Wirtschaft konkret. Das Bild der Oberpfalz in der Welt. Wer wir sind und was wir tun. Märkte Unternehmen Analysen Meinungen

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1 Märkte Unternehmen Analysen Meinungen Wirtschaft konkret A I 67. Jahrgang I Februar 2012 Portrait Gabriele Meyer-Schübl managt aus der Distanz Innovativ Evidanza GmbH Platz eins in Innovation Tschechien Kurbad abreißen oder erhalten? Feierabend Oberpfälzer Einradfahrer bei der WM Wer wir sind und was wir tun Das Bild der Oberpfalz in der Welt

2 Aktueller Spendenstand: Das Johannes-Hospiz: Ein Hospiz für die Oberpfalz Noch Euro bis zum Spatenstich. Die Johanniter und der Hospizverein Regensburg wollen ein stationäres Hospiz für die Oberpfalz und die Region Ostbayern bauen. Der Bau kostet rund drei Millionen Euro, eine Million wird an Spendengeldern aus der Region benötigt. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Weitere Informationen: Sparkasse Wenzenbach Kto , BLZ Verwendungszweck Johannes-Hospiz Hospizverein Regensburg e.v. Leben bis zuletzt

3 EDITORIAL Mobil erfolgreich Manfred Fichtl Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim Leistungsfähige Logistikunternehmen bieten den Firmen aus Industrie und Handel maßgeschneiderte Dienstleistungen für Transport, Lagerung und Zusatzservice. Voraussetzung dafür sind gute Verkehrsverbindungen. Aber, unsere Verkehrswege sind überlastet. Die Verkehrsprognosen in Ostbayern zeigen steil nach oben. Wir müssen dem Kollaps gegensteuern, wenn wir auch in Zukunft mobil und erfolgreich bleiben wollen. Um wichtige Verkehrsprojekte voranzutreiben, hat die IHK ein Verkehrsleitbild entwickelt. Wir müssen weiterhin aktiv bleiben. Gespräche und Kon ferenzen mit der Politik dürfen nicht abreißen. Wir sehen uns mit Verkehrsminister Dr. Peter Ram - sauer und seinem Team momentan einer Mannschaft gegenüber, die bereit ist, die anstehenden Infrastrukturprobleme pragmatisch zu lösen. Dabei bleibt unbestritten, dass eine bessere Finanzausstattung notwendig ist. Wir brauchen leistungsfähige Straßen: die B 15 neu von Saalhaupt bis Landshut (und später weiter nach Rosenheim), den sechsspurigen Ausbau der A 3 zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und Barbing, außerdem Ausbauprojekte im Großraum Regensburg, zum Beispiel die Osttangente und die Sallerner Regenbrücke. Wir wollen auch freie Kapazitäten zu Wasser nutzen und verstärkt auf die Binnenschifffahrt setzen. Damit die Donau verlässlicher Transportweg wird, muss der Fluss zwischen Straubing und Vilshofen ausgebaut werden. Die derzeit laufende variantenunabhängige Untersuchung wird die notwendigen Daten und Ergebnisse bringen. Ganz oben auf der Prioritätenliste der Unternehmen in Ostbayern steht eine bessere Anbindung an den Flughafen München. Exportbeziehungen lassen sich nur dann halten und ausbauen, wenn mit Geschäftspartnern im Ausland regelmäßig Kontakt gehalten werden kann. Treffen von Angesicht zu Angesicht sind trotz Internet noch immer entscheidend. Wir brauchen die direkte Schienenanbindung im Stundentakt, ohne kompliziertes Umsteigen. Erfreulich ist: Die bayerische Staatsregierung hat mittlerweile den Bau der Neufahrner Kurve mit stündlichen Airport-Expresszügen angekündigt. Für den schnellen Anschluss der tschechischen Wirtschaft an Ostbayern brauchen wir außerdem eine attraktive Schienenverbindung nach Pilsen und Prag. Der Schienengüterverkehr wird künftig wieder eine größere Rolle spielen. Eine besonders intelligente Lösung versprechen dabei kombinierte Verkehre. Der Transport auf lange Distanz erfolgt hier per Schiene, die Verteilung zu den Firmen erledigt der Lkw. Davon würde besonders der Frachtverkehr zu den Seehäfen Hamburg und Bremen an der Nordsee sowie Triest und Koper an der Adria profitieren. Und noch etwas: Damit die Schienengüterverkehre in Ostbayern problemlos abgewickelt werden können, muss die Kapazität der Umladeanlage im Güterverkehrszentrum Regensburg (GVZ) verdoppelt werden. Ergänzend ist hier die Elektrifizierung des noch fehlenden Abschnitts Hof-Schwandorf- Regensburg dringend erforderlich. Lassen Sie uns gemeinsam dranbleiben, an diesen wesentlichen Schritten für wirtschaftliche Transporte in und aus der Region.

