Investment-Ausblick in 90 Sekunden. Wahre Größe erkennen. Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen. Radikal. Ideal.

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1 Das Informationsmagazin von Allianz Global Investors Update II/10 Radikal Investment-Ausblick in 90 Sekunden Ideal Wahre Größe erkennen Genial Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen

2 Inhalt II/10 Investment-Ausblick in 90 Sekunden Sorgfältiges Differenzieren zwischen Staatsanleihen ist entscheidend Seite 4 Wahre Größe erkennen Charme der Nebenwerte: Interview mit Frank Hansen Seite 8 Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen Mit Absolute-Return-Strategien punkten Seite 12 Kapitalmarktlexikon Hedgefondsstrategien Seite 17 2

3 Editorial Triple A in der neuen Normalität Die Renditen für erstklassige Staatsanleihen sind auf historisch niedrigen Niveaus die Renditeanforderungen jedoch unverändert hoch. Aktives Management, Absolute Return- Strategien, Asset Allocation diese Begriffe werden die Erfolgsfaktoren der nächsten Jahre sein. Im derzeitigen Zinsumfeld wird es kaum möglich sein, attraktive Returns aus erstklassigen Anleihen zu generieren, es sei denn, die Zinsen fallen weiter. In der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Lage ist dies durchaus denkbar mittelfristig jedoch wenig wahrscheinlich. Bereits kleine Niveauverschiebungen der Renditen nach oben können das gesamte Kapitalanlageergebnis in eine negative Richtung drehen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass der Anteil festverzinslicher Wertpapiere in den Portfolios deutscher institutioneller Anleger zwischen 80 % und 90 % liegt. Dieser Tatsache kann man nur mit aktivem Management begegnen. Hierfür steht mit Sicherheit Bill Gross von PIMCO. Nicht umsonst ist er im letzten Jahr zum Fixed Income-Manager der Dekade gekürt worden. Er bittet Sie in seinem Beitrag um 90 Sekunden lassen Sie sich überraschen. Kommen wir jetzt zum zweiten A dem Absolute Return. Zunächst sollte der Begriff Absolute Return genauer definiert werden. Einfaches Googeln dieses Begriffs macht unmittelbar deutlich, dass man hier relativ rasch in den Bereich der babylonischen Sprachverwirrung gerät. Schnell taucht auch der Begriff Total Return auf, welcher sehr oft mit gleicher Bedeutung verwendet wird. Eine gängige Definition beider Begriffe sagt: Die Strategien haben das Ziel, absolut positive Renditen zu erwirtschaften. Sieht man sich die Wertentwicklung derartiger Fonds an, kann man leicht erkennen, dass ohne klare Definition von Risikokapital und einen dazu passenden Anlagehorizont die Erzielung einer attraktiven Rendite kaum möglich ist. Um Licht ins Dunkel zu bringen, beschäftigen sich Senior Consultant Olga Braun-Cangl und Dr. Frank Wolfert, Leiter Asset Management Consultancy für die Allianz Gruppe, in ihrem Beitrag zunächst mit der notwendigen begrifflichen Erläuterung und zeigen dann intelligente Strategien für Zeiten mit niedriger Rendite auf. Die Asset Allocation bestimmt zu großen Teilen die Performance bei Kapitalanlagen. Dabei kommt gerade im Rahmen einer Core Satellite-Strategie der Auswahl der Satelliten im Hinblick auf Alphagenerierung und Diversifikation eine große Bedeutung zu. Frank Hansen, Chief Investment Officer European & German Mid/Small Caps bei RCM, gibt in seinem Beitrag einen Ausblick über das Small-/Midcap-Segment und verdeutlicht dabei einerseits die anhaltende Attraktivität dieses Anlagesegments, andererseits aber auch die Diversifikationsmöglichkeiten, die über die letzten Jahre eindrucksvoll demonstriert wurden. Die kommenden Jahre allerdings werden voraussichtlich weniger klare Trends zeigen. Dadurch sollte die Einzeltitelselektion generell noch stärker an Bedeutung gewinnen, womit wir wieder zum ersten A zurückkommen dem aktiven Management. Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen Holger Krohn Senior Account Manager Allianz Global Investors Kapitalanlagegesellschaft 3

4 Investment-Ausblick in 90 Sekunden Ich bin seit über zehn Jahren nicht mehr auf einer Cocktailparty gewesen. Gut, ich bin ein eher langweiliger Typ, der an Freitag- und Samstagabenden immer nur Wiederholungen alter Talkshows guckt, aber die Alternative ist einfach nur furchtbar. Partys wären vielleicht gar nicht so schlecht, wenn mal etwas Originelles gesagt würde, oder wenn die Gesprächspartner wirklich Interesse an ihrem Gegenüber und nicht vor allem an sich selbst hätten. Studien haben ergeben, dass Ihr Gesprächspartner typischerweise nach 90 Sekunden überhaupt kein Interesse mehr an Ihnen und Ihren Problemen hat. Im Gegensatz zum Smalltalk auf Cocktailpartys habe ich in den folgenden Zeilen so viel zu sagen, dass ich nicht recht weiß, wo ich anfangen soll. Sehen Sie sich deshalb bitte nicht nach etwas oder jemand eventuell Wichtigerem um wie auf einer Cocktailparty; ich brauche die anderthalb Minuten, die mir zustehen, bis auf die letzte Sekunde. Befassen wir uns zunächst mit dem grundlegenden ökonomischen Problem unserer Zeit der mangelnden weltweiten Nachfrage und der bisherigen Entwicklung: Durch die sich seit über zwanzig Jahren beschleunigende Globalisierung sind die realen Einkommen in den meisten Industrieländern in Mitleidenschaft gezogen worden, sodass die Regierungen Kreditaufnahmen und Vermögenspreissteigerungen fördern mussten, um so die Nachfrage anzukurbeln und sicherzustellen, dass die Verbraucher weiterhin Güter kaufen. Als die Verschuldung im privaten Sektor zu hoch wurde und Vermögenspreisblasen auftraten (z. B. Subprime-Hypotheken und Hauspreise bzw. Dotcom-Unternehmen und ein NASDAQ- Indexstand von Punkten), geriet die durch Verschuldung, Deregulierung und den Glauben an immer niedrigere Steuersätze gekennzeichnete amerikanische Spielart des Kapitalismus in eine Sackgasse. Die Bereitschaft zum weiteren Konsum war da, aber es mangelte schlicht an Geld. Den Verbrauchern wurde durch die Entwicklungen an den Anleihemärkten oder auf andere Weise praktisch die Kreditkarte weggenommen, genau wie Eltern das Taschengeld ihrer shoppingsüchtigen Teenager kürzen. Der Mangel an Liquidität löste eine starke Rezession aus und führte zu einem Schuldenabbau im privaten Sektor einem Deleveraging, der Re-Regulierung durch den Staat und einer allmählichen Deglobalisierung. Die Trends, die seit über zwanzig Jahren vorherrschten freier Handel und freie Märkte, kehrten sich um. Um uns aus dem Sumpf zu ziehen und eine zweite Weltwirtschaftskrise zu vermeiden, traten sehr sichtbare staatliche Eingriffe an die Stelle der unsichtbaren Hand von Adam Smith. Die Kurzfristzinsen fielen in Richtung 0 % und die Zentralbanken griffen unter der Überschrift quantitative Lockerungen zu neuen geldpolitischen Maßnahmen. Dabei wurden im Grunde Schecks im Wert von mehreren Billionen Dollar ausgestellt, um die Billionen Dollar an Krediten zu ersetzen, die nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers verschwunden waren. Außerdem führten fiskalpolitische Maßnahmen und sinkende Staatseinnahmen in zahlreichen Ländern zum ersten Mal seit der Weltwirtschaftskrise zu zweistelligen Haushaltsdefiziten (im Verhältnis zum BIP). Eine Zeit lang sah es so aus, als sei alles in Ordnung und die staatlichen Schecks könnten die Kreditkarten und Portemonnaies des privaten Sektors ersetzen. Die KGVs und Zinsspreads an den Märkten für risikobehaftete Wertpapiere normalisierten sich und das BIP-Wachstum belebte sich; es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch wieder mehr Arbeitsplätze geschaffen werden würden und wir wieder sorglos leben könnten. Der auf Vermögenspreiszuwächsen basierende Kapitalismus war wieder da. Bald schon würden die Hauspreise und die Aktienkurse wieder ansteigen und wir hätten dank niedrigerer Refinanzierungssätze und Zweithypotheken wieder Geld zur Verfügung. Doch Dubai, Island, Irland und zuletzt Griechenland zeigten ein potenzielles Problem dieses Modells auf. 4

