Besucherguides anschaffen: Kosten, Nutzen, Refinanzierung

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1 Besucherguides anschaffen: Kosten, Nutzen, Refinanzierung Fluxguide Ausstellungssysteme GmbH, Zinckgasse 20-22, 1150 Wien, T , E

2 Motivation In Zeiten schwindender Budgets stellen sich Museen und Aussteller vermehrt die Frage nach der Finanzierbarkeit ihrer Besucherservices. Eine oft kostenintensive Kostenposition stellt hierbei der Besucher-Guide dar. Egal ob als einfacher Audioguide, High-End Tablet-Lösung oder reine App: die Systeme kosten Geld. Nutzen Dieser Ratgeber hilft Ihnen, die Gesamtinvestition für Ihren Museums-Guide im Überblick zu haben, Kosten zu sparen, Stolpersteine frühzeitig zu erkennen und eine Strategie für eine nachhaltige Refinanzierung zu entwickeln. Zielgruppe Museums- & Ausstellungsplaner, Museumsverantwortliche, Direktoren, Kuratoren/Kurstoden, Kunstvermittler, Museums-Einkauf & Marketing 1/7

3 Investition: Total Cost of Ownership App vs. Guide: Sparen durch Smartphones? Bisher war die Anschaffung von physischen Guides, meist als reine Audioguides, obligatorisch. Durch die immense Verbreitung von Smartphones und Tablets steht die Möglichkeit im Raum auf eigene Guides ganz zu verzichten und statt dessen die Guides zu verwenden, die die Besucher so und so in der Tasche mit bringen. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Ausgabe- und Rückgabe-Logistik, keine Haftungsfragen, und natürlich wesentlich geringere Anschaffungs- und Betriebskosten. Noch dazu bieten heutige Smartphones weitaus mehr Funktionalität als die alten Audioguides, wie z.b. Bilder, Videos oder Interaktivität. Trotz dieser offensichtlichen Vorteile sollte klar sein, dass der vollständige Verzicht auf auszugebende Guides auch Nachteile mit sich bringt. Denn trotz grosser Verbreitung neuer mobiler Technologien, kann nicht angenommen werden, dass jeder Besucher ein kompatibles Gerät mit dabei hat oder verwenden möchte. Der teilweise höhere Besucher-Altersschnitt in einigen Museen verstärkt diese Problematik. Ausserdem wird sich beim Thema Refinanzierung schnell zeigen, dass Besucher durchaus bereit sind für Guides zu bezahlen, bei einem reinen App-Download die Schwelle jedoch wesentlich höher liegt. Hauptargument für Hardware bleibt jedoch das Ziel einer maximalen Inklusion von Menschen in Besucher-Services. Falls Sie trotzdem den Schritt in eine rein virtuelle Guiding-Lösung, also ohne physische Guides, machen möchten, sollte ein Augenmerk darauf gelegt werden, dass der Anbieter der Lösung Ihnen auch die Möglichkeit bietet, zu einem späteren Zeitpunkt - bei Bedarf - physische Guides nachzuliefern. Anzahl an Guides einsparen Auch wenn die meisten Museen auch heute noch auf physische Guides nicht ganz verzichten, so kann doch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Guides reduziert werden. Zumindest dann, wenn die angeschaffte Lösung auch als App auf Smartphones lauffähig ist. Denn dann kann davon ausgegangen werden, dass der eine oder andere Besucher mit Smartphone dann doch lieber eine App verwendet anstatt sich für einen Guide anzustellen. Insbesondere dann, wenn die App günstiger (oder gar gratis) ist (dies wird unten beim Thema Refinanzierung noch zu besprechen sein). Es ist empfehlenswert, eine Lösung zu finden die sowohl auf eigenen Guides läuft, als auch per App auf Smartphones der Besucher. Eventuelle Mehrausgaben, die durch die App-Veröffentlichung entstehen sind meist mit der niedrigeren Anzahl an Guides kompensiert. Ausserdem sollte die Anzahl der Guides Schritt-für-Schritt nach oben skalierbar sein. Dies ist effizienter, einfacher