Der schweizerische Baupreisindex

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Transkript:

05 Preise 676-1400 Der schweizerische Baupreisindex Indizes zur Preisentwicklung im Bausektor Seit April 1999 alle 6 Monate veröffentlicht Neuchâtel, 2014

9 Fragen und Antworten zum Index 1. Der Baupreisindex was ist das? Der schweizerische Baupreisindex ist ein Konjunkturindikator, der die Entwicklung der effektiven Marktpreise der im Baugewerbe tätigen inländischen Unternehmen erfasst. Er widerspiegelt die konjunkturbedingten Bewegungen von Angebot und Nachfrage sowie die Produktivitätsgewinne. 2. Welche Rolle spielt der Index im Wirtschaftsgeschehen? Vom schweizerischen Baupreisindex wie überhaupt von der öffentlichen Statistik profitieren alle, denn er liefert den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsinstanzen objektive und qualitativ hochwertige Grundlagen, um Entscheidungen zu treffen. Neben den mikroökonomischen Detailinformationen zu allen gängigen Indexierungen durch die Unternehmen liefert er auch makroökonomisch relevante Daten. So fliessen seine Resultate zum Beispiel in die Indexierung der Budgets öffentlicher Grossprojekte ein und ermöglichen damit eine wirksame Kostenkontrolle. Unter anderem dient er so als Basis für die Indexierung der Kredite: der neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT) der zukünftigen Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB) der Strassen-Infrastrukturfonds für die Fertigstellung des Nationalstrassennetzes und für die Beseitigung von Engpässen im Nationalstrassennetz. 3. Was hat der Index zu bieten? Der schweizerische Baupreisindex veröffentlicht zweimal pro Jahr detaillierte Ergebnisse für: das Baugewerbe als Ganzes den Hochbau, der in sieben Bauwerksarten unterteilt ist (Neubau Mehrfamilienhaus, Mehrfamilienhaus aus Holz, Einfamilienhaus, Bürogebäude, Lagerhalle; Renovation Mehrfamilienhaus und Bürogebäude) den Tiefbau mit drei Bauwerksarten (Neubau Strasse, Unterführung und Lärmschutzwand).

Im Hochbau wurden neue Aggregationen eingeführt, die die Grundlage für Indizes zu Neubauten und Renovationen sowie für Indizes für Bauten mit oder ohne Wohnnutzung schaffen. Die Indizes der Bauwerksarten sind nach dem Baukostenplan der Schweizerischen Zentralstelle für Baurationalisierung gegliedert. Die Indizes sind entsprechend der Gliederung der Schweiz in sieben Grossregionen aufgeteilt. Diese Gliederung wurde Anfang 1998 vom Eidgenössischen Departement des Innern für offiziell erklärt. Die sieben Grossregionen der Schweiz Grossregionen (NUTS II-äquivalente Gliederung) nach Kantonen VD NE JU FR SO Espace Mittelland BS Nordwestschweiz BE BL LU AG OW SH Zürich ZG UR ZH SZ Zentralschweiz NW TG SG GL AR AI Ostschweiz GR GE Genferseeregion VS Tessin TI BFS, ThemaKart, Neuchâtel 2014 Diese in der Preisstatistik der Schweiz einmalige Regionalisierung ist von grossem Nutzen. Nach wie vor bildet sie eine wichtige Charakteristik des Bausektors, auch wenn sich die regionalen Märkte wegen der zunehmenden Konkurrenz öffnen und die überregionale Bedeutung der Grossunternehmen zunimmt. Die Wahl fiel aus zwei Gründen auf die offiziellen Grossregionen. Erstens sprachen finanzielle Gründe dafür, zweitens galt es, die Vergleichbarkeit der Baupreisindizes mit anderen wichtigen Wirtschaftsindikatoren sicherzustellen. 4. Wie werden die Preise erhoben? Die Preise, die dem Index zugrunde liegen, stammen aus Verträgen oder Offerten, die von Januar bis April (April-Index) oder Juli bis Oktober (Oktober-Index) effektiv abgeschlossen wurden.