5 Investment-Ausblick in 90 Sekunden 2009 waren die staatlichen Eingriffe eine brillante Strategie schließlich wurde davon ausgegangen, dass sich die Staaten in unbegrenzter Höhe verschulden könnten. Aber was, wenn das nicht der Fall ist? Was, wenn wie Carmen M. Reinhart und Kenneth Rogoff in ihrem Buch This Time is Different dargestellt haben sich in unserer Zeit lediglich die Entwicklungen der vergangenen Jahrhunderte wiederholten, in denen Finanzkrisen zu staatlichen Zahlungsausfällen führten oder zumindest zu einem ungünstigen Umfeld für das Wirtschaftswachstum, in dem das BIP-Wachstum aufgrund der hohen Schuldenlast im staatlichen und privaten Sektor unterdurchschnittlich blieb? Was, wenn einfach ausgedrückt eine Schuldenkrise nicht durch das Aufnehmen weiterer Schulden überwunden werden kann? Kann man eine Schuldenkrise überwinden, indem man die Verschuldung noch einmal erhöht? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Unternehmens- und Hypothekenschulden durch staatliche Mittel zu ersetzen, ist zunächst einmal von Vorteil, weil der Staat höhere Kreditwürdigkeit genießt als Private. Er erhebt Steuern, er druckt Geld, er konfisziert erforderlichenfalls Vermögen, und so ist diese Substitution nach einer Finanzkrise zunächst hilfreich vor allem, wenn die Verschuldung im Verhältnis zum BIP zu Beginn niedrig ist. Dies ist in den meisten G-7-Ländern mit Ausnahme Japans der Fall, wenngleich die finanzielle Situation Deutschlands und Frankreichs offensichtlich durch die schwächeren EU- Mitgliedsländer erschwert wird und diejenige der USA durch die Agencies und die übrigen, nicht im Haushalt verbuchten Verbindlichkeiten belastet wird. Angesichts der aktuellen Defizittrends und der Erwartung, dass die Defizite nicht wesentlich verringert werden, heben die Märkte die Zinsen für Staatsanleihen entweder im Vorgriff auf höhere Inflationsraten, auf höhere Bonitätsrisiken oder beides an. Dadurch wird die Verschuldung eingeschränkt, die neu aufgenommen werden kann, um die Schuldenkrise zu überwinden. Das Risiko einer Bonitätsverschlechterung schlägt sich eindeutig im CDS-Markt dem Markt für Kreditausfallswaps für Staatsanleihen nieder. Griechenland hat mit Kosten in Höhe von Basispunkten (Bp.) 1 für einen Ausfallschutz Schlagzeilen gemacht, aber selbst für Japan und Großbritannien belaufen sich die Kosten auf nahezu 100 Bp. und für die USA liegen sie knapp halb so hoch. Die Märkte verlangen auch für die besten Adressen Aufschläge von Bp. im Vergleich zum Stand vor der Dubai- bzw. Griechenlandkrise. Auch die Inflationskomponente der Zinsen für Staatsanleihen lässt sich gut erkennen. Bei Ländern, die in der Vergangenheit schon öfter höhere Inflationsraten in Kauf genommen haben, wie z. B. Großbritannien und die USA, sind die Zinsen für 10-jährige Anleihen seit der Dubaikrise Ende November um 50 Bp. angestiegen. Dieser Anstieg mag zum Teil, wie oben dargelegt, auf Bonitätserwägungen zurückzuführen sein, die vom Markt verlangte Kombination einer Kompensation für Bonitäts- und Inflationsrisiken deutet jedoch wie von Reinhart und Rogoff in ihrem Buch erläutert darauf hin, dass das Angebot an Staatsanleihen nach einer Finanzkrise deutlich ansteigt und dementsprechend auch die Risiken und die Realzinsen merklich höher ausfallen. 5

