Peer-to-Peer-Learning



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Transkript:

Peer-to-Peer-Learning Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung Bonn 19.09.08 Andrea König Dipl. Soz.päd., M.Sc. Gerontologie

Agenda Vorstellung des Generation Research Program (GRP) Projekt Peer-to-Peer-Learning Ausgangslage und Zielsetzung Umfrageergebnisse und Interviews Generationen auf dem Arbeitsmarkt Wissensweitergabe zwischen den Generationen Demografie-Audit und Bedarfsanalyse Cross-Generation-Leadership Cross-Generation-Learning Cross-Generation-Academy Umsetzung in die Praxis 2

Das Generation Research Program (1/3) Das GRP als Einrichtung der LMU München erforscht die Risiken und Chancen des demografischen Wandels für alle Generationen Wurde 2001 aus Fördermitteln der HTO gegründet größtes Projekt des HWZ, einer fakultätenübergreifenden Institution der LMU Wissenschaftlicher Direktor Prof. Dr. Pöppel Schnittstelle Theorie und Praxis 3

Das Generation Research Program (2/3) - Forum der Generationen in Bad Tölz 4

Das Generation Research Program (3/3) Interdisziplinäre Forschung Vielfalt an Projekten: Ambient Assisted Living z.b. Projekt Aladin Verkehrspsychologischer Bereich z.b. Studie zur Fahreignung nach Schlaganfall Usability: Entwicklung von Transgenerationen-Produkten Spiritualität in Medizin und Gesundheitswissenschaften z.b. Tagung TASK (Transaktionale Arbeitsgruppe Spiritualität und Krankheit) Demografie und Arbeitswelt z.b. Peer-to-Peer-Learning 5

Das Projekt Peer-to-Peer-Learning J. Busch: Demografische Entwicklung und Handlungsoptionen 6

P2P (1/7 ) - Ausgangslage 7

P2P (2/ 7) Reichhaltige betriebsspezifische Erfahrung und umfassendes Prozesswissen stellt wichtige Ressource des Unternehmens dar Erfahrung und Kompetenz aller Mitarbeiter soll vermehrt gewürdigt und genutzt werden Schnittmenge des Wissens älterer und jüngerer Mitarbeiter soll vergrößert werden Ziele Schaffung von Bewusstsein in Unternehmen (KMU): Wahrnehmung von Veränderungen als Wettbewerbschance Weitergabe von beruflicher Erfahrung zwischen den Generationen Konzeptentwicklung und Implementierung in Unternehmen 8

P2P (3/7 ) Demografie-Befragung: Ergebnisse Explorativ, Unternehmensgröße 10 ->151 MA; n=73 Demografischer Wandel als Herausforderung - 60 % halten demografischen Wandel für ein wichtiges Thema - knapp 50 % glauben, dass es in ihrem Unternehmen zu Veränderungen kommen wird - zentrale Sorgen sind Fachkräftemangel, Veränderungen der KundInnenstruktur, Wissensverlust Wissen über Altersstruktur: Unternehmen schätzten größtenteils Wenig Angebote an Weiterbildung für MA über 50 (keine speziellen Angebote, unteranteilsmäßige Beteiligung, keine Angabe von Gründen) 9

P2P (4/7 ) Demografie-Befragung: Ergebnisse Erfahrungswissen älterer MitarbeiterInnen - 85% messen dem Erfahrungswissen Bedeutung zu - 50 % versuchen es zu dokumentieren - 80% geben an, dass Wissensverlust in Ihrem Unternehmen auftrat Wissensweitergabe - 50 % gaben an, dass Maßnahmen zum Wissenstransfer gesetzt werden, allerdings mit Einschränkungen - Methoden (gründliches Einarbeiten, arbeiten im Tandem, intergenerative Teamarbeit, kaum Wissensmanagementsysteme) Hilfestellungen - mehr als die Hälfte wünschen sich Information - Unterstützung bei der Umsetzung konkreter Maßnahmen - Wunsch nach organisiertem Erfahrungsaustausch 10

P2P (5/7 ) - Interviews Qualitative Nachbefragung in halbstrukturierten Interviews zur Sicherung von Erfahrungswissens in KMU im LKR Bad Tölz- Wolfratshausen mit Geschäftsführern und Personalleitern 185 600 MA; n=5 Praxissicht zur Entwicklung von Modulen zum Wissenstransfer zwischen den Generationen; betriebliche Umsetzungsmöglichkeiten Motivation zur Wissensweitergabe als der zentrale Knackpunkt des intergenerativen Wissenstransfers bestätigt Unternehmenskultur als entscheidende Determinante: Binnenklima ist entscheidend Es fehlen für KMU umsetzungsfähige Konzepte zur Sicherung von Erfahrungswissen, die sich gut in den betrieblichen Alltag einfügen 11

