Futterverschmutzung mit Erde

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Transkript:

SO ND ER BE IL AG E Futterverschmutzung mit Erde Ursachen, Erkennung und Auswirkungen Optimale Grundfutterqualität ist für jeden Landwirt wichtig. Erdige Futterverschmutzungen vermindern Futterqualität, Leistung und Gesundheit der Tiere und in der Folge den wirtschaftlichen Erfolg. Futterverschmutzung ist ein ernst zu nehmendes Problem, das es zu reduzieren gilt. Autoren: Reinhard Resch (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) unter Mitarbeit von Peter Frank (LK Tirol), Gerald Stögmüller (LK Niederösterreich), Franz Tiefenthaller (LK Oberösterreich), Giovanni Peratoner (Versuchszentrum Laimburg, Südtirol), Andreas Adler (AGES Linz), Johann Gasteiner und Erich M. Pötsch (HBLFA Raumberg-Gumpenstein)

Alle Fotos Resch, außer S. 4 (Wildschweine): Thurgauer Zeitung, und S. 12 (Clostridium perfringens): Ages Überflutungen können zu massiven Verschlämmungen führen. Längere Trockenheit dörrt die in den oberen Bodenschichten liegenden Gräserwurzeln aus und öffnet die Grasnarbe. Der Erdboden kann damit großflächig zum Vorschein kommen. Besonders kritisch kann sich so eine Lückigkeit des Pflanzenbestandes auf die Futterverschmutzung auswirken, wenn es wieder regnet. Je lückiger die Grasnarbe ist und je mehr Niederschlag fällt, umso höher wird der Erdbesatz auf den Pflanzen aufgrund hochgeschleuderter und anhaftender Erdpartikel. In Österreich führten in den letzten Jahren kleinräumige Extremereignisse Nutztiere haben ein steigendes genetisches Leistungspotenzial. Dieses kann nur dann optimal ausgeschöpft werden, wenn Frischfuttermittel und Futterkonserven eine entsprechende Dichte an wertvollen Inhaltsstoffen liefern und eine hygienische Unbedenklichkeit aufweisen. Erde ist in Futtermitteln unter anderem als Ausgangspunkt für viele negative Auswirkungen wie z.b. Buttersäuregärung verantwortlich. In Österreich dürften etwa 50 % der Betriebe regelmäßig mit Erde im Grundfutter zu tun haben. 10 15 % der Landwirte kämpfen mit deutlichen bis massiven Problemen (Rohasche über 120 g/kg TM, Sandanteil über 25 g/kg TM, Eisen über 1.000 mg/kg TM). Dieser Teil der Sonderbeilage befasst sich mit den Ursachen der Erdkontamination von Grundfutter. Darüber hinaus werden vorbeugende Möglichkeiten besprochen, wie die Verschmutzung verhindert oder zumindest reduziert werden kann. Einfluss des Wetters In Regionen mit geringer Niederschlagsmenge oder auf krumentrockenen Standorten kann der Oberboden insbesondere in den Sommermonaten austrocknen. Winderosion von Bodenteilchen kann in Folge zur Belastung der Pflanzen mit Erde führen. In einer Feldstudie konnte auf 21 Dauerwiesenflächen mit krumentrockenen Böden festgestellt werden, dass das Grünfutter dieser Flächen einen Rohaschegehalt von 127 g/kg TM aufwies. Vergleichbares Grünfutter von rund 1.500 Flächen mit günstigerer Wasserversorgung enthielt nur 98 g Rohasche/kg TM. In Exaktversuchen wurde festgestellt, dass Gräser in der Folge von Wetterereignissen mit etwas weniger Erde (6 g Erde/kg Futter-TM) belastet werden als Das Erntegut ist nach Verschlämmungen meist nicht mehr für die Fütterung geeignet. zweikeimblättrige Pflanzen wie Leguminosen und Kräuter (10 g Erde/kg Futter-TM). Bei krautigen Pflanzen wurden knapp 70 % der Verunreinigung durch Regenfall verur sacht, während bei Gräsern 53 % der Erdbelastung von Winderosion stammen. In einem Weideversuch wurde zudem gezeigt, dass die Erdverschmutzung beim Klee höhere Werte als beim Englischen Raygras erreichte (35 % bzw. 25 %). Es ist daher anzunehmen, dass klee- und kräuterreiche Pflanzenbestände einem höheren Risiko der Verschmutzung ausgesetzt sind als Grasbestände. (Überschwemmungen, Vermurungen, Hagelschlag, Trockenheit etc.), verstärkt zu katastrophalen Schäden an Futterpflanzen. Wasserbedingte Schäden können die Ernte durch massive Kontamination mit Erde, Schlamm, Sand, Steinen, Treibgut (Holz, Müll etc.) und sons tigen Problemauslösern (Mineralöl, Giftstoffe, Schadkeime etc.) zerstören. Verdreckte Futterpartien dürfen den Tieren nicht vorgelegt werden, weil die Tiere davon erkranken können. Nur über den Weg der Kompostierung kann dieses Futter wieder in den landwirtschaftlichen Kreislauf als Dünger einfließen. Die Sanierung verschlämmter Grünlandflächen ist meist äußerst aufwändig und es kann oft Jahre dauern bis sich wieder eine vergleichbare Ertrags- und Qualitätssituation einstellt. ƒ Lückige Grasbestände in Gebieten mit Trockenheit können kaum ohne erdige Futterverschmutzung geerntet werden. 2 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 2014

Optimale Narbendichte verringert Erdeintrag Eine optimale Narbendichte des Grünland- und Feldfutterbestandes verringert den Erdeintrag in das Futter. Das Maß für die Narbendichte eines Grünlandbestandes ist die sogenannte projektive Deckung in Prozent. Die Untersuchung von 1.884 österreichischen Grünlandflächen ergab eine durchschnittliche Lückigkeit (offener Boden) von 2,5 % bzw. 97,5 % projektive Deckung. Der höchste Lückenanteil lag bei 50 % offenem Boden. Besonders auf trockenen bis halbtrockenen Standorten war die Lückigkeit mit durchschnittlich ca. 7 % offenem Boden deutlich höher als bei frischen, feuchten oder gar nassen Verhältnissen. Die Förderung narbenverdichtender Bestandesbilder wie z.b. Wiesenrispe, Englisches Raygras und Weißklee ist durch eine bedarfsgerechte Düngung und Nutzung sowie Nach-/ Übersaat zielführend, um einen hohen projektiven Deckungsgrad zu erreichen. Aus neuseeländischen Weideversuchen ging hervor, dass fette Bestände mit intensivem Pflanzenwachstum zu weni-ger als 2 % Erdaufnahme an der TM-Aufnahme führten, magere, lückige Bestände bis zu 14 % Erdaufnahme verursachten. Lücken durch gezielte Vegetation schließen Dauergrünlandbestände mit später Schnittnutzung weisen häufiger aufgelockerte Grasnarben und bei Düngergaben über dem Bedarf auch erhöhten Unkrautdruck auf. Feldfuttermischungen, aber auch Überdüngung mit Stickstoff führen bei den Beständen auch zu Bestandeslücken werden gerne von der Gemeinen Rispe (Poa trivialis) besiedelt. Die Futterqualität verbessert sich dadurch aber nicht. geringerer Narbendichte, wodurch sich das Verschmutzungsrisiko erhöht. Intensive Weidehaltung mit zu vielen Tieren je Flächeneinheit erzeugt ebenso Lücken und damit mehr Erdkontamination im bodennahen Bereich. In lückigen Beständen findet man Erdbesatz auf den Pflanzen größtenteils bis 10 cm über dem Boden. Die Reduktion des Tierbesatzes auf der Weide von 16 auf 8 Mutterschafe/ha konnte im Exaktversuch die Erdaufnahme von 8 % auf 2 % verringern. Lücken im Pflanzenbestand sollten rasch durch eine umbruchlose Regeneration geschlossen werden, bevor minderwertige Lückenfüller wie die Gemeine Rispe (Poa trivialis) diese offenen Stellen besiedeln. Für die Sanierung lückiger Bestände, egal durch welchen Umstand diese verursacht wurden, werden von der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Grünland und Futterbau (ÖAG) standort- und nutzungsangepasste Qualitäts-Saatgutmischungen empfohlen, damit sich die Grasnarbe wieder nachhaltig schließen kann (siehe Info 6/2011 ÖAG-Saatgutmischungen Spitzenqualität setzt sich durch ). Dr. Bernhard Krautzer vom LFZ Raumberg-Gumpenstein vertritt folgenden Standpunkt zur Grünlandregeneration: Ein strategisches Ziel der Nachsaat ist die Verbesserung der Narbendichte, damit die Futterverschmutzung reduziert und die Tragfähigkeit der Narbe für Tiere und Technik verbessert wird. Probleme durch tierische Schädlinge In Österreich werden jährlich etwa 300.000 ha Grünlandnarben durch wühlende und grabende Wirbeltiere (Wühlmaus, Maulwurf, Feldmaus, Wildschwein etc.) sowie ca. 5.000 ha durch Insektenlarven (Engerlinge von Maikä- f Ungleichmäßig verteilte Erdhaufen sind ein Hinweis darauf, dass Wühlmäuse für den Erdaushub verantwortlich sind. ƒ Ameisenbauten können vor allem in extensiv bewirtschafteten Wiesen zu Futterverschmutzung führen. fer, Gartenlaubkäfer etc.) und Ameisen geschädigt bis zerstört. Insbesondere Wühlmaus und Maulwurf bereiten den Futterkonservierern durch ihren Erdauswurf größte Probleme hinsichtlich Futterverschmutzung. Wühlmäuse bevorzugen Mähwiesen, vor allem wenn Kräuter wie Löwenzahn (Taraxacum officinale), Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris) und Bärenklau (Heracleum sphondylium) sowie die Gemeine Rispe (Poa trivialis) stärker im Bestand auftreten. Die Wühlmaus schädigt zudem die Grünlandpflanzen, weil sie täglich ihr eigenes Körpergewicht an Wurzeln vertilgen kann. Exakten Erhebungen zufolge können bei starkem Schädlingsbesatz auf einem Hektar bis ca. 20.000 Erdhaufen auftreten. Das entspricht gewichtsmäßig über 80 t Erde/ha an Erdaushub. Maßnahmen gegen tierische Schäden Eine Maßnahme, die zumindest kurzfristig die Erdhaufen einebnet, ist das Abschleppen im Frühjahr mittels Wiesenschleppe. Der Anteil an offenem Boden machte bei exakten Beobachtungen auf vermausten Flächen vor dem 2014 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 3