6 Investment-Ausblick in 90 Sekunden Update II/2010 Die Könige legen gleichsam ihre Insignien ab und ähneln immer mehr ihren Untertanen. Könige und Diener teilen sich dasselbe Schloss. In den vergangenen Monaten, in denen die Anleger allmählich die Fähigkeiten der Staaten in Frage stellten, die Schuldenkrise durch eine noch höhere Verschuldung zu überwinden, war der Anstieg der Anleihemarktrenditen interessanterweise nahezu vollständig auf Staatspapiere mit langen Laufzeiten beschränkt. In der Presse (und hier bei PIMCO) kam sogar eine Diskussion darüber auf, ob von einem Unternehmen mit einem guten Rating möglicherweise dauerhaft niedrigere Zinsen verlangt werden könnten als von seinem Heimatland. Ich glaube das nicht, aber die Spreadeinengung seit Ende November führt zu einer interessanten These: Staatliche Rettungsaktionen und Bürgschaften, wie für Dubai und auch für Griechenland sowie in den vergangenen 18 Monaten für Banken und große Industriekonzerne weltweit, deuten auf eine Entwicklung zu einem Anleihemarkt hin, an dem tendenziell ein homogener Einheitskredit gehandelt wird. Wenn wichtige Staaten wie die USA, Deutschland, Großbritannien und Japan immer mehr Kreditrisiken absorbieren, sollten sich die Spreads und Renditen dieser Staaten immer mehr den Spreads und Renditen der Märkte angleichen, für die sie bürgen. Die Könige legen gleichsam ihre Insignien ab und ähneln immer mehr ihren Untertanen. Könige und Diener teilen sich dasselbe Schloss. Dieses Bild beantwortet aber nicht die entscheidende Frage, ob eine Schuldenkrise durch die Aufnahme weiterer Schulden überwunden werden kann. Die Antwort lautet nach wie vor: Es kommt darauf an nämlich auf die ursprüngliche Verschuldung und die Frage, ob die Konjunktur im privaten Sektor wieder angekurbelt werden kann oder nicht. Es deutet jedoch darauf hin, wie sich die Renditen für Staatsanleihen voraussichtlich entwickeln werden, wenn die weltweiten Rettungsbemühungen erfolgreich sind: Die Spreads von Staatsanleihen werden sich im Vergleich zu qualitativ hochwertigen Alternativen verringern. Anders ausgedrückt: Die Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen werden sich einander annähern. Wenn Staatsanleihen größere Ähnlichkeit 6

7 Investment-Ausblick in 90 Sekunden mit Unternehmensanleihen aufweisen, wie z. B. in Griechenland, Spanien, Portugal und zahlreichen anderen Ländern, gleichen sich ihre Renditen stärker denjenigen von Unternehmensanleihen und Agency-Anleihen an, die eigentlich in der Hierarchie unter Staatsanleihen stehen. Dies kann auf zwei Arten geschehen: Entweder sinken die Renditen von qualitativ hochwertigen Nicht-Staatsanleihen, oder die Renditen von Staatsanleihen steigen an. Was tatsächlich eintritt, hängt von der künftigen Inflationsrate, der Entwicklung nach dem Auslaufen der quantitativen Lockerungsprogramme und der Konjunktur im privaten Sektor ab. Aber weil die Staaten Rettungsmaßnahmen ergriffen haben und künftig ergreifen werden, gleichen sich Staats- und Unternehmensanleihen aneinander an, und dies ist ungünstig für Staaten, die die erforderliche Disziplin nicht aufbringen. Nur, wenn die Weltwirtschaft abrutscht und erneut in eine ähnliche Rezession fällt wie vor einem Jahr, dürfte sich der Prozess umkehren, sodass Treasuries, Gilts etc. wieder an Bedeutung gewinnen. Anleger sollten sich auf diejenigen Staatsanleihen konzentrieren, bei denen die Fundamentaldaten auf geringere Bonitätsund Inflationsrisiken hindeuten. Deutschland und Kanada stehen ganz oben auf unserer Liste, die üblichen Verdächtigen wie z. B. Griechenland, vergleichbare EU-Mitgliedsländer und Großbritannien dagegen ganz unten. PIMCOs Feuerring ist weiterhin weißglühend und aktives Handeln ist erforderlich, um das Vertrauen in Staatsanleihen, die in schweres Fahrwasser geraten könnten, zu bewahren oder wieder aufzubauen. Erst vor wenigen Wochen sagte Mervyn King, der Gouverneur der Bank of England, es werde schwierig sein, die Staatsausgaben rasch zu kürzen, es müsse jedoch ein klarer Plan aufgestellt werden. Das genügt nicht, Mr. King. Nicht die Anleger, sondern Sie müssen das Geld zuerst vorzeigen. Anleger sollten nach dem Motto handeln: Vertraue keiner Regierung und prüfe genau, bevor du dein Geld investierst. Sorgfältig zwischen Staatsanleihen zu differenzieren, ist jetzt mehr als ein Thema für Plaudereien auf Cocktailpartys. Der weltweite Nachfragemangel und die Tatsache, dass die politischen Verantwortungsträger möglicherweise nicht hinreichend in die Bresche springen können, können für die schwächsten Staaten überlebenswichtige Fragen werden mit Folgen für die Kredit- und Kapitalmärkte weltweit. William H. Gross, CFA, ist Gründer, Managing Director und Co-CIO von PIMCO mit Sitz in Newport Beach. Er ist seit über 38 Jahren für das Unternehmen tätig und für die Verwaltung von mehr als $1 Billion an festverzinslichen Wertpapieren verantwortlich. Er verfügt über 40 Jahre Anlageerfahrung und hat einen MBA der Anderson School of Management der University of California in Los Angeles sowie einen Bachelor-Abschluss der Duke University. Bill Gross wurde im Januar 2010 von der unabhängigen Researchagentur Morningstar zum Fixed-Income-Manager des Jahrzehnts gewählt. 1 Anmerkung der Redaktion: Credit Default Swaps stiegen zwischenzeitlich deutlich über 700 Bp. 7

8 Wahre Größe erkennen In seinem Spezialgebiet Nebenwerte, den Aktien aus der zweiten Reihe, hat Frank Hansen mit dem von ihm verwalteten Allianz RCM Nebenwerte Deutschland über ein, fünf und zehn Jahre seinen Vergleichsindex geschlagen. Vor kurzem würdigte ihn die Financial Times Deutschland in einem Porträt als überzeugende Randfigur. Das Fondsvolumen des Nebenwertefonds zeigt mit rund 220 Mio. Euro nur einen Ausschnitt seiner Arbeit. In der Summe verwaltet er mit seinem Team von Analysten und Co-Managern im europäischen Nebenwertesegment rund 2 Mrd. Euro für private und vor allen Dingen institutionelle Anleger. Update sprach mit Frank Hansen über den Reiz der Nebenwerte und worauf bei der Titelselektion zu achten ist. Update Herr Hansen, Sie beschäftigen sich seit 22 Jahren mit Small und Mid Caps. Was ist daran so faszinierend? Frank Hansen Die täglichen Gespräche mit Entscheidungsträgern der Wirtschaft und die Beschäftigung mit einer Vielzahl von interessanten europäischen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sind hoch spannend. Das empfinde ich persönlich als ein Privileg, das ich nicht missen möchte. Der persönliche Kontakt mit Unternehmen aus dem Nebenwertesegment ist essenziell, denn es gibt im Vergleich zu den Blue Chips weniger Analystenreports, wodurch die eigene Bewertung des Unternehmens wichtiger wird. Dabei habe ich mir über die Jahre einen breiten Erfahrungsschatz aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt. Interessant sind auch die Unternehmen selbst: Häufig haben Nebenwerte ein sehr fokussiertes und klares Geschäftsmodell und befinden sich erst am Beginn eines Wachstumspfads. Darüber hinaus reizt mich die direkte Messbarkeit des Erfolgs meiner Arbeit. Das stellt für mich keine Belastung dar, sondern ich sehe das eher als positiven Ansporn und objektives Feedback. Hatten Sie in all den Jahren bestimmte Lieblingsunternehmen? Nein, diesen Luxus kann ich mir als Fondsmanager nicht erlauben. Ich muss bei Zu- und Verkäufen stets sehr diszipliniert sein. Mein Fokus liegt vielmehr auf Aktien, von denen ich erwarte, dass sie sich besser als der Markt entwickeln werden. Grundsätzlich schätze ich Unternehmen, die aufgrund ihrer Struktur transparent sind und die von einem glaubwürdigen Management geführt werden. Ist es für einen aktiven Portfoliomanager im Bereich Small und Mid Caps einfacher, eine Überrendite gegenüber dem breiten Markt zu erzielen als bei Large Caps? Einfach ist es auch bei Small und Mid Caps nicht. Aber das Anlageuniversum in dem Segment ist wesentlich breiter, die Unternehmen sind meist fokussierter, die Performance der einzelnen Titel extremer und es gibt deutlich weniger Analysten, die diese Unternehmen unter die Lupe nehmen. Das alles sind schon Faktoren, die dem Spezialisten eine höhere Chance geben, Trends frühzeitig zu erkennen und somit Überrenditen zu erzielen. Woran erkennen Sie frühzeitig erfolgreiche Unternehmen? Ein erfolgreiches Unternehmen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es gleich welcher Branche eine bessere Gewinnentwicklung als der Markt aufweisen kann. Das Verstehen von Markttrends, die Kenntnis über Marktstellung und Wettbewerbsumfeld, die Analyse der Finanzstärke sowie nicht 8

