungen Make or Buy Analysen legen fest, ob bestimmte Güter/Dienstleistungen vom Markt beschafft (Fremdfertigung/ bezug) oder im Unternehmen selbst erstellt werden (Eigenfertigung/ bezug) Festlegung der Arbeitsteilung zw. Abnehmer und Lieferanten (oft strategische Entscheidung) durch geeignete Variation von Leistungsbreite und Fertigungstiefe optimieren Unternehmen ihren Leistungsumfang Zielsetzung: Festlegung der Kernaktivitäten des Unternehmens Outsourcing stellt ein mögliches Ergebnis einer Make or Buy Entscheidung dar Fertigungstiefe Leistungsumfang A Leistungsumfang B Leistungsbreite 17
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.2 Make or Buy Analyse Traditionelles (Teile ) Sourcing wird zunehmend durch Modul und System Sourcing ersetzt Typisches Lieferantennetzwerk in der Automobilindustrie ([Business Excellence], S. 303) ([Beschaffungsmanagement], S. 156) 18
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.2 Make or Buy Analyse Make Beispiele für Varianten umgesetzter strategischer Make or Buy Entscheidungen Buy Buy (oben: http://geo.uni.lu/joomla/index.php?option=com_ content&task=view&id=671&itemid=37 ) (rechts: [Grundzüge der Beschaffung], S. 155f) 19
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.2 Make or Buy Analyse Aufgabe 3: Kriterien einer strategischen Make or Buy Entscheidung Ein Automobilhersteller benötigt für den geplanten Neueinstieg ins Elektro Automobilgeschäft zukünftig größere Mengen an leistungsfähigen Akkumulatoren inkl. zugehöriger Batteriemanagementsysteme. Nennen Sie vier Kriterien, die im Rahmen einer strategischen Make or Buy Entscheidung bzgl. dieser Produktkomponente Berücksichtigung finden sollten. Beschreiben Sie für jedes der Kriterien kurz, bei welcher Ausprägung sie jeweils Eigen bzw. Fremdfertigung vorziehen würden. Wie würden Sie vorgehen, um Ihre Analyse letztlich mit einer Empfehlung abzuschließen? 20
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.2 Make or Buy Analyse Make or Buy Portfolio zur Ermittlung von Outsourcing Kandidaten Make or Buy Portfolios erlauben eine Vorselektion zunehmendes strategisches Erfolgspotential Tendenz Make Selektives Vorgehen Tendenz Buy Kernleistung abnehmende Marktverfügbarkeit 21
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.2 Make or Buy Analyse Quantifizierung von Kostenaspekten der MoB Kandidaten durch klassische BWL Instrumente zum Vergleich quantifizierbarer Kostengrößen kann auf klassische BWL Instrumente zurückgegriffen werden, z.b. im Form von Break Even Analysen dynamische Investitionsrechnungen ([Grundzüge der Beschaffung], S. 158) (http://www.kapitalwertmethode.com/) 22
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.2 Make or Buy Analyse Aufgabe 4: Kostenvergleich bei einer strategischen Make or Buy Entscheidung Die Marketingabteilung des Unternehmens aus Aufgabe 3 geht davon aus, dass zunächst nicht mit einem allzu großen Absatz an Elektro Automobilen zu rechnen ist. Für die Eigenfertigung der benötigten Akku Systeme würden variable Kosten von 800 pro Stück anfallen, wobei für geeignete Fertigungsanlagen zunächst Anfangsinvestitionen i.h.v. 10 Mio. zu tätigen sind. Bei Fremdbezug wäre ein bereits geprüfter Lieferant in der Lage, den Automobil Hersteller mindestens 5 Jahre lang zu einem Preis von 3.000 je Akku System zu beliefern. a) Welche Menge müsste gemäß einer einfachen Break Even Überlegung mindestens produziert und abgesetzt werden, damit sich eine Eigenfertigung der Akku Systeme lohnt? Genauere Recherchen der Marketingabteilung kommen zum Schluss, dass ein Absatz von 1.000 Stück pro Jahr in den kommenden 5 Jahren realistisch erscheint. Danach ist aufgrund technischer Entwicklungen in dieser Zeit von keinem weiteren Absatz dieser Systeme auszugehen. b) Würden Sie bzgl. der entstehenden Kosten für Make oder für Buy plädieren, wenn das Unternehmen aktuell mit einem Kapitalkostensatz von 5 % p.a. rechnet? 23
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.3 ABC Analyse Prioritätensetzung mithilfe der ABC Analyse die ABC Analyse stellt ein vielseitig einsetzbares Instrument zur Prioritätensetzung dar sie ordnet (klassifiziert) Elemente zur zielgerichteten Verteilung weiterer Planungsaktivitäten Gängigste Variante: Wert Mengen Verhältnis als Klassifikationsgrundlage Grundformen einer ABC Analyse Material Material ist nicht gleich Material folglich sollte auch gelten Beschaffung ist nicht gleich Beschaffung (www.ews.tu dortmund.de ) 24
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.3 ABC Analyse Vorgehensweise einer typischen ABC Analyse i. Wahl des Klassifikationskriteriums (z.b. Wert der beschafften Materialien) ii. iii. iv. Erfassung von absoluten und relativen Werten des Kriteriums je Element (z.b. absoluter und relativer Wert je Materialart) Bilden einer Reihenfolge über die Elemente gemäß dem Wertanteil grafische Veranschaulichung von kumulierten Wert und Positionsanteilen v. Klassenbildung durch Analyse der Datenlage bzw. Grafik, meist in drei Klassen A, B, C Die Anwendung der ABC Analyse ist nicht auf das Material Management beschränkt. Eine ABC Analyse ermöglicht z.b. die Klassifikation der Lieferanten der Kunden der einzulagernden Waren der Umsätze der verkaufsfähigen Erzeugnisse der laufenden Projekte (IT, F&E Projekte) 25
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.3 ABC Analyse Aufgabe 5: klassische ABC Analyse bei der Klein GmbH Um eine effiziente Materialbedarfsermittlung zu gewährleisten, soll in der Klein GmbH die ABC Analyse eingesetzt werden. In einem ersten Schritt wurden die in nebenstehender Tabelle angegebenen Materialbedarfe für 10 Artikel (a bis j) ermittelt. Führen Sie eine ABC Analyse durch und stellen Sie Ihr Ergebnis grafisch dar. Tragen Sie in die Grafik geeignete Grenzen zur Kategorisierung von A, B und C Materialien ein. Artikel ID Ø Verbrauchsmenge pro Monat (in Stück) Einkaufspreis ( /Stück) a 2.000 1 b 900 20 c 100 210 d 500 20 e 1.000 4 f 200 1000 g 600 10 h 800 38 i 400 50 j 500 250 26
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen Ergänzungen der ABC Kategorisierung durch weitere Analysen Eine ABC Analyse liefert längst nicht für jeden Planungsaspekt ausreichend differenzierte Ergebnisse, z.b. bietet sich nicht für jeden A Artikel dieselbe Strategie der Materialbereitstellung an sollte nicht für jeden B Artikel der zukünftige Bedarf auf dieselbe Art geplant werden sollte nicht für jeden C Artikel nur auf den Stückpreis des Lieferanten geachtet werden Um differenziertere Analyseergebnisse zu erhalten, bietet sich das Durchführen weiterer einfacher Analysen an (meist XYZ Analyse genannt), z.b. zur Klassifikation der Materialien nach der Regelmäßigkeit des Materialverbrauchs zur Unterteilung der Materialien nach deren Erfolgspotential für das hergestellte Produkt Aus der Kombination von ABC und XYZ Analysen können u.u. genauere Handlungsempfehlungen abgeleitet werden 27
