Stand und Entwicklung der Beitragseinnahmen und Versicherungsleistungen in den Privaten Krankenversicherungen (PKV)

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1 1 Stand und Entwicklung der Beitragseinnahmen und Versicherungsleistungen in den Privaten Krankenversicherungen (PKV) Von Dr. Detlev Nies, öff. best. u. vereid. Sachverständiger für die Bewertung von Zahnarztpraxen und Dipl. Volkswirt Katja Nies (www.praxisbewertung-praxisberatung.de) 1 Vorbemerkung Während die Beitrags- und Leistungsentwicklungen sowie der Versichertenbestand im Sektor der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) intensiv beobachtet werden, ist der Informationsstand über entsprechende Zahlen aus dem Bereich der Privaten Krankenversicherungen (PKV) meist deutlich weniger ausgeprägt. Der hier vorliegende Beitrag fasst die aus Sicht der Verfasser wichtigsten Daten kommentierend zusammen. Alle Zahlen sind dem Zahlenbericht der privaten Krankenversicherung 2006/2007 entnommen, welcher jährlich vom Verband der privaten Krankenversicherungen e.v. herausgegeben wird. In diesem Verband sind rund 50 private Krankenversicherungen mit einer kumulierten Bilanzsumme von 134,6 Mrd. zusammengeschlossen. 2 Angaben zum Versicherungsbestand und zum Beitragsvolumen 2.1 Zahlen für das Jahr 2006 Die Beitragseinnahmen der privaten Kranken- und Pflegeversicherung betrugen in 2006 insgesamt 28,48 Milliarden (eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 4,15%). Sie setzen sich u.a. wie folgt zusammen: Tabelle1 Typ Anzahl Steigerung im Vergleich zum Vorjahr Beitragsvolumen (Mio. Euro) Steigerung im Vergleich zum Vorjahr Krankheitsvollversicherungen ,39% ,6 4,29% Pflegeversicherungen ,23% 1.871,3 0,20% Zusatzversicherungen ,68% 5.493,9 4,58% insgesamt davon: ambulant ,97% davon: Krankenhaus ,12% 3.520,0 7,17% davon: Zahntarife ,30% davon: Krankentagegeld ,09% 1.042,1-0,50%

2 2 Den Angaben zufolge - Sind etwas mehr als 10% der Bevölkerung mit einer privaten Vollversicherung krankenversichert - besitzen mehr als 20% der Bevölkerung eine private Zusatzversicherung (unter der Voraussetzung, dass auf jede Person durchschnittlich eine Zusatzversicherung entfällt) - besitzen mehr als 11% der Bevölkerung einen privaten Zahntarif - hat die Zahl der Vollversicherungen im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 1,39% zugenommen - haben die Beitragszahlungen im gleichen Zeitraum aber um 4,29% zugenommen 2.2 Entwicklung in den letzten 10 Jahren Tabelle 2 (alle Leistungen in Mio. Euro) Krankheitsvollversicherungen Zusatzversicherungen insgesamt Anzahl Anzahl Steigerung Anzahl in % 22,2 59,3 Beitrag , ,1 Beitrag , ,9 Steigerung Beitrag in % 82,6 19,8 Leistungen der privaten ,0 Krankenversicherung 1996 gesamt Leistungen der privaten ,7 Krankenversicherung 2006 gesamt Steigerung der Leistungen in % 58,3 Aus diesen Zahlen kann abgelesen werden, dass - die Bedeutung der PKV insgesamt in den letzten 10 Jahren gewachsen ist - die Zahl der Zusatzversicherungen stärker als die der Vollversicherungen wächst - die Beiträge zu den Krankheitsvollversicherungen von 1996 auf 2006 um 82,6% gestiegen sind, die Leistungen jedoch insgesamt nur um 58,3% gestiegen sind. Die Leistungen für Zahnbehandlung haben sich sogar lediglich um 46,2% erhöht.

3 3 Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Kapitalanlagen der PKVen im gleichen Betrachtungszeitraum von 1996 (etwa 42,9 Mrd. ) auf 2006 (etwa 130,5 Mrd. ) um 204,2% und damit wesentlich stärker als die Leistungen gestiegen sind. Die Kapitalerträge (im wesentlichen aus der Anlage der Rückstellungen) beliefen sich nach Abzug der Aufwendungen für die Kapitalanlagen im Jahr 2006 auf 6.023,5 Mio. Euro. Der durchschnittliche Höchstbeitrag der GKV ist von 1996 (414,15 ) bis 2006 (530,81 ) um 28,2 Prozent gestiegen. Leider kann den zur Verfügung stehenden Zahlen nicht entnommen werden, um welchen Prozentsatz der Monatsbeitrag bei den privaten Krankenversicherungen in den letzten zehn Jahren gestiegen ist. 3 Angaben zu den Versicherungsleistungen 3.1 Zahlen für das Jahr 2006 Die Versicherungsleistungen der privaten Kranken- und Pflegeversicherung betrugen in 2006 insgesamt 17,84 Milliarden (eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 3,11%). Sie setzen sich u.a. wie folgt zusammen: Typ Tabelle 3 Volumen (Mio. Euros) Steigerung im Vergleich zum Vorjahr Ambulante Leistungen 7.682,8 4,06 % Stationäre Leistungen 5.388,7 3,55 % Zahnleistungen 2.501,4 2,65 % Ausgaben für Krankheitskosten ohne Tagegelder insgesamt Zum Vergleich: Einnahmen aus Krankheitsvollversicherungen und Zusatzversicherungen insgesamt (ohne Tagegelder) ,9 3,63 % ,4 Im Einzelnen gliedern sich die Versicherungsleistungen wie folgt auf:

