HAGEL AKTUELL JOURNAL

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1 November 2008 HAGEL AKTUELL JOURNAL MITGLIEDERINFORMATIONEN Die VH als Spezialversicherer europaweit erfolgreich: der Gegenseitigkeitsgedanke trägt h. dietrich habbe INHALT 2 Politik diskutiert, Wirtschaft handelt: ein Kommentar 9 Betriebsreportagen in NRW 3 Wohin steuern die Preise? 10 Schwerste Schäden im Weinbau: ein Interview 5 Witterungsreport Länderreports: Dänemark, Italien und Litauen 7 Zeitig deklarieren, bevor es zum Engpass kommt 15 RapidEye - Satelliten erfolgreich gestartet 8 Secufarm -Produktlinie als Eintritt in die MGV 16 Landwirtschaftsfest in München

2 Europa wächst zusammen - ein Kommentar von Dr. Rainer Langner Politik diskutiert, Wirtschaft handelt Glück und Leid liegen oft nah beieinander heißt es das gilt auch für die letzte Ernte, mit der sich die Einen zufrieden zeigen, die Anderen nicht. Dennoch insgesamt verlief sie für viele erfreulich. Die Getreide- und Ölsaatenproduktion hat sich innerhalb der Europäischen Union erheblich erhöht: Sowohl die Hektarerträge als auch die Anbauflächen sind gestiegen. Allerdings können sich nicht alle über höhere Erträge freuen. Zahlreiche Landwirte sind enttäuscht, weil ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Im Norden und Nordosten waren Trockenschäden zu beklagen, im Westen und Südwesten wüteten Hagel, Sturm und Starkregen. Auch zahlreiche Hopfenbauer bekamen in diesem Jahr deutlich ihre Abhängigkeit vom Wetter zu spüren. Sie erlitten nicht nur Schäden durch Hagelschläge, sondern auch Totalverluste durch Sturm und das in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. landwirtschaftliche Produkte nachgefragt werden, umso intensiver wird produziert. Das verursacht zwangsläufig höhere Kosten und erhöht im Schadenfall das Ausfallrisiko. Diversifizierungslösungen stehen dabei einer Kostenminimierung durch Spezialisierung entgegen. Egal, wofür man sich entscheidet, auf Dauer wird eine Planungs- und Investitionssicherheit nur gegeben sein, wenn sie von einem maßgeschneiderten Versicherungsschutz mit umfassender Deckung für den Einzelbetrieb begleitet wird. Die Vereinigte Hagel sieht sich für diese Herausforderungen gut gerüstet und wird ihren Mitgliedern weiterhin ein verlässlicher Partner sein. Bezirksvereine bald auch in Nachbarländern Mit der Osterweiterung des EU-Binnenmarktes eröffneten sich für die Vereinigte Hagel neue Geschäftsregionen. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mit langer Tradition genießt sie inzwischen europaweit eine herausragende Stellung als Spezialversicherer für Landwirtschaft, Obst-, Wein- und Gemüsebau. Die Versicherten sind zugleich Mitglieder des Versicherungsvereins. Sie haben in dieser Funktion die Möglichkeit, direkt an der Unternehmensentwicklung mitzuwirken. Neben der klaren Transparenz gegenüber den Mitgliedern bilden die starke Konkurrenzfähigkeit und die langfristige Planung die Voraussetzungen, um den Mitgliedern qualitätsvolle Leistungen zum günstigsten Preis anzubieten. Während eine Aktiengesellschaft Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten muss, kann ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit Finanzinvestitionen auf eine langfristige Unternehmensstrategie ausrichten und die Interessen seines treuen Mitgliederstammes dauerhaft wahren. Nachfrage nach Absicherung steigt Unsere Eigentümer sind unsere Mitglieder Bei steigenden Umsätzen und Kosten pro Hektar fallen diese Verluste deutlich stärker ins Gewicht. Darauf reagieren immer mehr Landwirte. Sie wollen sich gegen Ernteausfälle absichern, die nicht mehr kalkulierbar sind. Dank des stetigen und intensiven Dialogs mit unseren Mitgliedern haben wir bereits frühzeitig machbare Versicherungslösungen erarbeiten können, um den Betrieben in ihrem aktiven Risikomanagement die größtmögliche Unterstützung zu geben. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Bedarf weiter steigen wird, vor allem, so lange die Hektarumsätze steigen. In ihren Vorschlägen zum Health Check hat die Europäische Union Optionen entwickelt, wie über Versicherungslösungen Vorsorge in der Produktion betrieben werden könnte. Höheres Risiko braucht maßgeschneiderte Deckungen Auch unabhängig von den Entscheidungen zum Health Check wird das Vorsorgethema an Bedeutung gewinnen, denn je stärker Die Gegenseitigkeitsidee hat sich über fast zwei Jahrhunderte hinweg bewährt. Unser Versicherungsverein ist ebenso stabil, traditionsbewusst und auf alten Werten beruhend wie innovativ, modern und zukunftssicher eben eine starke Gemeinschaft! Unser Versicherungsverein unterliegt der Kontrolle und dem Einfluss unserer Eigentümer, also unserer Versicherten. Sie zufrieden zu stellen und ihnen bestmöglichen Service und bestmögliche Produkte zu annehmbaren Preisen zu ermöglichen, bleibt unser Ziel. Wir leben die Solidargemeinschaft, für die einer für alle, alle für einen gilt. Diese Philosophie auf Gegenseitigkeit hat die Vereinigte Hagel stark und leistungsfähig gemacht, hierin wollen wir auch unsere Versicherten in den Nachbarländern einbinden. In Litauen und Italien möchten wir in Kürze Bezirksvereine nach deutschem Muster gründen. Damit auch dort eingehend informiert und Mitbestimmung gelebt werden kann, indem Delegierte für die Mitgliedervertreterversammlung gewählt werden, die die Geschicke ihres Unternehmens zum Wohl aller anleiten.