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen Weitere Kategorisierung durch sog. XYZ Analysen (Variante 1) Gängigste Variante einer XYZ Analyse: Prognostizierbarkeit des Verbrauchs als Klassifikationsgrundlage Klassifikation: X Material: Material mit konstantem, kaum schwankendem Verbrauch/Bedarf Y Material: Material mit nicht konstantem, aber regelmäßigem Verbrauch/Bedarf Z Material: Material mit sporadischem, unregelmäßigem Verbrauch/Bedarf Bedarfsverläufe von sog. X, Y bzw. Z Gütern (abgeändert aus [Grundzüge der Beschaffung], S. 136) X/Y 28
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen Kenngrößen zur Kategorisierung in der klassischen XYZ Analyse Verbrauchsstrukturklassifikation mittels Variationskoeffizienten (V): ; 1 (mögliche) Klassifikation: X Material: 0 V 0,2 Y Material: 0,2 < V 0,5 Z Material: 0,5 < V Verbrauchsstrukturklassifikation mittels Störpegel (SP): ; 1 (mögliche) Klassifikation: X Material: 0 SP 0,2 Y Material: 0,2 < SP 0,5 Z Material: 0,5 < SP Optionale Ergänzung der Klassifikation um eine Prüfung des sog. Nullperiodenanteils (NPA): i. Ermittle den NPA mittels ii. iii. Falls gilt NPA > 0,3 Z Material Sonst: Klassifikation mittels V, SP oder alternativen Kenngrößen 1 ; 1 0 0 0 29
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen Kombination der Ergebnisse klassischer ABC und XYZ Analysen Einordnung der Materialien in die Neun Felder Matrix erlaubt Auswahl von geeigneten Bereitstellungsstrategien für die einzelnen Materialgruppen: (möglichst) produktionssynchron mittels Vorratshaltung bedarfsweise Einzelbeschaffung Klassifikation nach ABC Analyse A B C Empfehlungen bzgl. einzusetzender Bedarfsplanungsverfahren: programmgesteuerte Bedarfsplanung verbrauchsgesteuerte Bedarfsplanung Klassifikation nach ABC Analyse A B C Klassif. nach XYZ Analyse X Y Z Klassif. nach XYZ Analyse X Y Z 30
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen Aufgabe 6: Erweiterung der ABC um eine XYZ Analyse bei der Klein GmbH Über die Materialien a j der Klein GmbH sind zusätzlich folgende Informationen bekannt: Artikel ID Standardabweichung der monatlichen Entnahmemenge a 720 b 470 c d 75 e 420 f 40 g 400 h 40 i 110 j 150 Monat (lfd. Nr.) entnommene Menge des Artikels c 1 100 2 30 3 50 4 150 5 240 6 60 7 70 8 100 9 110 10 90 Führen Sie eine XYZ Analyse durch (Kategorisierung anhand des Variationskoeffizienten). Ordnen Sie die Materialien in eine kombinierte ABC XYZ Analyse ein und geben Sie Empfehlungen für mögliche Bereitstellungsstrategien ab. 31
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen Weitere Kategorisierung durch sog. XYZ Analysen (Variante 2) alternative Variante einer XYZ Analyse: Erfolgspotential für das absatzfähige Produkt als Klassifikationsgrundlage Klassifikation: X Material: geringes Erfolgspotential, da technisch und abnehmerspezifisch standardisiert bzw. für Standardisierung geeignet Y Material: mittleres Erfolgspotential, da technisch und/oder abnehmerspezifisch eine geringe Variantenzahl erforderlich ist Z Material: hohes Erfolgspotential, da mit hoher technische Komplexität und/oder starker Kundenwahrnehmung verbunden Vorgehensweise: Analyse der Materialarten bzgl. des Standardisierungsgrades, z.b. durch Ausmaß des Einbezugs von Kunden bei der Materialverwendung Ausmaß des Einbezugs von Konstrukteuren bei der Materialverwendung Klassenbildung durch Experten Analyse 32
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen weitere Kategorisierung durch sog. XYZ Analysen auch diese (zweite) Variante einer XYZ Analyse lässt sich mit den Ergebnissen einer ABC Analyse kombinieren Kombination einer klassischen ABC und einer angepassten XYZ Analyse Einordnung der Materialien erfolgt i.d.r. in eine Vier Felder Matrix Dies erlaubt Empfehlungen bzgl. der zu wählenden Sourcing Konzepte Empfehlungen bzgl. der Schwerpunktsetzung bei der Lieferantenauswahl und bei Lieferantenverhandlungen zunehmendes Erfolgspotential Z Y X C B A zunehmender Anteil am Beschaffungsvolumen 33
LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? 2.4 XYZ Analysen und kombinierte ABC XYZ Analysen Aufgabe 7: Normempfehlungen für die kombinierte ABC XYZ Analyse? Diskutieren Sie: Für welche Felder der kombinierten ABC XYZ Analyse würden Sie welche der der folgenden Sourcing Strategie Varianten empfehlen? Gobales vs. Lokales Sourcing Singlevs. Dual vs. MultipleSourcing zunehmendes Erfolgspotential Z Y X C B A zunehmender Anteil am Beschaffungsvolumen 34
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? LE 1 Warum überhaupt Materialmanagement? LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.1 Grundlagen der Materialdisposition 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 35
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.1 Grundlagen der Materialdisposition Aufgabengebiete der Materialdisposition Neben der informatorischen Erfassung von Materialbeständen und Materialbewegungen sind in der Materialdisposition insb. die folgenden Aufgaben zu erfüllen: die Materialbedarfsplanung die Bestellmengenplanung (bzw. Losgrößenplanung) Einordnung der Materialdisposition in den Planungskontext (vereinfacht) Lagerbestände und Verbrauchsverläufe der Materialien Wareneingang Ablaufplanung für UFE und FE Material Absatzplanung Produktionsprogrammplanung Lagerhaltung UFE/FE 36
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.1 Grundlagen der Materialdisposition In der Praxis werden folgende Bedarfsarten unterschieden Materialbedarfsarten Ermittlung nach Bezug zum Marktgeschehen Ermittlung unter Beachtung von Lagerbeständen Primärbedarf Sekundärbedarf Tertiärbedarf Bruttobedarf Nettobedarf 37
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.1 Grundlagen der Materialdisposition Aufgabe 8: Einstieg in die Materialbedarfsplanung ([Material und Logistikmanagement], S. 115) Das Fertigerzeugnis E1 wird aus drei Teilen des Bauteils T1 zusammengesetzt. In den nächsten 4 Perioden sollen insgesamt 320 Stück von E1 abgesetzt werden, davon in Periode 1 120 Stück, in Periode 2 40 Stück, in Periode 3 60 Stück und in Periode 4 100 Stück. Für Ersatzteile werden in der ersten Periode 30, in der zweiten und dritten Periode 20 und in der vierten Periode 30 Einheiten von T1 benötigt. Zu Beginn der ersten Periode beträgt der Lagerbestand von T1 600 Stück. Ermitteln Sie die Bedarfsarten für die einzelnen Perioden: Periode Bedarfsart 1 2 3 4 Gesamt Primärbedarf E1 120 40 60 100 320 Sekundärbedarf T1 360 120 180 300 960 Primärbedarf T1 30 20 20 30 100 Bruttobedarf T1 390 140 200 330 1060 Bestände T1 600 210 70 0 600 Nettobedarf T1 0 0 130 330 460 38