4 4 Tabelle 4 Leistungsart 2006 (Mio. ) Veränderung zum Vorjahr in Prozent Arztbehandlung 4.291,6 3,06 Heilpraktikerbehandlung 166,1 9,64 Arzneien und Verbandmittel 1.881,0 4,62 Heilmittel 631,9 5,99 Hilfsmittel 623,1 5,59 Sonstiges 89,1 7,35 Ambulante Leistungen gesamt 7.682,8 4,06 Allgem. Krankenhausleistungen 2.714,4 3,27 Wahlleistung Chefarzt 2.031,9 4,62 Wahlleistung Unterkunft 513,5 1,30 Ersatz Krankenhaustagegeld 58,9 0,34 Sonstiges 70,0 3,70 Stationäre Leistungen gesamt 5.388,7 3,55 Zahnbehandlung 974,5 3,90 Zahnersatz 1.340,1 1,42 Kieferorthopädie 174,1 4,82 Sonstiges 12,7 10,43 Zahnleistungen gesamt 2.501,4 2,65 Krankentagegeld 707,5-1,45 Krankenhaustagegeld 494,1-2,91 Pflegezusatzversicherung 17,2 17,81 Sonstige Leistungen 51,0-3,23 Besondere Versicherungsformen 432,0-0,18 (Pflicht-) Pflegeversicherung 563,8 2,55 Sonstige Leistungen gesamt 2.265,6-0,49 Dabei sind die Leistungen für Frauen in allen Leistungsbereichen und in allen Altersgruppen vom 16. bis zum 65. Lebensjahr höher als für Männer, meist um etwa 10 bis 20 Prozent. Es ist festzustellen, dass im Vergleich mit dem Vorjahr von den Behandlungsleistungen der Sektor der Zahnleistungen am wenigsten gewachsen ist. Dass es sich hierbei nicht um ein zufälliges Ergebnis handelt, wird auch aus der nachfolgenden Tabelle deutlich: 3.2 Entwicklung in den letzten 10 Jahren Der langfristige Vergleich der Versicherungsleistungen für ambulante Behandlung je Versicherten stellt sich wie folgt dar:

5 5 Tabelle 5 Jahr Arztbehandlung Arzneien, Verbandmittel Zahnbehandlung, Zahnersatz GKV PKV GKV PKV GKV PKV ,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100, ,7 110,1 102,3 113,3 93,0 99, ,1 116,7 119,3 134,2 95,8 100, ,4 128,5 138,2 159,6 98,3 108, ,1 137,8 128,5 169,1 97,2 113, ,8 145,5 152,0 181,6 89,0 119,0 Die Tabelle zeigt, dass - Die Zahnheilkunde der einzige Bereich ist, bei dem innerhalb der GKV die Ausgaben pro Versicherten im Jahr 2006 geringer sind als zehn Jahre zuvor - auch bei der PKV von allen Leistungsbereichen die Zahnheilkunde derjenige Bereich ist, bei dem die geringsten Leistungsanhebungen stattgefunden haben - mehr noch als die Zahnärzte die Ärzte bemüht sind, die geringen Honorare aus dem GKV Bereich durch überproportionale Zuwächse im PKV Bereich zu kompensieren, indem die Steigerungssätze angehoben werden. Hier besteht im Vergleich zu den Zahnärzten auch noch Nachholbedarf, wie die folgende Tabelle zeigt: Tabelle 6 Steigerungssatz Ambulant-Ärzte Stationär-Ärzte Zahnärzte unter 2,3 5,43 2,46 6,90 2,3 86,48 67,51 46,40 2,3 bis 3,5 1,88 2,99 14,42 3,5 5,93 26,34 28,68 über 3,5 0,28 0,70 3,60 4 Verhältnis zwischen Beitragseinnahmen und Leistungsausgaben Bei Beitragseinnahmen (2006) der privaten Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von insgesamt 28,48 Mrd. und Leistungsausgaben im gleichen Zeitraum in Höhe von insgesamt 17,84 Mrd. fließen nur etwa 62,6% der Beitragseinnahmen in Form von Versicherungsleistungen an die Versicherten zurück. Von den verbleibenden 37,4% werden o die Alterungsrückstellungen bedient (in 2006: 10,1 Mrd. Euro; Gesamtbestand per 2006: 113,4 Mrd. Euro) o die Verwaltungskosten beglichen (im Jahr 2006: ca ,2 Mio. Euro)

6 6 o Betragsrückerstattungen an Versicherte, die in 2006 keine Leistungen in Anspruch genommen haben, geleistet (965,5 Mio. Euro) o Steuern gezahlt (im Jahr 2006: 360,5 Mio. Euro) o Gewinne erwirtschaftet (keine Angabe über die Höhe) 5 Schlußbemerkung Bei Betrachtung der statistischen Daten der PKV darf nicht vergessen werden, dass Beitragsrückerstattungen im Fall der Nichtinanspruchnahme von Versicherungsleistungen einerseits und Tarife mit Selbstbehalt andererseits dafür sorgen, dass die Leistungen der Versicherungen von den Praxiseinnahmen aus privat(zahn)ärztlicher Behandlung deutlich abweichen. Mit Blick auf die Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich der vom Gesetzgeber vorgeschriebene, ab 2009 einzuführende Basistarif (zu voraussichtlich nicht kostendeckenden Preisen) auf die zukünftige Entwicklung der Beitragseinnahmen und Leistungsausgaben der PKV auswirken wird.

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