4 INHALT I Februar 2012 Gabriele Meyer-Schübl I Sie ist Lehrerin und führt doch ein Unternehmen. Ferien bleiben für sie Ferien. Wie sie das macht, lesen Sie auf Seite 46. Evidanza GmbH I Das Unternehmen macht andere Unternehmen intelligenter. Sein Produkt: Business Intelligence. Wie erfahren Einkäufer sonst, welches Seidentuch in welcher Filiale besonders gut ankommt? Seite Editorial 06 Notizen Titel 20 Das Bild der Oberpfalz in der Welt Reportáž 30 Rettung des Kurbads Kyselka Kommentar 42 Das Rennen um Rohstoffe Service 10 Praxiswissen Recht 28 Praxiswissen Außenwirtschaft 36 Russland bei der World Trade Organisation 38 Praxiswissen Verkehr 40 Blechroboter von gestern bringt Energietipps für morgen 41 Kurzinfo: Energiemanagementsysteme 43 Bekanntmachung: Änderung der Wahlordnung 44 Bekanntmachung: Sachverständigenwesen 45 Kurzinfo: Rohstoff-/Materialeffizienz 50 Praxiswissen Ausbildung 52 Veranstaltungen 4 WIKO I 02 I 2012

5 Energie und Rohstoffe für morgen. Sammeln Sie Tipps für Ihr effizientes Rohstoffund Energiemanagement. Kurzinfos zum Heraustrennen in dieser Ausgabe und in den nächsten Heften. Grenzüberschreitende Industriestandortkarte I Sie zeigt, wie ähnlich sich die Industrieregionen Westböhmen und Ostbayern sind und, dass sie sich in so vielem hervorragend ergänzen. Seite 12 Einradfahrer I 17 Einradfahrer des SV Gleißenberg-Lixendorf werden bei der Weltmeisterschaft in Brixen ihr Bestes geben. Seite 66 Karlovy Vary E49 Praha Tachov Plzeň-sever Pilsen-Nord Rokycany D5 D5 Plzeň-město Pilsen-Stadt Domažlice Plzeň-jih Pilsen-Süd E49 České Budějovice E53 Klatovy Cham München Kyselka I Wie ein Kurbad zum Zankapfel wird, lesen Sie auf Seite 30. Region 12 Grenzüberschreitende Industriestandortkarte 16 Unternehmensportrait Evidanza GmbH 46 Gabriele Meyer-Schübl im Portrait 54 VWA Ostbayern/BMW AG 55 König Otto-Bad E. Büttner GmbH & Co. KG 44 Verbraucherpreisindex 56 Handelsregister 49 Impressum IHK-Report 51 IHK-Gremium Amberg-Sulzbach Feierabend 66 Einradclub beim SV Gleißenberg-Lixendorf IHK Podcast: WIKO I 02 I

6 NOTIZEN Gut besucht, die Karrieremesse der Westböhmischen Universität (Fotos: IAESTE) Fachkräftenachwuchs aus Tschechien Am 21. März findet die Karrieremesse der Westböhmischen Universität in Pilsen auf dem Universitätscampus in Borská Pole zum 17. Mal statt. Letztes Jahr präsentierten sich dort über 70 internationale und tschechische Unternehmen, auch viele Firmen aus Ostbayern. Sie treffen jährlich auf rund Studierende in den letzten Semestern und Hochschulabsolventen aus ganz Tschechien. Hauptorganisatoren der Karrieremesse sind die Studentenorganisation IAESTE sowie die Studentenunion der Westböhmischen Universität. Bereits zum zweiten Mal ist auch das Pilsener Büro der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim an der Organisation der größten Karrieremesse in Westböhmen beteiligt. Die Chancen, hier qualifizierten Ingenieursnachwuchs zu rekrutieren stehen gut, zumal seit dem 1. Mai 2011 mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit der Anstellung tschechischer Mitarbeiter nichts mehr im Wege steht. Mehr Infos und Anmeldung beim Regionalbüro Pilsen der IHK Regensburg und der AHK Tschechien, Karla Zajíčková, Tel.: , Achtung: Anmeldeschluss ist der 3. Februar 2012 Produktideen generieren Produktideen sind für jedes Unternehmen wichtig. Vor allem in gesättigten Märkten müssen Firmen besser und außergewöhnlicher sein als die Konkurrenz. Produktlebenszyklen verkürzen sich, der Druck auf Entwicklung und Service nimmt zu. of Economics in Psychologie promoviert und als Berater bei McKinsey & Company gearbeitet. Nachmachen erwünscht Kooperation mit einem externen Familienservice, flexible Arbeitszeiten, Telearbeit, Infomaterial es gibt viele Möglichkeiten für Unternehmen, ihre Mitarbeiter bei der Pflege Angehöriger zu unterstützen. Dafür werben Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann im Leitfaden Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Er bietet neben allgemeinen Informationen handfeste Beispiele aus der betrieblichen Praxis. Demografiebedingt müssen immer mehr Berufstätige zusätzlich Ange hörige versorgen und umgekehrt haben immer mehr Unternehmen ein Interesse daran, gute Mitarbeiter zu halten. Leitfaden unter > Downloads Der Autor zeigt Wege, wie man innovative Produkte entwickelt, vom Konsumentenbedürfnis bis zur Marktreife. Er demonstriert, wie aus Inspiration innovative Produkte werden können: von der Marktbeobachtung über Ideenfindung, Konzeption hin zum Markttransfer. Ausgangspunkt ist für ihn der Alltag des Konsumenten. Das Buch zeigt, wie man in die Lebenswelt der Kunden eintaucht und daraus Erkenntnisse über ihre Bedürfnisse ableitet. Der Autor ist Chef des Creation Centers der Deutschen Telekom, in dem systematisch Produktideen entwickelt werden. Er hat an der London School Raimund Schmolze: Unternehmen Idee. Wie kundenorientierte Produkt - entwicklung zum Erfolg führt Campus Verlag, Seiten, 24,99 Euro ISBN WIKO I 02 I 2012