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.1 Grundlagen der Materialdisposition Verfahren zur Materialbedarfsplanung Es werden (z.b. in MySAP ERP) programm bzw. plangesteuerte, verbrauchsgesteuerte und manuelle (subjektive) Verfahren zur Materialbedarfsplanung unterschieden. Verfahren zur Materialbedarfsplanung programm bzw. plangesteuert verbrauchsgesteuert manuell bzw. subjektiv Datenbasis: Produktionsprogramm/ bestehende Aufträge Erzeugnisstruktur Datenbasis: - Verbrauchsstatistik Planungsbasis: - Erfahrungswerte - Expertenwissen 39
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.1 Grundlagen der Materialdisposition Varianten und Rechengang einer quantitativen Materialbedarfsermittlung Produktionsprogrammplanung Erzeugnis struktur tat. Lagerbestände Materialverbräuche Primärbedarfe Bedarfe für Eigenfertigung Netto Sekundär / Tertiärbedarfe Bedarfe für Fremdbezug (abgeändert aus [Produktionswirtschaft I], S. 343) 40
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Voraussetzungen und Einsatzbeispiele programmgesteuerter Verfahren Programmgesteuerte Verfahren erlauben eine deterministische und damit (relativ) exakte Bestimmung der Bedarfe nach Menge und Termin Voraussetzungen: Vorliegende Kundenaufträge und/oder determiniertes Produktionsprogramm zum Beschaffungszeitpunkt (Primärbedarf bekannt) Sekundärbedarf ableitbar (Erzeugnisstruktur bekannt) Einsatzbeispiele: hochwertige Güter (A Güter) sehr unregelmäßig oder selten benötigte B Güter Lieferzeiten der Kundenaufträge erlauben Einzelbeschaffung im Bedarfsfall 41
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Bestimmung des Bruttobedarfs durch Verwendung der Erzeugnisstruktur Die Erzeugnisstruktur stellt den strukturellen Aufbau aller Materialien dar, aus denen sich ein Enderzeugnis oder eine Baugruppe zusammensetzt man unterscheidet vier generelle Arten zur Darstellung der Erzeugnisstruktur: Erzeugnisstrukturarten Listendarstellung Grafische Aufbereitung Matrixdarstellung Stücklisten Teileverwendungsnachweise 42
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Aufgabe 9: einfache Erzeugnisstruktur mit grafischer Abbildung und zugehörigen Stücklisten Produktionsstruktur als Erzeugnisbaum Stellen Sie den Erzeugnisbaum mit nur einem Knoten je Komponente dar (dies ergibt den sog. Gozinto Graph). Wie kann die Erzeugnisstruktur sinnvoll als Stückliste dargestellt werden? (abgeändert aus [Repetierfaktor Material], S. 10) 43
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Beispiele für systemunterstützte Stücklistenanzeigen ([Logistikprozesse mit SAP], S. 106 bzw. www.acbis.de/html/stucklistengenerierung.html) 44
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Matrixdarstellung als kompakte Form einer Stücklistendarstellung Direktbedarfsmatrix A = (a ij ): Quadratische Matrix, die je Zeile und je Spalte Informationen über ein Material enthält die Zelle in der Matrix in Zeile i und Spalte j nennt man a ij a ij gibt die Menge des Teils T i an, welche zur Produktion einer ME von T j direkt erforderlich ist Zu Bsp. 1 einer einfachen Erzeugnisstruktur: A = (a ij ): P Q R S T U P Q 4 R 1 S 3 T 4 1 U 2 An welche Stücklisteninformation erinnert die Darstellung der Direktbedarfsmatrix? 45
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Matrixdarstellung als kompakte Form einer Stücklistendarstellung Gesamtbedarfsmatrix G = (g ij ): Quadratische Matrix, die je Zeile und je Spalte Informationen über ein Material enthält die Zelle in der Matrix in Zeile i und Spalte j nennt man g ij g ij gibt die Menge des Teils T i an, welche insgesamt in einer ME von T j enthalten ist Kennt man A, so kann G einfach abgeleitet werden über G = (E A) 1, mit E:= Einheitsmatrix Zu Bsp. 1 einer einfachen Erzeugnisstruktur: G = (g ij ): P Q R S T U P 1 0 0 0 0 0 Q 24 1 0 0 4 4 R 6 0 1 0 1 1 S 6 0 0 1 0 3 T 6 0 0 0 1 1 U 2 0 0 0 0 1 An welche Stücklisteninformation erinnert die Darstellung der Gesamtbedarfsmatrix? 46
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Matrixdarstellung als kompakte Form einer Stücklistendarstellung Bruttobedarfsermittlung mithilfe der Gesamtbedarfsmatrix G: Durch einfache Multiplikation der Gesamtbedarfsmatrix mit dem aktuellen Primärbedarf ergibt sich der Bruttobedarf für alle betrachteten Materialien Zu Bsp. 1 einer einfachen Erzeugnisstruktur: Angenommen, der Primärbedarf von Produkt P beträgt 200 Stück, außerdem sind von den Bauteilen T und U je 50 Stück als Handelsware eingeplant. P Q R S T U Primärbedarfe Bruttobedarf P 1 0 0 0 0 0 200 200 Q 24 1 0 0 4 4 0 5200 R 6 0 1 0 1 1 x 0 = 1300 S 6 0 0 1 0 3 0 1350 T 6 0 0 0 1 1 50 1300 U 2 0 0 0 0 1 50 450 Welche Auswirkung haben die Einsen auf der Hauptdiagonale für das ermittelte Ergebnis? 47
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Aufgabe 10: Materialbedarfsplanung bei der P Design ohg Die P Design ohg möchte eine neue Variante ihres einzigen Produkts mit Namen P auf den Markt bringen. Es ist bekannt, dass ein Produkt P aus zwei Bauteilen A und B zusammengestellt wird, wobei je Stück von P zwei Bauteile A und ein Bauteil B benötigt werden. Zur Fertigung von A wird ebenfalls ein Bauteil B verwendet, außerdem wird für A ein Stück des Einzelteils X verarbeitet. Zur Fertigung des Bauteils B werden ein Stück von X und zwei Stück des Einzelteils Y benötigt. Stellen Sie die beschriebene Erzeugnisstruktur der P Design ohg in folgenden Varianten dar: a. als Erzeugnisbaum und als Gozinto Graph b. als Struktur, als Mengenübersichts und als Baukastenstücklisten c. Mit welchem Bruttobedarf an Material muss das Unternehmen planen, wenn für den kommenden Monat Oktober Aufträge für 2.500 Stück von P vorliegen und außerdem von einem Ersatzteilbedarf i.h.v. 200 Stück von A und 150 Stück von B ausgegangen wird? 48
