Raps statt Soja im Trog Heimische Eiweißträger in der Mastschweinefütterung Eine Frage des Preises: Bei den derzeit hohen Sojapreisen sind Rapsprodukte eine überlegenswerte Alternative in der Schweinefütterung Sojaschrot treibt nach wie vor die Futterkosten nach wie vor nach oben. Die Notierungen liegen seit Monaten auf einem hohen Niveau und mit einer nachhaltigen Entspannung am Soja-Markt ist vorerst nicht zu rechnen. Welche Chancen heimische Eiweißträger in der Fütterung bieten und welche Erfahrungen Praxisbetriebe gesammelt haben, zeigt Joachim Mack vom Beratungsdienst Schweinehaltung auf. Die Weltölsaatenproduktion ist in den letzen 25 Jahren um das 2,5-fache angestiegen und stößt nun an räumliche und ökologische Grenzen. Die Sojabohne ist dabei der weltweit wichtigste Eiweißlieferant. Allein in Deutschland werden derzeit 3,0 Mio. Tonnen Sojabohnen verarbeitet und insgesamt ca. 4,5 Mio. Tonnen Sojaschrot verfüttert. Wenn man diese Menge mit heimischen Proteinpflanzen ersetzen wollte, würde man dafür mehr als 20 Prozent der deutschen Ackerfläche benötigen. Von allen Futtermitteln aus Raps hat Rapsextraktionsschrot quantitativ die größte Bedeutung. Der Anfall an Rapsschrot nimmt mit Ausbau der Biodieselerzeugungskapazitäten zu. Von jeder Tonne Raps verbleiben nach der Ölextraktion 0,63 t Rapsschrot, die über die Fütterung verwertet werden. Rapsschrot ist besser als sein Ruf Rapsschrot wird mittlerweile zunehmend in der Schweinefütterung genutzt, auch wenn in der Praxis aufgrund negativer Erfahrungen in der Vergangenheit immer noch Skepsis besteht. Aus Sicht der Tierernährung stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der Qualität, dem Futterwert und der möglichen Einsatzmenge.
Bedenken gegen Rapsschrot betrafen in erster Linie den Glucosinolatgehalt, der bei Überschreitung des Grenzwertes die Futteraufnahme der Schweine vermindert und die Schilddrüse hemmt. Deswegen wird seit dem Jahre 2005 ein deutschlandweites Rapsmonitoring durchgeführt (Tabelle 1). Nach wissenschaftlichen Studien vertragen Schweine 1,5 bis 2 Mili-Mol Glucosinolate je Kilogramm Futter. Da in den Untersuchungen im Durchschnitt nur sieben Mili-Mol pro Kilogramm Rapsschrot vorhanden sind, kann der Rapsschrotanteil am Gesamtfutter heutzutage ohne Probleme 15 Prozent betragen. Anzahl Proben Tabelle 1: Futterwert von Rapsschrot (UFOP-Monitoring) 2005 2006 2007 2008 2009 68 19 21 55 76 Rohprotein % 33,6 33,3 33,8 33,7 33,2 Rohfaser % 12,1 12,0 11,3 11,6 11,8 ME MJ/kg 10,2 10,6 10,6 Glucosinolate mmol/kg 8,1 7,7 9,4 6,9 6,2 Rapsschrot besitzt rund zehn Prozent weniger Rohprotein als Sojaschrot und etwa acht Gramm weniger Lysin pro Kilogramm Futter. Zudem sind die meisten essentiellen Aminosäuren schlechter verdaulich als die des Sojaschrotes. Dagegen ist Rapsschrot relativ reich an den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein. Auch der Threoningehalt liegt in einem günstigen Bereich. Zu berücksichtigen ist der geringere Energiegehalt, der aber in der Endmast möglicherweise sogar vorteilhaft sein kann (geringere Verfettung). Im Gegensatz zu Sojaschrot weist Rapsschrot geringere Inhaltsstoffschwankungen auf, wie das Monitoring zeigt. Es ist selbstverständlich, dass alle diese Kriterien bei der Mischungsoptimierung beachtet werden müssen. Viele Mitgliedsbetriebe setzen erfolgreich zehn Prozent Rapsschrot in der Anfangs- und 15 % in der Endmastmischung ohne Leistungseinbußen ein. Fütterungsbedingt ist ein Teilaustausch (in der Endmast ab 90 kg sogar ein Totalersatz) von Sojaschrot durch Rapsschrot möglich. Zu beachten ist hierbei, dass für das Rapsschrot, sofern kein Ergänzer eingesetzt wird, ein extra Silo vorhanden sein muss. Für Betriebe, die kein extra Futtersilo besitzen, bieten einige Futterhersteller spezielle Soja-/Rapsgemische mit unterschiedlichen Anteilen an. Preiswürdigkeit entscheidend Für den Praktiker ist die Preiswürdigkeit eines Futtermittels entscheidend. Sie wird nach der Austauschmethode ermittelt. In der Schweinefütterung sind Sojaschrot und Weizen die Ausgangsbasis. Gerechnet wird nach den Kriterien Lysin und Energie. Kosten Sojaschrot beispielsweise 35 Euro je Dezitonne ( /dt) und Weizen 15 /dt, darf der Preis für Rapsschrot bei max. 25,47 /dt liegen, um wettbewerbsfähig zu bleiben (Tabelle 2). Wird Sojaschrot ein Euro je Dezitonne teurer, kann der Preis für Rapsschrot um rund 70 Cent je Dezitonne steigen, um noch konkurrenzfähig zu sein.