Abb. 1: Einfluss des Schädlingsbefalls auf den Rohaschegehalt in Grassilage (LK-Silageprojekt 2009) Abschleppen 2 32 % aus. Nach dem Abschleppen betrug die Lückigkeit 16 95 %. Bei so viel offenem Boden hat das gemähte Futter intensiven Bodenkontakt und kann fast unmöglich erdfrei geerntet werden. Im LK-Silageprojekt konnte ein starker Zusammenhang zwischen der Anzahl an Erdhaufen und dem Rohaschegehalt im Futter nachgewiesen werden (Abb. 1). Die Prob lemstellung zeigt auf, dass es nicht beim Abschleppen als alleinige Maßnahme bleiben kann, weil mit der Schleppe die Schädlinge nicht oder nur geringfügig vertrieben werden. Aufgrund der teilweise extrem hohen Besatzdichten an Wühlmäusen haben sich Landwirtschaftskammern, Maschinenringe und einzelne Landwirte schwerpunktmäßig der Mausbekämpfung verschrieben. Es werden regionale Fangkurse angeboten (Info bei LKs, MR etc.), um den betroffenen Landwirten den professionellen Wühlmausfang zu zeigen (siehe Praktikertipp auf der letzten Seite). Beim Maulwurf ist in einigen Bundesländern zu beachten, dass er unter Naturschutz steht und daher nicht getötet werden darf. Die Engerlinge des Maikäfers und des Gartenlaubkäfers (im Volksmund Junikäfer) verursachen regional große Probleme. Durch Wurzelfraß löst sich die Grasnarbe und eine saubere Fut ter - ernte ist praktisch nicht mehr möglich. Als wirksame Bekämpfungsmaßnahme Ï Wildschweinrotten hinterlassen auf Grünlandflächen vermehrt Verwüstungen. wird in den am stärksten betroffenen Gebieten die Pilzgerste eingesetzt. Zunehmend werden massive Flurschäden auf Grünland und sogar auf Almflächen durch Wildschweine verursacht. Rotten mit mehreren Tieren ziehen meist nachts durch und reißen die Grasnarbe mit dem Rüssel teilweise extrem auf, sodass bei der Futterernte ganze Wasenstücke mit Erde in das Erntegut gelangen können. In diesem Fall ist die Jägerschaft gefordert den Jagddruck auf das Schwarzwild zu erhöhen. Weidemanagement spielt eine wichtige Rolle Das Weidemanagement spielt hinsichtlich Futterverschmutzung eine sehr wichtige Rolle. Beispielsweise erhöht sich der Erdbesatz auf Weideflächen, wenn wenig Futter zur Verfügung steht. Diese Situation kann im Frühjahr oder bei der Nachweide im Herbst auftreten, wie auch bei knapp vorgesteckter Portionsweide oder bei zu hoher Besatzdichte. In einem Versuch in Südwest- England auf zwölf Farmen waren im April zu Weidebeginn 5,6 % Erde und im Juni bei ausreichend Futtermenge nur 1,5 % Erde auf den Pflanzen. Die Verkürzung des Weideumtriebes von 28 auf sieben Tage (Koppelweide) Ï Grasnarbenverletzungen treten beim Befahren unter feuchten Verhältnissen und Hanglage verstärkt durch Schlupf und Abdrift auf. führte zu einer Erhöhung des Erdbesatzes von 10 % auf 37 %. Kurz gegraste Weiden mit offenen Stellen und reichlich Regenwurmhäufchen können starke Erdkontamina tionen im Weidesystem aufweisen. Der Weideaustrieb von schweren Tieren im hängigen Gelände sollte bei feuchten Wetter- und Bodenverhältnissen vermieden werden. Auf Fahrstil achten Die Ursache der Futterverschmutzung mit Erde steht in vielen Fällen mit der Arbeitsweise der Landwirte in Verbindung. 4 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 2014

Eine Befahrung bei feuchten Bodenverhältnissen insbesondere auf hängigen Flächen bzw. mit schwerem Gerät führt leicht zu Narbenverletzungen. Hervorgerufen werden diese durch Schlupf der Antriebsräder oder Abdrift in Hanglagen. Bei Durchfahrt auf feuchten Wiesen wird die Grasnarbe bereits bei 15 % Schlupf vom Unterboden abgerissen und in Fahrtrichtung verschoben. Dadurch kann es zu einem Eintrag von Wurzelund Erdmassen bei der Futterernte kommen. Der gleiche Effekt der Narbenschädigung kann bei zu engem Vorgewende auftreten. Optimale Reifenwahl und geringer Luftdruck in den Reifen verringern die Narbenschädigung. Erntetechnik richtig einsetzen Eine Mahd mit Aufbereiter kann auf stark ausgetrockneten Böden zu Erdauf - wirbelung und Futterverschmutzung führen. Eine Mahd bei abgetrocknetem Bestand und einer Schnitthöhe über 5 cm reduziert die erdige Verschmutzung. Die maschinelle Technik der Futterernte kann auch zu spürbaren Erdeinträgen in das Futter führen. Im LK-Heuprojekt, einer österreichweiten Feldstudie, zeigte sich, dass die Bestandesfeuchte zum Zeitpunkt der Mahd stark mit dem Rohaschegehalt zusammenhing. Je feuchter das Wiesenfutter war, desto höher war der Gehalt an Roh - asche (Abb. 2). Deswegen sollte die Mahd erst dann erfolgen, wenn der Pflanzenbestand abgetrocknet und der Boden nicht mehr zu feucht ist. Die höhere Bestandesfeuchte in den späteren Aufwüchsen (ab Mitte August) und der Nachweide ist auch der Hauptgrund für das größere Verschmutzungsrisiko dieser Futterpartien. Ebenso kritisch muss die Einstellung der Schnitthöhe beim Mähgerät betrach- tet werden. Futter, welches unter 5 cm Schnitthöhe gemäht wurde, hatte deutlich höhere Erdanteile als jenes, das über 5 cm geschnitten wurde (Abb. 3). Die Futterverschmutzung mit Erde kann bei der Mahd noch verstärkt werden, wenn sehr schnell rotierende Techniken eingesetzt werden. Diese üben einen Saugeffekt Richtung Boden aus (z.b. Mähaufbereiter). Staubsaugende Mähtechniken sind besonders verschmutzungsrelevant bei lückigen Futterbeständen (z.b. Feldfutter), Flächen mit Wühlmausbefall, aber auch bei stark ausgetrockneten Böden. Mähaufbereiter sind insofern kritisch, weil bei intensiv aufbereitetem Futter aus den verletzten Pflanzenteilen zuckerhältiger Abb. 2: Rohaschegehalt von Raufutter in Abhängigkeit von Aufwuchs und Bestandesfeuchte (LK-Heuprojekt 2010/2012) Abb. 3: Rohaschegehalt von Raufutter in Abhängigkeit von der Schnitthöhe bei der Mahd (LK-Heuprojekt 2010/2012) 2014 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 5