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Fortsetzung Aufgabe 10: Materialbedarfsplanung bei der P Design ohg d. Wie ändern sich die Werte aus c), wenn im darauffolgenden Monat (Nov.) eine Nachfragesteigerung von 20% beim Endprodukt und von 10% bei den Ersatzteilen zu verzeichnen ist? e. Angenommen, es liegen noch je 5.000 Stück von X und von Y sowie je 50 Stück von A und B auf Lager. Welcher Nettobedarf stellt sich demnach für Oktober ein? Im Rahmen der Herstellung des Produkts P sind die bereits beschriebenen Produktionsstufen Fertigung der Baugruppen und Montage der Baugruppen zum Endprodukt zu unterscheiden. Da es sich um ein sehr hochwertiges Produkt handelt, erfordern die Baugruppenfertigung und die Montage des Endprodukts je eine Bearbeitungszeit von ca. einem Tag. f. Probleme ergeben sich hierdurch für die oben ermittelten Bruttobedarfsmengen? 49
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung unter Beachtung von Vorlaufzeiten Sind neben den Bedarfsmengen auch termingerechte Bereitstellungszeitpunkte innerhalb des betrachteten Planungszeitraums zu berücksichtigen, so bieten sich analytische Verfahren zur Bedarfsauflösung an Die Ableitung der Materialbedarfe erfolgt hierbei unter Berücksichtigung von sog. Vorlaufzeiten Analytische Verfahren zur Bedarfsauflösung (Auswahl) Fertigungsstufenverfahren (verbessertes) Dispositionsstufenverfahren Gozintoverfahren Matrizenverfahren Die Verfahren unterscheiden sich im Wesentlichen bzgl. des zugrundeliegenden Rechenaufwands und in der Frage, ob Material evtl. früher als notwendig zur Verfügung gestellt wird. Dabei liefert das verbesserte Dispositionsstufenverfahren (lt. herrschender Meinung der Praxis) die besten Ergebnisse bzgl. einer Kosten Nutzen Relation. 50
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung unter Beachtung von Vorlaufzeiten Dispositionsstufenverfahren Beispiel: Dispositionsstufe Organisation der Erzeugnisstrukturen nach sog. Dispositionsstufen eine Dispositionsstufe ist dabei die unterste bzw. tiefste Fertigungsstufe, auf der ein Material in einer Erzeugnisstruktur erstmals vorkommt (oder: Dispositionsstufe als Zahl der Verarbeitungsstufen, die ein Teil maximal durchläuft) jedem Material wird genau eine Dispositionsstufe zugeordnet Es erfolgt eine Bedarfsrechnung der Materialien nach aufsteigenden Dispositionsstufen B 1 E 1 P 1 P 2 4 2 2 3 1 1 1 2 3 B 2 2 0 1 2 E 2 E 3 3 51
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung unter Beachtung von Vorlaufzeiten Fortsetzung des Beispiels zum Dispositionsstufenverfahren aus der Planungsabteilung sind die folgenden Primärbedarfe der Endprodukte P 1 und P 2 sowie der Baugruppe B 2 bekannt: Periode Primärbedarf 4 5 6 P 1 100 70 220 P 2 60 80 150 B 2 10 20 10 weiterhin ergibt ein Blick ins ERP System, dass aktuell noch folgende Lagerbestände zur Verfügung stehen: P 1 : 50 ME, P 2 : 100 ME, B 1 : 120 ME Der Produktionsleiter erinnert daran, dass bei den fremdbezogenen Einzelteilen E 1 mit einem Ausschuss von ca. 20% gerechnet werden muss und dass für jeden Produktionsschritt eine Bearbeitungszeit von einer Periode einzuplanen ist Wann müssen welche Materialmengen zur Verfügung gestellt werden? 52
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Dispositions Teil/ Art des Vorlaufstufe Komponente Bedarfs verschiebung Periode 1 Periode 2 Periode 3 Periode 4 Periode 5 Periode 6 53
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Fortsetzung Aufgabe 10: Materialbedarfsplanung bei der P Design ohg Die P Design ohg geht nach genaueren Analysen der Auftragszusammensetzung davon aus, dass von den geplanten Primärbedarfen des kommenden Monats ein Teil bereits zu Beginn der zweiten Woche bei den jeweiligen Kunden angeliefert werden muss. Aufgrund der einzukalkulierenden Transportzeit und des arbeitsfreien Sonntags ist daher nunmehr zu berücksichtigen, dass für das Ende der ersten Woche folgende Netto Primärbedarfe zu decken sind: Tag 5 (Fr) Tag 6 (Sa) Produkt P 300 350 Bauteil A 30 20 Bauteil B 20 10 g. Führen Sie eine programmgesteuerte Bedarfsauflösung mithilfe des verbesserten Dispositionsstufenverfahrens durch. Beachten Sie hierbei, dass für die fremdbezogenen Einzelteile X und Y neben der Bearbeitungszeit auch eine Lieferzeit von einem Tag einzuplanen ist. Außerdem ist bekannt, dass von Einzelteil X aktuell noch Lagerbestände i.h.v. 1.000 Stück vorhanden sind und Einzelteil Y nur in Einheiten à 1.500 Stück bezogen werden kann. 54
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.2 Programmgesteuerte Materialbedarfsplanung Dispositions Teil/ Art des Vorlaufstufe Komponente Bedarfs verschiebung Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4 Tag 5 Tag 6 55
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Voraussetzungen und Einsatzbeispiele verbrauchsgesteuerter Verfahren verbrauchsgesteuerte Verfahren greifen zur Bedarfsermittlung auf mathematischstatistische Verfahren zurück, welche zukünftige Materialbedarfe prognostizieren. Voraussetzungen: vorliegende Statistik über tatsächlich angefallene Faktorverbräuche der Vergangenheit, i.d.r. auf Basis einer zuverlässigen Materialrechnung Gültigkeit der Zeitstabilitätshypothese bezüglich Produktionsbedingungen, Sortiment und Nachfrage, um einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen vergangenen und zukünftigen Bedarfen eines Materials herstellen zu können Einsatzbeispiele: fehlende Informationsgrundlage zur Durchführung programmgesteuerter Verfahren geringwertige Güter untergeordnete Materialen mit vielerlei Verwendung und somit gleichmäßigem Verbrauch 56
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Zeitreihenextrapolationen in der verbrauchsgesteuerten Materialbedarfsplanung Grundidee einer Zeitreihenextrapolation: gegeben: Zeitreihe x 1, x 2,..., x T (mit T := Zeitpunkt der Prognoseerstellung) gesucht: y T+1, y T+2, y T+3, es gilt: x t f () t Z t systematische Zufalls Komponente Komponente die Struktur einer Zeitreihe (d.h. der Zusammenhang der Komponenten) muss korrekt erkannt und abgebildet werden, um brauchbare Prognoseergebnisse zu erhalten (Prognosemodelle unter http://help.sap ag.de/) 57
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Zeitreihenextrapolationen in der verbrauchsgesteuerten Materialbedarfsplanung geeignete stochastische Verfahren (Auswahl) Zeitreihenprognosen Konstantes Niveau Trend Mittelwertansätze (einfach, gleitend, gewogen) exponentielle Glättung 1. Ordnung exponentielle Glättung 2. Ordnung einfache Linearregression Saisonalität exponentielle Glättung bei saisonaler Schwankung multiple Regression 58
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der Mittelwertbildung Mittelwertberechnung: Arithmetisches Mittel Ermittlung des Prognosewertes: Bedarfsmengen der vergangenen Perioden werden addiert und durch die Anzahl der Perioden (T) dividiert (=Mittelwert) Formel: Bsp.: Aufgabe 11: einjährige Zeitreihe mit konstantem Niveau Zeit t 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Monat Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Verbrauch in Tonnen x t 97 104 101 93 96 100 101 96 98 106 99 110 Welche Prognose sollte auf Basis eines arithmetischen Mittels für den 13. Monat (Jan) vorgeschlagen werden? y 13 = 59