und günstiger als umgekehrt: klären Sie eventuelle Aufstockungen vor allem terminlich mit Ihrem Anbieter ab. Fazit: wenn auch auf Guides oft nicht ganz verzichtet werden kann, so kann durch eine App die Anzahl zumindest signifikant reduziert werden. Lösungen die sowohl Guides als auch Apps unterstützen sollten daher bevorzugt eingesetzt werden. Skalierbarkeit ist ebenfalls eine wichtige Eigenschaft Ihrer Lösung: denn eine Launch-And-Grow - Strategie ist meist ökonomischer als ein kostenintensiver Big-Bang mit ungewissem Ausgang. Kostenfaktor Zubehör Vergessen sie in Ihrer Kalkulation nicht, dass Guides immer mit Zubehör angeschafft werden: Kopfhörer, Umhängebänder ( Lanyards ), Hüllen, Ladestationen etc. Auch hier kann gespart werden. Zum Beispiel bei Kopfhörern: denn wo steht geschrieben, dass jede Tour aus Audios bestehen muss? Mini-Tablets und andere neuere Geräte ermöglichen inzwischen eine gestochen scharfe und gut lesbare Darstellung von Text, oder Bildergalerien. Ein anderer entscheidender Kostenpunkt beim Zubehör stellt die Ladestation dar, denn die Geräte müssen schliesslich irgendwo gelagert und vor allem (mit Strom) aufgeladen werden. Hier ist die Empfehlung, auf zukunftssichere Produkte zu setzen. Versuchen sie also reine Insellösungen zu vermeiden die Sie voll und ganz von einem Hersteller abhängig macht. Denn wer einmal eine teuere Ladestation von einem Anbieter kauft, findet sich später oft in der Zwangslage, neue Geräte nur mehr von diesem Anbieter beziehen zu können. Geschlossene vs. Offene Systeme Dies gilt auch für die Guides selbst: versuchen Sie Lösungen zu finden, die auf Geräten laufen, die mehr oder weniger frei verfügbar sind. Inzwischen befinden sich einige Anbieter am Markt, die Apple- oder Samsung-Geräte verwenden. Der grosse Vorteil besteht hier darin, dass solche 2/7

4 Geräte auch im Fall des Falles selbst angeschafft bzw. von einem anderen Anbieter übernommen werden können. Einige Lösungen basieren geradezu darauf, den Kunden in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen und von dort aus bei jedem Geräte- oder Inhalts-Update neue Kosten zu veranschlagen. Also: beurteilen Sie nicht nur unmittelbare Anschaffungspreise, sondern eben den Total-Cost-of- Ownership. Und hierzu zählen eben auch die unvermeidbaren Mehrkosten bei der Verwendung proprietärer Systeme. Um zur Ladestation zurückzukehren: auch hier gilt es, sich nach Universallösungen umzusehen. Viele Geräte lassen sich inzwischen über den Micro-USB-Standard aufladen: hat man eine Station die dieses Format unterstützt, kann ein Gerätewechsel ohne Modifikationen an der Ladestation durchgeführt werden, theoretisch sogar in einer Ladestation unterschiedliche Geräte verwendet werden. Doch auch für mobile Guides, die Micro-USB nicht unterstützen (derzeit alle Apple-Geräte), gibt es Aufladestationen, die mit keinen oder geringen Anpassungen mit neuen Geräten umgehen können. Zusammenfassend gilt: nicht nur die direkten Einkaufskosten, sondern immer auch Nachhaltigkeit in den Kriterienkatalog mit aufnehmen. Einige Anbieter kalkulieren Abhängigkeit mit ein, bei Hardware und auch beim Content (wie wir gleich unten sehen werden). Also kalkulieren auch Sie ganzheitlich um später keine Überraschungen zu erleben. Anpassung & Setup Viele Angebote beinhalten oft nur Materialkosten. Ein Guidingsystem besteht zu einem entscheidenden Teil jedoch auch aus Service & Dienstleistung. Die Anpassung des Systems an Ihren Standort sowie das Setup vor Ort sind hierbei die Hauptfaktoren. Bei der Anpassung geht es zunächst um die Hardware, hier vor allem um die Ladestation: die baulichen Gegebenheiten