Abb. 4: Einfluss des TM-Gehaltes auf den Rohaschegehalt von Grassilagen (LK-Silageprojekt 2003/05/07/09) ƒ Zu tief eingestellte Schwader können zu deutlichen Grasnarbenschäden führen. f Erde wird bei unbefestigten Fahrsilos über das Reifenprofil verschleppt. Zellsaft austritt, woran Erdpartikel sehr gut haften bleiben. Moderne Mähtechnik mit Bodenanpassung kann hinsichtlich Verschmutzung umso besser abschneiden, wenn neben der optimalen Geräteeinstellung und Fahrgeschwindigkeit auch die Feldbedingungen (dichte Grasnarbe, keine Erdhaufen) passen und die Mähmodule auf unebenen Flächen nicht breiter als 3 m sind. Bei Feldfutterbeständen ist eine Mindestschnitthöhe von 7 8 cm empfehlenswert, um den Erdanteil entsprechend zu reduzieren. Erdhaufen vermindern rasch die Messerschneide und erhöhen den Kraftaufwand und Dieselverbrauch bei der Mahd. Die Voreinstellung der Werbegeräte sollte grundsätzlich auf festem Untergrund am Hof durchgeführt werden. Zu tief eingestellte Geräte (Zetter, Schwader, Pick-up) kratzen und erhöhen damit das Futterverschmutzungsrisiko. Die endgültige Geräteeinstellung muss auf dem Feld überprüft werden und ist je nach Feldbeschaffenheit anzupassen. Der Abstand der Federzinken wäre mit 2 3 cm Abstand zum Boden optimal. Bei lückigen Beständen, wo Futter direkt am Boden liegt, führt eine optimale Geräteeinstellung zu ungünstigen Rechergebnissen, weil einiges an Futtermasse liegen bleibt. Wird in diesem Fall der Abstand zum Boden verringert, verbessert sich zwar das Ergebnis der Schwadarbeit, allerdings nimmt das Verschmutzungsrisiko mit Erde stark zu. Bei der Schwadzusammenlegung konnte nachgewiesen werden, dass Seitenschwader zu höheren Verschmutzungen mit Erde führten als Mittelschwader. Neue Schwadtechnologien mit Querförderbändern formen alle Kulturen ohne Steine, Erde und sons - tige Verschmutzungen locker zum Schwad, allerdings ohne exakte Ablagekante. Bodenanpassung durch Tasträder und richtig vorgewählte Fahrgeschwindigkeit (in Abhängigkeit von der Futtermasse: Kreiseln max. 5 km/h, Schwaden max. 8 10 km/h) verringern das Risiko der Erdkontamination. Geringere Verschmutzung im trockenen Futter Die höchsten Konzentrationen an Erde findet man im frischen Grünfutter. Im angewelkten Silofutter, Gärheu und Heu nehmen die erdigen Verschmutzungen ab, d.h. die Trocknung hat grundsätzlich eine positive Wirkung bezüglich des Erdbesatzes. Die Zunahme der Trockenmasse um 25 g senkt den Rohaschegehalt im Durchschnitt um 1 g/kg TM. Die Futteranwelkung alleine ist dennoch kein Garant für erd - armes Futter, das zeigen Auswertungen der Rohaschedaten von mehr als 3.000 Grassilagen aus dem LK-Silageprojekt (Abb. 4). Unbefestigte Flächen unmittelbar vor Flachsilos oder Feldhaufen sind eine Möglichkeit Erde über das Reifenprofil auf den Futterstock zu verschleppen und für eine entsprechende Kontamination zu sorgen. In der Folge kann diese Verschmutzung zu Fehlgärungen in der Futterkonserve führen. Auf- bzw. Abfahrten zu Flachsilos sollten daher befestigt ausgeführt werden, um diese Eintragsquelle auszuschließen. Fazit Der Futterwert von Grünland - futter wird durch Erdbesatz deutlich negativ beeinflusst. Qualitätsbe - wusste Landwirte sind gut beraten, wenn sie pflanzenbauliche Maßnahmen ergreifen, welche eine optimale Dichte der Grasnarbe fördern. Dazu gehören standortangepasste Nutzung und Düngung sowie Grünlandpflege und Nach-/Übersaat. Des Weiteren ist eine konsequente Bekämpfung von Schädlingen unbedingt empfehlenswert. Erdarme Futterernte kann umgesetzt werden, wenn der Pflanzenbestand zum Zeitpunkt der Mahd abgetrocknet ist, die Schnitthöhe über 5 cm beträgt und die Erntegeräte optimal eingestellt wurden. Im Weidemanagement ist auf Futterangebot, Hangneigung und Wetterlage sowie Besatzdichte und Weidesystem Rücksicht zu nehmen, um den Erdbesatz auf den Pflanzen niedrig zu halten. 6 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 2014

Wie erkennt man erdige Futterverschmutzung? Erdige Verschmutzung ist nach wie vor eine große Schwachstelle, die zu hohen Qualitätsverlusten führt. Hier lesen Sie, wie Sie erdige Futterverschmutzung erkennen können. Im vorherigen Teil wurden die Ursachen der Futterverschmutzung beschrieben. In diesem Beitrag stehen verschiedene Möglichkeiten der Erkennung der Größenordnung von Erdkontamination von Futterpflanzen und deren Aussagekraft zur Diskussion. In Österreich wird in der Beratungspraxis seit Jahrzehnten der Rohaschegehalt (XA) als Maßstab für die Futterverschmutzung herangezogen. Für den Grundfutterbereich (Grassilage, Heu) gilt die Unterschreitung des Limits von 100 g Rohasche pro Kilogramm Trockenmasse als Hinweis für sauber geerntetes Futter. Rohaschegehalt zu wenig aussagekräftig? Untersuchungen an österreichischem Wiesenfutter unterschiedlicher Konservierung (Grünfutter, Grassilage, Heu) ergaben, dass sich der Rohaschegehalt im Laufe der Vegetationsdauer bzw. mit Erhöhung des Rohfasergehaltes deutlich verringert und sich der 1. Aufwuchs im Aschegehalt von den Fol - geaufwüchsen unterscheidet (Abb. 5 und 6). Dazu kommt noch, dass blattreiche Pflanzen (Kleearten, Kräuter) mehr Mineralstoffe und damit auch höhere Roh - aschegehalte aufweisen als Gräser. Das wird aus den Ergebnissen einer umfangreichen Untersuchung an Grünfutterproben aus Südtirol ersichtlich (Abb. 7). Tab 1.: Alternative Einstufung des Verschmutzungsgrades von Dauerwiesenfutter mit Erde anhand von Eisengehalt und/oder Sandanteil Sandanteil [g/kg TM] Verschmutzungsgrad Eisen [mg/kg TM] unter 15 sauber unter 500 15 bis 20 leicht 500 bis 900 20 bis 30 mäßig 900 bis 1.500 30 bis 55 stark 1.500 bis 3.000 über 55 sehr stark über 3.000 2014 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 7