3 Getreide- und Rapsmarkt: Wohin steuern die Preise? Nach ihrem Höhenflug 2007 und im Frühjahr 2008 haben die Getreide- und Ölsaatenpreise wieder spürbar nachgegeben. Die Aussicht auf eine erneut hohe Weltgetreideernte, die spürbare Abkühlung der Weltkonjunktur und die fallenden Rohölpreise haben ihre Kurse an internationalen Börsenplätzen ins Rutschen gebracht: Der Weizenpreis fiel um 70 EUR auf 180 EUR/t, der Rapspreis gab von 450 EUR/t auf 380 EUR/t nach. Wie geht es jetzt weiter? Moderater Anstieg der niedrigen Weltgetreidevorräte Die Weltvorräte für Getreide und Ölsaaten fielen zur neuen Ernte auf ihre historischen Niedrigststände unter den kritischen Wert von 15 % des Jahresverbrauchs. Weltweit intensivierte sich der Anbau kräftig mit deutlich höheren Erträgen. Dürrebedingte Einbußen gab es nur in Argentinien, im Iran und weniger stark ausgeprägt auch im nördlichen Mitteleuropa. Im Mittleren Westen der USA kam es durch Hochwasser zu hohen Ernteschäden. Noch unklar ist die Lage in Argentinien, wo die Sojabohnen- und Weizenerträge aufgrund der Trockenheit noch kräftig sinken können. Sollten sich jedoch die sehr hoch veranschlagten Ernten auf der südlichen Halbkugel bis zum Jahreswechsel bestätigen, steht zum zweiten Mal in Folge eine Rekordernte mit rund 1,763 Mrd. t ins Haus. Gleichzeitig soll der Getreideverbrauch auf einen neuen Höchststand von 1,745 Mrd. t klettern, gut 57 Mio. t höher als ein Jahr zuvor. Weltrekordernte bei Weizen Die riesige Weizenernte von 676 Mio. t hat mit einem Plus von fast 11 % gegenüber 2007/08 überrascht. Offenbar haben die hohen Preise den Weizenanbau weltweit so beflügelt, dass bei gleichzeitig gestiegener Produktivität der Anbau um 7 Mio. ha zunahm. Während in den USA rund 11 Mio. t mehr Weizen geerntet wurden, verbuchte die EU-27 nach der Missernte des Vorjahres ein Plus von 24 Mio. t Weizen. Ebenso wird Australien zum Jahreswechsel wieder eine normale Weizenernte einfahren, nachdem im Vorjahr eine schwere Dürre die Ernte halbierte. Demgegenüber soll der weltweite Weizenverbrauch um 5,4 % auf 654 Mio. t steigen. Rechnerisch ergäbe sich dadurch ein Weizenüberschuss von 22 Mio. t, der die Lagervorräte auf 140 Mio. t ansteigen ließe. Es sei denn, die Weizenernten auf der Südhalbkugel fielen bis zum Jahreswechsel wegen Trockenheit geringer aus. Insofern dürften sich die Weizenpreise zwischen 150 und 210 EUR/t bewegen. Defizitäre Versorgung bei Mais Der Maisanbau wurde in den USA, dem weltgrößten Maisproduzenten, wegen lukrativer Weizen- und Sojapreise stark eingeschränkt. Zudem vernichtete das Mississippi-Hochwasser große Maisbestände. Dem stehen zwar deutlich höhere Ernten in Europa gegenüber dennoch bleibt die Versorgung defizitär. Mit voraussichtlich 783 Mio. t wird die weltweite Maisernte das Vorjahresergebnis um 7 Mio. t unterschreiten bei gleichzeitigem rasantem Verbrauchsanstieg von geschätzten 800 Mio. t, einem neuen Rekordwert. Angesichts der Marktlage sollte sich der Maispreis in festeren Bahnen um 160 und 180 EUR/t bewegen. Ursache dieser Entwicklung war die um 40 % gestiegene Ethanolverarbeitung in den USA, die in der laufenden Saison mehr als 104 Mio. t Mais, d.h. ein Drittel der US-Maiserzeugung, verschlungen hat. Weltweit wird eine Ethanolerzeugung von 121 Mio. t prognostiziert, d.h. ein Plus um 20 % trotz gesunkener Rohölpreise auf unter 90 US-$ im Herbst Damit gewinnt die Verflechtung von Energieund Agrarmärkten immer mehr an Bedeutung. Steigende Erdöl- und Erdgaspreise treiben die zur Herstellung von Bioethanol herangezogenen Rohstoffpflanzen zu 97 % Mais in die Höhe und umgekehrt. Bestandsaufbau bei Gerste, Ölsaatenernte und Verbrauch relativ ausgeglichen Trotz geringerer Anbaufläche weltweit wird die Gerstenernte um fast 12 % auf 149 Mio. t ansteigen. Dem steht ein voraussichtlicher Verbrauch von 142 Mio. t gegenüber, was die globalen Lagerreserven auf 21 % steigen und nahezu wieder den langjährigen Durchschnittswert erreichen ließe. Weizen, Gerste und Mais sind im bestimmten Rahmen austauschbar: Wird mehr Mais zu Ethanol verarbeitet, müssen Weizen und Gerste diese Lücke schließen, was nicht ohne Einfluss auf die

4 4 Futtergerstennachfrage und die Entwicklung der Nutztierbestände bliebe. Preislich dürfte sich Futtergerste in etwa dem Futterweizen anpassen. Die Ölsaatenproduktion legte 7 % gegenüber dem Vorjahr auf 418 Mio. t zu. Die Sojabohnenernte wird mit einem Plus von 9 % eine neue Rekordhöhe von 238 Mio. t erreichen. Argentinien hat die Sojaflächen erheblich ausgedehnt und wird bei ausreichenden Niederschlägen eine riesige Sojabohnenernte von über 50 Mio. t einfahren. Die globale Rapsernte soll mit über 53 Mio. t sogar um 11 % steigen. Dem steht allerdings eine um mehr als 4 % höhere Nachfrage nach pflanzlichen Ölen entgegen. Damit wird sich die Lage am Ölsaatenmarkt kaum entspannen. Insofern ist ein Rapspreisniveau um 370 bis 420 EUR/t realistisch. EU-Rekordernte von fast 300 Mio. t Getreide Die günstigen Witterungsbedingungen vor allem in Südeuropa führten zu einem hervorragenden Ernteergebnis. Besonders die Länder in der Schwarzmeerregion profitierten von den reichlichen Niederschlägen und verdoppelten ihre Ernten zum Vorjahr. Mit fast 297 Mio. t Getreide wurden in der EU-27 gut 42 Mio. t (plus 16 %) mehr Getreide geerntet als im Vorjahr. Die höchsten Erntezuwächse in der EU verbuchte der Weizen mit 24 Mio. t bzw. 21 % mehr als im Vorjahr, gefolgt von Mais mit einem Plus von knapp 10 Mio. t bzw. 20 %. Auch die Ernte von Roggen fiel mit 8,6 Mio. t um über 13 % höher aus, die von Gerste mit knapp 63 Mio. t um 9 %. In Deutschland dürfte mit vorläufig 49,9 Mio. t Getreide das nach 2004 zweithöchste Ernteergebnis erzielt worden sein. Obwohl die Ölsaatenfläche in der EU leicht eingeschränkt wurde, übertrifft die Ernte das Ergebnis vom Vorjahr mit 26,4 Mio. t um gut 10 %. In Deutschland fiel die Rapsernte mit 5,4 Mio. t nahezu gleich hoch aus wie im Vorjahr. Konjunkturelle Abkühlung kann schnell ins Gegenteil umschlagen Die Getreide- und Rapspreise haben zwar spürbar nachgegeben, werden aber keineswegs auf das niedrige Niveau vor der Hausse absinken. Dafür sorgen die enge Versorgungssituation auf dem Weltmarkt für Mais und der nur moderate Wiederaufbau der Getreidebestände insgesamt. Auch 2009 müssen weltweit gute Ernten eingebracht werden, um die Versorgungssituation nachhaltig zu stabilisieren. Bei den Ölsaaten ist die Versorgung gesichert, es sei denn, völlig andersartige Konzepte zur Deckung des Energiebedarfs machten ihren Einsatz notwendig. Die gesamte Preisentwicklung ist nicht nur Folge der hohen Welterntemengen, sondern auch der deutlichen Abschwächung der Weltkonjunkturlage. Sollten sich die Rohstoffe verteuern, kann sich die Preissituation schlagartig ändern. Die Erzeuger müssen sich auf stärkere jahreszeitliche Preisschwankungen einstellen, was ebenso Chancen wie Risiken beinhaltet. Volker Lindloff Quelle: ZMP