Tabelle 2: Preiswürdigkeit von Rapsextraktionsschrot (Austauschmethode), Stand: 26.11.2010 Weizen Sojaschrot 10 / dt 15 / dt 25 / dt 18,17 18,31 30 / dt 21,75 21,89 35 / dt 25,33 25,47 Aktueller Preis Rapsschrot: ca. 24,50 Bei einem derzeitigen Preis für Rapsschrot von ca. 24,50 /dt, einem Futterweizenpreis von 17 /dt und einem Sojapreis von 34 /dt liegt der Grenzpreis für Rapsschrot bei 26,40 Euro je Dezitonne, so dass eine Preiswürdigkeit gegeben ist. Damit lassen sich bei einer sinnvollen Einsatzrate derzeit zwischen zwei und vier Euro Futterkosten pro Mastschwein einsparen. Zum gleichen Zeitraum im Jahr 2009 war der Preisvorteil des Rapsschrotes bedeutend größer. Aufgrund der ständigen Schwankungen im Futtermittelmarkt muss die Preiswürdigkeit der Futtermittel laufend überprüft werden. Rapskuchen interessante Alternative Als weiteres Eiweißfuttermittel spielt Rapskuchen regional eine Rolle. In den Jahren 2006 und 2007 wurden deutschlandweit viele größere und kleinere dezentrale Ölmühlen errichtet und die dabei anfallenden Kuchen an Tierhalter verkauft. Der Einbau von Rapskuchen in die Mastration setzt eine genaue Kenntnis der Inhaltsstoffe Rohfett und Rohprotein voraus, da diese je nach Abpressgrad stark schwanken können. Zu beachten sind wie beim Rapsschrot die Glucosinolatgehalte. Ca. 95 Prozent der untersuchten Rapskuchen weisen einen Wert von unter 19 Mili-Mol auf, so dass auch bei einer Verfütterung von zehn Prozent der kritische Wert von 1,5 bis 2 Mili-Mol in der Gesamtration nicht überschritten wird. Einige Mitgliedsbetriebe des Beratungsdienstes besitzen eigene Rapspressen und können somit Rapsöl und Rapskuchen kostengünstig in die Rationen einbeziehen. Bei Rapskucheneinsatz in der Mast werden sehr hohe Zunahmen erreicht. Jedoch sollten bei süddeutschen Vermarktungsbedingungen bestimmte Höchstmengen nicht überschritten werden, weil sonst die Muskelfleischanteile stark abfallen können. Bei einem Fettgehalt von 13 Prozent haben sich sechs Prozent in der Vormast, in der Mittelmast acht bis zehn Prozent und in der Endmast sechs Prozent Einsatzrate bewährt. Auf Ölzusatz sollte vor allem in der Endmast aufgrund des hohen Fettgehaltes des Rapskuchens verzichtet werden. Die Lagerdauer des Rapskuchens beträgt maximal vier Wochen. Körnerleguminosenanbau schrumpft Obwohl Leguminosen in den letzten Jahren eine intensive politische Förderung erfahren haben, ist der Anbau in Deutschland weiter rückläufig. Die Anbaufläche von Erbsen, Bohnen und Lupinen nahm seit 2001 um 63 % ab, wobei Erbsen mit 61 % und Lupinen mit 25 % den größten Teil der Fläche ausmachten. Somit befindet sich keine gesicherte und ausgeglichene Qualität auf dem Markt. Einige Schweinehalter bauen Leguminosen auf ihren Flächen an. Zu berücksichtigen ist, dass es je nach Witterung zu großen Ertragsschwankungen im Ackerbau