Abb. 5: Rohaschegehalte von Wiesenfutter 1. Aufwuchs in Abhängigkeit von Konservierung und Rohfasergehalt (Daten: Projekt MaB 6/21, LK-Silageprojekt, LK- Heuprojekt) Abb. 6: Rohaschegehalte von Wiesenfutter 2. und Folgeaufwüchse in Abhängigkeit von Konservierung und Rohfasergehalt (Daten: Projekt MaB 6/21, LK-Silageprojekt, LK- Heuprojekt) Kleebestände enthalten einen höheren natürlichen Mineralstoffanteil, neigen aber auch zur Futterverschmutzung mit Erde. ter schon bei ca. 80 90 g Asche/kg TM das Limit überschritten sein kann. Es sollten dringend neue Rohasche-Orientierungswerte für die Beratung erstellt werden, welche die Veränderung des Rohaschegehaltes während der Pflanzenentwicklung berücksichtigen. Dadurch käme es zu einem großen qualitativen Fortschritt in der Bewertung der Futterverschmutzung in der Praxis. Zusammensetzung von Rohasche In der nasschemischen Futteranalyse wird die getrocknete und gemahlene Probe in einem Muffelofen bei 550 C bis zur Gewichtskonstanz geglüht. Alle organischen Bestandteile verbrennen bei diesem Prozess. Übrig bleiben Mineralstoffe, wie Mengen- und Spurenelemente sowie Schwermetalle und sons tige Anteile wie z.b. Silizium (Kieselsäure und Quarzsand). Mit dem rückgewogenen Aschegewicht lassen sich der Rohascheanteil und der Anteil an organischer Masse der Futterprobe berechnen. Die Summe aller minerali- Abb. 7: Effekt der botanischen Zusammensetzung im 1. Aufwuchs auf den Verlauf des Rohaschegehaltes ab dem Weidestadium von Grünfutter (Daten: EFRE-Projekt webgras - BLW-gw-13/1) Der Rohaschegehalt nimmt mit fortschreitender Pflanzenentwicklung bei klee- und kräuterreichen Beständen weniger stark ab als bei gräserreichen Beständen. Es gibt also maßgebliche Hinweise dafür, dass die Rohasche, insbesondere der Orientierungswert von 100 g/kg TM, ein zu wenig präziser Indikator für die Einstufung des Verschmutzungsgrades von Futtermitteln ist. Es ist anzunehmen, dass bei jungem, blattreichem Futter erst bei Rohaschegehalten von etwa 110 120 g/kg TM von erdiger Futterverschmutzung auszugehen ist, während bei überständi gem Futschen Elemente plus Sandanteil ergibt allerdings nicht automatisch den Gehalt an Rohasche. Die Mineralstoffe werden im Untersuchungsbefund in Elementund nicht in der vorkommenden Oxidform ausgewiesen, daher entsteht eine Lücke (Abb. 8 grauer Bereich). Bei der Verbrennung von Grünlanderde ergeben sich Rohaschewerte von 20 bis über 95 %. Humusreiche, organische Böden (Moorstandorte) enthalten am wenigsten Rohasche. Die Rohascheanalyse der Futterprobe berücksichtigt zudem nur den mineralischen Anteil der Erdverschmutzung, d.h. je humusreicher der Erdboden, umso schlechter ist die Aussagekraft der Rohascheanalyse. Alternative 1 Sandanteil In Futtermittellabors wird die Sandanalyse bei Grundfuttermitteln auf Anfrage durchgeführt. Bei der Bestimmung der salzsäureunlöslichen Asche (auch als Sandanteil bekannt) wird die Pflanzenasche mit Salzsäure versetzt. Ungelöst bleibt danach hauptsächlich Silizium übrig. Der natürliche Siliziumgehalt in Pflanzen (Kieselsäure) ist mit rund 15 g/kg TM relativ kons - tant, sodass höhere Sandgehalte ab 20 g/kg TM auf eine Erdkontamination hinweisen. Auswertungen des Sandanteils im Futter durch das LFZ Raumberg-Gumpenstein ergaben ein höheres Risiko der Erdverschmutzung bei Rohfasergehalten unter 240 g/kg TM. Davon sind hauptsächlich die letzten Aufwüchse im Spätsommer bzw. Futter aus Wiesen mit vier oder mehr Nutzungen pro Jahr betroffen. Es ist davon auszugehen, dass zunehmende Bestandesfeuchte im Spätsommer bzw. geringere Grasnarbendichte bei höherer Bewirtschaftungsintensität für den erhöhten Sandanteil verantwortlich sind. 8 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 2014

Alternative 2 Eisengehalt Es ist schon länger bekannt, dass Rohasche (XA) und Eisen (Fe) im Grundfutter in relativ enger Beziehung zueinander stehen (Abb. 9). Je höher der Aschegehalt im Futter ansteigt, umso höher steigen auch die Eisenwerte. Berücksichtigt man den natürlichen Eisengehalt von Wiesenfutter und den Bodengehalt an Eisen, so beginnt die relevante Erdverschmutzung etwa ab einem Gehalt von 500 mg Eisen/kg TM. Eine noch wesentlich stärkere Korrelation besteht zwischen Sandanteil und Eisengehalt. Daher ist der Eisenwert ähnlich zuverlässig in der Bewertung der erdigen Futterverschmutzung wie der Sandanteil. Die höchsten Eisengehalte konnten bei Rohfasergehalten unter 200 g/kg TM, also bei sehr jungem Futter, festgestellt werden. Der Eisengehalt im Futter steigt vom 1. Aufwuchs über die Folgeaufwüchse an und ist bei Grünfutter niedriger als in Grassilage und Heu. Die Eisenuntersuchung von Grundfutterproben wird im Zuge der ICP-Analyse gemeinsam mit den Spurenelementen Zink (Zn), Mangan (Mn) und Kupfer (Cu) durchgeführt. Die Problembereiche der Beurteilung der Futterverschmutzung lassen sich anhand der gelb hinterlegten Bereiche in Abbildung 5 erkennen. Das Fenster links oben enthält 10 % der gesamten Proben. Diese weisen erhöhte Eisenwerte von über 500 mg/kg TM auf, würden aber mit dem Rohaschesystem als unverschmutzt eingestuft, weil die Rohaschegehalte unter 100 g/kg TM liegen. Im gelben Fenster rechts unten werden 14 % der gesamten Grünfutterproben über das Rohaschesystem als verschmutzt be - wertet (über 100 g Rohasche/kg TM), obwohl die Proben unbedenkliche Eisenwerte unter 500 mg/kg TM aufweisen. In Summe gesehen ist die Bewertung der erdigen Futterverschmutzung mittels Rohaschegehalt bei jeder vierten Probe fragwürdig bis problematisch. Abb. 8: Zusammensetzung der Rohasche aus Grünfutterproben in Abhängigkeit der Schnitthäufigkeit von Dauergrünland (Daten: Projekt MaB 6/21) Alternative 3 Titangehalt Die beste Methode zur Bestimmung der erdigen Verunreinigung von Futter wäre die Untersuchung von Futter und Boden auf Titan. Titan wird von der Pflanze nicht aufgenommen, daher muss Titan in einer Futterprobe unweigerlich vom Erdboden stammen. Wenn der Titangehalt des Bodens bekannt ist, kann damit direkt auf den mengenmäßigen Erdbesatz geschlossen werden. Die Titananalyse ist allerdings sehr teuer und somit nur für wissenschaftliche Experimente einsetzbar. Futterreste zeigen Ausmaß der Futterverschmutzung Der Mensch sollte mit seinen Sinnen durchaus in der Lage sein gewisse Merkmale der erdigen Futterverschmutzung zu erfassen und zu deuten. Befinden sich viele Wurzelteile im Futter, weisen diese auf tiefe Geräteeinstellung bei der Futterernte oder auf einen hohen Anteil der Gemeinen Rispe (Poa trivialis) im Pflanzenbestand hin. Dunkelbraune bis schwärzliche Grassilagen sind stark verdächtig hinsichtlich Erdeintrag. Nimmt man verschmutzte Grassilage oder Heu zur Bewertung in die Hand, so sieht man auf Hand - flächen und Fingern meistens glänzen - de Sandpartikel aufscheinen. Erdig verunreinigtes Grundfutter ist weniger aromatisch im Geruch, Heu kann darüber hinaus staubig sein. Nutztiere selektieren je nach TM-Gehalt des Futters mehr oder weniger Erdbestandteile. Futterreste im Barren lassen Landwirte die Größenordnung der Futterverschmutzung am Anteil an Steinen und Erde erkennen. Abb. 9: Beziehung zwischen Rohasche- und Eisengehalt im Grünlandfutter (Daten: Projekt MaB 6/21) Fazit für die Praxis Der zurzeit geltende Orientierungswert für erdige Futterverschmutzung von 100 g Rohasche/kg TM verleitet in vielen Fällen zu falschen Schlussfolgerungen und ist daher für die Beratung in Frage zu stellen. Parameter wie der Sandanteil oder der Eisengehalt des Grundfutters sind wesentlich zuverlässiger als der Rohaschewert und deshalb empfehlenswerte und praxistaugliche Alternativen für die Bewertung der Futterverschmutzung mit Erde. Eine Einstufung des Verschmutzungsgrades von Grundfutter kann anhand der in der Tabelle angeführten Orientierungswerte für Eisen und Sand vorgenommen werden. 2014 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 9

