Vergleichende Analyse der Kulturdiplomatie von ausländischen Mächten in Deutschland und Russland Dr. Leonid Kozlov

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1 Vergleichende Analyse der Kulturdiplomatie von ausländischen Mächten in Deutschland und Russland Dr. Leonid Kozlov Staatliche Universität für Wirtschaft Wladiwostok

2 Studium an der Pädagogischen Univ. Jaroslawl, Fakultät für Geschichte SS 2000 Studiumaufenthalt an der Univ. Bielefeld, Fakultät für Soziologie und Geschichtswissenschaft 2003 Promotion an der TU Chabarowsk, Politikwisenschaft Seit 2003 Dozent für IB, Univ. für Wirtschaft Wladiwostok 2007 Forschungsaufenthalt an der Univ. Duisburg-Essen, Institut für Ostasienwissenschaften , , 2011 Leiter von drei Forschungsprojekten für IB und Regionalpolitik im Fernen Osten 2006, 2009, 2011 Preisträger der Wladimir-Potanin-Stiftung für Nachwuchsdozenten

3 Unter Kulturdiplomatie werden in der Forschung auswärtige Kulturveranstaltungen verstanden, welche generelle Außenpolitik eines Staats unterstützen müssen. Kulturelle Instrumente gebraucht man in den IB seit dem Ersten Weltkrieg aktiv. Besonders produktiv war dafür die Konkurrenz der Großmächte im Kalten Krieg Übrigens kommt eine theoretische Gestaltung erst jetzt, durch die Soft Power von Nye. Prof. Joseph S. Nye, Jr., Harvard Univ.

4 Aktive Teilnahme an nationalen Kulturveranstaltungen in dem Residenzstaat zählt zu ständigen Botschaftsangelegenheiten, wenn die Botschaft ein mehr oder weniger modernes Land vertritt. An Botschaften von entwickelten Ländern in Groß- und Mittelstaaten arbeiten normalerweise Kulturattaches, bei Gelegenheit auch separate Attaches für Bildung, Wissenschaft, Bibliothekswesen u.a. Botschafterin von Neuseeland in Deutschland grüßt die Dt. RugbyNationalmannschaft vor dem Testspiel in Frankfurt,

5 Die Kulturdiplomatie größerer Staaten wird heute vorwiegend durch autonome Kulturinsitute erfüllt, welche Auslandsämter nur betreuen und finanzieren. Man merkt auch die Tendenz, dass die Institute und Kulturministerien nicht nur die Veranstaltungen organisieren, sondern auch entsprechende politische Entscheidungen zu treffen versuchen. Bei kleineren und ärmeren Ländern bleibt die Kulturdiplomatie eine Sache der Botschaft direkt. Cervantes Institut in Frankfurt

6 Die Hypothese der Forschung bestand darin, dass führende Staaten gegenüber Entwicklungsländer eine Diplomatie benutzen, welche fortschrittliche Kulturwerte anbietet, d.h. eine Spender-Rezipient-Beziehung darstellt. Für hochentwickelte Staaten setzen sie in erster Linie auf ihr nationales Kolorit und Kooperationsmöglichkeiten. Andere Staaten verfügen über diese Ressourcen in ungleichem Maße, deswegen unterscheidet sich ihre Kulturdiplomatie weltweit nicht stark. Die Japan Week in Frankfurt 2011

7 Als empirische Methoden werden vor allem teilnehmende Beobachtung und Experteninterviews gebraucht. Während der Forschung ist es schon verstanden worden, dass auch Großmächte ihre Kulturdiplomatie wenig diversifizieren können. Grund dafür ist ein verborgener Kampf zwischen Kulturträgern und Finanzministerien, welche es bestreiten, ob die Kultur ein öffentliches Gut oder eine Exportware ist. Koreanisches Kulturfestival in Hamburg, 2011

8 In Deutschland sind im allgemeinen dieselbe Mächte kulturdiplomatisch aktiv, die auch in Russland, und zwar Japan, Frankreich, Italien, etwas weniger Spanien, China, die USA, Großbritannien, Südkorea. Frankreich handelt in Deutschland kulturell etwas mehr, weil es seine außenpolitische Priorität im Lichte der EU-Integration ist. Die USA präsentieren sich diplomatisch deutlich weniger, als in Russland, was vermutlich auf ihr Bild negativ einwirkt (Kultur zum Verkaufen, nur Massenkultur usw.). An dem EZB-Wolkenkratzer, gleich

9 Die Kulturdiplomatie wird durch dieselbe Fachkräfte dargestellt (Kulturinstitute, Zivilgesellschaft und extra eingeladene Promis). Ein Botschafter oder ein Generalkonsul ist normalerweise dabei anwesend, damit scheint seine Veranstaltung hochrangiger zu sein. Aber wesentlich breitere Entwicklung der Zivilgesellschaft und des Vereinslebens in Deutschland erleichtert die Vorbereitung solcher Veranstaltungen und reduziert organisatorische Kosten. Konfuzius-Institut Wladiwostok, Studentisches Festival 2009

10 Es ist auch merklich, dass die Verbreitung der Massenkultur die Kulturdiplomatie in Deutschland ebenso wie in Russland beeinflusst. Diplomaten und Kulturinstitute sind eigentlich dagegen, können aber weltbekannte nationale Massenbrands nicht ignorieren. In dem Fall versuchen die Organe, ihr ausländisches Publikum von der Massenkultur allmählich zu höheren nationalen Werten zu ziehen. J-Pop Festival in Moskau 2010

11 Hochentwickelte Infrastruktur Deutschlands ermöglicht mehrere Kulturaktivitäten, während man in Russland große Veranstaltungen vorwiegend in Moskau oder Sankt-Petersburg nur durchführen kann. Aus diesem Grund konzentriert sich ausländische Kulturdiplomatie in Russland in der Hauptstadt, manche regionale Veranstaltungen bleiben reizlos wegen ihres kleinen Ausmaßes. Frankfurter Buchmesse 2011

12 Kulturleben in Deutschland läuft viel schneller, als in russischen Regionen. Dadurch entsteht eine hohe Konkurrenz zwischen ausländischen Kulturinstituten selbst und zwischen staatlichen und kommerziellen Veranstaltungen. Starkes Interesse der deutschen Öffentlichkeit für eine kulturdiplomatische Aktivität ist ohne lange Werbung und Promis-Teilnahme kaum möglich.

13 Ausländische Kulturinstitute versuchen es, prominente Kulturträger zu ihrer Arbeit heranzuziehen. Klassische Kulturarte wie Oper, Balett usw. werden in Deutschland bis jetzt sehr gefragt, wodurch die italienische Kulturdiplomatie besonders profitiert. Aber auch hier braucht man weltbekannte Brands. Im Gegenteil zum Kalten Krieg benutzt man Sport als Kulturdiplomatie selten. Schriftsteller Umberto Eco in Frankfurt 2011

14 Im Gegenteil zu Deutschland trifft man in russischen Regionen noch einige Überreste ausländischer Entwicklungspolitik. Kulturbereich wird oft in Russland von der Regierung und Großunternehmen unterschätzt und finanziell mißachtet, so dass eine ausländische Entwicklungshilfe russische Kulturinstitutionen gerne akzeptieren. Deutsch-russisches Opernprojekt in Wladiwostok 2009

15 Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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