Visuelle Wahrnehmung

Ähnliche Dokumente
Einführung in die Medieninformatik 1

Einführung in die Medieninformatik 1

4 Psychologie der menschlichen Informationsverarbeitung

Seite 1 von Kognition 1 Gestalt und grafische Gestaltung für GUIs

Lernen und Gedächtnis

Die visuelle Wahrnehmung

Die visuelle Wahrnehmung

Optische Täuschungen. physiologische, psychologische und physikalische Sicht

P.H.Lindsay D.A.Norman. Psychologie. Informationsaufnahme und -Verarbeitung beim Menschen

Die visuelle Wahrnehmung

Mensch-Computer-Interaktion WS 2015/2016 Alle Bachelor-Studiengänge der Informatik 1. Semester. 3.1 Modelle menschlicher Informationsverarbeitung

HCI 3 Gedächtnis und Lernen

Motorik und Vorstellung

Stundenbild Gedächtnissysteme :

Die visuelle Wahrnehmung

Thema: Illusionen beim räumlichen Sehen

Mentale Repräsentationen von Erwartungen (II)

Gedächtnis Prof. Dr. Hermann Körndle Professur für die Psychologie des Lehrens und Lernens Technische Universität Dresden

Gedächtnis. Istvan Tiringer Institut für Verhaltenswissenschaften

Optische Phänomene. Hier täuscht uns die Perspektive und die Gewohnheit. Der kleine Junge ist eigentlich genauso groß wie der ältere Herr.

Gestaltgesetze. Grundlagen der Gestaltung. bbw Berlin Internet Grundlagen Seite 1 / 21

Kognition & Interaktion

Gestaltgesetze Figur-Grund-Beziehung

Die Psychologie des Gedächtnisses

Einheit 2. Wahrnehmung

Einführung in die Medieninformatik 1

Mensch-Maschine-Interaktion

Gedächtnis. Extern gewonnene Informationen werden in drei Stufen verarbeitet:

Einstieg: Drogen und Glück

So denken Kinder. Usha Goswami. Enführung in die Psychologie der kognitiven Entwicklung. Verlag Hans Huber Bern Göttingen Toronto Seattle

Optische Halluzinationen - WAZ-Nachtforum -

Gedächtniskonsolidierung im Schlaf - Modell

Stundenbild Unmögliche Figuren

Zusammenfassung. Instruktionspsychologie. Professur E-Learning und Neue Medien. Institut für Medienforschung Philosophische Fakultät

Wissen und Repräsentation

LMU München LFE Medieninformatik Mensch-Maschine Interaktion (Prof. Dr. Florian Alt) SS2016. Mensch-Maschine-Interaktion

Theorien des Lernens

Psychologie des Lernens

Bildgestaltung. Bilder lesen, erkennen und interpretieren. Ralf Turtschi

Einführung in die Pädagogische Psychologie HS 2014 Vorlesung 8: Kogni?ve Lerntheorien: Lernen als Verarbeitung fürs Langzeitgedächtnis Teil 3

Wahrnehmung und Kunst

Zusammenfassung. Instruktionspsychologie. Professur Psychologie digitaler Lernmedien. Institut für Medienforschung Philosophische Fakultät

Gedächtnismodelle. Gliederung. Pädagogische Psychologie Psychologie des Lernens SoSe Florentine Leser Lena Möller Karin Brunner

Das autobiographische Gedächtnis

Optische Illusionen. Ich sehe was, was Du nicht siehst... Fachbereich 3 Mathematik und Informatik. Mathias Lindemann

Gedächtnis. Dr. phil. Esther Studer-Eichenberger. Lernziele

Die visuelle Wahrnehmung

Katrin Kaiser Experimente im Psychologieunterricht WS 2007/08. Stundenbild. Thema der Stunde: Kurzzeitgedächtnis

Marlene Schnelle-Schneyder Sehen und Photographieren Von der Ästhetik zum Bild

Visuelle Wahrnehmung

Wahrnehmung. Drei Ebenen der Forschung. Klassische Psychophysik. Gestaltpsychologie (strukturelle Psychophysik)

Illusionen beim räumlichen Sehen. Von John I. Yellott jr. Bearbeitet von Karoline Ahnefeld