7 Alle Abläufe an einem Platz effizient aufeinander abgestimmt das funktioniert nur an einem professionell strukturierten Standort. Der Gewerbepark Regensburg bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten, Mietflächen bzw. Nutzungen intelligent zu kombinieren. Damit Sie Kosten senken und Ihre unternehmerischen Ziele schneller erreichen können. Wind, Sonne und Co. ganz oben 1 Vorteil von vielen Perfekt vernetzt: Verkauf, Büro, Logistik, Service... Die Energiewende zeigt erste Spuren: Erneuerbare Energiequellen haben 2011 erstmals mehr zur Stromerzeugung in Deutschland beigetragen als Atom- oder Steinkohlekraftwerke. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft stammten 2011 ca. 20 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen, der Anteil der Kernenergie sank auf 18 Prozent, der der Steinkohlekraftwerke auf 19 Prozent des Stroms. (Foto: Burdack) Zuzug durch Arbeitnehmerfreizügigkeit Seit 1. Mai 2011 gilt zwischen Deutschland und vielen jungen EU-Nachbarn die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit eine Einwanderungswelle hat sie nicht verursacht. Auf Basis ihrer Beschäftigungsdaten hat die Bundesagentur für Arbeit hochgerechnet, wie viele Menschen aus Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen wegen der Arbeitnehmerfreizügigkeit nach Deutschland gezogen sind. Bis Ende Oktober 2011 waren es Menschen, davon sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, der Rest Geringverdiener. Nach Branchen betrachtet entfällt der Anstieg vor allem auf Arbeitnehmerüberlassung ( ), Baugewerbe (+9.700) und Verarbeitendes Gewerbe (+7.300). Dabei wird der Anstieg in der Arbeitnehmerüberlassung meist von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung getragen, während etwa die geringfügige Beschäftigung im Gastgewerbe eine größere Rolle spielt. Die meisten zusätzlichen Beschäftigungsverhältnisse entfallen auf Bayern: rund Menschen arbeiten im Freistaat aufgrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Den laufend aktualisierten Bericht finden Sie unter > Statistische Analysen > Statistische Sonderberichte. Der Standort für Büro, Handel, Service & Praxen Mietflächen nach Maß provisionsfrei Top-Lage bis zu Besucher/ Tag 3500 kostenlose Parkplätze Einkaufs-/Servicepassage Hotel, Tagung, Gastronomie Kinderkrippe WIKO I 02 I