beim Ort der Ausgabe der Guides können oft sehr verschieden sein. Daher empfiehlt es sich, insbesondere bei vielen Guides, abzuklären inwieweit die Ladestation maßgeschneidert werden kann. Eine interessante Anpassungsmöglichkeit ist auch das Beschriften/Branden der Guides. Fragen Sie nach, ob auf dem Guide selbst oder am Umhängeband Ihr Logo und/oder das eines Sponsors angebracht werden kann. Dies verursacht oft nur geringfügige Mehrkosten, hat jedoch eine grosse Wirkung und kann bei der Refinanzierung unterstützen. Bei Multimedia-Systemen ist die Software auf den Guides entscheidend: gehen Sie auf Nummer sicher, dass Basis- Anpassungen ohne Aufpreis möglich sind. D.h. eigenes Logo unterbringen, Impressum, Vorstellung des Museums, usw. Auch oft nicht Teil eines ersten Angebots ist der Aufwand für den Aufbau Vorort. Lassen Sie sich von Ihrem Guiding- Partner nicht nur die Geräte liefern, sondern auch aufbauen und testen. Auch eine Einschulung des Personals inkl. Erklärung des Support-Ablaufs ( was tun bei Problemen? ) sollte hier gemacht werden. Letzteres kann kaufmännisch ganz gut durch die Zahlungskonditionen abgesichert werden: wenn Sie einen Teil der Zahlung erst Nach Aufbau und Einschulung Vorort deklarieren, sind Sie auf der sicheren Seite. Content Management Der beste Guide bringt nichts ohne gute Inhalte. Schliesslich will der Besucher vordergründig keine Technologie, sondern Content. Sei es Audio, Videos, Text, Bilder oder, bei avancierteren Systemen, interaktive Funktionen oder Social Web Anbindung. Hier gilt die Faustregel: die Inhalts- Hoheit bleibt beim Museum. Auch wenn ein Anbieter Content für Sie produziert, lassen Sie sich schriftlich alle Nutzungsrechte überschreiben und bestehen Sie darauf, den gesamten Content auch im Original (als digitale Mediendateien) zu erhalten. Erstens ist die Mehrfachverwendung von Inhalten oft nützlich (z.b. Videos auch für Social Media Kanäle zu nutzen), zweitens wird ein eventuell späterer Systemwechsel einfacher. Es sind Fälle bekannt, wo Inhalte so in den Guides abgespeichert werden, dass Sie ohne den Anbieter nicht an den Content kommen. Spätere Modifikationen oder gar die Migration der Inhalte in ein neues System sind dann oft mit Zusatzkosten verbunden. Dies bringt uns zu einem wichtigen Punkt: jedes heutige Guidingsystem sollte mit einem Redaktionssystem (CMS - Content Management System ) ausgeliefert werden. Dieses System sollte einfach und ohne technische Vorkenntnisse zu bedienen sein und den vollen Zugriff auf alle Inhalte und die Strukturierung der Touren zulassen. Dies ist deshalb entscheidend, weil Sie immer in der Lage sein sollten, Änderungen am Inhalt auch selbst durchführen zu können. Ansonsten drohen Mehrkosten bei Umstellungen oder Neuaufbau von Ausstellungen. 3/7

5 Content Development Kommen wir zum Inhalt selbst. Die didaktische Konzeption (welche Exponate beschreiben, welche Toursystematik, welche Inhaltstypen, welche thematische Klammer) sollte jedenfalls vom Kurator/Kunstvermittler oder vom Museumsplaner vorgenommen werden. Produktion und Übersetzung der Inhalte können dann durchaus ausgelagert werden. Hier liegt ein Kostenpunkt, der oft und gerne unterschätzt wird. Denn professionelle Audio- und Video- Produktionen können schnell ins Geld gehen. Ein Tip ist das Vergleichen mehrerer Anbieter. Vor allem kleinere Multimedia-Produktionsfirmen warten mit günstigen Angeboten bei sehr guter Qualität auf. Heutige Technologien haben Medienproduktion stark vereinfacht und vergünstigt; ausserdem kann defacto immer preislich verhandelt werden. Museen fallen für Medienagenturen prinzipiell in die Kategorie