Doppelte Dividende mit Nachhaltigkeitsratings von oekom research

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1 Doppelte Dividende mit Nachhaltigkeitsratings von oekom research Ergebnisse einer vergleichenden Analyse der Aktien-Performance auf Basis der Nachhaltigkeitsratings der oekom research AG Juli 2012

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3 Gliederung Vorworte... 2 Zusammenfassung Hintergrund und Zielsetzung der Studie Basis: oekom Corporate Rating Bewertungskriterien und -prozess Methodik der Studie Untersuchungsdesign und Grundgesamtheit Gewichtung nach Marktkapitalisierung Pro und Contra Ergebnisse Gesamtergebnisse Einzelergebnisse für ausgewählte Regionen Fazit: Eine doppelte Dividende ist möglich...18 Autoren Anhang Seite 1

4 Vorworte Die Frage, ob man auf Rendite verzichten muss, wenn man bei der Kapitalanlage soziale oder ökologische Kriterien berücksichtigt, oder ob sich Nachhaltigkeit und Rendite im Sinne einer doppelten Dividende verbinden lassen, ist fast so alt wie das nachhaltige Investment selbst. In vielen Gesprächen, die wir mit institutionellen Investoren über das Für und Wider nachhaltiger Kapitalanlagen führen, spielt dieses Thema eine Rolle. Dabei besteht häufig die Einschätzung oder soll man sagen das Vorurteil, dass man mit nachhaltigen Kapitalanlagen in Sachen Rendite und Risiko schlechter fährt. Als eine der weltweit führenden Nachhaltigkeits- Ratingagenturen engagieren wir uns seit Langem dafür, diesen Vorbehalten mit fundierten Fakten zu begegnen. In den rund 20 Jahren, in denen wir am nachhaltigen Kapitalmarkt aktiv sind, haben wir immer wieder entsprechende Analysen durchgeführt. Die Ergebnisse waren dabei durchweg positiv und werden durch die vorliegende Studie eindrucksvoll unterstrichen: Wer sich bei der Kapitalanlage an den Nachhaltigkeitsratings von oekom research orientiert, hat manifeste Vorteile bei Rendite und Risiko. Dies bestätigt uns in unserer Einschätzung, dass die Unternehmen ökonomisch erfolgreicher sein müssen, die sich ökologisch und sozial verantwortlich verhalten, die beispielsweise auf Energie- und Ressourceneffizienz setzen, ihre Mitarbeiter und Zulieferer fair behandeln und den Grundsätzen guter Corporate Governance folgen. Wie sich dies konkret bei Rendite und Risiko niederschlägt, dokumentiert die gemeinsame Studie der DPG Deutschen Performancemessungs-Gesellschaft und oekom research. Als Dienstleister im Bereich des Performance- und Risikocontrollings arbeitet die DPG seit mehr als 20 Jahren als neutraler Marktteilnehmer auf quantitativer Basis daran, die Marktteilnehmer mit fundierten Informationen über den Prozess der Kapitalanlage zu unterstützen. Derzeit betreut die DPG mit ihren umfassenden und detaillierten Leistungen mehr als 180 Kunden mit über Fonds. In den vergangenen Jahren haben dabei Fragen zu nachhaltigen Investments stetig an Bedeutung gewonnen. Treiber dieser Entwicklung ist nach unserer Beobachtung die Frage, ob die Berücksichtigung eines weiteren Bausteins bei der Portfoliokonstruktion der Nachhaltigkeit ohne negative Konsequenzen für die restlichen Restriktionen erfolgen kann. Entsprechende Nachfragen haben in der letzten Zeit kontinuierlich zugenommen, sei es von Seiten der institutionellen Anleger, der Asset Manager oder auch der Wissenschaft. Mit der Basis des über Jahre gesammelten Wissens über die Kapitalmärkte, dem effizienten Umgang mit großen Datenmengen und einer effizienten Softwareumgebung konnte diese Fragestellung in der vorliegenden Studie eingehend analysiert werden. Die Ergebnisse dieser Studie bilden ein gutes Fundament für die Beantwortung der an uns gerichteten Fragen. Wir sind sicher, dass auch vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Analysen das Interesse am nachhaltigen Investment weiter steigen wird. Robert Haßler CEO, oekom research AG München Herbert Jobelius, Hans G. Pieper Geschäftsführer, DPG Deutsche Performancemessungs- Gesellschaft für Wertpapierportfolios mbh, Frankfurt Seite 2

5 Zusammenfassung Ziel der Studie Die Studie untersucht die Performance und das Risiko der von oekom research mit dem Prime Status ausgezeichneten Großunternehmen im Vergleich zum MSCI World Total Return Index. Dabei werden zwei Ausgangsthesen analysiert: 1. Das oekom Prime Portfolio Large Caps hat eine bessere Rendite als der Markt. 2. Das oekom Prime Portfolio Large Caps hat ein geringeres Risiko als der Markt. Alle Berechnungen wurden von der Deutschen Performancemessungs-Gesellschaft für Wertpapierportfolios mbh (DPG) durchgeführt. Grundgesamtheit: mehr als Unternehmen Den oekom Prime Status erhalten Unternehmen, die den von oekom research branchenspezifisch definierten Anforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement genügen. Dies waren per insgesamt 543 der über von oekom research bewerteten Unternehmen in den drei Klassen Large Caps, Small & Mid Caps aus Branchen mit einem hohen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit, z. B. aus den Bereichen erneuerbare Energien und Recycling, sowie nicht-börsennotierte Emittenten von Anleihen. Für die vorliegende Analyse wurden aus Gründen der Vergleichbarkeit mit den gewählten Benchmark-Indizes ausschließlich die Large Caps ausgewählt. Deren Zahl stieg im Beobachtungszeitraum vom bis von 203 auf 300. Über 15 Prozent Outperformance gegenüber dem MSCI World Total Return Index Im Zeitraum bis erreichte das nach Marktkapitalisierung gewichtete oekom Prime Portfolio Large Caps eine kumulierte Rendite von 30,90 Prozent. Der MSCI World Total Return Index kam im gleichen Zeitraum auf eine kumulierte Rendite von 26,81 Prozent. Das oekom Prime Portfolio Large Caps erzielte damit im Betrachtungszeitraum eine um 4,09 Prozentpunkte oder 15,30 Prozent bessere Rendite als der MSCI World Total Return Index. Bei Gleichgewichtung der Titel im oekom Prime Portfolio Large Caps liegt dessen kumulierte Rendite sogar bei 62,84 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie beim MSCI World Total Return Index. Rendite im Zeitverlauf Seite 3

