Extra-Journal. Finanzplatz Hamburg. Unsere Themen

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1 Extra-Journal Sonderdruck der hamburger wirtschaft Ausgabe 07 / 2012 Unsere Themen Finanzplatz Hamburg Interview: Nicolas Hübener Ungewöhnlich versichern Finanzberatung Besser durch Regulierung Finanzmarktregulierung Wer hat Angst vor Basel III? Schiffsfinanzierung Kurs halten Fachkräfte Gemeinsam voran

2 2 Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg 3 Interview: Nicolas Hübener Ungewöhnlich versichern Nicolas Hübener, Vorstand der Hübener Versicherungs-AG, sprach mit der hamburger wirtschaft über Diebstahlversicherungen für Bonsai-Bäume, über das, was Heidi Klums Beine und Koi-Karpfen gemeinsam haben, sowie über Herden schwarzer Schafe. hamburger wirtschaft: Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, ungewöhnliche Risiken zu versichern? Nicolas Hübener: Meine berufliche Laufbahn begann ich als Rückversicherungsmakler. Um als Makler Erfolg zu haben, muss man ständig neue Ideen und ein unkompliziertes Verhältnis zum Risiko entwickeln. Dabei habe ich gelernt, dass es keine guten oder schlechten Risiken gibt, sondern nur einfache oder schwierige. hw: Diese Einstellung war bei Ihrem Wechsel vom Makler zum Versicherer hilfreich? Hübener: Als Neuling in einem besetzten Markt ist es wichtig, sich von der Konkurrenz abzuheben. Statt Standardgeschäft zu betreiben, wollen wir unseren Maklern etwas bieten, das normale Versicherer nicht leisten möchten. Viele Versicherer arbeiten mit Schablonen; sobald Risiken nicht ins Schema passen, werden Sie abgelehnt. hw: Können Sie Beispiele dafür geben? Hübener: Eine Diebstahlversicherung für Bonsai-Bäume oder eine Versicherung von Koi-Karpfen gegen Blitzschlag. Mein persönlicher Favorit ist eine Haftpflichtversicherung für einen mobilen Reptilienzoo. hw: Wie kann man für solche Risiken überhaupt sinnvoll und vertretbar Prämien kalkulieren? Langjährige Erfahrungswerte wie normale Versicherer haben Sie ja nicht... Hübener: Wir überlegen uns Prämien, die wir für auskömmlich halten. Dies ist letztlich Versicherungsgeschäft in seiner ursprünglichen Form. Jede heutige Standardversicherung war zu Beginn ein unbekanntes versicherungstechnisches Wagnis. Für uns macht es deshalb keinen großen Unterschied, ob Koi-Karpfen oder Heidi Klums Beine versichert werden. hw: Das müssen Sie jetzt aber erklären! Hamburg hat eine lange Geschichte, wenn es um Versicherungen geht. Hübener: Für beide besteht eine Schadenseintrittswahrscheinlichkeit. Der Versicherer muss Zur Person Nicolas Hübener stammt aus einer hanseatischen Maklerdynastie, aus der auch der heute als Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH firmierende Versicherungsmakler Jauch & Hübener, hervorgegangen ist gründete Nicolas Hübener die Hübener Versicherungs-AG, die sich auf die Zeichnung ungewöhnlicher Risiken im In- und Ausland spezialisiert hat. versuchen, diese zu kalkulieren und in Prä mien zu übersetzen. Ein Versicherungsmathematiker strebt normalerweise die Homogenität der Risiken an. Bildlich gesprochen versucht er, bei einer Schafsherde das eine schwarze Schaf zu vermeiden. Wir hingegen führen alle schwarzen Schafe verschiedener Herden zusammen und schaffen so aus inhomogenen Einzelrisiken ein Portfolio homogener Risiken. hw: Wie kann es dann noch Risiken geben, die nicht versicherbar sind? Hübener: Schwierig wird es, wenn das Risiko nicht vom Zufall abhängt, sondern vom Verhalten einzelner Individuen, sei es durch Nachlässigkeit oder Vorsatz. Dies kann man nicht durch entsprechende Prämien oder Selbstbeteiligungen in den Griff