5 5 Witterungsreport 2008 Nass und verhagelt im Westen, viel zu trocken im Nordosten Das Jahr 2008 bot im Wesentlichen eine Zweiteilung der Witterungsverläufe zwischen dem Nordosten und Westen Deutschlands. Während der Nordosten ab Mai kaum mehr Niederschläge und viele Sonnenstunden verzeichnete, bekam der Westen reichliche Starkregenfälle mit verbreitet kühlnasser Witterung ab. Von Ende Mai bis Mitte August tobten über Deutschland teils gewaltige Gewittercluster, die in der Unwetterserie Ende Mai ihren Höhepunkt fanden. Nach einem milden und zugleich stürmischen Winter folgte ein wechselhaft mildes und nasskühles Frühjahr. Insgesamt 17 Sturmtiefs verzeichnete das Jahr 2008 bis Ende März, angefangen mit Birgitta am 5./6. Januar bis hin zu Johanna am 10./11. März. Zu den extremen Sturmereignissen zählten die Orkane Annette am 22./23. Februar und Emma am 29. Februar bzw. 2. März mit Böengeschwindigkeiten von bis zu 220 km/h. In vielen Teilen Deutschlands kam es zu Windbruchschäden. Der Sturm richtete bei Gebäuden und Gartenbaubetrieben massive Schäden an. Das erste Quartal war in weiten Teilen Deutschlands niederschlagsreicher als im Vorjahr. Im Januar fiel im Norden Deutschlands weit mehr Niederschlag, der insbesondere im Raum Hannover und Magdeburg bis zum Doppelten, im Raum Berlin und Oderbruch bis zum Dreifachen der längjährig üblichen Niederschlagsmenge reichte. Anhaltende Niederschläge führten denn auch in der dritten Januarwoche zu Überschwemmungen in Teilen von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Der Februar war dagegen extrem mild und sonnenreich - daraus resultierte ein Vegetationsvorsprung von gut vier Wochen. Im März dominierten erneut atlantische Tiefdruckgebiete das Wettergeschehen. Die Tiefdruckausläufer brachten fast täglich neue Niederschläge und führten in der ersten Märzhälfte mit teils heftigen Stürmen überwiegend milde, in der zweiten Monatshälfte aber kalte Luft heran. Die erreichte ausgerechnet zu Ostern ihren Kältehöhepunkt und bescherte einen gehörigen Wintereinbruch. Der Vegetationsvorsprung verkürzte sich durch die Kälteperiode auf wenige Tage. Der Mai war durch steigende Temperaturen und starke Niederschlagsarmut im gesamten Norden gekennzeichnet. Im Nordosten beeinträchtigte die stark negative Wasserbilanz frühzeitig die Entwicklung der Feldbestände. Im Westen und Südwesten kam es dagegen zu beträchtlichen Niederschlägen. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die zunehmenden Temperaturen verstärkten die Gewitteraktivität und Sturmhäufigkeit erheblich. Schadensbilanz 2008 Sturmhagelfront über dem Südwesten Deutschlands Ende Mai kam es zur schwersten Unwetterfolge des Jahres Vom 28. bis 31. Mai überquerte eine Serie von gewaltigen Gewitterclustern mit Sturm, Starkregen und Hagel den Südwesten Deutschlands in nordwestlicher Richtung mit sintflutartigen Regenfällen von 30 bis 100l/m², orkanartigen Böen mit über 100 km/h sowie zu Hagelschlag mit bis zu Tennisball großen Hagelschlossen. Im Juni nahezu täglich Hagelschäden Der Juni blieb weit niederschlagsärmer als im Mittel der Jahre; im Norden fielen nur 60% der üblichen Niederschlagsmenge, während die Gebiete südlich der Donau mit Niederschlägen reichlich versorgt waren. Am 7. bis 11. Juni kam es verbreitet in Baden- Württemberg zu schwersten Schäden; am 22. Juni und 23. Juni wurde der gesamte Westen von Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen bis Niedersachsen von einem Hagelzug heimgesucht. Baden-Württemberg verzeichnete am 23. Juni mit über Schäden das zweitschwerste Schadenereignis des Jahres. Am 2. Juli führten die Hagelschläge an der mittleren Mosel teils zur völligen Entlaubung von Rebstöcken. Beim Schadenereignis vom 10./11. Juli wurden auch die Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen und Bayern vom Hagel getroffen. Überdurchschnittliche Temperaturen Die Temperaturen lagen um 1,5 C über dem Durchschnitt; die teils krassen Temperaturunterschiede zwischen dem Südwesten und Nordosten erhöhten die Neigung zur Gewitterbildung.

6 6 Vereinigte Hagel erzielt wiederum bestes Geschäftsergebnis seit Bestehen Extremer Hagelschlag mit sintflutartigen Regenfällen Ende Juli Ende Juli wüteten erneut extreme Unwetter im Südwesten Deutschlands. In Nordrheinwestfalen fiel am 26. Juli allein in Dortmund bei einem vierstündigen Unwetter die unvorstellbare Niederschlagmenge von 203 mm. Verhagelte Westküste Am 7. August wurde die Westküste Schleswig- Holsteins von schweren Sturmböen von mehr als 110 km/h, sintflutartigen Regenfällen von bis zu 100 l/m² und bis zu taubeneiergroßen Hagelkörnern heimgesucht. Auch in Südthüringen kam es zu beträchtlichen Schäden. Orkanartige Böen bis 110 km/h fegten vom 7. bis zum 8. August über den Bodensee. Die weltweit gute Preissituation und Absatzlage für Raps und Getreide wird der Vereinigten Hagel wiederum ein außerordentlich gutes Geschäftsjahr bescheren. Unter dem Eindruck der verbesserten Rahmenbedingungen vor allem hinsichtlich der Preissituation im Frühjahr haben die Landwirte mit einer deutlichen Erhöhung der Hektarwerte für Getreide, Olfrüchte und Mais reagiert. Mit ha neu versicherter Fläche lag das Neugeschäft allein in Deutschland stark über dem Durchschnitt. Die versicherte Fläche stieg europaweit deutlich um 6,0 Prozent, die Versicherungssumme um knapp 34,1 Prozent und das Beitragsvolumen erhöhte sich um 30,0 Prozent auf EUR. Die zunehmenden Witterungsrisiken die Sturmund Starkregenfälle dieses Jahres haben das eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden von der Secufarm -Produktlinie gut abgefangen. Dies verdeutlicht die sehr gute Nachfrage im ersten Jahr seit ihrer Einführung im November Dazu haben sich weitere Geschäftsfelder in Dänemark, den Niederlanden und in Litauen entwickelt. Verwüstungen in der Hallertau Bei einem Unwetter mit tornadoartigem Sturm in der Nacht vom 7. zum 8. August wurden über 200 ha Gerüstanlagen und Vollertragshopfen getroffen. Kurz und heftig wütete am 22. August ein Hagelsturm quer durch Teile Oberbayerns. Der Hagelstrich maß über 60 km Länge und oft über 5 km Breite. Der Hagelschlag wurde von heftigen Sturmböen begleitet, die gebietsweise Tornadostärke erreichten. Fazit Mit über 135 Hageltagen und dem vermehrten Auftreten von Doppel- und Dreifachschäden in der gleichen Gemarkung setzte das Jahr 2008 neue Maßstäbe im Hagelgeschehen. Auch die extreme Sturmaktivität dieses Jahres war verblüffend. Volker Lindloff Trotz des hohen Schadenaufkommens von Schadenmeldungen und den gravierenden Unwetterereignissen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegt die Schadenquote noch bei 85 Prozent. Das dennoch gute Geschäftsergebnis ist Folge einer eindrucksvollen Gemeinschaftsleistung von ebenso motivierten und kompetenten Mitarbeitern, Agenturen und Sachverständigen. Dr. Rainer Langner

7 7 Zeitig deklarieren, bevor es zum Engpass kommt Der frühe Vogel fängt den Wurm! Heiner Wolff, Prokurist der Vereinigten Hagel in Gießen Herr Wolff, Sie sind der Herr der Zahlen bei der Vereinigten Hagel, in Ihrer Abteilung laufen alle Daten zusammen. Gibt es Veränderungen hinsichtlich Schadenhäufigkeit und -intensität? Früher hatten wir ein eindeutiges Nord-Südgefälle in der Schadenhäufigkeit mit deutlich mehr Schäden im Süden. Heute liegt das Hauptschadengebiet jedes Jahr woanders. Dieses Jahr hat es den Westen Deutschlands schwer erwischt, vor allem Nordrhein-Westfalen, aber auch Baden-Württemberg. Eigenartigerweise ist dieses Mal Bayern nicht so stark betroffen. Sonst war es immer so: Wenn es im Süden hagelt und gewittert, dann im ganzen Süden. Heißt das auch, dass sich die Arbeitsspitzen häufen? Dieses Jahr war wirklich heftig: Wir kamen aus der Arbeitsspitze gar nicht raus! Wir hatten rund Schäden, ein Drittel mehr als in den Vorjahren. Wiederum ein Drittel der Schäden traten Ende April und Mai recht früh auf, also zu einer Zeit, als die Anmeldefrist für die Anbaudeklarationen noch lief. Dass wir in der Gesamtschadenquote noch mit 85 % relativ glimpflich abgeschlossen haben, liegt daran, dass Hackfrüchte, Rüben und Mais weniger stark geschädigt waren als Getreide. Unsere Gutachter waren weit über Gebühr in Anspruch genommen und wochenlang unterwegs. Wären nicht Schätzerkollegen aus anderen Bezirksdirektionen eingesprungen, hätten wir dieses hohe Maß an Schadenaufkommen nicht bewältigen können. Dieses ehrenamtliche Engagement verlangt meinen allerhöchsten Respekt! Frühere Schäden machen also eine frühere Anbaudeklaration notwendig, vor allem, wenn höhere Hektarwerte gelten? Der frühe Vogel fängt den Wurm! Wer bereits zu Jahresbeginn die Anbauflächen deklariert und die Hektarwerte der Marktsituation anpasst, ist auch gegen frühe Schäden gut gewappnet. Sonst würden ja die alten Hektarwerte gelten! 80 % der versicherten Fläche werden bei uns über das WEB AV deklariert, dadurch ist die Arbeitsspitze im Frühjahr deutlich flacher geworden und der Außendienst kann sich die Zeit nehmen, intensiver zu beraten. Die Möglichkeit, bis zum Deklarationsende die Hektarwerte in beide Richtungen anzupassen, bleibt ja bestehen! Sonst ist der Ärger doch vorprogrammiert, wenn frühe Schäden zu alten niedrigeren Hektarwerten abgerechnet werden! Frühes Deklarieren kommt allen zugute! In diesem Jahr wurde die Secufarm -Produktlinie eingeführt, die zusätzliche Gefahren wie z.b. Starkregen und Frost mit einschließt. Wie wurde dieses Angebot angenommen? Sehr gut! Von den 88 Mio. EUR Gesamtprämienaufkommen in Deutschland fließen bereits 12 Mio. EUR aus diesem Bereich. 2 % des Beitrages rekrutieren sich allein aus Secufarm 3, das ist die Hagel-Sturm-Starkregenvariante. Angesichts der schweren Starkregenfälle in dieser Saison wird sich die Nachfrage sicher noch verstärken. Wir schätzen, dass im kommenden Jahr 2009 rund 25 Mio. EUR an Prämie allein über Secufarm abgeschlossen werden. Wir haben offensichtlich das richtige Produkt zur richtigen Zeit! Das Interview führte Dr. Bärbel Habbe Hektarwerte im Wesentlichen beibehalten Die Volatilität an den Märkten für Getreide, Mais, Ölsaaten, Hülsenfrüchte und Kartoffeln wird künftig noch stärker zunehmen. Umso wichtiger wird eine ausreichend hohe Absicherung gegen Hagel-, Sturm-, Starkregen-, Spätfrost und Auswinterungsschäden. Kommt es zu witterungsbedingten Ausfällen, kann eine Unterversicherung den Betrieb wertvolle Liquidität kosten. Deshalb rät die Vereinigte Hagel ihren Mitgliedern, den zunehmend volatilen Markt im Auge zu behalten und die Hektarwerte rechtzeitig an veränderte Marktpreise anzupassen. Angesichts des Marktverlaufes empfiehlt es sich, bei Getreide einen Hektarwert von mindestens zu wählen. Für Ölsaaten und Hülsenfrüchte kann eine Anpassung von 25 bis 50 % in Betracht gezogen werden, d.h. mindestens ein Hektarwert von Dabei ist zu beachten, dass entsprechende Anpassungen rechtzeitig vor dem Schadenfall gestellt werden müssen! Gerade die Erfahrung mit den Schäden in 2007 und 2008 haben manchen Betriebsleiter schmerzhaft spüren lassen, was eine Unterversicherung bedeutet. Volker Lindloff

