DIGITAL NATIVES, DIGITAL IMMIGRANTS ROBERT HELMDACH LUKAS WIEDERHOLD 1. Schlüsselworte Digital Natives, Digital Immigrants, E-Learning, Generation, Millennials, Net Generation, Netzgeneration 2. Kontext der Arbeit In den vergangenen zwanzig Jahren hat eine rasante Entwicklung der Informationsund Kommunikationstechnologie stattgefunden. Vor diesem Hintergrund haben in der Literatur in den Bereichen Kinder, Jugendliche, Bildung und Lernen mehrere neue Begriffe eine schnelle Verbreitung gefunden. Zu diesen Begriffen gehören die Bezeichnungen Digital Natives, Net Generation, Millennials, etc. durch die der Eindruck erweckt wird, dass in den letzten Jahren eine neue Generation herangewachsen ist. Diese Generation ist geprägt von den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien und kann sich ein Leben ohne diese Technologien nicht mehr vorstellen. Zu diesen Überlegungen haben sich bereits viele Stimmen gemeldet, die sich auf der einen Seite mit der Frage beschäftigen, ob es eine solche neue Generation tatsächlich gibt und die auch versuchen zu belegen, dass es klare Hinweise auf diese neue Generation gibt. Ebenfalls befassen sich viele Autoren mit der Frage, welche Eigenschaften, Lebensweisen und Verhaltensweisen dieser neuen Generation zugesprochen werden können. Auf der anderen Seite beschäftigt man sich mit den Ursachen für die Entstehung einer solchen Generation. Hierbei liegt der Fokus auf den modernen Technologien, die seit einiger Zeit für alle Menschen in einem finanzierbaren Kostenrahmen zur Verfügung stehen. Zusätzlich wird viel im Kontext des Lernens und Lernverhalten von Jugendlichen über diese neue Generation diskutiert. 3. Motivation zu diesem Thema Aus dem Kontext dieser Arbeit lassen sich zwei vermeintlich abgegrenzte Gruppen identifizieren, für die sich auch bereits Begriffe herausgebildet haben. Die Digital Natives sind diejenigen, die mit modernen Informations- und Kommunikationsmedi- EXTENDED ABSTRACT 1
en aufgewachsen sind. Als Digital Immigrants bezeichnet man die, die sich in diesen Technik- und Technologiebereich eingearbeitet haben. Die fachliche Motivation dieser Arbeit besteht darin, diese Gruppen tatsächlich zu identifizieren und zu beschreiben. Dafür soll der aktuelle Stand der Forschung aufgearbeitet und miteinbezogen werden. Es soll geklärt werden, ob sich diese Gruppen anhand von festen Kriterien unterscheiden lassen und ob man Individuen anhand von Kriterien zu einer dieser Gruppen zuordnen kann. 4. Forschungsdesign Die Begriffe Digital Natives und Digital Immigrants sind in der Literatur bisher nicht eindeutig definiert. Um dies zu verdeutlichen wird zunächst der aktuelle Forschungsstand erfasst und kritisch betrachtet. Dabei sind unter anderem die folgenden Fragen zu klären: 1) Wer beschäftigt sich mit Forschung? 2) Welche Forschungsgebiete gibt es? 3) Welche Ergebnisse gibt es bereits? 4) Wurden Konsequenzen gezogen? 5) Gibt es Pilotprojekte? 6) Welche Technologien sind relevant? Im ersten Schritt wird die historische Entwicklung des Untersuchungsbereiches betrachtet. Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, tauchen viele Begriffe auf die im gleichen Zusammenhang verwendet werden und auf den ersten Blick die scheinbar gleiche Bedeutung haben. Einige dieser Begriffe sind jedoch wesentlich älter und weiter verbreitet. Der erste Abschnitt soll die Frage beantworten: Welche Sichtweise hatten die Autoren damals und was ist der Grund dafür, dass heute wieder neue Begriffe entstehen? In einem weiteren Schritt werden die verschiedenen Strömungen betrachtet, die in der Forschung vorhanden sind. Das Ergebnis dieser Untersuchung soll dann als Basis dienen, um eine Definition herauszuarbeiten, die von verschiedenen Hypothesen unterstützt wird. Die Hypothesen betreffen die Existenz sowie die Eigenschaften der herausgearbeiteten Definition. EXTENDED ABSTRACT 2