bekommen. Und für Risiken, die wir nicht verstehen oder für nicht beherrschbar halten, würden wir ebenfalls keine Versicherung anbieten. Fotos: Liebsch, hw: Für Sturmflutschäden ist Versicherern bislang noch kein Angebot gelungen Hübener: Sturmflutschäden sind nicht versicherbar. Eine Versicherung funktioniert nur, wenn die Schäden von Wenigen durch die Gefahrengemeinschaft aller Versicherten getragen werden. Eine Sturmflutversicherung würden nur diejenigen abschließen, die direkt von Überflutungen betroffen wären. Beim Versicherungsereignis, der Sturmflut, wäre auf einen Schlag eine so große Zahl von Versicherungsnehmern betroffen, dass der Risiko ausgleich nicht mehr funktionieren würde. hw: In Hamburg zeichnen auch andere Versicherungen ungewöhnliche Risiken, zum Beispiel wenn es um Weinkellereien oder um Oldtimer geht. Ist unsere Stadt ein ganz besonderer Versicherungsstandort? Hübener: Hamburg hat eine lange Geschichte, wenn es um Versicherungen geht. Das hat zu einer großen Zahl und Vielfalt von Akteuren geführt. Ob Versicherungen für Wein, für Briefmarken oder für Schuhe: You name it, Hamburg has it! / Jörn Le Cerf Sein persönlicher Favorit ist eine Haftpflichtversicherung für einen mobilen Reptilienzoo: Nicolas Hübener versichert Dinge, die nicht ganz alltäglich sind

3 4 Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg 5 Finanzberatung Besser durch Regulierung Nach der Finanzmarktkrise sind neue Vorschriften für die Finanzbranche geplant. Doch wie wirkungsvoll sind die Maßnahmen der Bundesregierung wirklich? Zahlreiche Anleger haben während der Finanzmarktkrise ihr Erspartes, das sie in zum Teil hoch riskante Anlagen gesteckt hatten, ganz oder teilweise verloren. Sie machten eine schmerzhafte Erfahrung: Der Aussicht auf hohe Rendite steht immer auch ein hohes Risiko gegenüber. Die Bundesregierung und insbesondere das Verbraucherschutzministerium aber sehen den Kern des Übels in der mangelhaften Beratung der Kunden. Daher knüpfen sie genau dort mit der Regulierung an. Kritisch sieht Dr. Achim Tiffe, geschäftsführender Direktor des Instituts für Finanz dienstleistungen e. V., die Entwicklung der vergangenen Jahre: Die Frei heit der Finanzmärkte steht der Freiheit des Totalverlustes, der gescheiterten Altersvorsorge und der Überschuldung gegenüber. Wenn Verbraucher scheitern, solle zuerst nach der Beratung durch die Anbieter gefragt werden. Anbieter müssen auch unkundigen Verbrauchern die richtigen Produkte empfehlen, daher brauchen wir einen besseren rechtlichen und vor allem effektiveren Schutz vor Falschberatung. Auch in der Finanzbranche gibt es Stimmen, die am Konzept des mündigen Verbrauchers zweifeln. Dieser sei, besonders wenn es um Vorsorgeprodukte gehe, eine reine Fiktion, meint Dr. Leberecht Funk. Der Gesellschafter der Funk Gruppe GmbH warnt: Wir müssen uns davor hüten, uns mit einer vermeintlichen Aufgeklärtheit zufrieden zu geben. Während die Verbraucher sich in Scheinsicherheit wiegen, läuft die Regulierung den komplexen Produkten hinterher. Offen bleibt allerdings, wie diese Analyse gewinnbringend genutzt werden kann, und zwar für Kunden und Finanzinstitute gleichermaßen. Ist nämlich eine Partei der anderen immer einen Schritt voraus, lässt sich das in den vergangenen Jahren be schädigte Vertrauen nicht wieder aufbauen. Am Ende profitiert weder der Kunde, da er Geld verliert, noch die Bank, da sie (weiter) Ver trauen verspielt. Ein Instrument, um diesem Dilemma zu begegnen, sieht Jens-Peter Bostelmann, Niederlassungsleiter der Quirin Bank AG in Hamburg, in der Honorarberatung. Verbraucher müssten sich bewusst machen, dass