6 Signifikante regionale Unterschiede Die beste Performance zeigen im Zeitraum bis die Titel des oekom Prime Portfolios Large Caps aus der Region Asia-Pacific. Sie kommen bei marktkapitalisierungsgewichteter Betrachtung auf eine jährliche Rendite von 6,39 Prozent und lagen damit deutlich über der des MSCI AC Asia Pacific mit 4,86 Prozent p.a. In Deutschland lag die jährliche Rendite im Beobachtungszeitraum mit 5,36 Prozent über der der korrespondierenden Grundgesamtheit aus dem MSCI World Total Return Index (4,26 Prozent). In Europa erreicht das oekom Prime Portfolio Large Caps mit 2,89 Prozent die gleiche jährliche Rendite wie der entsprechende MSCI Index. Leicht geringeres Risiko Das jährliche Risiko (Volatilität) lag beim oekom Prime Portfolio Large Caps für den Zeitraum vom bis mit 18,92 Prozent insgesamt etwas niedriger als beim MSCI World Total Return Index, der einen Wert von 19,08 Prozent aufweist. Fazit: Eine Doppelte Dividende ist möglich Die Studie zeigt deutlich, dass die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien nicht systematisch zu einer geringeren Rendite oder einem höheren Risiko führt. Im Gegenteil: Investoren können im Sinne einer doppelten Dividende eine mindestens marktgerechte Rendite erwirtschaften und gleichzeitig soziale, umweltbezogene oder ethische Ziele verfolgen. Die Auswahl der Titel auf Basis des oekom Prime Standards führte im Beobachtungszeitraum insgesamt sogar zu einer besseren Rendite bei leicht geringerem Risiko. Seite 4

7 1. Hintergrund und Zielsetzung der Studie Das nachhaltige Investment hat in den vergangenen 20 Jahren einen massiven Aufschwung erlebt. Knapp jeder zweite Euro wird nach Berechnungen des europäischen Branchenverbandes für nachhaltige Kapitalanlagen, Eurosif, heute unter Berücksichtigung von so genannten ESG Kriterien angelegt, wobei E für Environmental (Umwelt), S für Social (Sozial) und G für Governance steht. Treiber der Entwicklung sind die institutionellen Investoren wie Kirchen, Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen. So gaben beispielsweise in einer Umfrage der Union Investment von August Prozent der deutschen institutionellen Investoren an, dass sie dem Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage eine hohe Bedeutung beimessen. Besonders hoch ist dieser Wert bei Kirchen und Stiftungen (84 Prozent), Family Offices und mittelständischen Unternehmen (76 Prozent) sowie Großunternehmen (64 Prozent). Nachhaltige Investoren haben vor allem zwei Motive, Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Anlageentscheidung zu berücksichtigen. Zum einen wollen sie auch in der Kapitalanlage die Werte berücksichtigen, für die ihre Organisation steht. Zu diesen wertebasierten Investoren zählen insbesondere Kirchen und Stiftungen. Zum anderen versprechen sich die Investoren von diesem Ansatz ein besseres Risiko-Rendite-Profil. Dabei geht es für nachhaltigkeitsorientierte genauso wie für konventionelle Investoren um zwei große Risiken: das Reputationsrisiko und das Performancerisiko. Die aktuelle massive Kritik am Investment von Banken in Aktien von Herstellern geächteter Waffen, z. B. Landminen und Streumunition, oder die öffentliche Häme gegenüber der niederländischen Krebsstiftung, die sich Aktien eines Tabakunternehmens ins Depot gelegt hat, sind zwei aktuelle Beispiele dafür, wie Anlageentscheidungen die Reputation von Investoren schädigen können. Gerade prinzipiengeleitete Investoren wie Kirchen und Stiftungen, aber auch andere große Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen stehen hier hinsichtlich ihrer Kapitalanlagen unter verschärfter Beobachtung. Im Hinblick auf die Performance muss sich das nachhaltige Investment mit dem theoretischen Vorurteil auseinandersetzen, dass jede Einschränkung des Anlageuniversums sei es durch Ausschlusskriterien oder die Best-in- Class-Auswahl wegen der geringeren Diversifikationsmöglichkeiten zu einer Einschränkung von Renditechancen und einem höheren Risiko führen muss. Dies ist wohl das älteste Argument gegen nachhaltige Investments. Immer mehr nachhaltige Investoren sind aber davon überzeugt, dass gerade die zusätzlichen Kriterien zu den sozialen und umweltbezogenen Leistungen dabei helfen, die Risiken eines Emittenten umfassender zu verstehen. Dabei lassen sich zwei Ebenen unterscheiden. Zum einen gehen diese Investoren davon aus, dass die Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements ein Indikator dafür ist, wie gut das Unternehmen insgesamt geführt wird. Wer also seinen Energie- und Rohstoffverbrauch im Griff hat, fair mit seinen Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden umgeht sowie bei seinen Produkten auf deren ökologische und soziale Qualität achtet, dem traut man auch zu, das gesamte Unternehmen gut zu führen. Das Nachhaltigkeitsmanagement wird damit zum Indikator für die Qualität des Gesamtmanagements. Im Umkehrschluss gilt: Ein schlechtes Nachhaltigkeitsrating lässt auf eine schlechte Unternehmensführung schließen und damit auf erhöhte Risiken. Zum anderen erlaubt das Rating der Nachhaltigkeitsleistung die Identifikation von Managementdefiziten in wichtigen Schlüsselbereichen. Wenn beispielsweise wie bei Tepco oder BP eklatante Defizite im Bereich der Anlagensicherheit identifiziert werden, sind dies gleichzeitig auch große Risiken für den finanziellen Erfolg und den Aktienkurs. Die entsprechenden Schlüsselbereiche müssen dabei jeweils vor dem konkreten Branchenhintergrund definiert werden. So haben beispielsweise Unternehmen aus rohstoff- und energieintensiven Branchen, die ihren Energie- und Ressourcenverbrauch nicht auf Effizienz trimmen, gegenüber ihren Wettbewerbern Kostennachteile und sind abhängiger von der Entwicklung der Rohstoffpreise. Unternehmen aus konsumnahen Branchen, deren Produkte nicht den steigenden Anforderungen der Konsumenten an die soziale und ökologische Qualität genügen, produzieren am Markt vorbei. Die Liste der Beispiele aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Unternehmenstätigkeit ließe sich noch beliebig fortsetzen. Seite 5