8 NOTIZEN Wer übernimmt das Steuer? Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn hat zusammen mit weiteren Instituten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums eine Studie zum Generationswechsel im Mittelstand durchgeführt. Die Studie gibt für den Zeitraum 2000 bis 2009 einen Überblick über das allgemeine Existenzgründungs- und Nachfolgegeschehen in Deutschland. Kern der Untersuchung ist, ob es aufgrund der demografischen Entwicklung bis 2020 genügend Personen gibt, die an einer Übernahme interessiert sind. Die laufende Dekade ist durch eine zunehmende Alterung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter gekennzeichnet. Die Altersgruppe der über 50-Jährigen wächst, wohingegen die der 30- bis 50-Jährigen, aus der sich die Unternehmensnachfolger überwiegend rekrutieren, schrumpft. Der rückläufigen Anzahl der Übernahmeinteressierten steht bis 2020 eine steigende Anzahl von Übergaben gegenüber. Gleichwohl belegen die Schätzungen, dass die Anzahl der Übernahmeinteressierten weiterhin die Anzahl der anstehenden Übernahmen übersteigen wird. Aus dem demografischen Wandel ist bis 2020 somit rechnerisch keine Nachfolgelücke zu erwarten. Jedoch gilt dies nicht zwingend für alle Branchen und Regionen. Akquise 2.0 Freund und Feind Neukundenansprache hat im Zeitalter der Online-Kommunikation ausgedient: Was Kunden heute anspricht, hat Kommunikationstrainerin Eva Lang in vielen Jahren Praxis erarbeitet und jetzt als Buch veröffentlicht. 10 Gebote der Neukundenansprache bietet eine detaillierte Anleitung für die Kundenansprache im Web 2.0, am Telefon und im persönlichen Gespräch. Das Buch bietet Unterstützung für das Akquisegespräch und weist auf die Besonderheiten der verschiedenen Kommunikationskanäle hin. Außerdem gibt es Tipps für das Selbstmanagement, auch bei Kritik und Ablehnung. Eva Lang: 10 Gebote der Neukundenansprache Books on Demand GmbH Seiten, 12,95 Euro (als E-Book 9,99 Euro) ISBN Kaufentscheidungen beruhen seit eh und je auf den Empfehlungen anderer. Die Autoren des Titels Facebook Marketing unter Freunden sind sich sicher, dass das im digitalen Zeitalter diese Weisheit weiterhin gilt: In Zukunft wird die Bedeutung des persönlichen Netzwerks für die Wahrnehmung einer Marke und das Entstehen einer Kaufentscheidung weiter zunehmen, sagen sie. Facebook und Co. arbeiteten mit Hochdruck daran, Daten immer besser miteinander zu vernetzen, so dass Nutzer einen optimalen Mehrwert aus den Netzwerken ziehen können. Im Web 2.0 wird der Nutzer immer gläserner, Marken jedoch auch. Rasend schnell verbreiten die Nutzer etwa Bad-News über ein Unternehmen, doch wenn sie geschickt agieren, können sie ihnen auch gute Neuigkeiten über ihre Produkte mit auf den Weg geben. Das Buch zeigt, wie Strategien für Markenbindung im Social Web gelingen können. Felix und Klaus Holzapfel: Facebook Marketing unter Freunden Business Village Seiten, 29,90 Euro ISBN WIKO I 02 I 2012

9 Ist die Gebühreneinzugszentrale in Köln bald überflüssig? (Foto: GEZ) Rundfunkgebühren ausrechnen Nachdem jüngst alle 16 Bundesländer einer Neuordnung der Rundfunkfinanzierung zugestimmt haben, ist der Weg für den 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag frei. Er wird am 1. Januar 2013 bundesweit in Kraft treten und stellt die Rundfunkgebühr nach fast 60 Jahren auf eine neue Grundlage. Künftig wird nicht mehr pro Gerät eine Gebühr entrichtet, sondern jeder Haushalt und jeder Betrieb muss zahlen egal, ob er einen Fernseher, ein Radio, einen Internet-PC oder keines der Geräte besitzt. Ausführliche Infos zu den neuen Regelungen der Rundfunkfinanzierung sowie einen Gebührenrechner, mit dem Unternehmen ihre künftige Belastung ausrechnen können, finden Sie unter > Branchen > IT und Medien > Rundfunk / Medien. Fantastisch! Düsseldorf Hamburg Berlin mit airberlin und Lufthansa 8 mal täglich in jede Stadt Steuern Sparen Triplog Pro 2 Das elektronische Fahrtenbuch mit Vorteilsrechner Raimund Scheuerer Vertriebsdirektion Bayern WIKO I 02 I