Prestige-Kunden, Abstriche bei der Marge werden also oft in Kauf genommen. Ein andere wichtige Überlegung beginnt noch davor: überlegen Sie gut, ob Medienproduktion in einer grossen Quantität überhaupt notwendig ist. Erfahrungsgemäß bestehen z.b. Audioguides in Museen zumeist aus zu vielen Audio- Stops. Untersuchungen zeigen, dass spätestens nach Audiospuren kognitiv meist Schluss ist. Die restlichen 30 Stops werden dann vom Besucher übersprungen. Da können dann auch einmal 3/4 der investierten Ressourcen ins Leere greifen. Also lieber weniger Stops definieren, dann dort aber dem Besucher wirklich einen Mehrwert bieten. Vorhin wurde bereits erwähnt, dass gerade aktuelle Multimedia-Guides (z.b. Mini-Tablets wie das ipad Mini oder Google Nexus 7) die Möglichkeit bieten, auch Textinhalte optimal zu präsentieren. Kombiniert mit einer Lexikon- Funktion (mehr Informationen zu einem Begriff, wenn darauf getippt wird) und zusätzlichem Bildmaterial kann auch ein exzellenter Vermittlungs-Effekt erzielt werden, ganz ohne Audios. Dadurch sparen Sie dann nicht nur bei Kopfhörern und Kabel, sondern eben auch bei teureren Multimedia-Produktionen. Doch neue mobile Guiding-Lösungen bieten noch mehr: durch sinnvolle Partizipationsfunktionen, Quizze oder Favoritenlisten-Features kann die Vermittlungsarbeit auch einen Schritt weg von aufwändigen Inhaltsproduktionen gehen. Denn wer den Schwenk von passiver Informationsübermittlung hin zu aktiver Partizipation wagt, bietet dem Besucher nicht nur ein neues Erlebnis sondern spart auch bei Content-Development-Kosten. Wenn Ihr Guide etwa in der Lage ist, den Besucher Fragestellungen zu den Exponaten lösen zu lassen, kann dies Kosten sparen: denn es kommt garantiert günstiger, die Kunstvermittlung einige kreative Fragen zu Schlüsselexponaten überlegen und formulieren zu lassen, als eine teuere Audioproduktion auszurollen. Natürlich sind die Anforderungen von Ausstellung zu Ausstellung, von Museum zu Museum unterschiedlich. Und auf klassische Audiovermittlung kann freilich nicht immer verzichtet werden. Aber es lohnt immer ein Blick über den Tellerrand hinaus. Interaktion und Partizipation mittels mobiler Technologien findet langsam aber sicher Eingang in Museen. Verschlafen Sie diese Entwicklung nicht. Wartung & Support Wie alle Serviceeinrichtungen, generieren Guiding-Systeme auch Betriebskosten. Die Erstinvestition ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Eine Grundsatzentscheidung ist die Frage, ob für die Ausgabe von Guides zusätzliches Personal angeschafft werden muss. Bei wenigen Guides kann Ausgabe und Rücknahme auch vom Kassa- oder Garderoben-Personal übernommen werden. Je mehr Guides (und Ausleihen) dazukommen umso schwieriger wird es. Schon bald hat eine solche Zusatzbelastung den Effekt, dass andere Besucher-Workflows - wie Ticketverkauf oder Garderoben-Abfertigung - beeinträchtigt werden. Beim Thema Refinanzierung wird dies unten eine Rolle spielen, da zusätzliche Mitarbeiter zwar Kosten verursachen, aber durch das bessere Angebot auch mehr Einnahmen generieren können. Ein anderes Thema ist die Wartung des Systems: bei Hardware- oder Software-Problemen solle der Anbieter des Systems schnell erreichbar sein. Lassen Sie sich beim Kauf SLAs (Service-Level-Agreements) garantieren. Das sind, im wesentlichen, Vereinbarungen über zeitliche Verfügbarkeit von Support, Reaktionszeiten und eventuelle Vorort-Services zu einem definierten monatlichen Pauschalbetrag. Bei Problemen sollten Museums-Mitarbeiter schnell ein Helpdesk-Ticket schreiben oder ein Support- Telefon des Anbieters erreichen können. Ein Guiding System ist also kein Sell-and-Run Produkt. Es bedarf einer periodischen Wartung und ein gut erreichbarer Support. Insbesondere bei neueren Multimedia-Systemen mit Smartphone-Version sind Software-Upgrades 4/7