8 Ziel der vorliegenden Studie ist es, die dargestellten Plausibilitätsüberlegungen im Hinblick auf Rendite und Risiko durch statistische Auswertungen zu überprüfen. Dazu wurden folgende Thesen formuliert: These 1: Das oekom Prime Portfolio Large Caps (LC) hat eine bessere Rendite als der Markt. Aktien, die im Rahmen des Corporate Ratings von oekom research positiv bewertet und als Best-in-Class eingestuft werden, d. h. von oekom research den Status Prime erhalten (oekom Prime Portfolio LC), erzielen eine Outperformance im Vergleich zu einem Index des Aktienmarktes, bei dem keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden. These 2: Das oekom Prime Portfolio Large Caps (LC) hat ein geringeres Risiko als der Markt. Aktien, die im Rahmen des Corporate Ratings von oekom research positiv bewertet und als Best-in-Class eingestuft werden, d. h. von oekom research den Status Prime erhalten (oekom Prime Portfolio LC), haben ein geringeres Risiko als ein Index des Aktienmarktes, bei dem keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden. Seite 6

9 2. Basis: oekom Corporate Rating Bewertungskriterien und -prozess Bereits seit 1993 bewertet oekom research Unternehmen und Staaten nach sozialen und umweltbezogenen Kriterien. Aktuell 34 Analysten mit vielfältigem fachlichen Hintergrund erheben entsprechende Daten bei den Unternehmen sowie bei unabhängigen Quellen und bewerten diese auf der Basis branchenspezifischer Kriterienkataloge. Die Ratings werden von mehr als 75 Kunden aus neun Staaten genutzt, um eigene Kapitalanlagen zu verwalten oder entsprechende Anlageprodukte zu gestalten. Die Ratings beeinflussen derzeit Kapitalanlagen in Höhe von über 140 Milliarden Euro. Das oekom Universe umfasst rund Unternehmen aus über 50 Staaten. Abgedeckt werden damit unter anderem wichtige internationale Indizes wie der MSCI World, der MSCI Emerging Markets und der Stoxx 600 sowie nationale Indizes wie der österreichische ATX, der belgische BEL20, der französische CAC40, die deutsche DAX -Familie, der britische FTSE Index und der Schweizer SMI. Das oekom Universe kann dabei in drei Emittentengruppen eingeteilt werden: 1. börsennotierte Großunternehmen aus konventionellen Branchen; 2. börsennotierte Unternehmen aus Branchen mit einem hohen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit, z. B. aus den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien und Recycling; in der Regel kleine und mittelständische Unternehmen ( oekom Potentials ); 3. nicht-börsennotierte Emittenten von Anleihen. In einem zweistufigen Verfahren werden aus dieser Grundgesamtheit von mehr als Titeln diejenigen identifiziert, die den Anforderungen nachhaltigkeitsorientierter Investoren genügen, d. h. eine gute Nachhaltigkeitsleistung zeigen und/oder nicht gegen die von den Anlegern ausgewählten Ausschlusskriterien verstoßen. Im Rahmen des oekom Corporate Scoutings werden dazu in einem ersten Schritt die Unternehmen identifiziert, die ein Mindestmaß an sozialen und umweltbezogenen Maßnahmen bzw. Transparenz darüber erkennen lassen. Unternehmen, die diese Zugangsvoraussetzungen nicht erfüllen, werden im oekom Scouting Universe zusammengefasst. Dies sind aktuell rund der insgesamt bewerteten Unternehmen. Für sie führen die Analysten von oekom research ein indikatives Rating durch. Das Scouting wird jährlich aktualisiert. Unternehmen, die diese erste Hürde nehmen, werden in das oekom Rating Universe aufgenommen. Diese Emittenten von Aktien und Anleihen, derzeit rund 1.000, werden in einem zweiten Schritt im Rahmen des oekom Corporate Ratings bewertet (vgl. folgenden Abschnitt). Seite 7