8 8 Secufarm -Produktlinie als Eintritt in die Mehrgefahrenversicherung Die Kartoffeln brachten die Daumenprobe! Nach der Secufarm -Produkteinführung bestand die wichtigste Frage darin, wie hoch das Gefahrenpotenzial dieser neuen Risiken einzuschätzen war. Was kann alles passieren, für welche Kultur besteht welche Empfindlichkeit, wie reagiert der Landwirt auf dieses Angebot und wie lassen sich Secufarm versicherte Schäden regulieren? Viele Fragen, die es zu klären galt. Bereits im April deutete sich an, dass viele Kartoffelanbauer großes Interesse zeigten, das Risiko durch Starkregen, der die Dämme frei spült und die Kartoffeln grün werden lässt, über Secufarm 3 zu versichern. Als am 29. Mai eine Gewitterfront von Luxemburg beginnend bereits in den Morgenstunden Richtung Norddeutschland zog und sich über dem Niederrhein entlud, kam es zu örtlichen Niederschlägen von bis zu 100 mm in nur knapp einer Stunde. Damit nicht genug, einen Tag später erreichte uns eine weitere Gewitterzelle, die in der gewohnten Südwest-Nordost-Richtung mit Starkregen und Hagel aufwartete und weite Teile von Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein- Westfalen überrollte. Die alte Regel, dass die Gewitterfronten wiederholt denselben Weg nehmen, hat sich erneut bestätigt: Immer wieder kam es im Laufe des Sommers zu sintflutartigen Gewitterregen in der Region Kölner Bucht-Nieder-rhein-Ruhrgebiet und gipfelte im Dortmunder Starkregenereignis mit fast 200 mm auf dem Quadratmeter in kürzester Zeit. Damit hatte sich zumindest für dieses Gebiet die Frage, ob eine Absicherung gegen Starkregenereignisse notwendig sei, erledigt. Wie waren die Schäden, wie wurden sie bewertet? Zunächst ging es um die Befahrbarkeit der durchnässten Böden. Wie sind die Auswirkungen einer verspäteten Phytophthora- Spritzung zu bewerten? Wie hoch sind die Ertragsdepressionen von Kartoffelbeständen einzuschätzen, die längere Zeit unter Staunässe leiden mussten? Findet Kindelbildung statt? Und schließlich, wie ist der Anteil grüner Kartoffeln zum Zeitpunkt der Rodung einzuschätzen? Ein ganzer Strauß von Fragen also, die unsere Sachverständigen-Organisation fachlich sehr forderte. Ein Seminar für die Kartoffelexperten am 19. bis 20. August in Kevelaer brachte Klarheit in die komplexe Thematik. So konnte die anschließende Schadenregulierung in gewohnter Qualität stattfinden. Fazit: Secufarm 3-Schäden können in allen Kulturen unerwartet hoch sein, wie das Kartoffel-Beispiel im Jahr 2008 dargelegt hat. Die Zukunft wird neue unerwartete Szenarien bringen unsere Sachverständigen-Organisation ist gewappnet! Dr. Heinzbert Hurtmanns Betriebsreportage Glück gehabt - rechtzeitig neu versichert mit Secufarm Der 39-jährige Stefan Bonsels aus Neuenkirchen Vluyn nahe der niederländischen Grenze hat den Ackerbaubetrieb vor drei Jahren von seinem Vater übernommen und baut auf 160 Hektar Getreide, Raps, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und Gemüse an. Die Flächen sind seit mehr als 25 Jahren bei der Vereinigten Hagel versichert. Der junge Unternehmer und Familienvater hält die Versicherung für unabdingbar: Gerade wenn man frisch an den Start gegangen ist und die eigenen Rücklagen noch nicht ausreichen, um Unwetterschäden auszugleichen, kann man sich nicht erlauben, die Liquidität des Betriebes aufs Spiel zu setzen!. Der diesjährige Anbau wurde bereits frühzeitig deklariert. Man hat im März von der Arbeitswirtschaft her noch Freiräume und die Kulturen sind bei den immer früher eintretenden Unwettern zum aktuellen Marktwert versichert! Er hat seine bisherige Hagelversicherung auf Secufarm 3 umgestellt auf Anraten seiner Agentin Marita Rathmann, die über hellseherische Fähigkeiten verfügen dürfte. Halb zog sie ihn, halb sank er hin dieses Goethe-Zitat trifft in etwa den Kern, als ihm seine Agentin die Vorteile darlegte: Mach es, es lohnt sich für Dich! Dabei spielten bisher Sturm- und Starkregenfälle in seiner Region kaum eine Rolle. Er folgte ihrem Rat ein weiser Entschluss, wie sich herausstellen Stefan Bonsels ließ sich von seiner Agentin Marita Rathmann rechtzeitig von den Vorteilen der neuen Produktlinie überzeugen