Auswirkungen von erdiger Futterverschmutzung Futterverschmutzung mit Erde ist ein ernst zu nehmendes Problem. Je nach Verschmutzungsgrad ist Erde im Futter mit teils gravierenden Auswirkungen auf Grundfutterqualität, tierische Gesundheit bis hin zur Produktqualität verbunden. Lückige Pflanzenbestände erhöhen das Risiko der Futterverschmutzung mitsamt Folgeerscheinungen. Außer - dem führen Verschmutzungen auch zu Ertragseinbußen an der Futtermasse. Jedes Prozent an offenem Boden reduziert den Wiesen- oder Weideertrag je nach Ertragslage um 40 140 kg TM/ha und Jahr. Zur Grünlandsanierung bei verschmutzungsrelevanten Schäden fallen je nach Ausmaß Saatgutkosten, eventuell Herbizidkosten zur Unkrautbekämpfung und entsprechende Maschinen- sowie Arbeitskosten an. Insbesondere Probleme mit tierischen Schädlingen erhöhen den Aufwand für erforderliche Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen. Erdhaufen verursachen darüber hinaus Messerverschleiß bei Mähgeräten und in der Folge einen höheren Kraft(stoff)bedarf bei der Futterernte. Exakte Messungen bei sechs Metern Mähbreite ergaben einen Dieselverbrauch von einem Liter pro Hek - tar mit scharfen Klingen bzw. 1,8 Liter Diesel pro Hektar mit stumpfen Klingen. Scharfe Klingen steigern die Flächenleistung bei der Mahd um bis zu 50 % gegenüber stumpfen Klingen, weil mit geringerem Leistungsbedarf schneller gefahren werden kann. Sand- und Steinbelastung kann in Abhängigkeit von Menge und Größe auch zu Maschinenschäden und in der Folge zu Mehrkosten für Maschinenwartung und -reparaturen führen. Nach dem Abschleppen von Erdhaufen kommt meist das volle Ausmaß von Lückigkeit und Ertragsausfall zum Vorschein. 10 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 2014

Problematische Keime und Elemente im Erdboden Der Erdboden ist mit einem Nährsubstrat vergleichbar, das je nach Struktur, Zusammensetzung und Umweltbedingungen eine Vielzahl von Lebewesen beherbergen kann. In Grünlandböden leben etwa fünf bis 15 Tonnen ein- und mehrzellige Organismen, davon etwa drei Viertel Pilze und Bakterien. Die meisten bodenbürtigen Organismen sind vorteilhaft für das Ökosys tem, es gibt aber auch pathogene Keime und Parasiten, die Krankheiten auslösen können. Von landwirtschaftlicher Relevanz sind z.b. Clostridien (Sporen bildende Bakterien, die unter Luftab schluss wachsen). Clostridien bilden sehr umweltresistente Sporen und sind in Böden weit verbreitet, wo sie zu den wichtigsten Cellulosezersetzern zählen. Bestimmte Clostridienarten sind die Verursacher von Buttersäuregärung und Proteinabbau in Silagen. Zur Gattung Clostridium zählen allerdings auch gefährliche Krankeitserreger, wie die von Botulismus und Tetanus. In Abhängigkeit der geologischen Gegebenheiten am Standort, kommen im Boden verschiedenste mineralische Elemente vor, die je nach Säuregrad (ph-wert) löslich werden. Darunter befinden sich auch giftige Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium, Molybdän und andere. 30 97 % der tierischen Prob leme mit Schwermetallvergiftun - gen haben erhöhte Erdaufnahme als Ursache. Durch Luftverfrachtung können über extrem weite Strecken Staubteile wie radioaktive Kontaminanten etc. in den Oberboden gelangen und in der Folge Futterpflanzen, Nutztiere und Menschen gesundheitlich belasten. Abb. 10: Infektionskreislauf von Buttersäurebakterien (Quelle: Buchgraber u. Gindl Zeitgemäße Grünlandbewirtschaftung, Stocker-Verlag) Infektionskreisläufe unterbrechen Bei unzureichendem Hygienemanagement können durch die Ausbringung von Wirtschaftsdünger Boden und Grünlandpflanzen mit Parasiten und pathogenen Keimen belastet werden. Betriebsinterne Infektionskreisläufe können geschlossen werden, wenn Tiere erdig verschmutztes, mit schädlichen Keimen behaftetes Grundfutter aufnehmen, der infizierte Kot über den Wirtschaftsdünger (Gülle/Mist) auf die Felder ausgebracht und schließlich wieder verschmutztes Futter (Weide, Grassilage, Heu) dieser Grünlandflächen von den Tieren gefressen wird (Abb. 10). Landwirte sind gefordert solche Infektionskreisläufe zu unterbrechen, ansons - ten können Probleme bei Futterqua lität, Tiergesundheit und Rohmilchqualität auftreten. Wie viel Erde nehmen Tiere mit dem Futter auf? In mehreren Weideversuchen konnte festgestellt werden, dass Schafe beim Weidegang durchschnittlich mehr Erdpartikel aufnehmen als Rinder. Schafe beißen tiefer, daher der Nachteil der höheren Erdaufnahme. Beim Rind schwankt die aufgenommene Erd - menge beim Weiden zwischen 0,1 und 1,5 kg je Tier und Tag (Mittelwert 0,5 kg). Die Erdaufnahme auf der Weide steigt insbesondere bei geringer Futterverfügbarkeit. Bei Mangelerscheinungen an bestimmten Elementen oder zur Regulierung von ph-schwankungen im Pansen kann es beim Wiederkäuer zur absichtlichen Erdaufnahme auf der Weide kommen. Die Erdaufnahme aus Futterkonserven kann bei Wiederkäuern sehr unterschiedlich sein. Bei Stallvorlage von Insbesondere auf Steilflächen ist eine verschmutzungsfreie Futterernte eine große Herausforderung. Im Erdboden kommen viele Organismen und mineralische Elemente vor. Manche von ihnen können Probleme verursachen. Weidefehler führen zu massiven Schäden an der Grasnarbe und zu erhöhter Erdaufnahme. 2014 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 11