Die Preise werden hauptsächlich nach dem Bauleistungspreisverfahren erhoben. Das Verfahren basiert auf der Idee, dass ein Bauwerk nicht ein Ganzes, sondern die Summe der Leistungen der verschiedenen beteiligten Arbeitsgattungen bildet. Aus diesem Grund ist es möglich, nur die repräsentativsten Leistungen zu erheben. Die Preise werden netto (d.h. nach Abzug von Rabatten) und ohne Mehrwertsteuer erfasst. Rund 2000 Bauunternehmen (inkl. Architektur- und Ingenieurbüros, Versicherungen und Banken) liefern für jede Erhebungsperiode rund 25 000 Preise. 5. Wie wird der Index berechnet? Die erhobenen Preise werden in Elementarindizes umgewandelt, d.h. man vergleicht von einer Erhebungsperiode zur anderen nur die Preise desselben Unternehmens für dieselbe Leistung. Zur Feststellung der Preisentwicklung einer Bauleistung wird anschliessend das arithmetische Mittel der verschiedenen Elementarindizes dieser Leistung in einer Region berechnet. Danach werden die Indizes der verschiedenen Leistungen zusammengefasst, um den Gesamtindex nach Bauwerk, nach Region und für die Schweiz zu erhalten. Gewichtungen der Bauwerksarten, Schweiz (Basis Oktober 2010=100) Baugewerbe: Total 100,00 % Hochbau 80,93 % Neubau 43,37 % Mehrfamilienhaus 22,05 % Mehrfamilienhaus aus Holz 3,19 % Einfamilienhaus 8,28 % Bürogebäude 5,65 % Lagerhalle 4,20 % Renovation, Umbau 37,56 % Renovation Mehrfamilienhaus 21,73 % Renovation Bürogebäude 15,83 % Tiefbau 19,07 % Neubau Strasse 15,32 % Neubau Unterführung 2,97 % Neubau Lärmschutzwand 0,78 %

6. Wozu dient der Index konkret? Der schweizerische Baupreisindex wird wie folgt eingesetzt: Der Index dient als Konjunkturindikator, der die Entwicklung der Marktpreise anzeigt; hiervon profitieren allen voran die Forschungsinstitute und sonstige wissenschaftliche Kreise. Er liefert Basisdaten zur Preisbereinigung (Deflationierung) verschiedener nomineller Wertgrössen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und erleichtert damit die Beobachtung der realen Wirtschaftsentwicklung. Er ermöglicht direkte praktische Anwendungen zur Indexierung von Kostenvoranschlägen und für Kostenkontrollen (insbesondere für öffentliche und private Auftraggeber, Architekturbüros und Unternehmen). Der Hauptanwendungsbereich des Baupreisindexes erstreckt sich somit auf die Planungsphasen eines Projekts, solange noch keine Preise durch eine Auftragsvergabe oder einen Vertrag fixiert sind. Anwendungsbereiche des Baupreisindexes Botschaft Kostenvoranschlag Parlamentsbeschluss Entscheid des Bauherrn Eingabefrist für Offerten Auftragsvergabe Beginn der Arbeiten Ende der Arbeiten Schweizerischer Baupreisindex Von der KBOB anerkannte Verfahren Produktionskostenindex (PKI) Objektindexverfahren (OIV) Gleitpreisformel Mengennachweisverfahren Nach Vertragsabschluss werden in der Regel Kostenindizes verwendet, um die Berechnungen der Preisänderungen im Laufe der Bauarbeiten durchzuführen. Die Indexwerte der Baupreisstatistik sind nicht zu verwechseln mit den Kostenkennwerten. Ausführliche Informationen zum Thema der durchschnittlichen Kostenkennwerte finden Sie in unserem Newsletter Nr. 13: www.bap.bfs.admin.ch

7. Wie werden die Ergebnisse veröffentlicht? Die wichtigsten Ergebnisse des Baupreisindexes werden im Juni und im Dezember in Form einer Medienmitteilung veröffentlicht. Die Detailergebnisse werden gleichzeitig auf dem Internetportal des Bundesamtes für Statistik aufgeschaltet. Die Daten sind unter folgender Adresse frei abrufbar: www.bap.bfs.admin.ch Seit dem dritten Quartal 2005 wird eine Quartalsschätzung der Baupreisentwicklung erstellt und dem Staatssekretariat für Wirtschaft, der Schweizerischen Nationalbank sowie Eurostat zur Verfügung gestellt. 8. Welche Basis gilt für den Index? Nach 10-jährigem Bestehen wurde der Baupreisindex im Oktober 2010 zum ersten Mal einer Revision unterzogen. Diese betraf alle Aspekte der Statistik. Mit der Revision wurden insbesondere folgende Ziele verfolgt: die Referenzobjekte an die heute aktuellen Bauarten anpassen und zusätzliche neue Referenzobjekte einführen, um damit den Anfragen der Nutzerinnen und Nutzer besser entsprechen zu können. die erhobenen Bauleistungen, die verschiedenen Gewichtungen und die Erhebungsformulare revidieren. Die Baupreisstatistik wird künftig mit neuer Basis berechnet (Oktober 2010=100). Für die Zahlen 2011 wurde der Index erstmals auf dieser neuen Basis veröffentlicht. Ab Juni 2016 wird der Index mit der neuen Basis Oktober 2015=100 berechnet. Auskunft: Yves Guillod (f, i): Tel. 058 463 61 45, E-Mail: yves.guillod@bfs.admin.ch Yvonne Sieber (d): Tel. 058 463 61 43, E-Mail: yvonne.sieber@bfs.admin.ch Grafik/Layout: Sektion DIAM, Prepress/ Print Titelgrafik: Bestellnummer: 676-1400 BFS; Konzept: Netthoevel & Gaberthüel, Biel; Foto: Mark Herreid Fotolia.com