9 9 sollte. Am 30. Mai wütete ein Hagelunwetter mit über 50 mm Starkregen, am 2. Juni fielen nochmals 50 mm in kürzester Zeit und führten zu erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen bei Kartoffeln und Erbsen. Auf die Frage, ob die Schadenregulierung zufriedenstellend verlaufen sei, zeigte er trotz der örtlichen Verzögerungen in der Schadenbesichtigung Verständnis für das große Arbeitspensum der Schätzer: Man merkte, dass die Sachverständigen noch in der Ausbildung waren, was die neuen Schadensbilder nach Starkregen anging! Ein sehr kompetenter Schätzer aus dem Spreewald habe ihn auf die Sonderheiten bei Kartoffelschäden hingewiesen, dass nicht nur die frei gespülten Kartoffeln grün würden, sondern auch die darunter liegenden, die noch leicht vom Boden bedeckt seien. Er sollte Recht behalten. Ich hab noch ne Menge gelernt dabei! Er würde aber nach den Erfahrungen dieses Jahres auf jeden Fall empfehlen, die Endabschätzung möglichst nah am Erntetermin oder in der Ernte durchzuführen, um das tatsächliche Ernteergebnis zu beurteilen. Klaus Hakvoort, Dr. Bärbel Habbe Betriebsreportage Wir brauchen die Mehrgefahrenversicherung Bei den Gemüsebauern im Raum Krefeld ging es wettertechnisch hoch her. Hagel, Regen, Sturm das gesamte Unwetterangebot traf die Region auf s Heftigste. Auch Heiner Korff, der in Krefeld einen großen Gemüsebetrieb bewirtschaftet, hat starke Verluste hinnehmen müssen. Er ist Mitglied im Gemüsebauarbeitskreis der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, dem 11 Betriebe angehören. Da der Gemüsebau einen hohen Kapitaleinsatz erfordert, hält Korff eine Hagelversicherung gerade bei größerem Schadenrisiko als Liquiditätsschutz für unabdingbar. Viele Mitglieder des Arbeitskreises haben das in diesem Jahr bei sechsstelligen Entschädigungsbeträgen zu schätzen gewusst. Trotz flächendeckenden Einsatzes von Wildschutznetzen mussten viele Totalschäden hingenommen werden gerade auch unter Netz und an empfindlichen Salatkulturen. Auch Korff hält eine frühe Anbaudeklaration für wichtig und hat seine Anbaudaten bereits Anfang März erfasst. Im Winter wird über die Jungpflanzenbestellung bereits früh die Jahresanbauplanung erstellt und da wir bereits Ende Februar mit dem Auspflanzen der ersten Sätze beginnen, ist für mich aktueller Versicherungsschutz eminent wichtig. Daher lege ich großen Wert auf eine frühzeitige An- Die empfindlichen Salatkulturen auf dem Betrieb von Heiner Korff aus Krefeld können noch nicht gegen Starkregen und Sturm versichert werden baudeklaration! Auch Korff hat seine Verträge auf Secufarm umgestellt. Nachdem mir das Rabattklassensystem bei Secufarm vorgestellt wurde, habe ich sofort entschieden, die Umstellung zu machen. Sie ist beitragsneutral und bietet eine wesentlich bessere Rückstufung insbesondere bei kleinen Schäden und berücksichtigt ferner schadenfreie Jahre. Ich würde mir allerdings wünschen, dass eine Mehrgefahrenversicherung für den Gemüseanbau angeboten wird! Als es dann zu den Hagelschäden kam, lief die Schadenabwicklung zügig und professionell. Da wir einen schnellen Ernteumsatz haben, ist es wichtig, dass die Schätzer schnell kommen. Auch der Tatsache, dass nur noch erstklassige Ware zu vermarkten ist, wurde gebührend Rechnung getragen. Ich war mit der Abschätzung in diesem Jahr rundherum zufrieden! Klaus Hakvoort

10 10 Schwerste Schäden im Weinbau - Interview mit dem Präsidenten des Weinbau-Verbandes Württemberg Grundabsicherung muss sein! Die diesjährigen Hagelunwetter haben ganze Arbeit geleistet: Die Zahl der Weinschäden bei der Vereinigten Hagel hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. In einigen Regionen, wie z. B. im Rems-Murr- Kreis, hat der Hagel so schwer gewütet, dass sich ganze Weinberg-lagen vor lauter Abschlägen mehr braun als grün zeigen mit nachhaltigen Folgen. Wie begegnen Winzer dieser Tendenz zu schweren Ertragsausfällen? Wie schützen sie sich vor den Auswirkungen des lebhaft diskutierten Klimawandels und welche Art der Absicherung macht Sinn? Die Bezirksdirektoren Hans-Ulrich Eppler (Stuttgart) und Dr. Heinzbert Hurtmanns (Alzey) haben am 9. September den Präsidenten des Württembergischen und Vizepräsidenten des Deutschen Weinbauverbandes Hermann Hohl in Weinsberg besucht und um eine Stellungnahme gebeten. Eppler: Herr Präsident Hohl, wie schätzen Sie die momentane Situation des Weinbaus, insbesondere in Württemberg, ein? Der globalisierte Weinmarkt macht uns zunehmend zu schaffen, insbesondere das wachsende Angebot an Billigweinen. Eppler: umso wichtiger ist es, das Erntegut abzusichern. Dazu haben wir Sie vor zwölf Jahren bereits einmal interviewt, um Ihre Meinung zu unserer Versicherungsvariante W10 zu erfahren, die einen besseren Einstieg in eine Grundsicherung bieten sollte. Schon damals haben Sie diesen Ansatz begrüßt. Hurtmanns: Seit dieser Zeit hat sich die versicherte Rebfläche bei der Vereinigten Hagel deutlich erhöht. Heute bieten wir mit W30, Trauben Plus und Secufarm einen ganzen Strauß von Angeboten, die eine individuelle Absicherung möglich machen. Eine Grundabsicherung muss mindestens sein. Die diesjährigen Schäden in Württemberg haben eindrucksvoll gezeigt: Eine Hagelversicherung gehört zum Pflichtprogramm für jeden Betrieb! Das Schadenrisiko steigt, weil durch den Klimawandel die Gewitterintensität und häufigkeit zunehmen. Die Reifetermine haben sich als Folge der steigenden Erderwärmung verschoben und verschärfen weiter das Ausfallrisiko, weil die Trauben einem höheren Fäulnisdruck ausgesetzt sind. Eppler: Diesem Risiko kommen wir mit dem Produkt Trauben Plus entgegen. Ab Bezirksdirektor Hans-Ulrich Eppler (li.) beim Interview mit Präsident Hermann Hohl in der Verbandsgeschäftsstelle Weinsberg. dem Stadium 77, Traubenschluss, wird jede Schadenquote um das 1,4-fache erhöht. Schön und gut, aber was ist, wenn nur geringe Hagelschäden Auslöser für starke Fäulnis sind? Dann nutzen mir 40 % Zuschlag nicht viel. Hier müsste die Vereinigte Hagel über weitergehende Lösungen nachdenken. Im Übrigen ist Trauben Plus eigentlich schon der Einstieg in eine Mehrgefahrenversicherung. Hurtmanns: Die ja der Deutsche Weinbauverband nicht unbedingt will? So kann man das nicht stehen lassen. Wir wollen frei werdende EU-Fördermittel in erster Linie für Markt- und Strukturmaßnahmen nutzen, etwa zur Entwicklung von Weinprofilen und für die Exportförderung. Wir sehen aber deutlich die Notwendigkeit zusätzlicher Absicherungsmöglichkeiten für den Einzelbetrieb. Hier nenne ich Sturm und Spätfröste. Insbesondere die Spätfrostgefahr steigt, weil die Reben immer früher austreiben und die Temperaturkapriolen zunehmen. Solche zusätzlichen Absicherungen müssen aber ohne Zuschüsse vom Staat vom einzelnen Betrieb geleistet werden. Winzerin Ute Strähle inmitten der am 30. Mai total verhagelten Weinberge der Gemeinde Korb bei Stuttgart Eppler: Herr Präsident, zwischenzeitlich sind am Flughafen in Stuttgart wieder zwei Hagelflieger stationiert, die den Großraum Stuttgart und die angrenzenden Landkreise vor Hagelschäden bewahren sollen. Leider erlitt eine Vielzahl Ihrer Berufskollegen durch den Hagelschlag am 30.