9 Wahre Größe erkennen zuletzt die Einschätzung des Managements sind zentrale Elemente bei der Beurteilung eines Unternehmens. Spiegeln sich unsere Einschätzungen nicht im gegenwärtigen Kurs wider, kommt die Aktie ins Portfolio. Welche Firmen nehmen Sie lieber nicht ins Portfolio? Grundsätzlich halten wir uns von Unternehmen fern, bei denen das Management eine geringe Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Das kann beispielsweise an deren bisheriger Erfolgsbilanz ablesbar sein. Skeptisch macht uns auch, wenn ein Unternehmen unangemessen hoch verschuldet ist oder ein intransparentes Geschäftsmodell betreibt. Geht man mit Small und Mid Caps nicht grundsätzlich ein höheres Risiko ein, wenn man zum Beispiel an die geringere Liquidität im Aktienhandel denkt? Auf Einzeltitelebene haben Sie Recht. Bei einem auf Diversifikation ausgerichteten Portfolio mit ausgewogener Branchenstruktur und bis zu einhundert verschiedenen Aktien, in dem Einzeltitel ein Gewicht von weniger als drei Prozent haben, sieht die Sache schon anders aus. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung in unseren Small und Mid Cap-Portfolios liegt bei rund 1,5 Mrd. Euro; zusammen mit der stringenten Beachtung von Liquiditätskriterien reduzieren wir das Liquiditätsrisiko erheblich. Nicht einzelne oder wenige Aktien sollen das Gesamtergebnis dominieren, sondern wir wollen sicherstellen, dass eine Outperformance auf einem breiten und soliden Fundament steht und sich in Summe aus vielen kleineren positiven Ergebnisbeiträgen zusammensetzt. Wie behalten Sie bei rund Small und Mid Caps in Europa den Überblick? Wir richten unser Hauptaugenmerk darauf, das bestehende Portfolio von bis zu 100 Titeln zu optimieren. Allein unsere Liquiditätsanforderungen reduzieren die in Frage kommenden Unternehmen schon deutlich. Die meisten Titel kommen mangels Liquidität im Börsenhandel nicht in die engere Auswahl. Es verbleiben zwischen 400 und 600 Titel, die wir aktiv in unserem vierköpfigen Team bearbeiten und die wir über 9

10 Wahre Größe erkennen Update II/2010 Grafik 1: Relative Perfomance MDAX vs. DAX, 10 Jahre MDAX / DAX Quelle:Bloomberg die Jahre gut kennen. Erscheint uns ein Titel vielversprechend, gehen wir mit unserer Analyse in die Tiefe und verschaffen uns einen persönlichen Eindruck vom Management. Sehen wir unsere Erwartung an eine überdurchschnittliche Kursentwicklung durch die Fakten erhärtet, kommt die Aktie ins Portfolio und eine andere, mit einem weniger optimistischen Ausblick, wird verkauft. Wie haben sich Small und Mid Caps im Vergleich zu Large Caps entwickelt? In den letzten zehn Jahren sind Anleger mit deutschen, europäischen oder globalen Nebenwerten besser gefahren als mit den vergleichbaren Blue Chips. Allerdings bleibt anzumerken, dass in diesem Zeitraum zwei Krisen für diese magere Performance verantwortlich waren: die TMT-Blase zu Beginn dieses Jahrtausends und die Finanzmarktkrise. Der von MSCI ermittelte, global anlegende Small Cap Index (Total Return Index) erreichte bis einschließlich Februar 2010 über 10 Jahre eine Rendite von fast 70 %, wohingegen die Large Caps nur sechs Prozent zulegten. Ähnlich signifikant ist das Ergebnis, wenn man DAX und MDAX für deutsche Aktien vergleicht. Das zeigt, dass der Anleger für das höhere Risiko von Small Caps mit einer langfristig höheren Performance entschädigt wurde (Grafik 1). Gibt es aus Ihrer Sicht Marktphasen, in denen geringer kapitalisierte Unternehmen besonders gefragt sind? Small und Mid Caps laufen am besten in Aufschwungphasen oder wenn ein Aufschwung erwartet wird. Das liegt an der Branchenstruktur dieses Anlagesegments, in dem eher zyklische Sektoren wie Kapital- und Konsumgüter stark vertreten sind. Defensive Bereiche wie Telekommunikation, Finanzen, Pharma und Versorger sind dagegen unterrepräsentiert. Die Normalisierung der Risikoeinstellung der Investoren aufgrund von wieder sinkender Volatilität und niedrigen Kapitalkosten unterstützen weiterhin die zu beobachtende langjährige Outperformance der Small und Mid Caps gegenüber den Blue Chips. Langfristig entwickeln sich viele Nebenwerte besser als Standardwerte, da sie aufgrund ihrer geringeren Ausgangsgröße deutlich bessere Wachstumsraten aufweisen können. Ist das Kurspotenzial von Nebenwerten nicht bereits ausgereizt? Trotz eines bereits recht positiven Jahres 2009 für Small Caps halte ich Nebenwerte weiter für interessant. Nicht nur, dass sie von der weiterhin zu erwartenden konjunkturellen Erholung profitieren dürften, sie empfehlen sich auch als attraktive Beimischung in jedem gut strukturierten Depot. Dabei erscheint 10

