3 Trend- und Saisonkomponenten

Ähnliche Dokumente
Überschrift. Titel Prognosemethoden

In konstanten Modellen wird davon ausgegangen, dass die zu prognostizierende Größe sich über die Zeit hinweg nicht verändert.

5. Zeitreihenanalyse und Prognoseverfahren

QUANTITATIVE STATISTICAL METHODS: REGRESSION AND FORECASTING JOHANNES LEDOLTER VIENNA UNIVERSITY OF ECONOMICS AND BUSINESS ADMINISTRATION SPRING 2013

Analyse von Zeitreihen in der Umweltphysik und Geophysik Stochastische Prozesse

Allgemeine Regressionsanalyse. Kovariablen / Prädiktoren / unabhängige Variablen X j R d, evtl. deterministisch

SBWL Tourismusanalyse und Freizeitmarketing, Vertiefungskurs 2

Automaten, Spiele, und Logik

Eine zweidimensionale Stichprobe

Fachhochschule Aachen, Abteilung Jülich Seminararbeit Thema: Prognose von Zeitreihen

Regression ein kleiner Rückblick. Methodenseminar Dozent: Uwe Altmann Alexandra Kuhn, Melanie Spate

Gewöhnliche Dierentialgleichungen

Weiterbildungskurs Stochastik

ÜBUNGSBLATT 11 LÖSUNGEN MAT121/MAT131 ANALYSIS II FRÜHJAHRSSEMESTER 2011 PROF. DR. CAMILLO DE LELLIS

Dierentialgleichungen 2. Ordnung

Mathematik-Tutorium für Maschinenbauer II: Differentialgleichungen und Vektorfelder

Weitere Fragestellungen im Zusammenhang mit einer linearen Einfachregression

Prof. Dr. Christoph Kleinn Institut für Waldinventur und Waldwachstum Arbeitsbereich Waldinventur und Fernerkundung

ε δ Definition der Stetigkeit.

b) Bestimmen Sie die Varianz der beiden Schätzer. c) Ist ein oder sind beide Schätzer konsistent? Begründen Sie!

Hydrologie und Flussgebietsmanagement

Klassifikation von partiellen Differentialgleichungen

acf(y) pacf(y) Series y Series y Index ACF Lag Partial ACF Lag

SLAM. Simultaneous Localization and Mapping. KogSys-Sem-M2: Reading Club - SLAM - Andreas Habermann

17 Nichtparametrische Schätzer

Mathematik II Frühlingsemester 2015 Kap. 9: Funktionen von mehreren Variablen 9.2 Partielle Differentiation

Übung zur Empirischen Wirtschaftsforschung V. Das Lineare Regressionsmodell

Approximationsverfahren zur Überführung nichtäquidistanter Messwertfolgen in äquidistante Zeitreihen.

Elemente der Analysis I Kapitel 2: Einführung II, Gleichungen

Gütebewertung und Performanceanalyse von Prognosealgorithmen bei unterschiedlichen Signalklassen

Künstliche Neuronale Netze zur Prognose von Zeitreihen

ad Physik A VL2 ( )

1 Grundprinzipien statistischer Schlußweisen

9 Erwartungen und Investitionen

IBM SPSS Forecasting 20

Theoretische Grundlagen der Informatik

Teil II. Nichtlineare Optimierung

Definition: Gedächtnis einer Zeitreihe

Spezialvorlesung Zeitreihenanalyse

Mathematische Ökologie

Prüfung zu Modul 26 (BA Bw) bzw. 10 (BA IB) (Wirtschaftsstatistik)

Auswirkungen des Klimawandels auf die großen Flüsse in Deutschland

Rabea Haas, Kai Born DACH September 2010

Binäre abhängige Variablen

Stochastische Eingangsprüfung,

Lösung zu den Testaufgaben zur Mathematik für Chemiker II (Analysis)

7.2.1 Zweite partielle Ableitungen

Signale und Systeme Reaktion linearer Systeme auf stationäre stochastische Signale

Simulationsmethoden in der Bayes-Statistik

Universität Bonn, Institut für Angewandte Mathematik. WS 2012/2013 Prüfung Angewandte Mathematik und Statistik - Agrarwiss. /ELW

MATLAB Kurs 2010 Teil 2 Eine Einführung in die Frequenzanalyse via MATLAB

Datenanalyse. (PHY231) Herbstsemester Olaf Steinkamp

Kapitel 1 Beschreibende Statistik

Lebensdauer eines x-jährigen

Wirtschaftsmathematik für International Management (BA) und Betriebswirtschaft (BA)

Funktion; trigonometrische Reihen; trigonometrische Polynome; gliedweise Integration; Integration und Grenzübergang; Fourier-

Prüfung zu Modul 26 (BA Bw) bzw. 10 (BA IB) (Wirtschaftsstatistik)

Survival of the Fittest Wie statistische Modelle an Daten angepasst werden

Lineare Gleichungssysteme (Teschl/Teschl 11.1)