11 11 Mai dieses Jahres im Remstal wie auch in Großbottwar, also im Schutzgebiet, Totalschäden in ihren Reben. Wie stehen Sie zum Hagelflieger? Wer glaubt, der Einsatz von Hagelfliegern könne die Hagelversicherung ersetzen, irrt sich. Viele Berufskollegen sind jedoch der Meinung, dass ohne den Einsatz von Hagelfliegern die Hagelschäden ein noch größeres Ausmaß annehmen würden. Dies zu beweisen ist jedoch schwierig. Dr. Heinzbert Hurtmanns, Ulrich Eppler Das Prinzip der Hagelflieger: Damit Hagel entstehen kann, sind kleinste Kristallisationskerne notwendig - je mehr, umso zahlreicher und kleiner sollen die Hagelkörner entstehen. Dieses Prinzip machen sich die Hagelflieger zunutze. Sie orten per Radar die Hagelwolken, fliegen in sie hinein und versprühen dort eine Silberjodidlösung, die die Anzahl der Kristallisationskerne mehren soll, damit sich viele kleine Hagelkörner bilden und die Kumulation zu den gefährlichen Hagelschlossen unterbleiben soll. Soweit die Theorie. In der Praxis scheint es jedoch äußerst fraglich, wie ein oder zwei Hagelflieger zum richtigen Zeitpunkt den Kampf mit einer Gewitterfront von zig Kilometern aufnehmen wollen. Namhafte Meteorologen sehen dies als Kräftemessen David gegen Goliath. Was bleibt ist nur ein Silberstreif am Horizont. Ulrich Eppler Bedeutende Geschäftsausweitung in Bayern Gezeichnetes Risikovolumen stieg um ein Drittel In Bayern konnte die Vereinigte Hagel als Europas bedeutendster Pflanzenversicherer ihre bereits sehr gute Marktposition weiter ausbauen. Die versicherte Fläche erhöhte sich um nahezu 4%, die Versicherungssumme um 33%. Dabei blieb das Niveau des durchschnittlichen Beitragssatzes nahezu unverändert. Immer mehr bayerische Landwirte, Winzer und Hopfenpflanzer sowie Obst- und Gemüseanbauer wissen die Vorteile eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit zu schätzen. Schlagende Argumente hierfür liefern die dem Risiko angepassten Beitragssätze, die geringen Versicherungsvertriebskosten, die vertrauensvolle Beratung und die kompetente Schadenregulierung. Grundlage der anhaltend positiven Geschäftsentwicklung im hart umkämpften bayerischen Versicherungsmarkt bilden die Information und Mitbestimmung über die neun bayerischen Bezirksvereine. Die unterschiedlichen Flächen- und Bodenstrukturen, die mikroklimatischen Verhältnisse von den unterfränkischen Gaulagen bis zum Voralpenland sowie die neben den klassischen landwirtschaftlichen Kulturen über das gesamte Geschäftsgebiet verteilten Sonderkulturen Obst, Gemüse, Wein, Hopfen und Tabak bietet genügend Entwicklungspotenzial und stellt alle Mitarbeiter der Bezirksdirektion Nürnberg vor stets neue Herausforderungen für die betriebsorientierte Beratung. Den Schwerpunkt bildet dabei die Mehrgefahrenversicherung Secufarm. Damit kann der Landwirt individuell auf den Klimawandel reagieren, was besonders von den zukunftsorientierten wachsenden landwirtschaftlichen Unternehmern honoriert wird. Die Kölnische Hagel AG, ein Tochterunternehmen der Vereinigten Hagel, bietet kleineren und mittleren oder im Nebenerwerb geführten Betrieben mit einer Pauschalversicherung eine unkomplizierte Alternative, die sehr regen Zuspruch findet. Ohne den großartigen Einsatz und die konstruktive serviceorientierte Arbeit des Teams im Außen- und Innendienst sowie der 530 nebenberuflichen Vermittler, Versicherungsbüros und Makler wäre diese positive Geschäftsentwicklung nicht zu realisieren. Dies gilt auch für die hohe Einsatzbereitschaft, Fachkompetenz und Verbindlichkeit der 180 fachlich sehr gut ausgebildeten und durch die Mitglieder gewählten Sachverständigen für die Schadenermittlung. Dr. Gunter Prostinák

12 12 Vereinigte Hagel nun auch in Dänemark aktiv Vom Gegenseitigkeitsgedanken fasziniert Jan Jager und der deutsche Gutachter Diethelm Mangels bei der Schadensermittlung Kundennähe, Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit Nursery & Ethik Care angehören, und sich mit und Kompetenz das umschreibt in Kürze dem Marketing beschäftigen. Gleichzeitig steht die Erfolgsphilosophie der Vereinigten Hagel. er dem Skandinavischen Apfel- und Birnenverband (Skandinavian Apples & Pears Associati- Dieser hart erarbeitete Ruf wurde inzwischen auch in Dänemark wahrgenommen. Insofern on) vor, der die Marktinformationen zwischen ist es nur schlüssig, dass der Gegenseitigkeitsgedanke auch im nördlichsten Nachbarland auf koordiniert. den Verkaufsorganisationen in Skandinavien fruchtbaren Boden stößt. In Dänemark werden vorwiegend Äpfel (1.800 ha), Sauerkirschen Obstbaufläche nur in Privatbesitz (2.000 ha) und Schwarze Johannisbeeren (1.850 Jan Jager hält die Obstbaustruktur in Dänemark prinzipiell für veraltet. Die Anbaufläche ha) angebaut. Im Gemüseanbau (9.900 ha) spielen Zwiebeln (1.500 ha) und Karotten (1.200 muss traditionell im Privatbesitz der Anbauer ha) die wichtigste Rolle und bei den landwirtschaftlichen Kulturen mit einer Gesamtfläche übergehen. Die Produktion selbst dagegen kann verbleiben und darf nicht in Firmeneigentum von ha steht Getreide mit sehr wohl Eigentum einer Gesellschaft sein. Sie ha an erster Stelle. darf die Einkünfte aus dem Produktionsbereich reinvestieren wie sie will, nur nicht in Grund Ansprechpartner der Vereinigten Hagel in Dänemark ist der 49-jährige Jan Jager aus Odense. Obstbaubetriebes beträgt z. Zt. zehn Hektar, und Boden. Die durchschnittliche Größe eines Wie schon sein Vater ist auch er leidenschaftlicher Obstbauer. Auf zehn Hektar Betriebsfläduktion aussteigen die Gesamtanbaufläche nimmt aber stetig zu, weil Anbauer aus der Proche baut er zu 70 % Birnen und zu 30 % Äpfel an Obst ändert sich nicht. Wenn heutzutage an, eine Konstellation, die für Dänemark eher ein junger Obstbauer einen Betrieb gründen untypisch ist. Zumeist stellen dort Äpfel die will, benötigt er dafür 30 Hektar. Hauptfrucht. Zusätzlich setzt sich Jager stark für seinen Berufsstand ein: Er ist Vorsitzender Einseitige Abhängigkeit von Handelsriesen des Dänischen Apfel- und Birnenverbandes, Die Obstvermarktung wird hauptsächlich von einer Erzeugerorganisation für Anbauer, und drei Verkaufsorganisationen wahrgenommen, gleichzeitig im Vorstand des Dänischen Obst- die reine Erzeugerorganisationen sind. Drei und Gemüseverbandes, der für die Anbauberatung zuständig ist. Er ist Vorstandsmitglied anteile aus. Das Hauptproblem für die dä- Supermarktketten machen 85 % der Markt- der Dänischen Baumschulen, die der Danish nischen Anbauer ist, dass diese Drei eine riesige Marktmacht darstellen und die Konditionen bestimmen. Wenn du die nicht akzeptierst, dann kaufen sie im Ausland! klagt Jager über diese einseitige Abhängigkeit. Dazu kommt noch ein zweites, ebenfalls großes Problem: Als Verbraucher kannst du zum Beispiel zehn Früchte, egal welche, für 20 Kronen (das entspricht EUR 2,60) kaufen. Du kannst dir den Inhalt selbst zusammenstellen, d.h. Orangen oder eine Mischung aus Äpfeln und Birnen. Damit ist der Höchstpreis für Obst gedeckelt! Dänisches Obst ist für den Handelseinkäufer oft zu teuer und bringt für das Geschäft keinen Gewinn mehr. Damit wird Dänisches Obst erst gar nicht in deren System aufgenommen. Wir müssen daher ein anderes Marketing aufbauen und ein spezielles Paket schnüren, so dass der Kunde den Preis akzeptiert! so Jager. Da sind Kreativität und neue Ideen gefordert. Es bleibt spannend für die dänischen Obstbauern. Hagelschutz bisher nur im Gesamtpaket Laut Jager sind die dänischen Anbauer mit den bisherigen Hagelversicherungsmöglichkeiten sehr unzufrieden. Drei Versicherungsunternehmen stehen den Erzeugern zur Auswahl, aber nur, wenn ein Gesamtpaket über mehrere Versicherungsprodukte, d.h. z.b. Lebens-, Hausrat- und KFZ-Versicherung, über eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren abgeschlossen wird. Zwar hatte Jager bereits vor sechs Jahren anlässlich der Obstbautage in Jork einen intensiven Erfahrungsaustausch mit Mitarbeitern der Vereinigten Hagel betrieben, Anlass zu einer engen Zusammenarbeit ergab sich aber erst durch ein Treffen mit Gerhard Schulz, Beirat Obst und Gemüse bei der Vereinigten Hagel auf der Prognosfruit 2007 in Litauen. Danach folgten Treffen im September und Vortragsveranstaltungen im November letzten Jahres und im März 2008 in Dänemark. Seitdem steht für ihn fest, dass die Vereinigte Hagel der richtige Partner für die dänischen Obstbauern ist. Das Interesse vieler Anbauer an einer Hagelversicherung nach deutschem Vorbild ist sehr groß! Damit dürfte einer Geschäftsausdehnung nichts mehr im Wege stehen. Christine Preis