10 SERVICE PRAXISWISSEN I Recht Datenschutzbehörden beziehen eindeutig Stellung Vorsicht bei Gefällt mir -Buttons Die obersten Datenschutzbehörden Deutschlands haben gemeinsam Stellung zum Datenschutz in sozialen Netzwerken bezogen. Im so genannten Düsseldorfer Kreis wurde am 8. Dezember ein Beschluss zur Zulässigkeit von Social Plugins erarbeitet. Darin heißt es: Das direkte Einbinden von Social Plugins, beispielsweise von Facebook, Google+ oder Twitter, in Websites deutscher Anbieter, wodurch eine Datenübertragung an den jeweiligen Anbieter des Social Plugins ausgelöst wird, ist ohne hinreichende Information der Internetnutzerinnen und -nutzer und ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, die Datenübertragung zu unterbinden, unzulässig. Weiter heißt es: In Deutschland ansässige Unternehmen, die durch das Einbinden von Social Plugins eines Netzwerkes auf sich aufmerksam machen wollen oder sich mit Fanpages in einem Netzwerk präsentieren, haben eine eigene Verantwortung hinsichtlich der Daten von Nutzerinnern und Nutzern ihres Angebots. Es müssen zuvor Erklärungen eingeholt werden, die eine Verarbeitung von Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer durch den Betreiber des sozialen Netzwerkes rechtfertigen können. Die Erklärungen sind nur dann rechtswirksam, wenn verlässliche Informationen über die dem Netzwerkbetreiber zur Verfügung gestellten Daten und den Zweck der Erhebung der Daten durch den Netzwerkbetreiber gegeben werden können. Anbieter deutscher Websites, die in der Regel keine Erkenntnisse über die Datenverarbeitungsvorgänge haben können, die beispielsweise durch Social Plugins ausgelöst werden, sind regelmäßig nicht in der Lage, die für eine informierte Zustimmung ihrer Nutzerinnen und Nutzer notwendige Transparenz zu schaffen. Sie laufen Gefahr, selbst Rechtsverstöße zu begehen, wenn der Anbieter eines sozialen Netzwerkes Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer mittels Social Plugins erhebt. Wenn sie die über ein Plugin mögliche Datenverarbeitung nicht überblicken, dürfen sie daher solche Plugins nicht ohne weiteres in das eigene Angebot einbinden. Den Beschlusses finden Sie auf der Homepage des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht unter > Düsseldorfer Kreis. Unklar ist derzeit, wie sich der Beschluss auf Unternehmen auswirkt, die Social Plugins, etwa den Gefällt-Mir -Button von Facebook, oder Fanpages verwenden. Sie sollten Vorsicht walten lassen, denn am Beschluss war auch die zuständige bayerische Aufsichtsbehörde in Sachen Datenschutz beteiligt, nämlich das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht, das auf seiner Homepage jetzt ausdrücklich auf den Beschluss hinweist. Inwieweit das Landesamt gegen Unternehmen vorgehen und eventuell sogar Websites überprüfen wird, ist derzeit noch offen. Ansprechpartnerin bei der IHK ist Susanne Kroiß, Tel. 0941/ , Kündigung nach Beleidigung Beleidigt ein Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber grob, kann das eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen. Das hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz im Fall eines als Substitut beschäftigten Arbeitnehmers in einem Lebensmittelmarkt entschieden. Nachdem der Arbeitnehmer eine Mitarbeiterin der Beteiligung an einem Diebstahl bezichtigt hatte, Zeugen aber nicht benennen wollte, führte der Arbeitgeber mit ihm ein Gespräch, in dem der Substitut erklärte, der Arbeitgeber habe nichts mehr zu sagen, seine Zeit sei abgelaufen. Das Integrationsamt stimmte der beabsichtigten ordentlichen Kündigung des zu 70 Prozent schwerbehinderten Arbeitnehmers zu. Das Gericht weist darauf hin, dass grobe Beleidigungen eines Vorgesetzten einen erheblichen Verstoß gegen die arbeitsrechtlichen Verpflichtungen darstellten. Auf sein Recht zur freien Meinungsäußerung könne sich ein Arbeitnehmer dabei nicht berufen. Kein Arbeitgeber müsse im groben Maße unsachliche Angriffe dulden, die zur Untergrabung seiner Position führen könnten. Auch einer Abmahnung habe es nicht bedurft, weil es sich um einen besonders schweren Verstoß gehandelt habe. (Urteil des Landesarbeitsgerichts LAG Rheinland-Pfalz vom 4. Mai 2011; Az.: 8 Sa 361/10) 10 WIKO I 02 I 2012