6 und das ständige Up-To-Date-Halten vom Anbieter sehr wichtig. Refinanzierung: Return on Investment Bei der Frage, wo das Geld herkommen soll, scheiden sich die Geister. Das eine Lager sagt, Kosten für Guiding sollen zu 100% aus dem regulären Budget genommen werden. Immerhin sei ein guter Guide für Individualbesucher ein notwendiger Service, der in der Eintrittskarte inkludiert sein muss. Das andere Lager meint, ein Guide muss sich selbst zu 100% finanzieren. Jeder Euro der hineingesteckt wird muss durch direkte Einnahmen wieder hereinkommen. Die Wahrheit liegt, wie immer, irgendwo dazwischen. Es gibt einige Möglichkeiten der zusätzlichen Finanzierung, doch es sollte nicht damit gerechnet werden, dass ein Guide das Budget völlig unangetastet lässt. Wie ist also eine (Teil-)Refinanzierung möglich? Ausleihgebühr Zunächst einmal durch eine Ausleihgebühr bei der Ausgabe physischer Guides. Die absolute Höhe dieser Ausleihgebühr werden wir hier nicht im Detail diskutieren. Bedenken Sie jedoch, dass für den Besucher der Gesamtpreis entscheidend ist, also Eintrittspreis plus Ausleihgebühr. Gestalten Sie Ihr Pricing also in den verschiedenen Kategorien (normal, ermäßigt, Gruppen) so, dass auch der Preis inklusive Guide-Ausleihgebühr psychologische Grenzen nicht überschreitet. Point of Sale : Die Ausgabestation Wichtig für die erfolgreiche Vermietung des Guides ist auch die Ausgabestation. Es handelt sich hier um einen zusätzlichen Point-of-Sale. Bedenken Sie, dass die meisten Besucher beim Hereinkommen die Kaufentscheidung für ein Ticket zwar bereits getroffen haben, für den Guide jedoch noch nicht. Und wie bei allen Kaufentscheidungen ist der Erfolg dann am größten wenn die AIDA stimmt: Attention - Interest - Desire - Action. Aufmerksamkeit ( Attention ) und Interesse ( Interest ) erzeugen Sie nur dann, wenn der Guide überhaupt sichtbar ist. Der Ausgabeort darf also nicht versteckt im hintersten Winkel der Garderobe platziert sein. Befindet sich die Ausgabe bei der Kassa, dann muss klar ersichtlich sein, dass ein Guide als Upsale verfügbar ist. Oft reicht es, einen Muster-Guide gut sichtbar auszulegen. Auch Hinweisschilder oder Plakatständer machen sich bezahlt. Das Kassapersonal trägt ebenfalls entscheidend zum Erfolg bei: machen Sie den Kollegen klar, dass hier letztlich Verkaufsgespräche (wenn auch in minimaler Form) geführt werden. Die proaktive Frage nach einem Guide sollte immer gestellt werden. Sichtbarkeit alleine reicht freilich nicht aus, denn immerhin muss ein Besucher auch ein Bedürfnis ( Desire ) und einen Nutzen in dem Angebot sehen. Um beim Kassapersonal zu bleiben: Trainieren Sie hier 1-2 Sätze ein, die beim Ticketkauf mitkommuniziert werden. Nicht nur die Existenz des Guides, sondern auch den direkten Nutzen für den Besucher muss erkannt werden. Die Message die ankommen sollte ist, dass ein Zusatznutzen geboten wird, der ohne Guide nicht konsumiert werden kann. Ein Added-Value, der den Besuch noch spannender macht, ohne den man sozusagen etwas verpasst. Das ist kein blosser Verkaufs- Trick, sondern erfüllt die Erwartung an moderne Museen: also auch Individualbesuchern nicht nur hochkarätige Themen und Exponate auszustellen, sondern auch exzellente Vermittlung anbieten. Und Infos, Erklärungen & eine persönliche Tour durch die Ausstellung werten den Besuch auf. Haben Sie einen Multimedia-Guide, dann verweisen Sie auf zusätzliches Bildmaterial, Videos oder