5. Zusammenhänge in der Arbeit 6. Erkenntnisse Mit dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass eine intensive Diskussion über die Existenz und Eigenschaften von Digital Natives erfolgt. Die Analyse der Diskussion hat aber auch verdeutlicht, dass bei der Postulierung von Eigenschaften häufig eine wissenschaftliche Vorgehensweise nicht stattgefunden hat und dass kritischere Auseinandersetzungen mit dem Thema erfolgen müssen. Es hat sich herausgestellt, dass eine Differenzierung bei der Verwendung der Begriffe, die häufig synonym für Digital Natives verwendet werden, notwendig ist. Diese Differenzierung hat zu mehreren Definitionen und Hypothesen bezüglich der Existenz und der Eigenschaften von Digital Natives geführt. 7. Weiteres Forschungspotenzial Mit dieser Arbeit wird ein Überblick über die aktuellen Forschungsmeinungen zu dem Thema Digital Natives, Digital Immigrants gegeben. Aus diesem Forschungsstand wurde eine Definition erarbeitet sowie Hypothesen zu deren Eigenschaften aufgestellt. Zum einen ergibt sich weiteres Forschungspotenzial aus den in dieser Arbeit aufgestellten Hypothesen. Diese Hypothesen könnten empirisch überprüft werden. Weiteres Forschungspotenzial ergibt sich aus den umfassenden Eigenschaften, die Digital Natives unterstellt werden. Denkbar wären beispielsweise empirische Untersuchungen, die sich mit einzelnen Eigenschaften befassen. Eine andere interessante Fragestellung könnte sich mit dem Thema beschäftigen, ob Digital Natives Fähigkeiten, die sie durch das Nutzen moderner Technologie erlangt EXTENDED ABSTRACT 3
haben, wieder verlieren können, wenn sie beispielsweise über einen längeren Zeitraum hinweg keine Medien genutzt haben. In der Arbeit hat sich herausgestellt, dass es relativ wenige umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema gibt. Sollten in den kommenden Jahren vermehrt solche Untersuchungen durchgeführt werden, könnte man erneut eine grundlegende Analyse der Forschungsliteratur vornehmen. 8. Fünf wichtigste (verwendete) Literaturquellen Einer der vehementesten Verfechter der Existenz von Digital Natives ist PRENSKY, der in seinen Veröffentlichungen auf die Unterschiede zwischen Digital Natives und Digital Immigrants eingeht und weitgehende Konsequenzen fordert. Seine Gedanken werden sehr häufig in der Diskussion über Digital Natives verwendet. PRENSKY, M. (2001a). Digital Natives, Digital Immigrants Part 1. On the Horizon, 9 (5). S. 1-6. PRENSKY, M. (2001b). Digital Natives, Digital Immigrants Part 2: Do They Really Think Differently?. On the Horizon, 9 (6). S. 1-6. TAPSCOTT ist neben PRENSKY einer der Propagandisten, die in der Literatur am meisten Beachtung gefunden haben. In seinem Werk stellt er zahlreiche Behauptungen über Eigenschaften und Verhaltensweisen von Digital Natives er selbst nennt sie Net Generation auf. Auch seine Aussagen werden sehr häufig in der Debatte über Digital Natives übernommen. TAPSCOTT, D. (1998). Net Kids. Die digitale Generation erobert Wirtschaft und Gesellschaft. 1. Aufl., Wiesbaden: Gabler Die Autoren der folgenden Veröffentlichung setzen sich sehr kritisch mit den Argumenten, die im Zuge der Debatte um Digital Natives aufgekommen sind, auseinander. BENNETTE, S., MATON, K. & KERVIN, L. (2008). The digital natives debate: A critical review of the evidence. British Journal of Educational Technology, 39 (5). In dem Sammelband von OBLINGER & OBLINGER wird auf verschiedene Aspekte eingegangen, die sich vorrangig mit dem Einfluss von Technologie und Lehre auf die heutigen Studenten und Jugendlichen beschäftigen. OBLINGER, D. G. & OBLINGER, J. L. (2005) Educating the Net Generation. http://www.educause.edu/ir/library/pdf/pub7101.pdf [26.10.2008], 2005. EXTENDED ABSTRACT 4
Die Arbeit von SCHULMEISTER beschäftigt sich ausführlich mit der Betrachtung der Mediennutzung von Jugendlichen. Sie zeigt sehr gut einige Kritikpunkte an den Veröffentlichungen zu Digital Natives auf. SCHULMEISTER, R. (2008). Gibt es eine Net Generation?. http://www.zhw.unihamburg.de/uploads/schulmeister-net-generation_v2.pdf [14.10.2008], 2008 EXTENDED ABSTRACT 5