P2P (6/7 ) Schlussfolgerungen Handlungsbedarf Betriebe für die heutige Dringlichkeit des Themas zu sensibilisieren (Bsp. Vorträge; Wirtschaftsforum etc.) Entwicklung eines Grobkonzepts für den Wissenstransfer Ganzheitlicher Ansatz: gegenseitiges Lernen von Mitarbeitern unterschiedlicher Generationen = Wissensvernetzung (Verflechtung der Wissensbestände zwischen Angehörigen unterschiedlicher Peergroups - Peers sind Lerner und Lehrer - Soziale Interaktionen im Mittelpunkt - Erwerb von kognitiven, sozialen und handlungspraktischen Kompetenzen 12

P2P (7/7 ) Module zur Wissensvernetzung Ziele: Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit/Leistungsoptimierung auf der Grundlage des Ressource- based View/ Competence based View Erschließung und Weitergabe von Erfahrungswissen Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit Qualifizierung erwerbslebenslang Sensibilisierung des Managements und der Mitarbeiter für Prozesse des Älterwerdens im Zuge des demografischen Wandels Wertschätzung der komplementären Stärken älterer und jüngerer Mitarbeiter Etablierung eines methodisch-unterstützten Wissenstransferprozesses mit modularem Aufbau 13

Generationen auf dem Arbeitsmarkt Du brauchst nicht zu suchen, hier gibt es nichts zu klicken. Es ist eine Tafel! 14

Generationen auf dem Arbeitsmarkt (1/3) Generationsübergreifende Gruppen Forschungsergebnisse Bei Nichtbearbeitung der Unterschiede: Weniger Zusammenhalt Weniger Kommunikation Geringere Gruppenleistungen Geringere Zufriedenheit Höhere Fluktuationsraten Bedingungen für den Erfolg: Vorhandensein gemeinsamer Werte und Ziele Wissen und Wahrnehmen der Altersunterschiedlichkeit Wertschätzung der Altersunterschiedlichkeit Wegge 2007 15

Generationen auf dem Arbeitsmarkt (2/3) Entwicklung von Synergien Synergieentwicklung und Erreichen von optimalem Arbeitshandeln durch konsequente Nutzung von Potenzialen jüngerer und älterer Mitarbeiter Quelle: Friedmann 2007 16

Generationen (3/3) Generationsspezifische Präferenzen Matures Baby Boomers Generation X Nexters Kommunikationsstil Formal/Memo, "One on One" In Person Direkt, unmittelbar E-mail, Mailbox, Handy Führungsstil Direkt; Befehl & Kontrolle Einvernehmlich; kollegial Alle sind gleich; andere herausfordern Muss sich noch zeigen Interaktionsstil Individualist Team Player; liebt Meetings Entrepreneur Mitbestimmend Feedbackstil Keine Nachrichten sind gute Nachrichten Einmal im Jahr zur Dokumentation Entschuldigen Sie die Störung, wie mache ich mich? Auf Knopfdruck, wann immer ich will Karriereziele Etwas für die Nachwelt schaffen Kometenhafte Karriere Ständig sich ändernde Karriere Parallelle Karrierepfade Wertigkeit der Erfahrung Lernen durch die harte Schule des Lebens Erfahrung ist Wissen Zeig mir, was Du weißt, nicht wo du schon warst Die Welt ändert sich so schnell, Erfahrung ist irrelevant Training Ich habe es über den harten Weg gelernt. Das kannst Du auch Trainiere Leute zu viel und sie werden gehen Wenn ich nicht lerne, gehe ich Wird das im Examen geprüft? Arbeitszeit 9 bis 5 Uhr - Mentalität "Angeberei" über Arbeitszeit Wenn ich meine Arbeit erledigt habe, warum bin ich noch hier? Ich arbeite so lange Sie wollen vorausgesetzt ich langweile mich nicht Bedeutung des Geldes Harte Arbeit und Arbeitsplatzsicherheit Anerkennung und Status Freiheit und Unabhängigkeit Mittel, um den Lifestyle zu halten Quelle: Gerald Schwartz School 2006 17

Wissensweitergabe zwischen den Generationen 18

Wissensweitergabe zwischen den Generationen (1/6) Analyse der Personalstruktur zur zukünftigen Ausrichtung der Bildungskonzepte Sicherung von Nachhaltigkeit 1. Demografie- Audit & Bedarfsanalyse 4.Cross- Generation- Academy Wissensweitergabe zwischen den Generationen 2.Cross-Generation Leadership 3.Cross-Generation- Learning Altersklima Umsetzung Top-down Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Generationen 19

Wissensweitergabe (2/6): Demografie - Audit und Bedarfsanalyse Erfassung von Alterstrukturen Konsequenzen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter Kompetenzen, Werte, Erfahrungen, etc. Verhalten und Einstellungen Analyse-Notwendigkeiten Rahmenbedingungen zu dieser Thematik im Unternehmen Demografische Situation im Unternehmen Implikationen Generationsübergreifende Kompetenzanforderungen nach Funktionsbereichen: Wissensmanager, Workshops Verhaltensstilmäßige Situation und Einstellungen im Unternehmen nach Altersgruppen Unternehmenskultur und strategie; Leitbild, Normen, Werte, Führungsgrundsätze Aussagen über Ergebnis-Implikationen und Abstimmung im Unternehmen individuelles Design zur Sicherung des Erfahrungswissens im Unternehmen 1. 4. 20 2. 3.