VL Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Woher weiß ich, was das ist? Objektwahrnehmung

Muggelsteine. Worum geht es? Das Material. Es handelt sich um farbige, kreisrunde, halbtransparente Kunststoffsteine, so genannte Muggelsteine,

Formwahrnehmung aus Schattierung. Von Vilayanur S. Ramachandran bearbeitet von Anna- Marisa Piontek

Optische Täuschungen Jacqueline Musil , A

Einführung in die moderne Psychologie

Gestaltgesetze der Wahrnehmung. DI (FH) Dr. Alexander Berzler

Allgemeine Psychologie -

Allgemeine Psychologie

Allgemeine Psychologie I. Vorlesung 3. Prof. Dr. Björn Rasch, Cognitive Biopsychology and Methods University of Fribourg

Grundlagen der Anatomie und Physiologie für Nicht-Mediziner WS 2008/09

Allgemeine Psychologie I

Mensch-Computer- Interaktion

Lernen und Gedächtnis. Kognitive Gedächtnispsychologie: Das Mehrspeichermodell

Nachhaltigkeit des Lernens aus neurobiologischer Sicht

Ich sehe was, was Du nicht siehst

Bewegungsbeobachtung und Bewegungsbeurteilung im Sport

Neuronale Kodierung sensorischer Reize. Computational Neuroscience Jutta Kretzberg

GruppeA B1GK. Die symmetrische Anordnung entsteht durch die Wiederholung gleicher Formen. Das kann mittels Reihung, Rotation oder spiegelbildlicher

Einführung in die Lernpsychologie

Was leistet Sprache?

Parallelverarbeitung von Farbe, Bewegung, Form und Tiefe

VL Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Wahrnehmung von Bewegung

Objektwahrnehmung Empfohlene weiterführende Literatur für Interessierte (nicht obligatorisch zur Prüfung)

Geometrisch-optische Täuschungen

Ganzheitliches Aufmerksamkeits- und Gedächtnistraining. für Kinder von 4 bis 10 Jahren

Einführung in die Wahrnehmungspsychologie Optische Täuschungen

Raum und Form. Zentrale Lernstandserhebungen Didaktische Arbeitsblätter 2018 Mathematik Raum und Form Messen

Echos of Echos? An Episodic Theory of Lexical Access. in: Exemplarbasierte Theorien der Sprachverarbeitung. Vortragende: Roland Mühlenbernd Uwe Matull

Aufmerksamkeit und Bewusstsein

3. Farbe, Textur und Tiefenwahrnehmung

Bewusstsein Größte Herausforderungen an die Psychologie. Inhalte des Bewusstseins. Inhalte des Bewusstseins. Bewusst versus unbewusst

Olfaktorische Reize in der Markenkommunikation

Workshop C Gedächtnis und Plastizität des Gehirns

LMU München LFE Medieninformatik Mensch-Maschine Interaktion (Prof. Dr. Florian Alt) SS2017. Mensch-Maschine-Interaktion

Organisatorisches. Modelle selbstgesteuerten Lernens. Aktualisierung der Teilnehmerliste Fotos Anwesenheit: max. 2 Fehltermine Themenauswahl

Butz, Krüger: Mensch-Maschine-Interaktion, Kapitel 2 - Wahrnehmung. Mensch-Maschine-Interaktion

Wissen. Demenz Was ist das?

Informationsrepräsentation und Multimediales Lernen

Der Kopf Die Kommandozentrale

Tutorium zur Vorlesung Differentielle Psychologie

Objektwahrnehmung. Gestaltschule Merkmalsextraktion Ortfrequenzkanäle Marr s computational theory Geone versus bildbasierte Erkennung

Tiefen- und Größenwahrnehmung

Transkript:

Visuelle Wahrnehmung Psychologische Gestaltgesetze Gesetz der Nähe räumliche Nachbarschaft zeitliche Nachbarschaft Gesetz der Ähnlichkeit / Gesetz der Gleichheit Farbe, Helligkeit, Größe, Orientierung, Form

Visuelle Wahrnehmung Gesetz der Gleichheit versus Gesetz der Nähe Abschwächung Verstärkung