10 oekom Corporate Rating Unternehmen, die die Zugangsvoraussetzungen für ein oekom Corporate Rating erfüllen, werden im oekom Rating Universe zusammengefasst und umfassend analysiert. Dabei kommen aus einem Gesamtpool von rund 500 Indikatoren branchenspezifisch jeweils etwa 100 Einzelindikatoren zum Einsatz, um den spezifischen nachhaltigkeitsbezogenen Herausforderungen der einzelnen Branchen Rechnung zu tragen. Bewertet werden die Managementstrukturen und -leistungen in sechs Themenbereichen, unter anderem Mitarbeiter & Zulieferer, Corporate Governance & Wirtschaftsethik sowie Produkte & Dienstleistungen. Der Bewertungsprozess ist stark dialogorientiert und beruht auf zwei Säulen: Zum einen gibt es einen umfassenden Informationsaustausch mit den bewerteten Unternehmen. Anstelle eines Fragebogens stellt oekom research den Unternehmen einen auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen z. B. Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte vorausgefüllten Ratingbericht zur Verfügung. Die Unternehmen haben dann die Möglichkeit, diesen im Rahmen eines Feedbackprozesses zu ergänzen. Am Ende des Prozesses wird den Unternehmen der finale Report kostenlos zur Verfügung gestellt. Um die Angaben der Unternehmen zu verifizieren und auch Informationen zu Sachverhalten zu bekommen, über die die Unternehmen nicht selbst informieren, nutzen die Analysten von oekom research zusätzlich unabhängige Informationsquellen. Dazu zählen zum einen Medien, zum anderen besteht ein guter Arbeitskontakt zu Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen, Menschenrechtsgruppen und Gewerkschaften sowie weiteren NGOs. Gerade bei der Recherche nach Verstößen gegen die von oekom research regelmäßig abgedeckten Ausschlusskriterien, insbesondere bei den Arbeits- und Menschenrechten sowie im Hinblick auf Umweltvergehen, haben Informationen aus unternehmensunabhängigen Quellen eine wichtige Bedeutung. Abb. 1: Prozess des oekom Corporate Ratings Seite 8

11 oekom Prime Status oekom research nutzt einen absoluten Best-in-Class-Ansatz. Dabei qualifizieren sich nur die Unternehmen für den Best-in-Class-Status, die ein von oekom research festgelegtes Mindestrating auf der von A+ (beste Note) bis D- reichenden Ratingskala erreichen. oekom research spricht in diesem Zusammenhang von der Prime Schwelle, die branchenindividuell festgelegt wird. Die Schwelle ist umso höher, je größer die (potenziellen) negativen Auswirkungen der Branche auf Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaft sind. Unternehmen, deren Leistungen über dieser Schwelle liegen, erhalten von oekom research den Status Prime. Die branchenspezifischen Kriterienkataloge werden regelmäßig weiterentwickelt, um neuen technischen, gesellschaftlichen, rechtlichen und sonstigen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Per erreichten insgesamt 17,1 Prozent der von oekom research bewerteten Unternehmen den Prime Status, darunter 300 konventionelle Großunternehmen. Rund ein Viertel der insgesamt rund von oekom research bewerteten Unternehmen (25,5 Prozent) zeigt gute Ansätze im Nachhaltigkeitsmanagement, es fehlt aber noch eine systematische und flächendeckende Verankerung entsprechender Aspekte im Management. Deutlich mehr als die Hälfte der Unternehmen (57,4 Prozent) ist hier kaum oder gar nicht aktiv. Die mit Prime bewerteten börsennotierten Großunternehmen aus konventionellen Branchen aus dem Zeitraum bis bilden die Basis für die vorliegende Analyse. Weitere Informationen zur Methodik der Performanceanalyse enthält das folgende Kapitel. Branche Bestes Unternehmen 2011 Land Auto Components Johnsons Controls US Automobile Renault FR Chemicals BASF DE Commercial Banks HVB Group DE Construction Berkeley Group GB Consumer Electronics Sony JP Food & Beverages Coca Cola Hellenic Bottling GR Household Products Henkel DE Insurance Standard Life GB Internet & Software IBM US Machinery Volvo SE Media Reed Elsevier GB Metals & Mining Norsk Hydro NO Oil & Gas OMV AT Paper & Forest Stora Enso FI Pharmaceuticals GlaxoSmithKline GB Real Estate British Land GB Retail Coop CH Telecommunications BT Group GB Utilities Terna Rete Elettrica Nazionale IT Tab. 1: Die besten Unternehmen in ausgewählten Branchen per ; Basis: oekom Universe; Quelle: oekom research AG (2012) Seite 9

12 3. Methodik der Studie 3.1. Untersuchungsdesign und Grundgesamtheit Ausgangspunkt der Analyse war die grundsätzliche Frage, wie sich ein Portfolio, das aus den Prime Titeln des oekom Universums gebildet wird, gegenüber der Benchmark MSCI World Total Return Index darstellt. Dabei wird der MSCI World Total Return Index gewählt, da dieser als bekannter und häufig genutzter Index für das Benchmarking von global investierenden Portfolios in den entwickelten Märkten weit verbreitet ist. Um eine weitgehende Identität in den Berechnungsgrundlagen zu schaffen, wurden durch die DPG folgende Schritte unternommen: Zusammenstellung der Titel des oekom Prime Portfolios LC für den Zeitraum bis auf Basis der Informationen von oekom research. Für die Analyse wurden ausschließlich Titel aus dem Bereich börsennotierte Großunternehmen aus konventionellen Branchen ausgewählt. Die Analyse beruht damit auf den realen historischen Daten und ist kein Backtesting aktueller Ergebnisse in die Vergangenheit. Das oekom Prime Portfolio LC ist stets vollständig investiert. Für Dividenden wurde die Annahme getroffen, dass diese unmittelbar in das oekom Prime Portfolio LC reinvestiert wurden. Veränderungen im Status der Klassifikation Prime bzw. Not-Prime wurden jeweils nach Mitteilung von oekom research nachvollzogen. Diese Wechsel erfolgten in der Regel zum Quartalsultimo. Fremdwährungspositionen wurden jeweils zu den Berechnungsstichtagen mit dem Devisenkurs zum Euro konvertiert. Das so zusammengestellte oekom Prime Portfolio LC wurde anschließend im Hinblick auf seine strukturelle Zusammensetzung systematisch analysiert. Hintergrund dafür ist der Ausschluss von strukturellen Einflussfaktoren, die die Aussagen der Analyse in eine bestimmte Richtung determinieren und damit die Aussagekraft aufheben. Das so berechnete oekom Prime Portfolio LC bestand über die betrachteten Jahre aus durchschnittlich 244 Titeln (2005 startete das oekom Prime Portfolio LC mit 203 Werten, das Jahr 2011 endete mit 300 Titeln). Insgesamt 193 Titel wurden über die Zeit aus dem oekom Prime Portfolio LC entnommen und 290 Titel dem oekom Prime Portfolio LC zugefügt. In einem weiteren Schritt wurde die Branchenstruktur analysiert. Wie die Abbildung 2 erkennen lässt, ist das oekom Prime Portfolio LC gut diversifiziert und hat eine breite Aufstellung über die Branchen. Abb. 2: Branchenstruktur im Zeitverlauf Seite 10