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der Mittelwertbildung Mittelwertberechnung: Gleitende Mittelwerte Ermittlung des Prognosewertes: Bedarfsmengen der k jüngsten Perioden werden addiert und durch die Anzahl der gewählten Perioden dividiert Anzahl der gewählten Perioden basiert i.d.r. auf einer Analyse der Prognosequalität Formel: 1 Fortsetzung Aufgabe 11: einjährige Zeitreihe mit konstantem Niveau Welche Prognose ergibt sich für y 13 mit einem gleitenden Mittelwerts (Fälle k = 3, 4 bzw. 5): k = 3: y 13 = k = 4: y 13 = k = 5: y 13 = 60
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der Mittelwertbildung Mittelwertberechnung: Gewogene gleitende Mittelwerte Ermittlung des Prognosewertes: Bedarfsmengen der k jüngsten Perioden werden gewichtet ( t ) und addiert (falls sich die Gewichte nicht zu Eins addieren, ist die ermittelte Summe zu normieren) Gewichtung ermöglicht es, jüngere Verbrauchszahlen höher zu gewichten und ältere Verbrauchszahlen geringer zu gewichten Formel:, falls 1, falls 1 Fortsetzung Aufgabe 11: einjährige Zeitreihe mit konstantem Niveau Verwenden Sie gewogene gleit. Mittelwerte zur Prognose, wobei der Verbrauch einer Periode im Vergleich zur Vorperiode mit doppeltem Gewicht berücksichtigt werden soll: k = 3: y 13 = k = 4: y 13 = k = 5: y 13 = 61
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Aufgabe 12: Verfahren der Mittelwertbildung im Vergleich Über die Lagerabgangsmengen eines in der Produktion verwendeten Industrieklebstoffs liegen Daten der vergangenen 11 Wochen vor. Woche t 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Verbrauch in Einheiten x t 1068 1292 1530 1491 1583 1329 1498 1403 1383 1522 1281 Es wird über eine Schätzung des zukünftigen Verbrauchs diskutiert, wobei unklar ist, ob ein einfacher oder ein gleitender Mittelwert zur Prognose herangezogen werden soll. Zur Entscheidungsunterstützung sollen die folgenden Vorarbeiten durchgeführt werden: Ermitteln Sie Prognosewerte auf Basis eines einfachen Mittelwerts. Beginnen Sie dabei mit einer Prognose für t = 5 auf Basis der Werte x 1 bis x 4 (dann folgt eine Prognose für t = 6 mit den Werten x 1 bis x 5 usw.). Ermitteln Sie Prognosewerte mittels gleitender 3er Durchschnitte. Beginnen Sie mit einer Prognose für t = 5 auf Basis der Werte x 2 bis x 4. Stellen Sie den Verlauf des Verbrauchs und der Prognosewerte grafisch dar (z.b. in Excel). Welche Variante schlagen Sie zur Prognoseverwendung vor und warum? 62
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der exponentielle Glättung 1. Ordnung Exponentielle Glättung 1. Ordnung als spezielle Form gewogener Mittelwerte Das Verfahren der exp. Glättung 1. Ordnung basiert auf folgender Grundidee: Berücksichtigung aller verfügbaren Daten sukzessiv abnehmende Gewichtung der historischen Daten mit zunehmendem Alter ähnlich der gewichteten Mittelwerte, aber leicht über einen Parameter steuerbar! a t 0,20 0,15 0,10 Gewichte a t = (1 ) t (hier für a 0 = = 0,2) a (1 ) 1 a (1 ) 2 2 a0 Formel (rekursiv definiert): 1 mit 1 1 0,05 0,00 Exponentielle Glättung 8 7 6 5 4 3 2 1 0 t 63
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Aufgabe 13: Interpretation der exponentiellen Glättung 1. Ordnung Formulieren Sie die Formel zur exp. Glättung 1. Ordnung so um, dass der Parameter nur einmal vorkommt. Welche Aussage kann nun bzgl. der Idee des Verfahrens gemacht werden? Aufgabe 14: exponentielle Glättung 1. Ordnung für einjährige Zeitreihe mit konstantem Niveau Erstellen Sie für die Datenreihe aus Aufgabe 11 eine Prognose für den Monat Januar (y 13 ) unter Verwendung eines Glättungsparameters von = 0,3. Starten Sie Ihre Zeitreihe in t = 8, wobei davon ausgegangen werden kann, dass der letzte Prognosewert mit y 8 = 99 ermittelt wurde. 64
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Aufgabe 15: exponentielle Glättung 1. Ordnung im Vergleich zu Verfahren der Mittelwertbildung Ergänzen Sie Ihr Excel Dokument zur Prognose des Industriekleberbedarfs (Aufgabe 12) um eine Prognose auf Basis der exponentiellen Glättung 1. Ordnung. Gehen Sie hierbei von einem Wert für y 1 = 1345 aus. Wie beurteilen Sie die Güte der Prognose durch Verwendung dieses Verfahrens? Aufgabe 16: Prognoseanpassung in Abhängigkeit des Parameters Weshalb eignen sich kleinere Werte des Glättungsparameters besser, wenn Ausreißerwerte in der Zeitreihe zu befürchten sind, während sich größere Werte von bei Niveauverschiebungen besser eignen? Begründen Sie Ihre Antwort und veranschaulichen Sie den Sachverhalt anhand der nachfolgenden idealtypischen Zeitreihen. Zeitreihe Ausreißer 100 300 100 100 100 100 100 100 100 Zeitreihe Niveauverschiebung 100 300 300 300 300 300 300 300 300 65
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der exponentielle Glättung 1. Ordnung Das Verfahren der exp. Glättung 1. Ordnung stößt ebenso wie die diversen Mittelwertverfahren an seine Grenzen, sobald nichtmehr von einem langfristig konstanten Verbrauchsniveau ausgegangen werden kann. 66
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der linearen Regression Regressionsverfahren werden in der Statistik dazu eingesetzt, den Zusammenhang zwischen einer abhängigen Variable und einer (Einfachregression) oder mehreren (Mehrfachregression) unabhängigen Variablen zu untersuchen. Lineare Regressionen zur Verbrauchsvorhersage unterstellen, dass die Zeit (t) als einzige unabhängige Variable im Modell genügt sich die Verbräuche durch eine lineare Funktion von t beschreiben lassen somit gilt für den zu prognostizierenden Wert y t (Prognose für Periode t): 67
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der linearen Regression Gesucht sind somit für eine gegebene Zeitreihe (z.b. in Form vergangener Materialverbräuche) x 1, x 2,, x T diejenigen Parameter a (Achsenabschnitt der Trendgerade) und b (Steigung der Trendgerade), die möglichst gut zur Datenlage passen hierbei wird zur Bestimmung von a und b eine Minimierung der quadrierten Abweichungen zwischen Trendgerade und Datenreihe angestrebt, sodass gilt: min! 68
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Verfahren der linearen Regression (Beispiel) Welcher Wert wird nach Ablauf von 4 Perioden für t = 5 erwartet? Welche Prognose würden Sie nach Periode 11 für t = 13, t = 14 und t = 24 vorschlagen? 69
LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? 3.3 Verbrauchsgesteuerte Materialbedarfsplanung Aufgabe 17: exponentielle Glättung 1. Ordnung und lineare Regression im Vergleich Gegeben ist die rechts abgebildete Bedarfszeitreihe. Gesucht sind Schätzungen für die Bedarfe in den beiden kommenden Perioden 11 und 12. Welche Ergebnisse können Sie hierfür liefern, wenn Sie a) eine exp. Glättung 1. Ordnung mit α = 0,3 (setzen Sie hierbei y 1 = x 1 ) b) eine lineare Regression durchführen. t x t 1 60 2 55 3 70 4 78 5 90 6 105 7 111 8 100 9 115 10 125 70
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 1 Materialwirtschaftliche Aufgaben von Beschaffung und Logistik LE 2 Was wird beschafft und wie werden diese Teile klassifiziert? LE 3 Wie kann die benötigte Materialmenge ermittelt werden? LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.1 Grundlegendes zu Lagerhaltungsmodellen 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle 4.3 Dynamisch deterministische Lagerhaltungsmodelle 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle 71
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.1 Grundlegendes zu Lagerhaltungsmodellen Zusammenhang von Materialbedarfs und Lagerhaltungsplanung nach Abschluss der Materialbedarfsermittlung (nach Menge und zeitlicher Verteilung) für einen bestimmten Planungszeitraum ist eine Planung der Materialbereitstellung vorzunehmen hierbei nimmt die Lagerhaltung durch Entkoppelung von Bedarfs und Bestellmengen in vielen Fällen eine zentrale Rolle ein Input Bestellmenge Liefermenge Liefermenge Lagerbestandsmenge Output (Gesamt ) Bedarfsmenge Lagerhaltungsplanung Output Input Materialbedarfsplanung optimale Bestellmengen Bestellauslösung Sicherheitsbestände (erweitert aus [Produktionswirtschaft I], S. 377) 72
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.1 Grundlegendes zu Lagerhaltungsmodellen Lagerhaltungsmodelle im Überblick die aus der Materialbedarfsplanung gewonnenen Bedarfsmengen und termine sind in (zielkonforme) Bestellmengen und termine zu transformieren je nach unterstellten Annahmen kommen hierbei unterschiedliche Modelle zur Anwendung Lagerhaltungsmodelle (Klassen) deterministische Modelle stochastische Modelle statisch (optimale, feste Bestellmenge) dynamisch (variable Bestellmenge, evtl. optimal) heuristisch (Lagerhaltungspolitiken) optimierend (Newsboy Problem und Erweiterungen) 73
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Ausgangspunkt und Idee deterministischer Lagerhaltungsmodelle Ausgangspunkt abgeschlossene Bedarfsplanung bekannter (da errechneter) und als sicher unterstellter Materialbedarf Idee Ziel deterministischer Lagerhaltungsmodelle ist die Ermittlung kostenoptimaler Bestellmengen diese erlauben (i.d.r.) einen Rückschluss auf Bestellzeitpunkte bzw. Bestellhäufigkeiten Diskutieren Sie: I. Welche Kostenarten sollten bei der Ermittlung einer kostenminimalen Bestellmenge Berücksichtigung finden? II. Angenommen der Gesamtbedarf liegt bei M Stück pro Jahr. Wie wirkt sich eine Veränderung der Bestellmenge x auf die pro Jahr anfallenden Kosten aus? 74
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Das Andlermodell als Grundgerüst der statisch deterministischen Lagerhaltungsplanung Annahmen (Auszug) der Materialbedarf für ein betrachtetes Material ist während der Planperiode gleichbleibend, d.h. der Materialverbrauch erfolgt mit einer konstanten Rate die Wiederbeschaffungszeit ist vernachlässigbar (gleich Null) der Einstandspreis des Materials ist konstant Bestell und Lagerhaltungskostensätze sind bekannt und konstant Kosten pro Periode K(x) Lagerhaltungskosten Bestellkosten x Gesamtkosten x 75
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 18: Herleitung der optimalen Bestellmenge im klassischen Andlermodell Ein Fahrradhersteller hat einen jährlichen Bedarf von 300.000 Fahrradrahmen ermittelt, die zu je 45,00 bei einem Großlieferanten bezogen werden. Der Hersteller nimmt auf Basis der Ergebnisse einer erst kürzlich eingeführten Prozesskostenrechnung an, dass jeder Bestellvorgang zu Kosten i.h.v. 1.500 führt. Zur Kalkulation entstehender Lagerkosten wird mit einem Satz von 12 % p.a. (Kosten des direkten Lagerbetriebs) geplant, die anfallenden Zinskosten werden mit 8 % p.a. berücksichtigt (bezogen jeweils auf den durchschnittlichen Bestandswert). a) Stellen Sie den mengenmäßigen Verlauf des Lagerbestands über den Zeitraum eines Jahres für eine Bestellmenge von 25.000 Stück/Bestellung bzw. für 75.000 Stück/Bestellung grafisch dar. Welche Lagerhaltungskosten fallen jeweils an? b) Stellen Sie die Bestellkosten, Lagerhaltungskosten und Gesamtkosten (Bestellkosten + Lagerhaltungskosten) in Abhängigkeit von der Bestellmenge grafisch dar (x Achse = Bestellmenge, y Achse = Kosten/Jahr). Ermitteln Sie grafisch das Kostenminimum. c) Berechnen Sie die optimale Bestellmenge, die optimale Bestellhäufigkeit und die jährlichen Gesamtkosten der Beschaffung. 76
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 19: Bestellmengenplanung bei Jacques Weinhandel e.k. Der Weinhändler Jacques aus Münster hat sich auf den Verkauf badischer Weine spezialisiert. Er transportiert diese mit einem jeweils für diesen Zweck gemieteten LKW nach Münster. Die Ladekapazität des LKW beträgt 800 Kartons à sechs Flaschen. Jacques zahlt als Miete eine Grundgebühr von 157,65 pro Tag sowie für jeden gefahrenen km 0,71. Der LKW verbraucht ca. 15 l Diesel pro 100 km. Der Liter Diesel kostet momentan 1,50. Die Entfernung von Münster zum Dorf des badischen Winzers beträgt 480 km. Die Hin und Rückfahrt wird an einem Tag erledigt. Der Weinhändler hat einen gleichmäßigen Jahresverbrauch von 1.200 Kartons pro Jahr. Pro Flasche zahlt er 6 an den Winzer. Zur Lagerung kann er den Gewölbekeller eines Freundes nutzen, für den keine Kosten anfallen. Bzgl. anfallender Zinskosten rechnet er mit 14 % p.a. a) Berechnen Sie die optimale Bestellmenge. b) Wie hoch sind bei dieser Bestellmenge die gesamten Bestellkosten und Lagerhaltungskosten pro Jahr? 77