Tab. 2: Veränderung von Nährstoffgehalten und Energiedichte bei zunehmender erdiger Futterverschmutzung von Grassilage Verschmutzungsanzeiger Futterinhaltsstoffe Energie Rohasche Sand Eisen (Fe) Organische Rohprotein Rohfaser Rohfett Masse [g/kg TM] [g/kg TM] [mg/kg TM] [g/kg TM] [g/kg TM] [g/kg TM] [g/kg TM] [MJ/kg TM] 90 13 400 910 160 248 31 6,17 110 17 700 890 156 244 30 6,00 140 27 1.300 860 151 235 29 5,73 180 45 2.500 820 144 227 28 5,36 220 69 4.100 780 137 219 27 5,00 Futterbasis: Dauerwiese 1. Aufwuchs, Ähren-/Rispenschieben, TM-Gehalt 38 % Verschmutzung ist an der Fahrsilo-Anschnittfläche an grauen bis schwarzen Erdeinschlüssen erkennbar. grob strukturiertem Grünfutter und insbesondere von Heu haben Tiere die Möglichkeit zu selektieren, daher wird einiges an Erde im Futterrest übrig bleiben. Bei Gärfutter mit hohem Wassergehalt oder bei Mischrationen wird meist ein Großteil der Erde aus dem Futter gefressen, weil die Tiere kaum selektieren können. Die Futteraufnahme von 10 kg TM einer stark verschmut z - ten Grassilage (200 g Roh asche/kg TM) bewirkt, dass eine Kuh am Tag etwa 1,2 kg Erde aufnimmt. Futterinhaltsstoffe und Energie werden verdrängt Verschmutzung mit Erde hat zur Folge, dass sich die qualitative Zusammensetzung des Futters verändert. Die Zunahme von 10 g Rohasche/kg TM in Grassilage reduziert im Durchschnitt den Rohproteingehalt (XP) um 1,6 g/kg TM, den Rohfasergehalt (XF) um 3,8 g/kg TM und die Energiekonzentration (NEL) um rund 0,1 MJ/kg TM. Eine sehr stark verschmutzte Futterpartie (220 g Rohasche/kg TM), im Ähren-/Rispenschieben geerntet, verliert je kg Trockenmasse 23 g an Rohprotein bzw. 1,17 MJ NEL gegenüber sauber konservierter Grassilage (siehe Tab. 2). Auch die organischen Bestandteile der Erde (Humus) verdrängen wertvolle Futterinhaltsstoffe. Futterverschmutzung mit humusreicher Erde ist über den Rohaschegehalt nur unzureichend feststellbar, weil der Humus bei der Veraschung verbrennt. Der reduzierenden Wirkung organischer Bodenanteile auf Futterprotein, -energie und -aufnahme wurde bislang noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Erdbelastung verschlechtert Gärqualität Ein Maßstab für die Silierbarkeit von Pflanzen ist die Pufferkapazität. Die Pufferwirkung ist neben dem Rohproteingehalt auch wesentlich vom Roh - aschegehalt abhängig. Je höher der Roh - aschegehalt im Futter ist, umso mehr Milchsäure muss durch die Vergärung von Zucker produziert werden, um den ph-wert auf ein stabiles Niveau abzusenken. Folglich geht die Silierbarkeit des Futters mit steigendem Rohaschegehalt zurück und das Risiko einer Fehlgärung steigt. Verschmutzung mit Erde wirkt sich in der Regel negativ Clostridium perfringens ist ein gefährlicher Krankheitserreger, der im Boden vorkommt. auf die Gärqualität aus, insbesondere wenn mit der Erde auch gärschädliche Clostridien(sporen) in das Erntegut gelangen. Im Zuge der Silierung können sich diese Keime entwickeln und zu Buttersäuregärung und Proteinabbau in der betreffenden Silage führen. Der Effekt der Futterverschmutzung wurde an 350 Grassilagen mit einem mittleren TM-Gehalt von 377 g/kg Frischmasse und einem Rohfasergehalt von 268 g/kg TM überprüft. Die Zunahme um 10 g Rohasche erhöhte den Buttersäuregehalt um 0,55 g/kg TM (Abb. 11) und den Proteinabbau um 0,3 % (Anteil Ammoniak-Stickstoff [NH3] am Gesamt-Stickstoff). Nimmt man Eisen als Indikator für Futterverschmutzung, so zeichnet sich bei hohen Eisengehalten ein etwas stärkerer Effekt hinsichtlich Fehlgärung ab als bei hohen Abb. 11: Einfluss von Rohasche- bzw. Eisengehalt auf den Buttersäuregehalt von Grassilagen (Daten: LK-Silageprojekt) 12 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 2014

Futterreste mit Erde und Steinen lassen Rückschlüsse auf das Ausmaß der Futterverschmutzung zu. Rohaschegehalten. Die Zunahme von 100 mg Eisen/kg TM im Futter erhöhte den Buttersäuregehalt in der Grassilage um 0,23 g/kg TM. Erdige Futterverschmutzung allein muss noch keine Fehlgärung auslösen, insbesondere dann nicht, wenn im Erntegut ausreichend Nitrat vorhanden ist und die übrigen Silierregeln eingehalten wurden. Die Kombination von erdiger Futterverschmutzung mit geringer Anwelkung (TM-Gehalt unter 30 %), zu spätem Erntezeitpunkt (Rohfaser über 270 g/kg TM) und niedrigem Nitratgehalt (unter 1 g/kg TM) kann die Gärqualität von Grassilage stark verschlechtern. Das Aroma von Grundfutter wird durch Erde negativ verändert. Erdig verunreinigtes Heu riecht gegenüber sauber geerntetem Raufutter wenig aromatisch und deutlich erdig-staubig. Wenn das Futter unverhältnismäßig stark verunreinigt ist, gelangt Sand auch vermehrt in den Labmagen und in die Darmschlingen. Verdaulichkeit sinkt durch Erdbelastung Abb. 12: Einfluss von Rohasche- bzw. Eisengehalt auf den Gehalt an verdaulicher organischer Masse von Grünlandfutter mit 248 g Rohfaser/kg TM (Daten: Projekt MaB 6/21) Die Zunahme der erdigen Futterverschmutzung wirkt sich massiv auf die Verwertbarkeit von Grünlandfutter beim Wiederkäuer aus. Den Beweis dazu liefert die Untersuchung der Verdaulichkeit der organischen Masse (OM) von 4.727 österreichischen Grünlandproben (drei bis fünf Schnitte pro Jahr) mit Hilfe einer in vitro-labormethode mit Pansensaft. Bei einem durchschnittlichen Rohfasergehalts von 248 g/kg TM führte der Anstieg von 10 g Rohasche/kg TM zu einer Reduktion des Gehaltes an verdaulicher OM um 8,6 g/kg TM (Abb. 12). Da Rohaschegehalte hinsichtlich erdiger Verschmutzung trügerisch sein können, wurde mit den oben angeführten Proben auch der Einfluss des Eisengehaltes auf den Gehalt an verdaulicher OM überprüft. Wenn infolge von Erdverschmutzung der Eisengehalt im Futter um 100 mg/kg TM ansteigt, führt dies zu einer Reduktion des Gehalts an verdaulicher OM um 2,3 g/kg TM (Abb. 12). Erdige Futterverschmutzung, ablesbar an vergleichsweise höheren Rohasche- und Eisengehalten, resultiert somit bei gleichem Rohfasergehalt in einer geringeren OM-Verdaulichkeit des Grundfutters. Erdverschmutzung kann Fruchtbarkeit senken Spurenelemente erfüllen vielfältige und wichtige Aufgaben im Organismus. Die Bioverfügbarkeit von Mengen- und Spurenelementen kann durch die Fütterung erdig verschmutzter Grundfuttermittel negativ beeinträchtigt werden. Eisen ist im Erdboden meist reichlich vorhanden und kann bei entspre - chender Aufnahme ein Auslöser für die Blockade anderer Elemente sein. Durch Komplexbildung von Cal - cium, Eisen und Aluminium kann es im Tier zu einer verminderten Resorption von Phosphor (P) kommen, der Effekt ist ein P-Mangel. Kupfer-, Mangan- und Zinkmangel können ebenfalls durch zu hohe Gehalte an Eisen aus Erde verursacht werden. Kupfer und Mangan werden teilweise über die gleichen Transportwege absorbiert wie das Eisen. Die Eisenzufuhr ist im Körper sehr streng geregelt, weil zu viel an freiem Eisen hochtoxisch im Körperinneren wirkt. Bei zu hoher Eisenzufuhr werden deshalb die Eisentransport - pfade massiv heruntergeregelt und damit auch die Fähigkeit zur Absorption von Kupfer und Mangan. Bei knapper Kupfer-, Zink- bzw. Mangan-Versorgung kann es daher leicht zu einem sekundären Kupfer- und Zinkmangel, weniger häufig zu einem Manganmangel kommen. Kupfer kann auch durch hohe Schwefel- oder Molybdän-Gehalte festgelegt werden. Der hervorgerufene Mangel an Spurenelementen kann zur Herabsenkung der Fruchtbarkeit der Tiere führen. Verschärft kann der Mineralstoffmangel zusätzlich noch durch pansenazidotische Verhältnisse werden, weil tiefe ph- Werte im Pansen eine verminderte Resorption von Mineralstoffen nach sich ziehen. Erde als Ursache für tiergesundheitliche Probleme Erdaufnahme kann bei Nutztieren zur Störung der Verdauungsorgane so- 2014 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 13