Interaktivität. Sprechen Sie fremdsprachige Besucher, meist Touristen, direkt darauf an, dass der Guide Ihnen eine Führung in Ihrer Muttersprache bietet (natürlich nur dann, wenn Ihr Guide die entsprechende Sprache auch wirklich enthält). Doch selbst wenn der Besucher vom Nutzen überzeugt wurde, ist der Guide noch nicht verliehen. Stellen Sie dem Besucher nicht in letzter Sekunde noch Stolpersteine in den Weg. Die tatsächliche Kaufentscheidung ( Action ) kommt viel eher zustande, wenn der Guide schnell und einfach zur Verfügung steht. Wenn in der Schlange zur Kassa die Besucher sehen, dass der Kassier erst ins Hinterzimmer gehen muss oder komplizierte Zusatztickets, etc. erstellen muss, sinkt die Motivation. Versuchen Sie, einige ready-to-go Guides zur Hand zu haben, die das Ausgabepersonal dem Besucher gleich übergeben kann. Vor allem bei ästhetisch und qualitativ wertvollen Guides gilt: liegt der Guide vor der Nase, ist die Kaufentscheidung schnell getroffen. Verfügen Sie über eine eigene Ausgabe- 5/7

7 station, sollte das dortige Personal den Besucher immer schon mit Guides in der Hand begrüssen. Hier dockt auch die generelle Frage an, ob überhaupt eine separate Ausgabestation eingerichtet wird oder ob stattdessen das Kassapersonal dafür verantwortlich sein soll. Auch wenn dies nicht universell beantwortet werden kann: fest steht, dass ab einer gewissen Anzahl an Guides der Aufwand für das Kassapersonal nicht mehr bewältigbar ist. Ein anderes Argument für eine eigene Station ist ökonomischer Natur: denn über einen expliziten Ausgabeort mit eigenem Personal werden in der Regel viel höhere Absatzraten generiert. Das heisst, die Mehrkosten für eine aufwendigere Ausgabe-Logistik können durch Mehreinnahmen kompensiert werden. Vorteilhaftes Product-Placement und motiviertes Personal können letztlich dazu führen, eine optimale Teil-Refinanzierung zu erwirtschaften. Apps: Gratis oder Umsonst? Die Möglichkeit den Museumsguide auf das Smartphone des Besucher auszulagern stellt auch das Thema der Refinanzierung vor neuen Fragen. Soll eine App überhaupt bepreist werden? Immerhin bekommt der Besucher kein Gerät. Auch der Aufwand für das Museum ist (im laufenden Betrieb) minimal, zumindest im Vergleich mit dem Aufwand für die Gesamtlogistik physischer Guides. Und die Bereitschaft, für reine Inhalte extra zu bezahlen, ist sehr gering. Dies hat die Erfahrung der letzten Jahre aus Musik- und Filmindustrie deutlich gezeigt. Und man kann natürlich auch im Museumsbereich sehen, dass Gratis-Guiding- Apps viel höhere Downloadzahlen erreichen als kostenpflichtige. Auf der anderen Seite ist die Produktion eines Guides mit vielen Investitionen verbunden, wie wir oben sehen konnten. Es wundert daher nicht, dass viele Museen Ihre Guiding-Apps bepreisen. Es hat sich hier noch kein klarer Trend herauskristallisiert. Einige Museen verlangen, über Appstores, einen Preis für den Download des Guides auf das eigene Smartphone (das Louvre etwa verlangt dafür EUR 1,79). Andere bieten den Download ohne Zusatzkosten an, verstehen ihn also als Service im Rahmen des Eintrittspreises. Wir werden an dieser Stelle einige Pro- und Contra-Faktoren diskutieren, sowie Tips im Umgang mit Apps geben, die Sie in Ihrem Entscheidungsprozess berücksichtigen können. Zunächst muss die ganze Fragestellung - ob und wie eine App bepreist werden soll - von der Kostenseite aus gesehen werden: denn eine App verursacht, im Vergleich zu physischen Guides, defacto keine laufenden Kosten. Wenn Sie ein hybrides System ausrollen, d.h. physische Guides verteilen und eine App anbieten, würde es sich also anbieten die Refinanzierung über eine