Visuelle Wahrnehmung Gesetz der guten Fortsetzung räumliche Einfachheit, Harmonie, Gesetzmäßigkeit zeitliche Einfachheit, Harmonie, Gesetzmäßigkeit Gesetz der guten Fortsetzung versus Gesetz der Gleichheit Gleichheit der Form meist schwächer Gleichheit der Farbe meist stärker

Gesetz der Schließung Vervollständigung von Konturen Inneres - Äußeres Figur Hintergrund Gesetz der Symmetrie wenn keine anderen Gesetze greifen symmetrische Zwischenraum als Figur unsymmetrischer Zwischenraum als Hintergrund Vexierbild keine klare Figur-Grund-Unterscheidung Prinzip der guten Gestalt Zusammenwirken der Gestaltgesetze Visuelle Wahrnehmung Entstehung möglichst einfacher, regelmäßiger, symmetrischer, geschlossener Figuren Figur-Grund-Unterscheidung

Konturen Zwang zur Kontur Bildung vertrauter Formen Menschen Spezielle Mechanismen für Gesichter Menschen wecken Aufmerksamkeit Change Blindness! vgl. http://viscog.beckman.uiuc.edu/djs_lab/demos.html Visuelle Wahrnehmung Prof. Dr. R alaka, Digitale Medien Medieninformatik 2

Visuelle Wahrnehmung Menschen Spezielle Mechanismen für Gesichter Orientierung spielt eine Rolle

Stereoskopisches Sehen Querdisparation nur mit zwei Augen jedes Auge ein eigenes Bild Visuelle Wahrnehmung Tiefenwahrnehmung - Statische Perspektive trapezförmige Konturen => sich entfernende Parallelen Größenunterschiede => Entfernungsunterschiede

Verdeckung vollständige Konturen weiter oben Ausnutzung der Gestaltgesetze Tiefenwahrnehmung durch Schatten räumliche Zuordnung von Objekten zu Ebenen von Objekten zueinander Tiefenwahrnehmung durch Gradienten Texturgradienten enge Textur weiter hinten Kontraste geringerer Kontrast weiter hinten Sättigung geringe Sättigung weiter hinten Farben Blau-Verschiebung in der Entfernung Visuelle Wahrnehmung

Bewegungseindruck Visuelle Wahrnehmung Einzelbilder mit geringen Unterschieden 20 bis 25 Bilder pro Sekunde für fließende Bewegung Film / Video höhere Frequenz nicht sinnvoll 3 bis 5 Bilder pro Sekunde als ruckende Bewegung Videokonferenzen Bildtelefonie Räumlich-zeitlicher Sprung Objekt verschwindet an Punkt A Objekt erscheint nach 30 bis 60 msec an Punkt B Eindruck einer Bewegung zwischen A und B

Visuelle Wahrnehmung Optische Täuschungen, Farbtäuschung Farben / Helligkeiten werden im Vergleich zur Umgebung wahrgenommen Adelson EH (2000) Lightness Perception and Lightness Illusions. In The New Cognitive Neurosciences, 2nd ed., M. Gazzaniga, ed. Cambridge, MA: MIT Press, pp. 339 351

Visuelle Wahrnehmung Optische Täuschungen, Längentäuschung Beeinflussung einer Schätzung durch andere Objekte Prof. Dr. Rainer Malaka, Digitale

Visuelle Wahrnehmung Optische Täuschungen, Formtäuschung Überlagerung verschiedener Formen Kippfigur Gleichwertige Alternativen ähnlich Vexierbild

Visuelle Wahrnehmung Textureffekte Viele weitere Effekte und Erklärungen: www.michaelbach.de

Lesen Verarbeitungsstufen Optisches Bild erkennen Dekodierung in interne Repräsentation, Sprache Interpretation durch Syntax, Semantik, Pragmatik Lesen erfordert Sakkaden und Fixierungen Wahrnehmung während der Fixierungen Wortform (optisch) ist entscheidend für die Wahrnehmung

