Sind Sie religiös kompetent? Kompetenzorientierung und religiöse Bildung Die Gretchenfrage: Überzeugung? Zustimmung? Praxis? Wissen? 1. Standardisierte Bildung und subjektorientiertes Lernen scheinen einander zu widersprechen. Diese Vorbehalte gilt es zu klären, bevor der Ansatz einer Kompetenzorientierung produktiv aufgegriffen wird. 2. Das Modell der Bildungsstandards forciert die Gestaltung eines für alle Beteiligten transparenten, verlässlichen und nachhaltigen Religionsunterrichts. 3. Der didaktische Perspektivenwechsel besteht in der Wendung vom Lehren hin zum Lernen. 4. Die Schülerinnen und Schüler werden als Subjekte des Lernprozesses ernst genommen, indem sie von Beginn an über die angestrebten Kompetenzen informiert werden. 5. Den Schülerinnen und Schülern wird das entsprechende methodische Handwerkszeug zur Verfügung gestellt, mit dem sie den Erwerb und die Sicherung eigener Kompetenzen leisten können. 6. Lernsequenzen werden von zugrunde liegenden Anforderungssituationen her entfaltet; dies entspricht einem Kompetenzbegriff, welcher sich auf die Lösung von Problemen fokussiert. 7. Die vorliegenden Kompetenzmodelle für den Religionsunterricht verbindet bei aller Unterschiedlichkeit die Ausweitung des zu bearbeitenden Feldes über die Ebene der Wissensfundierung hinaus. 8. Der Ansatz einer Kompetenzorientierung sollte die häufig isoliert Lehrenden zur Rudelbildung veranlassen: Wenn Einigkeit über den Umgang mit einer Kompetenzorientierung vor Ort herrscht, können die Schülerinnen und Schüler verlässlich und nachhaltig Religion an der Schule lernen. 9. Eine neue Aufgabenkultur z.b. bei der Reifeprüfung erhöht den Anspruch an schulisches Lernen, der ein reines Reproduktionslernen übersteigt. Dennoch erscheint es als sinnvoll, zwischen Lern- und Prüfungsaufgaben zu unterscheiden, weil gerade das sensible Feld der kreativen Ausdrucks- und Gestaltungsformen einen Schutz vor unzulässigen Wegen der Evaluation erfordert. Kompetenzerwerb sogar bei einem Vortrag? Die TN kennen die aktuellen Problemfelder bei der Entwicklung kompetenzorientierter Lehrpläne. Die TN können Teilelemente des Kompetenzansatzes subjektorientiert interpretieren. Die TN erkennen Elemente des didaktischen Paradigmenwechsels und bewerten diese als Gewinn für die eigene pädagogische Arbeit. Die TN können die anstehenden didaktischen Baustellen benennen und entwickeln erste Handlungsstrategien für deren Bewältigung. Hans Mendl
Literatur zur Diskussion über Bildungsstandards und Kompetenzorientierung Grundlegende Literatur V. Elsenbast / D. Fischer / P. Schreiner, Zur Entwicklung von Bildungsstandards. Positionen, Anmerkungen, Fragen, Perspektiven für kirchliches Bildungshandeln, Münster 2004. Engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule, 2004, Heft 4: Schulqualität durch nationale Bildungsstandards? Entwurf 2/2004: Bildungsstandards. A. Feindt, Kompetenzorientierter Unterricht wie geht das? Didaktische Herausforderungen im Zentrum der Lehrerarbeit, in: Friedrich Jahresheft 2010, 85-89. A.Feindt / V. Elsenbast / P. Schreiner / A. Schöll (Hg.), Kompetenzorientierung im Religionsunterricht. Befunde und Perspektiven, Münster u.a. 2009. D. Fischer / V. Elsenbast (Red.), Grundlegende Kompetenzen religiöser Bildung. Zur Entwicklung des evangelischen Religionsunterrichts durch Bildungsstandards für den Abschluss der Sekundarstufe I, Münster 2006. U. Hemel, Religionsunterricht, religiöse Kompetenz, kompetenzorientierte Lehrpläne. Oder: die Chance zum Gestalten eines persönlichen Lebensentwurfs, in: RpB 67/2012, 17-30. Katechetische Blätter 132 (2007), Heft 4: Reizwort Evaluation. Katechetische Blätter 133 (2008), Heft 6: Forum Wissenschaft: Bildungsstandards, 438-454. Katechetische Blätter 135 (2010), Heft 5: Klug vermitteln. Kirche und Schule 38 (2011), Nr. 159: Fit in Religion. Kompetenzorientiert unterrichten. E. Klieme u.a., Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards. Eine Expertise, Berlin 2003. (www.dipf.de/bildungsstandards) H. Mendl, Kompetenzorientierung im Unterricht aus religionspädagogisch-kritischer Perspektive, in: Zeitschrift für integrative Gestaltpädagogik und Seelsorge 17 (2012), Nr. 66, 76-79. W. Michalke-Leicht (Hg.), Kompetenzorientiert unterrichten. Ein Praxisbuch für den Religionsunterricht, München 2011. G. Obst, Kompetenzorientiertes Lehren und Lernen im Religionsunterricht, Göttingen 2008 RHS 48 (2005), Heft 4: Standards im Religionsunterricht? C. P. Sajak (Hg.), Bildungsstandards für den Religionsunterricht und nun? Perspektiven für ein neues Instrument im Religionsunterricht, Münster 2007. Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Kirchliche Richtlinien zu Bildungsstandards für den katholischen Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 5-10 / Sekundarstufe I (Mittlerer Schulabschluss), Bonn 2004 (Die deutschen Bischöfe 78). Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Kirchliche Richtlinien zu Bildungsstandards für den katholischen Religionsunterricht in der Grundschule / Primarstufe, Bonn 2006. Theo-web. Zeitschrift für Religionspädagogik 3 (2004), Heft 2: Religiöse Bildung: Standards und Evaluation (www.theo-web.de). G. Ziener, (Red.), Qualitätsentwicklung im Religionsunterricht. Handreichung zur Selbstevaluation im Religionsunterricht im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Stuttgart 2005. Kritische Diskussion K. Böhme, Erhebliche Gefährdungen. Der Religionsunterricht und seine Probleme, in: HerKor 64 (2010), Heft 9, 460-464; Dies.: Prozess ständiger Wechselwirkung. Was soll Religionsunterricht leisten?, in: HerKor 65 (2011), 105-107. H.-P. Klein, Lehrerbildung auf dem Prüfstand der Bluff der Kompetenzorientierung, in: Das Gymnasium in Bayern 3/2011, 27-32. V. Ladenthin, Kompetenzorientierung als Indiz pädagogischer Orientierungslosigkeit, in: Profil. Mitgliederzeitung des Deutschen Philologenverbandes, Heft 09/2011, 1-6. C. Sajak / W. Michalke-Leicht, Bitte nüchtern bleiben. Ein Plädoyer gegen die Überforderung des Religionsunterrichts, in: HerKor 64 (2010), 588-592. H. Schmid, Falsche Alternative. Welche Ziele kann der Religionsunterricht realistisch erreichen?, in: HerKor 65 (2011)
Chancen eines kompetenzorientierten RU Perspektivenwechsel Lehren Lernen! - Anforderungssituationen als Ausgangspunkt der Planung - Kompetenz-Transparenz für die Lernenden - Lernlandschaften als Gestaltungsaufgabe - Methodenkompetenz der Lernenden als Weg und Ziel - Aufgaben- und Prüfungskultur intelligente Evaluation - Nachhaltigkeit Vernetzung und Komplexitätszuwachs Religiöse Kompetenzen mehr als Wissen! Sensibilität Urteilsfähigkeit Performanz Inhaltlichkeit Partizipation Kommunikation Lehrende Päd-Agogen und Rudeltiere Instruktion Konstruktion Reflexion Team-Arbeit Kooperation Wahrnehmungskompetenz religiös bedeutsame Phänomene wahrnehmen und beschreiben religiöse Sensibilität Begriffskompetenz religiös bedeutsame Glaubensund Lebenszeugnisse verstehen und darstellen religiöse Inhaltlichkeit Dialogkompetenz sich über religiöse Fragen und Überzeugungen verständigen religiöse Kommunikation RELIGIÖSE KOMPETENZ religiös motivierte Lebensgestaltung Partizipationskompetenz an religiöser und gesellschaftlicher Praxis begründet und entschieden (nicht) teilnehmen Deutungskompetenz in religiösen Fragen begründet urteilen religiöse Urteilsfähigkeit religiöses Ausdrucksverhalten Ausdruckskompetenz in religiösen und ethischen Fragen und Feldern ästhetisch und ethisch gestalten und handeln These 7 Hans Mendl
Johann Amos Comenius 1592-1670 Erstes und letztes Ziel unserer Didaktik soll es sein, die Unterrichtsweise aufzuspüren und zu erkunden, bei welcher die Lehrer weniger zu lehren brauchen, die Schüler dennoch mehr lernen; in den Schulen weniger Lärm, Überdruss und unnütze Mühe herrsche, dafür mehr Freiheit, Vergnügen und wahrhafter Fortschritt; in der Christenheit weniger Finsternis, Verwirrung und Streit, dafür mehr Licht, Ordnung, Friede und Ruhe. Comenius, Johann Amos: Große Didaktik. Übersetzt und herausgegeben von Andreas Flitner, Düsseldorf u.a. 4. A. 1970, 9. Kompetenzorientiert unterrichten heißt (Gertrud Miederer) offene, anregende, lebensnahe und schülerorientierte Lernsituationen bereitstellen Schüler/innen an der Zielfindung und Zielklärung eigener Lernprozesse beteiligen und zu kumulativem Lernen anregen vielfältige, zur aktiven Auseinandersetzung anregende Lernmaterialien bereitstellen immer wieder Rückbindungen an die Gruppe ermöglichen und gemeinsame Lernprozesse reflektieren eigene Lebenssituationen reflektieren und auf der Basis religiöser Argumente gestalten an Lebenssituationen orientierte Prüfaufgaben bereitstellen Auf eine Formel gebracht lässt sich sagen, dass ein kompetenzorientierter Religionsunterricht Schülerinnen und Schülern Räume zur selbsttätigen Aneignung und Entwicklung von Kompetenzen und Phasen der Übung und Erprobung unter diagnostischer Begleitung anbietet und gestaltet. Dies setzt allerdings spezifische Kompetenzen auch bei Lehrerinnen und Lehrern voraus, wenn es um die Beurteilung der Ausgangslage von Schülerinnen und Schülern, die Entwicklung und Pflege einer differenzierten Aufgabenkultur, die Würdigung der individuellen Lernwege von Schülerinnen und Schülern und um neue Formate der Diagnose und Evaluation geht. Clauß Peter Sajak, Kompetenzorientierung im katholischen Religionsunterricht. Das unterrichtspraktische Forschungsprojekt KompKath, in: Kirche und Schule 38/2011, Heft 159, 3-7 (hier: 7) Kompetenzorientierte Unterrichtsplanung Lernerfolg Inhaltsbezogene Kompetenzen Lernarrangement (Sequenz, Gegenstände, Lernwege, Lernaufgaben, Vernetzungen) Lernanlässe Inhalte