11 Abmahnung wegen Respektlosigkeit Tätigt ein Arbeitnehmer gegenüber Vorgesetzten unangemessene und respektlose Äußerungen, kann er hierfür abgemahnt werden. Das hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz im Fall eines Schichtleiters und Vorsitzenden des Betriebsrats entschieden, der mehrfach seinen Vorgesetzten ein Scheißwochenende oder ein beschissenes Wochenende gewünscht hatte. Die dafür vom Arbeitgeber erteilten Abmahnungen wollte er nicht akzeptieren und verlangte deren Beseitigung aus der Personalakte. In seiner Begründung weist das Gericht darauf hin, dass eine Beseitigung der Abmahnung nur verlangt werden könne, wenn sie formell nicht ordnungsgemäß sei, unrichtige Tatsachenbehauptungen enthalte, auf einer unzutreffenden rechtlichen Bewertung beruhe, unverhältnismäßig sei, kein schutzwürdiges Interesse des Arbeitgebers am Verbleib in der Personalakte mehr bestehe oder die Abmahnung nur pauschale Vorwürfe enthalte. Vorliegend habe es sich um unangemessene und respektlose Äußerungen gehandelt, die unter keinem denkbaren Gesichtspunkt zu akzeptieren seien. Die Abmahnungen seien daher gerechtfertigt gewesen, ein Beseitigungsanspruch bestehe nicht. (Urteil des Landesarbeitsgerichts LAG Rheinland-Pfalz vom 23. August 2011; Az.: 3 Sa 150/11) Rausschmiss nach sexueller Belästigung Belästigt ein Arbeitnehmer wiederholt Mitarbeiterinnen sexuell, rechtfertigt das eine außerordentliche Kündigung durch den Arbeitgeber. Das hat das Bundesarbeitsgericht im Fall eines Einkäufers und Produktmanagers bei einem Möbelhändler entschieden, der zunächst wegen eines Schlages auf das Gesäß einer Mitarbeiterin abgemahnt worden war und später trotzdem in vier Fällen verbal sexuell belästigende Bemerkungen gegenüber einer Mitarbeiterin gemacht hatte. Gegen die vom Arbeitgeber darauf ausgesprochene außerordentliche Kündigung setzte er sich zur Wehr. In seiner Begründung weist das Gericht darauf hin, dass eine sexuelle Belästigung vorliege, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten die Verletzung der Würde der betroffenen Person bezwecke oder bewirke. Ein vorsätzliches Verhalten sei dafür nicht erforderlich. Bei der Unerwünschtheit des Verhaltens komme es allein darauf an, ob die Unerwünschtheit objektiv erkennbar sei. Das treffe vorliegend bei allen vier Bemerkungen mit sexuellem Inhalt zu. Im Rahmen der Interessensabwägung unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit sei zu berücksichtigen, dass der Arbeitnehmer bereits wegen eines Verhaltens abgemahnt worden sei, das in innerem Zusammenhang mit dem Kündigungsgrund stehe. Eine nochmalige Abmahnung sei dem Arbeitgeber nicht zuzumuten gewesen nachdem der Arbeitnehmer sich die vorangegangene Abmahnung nicht habe zur Warnung gereichen lassen. (Urteil des Bundesarbeitsgerichts BAG vom 9. Juni 2011; Az.: 2 AZR 323/10) Perfekt! London Wien Rom ab 49 mit airberlin nonstop Obertraubling Tel / Fax: 09401/ Verkauf Neu u. Gebraucht Service Miete Fahrerschulung WIKO I 02 I

12 REGION IHK-Karte zeigt Strukturen des verarbeitenden Gewerbes in Ostbayern und Westböhmen Industrie ähnlich gestrickt Zwischen Pilsen und Regensburg arbeiten Handel, Dienstleistungen und besonders Industrie immer enger zusammen. Die neue grenzüberschreitende Industriestandortkarte der IHK zeigt, warum Kooperationen fruchten. von Peter Burdack Kooperationen beiderseits der Grenze sind so erfolgreich, weil die Strukturen in Ostbayern und Westböhmen sich sehr ähnlich sind, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Josef Beimler. Er beobachtet: Sind Sprachbarrieren und sonstige Ressentiments überwunden, klappt es mit der Zusammenarbeit zwischen Oberpfälzer Firmen und Unternehmen aus der Pilsener Region meist bestens. Vorteile entstünden dabei für beide Seiten. Für ihre grenzüberschreitende Industriestandortkarte hat die IHK im verarbeitenden Gewerbe mit über 20 Mitarbeitern Beschäftigtenzahl und Umsätze ermittelt und diese acht Branchengruppen zugeordnet. So wird die Industriestruktur der einzelnen Landkreise im IHK-Bezirk mit den Kreisen der Pilsener Region vergleichbar. Vor allem die Schlüsselbranchen ähneln sich stark, bewertet Josef Beimler die Ergebnisse der Untersuchung. So finden sich in Ostbayern und Westböhmen die meisten Betriebe in fast den gleichen Branchen wieder. Allen voran Herstellung von Metallerzeugnissen, Herstellung von Nahrungs- u. Futtermit- Pilsen Platz der Republik 12 WIKO I 02 I 2012