Beratung nicht kostenlos sei, sondern dass die Bank beim Verkauf von Anlageprodukten immer Provisionen erhalte. Bezahle der Kunde den Berater aber direkt, könne er sich beim Kauf von An lageprodukten sicher sein, pro visionsfrei, fair und unabhängig beraten zu werden. So wird gewährleistet, dass Anlageempfehlungen an den Bedürfnissen der Kunden und nicht an den zu er zielenden Provisionen für die Bank ausgerichtet sind. Leberecht Funk hingegen hält die Vergütungsform nicht automatisch für eine bestimmende Determinante der Beratungsqualität. Die provisionsvergütete Beratung hat sich im verbrauchernahen Geschäft durchaus bewährt, sagt er und fügt mit Blick auf seinen Berufsstand hinzu: Verbraucherthemen sind in der DNA des Versicherungsmaklers fest verankert. Die gesetzlichen Sachwalteraufgaben des Maklers deckten sich weitestgehend mit den Vorstellungen eines ausgewogenen Verbraucherschutzes, da sie den Kunden verpflichtet seien. Achim Tiffe ist Befürworter der Honorarberatung, geht aber davon aus, dass die Mehrheit der Verbraucher auch in Zukunft Produkte bei Vermittlern kauft: Deshalb muss die Beratung an sich besser werden. Zumindest in diesem Punkt sind sich alle drei Experten einig. Honorarberater und provisionsvergütete Beratung haben beide eine begründete Existenzberechtigung, sagt Gabriele Rose, Leiterin des Handelskammer-Geschäfts bereiches Börse. Sie hofft, dass nicht irgendein Ministerium, sondern der Markt regeln wird, ob und wie sich das Prinzip der Honorarberatung durchsetzen kann. Fakt ist für sie, dass sich jeder Kunde selbst für eine Beratungsform entscheiden muss. Ihn für diese Auswahl fit zu machen, sollte das Ziel des Verbraucherschutzministeriums sein und durch konkrete Angebote realisiert werden. Regulierung allein wird zu keiner besseren Finanzpartnerschaft führen können.

4 6 Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg 7 Finanzmarktregulierung Wer hat Angst vor Basel III? Wie eine Umfrage der Handelskammer zeigt, sehen Hamburger Unternehmen Basel III bislang noch gelassen entgegen. Wachsamkeit bleibt dennoch geboten, da das neue Reformpaket die Kreditvergabe einschränken und Finanzierungen verteuern könnte. Die globale Finanzkrise legte Grenzen und Wirksamkeit der Bankenregulierung offen. Dies nahm der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht zum Anlass, ein neues, strengeres Regelwerk für Kreditinstitute zu erarbeiten. Die EU-Kommission will diese als Basel III bekannten Vorgaben weitgehend übernehmen und als Verordnung schrittweise ab 2013 umsetzen. Damit werden sie unmittelbar in jedem Mitgliedsstaat der Europäischen Union gelten. Im Zentrum von Basel III stehen aufsichtsrechtliche Eigenkapitalvorschriften. Die erforderlichen Eigenmittel der Banken werden von derzeit 8 auf mindestens 10,5 Prozent steigen. Auch deren Zusammensetzung hat es qualitativ in sich: Basel III fordert 6 Prozent Kernkapital bestehend aus mindestens 4,5 Pro zent hartem Kernkapital, 2 Prozent Ergänzungskapital und einen Kapitalerhaltungszuschlag von 2,5 Prozent in Form von hartem Kernkapital. Zudem ist ein anti zyklischer Kapitalzuschlag von bis zu 2,5 Prozent vorgesehen. Hamburgs Unternehmen sehen Basel III bislang gelassen entgegen. Im Kreditbarometer befragte die Handelskammer im ersten Quartal ein repräsentatives Unternehmenspanel. Über die Auswirkungen von Basel III auf die Finanzierungsmöglichkeiten fühlt sich über die Hälfte aller Hamburger Unternehmen ausreichend vorbereitet. Ein Drittel wird künftig nicht auf Finanzierungsangebote von Kreditinstituten angewiesen sein. Und nur jeder zehnte Betrieb sieht in den kommenden zwölf Monaten die Finanzierung als größtes Risiko für die geschäftliche Entwicklung. Prof. Henning Vöpel, Senior Economist am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut, ist davon wenig überrascht. Die günstigen Re fi nanzierungs be dingungen für Banken sorgen derzeit für einen relativ guten Zugang zu Bankkre diten, sagt er. Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse, betont: Der Mittelstand hat in den vergangenen Jahren viel Liquidität aufgebaut. Zudem habe die Europäische Zentralbank im Zuge der Finanzkrise reichlich Geld in den Markt gepumpt, sodass aktuell eine vorübergehende Überversorgung vorliege. Eine Kreditklemme hat es in Hamburg sogar während der Finanzkrise nicht gegeben. Wird der Bestand an Unternehmenskrediten (Inland) ins Verhältnis zum Hamburger Bruttoinlandsprodukt gesetzt, ergibt sich seit Jahren ein Wert von über 100 Prozent. Dies ist bundesweit Spitze und verdeutlicht, dass die Banken am Finanzplatz Hamburg die regionale Wirtschaft bislang krisenunabhängig mit Krediten versorgen. Angst vor Basel III müssen Unternehmen der Hansestadt nicht haben. Aber mit Umsetzung der Basel III - Beschlüsse und zunehmender In vesti tionsnachfrage dürften künftig insbesondere kleinere mittelstän dische Unternehmen, die ihre Investitionen typischerweise kreditfinanzieren, die Aus wir kungen von Basel III spüren, so Henning Vöpel. Vorsicht bleibt also auch weiterhin geboten. Wenn es so kommt wie vom Gesetzgeber angedacht, müssen alle Banken Unternehmenskredite mit durchschnittlich 30 Prozent mehr Eigenkapital unterlegen, während Kredite an überschuldete Staaten meist ohne Eigenkapitalunterlegung auskommen, sagt Harald Vogelsang. Dies könne Kredite verknappen und Finanzierungen verteuern. Das ist eindeutig der falsche Weg und trifft ausgerechnet Volksbanken und Sparkassen, die die internationale Finanzmarktkrise nicht ver ursacht, sondern die stabilisierend gewirkt haben. Eine verantwortungsvolle Einführung von Basel III, die sowohl Geschäftsmodell und Risikoneigung der Kreditinstitute als auch die Belange der Realwirtschaft angemessen berücksichtigt, ist unabdingbar. Daher ist die kritisch konstruktive Begleitung der Umsetzung in europäisches Recht durch Kammern und Verbände sehr wichtig. Infolge gemeinsamer Stellungnahmen der deutschen Wirtschaft, an denen sich die Handelskammer über den DIHK beteiligt hat, konnte bereits eine Diskussion über die Absenkung der Risikogewichte für KMU-Kredite angestoßen werden. Basel III benötigt grundsätzlich auch eine flankierende Regulierung der Schattenbanken, sagt Vöpel. Nur so könne verhindert werden, dass viele Geschäfte in den unregulierten Bereich ausgelagert werden und die Mittelstandsfinanzierung dann eine unverhältnismäßig große Last von Basel III zu tragen habe. Harald Vogelsang gibt zu bedenken: Regionalbanken haben heute durch die unterschiedliche Kapitalanrechnung mehr Anreize, Staatsanleihen zu kaufen, als dem Mittelstand in der Region Kredite zu geben. Unwahrscheinlich, dass die Bankenregulierung dies so beabsichtigt hat. Illustrationen: Nicola Schaller Daten und Fakten zum Themenschwerpunkt Die Hamburger Finanzbranche ist mit mehr als Unternehmen und über Arbeitnehmern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Insgesamt gibt es in der Hansestadt mehr als 160 Kreditinstitute und über 370 Versicherungen. Besonders stark ist Hamburg im Bereich der Versicherungsvermittlung: Rund Personen sind als Versicherungsvertreter oder -makler tätig. Weitere Unternehmen bieten Finanzdienstleistungen an, darunter Vermögensverwaltungen und knapp 900 Beteiligungsgesellschaften.