Gedächtnis Verarbeitung von Sinnesreizen Nerven Bündel aus 10 bis 100.000 Axonen Axon einer Nervenzelle 1 bis 15 µm dick, bis zu 1 m lang Reizweiterleitung Zustand der Nervenzelle (Ruhe- / Aktionspotential) Aktionspotential breitet sich mit 1 bis 100 m/sec aus Signalparameter = Frequenz der Aktionspotentiale => analoge Variable keine Unterschiede nach Sinnen Nervenzellen bilden Netzwerke Axone spalten sich auf in Äste mit Synapsen (Kontaktstellen) Synapsen hemmen oder fördern => analoge Variable Speicherung durch Festlegung dieser Leitfähigkeit Speicherkapazität theoretisch 50 TeraByte

Gedächtnis Typische Einteilung: Drei Arten von Gedächtnissen Sensorisches Gedächtnis (Puffer für Stimuli, Eindrücke) visuell ikonisch, auditorisch echoisch, berühren haptisch Kurzzeit- oder Arbeitsgedächtnis (Gedanken, Zwischenrechnugnen) Langzeitgedächtnis (dauerhaftes Wissen) Manchmal auch noch mittelfristige Zwischenstufe (mittelfristige Pläne) Stimulusauswahl wird durch Erregung gesteuert

Gedächtnis und Prozessoren Gedächtnis Langzeitgedächtnis Arbeitsgedächtnis Ikonisches Gedächtnis D = 200ms (70-1000) K = 12 Chunks(7-17) C = physisch? Echoisches Gedächtnis D = 1,5s (0,9-5) K = 5 Chunks(4,4-6,2) C = physisch? D = 15s (5-226) K = 3 Chunks (2,5-4,1) K* = 7 Chunks (5-9) C = auditiv oder visuell D = unbegrenzt K = unbegrenzt C = semantisch Kognitiver Prozessor Perzeptueller Prozessor T = 70ms (25-170) Motorischer Prozessor T = 100ms (50-200) T =7 0ms (30-170) Auge Ohr Muskulatur D Dauer K Kapazität C Code T Zykluszeit

Gedächtnis Aufgaben Kodierung und Abruf von Wissen Richtige Aktionsauswahl Eigenschaften Nicht alles wird gespeichert Information wird gefiltert und verarbeitet Kontext spielt eine große Rolle Wiedererkennung ist leichter, als Abruf Deshalb GUI besser als Kommandosprache Bilder sind leichter zu merken als Worte Deshalb eher Icons als Namen

Kurzzeit-Gedächtnis Kodierung Experiment von Santa Vorreiz Prüfreiz gleich ungleich linear gleich linear ungleich Vorreiz schnelle Erkennung langsame Erkennung Dreieck Dreieck Dreieck Kreis Quadrat Kreis Quadrat Kreis Pfeil Dreieck Kreis Quadrat Dreieck Kreis Pfeil gleich ungleich linear gleich linear ungleich langsame Erkennung schnelle Erkennung

Kurzzeit- Gedächtnis Ergebnisse aus dem Experiment von Santa zeigen Unterschiedliche Kodierungen Geometrische Objekte in räumlichem Zusammenhang Wörter als Ketten Unterschiedliche Erkennungsleistungen besser, wenn Anordnung der Codierung entspricht Folgerungen für Bildschirmgestaltung Verbalobjekte linear in Zeilen und Spalten Grafische Elemente in gleich bleibender Anordnung

Kurzzeit- Gedächtnis Speichern von 7 (±2) Chunks Neue Information hat Wechselwirkung mit alter Wiederholung führt zu Speicherung Neue Reize zum Vergessen Schneller Zugriff (~70ms) Schnelles Vergessen (~200ms)

Langzeit- Gedächtnis Episodisches Gedächtnis Ereignisse und Erfahrungen in serieller Form Speichert, was uns widerfahren ist Semantisches Gedächtnis Strukturierte Fakten, Konzepte und Fähigkeiten Verschiedene Hypothesen über Funktionsweise Als semantisches Netz In Frames und Skripten Semantisches Wissen abgeleitet aus episodischem Wissen Scheinbar unbegrenzt und unbeschränkt Zugriff langsamer und schwerer Aktionen helfen (wie bei einem Cache) Zugriff ~1/10 s Langsames Vergessen Verschiebung von Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis durch Wiederholung und Üben, sowie durch Kontext Vergessen durch Decay /Auflösung und Interferenz Falsche Erinnerungen möglich Keine Festplatte! Emotionen beeinflussen Gedächtnis