13 Ostbayern und Westböhmen, stark bei Metallerzeignissen und in der Nahrungsmittelindustrie teln sowie Getränkeherstellung und Maschinenbau. Beimler fügt an: Gerade Querschnittstechnologien wie Mechatronik sind auf beiden Seiten der Grenze wichtig. Industriegeschichtlich bedingt liegt in der Pilsener Region ein weiterer Schwerpunkt in der gummi- und kunststoffverarbeitenden Industrie, während in der Oberpfalz viele Betriebe in der Verarbeitung von Glas, Keramik sowie Steinen und Erden tätig sind. Gegenseitiges Engagement Tschechiens Wirtschaft zeichnet eine starke Ausfuhrorientierung zum Nachbarn aus, allein 2010 beliefen sich die Exporte nach Bayern auf über neun Milliarden Euro. In der Wirtschaftskrise profitierten die westböhmischen Zulieferer davon, dass ihre Auftraggeber in Ostbayern gut aufgestellt waren. Nicht nur in der Oberpfalz, auch in Westböhmen steigt die Herstellung von High-Tech-Produkten. Ein Beispiel ist die Firma Lintech aus Domažlice. Der Spezialist für Laserbeschichtung engagiert sich vermehrt in Ostbayern, nicht nur über Lieferantenverhältnisse, sondern auch in Forschung und Entwicklung: Er ist über das regionale Mechatronik-Cluster mit den Nachbarn vernetzt. Firmen wie die Nabburger EMZ Hanauer GmbH & Co KgaA unterhalten schon lange Betriebsstätten im Nachbarland. Für den Oberpfälzer Mittelstand bleiben die Werke in Tschechien weiterhin wichtig, da sie die Arbeitsplätze zu Hause sichern. Auch Konzerne mit Sitz außerhalb der Region setzen auf die hohe Produktivität im ostbayerischwestböhmischen Raum und investieren auf beiden Seiten der Grenze. Sie nutzen Synergien, etwa in der Ausbildung oder bei Schulungen. Die Suspa GmbH, ein Hersteller von Gasdruckfedern und Dämpfern, betreibt sowohl in Sulzbach-Rosenberg als auch in Bor bei Tachov ein Werk. Die Gerresheimer AG stellt in Pfreimd im Landkreis Schwandorf ebenso wie in Horšovsky Týn im Kreis Domažlice medizinische Kunststoffprodukte her, dazu gehören Insulin-Pens, Inhalatoren oder Stechhilfen. Vom Boom der Medizinbranche können beide Standorte gleichermaßen profitieren: Gerresheimer investierte 2011 im tschechischen Standort zwölf Millionen Euro, für Pfreimd wurde erst kürzlich ein 25-Millionen-Euro-Investment verkündet. Gleichzeitig sollen die Mitarbeiterzahlen steigen, in Horšovsky Týn von 375 auf 450, in Pfreimd von 550 auf 680. Regensburg Arnulfsplatz WIKO I 02 I

14 REGION Info Die grenzüberschreitende Industrie - standortkarte gibt es auch interaktiv unter industrie-oberpfalz-pilsen Die Industriebranchen im Überblick Regionale Unterschiede Karlovy Vary Die Industriestandortkarte der IHK zeigt die unterschiedliche Konzentration der Industriebetriebe: Auf tschechischer Seite arbeitet mit 43,2 Prozent fast die Hälfte aller Industriebeschäftigten in der Stadt Pilsen. Stadt und Landkreis Regensburg weisen 29,5 Prozent der Beschäftigten des verarbeitenden Gewerbes im IHK-Bezirk auf. Auffallend viele Industriebeschäftigte finden sich auch in den Landkreisen Cham und Schwandorf. Bei den umsatzstärksten Branchen dominieren auf deutscher und tschechischer Seite der Automobilsektor und der Maschinenbau. Neustadt/WN Amberg-Sulzbach Berlin A93 Tirschenreuth A6 Weiden D5 Tachov E49 Nürnberg Frankfurt A6 A3 Amberg Schwandorf Domažlice Cham Neumarkt Mü Regensburg Regensburg-Land A3 Wien Quellen: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, München; Tschechisches Amt für Statistik, Firmendatenbank Albertina CZ; eigene Berechnungen (Stand 2010) Kelheim A93 N München 25 km 14 WIKO I 02 I 2012

15 Sparkassen-Finanzgruppe Praha Plzeň-sever Pilsen-Nord Rokycany D5 Plzeň-město Pilsen-Stadt Plzeň-jih Pilsen-Süd E49 Bestellen Sie jetzt kostenlos den Ratgeber Weltweit aktiv unter České Budějovice nchen E53 Klatovy Mit uns kennt Ihr Erfolg keine Grenzen. Überall an Ihrer Seite: die Sparkassen und ihr internationales Netzwerk. Beschäftigte des Verarbeitenden Gewerbes in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern Herstellung von elektrischen Ausrüstungen Herstellung von DV-Geräten, elektronischen u. optischen Erzeugnissen Maschinenbau Herstellung von Kraftwagen u. Kraftwagenteilen Herstellung von Nahrungs- u. Futtermitteln und Getränkeherstellung Herstellung von Metallerzeugnissen Herstellung von Glas,-waren, Keramik, Verarbeitung von Steinen u. Erden Herstellung von Gummi- u. Kunststoffwaren Sonstige Branchen Ob Sie mit Ihrem Unternehmen international expandieren wollen oder Unterstützung bei Import-/Exportgeschäften suchen als einer der größten Mittelstandsfinanzierer sind wir mit unseren globalen Kontakten und langjähriger Beratungskompetenz auf der ganzen Welt für Sie da. Mehr dazu bei Ihrem Berater oder auf Wenn s um Geld geht Sparkasse. WIKO I 02 I