11 Wahre Größe erkennen aktives Management gerade bei Small Caps als das Gebot der Stunde: Dort lässt sich die geringere Informationseffizienz aktiv nutzen und die Spreu vom Weizen trennen. Verraten Sie uns abschließend, auf welche Unternehmen Sie im Moment besonders setzen? Das schwedische Medizintechnikunternehmen Elekta gefällt mir gut. Die Gesellschaft ist weltweit die Nummer zwei bei der Entwicklung und Herstellung von Geräten zur Bestrahlung von Krebstumoren. Elekta ist sehr innovativ, gut finanziert und gewinnt aufgrund seiner Technologieführerschaft kontinuierlich Marktanteile. Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental gefällt mir ebenfalls gut. Beide Geschäftsfelder profitieren von der Erholung. Auch die Finanzstruktur hat sich deutlich verbessert, was sich in einem hohen Cashflow widerspiegelt. Interessant ist auch das strukturelle Wachstum des Online-Reifenhändlers Delticom, der markenunabhängig Reifen und dazugehörige Services über das Internet vertreibt. Das Unternehmen ist weiterhin auf Expansionskurs. Vielen Dank für das Gespräch. Frank Hansen verantwortet als Chief Investment Officer European & German Mid/Small Caps von RCM ein verwaltetes Vermögen von rund 2 Mrd. Euro und ist Portfoliomanager des Allianz RCM Nebenwerte Deutschland sowie des Allianz RCM Europe Small Cap Equity. Bevor Hansen 1997 zu Allianz Global Investors kam, war er im gleichen Anlagesegment zehn Jahre als Portfoliomanager bei UBS tätig. Hansen hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Universität Hamburg und ist seit 1992 CFA. Klassifizierung von Aktiengesellschaften nach ihrer Marktkapitalisierung Large Cap Mid Cap Small Cap Micro Cap Nano Cap Marktkapitalisierung von10 Milliarden Euro und mehr Marktkapitalisierung von 4 Milliarden Euro bis 10 Milliarden Euro Marktkapitalisierung von 200 Millionen Euro bis 4 Milliarden Euro Marktkapitalisierung von 50 Millionen Euro bis 200 Millionen Euro Marktkapitalisierung von unter 50 Millionen Euro Quelle:RCM 11

12 Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen Absolute Return-Strategien, die sich flexibel positionieren können, auf liquiden Märkten agieren und ein fortschrittliches Risikomanagement haben, können sowohl in fallenden als auch in steigenden Märkten ein stabiles Renditeprofil aufweisen. Aktuelles Marktumfeld Die aktuelle Finanzkrise hat erneut die positiven Effekte alternativer Strategien in der Allokation eines Anlegerportfolios eindrucksvoll bestätigt: Ihr Verlust fiel deutlich geringer aus und sie erholten sich rascher als traditionelle Anlagen. Aus den neuesten Untersuchungen von J.P. Morgan (European Equity Survey, 2009) und Deutsche Bank (Alternative Investment Survey, 2010) geht hervor, dass europäische institutionelle Investoren (überwiegend Industrieunternehmen und Vermögensverwalter) planen, im Jahr 2010 den Anteil alterna- tiver Investments, insbesondere Absolute Return-Strategien/ Hedgefonds und Commodities, in ihrer Allokation zu erhöhen. Aber die aktuelle Marktsituation ist unsicher und stellt Investoren vor große Herausforderungen: Wie lange wird die Liquidität, die viele Zentralbanken in großem Stil in die Märkte gepumpt haben, noch in diesem Ausmaß vorhanden sein? Wann und wie stark wird das Thema Inflation eine Rolle spielen? Auf welche Absolute Return-Strategien sollten Investoren in diesem Umfeld setzen? Mit unserem Beitrag möchten wir Investoren in ihrem Bemühen unterstützen, weiterhin sicher durch turbulente und unsichere Zeiten zu kommen. 12

13 Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen Eigenschaften der intelligenten Absolute Return-Strategien Wie soll ein attraktives Renditeprofil aussehen? Der Traum eines jeden Anlegers wäre offensichtlich eine Strategie, die in allen Marktlagen eine positive Rendite generiert. Diesem Ziel nahe zu kommen, ist nur dann möglich, wenn die Sensitivität gegenüber den traditionellen Renditequellen, dem Beta von Aktien- und Rentenmarkt, möglichst niedrig oder zumindest in turbulenten Märkten stark reduziert ist. Damit müssen fast automatisch sogenannte Alternative und Hidden Betas für solche Strategien zu wichtigen Renditequellen werden. Alternative Beta entsteht, wenn man aus den traditionellen Betaquellen einen Spread bildet. Kauft man beispielsweise eine fünfjährige Anleihe beim gleichzeitigen Verkauf einer zweijährigen Anleihe, bildet man einen sogenannten Term Structure Spread. Mit dieser Strategie setzt man auf eine flacher werdende Zinsstrukturkurve. Im Rahmen der Absolute Return-Strategien werden oft verschiedene Spreads parallel eingesetzt, sodass der Anteil der Alternative Betas an der Gesamtrendite in der Regel hoch ist. Hidden Betas hingegen generieren eine Rendite durch die Vereinnahmung von Prämien, die quantitativ nicht transparent sind und eher aus einer qualitativen Analyse der Strategie hervorgehen, wie z. B. die Liquiditätsprämie, eine Prämie für die geringe Liquidität von Anlagen. Natürlich werden auch solche, oft als marktneutral bezeichnete Strategien in bestimmten Marktphasen temporär eine steigende Sensitivität zu den traditionellen Märkten (im Wesentlichen Aktien und Renten) aufweisen. Die Ursache dieser temporär höheren Sensitivität unterscheidet sich jedoch deutlich von der Begründung der Marktsensitivität klassischer Strategien. Der Herbst 2008 war dafür ein gutes, aber trauriges Beispiel: Risikoaversion und Flucht in Liquidität sorgten für fallende Märkte. Auch viele Absolute Return-Strategien erzielten zu dieser Zeit eine unzureichende Performance, aber im Wesentlichen nicht ursächlich, weil der Aktienmarkt fiel, sondern u. a. aufgrund starker Spreadausweitungen und negativer Liquiditätsprämien. Zusammengefasst bieten Absolute Return-Strategien einen gewissen Schutz in fallenden Märkten, partizipieren aber auch nur bedingt in Haussephasen, denn das traditionelle Beta ist meistens gering. Diese Strategien werden immer eine (gedämpfte) Abhängigkeit gegenüber dem Markt zeigen, in dem ihre Alternative und Hidden Betas generiert werden. Die folgende Darstellung macht dieses Renditeprofil exemplarisch deutlich (Grafik 1). Die abgebildete Strategie generiert eine stabile positive jährliche Rendite von ca %, wenn der Markt (in diesem Beispiel der Aktienmarkt) positiv oder leicht negativ ist. In stark negativen Märkten erzielt sie ebenfalls eine negative Rendite, die dank abweichender Renditequellen jedoch deutlich weniger drastisch ausfällt als die Rendite am (Aktien-)Markt. Grafik 1: Renditeprofil einer marktneutralen Strategie Strategie 40% 20% 0% -20% -40% -60% -60% -40% -20% Strategierendite Aggregiertes Renditeprofil Marktrendite 0% 20% 40% Markt Quelle: Bloomberg, Berechnungen Allianz Global Investors 13