Wissensweitergabe (3/6) Cross-Generation- Leadership Sensibilisierung von Führungskräften für die Auswirkungen des demografischen Wandels & Wissensweitergabe zwischen den Generationen Age Awareness Sensibilisierung für Prozesse des eigenen Älterwerdens Hauptsächlich die Führungskräfte können den Wissenstransfer ihrer Mitarbeiter beeinflussen, indem sie die Rahmenbedingungen für eine Weitergabe des Erfahrungswissens abstecken. Krauß/Mohr (2005) Veränderung des Altersbildes/der Sichtweise auf den Mitarbeiter: Vom Leistungs- zum Potenzialträger 1. 4. 2. 3. 21

Exkurs: Bedeutung der Führung - Einfluss auf Arbeitsfähigkeit - Arbeitsfähigkeit (ABI) 50 45 Individuelle Gesundheitsförderung, Ergonomische Maßnahmen, verbessertes Führungsverhalten 40 35 30 25 20 45 50 55 60 65 Quelle: Richenhagen, 2003 Alter (Jahre) Nur individuelle Gesundheitsförderung Keine Maßnahmen Führungsverhalten bildet den einzig hoch signifikanten Faktor, für den eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zwischen dem 51. und 62. Lebensjahr nachgewiesen werden kann. 22

Wissensweitergabe (4/6): Cross-Generation-Learning 1. 4. 2. 3. pull von Wissen, d.h. aktiver, selbstgesteuerter Wissenserwerb durch die Teilnehmer Vermittlung Strategien intergenerativer Kommunikation Zielführende Selbststeuerung der Lern- und Entwicklungsprozesse durch strukturierte kompakte Fallstudien Lernen anhand authentischer Probleme und komplexer Fallbearbeitungen (critical-incident-cases) Nur wer wirkliche Probleme bearbeitet lernt entscheiden (Pöppel) Vorstellung von Patenschaftsmodellen und narrativen Methoden zur Wissensweitergabe Gemeinsame Präsentation der Ergebnisse (Präsentationsworkshop) Entstandene Netzwerke nach Ende der Maßnahmen erhalten Netzwerke als Basis für nachhaltiges Wissensmanagement 23

Wissensweitergabe (5/6): Cross-Generation-Learning Common goal: Ist ein Ziel vorgegeben, so ist intrinsische Motivation hinreichend mitgegeben. (Pöppel) 1. 4. 2. 3. Situation von entscheidender Bedeutung: Ähnlichkeit der Lernsituation mit der Anwendungssituation Lernen im sozialen Kontext: Nur in Gruppen synergetische Lerneffekte, die Ko-Konstruktion von Wissen zur Folge haben (vgl. Schnurer/Mandl (2004) Artikulation, Diskussion und Reflektion multipler Perspektiven 24

Wissensweitergabe (6/6): Cross- Generation- Academy 1. 4. 2. 3. Sicherung von Nachhaltigkeit bsp. durch Mentoring, Coaching, Aufbau von Akademien, Vernetzung der Wissensträger Qualifikationserhalt und lebenslanges Lernen Tüftlertag Train the Trainer Seminare High experience meets high potentials 25

Umsetzung in die Praxis Sensibilisierung in KMUs erfordert langen Atem Aussagen beispielsweise ( es ist alles noch nicht so tagesheiß etc.) Schwerpunktsetzung im Prozess bei Modul für Führungskräfte; jedoch noch keine Evaluationsergebnisse vorhanden Zusammenarbeit mit öffentlicher Verwaltung (konkret Landesamt für Steuern in München) Für KMU Konzepte sehr individuell, wenig übertragbar (Vergleichbarkeit schwierig) Geplante Studie zu generationenübergreifender Kommunikation und Zusammenarbeit 26

Fazit Zusammenarbeit der Generationen zum gegenseitigen Gewinn gezielt fördern Ermöglichen von neuen Perspektiven für jüngere und ältere Mitarbeiter durch Nutzung brachliegender Diversitätspotentiale und Vermeidung von Opportunitätskosten Integration von Wertschätzung der Altersvielfalt in der Unternehmenskultur Im Prinzip ist Altwerden bei uns erlaubt, aber es wird nicht gern gesehen D.Hildebrandt 27

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Koenig@grp.hwz.uni-muenchen.de 28