13 13 Von Südtirol bis Sizilien Italienische Niederlassung weiter auf Wachstumskurs Die italienische Niederlassung der Vereinigten Hagel ist unvermindert erfolgreich: Sowohl der Versicherungsbestand als auch das Prämienvolumen entwickeln sich steil nach oben. Seit Gründung vor vier Jahren konnte sich der Versicherungsbestand auf über 192 Mio. EUR fast verdoppeln, berichtet Niederlassungsleiter Dr. Luigi Gazzola. Das Prämienvolumen stieg im selbem Zeitraum um 50 % auf 15,4 Mio. EUR. In Verona arbeiten neben dem Niederlassungsleiter drei Vollzeitund zwei Teilzeitarbeitskräfte. Sommer- und Winterkampagne Versicherungstechnisch wird in Italien zwischen Sommer- und Winterkampagne unterschieden. Die Winterkampagne umfasst alle Zitrusfrüchte, Artischocken und Kartoffeln, die z.b. auf Sizilien auch im Winter angebaut werden. Diese Kulturen erreichten 2008 ein Versicherungsvolumen von über 5 Mio. EUR. Die Sommerkampagne ist mit rund 187 Mio. EUR vierzigmal so groß. Hierzu zählen alle Obstarten, Weinreben, Gemüse, Mais und Getreide. Der höchste Anteil entfällt auf Kernobst mit knapp 36 %, gefolgt von Weinreben mit rund 20 %, Stein- und Beerenobst mit über 13 % sowie Gemüse mit fast 11 %. Versicherungstechnisch werden Kiwis gesondert geführt und erreichten eine Versicherungssumme von über 9 Mio. EUR. Insgesamt sind inzwischen fast italienische Landwirte mit über Verträgen von Südtirol bis Sizilien bei der Vereinigten Hagel versichert. Vertrieb mit Assimocco Beim Vertrieb arbeitet die VH Italia mit dem Kompositversicherer Assimoco zusammen. Dabei werden die Versicherungsverträge sowohl über Assimoco-Agenturen als auch über Direktagenturen der Vereinigten Hagel abgeschlossen. Während in Südtirol nur dreijährige Verträge angeboten werden, überwiegt in anderen Teilen Italiens die einjährige Variante. Letztere kann entweder über den Kompositversicherer Assimoco nach Standard- Schätztabelle und 10 % Selbstbehalt oder über die Vereinigte Hagel als Secufarm -Produkt mit spezieller Schätztabelle und gleitendem Selbstbehalt gewählt werden. Dieser Versicherungstyp gewinnt mehr und mehr Anteile. Volker Lindloff Erfolgreicher Start der Aktivitäten in Litauen Die Mannschaft steht Dr. Dietrich Heine (3. v.links., Finanzvorstand), Algimantas Navickas (Mitte, Niederlassungsleiter Litauen) und Thomas Gehrke (rechts., Koordinator Litauen) mit ihrem Team Das erste Jahr der Versicherungsaktivitäten der Vereinigten Hagelversicherung VVaG, filialas VH Lietuva stand ganz im Zeichen des Aufbaus. Die Strukturen für den Vertrieb und die Schadenregulierung mussten festgelegt werden. Der Niederlassungsleiter Algimantas Navickas wird bei den Vertriebsaktivitäten von zwei Mitarbeiterinnen im Innendienst und vier Mitarbeitern im Außendienst unterstützt: Dr. Regina Romaneckien in der Region Kaunas, Martynas Rusteika für den Bereich Šiauliai sowie Sigutis Jundulas in der Region Marijampol und Zita Liubartien im Bezirks Panev žys. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um in der gerade begonnenen Versicherungsperiode das erwünschte Wachstum zu erzielen. Im ersten Jahr wurden knapp ha bei einer Prämie von rd. 1,5 Mio. EUR versichert. Für das kommende Jahr erwarten wir mindestens ha, gibt sich Niederlassungsleiter Algimantas

14 14 Navickas optimistisch. Das zurückliegende Jahr verlief wider Erwarten sehr ruhig. Die Schadenquote von unter 5 % ist mehr als zufriedenstellend, auch wenn aus vertrieblicher Sicht ein kleinräumiger, aber heftiger Hagelschauer ganz lehrreich gewesen wäre. Aber die Schadenerfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass dieser Kelch nicht in jedem Jahr an Litauen vorbei gehen wird! beschreibt Thomas Gehrke, Koordinator für Litauen, seine Erfahrungen aus der Bezirksdirektion Berlin. Insofern war es wichtig, dass die ausgewählten Sachverständigen in Litauen und Deutschland intensiv in Theorie und Praxis geschult wurden, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Die Mannschaft steht, resümiert abschließend Dr. Dietrich Heine bei seinem Besuch in der Niederlassung in Kaunas. Thomas Gehrke Rückblick DLG-Feldtage in Weimar Rund um den modernen Pflanzenbau Das Beraterteam von der Bezirksdirektion Gießen Hagelsimulationsversuch bei Zuckerrüben So lautete das Motto der diesjährigen DLG- Feldtage, die vom Juni im Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut Buttelstedt, unmittelbar vor den Toren der Klassikerstadt Weimar, stattfanden und rund zwanzigtausend Fachbesucher anlockten. Zu viele Niederschläge zur Zeit der Herbstaussaat, außergewöhnliche Trockenheit im Frühjahr, mehrfache Versuchszerstörungen und schließlich Hagelschaden am 31. Mai hatten es den Organisatoren im Vorfeld der Ausstellung nicht gerade leicht gemacht. Dennoch war es gelungen, ein gutes Bild des modernen Pflanzenbaus zu demonstrieren und darüber hinaus deutlich wie selten zuvor aktuelle Probleme, wie die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung, Auswirkungen des Klimawandels, Produktion von Bioenergie, Entwicklung der Gentechnik u.a., anzusprechen. Ein besonderer Besuchermagnet der Ausstellung war der Europäische Anbauvergleich von Winterweizen. Dieser Versuch erlaubte es den Besuchern unterschiedlichste Anbauphilosophien aus acht europäischen Ländern im Hinblick auf Kostenführerschaft im Pflanzenbau kennenzulernen und vor Ort mit den Experten zu diskutieren. In unmittelbarer Nähe zu diesem Versuch hatte die Vereinigte Hagelversicherung ihren Stand eingerichtet. Das sehr engagierte und kompetente Team konnte zahlreiche Besucher begrüßen, beraten und deren Fragen beantworten. Dabei standen die neuen Secufarm produkte im Mittelpunkt der Interessen. Eine überaus positive Resonanz fand der erst- mals durchgeführte Hageldemonstrationsversuch bei Winterweizen und Zuckerrüben. Das Kennenlernen der unterschiedlichsten Schadsymptome, deren Erfassung und Bewertung hatte großartige Beachtung bei vielen fachkundigen Besuchern gefunden. Das Gewinnspiel um den besten Hagelschätzer war gewissermaßen das i-tüpfelchen einer gelungenen Ausstellung. Den Gewinnern von dieser Stelle aus nochmals einen herzlichen Glückwunsch. Gerne laden wir heute schon unsere Mitglieder und viele andere Gäste ein, uns auf den nächsten DLG-Feldtagen vom Juni 2010 auf dem Gut Bockerode bei Hannover zu besuchen. Dr. Winfried Hecht