5 8 Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg 9 Schiffsfinanzierung Kurs halten Die maritime Branche mit Hamburg als Zentrum ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und hat eine zentrale Funktion für den deutschen Außenhandel. Allerdings sind viele Reedereien und ihre Finanzierer derzeit in einer schwierigen Lage, die nur durch gemeinsame Anstrengungen bewältigt werden kann. Raue Fahrwasser sind in der maritimen Branche nichts Ungewöhnliches. Schifffahrtsmärkte zeichnen sich seit jeher durch große Schwankungen aus, sagt Prof. Orestis Schinas, Inhaber des Lehrstuhls für Schifffahrt und Schiffsfinanzierung an der HSBA Hamburg School of Business Administration. Durch die Einbindung Chinas in die Weltwirtschaft habe es allerdings einen fast acht Jahre währenden Boom gegeben, der zu einer exzessiven Neubautätigkeit und im Gefolge der Wirtschaftskrise schließlich zu abstürzenden Transportpreisen geführt hat. Davon besonders betroffen sind deutsche Anleger und Banken: Die deutsche Handelsflotte ist mit knapp 4000 Schiffen weltweit führend, und viele mit hohem Fremdkapitalanteil finanzierte Schiffe können seit Längerem weder Zinsen noch Tilgung leisten. Für die finanzierenden Banken werden die Kredite nun deutlich teurer, da das Rating der Schuldner sich laufend verschlechtert und durch regulatorische Vorgaben mehr Eigenkapital zu hinterlegen ist. Fremdkapital ist also knapp. Auf der Eigenkapitalseite kann kurzfristig auch das lange dominierende Modell geschlossener Schiffsfonds aufgrund mangelnden Anlegervertrauens keinen Finanzierungsbeitrag leisten. Zum Beispiel wurde im ersten Quartal dieses Jahres kein einziger Schiffsfonds zur Genehmigung eingereicht erstmals seit Beginn der verpflichtenden Freigabe von Fondsprospekten bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht im Jahr Dass sich die Märkte künftig wieder er holen, ist zwar grundsätzlich sicher, aber im Zeitpunkt ungewiss. Orestis Schinas erwartet dies eher für 2014 oder Bis dahin gelte es, einen Absturz der Schiffs werte durch umfängliche Verwertungen zu verhindern. Bislang haben die Banken allenfalls einzelne finanzierte Schiffe bei Zahlungsschwierigkeiten des Schuld ners auf andere Eigner umplatziert. Allerdings hat sich die Lage durch den angekündigten Rückzug wich tiger Institute in letzter Zeit substantiell verschärft. Unabhängig von der verstärkten Vorsicht in unsicheren Zeiten wird die Kreditvergabe künftig stärker von professionellen Strukturen im Reedereisektor abhängen. International übliche Transparenz- und Reportingstandards und eine breitere Haftungsbasis sind wichtige Voraus setzungen für ein Kreditengagement. Dies spricht für die Bildung größerer Einheiten durch Fusionen oder Zusammenschlüsse. Experten erwarten im Schifffahrtsgeschäft zudem einen Wechsel in den Prioritäten. Früher standen für Reedereien oft technische und operative Aspekte des Schiffsbetriebes im Mit telpunkt. Künftig werden die Sicherung der Finanzierung und ein professionelles Finanzmanagement eine deutlich höhere Aufmerksamkeit erfordern. Angesichts der Verknappung und Verteuerung von Schiffskrediten erwarten die meisten Experten zudem, dass andere Investoren wie zum Beispiel Private-Equity-Fonds, Pensionskassen oder Versicherungen künftig einen größeren Beitrag zur Finanzierung leisten. Auch am organisierten Kapitalmarkt könnten über die Emission von Anleihen oder Aktien neue Mittel aufgenommen werden. Allerdings gelten hier erst recht scharfe Transparenzanforderungen. Im vierten Jahr der Krise sind die Ressourcen vieler Beteiligter nahezu erschöpft. Auch wenn in der Praxis mitunter emotionale Aspekte das Eingehen einer sachlich gebotenen Lösung behindern, sind die maritime Branche und die finanzierenden Institute im Großen und Ganzen bislang erfolgreich auf Kurs geblieben, sagt Claus Brandt, Partner und Schiff fahrtsexperte bei der Pricewaterhouse Coopers AG. Er betont, dass der Großteil der Strecke voraussichtlich erfolgreich absolviert wurde, und appelliert an den Gemeinsinn: Die Stärkung des maritimen Clusters war ein Erfolg für Deutschland. Alle Beteiligten wie zum Beispiel Reedereien, Banken, Versicherer und Umschlagsbetriebe haben daran gemeinsam teilgehabt. Jetzt haben sie eine gemeinsame Verantwortung, dass dies so bleibt. Jörn Le Cerf Telefon Informationen Am 11. Juni diskutierten 400 Experten auf dem Hamburger Schifffahrtsdialog Lösungsansätze zur Überwindung der schwierigen Situation in der Schifffahrtsbranche. Eine Zusammenfassung steht unter