8. Konfidenzintervalle und Hypothesentests

Mathematik Übungsblatt - Lösung. b) x=2

Differenzialrechnung

Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler im WS 2013/14 Lösungen zu den Übungsaufgaben (Vortragsübung) Blatt 7

Korrelation (II) Korrelation und Kausalität

Probeklausur Zeitreihenökonometrie (Sommersemester 2014) 1

Statistik. Datenanalyse mit EXCEL und SPSS. Prof. Dr. Karlheinz Zwerenz. R.Oldenbourg Verlag München Wien. Von

Kapitel VI - Lage- und Streuungsparameter

Aussagen hierzu sind mit einer unvermeidbaren Unsicherheit behaftet, die statistisch über eine Irrtumswahrscheinlichkeit bewertet wird.

Precise Point Positioning (PPP) in Hinblick auf Echtzeitanwendungen

Definition (Reguläre Ausdrücke) Sei Σ ein Alphabet, dann gilt: (ii) ε ist ein regulärer Ausdruck über Σ.

Aufgabenblock 4. Da Körpergröße normalverteilt ist, erhalten wir aus der Tabelle der t-verteilung bei df = 19 und α = 0.05 den Wert t 19,97.

Tutorium zur Makroökonomik

Klausur zur Vordiplom-Prüfung

Grundbegriffe der Informatik

Gegeben sei folgende zweidimensionale Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion zweier Zufallsvariablen. 0 sonst.

Mathematische und statistische Methoden II

Biostatistik Erne Einfuhrung fur Biowissenschaftler

Spezialfall: Die Gleichung ax = b mit einer Unbekannten x kann mit Hilfe des Kehrwerts 1 a = a 1 gelöst werden:

Regressionsanalysen. Zusammenhänge von Variablen. Ziel der Regression. ( Idealfall )

Kapitel 38 Verteilungsdiagramme

Adaptive Systeme. Sommersemester Prof. Dr. -Ing. Heinz-Georg Fehn. Prof. Dr. rer. nat. Nikolaus Wulff

Allgemeines Lineares Modell: Univariate Varianzanalyse und Kovarianzanalyse

Nichtlineare Optimierung ohne Nebenbedingungen

Übung 2: Spektrum periodischer Signale

Prüfung WS Mechatronik. Prof. Dr.-Ing. K. Wöllhaf

3. Einführung in die Zeitreihenanalyse

Die Varianz (Streuung) Definition

6 Allgemeine Theorie des elektromagnetischen Feldes im Vakuum

ν und λ ausgedrückt in Energie E und Impuls p

Regression I. Statistik I. Sommersemester Lineare Regression Zusammenhang und Modell Ein Beispiel: Armut und Gewaltverbrechen Zusammenfassung

Statistik - Übungsaufgaben

Charakteristikenmethode im Beispiel

1 Gemischte Lineare Modelle

Kapitalversicherungen

Die Laufzeit muss nun ebenfalls in Monaten gerechnet werden und beträgt = 300 Monate. Damit liefert die Sparkassenformel (zweiter Teil):

Transkript:

3 Trend- und Saisonkomponenten Schritte bei der Analyse von Zeitreihendaten : Plot ; Identifikation von Strukturbrüchen, Ausreißern etc. ; Modellansatz, z.b. klassisches Komponentenmodell X t = m t + s t + X t, wobei m t = Trendkomponente, s t = Saisonkomponente, { X t } stationäre Zeitreihe. Dann : Statistische Analyse der stationären Zeitreihe { X t } und Rückschlüsse auf {X t } ; Alternativ (vgl. Box und Jenkins, 970) : Transformation von {X t } durch Differenzenbildung bis stationäre Zeitreihe vorliegt. Die obigen Methoden zur Elimination von Trend- und Saisonkomponenten werden hier kurz diskutiert : a) Elimination von Trendkomponenten (bei Modellen ohne Saisoneffekt) : X t = m t + X t, t =,..., n.. Methode (Kleinste-Quadrate-Schätzung) : Annahme eines parametrischen Modells für m t, z.b. m t = a 0 + a t + a 2 t 2, und Schätzung der unbekannten Parameter, hier a 0, a, a 2, aus den Daten x,..., x n der KQ-Methode : n ( xt a 0 a t a 2 t 2) 2! = min â0,â,â2 a 0,a,a 2 Normalgleichungen [ partielle Ableitungen = 0 ] : Mit x = (x,..., x n ), a = (a 0, a, a 2 ) und 2 2 B = 2 folgt aus... n n 2 8 nach

x Bâ 2! = min a x Ba 2 notwendig : a x Ba 2 â = a (x Ba) (x Ba) B Bâ = B x Normalgleichung â = 2B (x Bâ) = 0 Falls B B regulär : â = (B T B) B T x KQ-Schätzer. Im Beispiel : B B = n Σt Σt 2 Σt Σt 2 Σt 3 Σt 2 Σt 3 Σt 4. Bemerkung 3.. B regulär = B B regulär. 2. Methode (Moving-Average-Filter) : Schätzung von m t durch Elimination der stochastischen Komponente über Mittelung benachbarter Werte, etwa W t = X t+j (-Punkte-Mittel) Effekt : Bei X t = m t + X t folgt W t = m t+j + m t + 0, X t falls {m t } (lokal) linear ist und die stochastischen Fluktuationen im Mittel verschwinden (E X t = 0). Also ist W t = ˆm t ein brauchbarer Schätzer für m t und Y t := X t ˆm t eine trendbereinigte Zeitreihe. 9