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Das Andlermodell als Grundgerüst der statisch deterministischen Lagerhaltungsplanung Einige Erkenntnisse aus dem Grundmodell nach Andler Das Modell wird trotz z.t. unrealistischer Annahmen häufig eingesetzt, da grundsätzliche Zusammenhänge brauchbar erfasst und Erkenntnisse für praxistaugliche Anpassungen gewonnen werden, z.b. im Optimum stimmen Bestell und Lagerhaltungskosten pro Periode überein Abweichungen von opt. Bestellmenge erhöhen Gesamtkosten in einem relativ breiten Bereich nur unwesentlich Kurve verläuft unterhalb der opt. Bestellmenge steiler als oberhalb. Ein Unterschreiten der opt. Bestellmenge führt (tendenziell) zu einem größeren Kostenanstieg als ein Überschreiten Übertragung und Erweiterungen es existieren verschiedene Erweiterungen des Modells zur Aufweichung der div. Annahmen die Formel ist analog auf Eigenfertigung (optimale Fertigungslosgröße) anwendbar (statt Bestellkosten Rüstkosten, statt Einstandspreis Herstellkosten) 78
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Fortsetzung Aufgabe 18: Mengenrabatte in der Bestellmengenoptimierung Der Fahrradhersteller verkauft zu 25 % der 300.000 Fahrräder einen kleinen Fahrradcomputer, die er bei einem asiatischen Großlieferanten beziehen kann. Je Radcomputer verlangt der Lieferant 10, wobei eine Bestellung aufgrund des aufwendigen Transports einmalige Kosten i.h.v. 4.000 verursacht. Lager und Zinskosten werden mit unveränderten Sätzen veranschlagt. d) Welche optimale Bestellmenge ergibt sich in diesem Fall für die Radcomputer? Der Fahrradhersteller hat mit dem Lieferanten über das Thema Mengenrabatte diskutiert und folgende Vereinbarung erwirkt: ab einer Abnahmemenge von 40.000 Stück pro Bestellung sinkt der Einstandspreis auf 9 /Stück für die komplette Bestellmenge liegt die Bestellmenge bei mindestens 80.000 Stück, sinkt der Preis auf 8 /Stück e) Welche Kostenkurven im Grundmodell ändern sich im Falle eines günstigeren Einstandspreises und wie kann der Sachverhalt in die grafische Veranschaulichung der Gesamtkosten übertragen werden? f) Wo liegt nunmehr die kostenoptimale Bestellmenge für den Fahrradhersteller? 79
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.2 Statisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Fortsetzung Aufgabe 18: Übertragung optimaler Bestellmengen auf optimale Losgrößen Beim selben Fahrradhersteller werden Lenker für die angebotenen Fahrräder selbst produziert. Die jährlich benötigte Menge von 300.000 Stück kann zu Kosten von je 10 hergestellt werden. Täglich werden 900 Fahrräder montiert. Die für die Lenkerfertigung eingesetzte flexible Fertigungsanlage wird für verschiedene Produkte des Unternehmens genutzt. Ist sie für die Lenkerfertigung gerüstet, so kann sie konstant über einen Arbeitstag verteilt 4.500 Stück der benötigten Lenker fertigen. Ein Umrüsten der Fertigungsanlage auf die Lenkerfertigung verursacht Kosten i.h.v. 1.000, der Lagerkostensatz beträgt 10 % p.a., die anfallenden Zinskosten werden mit 8 % p.a. berücksichtigt. g) Welche Aspekte des Grundmodells nach Andler müssen im vorliegenden Fall angepasst werden (vgl. hierzu Abb. rechts)? h) In welchen Losgrößen sollte der Fahrradhersteller seine Lenkerfertigung kostenoptimal vornehmen? 80
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.3 Dynamisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Ausgangspunkt und Idee dynamisch deterministischer Lagerhaltungsmodelle Ausgangspunkt analog zu den statischen Modellen, d.h. abgeschlossene Bedarfsplanung bekannter (da errechneter) und als sicher unterstellter Materialbedarf Aber: der ermittelte Materialbedarf ist im Zeitablauf nicht konstant, sondern schwankend Idee heuristische Ansätze bauen auf den Erkenntnissen der optimalen Bestellmenge nach Andler auf und integrieren diese in einfache Verfahren zur dynamischen Bestellmengenplanung Optimierende Verfahren greifen auf Modelle der dynamischen Programmierung (OR Konzept) zurück und ermitteln so eine tatsächlich kostenoptimale Bestellpolitik 81
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.3 Dynamisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Heuristiken in der dynamisch deterministischen Lagerhaltungsplanung Stückperiodenalgorithmus im Optimum des Andlermodells haben die pro Bestellung anfallenden Lagerhaltungskosten die gleiche Höhe wie die bestellfixen Kosten Vorschlag für eine Heuristik: fasse solange kommende Bedarfe zu einer Bestellung zusammen, bis die resultierenden Lagerhaltungskosten der Bestellung den bestellfixen Kosten entsprechen wiederhole diese Überlegung ab dem Zeitpunkt der nichtmehr hinzugefügten Bedarfe Silver Meal Heuristik im Optimum des Andlermodells sind die relevanten Gesamtkosten pro Periode minimal Vorschlag für eine Heuristik: fasse solange kommende Bedarfe zu einer Bestellung zusammen, bis die resultierenden Kosten je Zeiteinheit durch Hinzufügen der nächsten Bedarfe ansteigen würden wiederhole diese Überlegung ab dem Zeitpunkt der nichtmehr hinzugefügten Bedarfe 82
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.3 Dynamisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 20: Heuristiken in der dynamisch deterministischen Lagerhaltungsplanung Annahmen (Varianten zu den hier getroffenen Annahmen sind leicht umsetzbar) es wird davon ausgegangen, dass Bestellungen zu Beginn einer Periode zur Verfügung stehen weiterhin wird unterstellt, dass der Bedarf in einer bestimmten Periode immer zu Beginn des Zeitabschnitts dem Lager entnommen wird Für die Fertigung von Fahrrädern mit Elektromotorunterstützung benötigt der Fahrradhersteller leistungsfähige Akkumulatoren. Für diese Akkus wurden bereits Bedarfe (in Stück) für die kommenden fünf Monate ermittelt (siehe Tabelle). Der Lieferant verlangt 200 je Akku, für Lager und Zinskostensatz werden jeweils 12 % p.a. veranschlagt (es kann je Monat von einem Zwölftel der jährlichen variablen Kosten ausgegangen werden). Pro Lieferung sind fixe Kosten i.h.v. 600 einzuplanen. Ermitteln Sie eine kostenoptimale Bestellpolitik unter Verwendung der gleitenden Bestellmengenheuristik der Silver Meal Heuristik Welches Verfahren liefert geringere Gesamtkosten? Welches der beiden Verfahren würden Sie für eine praktische Anwendung empfehlen? Monat t Bedarf x t 1 100 2 110 3 135 4 80 5 30 83
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.3 Dynamisch deterministische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 21: statische und dynamische Lagerhaltungsmodelle im Vergleich Für ein in Serie gefertigtes Produkt benötigt ein Unternehmen Zulieferteile von einem Lieferanten. Es wurden die folgenden Bedarfsmengen für die kommenden 8 Wochen geplant: Woche 1 2 3 4 5 6 7 8 Bedarf 5 20 40 10 45 5 5 30 Je Bestellung entstehen einmalige Kosten i.h.v. 90. Die wöchentlichen Lagerhaltungskosten werden als mengenabhängig angenommen und sind mit 1 /ME zu berücksichtigen. a) Ein Mitarbeiter der Beschaffung erwägt die Bestellentscheidung anhand der klassischen Andlerformel durchzuführen. Welche optimale Bestellmenge ergäbe sich nach dieser Formel, wenn man von einem durchschnittlichen Bedarf pro Woche ausgeht? Geben Sie für diese Bestellpolitik die Lagerbestände zu Beginn und zum Ende jeder Woche über die gesamte Planungsperiode an. Wie ist die ermittelte Bestellpolitik zu beurteilen? b) Ermitteln Sie jeweils eine Bestellpolitik mit dem Verfahren des Stückperiodenalgorithmus der Silver Meal Heuristik 84