wie der Nährstoffbalance führen und subklinische bzw. klinische Befunde hervorrufen. Die Verfütterung erdig verunreinigter Futtermittel kann als Hauptursache für das Krankheitsbild der Pansen-, Labmagen- und Darmversandung von Rindern angesehen werden. Bei Versandung der Vormägen findet man an Krankheitser schei - nungen eine allmählich sinkende Fresslust, eine verminderte Pansentätigkeit, immer wiederkehrende Pansenblähungen und typischerweise Durchfall sowie vermehrten Speichelfluss. Aufgrund der verminderten Futteraufnahme kommt es zur chronischen Abmagerung und zu verminderter Milchleistung. Stoffwechselerkrankungen wie die Ketose oder auch die Pansenübersäuerung können infolge einer ge - störten Grundfutteraufnahme viel leichter ausgelöst bzw. verstärkt werden. Mit Fortdauer der Erkrankung sowie in schwerwiegenden Fällen zeigen die Tiere Leerkauen und Zähneknirschen. Die Störungen der Fresslust sind auf die Schmerzhaftigkeit der Magenschleimhautentzündung zurückzuführen. Diese entsteht durch die starke mechanische Reizung durch Sand und Steinchen. Wenn das Futter unverhältnismäßig stark verunreinigt ist, gelangt Sand auch vermehrt in die hinteren Abschnitte des Verdauungstraktes, also in den Labmagen und in die Darmschlingen. Die Tiere magern ab, der Kot wird in die - Die Vorlage von Grundfutter ohne Erdverschmutzung ist für Tiergesundheit, Leistung und Produktqualität optimal. sem Fall dünnbreiig und aufgrund von Blutbeimengungen dunkel. Sandablagerungen im Labmagen können auch bei der Entstehung von Labmagengeschwüren eine ursächliche Rolle spielen. Auch Fälle von Koliken und akutem Darmverschluss sind möglich. Tab. 3: Rationskennwerte für die Vergleichsrechnung Parameter Einheit Rotkleegrassilage Heu Raps- Triticale 1. Schnitt 2. Schnitt extrak- Rispenschieben Beginn tionsbei 80 g bei 160 g Blüte schrot XA XA Trockenmasse TM g/kg FM 368 368 860 880 880 Rohprotein XP g/kg TM 169 155 120 399 145 Nutzbares Rohprotein nxp g/kg TM 141 128 121 239 165 Ruminale N-Bilanz RNB g/kg TM 5 4-0,2 25,6-3,2 Rohfett XL g/kg TM 32 29 29 25 18 Rohfaser XF g/kg TM 262 239 295 131 28 Rohasche XA g/kg TM 81 163 80 77 22 Nettoenergie-Laktation MJ/kg TM 6,29 5,72 5,31 7,11 8,29 NEL Futterkosten Cent/kg Cent/kg FM 3 3 15 28 25 Futtermenge kg kg FM ad libitum ad libitum 2 nach nach Bedarf Bedarf Erde und Sandpartikel führen zusätzlich zu einer starken Abnützung der Zahnmasse, wodurch die Nutzungsdauer der Tiere eingeschränkt werden kann. Der Transfer von Kontaminanten aus der Erde in Milch und Fleisch durch Erdaufnahme hängt von der Menge an aufgenommener Erde, vom Bodentyp und dem Verdauungsprozess ab. Diagnose und Behandlung Zumeist sind mehrere Rinder unterschiedlich stark von der Erkrankung betroffen. Die Diagnose kann nach dem typischen Vorbericht (Überschwemmung), durch grobsinnliche Futteruntersuchungen, Ermittlung des Futter- Rohaschegehaltes und anhand des klinischen Krankheitsbildes oftmals relativ rasch gestellt werden. Im Kot lässt sich der Sand nachweisen. Bei der Behandlung erkrankter Tiere muss das erdig belastete Futter durch qualitativ hochwertiges Heu ersetzt Tab. 4: Futteraufnahmen in der Ration mit sauberer Kleegrassilage in Abhängigkeit der Milchleistung Milch- Grund- Kleegras- Heu Rapsextr. Triticale menge futter silage schrot kg kg TM kg FM kg FM kg FM kg FM 35 15,0 36,1 2 0 9,4 30 15,5 37,4 2 0 6,7 25 15,9 38,5 2 0 4,0 20 16,4 39,9 2 0 1,3 15 16,2 39,3 2 0 0 Tab. 5: Futteraufnahmen in der Ration mit erdig verschmutzter Kleegrassilage in Abhängigkeit der Milchleistung Milch- Grund- Kleegras- Heu Rapsextr. Triticale menge futter silage schrot kg kg TM kg FM kg FM kg FM kg FM 35 13,7 32,6 2 0,3 11,2 30 14,1 33,6 2 0 8,7 25 14,6 35,0 2 0 6,1 20 15,0 36,1 2 0 3,4 15 15,4 37,2 2 0 0,8 14 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 2014