Bemerkung 3.2. Falls x,..., x n beobachtet wurden, kann ˆm t als symmetrisches Mittel nur für t = q +,..., n q gebildet werden. In den übrigen Punkten kann man einseitige Mittel benutzen, z.b. ˆm t = n t ˆm t = t (α konstant, 0. α 0.3 geeignet). α( α) j X t+j, t =,..., q, bzw. α( α) j X t j, t = n q +,..., n Schematisch : Linearer Filter {x t} Linearer Operator (y t = ) a j x t+j j= {y t}={ ˆm t} MA-Filter : low-pass filter Linearer Trend bleibt erhalten (niedrige Frequenzen, s.u.) ; Stochastische Fluktuationen werden eliminiert. Bemerkung 3.3. Bei geschickter Wahl der Gewichte bleiben nicht nur lineare Trends erhalten, z.b. Spencer s-5 Punkte-MA : a j = a j (j =,..., 7), a j = 0 (j = ±8, ±9,...), [ a 0,..., a 7 ] = 320 [ 74, 67, 46, 2, 3, 5, 6, 3 ]. Effekt : Ein kubischer Trend m t = a + bt + ct 2 + dt 3 bleibt erhalten (vgl. Brockwell-Davis (99), Problem.2). 0

3. Methode (Differenzenbildung) : Moving average u.a. : Elimination des Rauschens ; Differenzenbildung : Elimination des Trends. (Backward) Shift-Operator : BX t := X t ;. Differenzenoperator : DX t := ( B)X t := X t X t. Rekursiv : D 0 :=, D k+ := D(D k ) (k = 0,,...). Beispiel 3.. ) m t = a 0 + a t, t = 0, ±,..., Dm t a, t = 0, ±,.... Aus X t = m t + X t mit m t = a 0 + a t wird Y t = DX t = a + D X t (konstanter Trend). 2) m t = a 0 + a t + a 2 t 2, Dm t = (a a 2 ) + 2a 2 t, D 2 m t 2a 2. Allgemein (für k ) : Ist X (k) t stationär, so ist = m (k) t + X t mit m (k) t = k a j t j, { X t } t=0,±,... Y t := D k X (k) t = k! a k + D k X(k) t = k! a k + Xt, wobei { Xt } wieder stationär ist. Bemerkung 3.4. In der Praxis genügt oft - oder 2-malige Differenzenbildung. Anwendung (z.b. für k = ) : Finde Modell für {Y t }, z.b. ARMA (p, q)-modell, Schätzungen, Vorhersagen ; aus X t = Y t + X t = Y t + + Y + X 0 (t N) dann statistische Aussagen über {X t }. b) Elimination von Trend- und Saisoneffekt Modell : X t = m t + s t + X t, t =,..., n, mit s t+p = s t, s t = 0, E X t = 0 und bekannter Periode p = 2q ;. n = kp (z.b. Monatswerte (p = 2) über k Jahre beobachtet).

. Schritt : Vorabschätzen der Trendkomponente (MA) p = : m t := x t+j p p = 2q : m t := p { 2 (x t q + x t+q ) + q j= (q ) x t+j } q < t n q. 2. Schritt : Schätzen der Saisonkomponente (i) Mittelwerte über trendbereinigte Daten y t = x t m t : s t := J t j J t y t+jp, t =,..., p, wobei J t := {j Z q < t + jp n q} (zulässige Beobachtungen), J t = Anzahl der Elemente in J t. Nicht notwendigerweise s t = 0, daher (ii) Mittelwertskorrektur : ŝ t := s t s, wobei s := p s t. 3. Schritt : Schätzen des Trends aus saisonbereinigten Daten, d.h. bilde z t := x t ŝ t (t =,..., n) und schätze den Trend ˆm t wie im Modell ohne Saisoneffekt (s.o.). 4. Schritt : Statistische Analyse des (geschätzten) stationären Anteils ˆx t := ˆm t ŝ t. Alternative Methode : Differenzenbildung ( zum Lag p ) Modell : X t = m t + s t + X t (w.o.), Periode p bekannt. Lag-p-Differenzenoperator : D p X t := X t X t p Effekt : D p X t = (m t m t p ) + ( }{{} X t X t p ) }{{} Trend stationär Dann : Elimination des Trends wie in a). Die oben behandelten (heuristischen) Methoden dienen dazu, Zeitreihen in stationäre Zeitreihen zu transformieren. Letztere werden im Folgenden eingehend behandelt. 2