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Ausgangspunkt und Idee stochastischer Lagerhaltungsmodelle Ausgangspunkt Materialbedarf ist unsicher (nicht deterministisch geplant) oder gänzlich unbekannt durch laufende Lagerbestandsrechnungen und fortschreibungen kann jedoch eine bestandsgesteuerte Lagerhaltungsplanung erfolgen Idee Ziel stochastischer Lagerhaltungsmodelle ist primär der Einbezug der Unsicherheit in die Bestellplanung der Konflikt zwischen zu hohen Beständen einerseits und zu hohen Fehlmengen andererseits ist möglichst gut zu lösen in der betrieblichen Praxis haben sich einfach anwendbare, heuristische Ansätze zur stochastischen Lagerhaltungsplanung durchgesetzt Lagerbestand Physischer Lagerbestand x t w Disponibler Lagerbestand t w : Wiederbeschaffungszeit zwischen Bestellung und Bestelleingang t 85
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Varianten von Lagerhaltungspolitiken in der stochastischen Lagerhaltungsplanung aufgrund der gegebenen Unsicherheiten sind Bestellmengen und Bestellzeitpunkte (im Gegensatz zu den deterministischen Modellen) nunmehr getrennt voneinander zu bestimmen zu entscheiden ist: Wann wird bestellt/gefertigt? Bestellpunkt (s) vs. Bestellzyklus (τ) Wie viel wird bestellt/gefertigt? gegebene Bestellmenge (q) vs. auffüllende Menge (S) je nach Festlegung von Bestellzeitpunkt und Bestellmenge ergeben sich vier Grundtypen stochastischer Lagerhaltungspolitiken: τ (Bestellpunktverfahren) (Bestellrhythmusverfahren) τ, q Politik s, q Politik τ, S Politik s, S Politik (abgeändert aus [Grundzüge der Beschaffung], S. 142) 86
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 22: Bestandsverläufen der vier Grundtypen stochastischer Lagerhaltungspolitiken Angenommen, der Lagerbestand eines von der Fertigung unregelmäßig nachgefragten Materials soll mithilfe einer s,q Politik τ,q Politik gesteuert werden. Stellen Sie einen sich ergebenden (exemplarischen) Lagerbestandsverlauf über die Zeit in einer geeigneten Grafik dar. Skizzieren Sie den zeitlichen Verlauf dabei so, dass es mindestens zu zwei Bestellungen und Bestelleingängen kommt, wobei von einer konstanten Wiederbeschaffungszeit ausgegangen werden kann. Kennzeichnen Sie in Ihrer Grafik die wesentlichen Parameter (s, q bzw. τ). Welche Vorteile und welche Nachteile sehen Sie bei Verwendung der jeweiligen Lagerhaltungspolitik? 87
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Servicegrade in der (s,q) Politik Um Unsicherheiten während t w abzudecken, sollte bei einer (s,q) Politik gelten: Bestellpunkt s = erwarteter Bedarf in t w + Sicherheitsbestand Zielsetzung: Minimaler Bestellpunkt (wg. Lagerkosten) bei gegebenem Servicegrad Servicegrad: S := W(Y s) (mit Y := tatsächliche Nachfrage in t w ) Fehlmengenwahrscheinlichkeit wird betrachtet theoretische Bestimmung des optimalen Servicegrades: Kosten ( /Jahr) Servicegrad: S := = 1 sofort lieferbare Nachfrage Nachfrage Fehlmenge in t w Liefermenge Fehlmengenanteil wird betrachtet Guter Servicegrad =??% Fehlmengenkosten Lagerhaltungskosten 100% Servicegrad Höhe 88
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 23: Servicegrade in der (s,q) Politik Über den Verbrauch eines Materials in einem Unternehmen sind folgende Informationen bekannt: der Materialbedarf pro Tag (D) schwankt zwischen 10 und 40 Stück, wobei Wahrscheinlichkeiten W(D=d) dafür angegeben werden können, wie hoch die Nachfrage je Tag tatsächlich ausfallen wird: d 10 20 30 40 W(D=d) 0,1 0,3 0,4 0,2 die Wiederbeschaffungszeit beträgt t w = 2 Tage, je Bestellung werden q= 100 ME geliefert a) Welcher Servicegrad kann gewährleistet werden, wenn kein Sicherheitsbestand gehalten wird, d.h. der Bestellpunkt nur den erwarteten Bedarf in t w deckt? b) Welcher Bestellpunkt sollte gewählt werden, wenn ein Servicegrad von S = 95% realisiert werden muss? Wie hoch ist in diesem Fall der Sicherheitsbestand? 89
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Servicegrade in der (s,q) Politik Um Unsicherheiten während t w abzudecken, sollte bei einer (s,q) Politik gelten: Bestellpunkt s = erwarteter Bedarf in t w + Sicherheitsbestand ist der Bedarf an Material für den betrachteten Zeitraum näherungsweise normalverteilt, so kann der Bestellpunkt (s) durch folgenden einfachen Zusammenhang angenähert werden: s = v t w + mit s := Bestellpunkt/Meldebestand; t w := Beschaffungszeit v := prognostizierter Verbrauch je ZE := Standardabweichung des Verbrauchs / Bedarfs := Sicherheitsfaktor 1 1,28 1,64 2 2,33 2,58 3 Erreichbarer S 84,1% 90 % 95 % 97,7 % 99 % 99,5% 99,87% 90
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Fortsetzung Aufgabe 23: Servicegrade in der (s,q) Politik c) Welche erwartete Fehlmenge ergibt sich während der 2 tägigen Wiederbeschaffungszeit, falls auf einen Sicherheitsbestand verzichtet wird und was bedeutet dies für den erzielbaren Servicegrad? d) Welcher Bestellpunkt sollte gewählt werden, wenn ein Servicegrad von S = 99 % realisiert werden muss? 91
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 24: Servicegrade in der (s,q) Politik Ein Unternehmen setzt die (s,q) Politik als Lagerhaltungsstrategie ein. Für ein ausgewähltes Produkt sind folgende Daten gegeben: Bestellfixe Kosten: k B = 1.000 Lagerhaltungskostensatz: k L = 2,60 /ME Tag Wiederbeschaffungszeit: t w = 2 Tage Die Bestellmenge q wird mithilfe der Bestellmengenformel nach Andler ermittelt, sodass gilt: 2 Dabei steht E(D) für die erwartete (durchschnittliche) Nachfrage pro Tag. Hinsichtlich der Tagesnachfrage kann von folgender Verteilung ausgegangen werden: d 5 10 15 20 W(D=d) 0,15 0,3 0,35 0,2 92
LE 4 Wie häufig sollte Material geliefert werden? 4.4 Stochastische Lagerhaltungsmodelle Aufgabe 24: Servicegrade in der (s,q) Politik a) Ermitteln Sie den minimalen Bestellpunkt s, bei dem ein Servicegrad von S = 96% realisiert werden kann. b) Ermitteln Sie den minimalen Bestellpunkt s, bei dem ein Servicegrad von S = 98% realisiert werden kann. Wie hoch ist bei diesem Bestellpunkt der Sicherheitsbestand? Es gilt: 1 Fehlmenge in t w Liefermenge Dabei entspricht die Bestellmenge q der durchschnittlichen Liefermenge. 93