8 Reflexion und Brechung

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Transkript:

Universität Leipzig, Fakultät für Physik und Geowissenschaften Vorlesung zur Experimentalphysik III Wintersemester 28/29 Prof. Dr. Josef A. Käs Vorlesungsmitschrift zur Vorlesung vom 2.11.28 8 Reflexion und Brechung 8.1 Einführung in die optische Abbildung Beruht auf Näherung der Strahlenoptik! Optik ist altgriechisch für Sehen Sehrvorgang des Menschen, sichtbares Licht Strahlenoptik: geradlinige Strahlausbreitung Abbildung ist gleich Strahlvereinigung Abbildung 1: Überprüfung des geradlinigen Strahlenverlaufs mit Hilfe mehrerer Lochblenden in merklichen Abständen voneinander. 8.2 Erste Betrachtungen zur Beugung E + k 2 E = + Blende als Randbedingung Theorie von Kirchhoff, Sommerfeld und Rayleigh vernachlässigt die Polarisation des Feldes. Die ebene Welle (Modulation A(x, y, z)) wird durch die Blende nur wenig gestört: E(x, y, z) = A(x, y, z) e i k z mit A z k A Vernachlässigt werden können die zweiten Ableitungen von A nach z: 2 A x 2 + 2 A y 2 2ik A z = 1

Abbildung 2: Die von links einfallende ebene Welle erzeugt in der Öffnung ein Feld E s (x s, y s, ), welches auf dem Beobachtungsschirm durch Beugung zu einer Feldverteilung E p (x, y, z) führt. Mit der Einführung von zylindrischen Koordinaten folgt: 2 A r 2 + 1 r A r + 1 r 2 2 A φ 2 2ik A z = Betrachte nun den Aufbau in Abbildung 2. Eine ebene Welle falle auf eine runde Öffnung mit Radius d/2. Der Abstand des Feldes von der Öffnung sei L uns Wellenlänge λ. Das Feld soll weiterhin nicht von der Winkelkoordinate φ abhängen. 1 F ( 2 A (2r/d) 2 + d 2r A (2r/d) ) 4πi A z/l = mit F = (d/2)2 λ L }{{} Fresnel-Zahl F 1 Beugung Blende klein L groß λ groß F 1 Strahlenoptik Blende groß L klein λ klein Andererseits Schärfe des Bildes besser bei kleiner Blende. Kirchhoff E s in der Blende ist das gleiche wie ohne Blende E-Feld in den Wänden der Blende ist Null Huygens: von jedem Punkt der Öffnung geht eine Kugelwelle aus, und das Feld E p auf dem Beobachtungsschirm ist eine Überlappung aller dieser Kugelwellen. E p (x, y, z) = i λ Öffnung E s (x s, y s, ) e ik r dx s dy s r Dieser Ausdruck ist analytisch nicht lösbar! Fresnel sches Beugungsintegral: d λ x, y, z d A p (x, y, z) = i A s (x s, y s )e ik 2z [(x s x) 2 +(y s y) 2 ] dxs dy s 2λ Öffnung 2

A s (x s, y s ) ist die Feldamplitude der Blende und E p = A p e 2ik. Gauß scher Strahl: (einfachste Lösung) A s = A e x2 s +y2 s w 2 s w s = d A A p = 1 i z e x 2 +y 2 ( ) w 2 1+i z zr z r w s = d ( ) 2 Strahlradius: w = w s 1 + z zr Rayleigh-Länge: z r = πw2 s λ = F = w2 s λ z = πz r z w Beugungswinkel bzw. Öffnungswinkel des Gauß schen Strahls: θ = lim z z = λ πw s Der Gauß sche Strahl hat sich als eine sehr brauchbare Beschreibung für ein Strahlungsfeld erwiesen, denn: Er ist leicht durch einen Single Mode Laser zu realisieren Die gesamte Leistung P im Strahlungsfeld ergibt sich zu P = 1 A pa 2Z p da = 1 4Z πw2 s A 2 8.3 Lochkamera Der Schattenwurf durch ein Hindernis ist zu verstehen als Überlagerung der Strahlenkegel, die von den verschiedenen Flächenelementen der Lichtquelle ausgehen. Wichtige Beispiele für den Schattenwurf sind Sonnen- und Mondfinsternis. Die Lochkamera ist im sichtbaren Spektralbereich als weitere Anwendung des Schattenwurfs aufzufassen. Der Strahlengang von einem ausgedehnten Objekt kann nur durch das Loch in die Lochkamera eindringen. Die Rückwand der Kamera dient als Projektionsschirm, auf dem ein Bild des Objekts aufgefangen werden kann. Abbildung 3: Schattenwurf durch ein ausgedehntes Hindernis auf einem Schirm bei ausgedehnter strahlender Quelle; rechts der Bestrahlungsstärkeverlauf als Funktion des Ortes für den eindimensionalen Fall. 3

Abbildung 4: Bildentstehung in der Lochkamera. Abbildung 5: Das Reflexionsgesetz. 8.4 Reflexion Treffen Strahlen auf eine Grenzfläche zwischen zwei Medien, so werden sie reflektiert (zumindest teilweise). Das Reflexionsgesetz besagt, dass ein unter dem Winkel α gegenüber der Flächennormalen einfallender Strahl unter dem Winkel β = α reflektiert wird. Dabei liegen einfallender und reflektierter Strahl in einer Ebene. Bei rauhen Oberflächen spricht man von diffuser Reflexion, es gibt viele Streuzentren. Diese Erkenntnis eignet sich, um die Rauhigkeit eines Materials zu messen. Genauer: Die Fresnelschen Formeln beschreiben den Reflexionsgrad und Transmissionsgrad von elektromagnetischen Wellen Wird bestimmt durch ε r = ε 1 + iε 2 Polarisationsabhängig Dipole in Oberfläche werden zu Schwingungen angeregt und reflektieren das Licht Wellenlängenabhängig Ellipsometrie untersucht Oberflächen, Adsorbatschichten, z.b. Dicke 4

Abbildung 6: Spiegelung einer punktförmigen Lichtquelle an einem ebenenen Spiegel. 5