kommen kann. Die züchterischen Anstrengungen zur Verbesserung der Ertragssicherheit und des Futterwertes sind derzeit ebenfalls gering. Körnerleguminosen können unabhängig von der Verfügbarkeit als Eiweißkomponente eingesetzt werden, spielen in der Mastschweinefütterung jedoch eine untergeordnete Rolle. Ursachen hierfür liegen im wenig ausgeglichenen Aminosäuremuster. Vor allem der Methioningehalt ist niedrig (Tabelle 3). Außerdem liegt die Aminosäurenverdaulichkeit bei vergleichsweise geringen 65 bis 75 Prozent. Antinutritive Substanzen wie Tannine oder Glykoside können sich negativ auf die Futteraufnahme, die Futterverwertung und die Proteinverdaulichkeit auswirken. Praktiker haben die Erfahrung gemacht, dass Schweine bei höheren Leguminoseneinsätzen unruhiger werden. Empfohlen werden Einsatzmengen von acht bis maximal 15 Prozent. Rohprotein Übersicht 1: Leguminosen im Vergleich (DLG-Angaben in g/kg) Sojaschrot Erbsen Bohnen Lupinen 449 221 262 293 Lysin 27,8 15,5 16,5 14,6 Methionin + Cystin 13,0 5,3 5,3 6,8 Threonin 17,5 8,2 9,4 Durch die Züchtung kälteresistenter, frühreifer Sorten und dem zunehmendem Verbraucherwunsch nach gentechnikfreien Lebensmitteln nimmt der Anbau heimischer Sojabohnen regional zu. Jedoch stehen in Süddeutschland nur wenige Anlagen mit standardisierten Aufbereitungsverfahren für Sojabohnen zur Verfügung. Für den Einsatz in der Schweinefütterung müssen die in den Sojabohnen vorkommenden Proteaseinhibitoren, die den Abbau von Proteinen verhindern, durch thermische Behandlung eliminiert werden. Die Kosten für Transport und Aufbereitung verteuern das heimische Soja um rund zehn Euro je Dezitonne. Sojabohnen müssen behandelt werden Aktuelle Fütterungsversuche an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL Bayern) in Schwarzenau haben gezeigt, dass die Verfütterung von unbehandelten Sojabohnen zu einem Rückgang der Futteraufnahme um rund 30 Prozent führt. Dagegen bringt ein Einsatz von vier bis sechs Prozent gerösteter Sojabohnen (kein Schälen und kein Ölentzug) in der Mast zufriedenstellende Leistungen. Als relativ neues Proteinfuttermittel werden Getreideschlempen (flüssig oder trocken) aus der Bioethanolherstellung angeboten. Aufgrund stark schwankender Inhaltsstoffe müssen hier jedoch Sicherheitszuschläge gemacht werden. Wegen der geringen Energiedichte und Aminosäurekonzentration sowie verdaulichkeit scheint eine Verwertung über das Rind sinnvoller zu sein. Durch Einsatz von tierischem Protein (Nebenprodukte von schlachttauglichen Tieren) könnte die heimische Proteinversorgung erleichtert werden. Zudem würde tierisches Protein auch der Phosphorversorgung der Futterrationen zu Gute kommen. In der Politik gibt es schon Ansatzpunkte für eine Wiederzulassung. Ob diese kommt oder wie lange diese dauert, ist derzeit nicht abzusehen.
Fazit: Soja unverzichtbar Alternative Eiweißquellen für Schweine sind nicht in dem Umfang vorhanden wie sie benötigt werden. Aufgrund der Energiepolitik in Europa und speziell in Deutschland steigt die Flächenkonkurrenz ständig an, so dass ein wirtschaftlich interessanter Eiweißpflanzenanbau sich zukünftig als schwierig gestalten könnte. Bei den derzeit hohen Sojapreisen ist eine relative Vorzüglichkeit von Rapsprodukten gegeben, die von den Schweinemästern auch genutzt werden sollte. Die Haupteiweißquelle in der Schweinefütterung ist und bleibt jedoch Sojaschrot bedingt durch das günstigste und reichhaltigste Aminosäuremuster, dem guten Geschmack und der Verdaulichkeit bei einem hohem Versorgungsniveau an Aminosäuren. Joachim Mack Beratungsdienst Schweinehaltung und Schweinezucht Öhringen Heimbüro: 97337 Dettelbach mobil: 0176 / 200 72 791, E-Mail: Joachim.Mack@hohenlohekreis.de