13 Im Gleichklang mit der allgemeinen Marktentwicklung hat sich die Informationstechnologie in den vergangenen Jahren zu einer Schwerpunktbranche im oekom Prime Portfolio LC entwickelt. Dagegen hat der Sektor Financials nach einem Höhepunkt im Jahre 2006 kontinuierlich an Bedeutung verloren. Im Jahr 2005 als wichtigste Branche gestartet, liegen die Financials mittlerweile nur noch auf Rang 5. Vergleicht man die Branchenstruktur des oekom Prime Portfolios LC mit dem MSCI World Total Return Index, dann sind über die betrachteten sieben Jahre die Branchen Informationstechnologie mit fast neun Prozent, Gesundheit (Health Care) mit 3,4 Prozent und Basiskonsumgüter (Consumer Staples) mit drei Prozent übergewichtet. Die stärkste Untergewichtung zum MSCI World Total Return Index findet sich mit etwa fünf Prozent bei den Werten aus der Energie-Branche, gefolgt von Versorgern (Utilities) und langlebigen Konsumgütern (Consumer Discretionary) mit etwa drei Prozent Untergewichtung. Auf Basis der Marktkapitalisierung ergibt sich die unterschiedliche Branchenstruktur durch die unterschiedlichen Titel. Im Zeitablauf haben sich die Abweichungen zur Branchenstruktur des MSCI World Total Return Index sehr unterschiedlich entwickelt. Finanztitel wurden bereits im Jahr 2008 untergewichtet, während Titel aus der Informationstechnologie über die Jahre stark ausgebaut wurden. INFORMATION TECH CONSUMER STAPLES HEALTHCARE TELECOM SVC INDUSTRIALS MATERIALS UTILITIES CONSUMER DISCR ENERGY FINANCIALS Abb. 3: Entwicklung der Abweichungen per Jahresende zwischen oekom Prime Portfolio LC und MSCI World Total Return Index Seite 11

14 Die Analyse der Gewichte der Branchenanteile und die Analyse der Renditeentwicklung der Branchenanteile des oekom Prime Portfolio LC zeigen somit einerseits eine deutliche Abweichung vom Vergleichsmaßstab auf, andererseits aber, dass es keinen systematischen Bias gibt. Gut erkennbar ist die starke Performance der Rohstoffwerte (Materials), wohingegen die Financials als Ausdruck der Krise in den vergangenen vier Jahren ihren Wert seit Start des so berechneten oekom Prime Portfolios LC halbiert haben. Interessante Ergebnisse lieferten auch die Basiskonsumgüter (Consumer Staples), die zum Jahresende 2011 fast das gleiche Ergebnis wie die Informationstechnologie erreichten. Abb. 4: Rendite der Branchen im Zeitverlauf Seite 12

15 Analog wurde die Aufteilung des oekom Prime Portfolios LC bezüglich Länder bzw. Regionen analysiert. Auch hier gibt es eine gute Diversifikation über eine breite Anzahl an Ländern bzw. Regionen. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Anlagen in den USA mit im Schnitt 33 Prozent das größte Anlageland mit über die Zeit ansteigender Tendenz. Die Bedeutung des britischen Kapitalmarktes ist ebenfalls eindeutig zu erkennen. Deutschland und Frankreich liegen etwa gleichauf bei knapp unter sieben Prozent Durchschnittsgewicht. Emerging Markets Europa ex Euroland (entwickelte Märkte) Euroland Asien Nordamerika Abb. 5: Regionale Struktur im Zeitverlauf Abb. 6: Wertentwicklung der Regionen im oekom Prime Portfolio LC im Zeitraum Fazit der Analyse der Grundgesamtheit Es lässt sich insgesamt weder bei den Einzeltiteln und Branchen noch bei den Ländern ein besonderer Bias erkennen, der strukturell ursächlich sein könnte für die im Weiteren dargestellten Ergebnisse. Seite 13