14 Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen Update II/2010 Wie muss also ein Portfolio aufgebaut sein, damit die Generierung eines solchen Renditeprofils möglich wird? Ein Portfolio sollte flexibel bezüglich seiner Positionierung am Markt (Long/Short) sein und die Möglichkeit haben, in einer günstigen Marktlage Hebel einzusetzen. Außerdem sollte die Strategie auf liquiden Märkten agieren und ein fortschrittliches Risikomanagement einsetzen. 1) Die Strategie muss flexibel sein. Flexible Strategien haben bessere Chancen, in verschiedenen Marktlagen eine positive Rendite zu generieren. Diese Flexibilität kann durch dynamische Veränderungen der Netto-Positionierung (Long oder Short) sowie durch variable Steuerung der Investitionsquote in Abhängigkeit von dem Marktsentiment oder der Breite der Opportunitäten im Markt erzeugt werden. Die Flexibilität kann aber auch darin liegen, verschiedene Substrategien zu kombinieren und ihre Gewichtung dynamisch anzupassen. Der mögliche Einsatz von Leverage hilft dem Portfoliomanager, seine Rendite in günstigen Marktlagen (= steigender, liquider Markt) zu erhöhen. In fallenden Märkten jedoch sollte die Umsetzung der Strategie vom Leverage- Einsatz möglichst unabhängig sein. Eine Untersuchung der Columbia Universität von 2009 zeigt, dass Hedgefonds eine Short Funding Option beim Prime Broker halten. In turbulenten Märkten kann der Prime Broker diese Option ausüben und die Finanzierung verweigern oder stark reduzieren. Damit wird der Portfoliomanager zur Liquidierung von (illiquiden) Positionen in einem schwierigen Markt gezwungen. Folglich erhöht sich die Volatilität der Strategierendite deutlich, besonders in einer Abwärtsbewegung des Marktes. Dies spiegelt sich in einem wenig attraktiven, negativen asymmetrischen Renditeprofil wider. Daher sollte eine intelligente Strategie zwar die Flexibilität eines möglichen Leverage-Einsatzes haben, jedoch keine ausgeprägte, grundsätzliche Abhängigkeit davon. 2) Die Strategie soll in liquiden Märkten agieren. Die oben beschriebene Flexibilität der Positionierung und des Hebeleinsatzes ist nur in liquiden Märkten vernünftig umsetzbar. Regulierte Märkte mit vielen Teilnehmern und engen Geld-Brief-Spannen gelten grundsätzlich als liquide. Nur ein liquider Markt ermöglicht eine schnelle Anpassung der Position zu geringen Kosten. Strategien, die auf weniger liquide Märkte ausweichen, verdienen zwar eine Liquiditätsprämie, erhöhen dabei aber gleichzeitig die Volatilität der Rendite. Die letzten beiden Jahre haben allerdings gezeigt, dass Liquidität schwer messbar und vorhersagbar sein kann. Hier sind also ein adaptives Verhalten des Portfoliomanagers und ein sensibles Risikomanagement gefordert. Grafik 2: Maximaler Drawdown einer marktneutralen Strategie Indexwert % 75-54% 50 Jun 06 Sep 06 Dez 06 Mrz 07 Jun 08 Jun 07 Sep 07 Dez 07 Mrz 08 Sep 08 Dez 08 Mrz 09 Jun 09 Sep 09 Dez 09 Mrz10 Marktneutrale Absolute Return-Strategie MSCI World Index Quelle: Bloomberg, Berechnungen Allianz Global Investors 14

15 Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen 3) Risikomanagement ist der essenzielle Bestandteil einer intelligenten Strategie. Ein guter Portfoliomanager ist ein Risikomanager, der ein gutes Verständnis von Risikofaktoren hat und anhand dessen das Portfolio steuert, anstatt lediglich entlang von Anlageklassen zu analysieren. Investiert man beispielsweise in eine marktneutrale Aktienstrategie, so heißt dies nicht zwangsläufig, dass ein sogenanntes Zero-Beta -Portfolio gehalten wird. Zero-Beta bedeutet, keine spürbare Sensitivität zum Aktienmarkt zu haben. Die Rendite sollte in diesem Fall völlig unabhängig von der Richtung des Marktes ausfallen. Beta wird aber tatsächlich immer vorhanden sein und sogar einen Großteil der Portfoliorendite ausmachen. Die Frage, die sich hier stellt, ist, welche Form von Beta liegt vor und wie viel Rendite kann aus diesen systematischen Risiken verdient werden? Um dies zu erreichen, müssen Betas korrekt identifiziert werden, was eine Aufgliederung nach Risikofaktoren erfordert. Die klassische, auf Anlageklassen bezogene Betrachtung der Strategie hilft bei Alternative und Hidden Betas oft nicht weiter. Wie Grafik 2 verdeutlicht, sind Strategien mit den oben beschriebenen Eigenschaften deutlich besser durch die aktuelle Finanzkrise gekommen als vergleichbare Long-Only-Strategien (gemessen am MSCI World Index). Sie zeigten in der Regel deutlich niedrigere Verluste (sogenannter Drawdown 1 ) (~12 %) und haben die Verluste innerhalb weniger Monate wieder aufgeholt (~10 Monate), während der MCSI World Index nach 16 Monaten erst knapp 60 % zurückverdienen konnte. Vergleicht man die sogenannte Omega-Kennzahl der beiden Strategien, wird der Vorteil dieser marktneutralen Absolute Return-Strategie noch deutlicher. Omega ist eine Kennzahl, die Auskunft über die Güte einer Strategie gibt. Wie in der Grafik 3 dargestellt, werden dabei die Gewinne einer Investmentstrategie (Fläche A) zu ihren Verlusten (Fläche B) bezüglich einer vordefinierten Mindestrendite (in diesem Beispiel 0 %) ins Verhältnis gesetzt. Rein intuitiv empfinden Investoren eine Rendite, die über der erwarteten Mindestrendite (z. B. 0 %) liegt, als Gewinn, während sie jede Rendite, die unterhalb dieser Mindestrendite liegt, als Verlust interpretieren. Die Fläche A stellt nun einen kumulierten Gesamtertrag (Gewinn) und die Fläche B einen kumulierten Gesamtverlust dar. Wenn der Gesamtertrag den Gesamtverlust übersteigt, erweist sich die Strategie als insgesamt profitabel. Allgemein gilt, dass die Strategie mit dem höheren Omega vorzuziehen ist. In dem oben genannten Beispiel weist die marktneutrale Absolute Return-Strategie ein Omega von 3 auf, der MSCI World Index dagegen nur ein Omega von 1. Damit liegt der Vorteil von intelligenten Absolute Return-Strategien auf der Hand: Die Existenz der oben beschriebenen Eigenschaften Flexibilität, Liquidität und Risikomanagement ermöglicht es ihnen, sicherer durch Krisen und ruhigere Märkte zu navigieren. Innerhalb des Lösungsspektrums von Allianz Global Investors gibt es eine Reihe von Investmentstrategien, die diese Eigenschaften auszeichnet. Beispielsweise verfolgt der Fonds Allianz RCM Discovery Europe eine Equity Long/Short Market Grafik 3: Omega-Kennzahl Marktneutrale Absolute Return-Strategie Long-Only Aktien-Strategie 100% 100% 80% A A = Gewinn 80% A A = Gewinn Häufigkeit in % 60% 40% 20% 0% B = Verlust B Omega = A B = 3 Häufigkeit in % 60% 40% 20% 0% B = Verlust B Omega = A B = 1-30% -25% -20% -15% -10% -5% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% Absolute Rendite in % Kumulierte Rendite-Verteilung; Zeitraum Juli 2006 bis März % -25% -20% -15% -10% -5% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% Absolute Rendite in % Kumulierte Rendite-Verteilung; Zeitraum Juli 2006 bis März maximaler Wertverlust bis zur Wiedererreichung des Ursprungswertes 15