Tab. 6: Differenz in TM-Aufnahme und Kraftfutterbedarf bei der Ration mit erdig verschmutzter Kleegrassilage in Abhängigkeit der Milchleistung Milch- TM-Auf- Rapsextr. Triticale menge nahme schrot kg kg TM kg kg 35-1,3 +0,3 +1,8 30-1,4 +/-0 +2,0 25-1,3 +/-0 +2,1 20-1,4 +/-0 +2,1 15-0,8 +/-0 +0,8 Tab. 7: Kostenerhöhung der Ration durch erdige Verschmutzung von Grundfutter in Abhängigkeit der Milchleistung Milchemenge Differenz Differenz kg /Kuh und Tag Cent/kg Milch 35 +0,43 +1,22 30 +0,41 +1,36 25 +0,42 +1,69 20 +0,43 +2,17 15 +0,14 +0,91 werden. Danach können orale Gaben von Glaubersalz, Rizinus- oder Paraffinöl den Abgang des Sandes beschleunigen. Die operative Sandentfernung wird aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen heute kaum mehr durchge - führt. Selbst bei Verfütterung einwand - freien Futters kommt es im Laufe der Zeit zur Ansammlung von Sand und kleinen Steinchen in der Haube und im Pansen. Die dabei im Vormagenbereich zu findenden Mengen liegen meist im Bereich von ein bis drei Handvoll Sand und Steinchen, was für ausgewachsene Rinder üblicherweise noch keine gesundheitliche Belastung darstellt. Futterverbrauch und -kosten je nach Verschmutzungsgrad Verschmutztes Futter wird von den Tieren nicht gerne aufgenommen und bei stärkerer Verschmutzung sogar verweigert bzw. gemieden. Grund dafür sind die geschmackliche Beeinträchtigung sowie die geringeren Inhaltsstoffgehalte. Um die verringerte Futteraufnahme sowie derer Folgen zu demons - trieren, wurden anhand der DLG-Futteraufnahmeschätzformel zwei Rationen gerechnet eine Ration mit sauberem Futter und die zweite Ration mit der gleichen Silage, aber erhöhtem Roh - aschegehalt. Für beide Rationen wurden 2 kg Heu als fix zugeteilte Menge angenommen. Die Futteraufnahme an Grassilage wurde anhand der DLG-Futteraufnahmeschätzformel berechnet. Die geschätzte Futteraufnahme und der Bedarf an Eiweiß- und Energiekraftfutter wurden nach dem Bedarf für die Milchproduktion mit dem Online-Rationsberechnungsprogramm für LKV-Mitglieder ermittelt. Als Rechenbasis wurde eine Kuh mit 750 kg Lebendmasse und eine Milchleistung in fünf Kilo-Abstufungen mit den Inhaltstoffen 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß angenommen. Kühe nehmen von verschmutztem Futter weniger auf (Tab. 5). In der Praxis kann die Grundfutteraufnahme noch niedriger als hier dargestellt ausfallen. Die Verdauung im Pansen und im Magen-/Darmbereich kann gestört sein und Futter dadurch auch verweigert werden. Um die niedrigere Grundfutterleistung auszugleichen, muss den Tieren deutlich mehr Kraftfutter verabreicht werden. Damit steigen die Gefahr von überhöhter Säureproduktion im Pansen und das Azidoserisiko mit der Folge von zusätzlich vermindertem Futterabbau bzw. reduzierter Futterverwertung. Neben einer Beeinträchtigung der Pansenfermentation spielen im Hinblick auf die wirtschaftliche Milchproduktion auch die Futterkosten eine entscheiden - de Rolle. Durch die verringerte Grundfutteraufnahme und den erhöhten Kraftfutterbedarf steigen die Rationskosten um ca. 0,42 Euro/Kuh und Tag bzw. 1,4 2,2 Cent/kg Milch. Bezogen auf eine Standardlaktation (305 Tage) ergibt das Mehrkosten von 128,10 Euro/Kuh. Weitere mögliche Kosten durch Stoffwechselprobleme, verminderte Fruchtbarkeit bis hin zum verfrühten Abgang einer Kuh wurden in dieser Kalkulation nicht berücksichtigt, da eine Schätzung sehr schwierig wäre. Fazit für die Praxis Die erdige Verschmutzung von Grundfutter ist in der Praxis weit verbreitet. Erde vermindert die Futterqualität durch Verdrängung wert - voller Inhaltsstoffe und erhöht das Risiko der Buttersäuregärung von Silagen. Die Verdaulichkeit der organischen Masse und die Energiedichte werden durch Erdverschmutzung negativ beeinträchtigt. Die Futterakzeptanz sinkt mit zunehmender Erdbelas tung, sodass die Grundfutteraufnahmen bei Rindern ebenfalls sinken. Ein Rückgang von Milch - leis tung und Tageszunahmen ist die logische Konsequenz. Ein Rohaschegehalt in Grundfuttermitteln von 150 200 g/kg TM, das entspricht im Durchschnitt 35 57 g Sand/kg TM bzw. 1.800 3.300 mg Eisen/kg TM, gilt als bedenklich. Bei mehr als 200 g Rohasche/kg TM sollte das Futter nicht mehr an Rinder verfüttert werden. Futterverschmutzung kann tiergesundheitliche Probleme auslösen. Hygienisch bedenkliches und versandetes/verschmutztes Fut ter sollte in Ermangelung von Alternativen weder an altmelkende, noch an tro - ckenstehende Kühe und Jungvieh verfüttert werden. Die Verfütterung sauberen Grundfutters ohne Erdverschmutzung ist absolut erstrebenswert, weil man dadurch vielen Problemen aus dem Weg geht, Kosten und Mühen spart sowie optimale Grundfutterleistungen erzielen kann. Qualitätsbewusste und wirtschaftlich denkende Landwirte sind gut beraten, wenn sie prophylaktische Maßnahmen anwenden, die die Erdbelastung des Futters auf ein Minimum senken und damit Infektionskreisläufe unterbrechen. Fachgruppe: Futterbau und Futterkonservierung Vorsitzender: Ing. Reinhard Resch, LFZ Raumberg-Gumpenstein Geschäftsführer: Dr. Wilhelm Graiss, LFZ Raumberg-Gumpenstein, 8952 Irdning, Tel.: 03682/22451-346, www.oeag-gruenland.at E-Mail: wilhelm.graiss@raumberg-gumpenstein.at INFO 5/2014 2014 LANDWIRT FUTTERVERSCHMUTZUNG 15

Einmaleins der Wühlmausbekämpfung Wühlmäuse schädigen Wiesenfutterpflanzen durch Abfressen der Wurzeln. Die ausgeworfenen Erdhaufen verschlechtern Narbendichte und Futterertrag sowie Futterqualität und tierische Leistungen. Von Reinhard RESCH Richtige Vorgangsweise beim Mausfang Wühlmäuse können praktisch das ganze Jahr über bis auf den Zeitraum mit geschlossener Schneedecke gefangen werden. Vor Vegetationsbeginn sollten die bestehenden Erdhaufen abgeschleppt werden, wenn der Boden trocken und gut befahrbar ist. Tags da - rauf verraten frisch aufgeworfene Haufen, wo die Wühlmäuse aktiv sind. Die Anzahl der Fallen zur Bekämpfung ist je nach Ausmaß des Wühlmausbefalles zu ermessen. Für den Anfänger und bei geringem Besatz genügen etwa 20 Fallen. Bei starkem Wühlmausbesatz auf mehreren Flächen kann ein geübter Mausjäger sogar mehr als 100 Fallen betreuen. Das Aufspüren der Gänge erfolgt mit einem Suchstab (dünner Metall - stab), der leicht in die Erde gedrückt wird. Rutscht er 6 9 cm durch, dann ist der Gang gefunden. Laufgänge befin - den sich meist in zirka fünf bis maximal 25 cm Tiefe. Der Hauptgang liegt oft nur eine Handspanne entfernt neben dem Erdhaufen. Das Freilegen des Ganges kann mit Gartenhaue oder Spaten durchgeführt werden. Erdklumpen und Steine beseitigt Michael Hauer mit einem Suppenlöffel, damit diese Hindernisse nicht die Falle auslösen, wenn die Maus zum Köder kommt. Nachdem die Zangenfalle mit einem Karottenstück beködert ist, wird sie in Halbspannung in den Gang eingeführt. Mit der Vollspannung der Bügel werden die Fangarme in die Gangwand gedrückt und behindern die Maus nicht, wenn sie zum Köder will. Sobald das Auslöseplättchen eingeklemmt wird, ist die Falle scharf. Das Absenken der Falle im hinteren Bügelbereich kann unterbunden werden indem man ein kleines Wasenstück oder einen Erdklumpen unterlegt. Steht die Falle zu schräg, streift der Köder am Gangboden und die Falle löst beim Mauskontakt nicht aus. Wichtig ist auch eine Auslöserkontrolle auf leichtes Auslöseverhalten der Falle, bevor das freigelegte Loch mit Erde zugedeckt wird. Im Bügelbereich muss ausreichend Platz vorhanden sein, damit sich beim Abgehen der Falle die Bügel vollständig ausbreiten können. Ansonsten schließen sich die Fangarme nicht zur Gänze. Es ist ratsam in jede Gangrichtung eine Falle aufzustellen. So kann die Wühlmaus von jeder Seite gefangen werden. Für das Aufstellen einer Falle werden je nach Erfahrung des Mäusejägers etwa drei Minuten benötigt. Neben die aufgestellte Falle ist unbedingt ein angefärbter Holzstecken zur Markierung zu setzen, sonst findet man die Falle nicht mehr, und es können in der Folge Schäden bei Mähgeräten auftreten. Die Wolf sche Zangenfalle wird nur äußerst selten von Katzen oder Füchsen verschleppt. Die ausgelegten Fallen sollten mindestens einmal am Tag kontrolliert werden. Es ist auf einen Blick zu erkennen, ob die Falle ausgelöst wurde. Das spart gegenüber anderen Methoden Zeit, sagt Michael Hauer. Die gefangene Maus braucht man bei der Zangenfalle nicht angreifen. Durch Zusammendrükken der Bügel geben die Fangarme die tote Wühlmaus frei. Nach dem Fangerfolg sollte die Zangenfalle im gleichen Gang sofort wieder aufgestellt werden. Dieser Vorgang soll so lange wiederholt werden bis alle Mäuse, die diesen Gang benutzen, gefangen sind. Konsequenz ist beim Mausfang der halbe Erfolg, weil Wühlmäuse immer wieder vom Wald oder von Nachbarflächen einwandern. Die Wühlmausaktivität muss deshalb jedes Jahr beobachtet werden, und beim Auftreten neuer Erdhaufen müssen Fallen aufgestellt werden. Die beköderte Falle muss halb gespannt in den Gang eingeführt werden. Foto: Hauer Ein Wasenstück wird unter die scharf gespannte Falle gelegt. Neben der Falle ist es wichtig, einen Stecken als Markierung zu setzen. Foto: Hauer Eine ausgelöste Falle ist sofort erkennbar. Wichtig ist es, die Falle täglich zu kontrollieren. Foto: Archiv 16 LANDWIRT WÜHLMAUSBEKÄMFPUNG 2014