16 3.2 Gewichtung nach Marktkapitalisierung Pro und Contra Für die folgende Analyse wird grundsätzlich ein oekom Prime Portfolio LC verwendet, das wie der Vergleichsindex, der MSCI World Total Return Index, nach Marktkapitalisierung gewichtet ist. Gleiches gilt heute für die weit überwiegende Anzahl von Indizes. Der Hauptgrund für die Vormachtstellung der marktgewichteten Indexvariante beispielsweise gegenüber den gleichgewichteten Indizes liegt darin, dass diese Form einfacher zu replizieren ist. Es ist kostengünstiger, die vergleichsweise liquiden Anteile von Large Caps zu handeln, die bei der Gewichtung nach Marktkapitalisierung einen größeren Anteil am Index haben als die Aktien kleinerer Unternehmen. Zudem sind bei volatilen Märkten keine Transaktionen notwendig, um die Zielgewichtung immer wieder zu readjustieren. Schließlich gilt, dass marktkapitalisierte Indizes den Markt auch wenn der Begriff Markt ggf. nur ein Sample bezeichnet in seiner jeweiligen ökonomischen Gewichtung abbilden. Problematisch kann bei diesem Vorgehen sein, dass die Unternehmen stark übergewichtet werden, deren Kurs gestiegen ist und parallel dazu solche Unternehmen relativ untergewichtet werden, die im Preis gefallen sind. Wenn man davon ausgeht, dass am Markt gehandelte Preise für Aktien Über- bzw. Unterbewertungen von wahren Werten eines Wertpapiers sein können, so führen marktkapitalisierte Indizes dazu, dass die überbewerteten Titel übermäßig gewichtet werden und unterbewertete Titel unterrepräsentiert sind. Nimmt man nun an, dass sich die Bewertungsdiskrepanzen über mittlere Sicht ihrem wahren Wert annähern, so werden in marktkapitalisierten Indizes die überbewerteten Titel höher gewichtet als die unterbewerteten Titel. Dies macht marktkapitalisierte Indizes anfällig für Blasen. So waren beispielsweise im Internetboom der späten 90er Jahre entsprechende Technologieaktien in vielen Indizes stark vertreten. Vom Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 und dem damit verbundenen Absturz vieler Aktienkurse waren die entsprechenden Indizes stark betroffen. Ein gleichgewichteter Index wäre weniger betroffen gewesen, da hier die hohe Gewichtung der stark überbewerteten Technologietitel vermieden worden wäre. Beim gleichgewichteten Portfolio werden gutlaufende Titel immer weiter verkauft und schlecht laufende Titel immer wieder zugekauft, um die Gleichgewichtung zu halten. Dies führt zu einer höheren Transaktionsquote. Zudem führt die Gleichgewichtung zu einer Sektorallokation, die den ökonomischen Gegebenheiten einer Volkswirtschaft nicht entspricht. Die Gewichtung eines Sektors resultiert aus der Anzahl der verfügbaren Titel im Sektor und ist unabhängig von der Größe und Bedeutung der Unternehmen in der Volkswirtschaft. Insgesamt stammen die Erträge von Indizes, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind, häufig von wenigen Titeln. Diese Konzentration auf einzelne Titel erhöht das Risiko für die Performance der entsprechenden Indizes. Die Wertentwicklung eines gleichgewichteten Index wird dagegen stärker von der Vielfalt der Titel geprägt. Dabei fallen kleine und mittlere Unternehmen stärker ins Gewicht als bei marktgewichteten Indizes. Vor diesem Hintergrund wird in der folgenden Analyse neben dem marktgewichtet berechneten oekom Prime Portfolio LC regelmäßig auch die gleichgewichtet berechnete Variante betrachtet. Damit besteht für Anleger, die eine Gleichgewichtung der Titel bevorzugen, ebenfalls die Möglichkeit, aus der Analyse Schlussfolgerungen für die eigene Anlage zu ziehen. Seite 14

17 4. Ergebnisse 4.1. Gesamtergebnisse Die Gesamtergebnisse für die betrachtete Periode unterstützen die beiden aufgestellten Thesen. Anhand der Analyse ist dokumentiert, dass das von der DPG berechnete oekom Prime Portfolio LC über den Zeitraum bis den MSCI World Total Return Index übertrifft. Das marktkapitalisiert berechnete oekom Prime Portfolio LC erzielte eine kumulierte Rendite von 30,90 Prozent bzw. 3,90 Prozent p.a., der MSCI World Total Return Index erreichte im gleichen Zeitraum eine kumulierte Rendite von 26,80 Prozent bzw. 3,40 Prozent p.a. Abb. 7: Rendite im Zeitverlauf Das gleichgewichtete von der DPG berechnete oekom Prime Portfolio LC hebt sich deutlich von beiden ab. Es erreichte im Beobachtungszeitraum eine kumulierte Rendite von 62,84 Prozent. Dieser Sachverhalt bestätigt die Einschätzung zum Unterschied eines marktkapitalisierten Portfolios zu einem gleichgewichteten Portfolio. Ein gleichgewichtetes Portfolio hat auf mittlere Sicht Vorteile gegenüber einem marktkapitalisierten Portfolio oder Index. Die Nachteile wurden aber auch schon erwähnt. Bei Betrachtung der Jahresrenditen zeigt sich, dass die durchschnittliche Rendite des oekom Prime Portfolios LC in vier der sieben analysierten Jahre besser war als die Performance des MSCI World Total Return Index. Darunter befinden sich sowohl Börsenjahre mit einer positiven Entwicklung wie 2006 und 2009 als auch Jahre mit einer insgesamt negativen Bilanz wie Abb. 8: Rendite für die einzelnen Jahre Seite 15

18 Die zweite These bezog sich auf die Frage, ob nach der Annahme, dass eine höhere Rendite gleichbedeutend mit einem höheren Risiko ist ein möglicher Renditeunterschied durch ein korrespondierendes Risiko eingekauft wird. Risiko p.a. Rendite p.a. Rendite kumuliert MSCI World Total Return Index 19,08 3,45 26,81 oekom Prime Portfolio LC marktkapitalisierungsgewichtet oekom Prime Portfolio LC gleichgewichtet Tab. 2: Rendite und Risik0 im Vergleich; Angaben in % 18,92 3,92 21,27 7,21 30,90 62,84 Die Berechnungen zeigen hier, dass das Risiko des von der DPG auf marktkapitalisierter Basis berechneten oekom Prime Portfolio LC mit 18,92 p.a. geringer ist als beim MSCI World Total Return Index mit 19,08 p.a. Dagegen schneidet das gleichgewichtet berechnete oekom Prime Portfolio LC bei einer deutlich höheren Rendite mit einem etwas höheren Risiko ab. Zusätzlich wurden die Phasen steigender und fallender Märkte analysiert. Dabei wurden in einem ersten Schritt die Phasen nach der Renditeentwicklung im jeweiligen Monat getrennt. Auch hier lassen die Ergebnisse keinen grundsätzlichen Nachteil durch die Berücksichtigung von nachhaltigen Kriterien erkennen. Das von der DPG berechnete oekom Prime Portfolio LC schneidet in steigenden Märkten sogar besser ab als der zum Vergleich herangezogene Index. Abb. 9: Entwicklung in Hausse-Phasen Abb. 10: Entwicklung in Baisse-Phasen Seite 16