6 10 Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg 11 Fachkräfte Gemeinsam voran Im vergangenen Jahr entstanden in Hamburg viele Arbeitsplätze im Finanz- und Versicherungsbereich. Doch die Finanzkrise hat nicht gerade zu einer Verbesserung des Images der Branche beigetragen. Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung sind deshalb wichtig. Nach Angaben der Arbeitsagentur ist die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg seit Jahresbeginn kontinuierlich gesunken. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 7,4 Prozent. Besonders der Bereich Finanzen und Versicherungen steht in der Hansestadt für einen hohen Fachkräftebedarf. Im Vergleich zum Februar des Vorjahres registrierte die Arbeitsagentur hier eine Zunahme von rund sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Mit Unternehmen und über Arbeitnehmern ist die Branche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Mit Krediten und Risikoübernahmen ermöglichen es Banken und Versicherungen der Realwirtschaft, Geschäf te nachhaltig zu betreiben. Doch seit der Finanzkrise ist der volkswirtschaftliche Nutzen der Branche in der öffentlichen Debatte in den Hintergrund geraten. In einer Studie der Kommunikationsagentur Faktenkontor und des Marktforschungs institutes Toluna landeten sowohl der Bankkaufmann als auch der Versicherungsvertreter unter den zehn unbeliebtesten Berufen. Versicherungsvertreter war sogar der mit Abstand unbeliebteste Job der gesamten Republik. Dieses Image und der demografische Wandel dürften es der Branche immer schwieriger machen, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Im Handelskammer-Konjunkturbarometer des ersten Quartals stufte über ein Viertel der Unternehmen der Finanzbranche den Fachkräftemangel als größtes Risiko für die geschäftliche Entwicklung ein. Bei Versicherungsvermittlern und abgeschwächt auch bei Versicherungsmaklern beobachten wir seit Jahren Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung, sagt Dieter Lorenz, geschäftsführender Vorstand des Berufsbildungswerkes der Versicherungswirtschaft Hamburg e. V. Verstärkt werde der Fachkräftemangel bei den Versicherungen durch hausgemachte Probleme wie Frühpensionierungen, übermäßige Verschlankung und Bedarf an Spezialisten infolge höherer regulatorischer Anforderungen. Vorsichtig optimistisch bewertet Dr. Reiner Brüggestrat, Sprecher des Vorstandes der Hamburger Volksbank, die Situation: Die Metropole Hamburg wächst nach wie vor, was mit Chancen und Risiken verbunden ist. Die Attraktivität unserer Heimatstadt deckt die Nach- frage an Mitarbeitern durch beständigen Zuzug von Neuhamburgern, jedoch entsteht ein zusätzlicher Bedarf gerade durch dieses Wachstum. Damit die Hamburger Finanzbranche in Zukunft im Wettbewerb um die besten Köpfe bestehen kann, sind Initiativen an vielen Fronten notwendig. Dabei sei es für alle Arbeitgeber unattraktiv, den Fachkräftemangel monetär weiter zu verschärfen, warnt Brüggestrat. Statt sich Bewerber am Arbeitsmarkt gegenseitig wegzukaufen, sollten die Unternehmen der Finanzbranche lieber gute und sichere Arbeitsplätze in der Metropolregion schaffen und erhalten. Lorenz ergänzt: Auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss beim Fachkräftemangel berücksichtigt werden. Zudem sollte die Fachkräftesuche bereits in den Abschlussklassen der Schulen beginnen und nicht erst an der Universität. Aus diesem Grund lädt die Han delskam mer ein mal jährlich alle Schüler der Ab gangs klas sen aller Schulformen zur Hanseatischen