Ausleihgebühr abzudecken und die App kostenfrei anzubieten. Im Idealfall führt das zur Verringerung der Anzahl an physischen Guides. Dadurch hätte die Gratis-App zwar keine direkten Einnahmen generiert, jedoch Ihre Kosten (Anschaffung weniger physischer Guides) gesenkt und somit einen Beitrag zur indirekten Refinanzierung geleistet. Wollen Sie Ihre App trotzdem mit einem Preis versehen, stellen Sie im Product-Placement vor allem die Preisdifferenz zur den physischen Guides in den Mittelpunkt. Dadurch hat der Besucher das (berechtigte) Gefühl, Geld gespart zu haben, weil er/sie eben clever genug war, das eigene Smartphone zu verwenden. Hier könnte eine optimale Performance aus Sicht der Refinanzierung geschaffen werden: denn wenn auch eine kostenpflichtige Guiding- App den Bedarf an physische Guides reduziert, hätten Sie direkte und indirekte Einnahmen über die App. Die Erwartungen sollten hier jedoch nicht allzu hoch geschraubt sein. Selbst wenn der App-Preis bei einem Bruchteil des physischen Guides liegt: die Schwelle, für blosse Software und Inhalte zu bezahlen, ist noch immer sehr hoch. Daher sollte bei Hybrid-Systemen die App eher kostenfrei angeboten werden. Ein weiteres Argument dafür ist, dass Sie Anbieter finden können, die Ihnen sowohl die App als auch physische Guides anbieten - auf beiden läuft das selbe System mit den selben Funktionen und den selben Inhalten. Dadurch entstehen faktisch keine Zusatzkosten für die App selbst. Sie ist gewissermassen ein Nebenprodukt des Guiding-Projekts. Sollten Sie gar keine physischen Guides anschaffen und Ihren Guide als eine reine App anbieten, stellt sich natürlich trotzdem die Frage der Refinanzierung, auch wenn eben nicht so drastisch wie bei physischen Systemen mit ihren höheren Anschaffungs- und Betriebskosten. Hier sollte der Preis am Markt orientiert sein (siehe oben). Blättern Sie durch die wichtigsten Appstores (Apple itunes Appstore und Google Play Store) und schauen Sie nach, wie hoch die aktuellen Preise sind. Auch hier denken Sie daran, dass der Besucher Eintritts- und Guidingpreis zusammenzählt. Versuchen Sie deshalb auf eine psychologisch sinnvolle Gesamtsumme zu kommen. Bedenken Sie hier, genauso 6/7

8 wie bei Hybrid-Systemen: ein Preis der einmal festgesetzt ist, kann und sollte später nicht erhöht werden. Sponsoren Ein letztes Mittel zur Teil-Refinanzierung ist das Kommunizieren von Sponsoren. Dies kann zunächst physisch auf den Guides selber gemacht werden. Hierfür bieten sich Umhängebänder oder die die Hülle an. Umhängebänder ( Lanyards ) lassen sich heute bei fast jedem Anbieter mit einem Individualdruck versehen. Auch die Hüllen der Geräte können heute, durch Technologien wie Lasercutting, höchst elegant graviert werden. Andererseits können bei multimedialen Guides auf der Bedieneroberfläche Sponsoren untergebracht werden. So kann zum Beispiel ein Sponsor-Logo auf dem Startbildschirm oder im Hauptmenü erscheinen. Auch könnten Sponsoren eigene Stops im Rahmen der Tour erhalten. Wie auch immer Sponsoring untergebracht wird: wenn Sie über ein innovatives und modernes System verfügen, dann überzeugen Sie den Sponsor davon, dass auch seine Marke als innovative und moderne präsentiert wird. Über den Autor Dr. Kasra Seirafi ist Mitbegründer & Geschäftsführer der Fluxguide Ausstellungssysteme GmbH. Kontakt: Über Fluxguide Fluxguide ist die fortschrittlichste Guiding-Lösung für Museen & Ausstellungen. Mit Sitz in Wien unterstützt Fluxguide Kunden weltweit in der Umsetzung neuer & mobiler Technologien für Kunst-, Kultur-, und Wissensvermittlung. 7/7

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