19 4.2 Einzelergebnisse für ausgewählte Regionen Abschließend wurde der Fokus auf ausgewählte Regionen gelegt. Bedingt durch regulatorische oder institutionelle Rahmenbedingungen können oder wollen Investoren nur in bestimmten Regionen investieren. Verglichen wird dabei jeweils das oekom Prime Portfolio LC der einzelnen Länder bzw. Regionen mit den entsprechenden MSCI Total Return Indizes. Dabei zeigen sich im Hinblick auf Rendite und Risiko deutliche Unterschiede: oekom (Teil-) Portfolio LC MSCI Index Rendite p.a. Risiko p.a. Rendite p.a. Risiko p.a. Vergleichsindex oekom Prime gesamt 3,92 18,92 3,45 19,08 MSCI World oekom Prime Asia Pacific 6,39 27,33 4,86 23,00 MSCI AC Asia Pacific oekom Prime Deutschland 5,36 27,85 4,26 25,79 MSCI Deutschland oekom Prime Europa 2,89 22,84 2,89 23,19 MSCI Europe oekom Prime Japan 0,67 29,70 0,04 26,24 MSCI Japan oekom Prime UK 3,48 25,43 3,25 24,87 MSCI UK oekom Prime USA 3,00 24,46 3,52 25,83 MSCI USA Tab. 3: Vergleich von Rendite und Risiko von oekom Prime (Teil-)Portfolio LC und MSCI Total Return Indizes in ausgewählten Regionen; Zeitraum Insgesamt erreicht das oekom Prime Portfolio LC wie dargestellt eine deutliche bessere Rendite als der MSCI World Total Return Index. Gleiches gilt für eine Reihe weiterer Länder bzw. Regionen. So liegt beispielsweise in Asien die Rendite des oekom Prime Portfolios LC um mehr als 31 Prozent über der des entsprechenden MSCI Vergleichsindex. In Deutschland liegt die Outperformance bei rund 25,8 Prozent, in Großbritannien bei knapp 7,1 Prozent. Vergleichbare Ergebnisse erzielt die Vergleichsgruppe in Europa. In den USA haben die Unternehmen aus dem MSCI Index Vorteile bei der Rendite. Seite 17

20 5. Fazit: Eine doppelte Dividende ist möglich Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Verwendung von Nachhaltigkeitskriterien keineswegs zu einem Verlust an Chancen bei der Kapitalanlage führt. Es ist vielmehr so, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Selektionsprozess der Kapitalanlage ein wichtiges Instrument ist, mit dem man Stärken und Schwächen einzelner Unternehmen identifizieren und die Portfolioallokation entsprechend gestalten kann. These 1, die Performance-These, kann auf Basis der Ergebnisse der Studie grundsätzlich bestätigt werden. Sowohl das gesamte Prime Portfolio LC als auch wichtige Teilmärkte wie Deutschland, Großbritannien und der asiatische Markt erreichen eine zum Teil deutlich bessere Rendite als die jeweilige Benchmark. Bei These 2, der Risiko-These, fällt das Bild differenziert aus. Für das Gesamtportfolio konnte ein leichter Vorteil beim Risiko nachgewiesen werden. In den betrachteten Regionen liegt das Risiko mal höher, mal niedriger als bei der konventionellen Benchmark und dies unabhängig vom Renditevor- oder -nachteil des jeweiligen oekom Prime Portfolios LC. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen der marktkapitalisierungs- und der gleichgewichteten Analyse. Das gleichgewichtete oekom Prime Portfolio LC erreicht eine doppelt so hohe kumulierte Rendite wie das nach Marktkapitalisierung gewichtete oekom Prime Portfolio LC, die Outperformance gegenüber dem MSCI World Total Return Index liegt sogar bei über 36 Prozentpunkten. Dabei schneidet das gleichgewichtete oekom Prime Portfolio LC in Hausse-Phasen relativ betrachtet deutlich besser ab als in Baisse-Phasen. Die tieferen Ursachen dieser starken Abweichung sollen in einer Folgestudie detaillierter untersucht werden. Die Ergebnisse weisen aber grundsätzlich in die gleiche Richtung wie die zahlreichen verfügbaren Vergleichsanalysen zwischen gleichgewichteten Indizes und marktkapitalisierten Indizes. Nach Einschätzung von oekom research bringt bereits eine vergleichbare Rendite den nachhaltigen Investoren einen Zusatznutzen, ist es ihnen doch möglich, ihre sozialen, ökologischen und ethischen Präferenzen bei der Kapitalanlage zu berücksichtigen und dabei die gleiche Rendite zu erwirtschaften wie bei konventionellen Anlagen. Die Studie zeigt, dass insgesamt sogar eine bessere Rendite erzielbar ist ganz im Sinne der von oekom research seit vielen Jahren zitierten doppelten Dividende. Seite 18