16 Intelligente Strategien in Zeiten niedriger Renditen Update II/2010 Neutral-Strategie 2, die an den liquiden Aktienmärkten flexibel zwischen fünf verschiedenen Substrategien allokiert ist, von dem Einsatz von Leverage gänzlich unabhängig ist und zudem über ein fortschrittliches Risikomanagement verfügt. Allianz Global Investors Capital Structured Alpha 2 ist ein weiteres Beispiel einer intelligenten Absolute Return-Strategie: Die Strategie generiert ein marktneutrales Renditeprofil durch die Nutzung der Opportunitäten auf den liquiden Optionsmärkten und genügt ebenfalls den Anforderungen im Hinblick auf Flexibilität, Liquidität und Risikomanagement. Beide Strategien verfügen über eine lange und erfolgreiche Performancehistorie, sind transparent für Investoren und haben im aktuellen Umfeld hohe Zuflüsse zu verzeichnen. Fazit Zusammenfassend kann festgehalten werden: Insbesondere flexible Strategien, die auf liquiden Märkten agieren, für deren Performance kein Hebeleinsatz explizit erforderlich ist und deren Risikomanagement aus einem fest etablierten und in sich konsistenten Prozess besteht, besitzen eine gute Chance, die Erwartungen der Anleger an mittelfristig attraktive Rendite-Risiko- Profile zu erfüllen. Olga Braun-Cangl berät seit 2008 die Allianz Global Investors Vertriebseinheiten und die Allianz Gruppe auf den Gebieten Alternative Investments und Absolute Return-Strategien. Die geprüfte Hedgefondsberaterin (ebs/bai) blickt auf eine 8-jährige Erfahrung in den Bereichen Quantitative Analysen und Portfolio Management zurück, die sie bei der Berenberg Bank Asset Management und bei der HypoVereinsbank Corporate & Markets gesammelt hat. Sie absolvierte Ihr BWL-Studium mit den Schwerpunkten Kapitalmarktforschung & Finanzierung an der Universität München (LMU). Dr. Frank Wolfert ist als Leiter des Bereichs Asset Management Consultancy for Allianz Group in der Allianz Global Investors AG zuständig für die Analyse und Charakterisierung von Investment Strategien und die Beratung von Allianz-Einheiten bei der Manager-Selektion. Er ist seit 2001 für die Allianz tätig und hat dieses Inhouse Consulting aufgebaut. Zuvor war Dr. Wolfert als Portfolio Manager für institutionelle Aktien und Multi-Asset-Mandate bei einer deutschen KAG zuständig und hat danach als Leiter des Projektmanagements die Implementierung von STP und Buy-side Trading geleitet. Er hat 2002 an der TU Leipzig promoviert und verfügt über einen Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur der TU Darmstadt. 2 Weitergehende Informationen über den Fonds und seine Anlagestrategie finden sich im vereinfachten und ausführlichen Verkaufsprospekt. 16

17 Kapitalmarktlexikon Hedgefondsstrategien Hedgefondsstrategien verfolgen das Ziel, unabhängig von der Entwicklung der Märkte eine positive Rendite zu erzielen.! Kapitalmarktlexikon Das Geschäft mit der Kapitalanlage ist von Fachbegriffen und Angli zismen geprägt. Mit unserem Kapitalmarktlexikon wollen wir etwas Licht ins Dunkel bringen und Ihnen die aus unserer Sicht wichtigsten Begriffe und deren Bedeutung auf verständ liche Art und Weise näherbringen. Hedgefonds sind nicht zuletzt im Zuge der Finanzkrise stark in Verruf geraten (Grafik1) und werden in der Öffentlichkeit oftmals als Sinnbild des Kasinokapitalismus verstanden. Über die Eigenschaften von Hedgefonds, die Unterschiede zu traditionellen Anlageformen sowie über Strategien, Methoden und Ziele dieser besonderen Art von Investmentfonds ist der breiten Öffentlichkeit jedoch nur wenig bekannt. Hedgefonds können in die verschiedensten Assetklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Währungen investieren, verfolgen dabei jedoch stets das Ziel, unabhängig von den Bewegungen an den Finanzmärkten eine positive Rendite zu erzielen. Hierin besteht der größte Unterschied zu traditionellen Investmentfonds, die sich an einer Benchmark (Vergleichsindex) orientieren und daher in der Regel mit dem Gesamtmarkt steigen oder fallen können. Grafik 1: Anzahl neuer europäischer Hedgefonds und verwaltetes Vermögen seit Anzahl neuer europäischer Hedgefonds im ersten Halbjahr jeden Jahres (links) verwaltetes Vermögen in Mrd. Dollar (rechts) Quelle: Eurohedge 17