Lehrstellenbörse ein. Im vergangenen Jahr nutzten dies über Hamburger Schüler. Auch viele Unternehmen der Finanzbranche waren mit Messeständen vertreten. Zudem bringt die Onlinelehrstellenbörse der Handelskammer ganzjährig Ausbildungssuchende und Unternehmen zusammen. Anfang Juni standen rund 70 Aus bil dungs plätze bei Banken und Ver sicherungen für das aktuelle Jahr zur Verfügung. Auf die Gruppe der Studenten zielen der Finanz platz Hamburg e. V. und der Han se a tische Bör senkreis der Universität Ham burg e. V., die gemeinsam die eintägige Recruitment veranstaltung Campus meets finance mit sieben namhaften Unternehmen der Finanz- und Versicherungsbranche durchführen. Viele talentierte Hamburger Studenten zieht es nach ihrem Studium nach Frankfurt, München oder London, bedauert Martin Siejka, Vorstandsvorsitzender des Hanseatischen Börsenkreises. Dabei sind gerade in unserer Stadt viele zwar weniger bekannte, dafür aber hoch spezialisierte Finanzund Versicherungsunternehmen tätig. Ziel der erstmals stattfindenden Veranstaltung ist es deshalb, die hiesige Banken- und Finanzwelt auf talentierte Nachwuchskräfte aufmerksam zu machen, den Studierenden das Neuer Studiengang an der HSBA Ein berufsbegleitender MBA-Studiengang für die Versicherungsbranche ist das gemeinsame Ziel des Finanzplatz Hamburg e. V. und der HSBA Hamburg School of Business Administration. Derzeit sind wir dabei, einen Beirat für diesen Studiengang zu etablieren, sagt Eberhard Sautter, Vorstand der Hansemerkur und Vorsitzender des Finanzplatz-Arbeitskreises der Versicherungswirtschaft. Er ruft Unternehmen dazu auf, sich einzubringen und breite Spektrum an Betätigungsfeldern in der Branche aufzuzeigen und zugleich für Hamburg als Arbeits- und Lebensort zu werben. an der Gestaltung des Studiengangs mitzuwirken. Das zweijährige Programm soll Oktober 2013 in Blockwochen an der HSBA beginnen. Es bietet deutschlandweit Unternehmen und Versicherungsmitarbeitern die Möglichkeit, Beruf und Weiterbildung unter einen Hut zu bringen. Sautter: Besonders interessant ist das Angebot für Mitarbeiter, die durch langjährige Berufstätigkeit qualifiziert sind und nun die Chance erhalten, auch ohne erstes Hochschulstudium einen akademischen Abschluss zu erwerben. Illustrationen: Nicola Schaller

7 12 Extra-Journal: Finanzplatz Hamburg Team Finanzplatz Ihre Ansprechpartner Dr. Gabriele Rose ist Leiterin des Geschäfts bereichs Börse der Handelskammer und Geschäftsführerin des Finanzplatz Hamburg e.v., in dem sie auch den Arbeitskreis Marke ting betreut. Dr. Gabriele Rose Telefon Jörn Le Cerf ist stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Börse und Ansprechpartner für den Arbeitskreis Innovative Finanzprodukte und -dienstleistungen im Finanzplatz Hamburg e.v. Jörn Le Cerf Telefon Walter Dening ist Referent in der Abteilung Finanzwirtschaft. Im Finanzplatz Hamburg e.v. ist er für den Arbeitskreis Versicherungswirtschaft verantwortlich. Walter Dening Telefon ist Referent in der Abteilung Finanzwirtschaft. Er be treut den Arbeitskreis Bildung & Forschung des Finanzplatz Hamburg e.v. Thomas Schlichting übernimmt im Geschäftsbereich Börse die hoheitlichen Aufgaben Versicherungsvermittler und -makler und ist zuständig für die Sachkundeprüfung. Thomas Schlichting Telefon Jana Spring ist Organisationsassistentin des Geschäftsbereichs Börse und des Finanzplatz Hamburg e.v. Jana Spring Telefon Informationen Der Finanzplatz Hamburg e.v. vereint über 90 Unternehmen, Institutionen und persönliche Mitglieder aus der Finanzwirtschaft sowie aus Wissenschaft und Politik. Ziel ist es, den Finanzplatz Hamburg und seine Marktteilnehmer zu stärken, ihn wettbewerbsfähiger zu machen, ihm ein unverwechselbares Image zu geben und dieses zu kommunizieren. Mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot stärkt der Verein die Vernetzung der Unternehmen zu anderen Branchen und zur Wissenschaft. Die Handelskammer Hamburg hat die Geschäftsführung für den Verein.

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