21 Autoren Deutsche Performancemessungs-Gesellschaft für Wertpapierportfolios mbh (DPG) Die Deutsche Performancemessungs-Gesellschaft für Wertpapierportfolios mbh ist eine der führenden Gesellschaften im Bereich des Performance- und Risikocontrollings für Wertpapierportfolios. Seit mehr als 20 Jahres haben wir uns spezialisiert auf die Analyse von Wertpapierportfolios in enger Abstimmung mit den Beteiligten, sei es Asset Manager oder institutioneller Investor. Derzeit arbeiten 18 Mitarbeiter am Standort Frankfurt. Als Deutschlands Marktführer verantworten wir die Performancemessung eines Portfoliovolumens von über 600 Milliarden Euro (Stichtag ). Das entspricht mehr als 50 Prozent des Gesamtmarktes. Der dauerhafte Erfolg basiert auf der hohen Akzeptanz der Messrichtlinien sowie der absoluten Integrität der DPG und ihrer Mitarbeiter. Die heutige Situation an den Kapitalmärkten und die Zukunftsprognosen lassen nur einen Schluss zu: Objektive und neutrale Performancemessung nach den ethischen Richtlinien der GIPS und auf dem neuesten Stand der Technologie ist für die Kapitalanlage und damit für die Kapitalanlagegesellschaften, Assetmanager und die Investoren ein wichtiger Faktor zum Erfolg. Auf dieser Basis beraten wir Asset Manager und institutionelle Investoren in allen Fragen zum Controlling von Kapitalanlagen. Zusätzlich sind wir eingebunden in die internationalen Gremien, die sich mit der Entwicklung von Richtlinien für die Darstellung und Berichtserstattung von Investment-Ergebnissen beschäftigen. Wir legen sehr großen Wert auf Unabhängigkeit, Qualität, Transparenz und Nachvollziehbarkeit unserer Ergebnisse. oekom research AG Die oekom research AG ist eine der weltweit führenden Ratingagenturen im Bereich des nachhaltigen Investments. Seit knapp 20 Jahren haben wir uns auf die Analyse der weltweit wichtigsten Unternehmen, Organisationen und Staaten als Emittenten von Aktien und Anleihen spezialisiert. Derzeit arbeiten 47 Mitarbeiter an den beiden Standorten München und Paris für oekom research, 34 davon als Nachhaltigkeitsanalysten. Das oekom Universe umfasst derzeit rund Unternehmen aus über 50 Staaten. Abgedeckt werden damit unter anderem wichtige internationale Indizes wie der MSCI World, der MSCI Emerging Markets und der Stoxx 600. Im Länderbereich bewerten wir 51 Staaten darunter alle EU-, OECD- und BRICS-Staaten sowie wichtige asiatische Schwellenländer, und die Europäische Union. Auf dieser Basis beraten wir institutionelle Investoren dabei, wie sie ihre sozialen und umweltbezogenen Werte und Anlagepräferenzen auch bei ihrer Kapitalanlage berücksichtigen können und stellen ihnen bzw. ihrem Vermögensverwalter das dazu notwendige Research zur Verfügung. Asset Manager, Banken oder Fondsgesellschaften unterstützen wir bei der Konzeption und Umsetzung von nachhaltigkeitsorientierten Anlageprodukten (Fonds, Zertifikate, Indizes). Aktuell nutzen mehr als 75 Kunden aus neun Ländern unsere Ratings. Damit beeinflussen unsere Analysen mehr als 140 Milliarden Euro. Bei der Bewertung der Emittenten legen wir sehr großen Wert auf Qualität, Unabhängigkeit und Transparenz. Im Rahmen des Qualitätsmanagements wird oekom research regelmäßig von einer unabhängigen Institution nach dem europäischen Qualitätsstandard für Nachhaltigkeitsrating-Agenturen (CSRR-QS) auditiert. Zudem ist die Orientierung an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit integraler Bestandteil auf allen Ebenen des Geschäftsbetriebs. Seite 19

22 Anhang Weitere Performancestudien von oekom research Nachhaltigkeit und Geschäftserfolg Eine Analyse in Kooperation von oekom research und dem Lehrstuhl für Psychologie an der Technischen Universität München (2004) Ergebnis: Der Fokus dieser Studie lag auf der Frage, wie sich der Zusammenhang zwischen der Nachhaltigkeitsbewertung durch oekom research und der Rendite der bewerteten Unternehmen gemessen anhand der Kennzahlen Return on Investment (ROI) und Earnings Per Share (EPS) für die Jahre 2001 bis 2003 darstellt. Es zeigte sich, dass kein negativer Zusammenhang zwischen der Nachhaltigkeitsbewertung und den finanziellen Kennzahlen ROI und EPS besteht. Im Gegenteil: Die Ergebnisse der Studie belegen statistisch signifikante positive Zusammenhänge zwischen der Gesamtnote des Ratings und den über die Jahre 2001 bis 2003 gemittelten Werten für ROI und EPS. Outperformance durch Nachhaltigkeit? Die Best in Class -Empfehlungen von oekom research auf dem Prüfstand Eine Untersuchung in Kooperation von oekom research und Morgan Stanley (2004) Ergebnis: Bei dieser Analyse wurde die Performance der von oekom research mit Prime bewerteten Unternehmen mit der Performance der als Not-Prime eingestuften Unternehmen verglichen. Es ergab sich für die Jahre 2001 bis 2004 eine Outperformance des Prime Portfolios um 16,72 Prozent. In acht von zehn betrachteten Branchen schnitten die Prime-Titel besser als die Vergleichsgruppe. Welche Renditeerwartungen erfüllen sich langfristig mit einem nachhaltigen Portfolio? Studie von HypoVereinsbank und oekom research zur Performance von Best-in-Class-Portfolien (2007) Ergebnis: Die Untersuchung ergab, dass die Titel des Prime-Universums von oekom research bei Gleichgewichtung der Titel in den Jahren 2001 bis 2006 einen Renditegewinn von insgesamt 35,8 Prozent einbrachten, während der MSCI World Total Return Index als repräsentative Benchmark des Gesamtmarkts im selben Zeitraum eine negative Rendite von -24,0 Prozent verzeichnen musste das bedeutet eine Outperformance von knapp 60 Prozentpunkten. Unternehmen aus dem oekom Sub-Universum Potentials wurden bei dieser Analyse nicht berücksichtigt. Seite 20

23 Impressum oekom research AG Goethestraße München Deutschland Fon: +49-(0) Fax: +49-(0) Vorstand: Robert Haßler Matthias Bönning München, im Juli 2012 Bildnachweis Umschlagfoto: blitzkrie

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