18 Kapitalmarktlexikon Update II/2010 Überblick über ausgewählte Hedgefonds-Strategien Wir unterscheiden die drei Unterkategorien Relative Value, Event Driven und Opportunistic. Relative Value-Strategien investieren in Bewertungsunterschiede ähnlicher Wertpapiere und setzen somit auf eine Angleichung des Preises. Dabei verkaufen sie als überbewertet angesehene Wertpapiere und kaufen solche, die sie als unterbewertet erachten. Verringert sich der Bewertungsunterschied, so wird die Strategie profitabel, weitet sich der Preisunterschied aus, entsteht ein Verlust. Relative Value-Strategien kommen insbesondere bei Anleihen, Aktien und Wandelanleihen zum Einsatz. Bei Event Driven-Strategien setzt der Hedgefonds auf unternehmensspezifische Ereignisse mit hohem Kursbewegungspotenzial. Ziel dieser Strategien ist es, sich vor einem erwarteten Ereignis so zu positionieren, dass im Falle des erwarteten Ausgangs eine überdurchschnittlich hohe Einmalrendite erzielt werden kann. Beispiele hierfür sind Übernahmen, Überraschungen in den Geschäftszahlen oder Restrukturierungen. Opportunistic Hedge Fund-Strategien basieren auf einer fundamentalen Markteinschätzung des Fondsmanagers. Sein Ziel ist es, Kursbewegungen zu antizipieren, die im Bezug zu konjunkturellen Entwicklungen stehen. Global Macro-Strategien setzen dabei auf gesamtwirtschaftliche Entwicklungen und positionieren sich in Assetklassen wie Währungen, Zinsprodukten oder Aktien, um von unterschiedlichen Entwicklungen zu profitieren. Long/Short Equity-Strategien gehören zu den häufigsten Hedgefondsstrategien und ermöglichen dem Fondsmanager die Implementierung seiner Meinung auf Einzelwertebene. Marktneutrale Strategien Wie schaffen es Hedgefonds, sich von den Bewegungen des Marktes abzukoppeln, und sogar in fallenden Märkten eine positive Rendite zu erzielen? Marktneutralität bedeutet, dass die Bewegungen eines Fonds nicht durch die Schwankungen des Gesamtmarktes erklärt werden. Das Ziel marktneutraler Fonds ist es dementsprechend, unabhängig von Bewegungen des Marktes immer eine positive Rendite zu erreichen. Traditionelle Long-Only-Aktienfonds können nur die sogenannte Long-Position in Aktien eingehen, d. h., sie können Aktien nur kaufen und setzen somit stets auf steigende Kurse. Wenn nun der Gesamtmarkt, wie in 2008, fällt, dann verliert ein Long-Only-Aktienfonds automatisch an Wert, selbst wenn in die Unternehmen investiert wird, die am wenigsten stark fallen. Um auch in fallenden Märkten eine positive Rendite zu erzielen, nutzt ein Hedgefonds Leerverkäufe, sogenannte Shorts. Ein Leerverkauf ist das genau spiegelbildliche Geschäft eines typischen Kaufgeschäftes, indem ein Wertpapier heute mit der Intention verkauft wird, es zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Preis wieder zurückzukaufen. Fällt die leerverkaufte Aktie während der Halteperiode, so liegt der Rückkaufpreis unter dem Verkaufspreis und es wird folglich eine positive Rendite erzielt, obwohl das zugrundeliegende Investment im Wert gefallen ist. Die technische Umsetzung des Leerverkaufs wird durch sogenannte Prime Broker ermöglicht, bei denen sich der Hedgefonds die Aktien leiht, die er dann am Markt verkauft. Für die Leihe muss der Hedgefonds dem Verteiler eine Leihgebühr zahlen, welche die potenzielle Rendite des Leerverkaufs schmälert. Diese Leihe wird durch den Rückkauf der Aktien am Markt wieder glattgestellt. Somit ist es erst durch die Verwendung von Leerverkäufen möglich, sich von der Bewegung des Gesamtmarktes abzukoppeln. Harald Sporleder ist Leiter der Investmentsparte Hedgefonds im Europäischen Aktienteam. Er managt traditionelle Aktienfonds und erweitert diese um physische und derivatgestützte Strategien. Seit 2002 zeichnet er für den Allianz RCM Europe Alpha Plus Fonds verantwortlich. Harald Sporleder beschäftigt sich seit 2004 intensiv mit Alternativen Investmentstrategien. Diese Expertise mündete 2007 in der Auflage des marktneutralen Hedgefonds Allianz RCM Discovery Europe. Vor Beginn seiner Karriere bei RCM studierte Harald Sporleder Volkswirtschaftslehre an der Universität Halle-Wittenberg mit den Schwerpunkten Geldmarktpolitik, Bankwesen und Finanzierung und graduierte 1996 zum Diplomvolkswirt. Im Jahr 2000 absolvierte er das Executive Education-Programm an der INSEAD in Fontainebleau. 18

19 Impressum Impressum Update II/10 Informationsmagazin von Allianz Global Investors Kapitalanlagegesellschaft mbh Herausgeber: Allianz Global Investors Kapital anlagegesellschaft mbh Mainzer Landstraße Frankfurt Verantwortlich: Ernst Riegel Koordination: Claudia Prüver Layout: Claudia Lüers, Graphics Druck: Schleunungdruck GmbH, Marktheidenfeld Fotografien: Allianz Global Investors, gettyimages, Fotolia (Eric Isselée, Ell, by-studio, Bernd Ege, Gradt, Impala, Joy Fera, Franz Pfluegl) Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die Redaktion: Hans-Joachim Kollmannsperger, Telefon (069) ; Bernd Lud, Telefon (069) ; Claudia Prüver, Telefon (069) ; Ernst Riegel, Telefon (069) ; Marc Savani, Telefon (069) ; Oliver Schütz, Telefon (069) oder an Ihren persönlichen Betreuer oder schreiben Sie eine an Stand: Juni 2010 Dieses Magazin wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Die Angaben beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Ge währ übernehmen. Die geäußerten Ansichten können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Gastbeiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Soweit wir in diesem Magazin Prognosen oder Erwartungen äußern oder unsere Aussagen die Zukunft betreffen, können diese Aussagen mit bekannten sowie unbekannten Risiken und Ungewissheiten verbunden sein. Die tatsäch lichen Ergebnisse und Entwicklungen können daher wesentlich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen. Neben weiteren hier nicht aufgeführten Gründen ergeben sich eventuell Abweichungen aus Veränderungen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage sowie der Wettbewerbssituation, vor allem in Allianz Kern geschäfts feldern und -märkten, und aus Akquisi tionen sowie der anschließenden Integration von Unternehmen in die Gruppe. Auch die Entwicklung der Finanzmärkte und der Wechselkurse sowie nationale und internationale Gesetzesänderungen, insbesondere hinsichtlich steuerlicher Regelungen, können einen Einfluss ausüben. Vergangene Performance ist keine Garantie oder ein zuverlässiger Indikator für zukünftige Performanceentwicklung. Die Gesellschaft übernimmt keine Verpflichtung, die in diesem Magazin enthaltenen Aussagen zu aktualisieren. Ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis darf kein Teil dieser Veröffentlichung in irgendeiner Form vervielfältigt oder in anderen Publikationen zitiert werden. 19

20 Allianz Global Investors Kapitalanlagegesellschaft mbh Mainzer Landstr Frankfurt am Main

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