15 15 Nach 10 Jahren Vorbereitung liegen jetzt kommerzielle Geodaten aus dem All vor RapidEye Satelliten erfolgreich gestartet 20 Nationen. Die Belegschaft soll nach dem erfolgreichen Start auf ca. 140 Mitarbeiter anwachsen. Nach zehn Jahren Vorbereitung ist der Raketenstart reibungslos verlaufen Am 29. August 2008 transportierte die Trägerrakete DNEPR-1 fünf Erdbeobachtungssatelliten des brandenburgischen Geo-Informationsdienstleisters RapidEye AG vom russischen Raumfahrtbahnhof Baikonur aus erfolgreich ins All. Damit startete die erste kommerzielle Erdbeobachtungsmission weltweit. Die fünf Satelliten senden ihre Bilddaten über eine Antenne in Nordnorwegen an eine Bodenstation in Brandenburg an der Havel, dem Sitz des Unternehmens RapidEye AG, an dem die Vereinigte Hagel von Beginn an Mitgesellschafter ist. Mit dieser Bodenstation können die Bilddaten nach den Kundenwünschen bearbeitet und archiviert werden. Ergänzt wird das RapidEye-System durch eine Kontrollstation, die die Satelliten überwacht und deren Flug steuert. Kostengünstig und effizient Die Kombination aus den fünf Satelliten, der Kontrollstation und dem Bodensegment ermöglicht es RapidEye, ihren Kunden aus der Land- und Forstwirtschaft kostengünstige Bilder und effiziente Lösungen anzubieten. Die Satelliten beobachten die Erde umfassend und mit hoher Regelmäßigkeit und leisten ein weltweites Wetter-, Klima- und Umweltmonitoring mit höchster Präzision. Insbesondere vor dem Hintergrund der Früherkennung auftretender Gefahren hat Rapid Eye in kürzester Zeit neue Maßstäbe gesetzt, die weltweite Anerkennung finden. Der ISOzertifizierte Geoinformationsdienstleister beschäftigt derzeit über 90 Spezialisten aus den verschiedensten Disziplinen und aus Georisiken objektiv bewerten Die Vereinigte Hagel hat mit ihrer Beteiligung am RapidEye-Projekt einen großen Schritt getan, das bestehende Geo-Risiko-Portal der Versicherungswirtschaft um landwirtschaftliche Geoinformationen zu erweitern. In der Pflanzenversicherung wird das Ertragspotenzial von der Kombination der natürlichen Standortfaktoren Wetter, Boden und Oberfläche (Relief) bestimmt. Eine neue Ära der Elementarschadenversicherung wird erst ermöglicht, wenn die kleinräumig variierenden Standortfaktoren bekannt sind und diese nach extremen Wetterereignissen hinsichtlich ihrer Schadensrelevanz bewertet werden können. Ein Vergleich vor und nach dem Schaden wird möglich, die Intensität, der Verlauf und die Abgrenzung des Schadens ebenso alles Voraussetzungen für eine gerechte und sachlich fundierte Schadenabwicklung, die dem Gegenseitigkeitsgedanken entspricht. Versicherungsobjekte eindeutig lokalisieren Um regionalisierte Georisikodaten nutzen zu können, braucht es die Geokodierungsmöglichkeit der versicherten Objekte. Entsprechende Systeme, Flächen zu identifizieren, gibt es bereits im so genannten Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS), das EU-konform von den Bundesländern verwaltet und aktualisiert wird. Diese Daten unter Beachtung des Datenschutzes nutzbar zu machen, ist der Schlüssel zur landwirtschaftlichen Elementarschadenversicherung, um neue Versicherungsprodukte zu entwickeln und umzusetzen. Derzeit werden zwischen Berufsstand, Staat und Geoinformationswirtschaft (GIW) gemeinsame Nutzungskonzepte erarbeitet, um die Grundlage für eine tragfähige Lösung zu schaffen. Dr. Dietrich Heine Mit der Konstellation aus fünf Satelliten und dem Einsatz spezieller Kameras ist RapidEye der erste Geo-Dienstleister weltweit, der seinen Kunden zuverlässig große Mengen von hoch aufgelösten Bilddaten von jedem Punkt der Erde liefern kann. Damit werden Felder, Anbauflächen sowie Wachstumsfortschritte so deutlich erkennbar, dass sich für unterschiedliche Pflanzen unter anderem Ernten mit großer Zuverlässigkeit voraussagen lassen. Außerdem steht uns dank unserer zahlreichen Spezialisten und unserer hoch automatisierten Datenprozessierung eine Vielzahl von Möglichkeiten offen, die Daten für unsere Kunden auszuwerten und zu dokumentieren. Für die Landwirtschaft werden solche Dienstleistungen im Zuge der Globalisierung immer wichtiger, da sie eine bessere Planung und damit eine effizientere Bodennutzung ermöglichen.

16 Bayerisches Zentrallandwirtschaftsfest in München Gute Stimmung, vielseitige Gespräche EuroTier: Weltweit größte Ausstellung für professionelle Tierhaltung Über Menschen aus Stadt und Land haben in der Zeit vom 20. bis 28. September 2008 das ZLF auf der Münchner Theresienwiese besucht. Trotz des wechselhaften und kühlen Wetters wurde die Besucherzahl der letzten Ausstellung in 2004 noch übertroffen. Rund zwei Drittel der ZLF-Besucher waren laut einer Besucherumfrage Landwirte. Damit besuchten deutlich mehr Bauern das ZLF als Der Präsident des Deutschen und Bayerischen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner, der auch dem Stand der Vereinigten Hagel einen Besuch abstattete, betrachtet das ZLF als das Fest des Bayerischen Bauernverbandes für alle Bauernfamilien, auf dem Verbraucher und Bauernfamilien ins Gespräch kommen. Besonders beeindruckt habe ihn die festliche und positive Stimmung sowie die Motivation der Bäuerinnen und Bauern, die Zukunft des eigenen Betriebes anzupacken und zu gestalten, so Sonnleitner. Das Ausstellungsteam der Bezirksdirektion Nürnberg konnte auf dem Stand der Vereinigten Hagel mit Mitgliedern und Interessierten ebenso wie mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung intensive Gespräche auf hohem fachkundigem Niveau führen. 650 Aussteller aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, der Landtechnik und der Forstwirtschaft waren am diesjährigen ZLF beteiligt und zeigten auf insgesamt Quadratmetern ihre Produkte. Das nächste ZLF wird im Jahr 2012 stattfinden.(hab) Die Vereinigte Hagel stellt in diesem Jahr Tierhaltern und Energiewirten ihre neue Produktlinie Secufarm in Halle 25 (Stand 25N12) vor. Die EuroTier 2008, die gemeinsam mit der BioEnergyEurope vom 11. bis 14. November 2008 auf dem Hannoveraner Messegelände durchgeführt wird, hat eine bisher nicht gekannte Sogwirkung auf die Hersteller von Maschinen, Einrichtungen, Geräten und Betriebsmitteln sowie Tieraussteller aus dem In- und Ausland ausgeübt. Mit Direktausstellern und 40 zusätzlich vertretenen Firmen aus aller Welt kann die DLG als Veranstalter ein Rekordanmeldeergebnis verzeichnen. Die Zahl der Aussteller liegt um 15 Prozent höher als vor zwei Jahren. Die Ausstellungsfläche ist um rund 25 Prozent gegenüber dem bisherigen Höchststand angewachsen. Mit 715 Ausstellern aus 45 Ländern ist die EuroTier 2008 internationaler denn je. Auch die BioEnergy Europe stößt auf großes Ausstellerinteresse: Rund 200 Spezialaussteller, darunter alle namhaften Unternehmen aus dem In- und Ausland, präsentieren in den Hallen 24, 25 und 26 ein umfangreiches Angebot über die gesamte Breite der technologischen Entwicklungen auf dem Feld der Bioenergie, der regenerativen Energie sowie der Technik rund um die dezentrale Energieversorgung.(hab) L e s e r f o r u m Herausgeber: Konzept: Vereinigte Hagelversicherung VVaG, Wilhelmstraße 25, Gießen, Telefon , Fax: Internet: Dr. Habbe PR, Kiel-Molfsee Haben sie Anregungen, Fragen oder Wünsche an uns? Dann lassen Sie uns das gerne wissen! Unsere -Adresse: Redaktion: Layout: Dr. Bärbel Habbe Volker Lindloff, Freier Argrarjounalist Dr. Heinzbert Hurtmanns, Vereinigte Hagel Dr. Habbe PR w w w. v e r e i n i g t e - h a g e l. d e Fotos: Druck: Archiv Vereinigte Hagel, Schott Druck, Kiel

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