16 REGION Evidanza GmbH Der Controller im Computer 16 WIKO I 02 I 2012

17 Der Regensburger Software-Entwickler Evidanza ist Innovationsführer in Sachen Business Intelligence- und Controlling- Lösungen. Ausnahmemanager Thomas Groß (34, l.) inspiriert seine Mitarbeiter zu kreativen Höchstleistungen. Service Podcast Den Audiobeitrag können Sie downloaden: podcast WIKO I 02 I

18 REGION von Astrid Gamez Manchmal passiert es, dass ich niemanden mehr im Rückspiegel sehe, dann muss ich halt wieder umkehren, sagt Thomas Groß, Geschäftsführer der Evidanza GmbH. Ein Chef, der immer fünf Schritte voraus ist und den Kopf schon in der Cloud von übermorgen hat das ist für seine gut 50 Mitarbeiter in Regensburg und Nürnberg spannend, motivierend und anstrengend zugleich. Seine Kunden, global agierende Unternehmen und Nutzer von intelligenter Business-Software, wissen den kreativen Geist zu schätzen: in der aktuellen, weltweiten Anwenderbefragung für Business Intelligence Lösungen, der BI Survey 10 des Business Application Research Centers (BARC), belegt Evidanza Platz eins in Sachen Innovationskraft und Business Benefits. Allwissender Assistent Betriebswirtschaftlich gesehen ist Business Intelligence nichts Neues. Schon immer ziehen Firmen aus ihren Geschäftsprozessen Rückschlüsse auf ihr Geschäft, erklärt der 34- jährige Firmenchef. BI habe also zunächst gar nichts mit Software zu tun. Im Grunde ist auch ein handgeschriebener Zettel mit den Zahlen des Tages aus dem Werk nichts anderes als Business Intelligence: die Angaben zur Produktivität des Unternehmens gelangen zu den Entscheidern. Während aber einem rein von Menschen kontrollierten Unternehmensprozess rasch Grenzen gesetzt sind, entgeht den Softwarelösungen von Evidanza jüngstes Kind des Hauses ist die Management- und Controlling Plattform Evidanza³ theoretisch nichts. Sie liefern auf Basis der gewonnen Daten wichtige Tipps und Entscheidungshilfen für die Firmenleitung. Beim Kundenbeispiel heißt das vereinfacht etwa, dass die Chef-Einkäufer des Mode-Labels Strenesse wissen, in welcher Filiale das Seidentuch mit den beigen Punkten besonders gut ankommt, oder ob Borussia Dortmund immer auf dem Laufenden ist, wie viele Tickets noch verkauft werden müssen, damit sich der Verein den neuen Stürmer-Star leisten kann. Seine Lösungen vermarktet Evidanza nicht direkt, sondern über Partner, die die Endkunden beraten und betreuen. Thomas Groß mit Günter Meier Lebensaufgabe Kostenmanagement Wir bieten zentrale Software-Solutions für Reporting, Analyse, Planung, Workflow und Risk Management, sagt der Manager, dem das Neu-Deutsch in Fleisch und Blut übergegangen ist. Viele Begriffe lassen sich auch nur schwer übertragen. Sie sind abstrakt und taugen damit gut als geistiges Handwerkszeug für den Hochbegabten, der auch Herzlicher Empfang in den Räumen eines aufstrebenden Unternehmens seine Denkweise so beschreibt. Nicht IT, sondern Betriebswirtschaft hat Thomas Groß als Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung studiert. Nach dem Abschluss setzte er als Unternehmensberater seinen Schwerpunkt auf die Themen Entwicklung und Umsetzung von individuellen Controlling-, Kostenmanagement- und Reportingsystemen in Klein- und mittelständischen Unternehmen. Gleichzeitig war er als Entwicklungsleiter für 18 WIKO I 02 I 2012

19 Systematisch erarbeitete Konzepte betriebswirtschaftliche Methodik bei der Evidanza GmbH & Co. KG, damals noch mit Hauptsitz in Nürnberg, tätig legte Groß bei Evidanza den Grundstein für die Eigenentwicklung von Business Intelligence Software und lenkt dort bis heute gemeinsam mit seinem Mit-Geschäftsführer Günter Meier die Geschicke des aufstrebenden Unternehmens. Immer im Gespräch für mehr Business-Intelligence Eigene Innovationsabteilung Ein Albtraum hat mich dazu bewogen, lacht der Workaholic, angesprochen auf die Initialzündung zur Firmengründung da hat der heute dreifache Vater gerade gleichzeitig in Straubing sein Eigenheim gebaut und eine Familie gegründet. Auch heute engagiert er sich neben seiner Geschäfts führertätigkeit und leitet Seminare in Kundenmanagement und wertorientierter Unternehmensführung. Seine Grenzen auszutesten und die Messlatte immer ein wenig höher zu legen, ist dem ehemaligen Radprofi im Bayernkader vertraut. Für Sport bleibt ihm heute allerdings wenig Zeit. Meine Inspiration ist meine Erholung, sagt Groß. Die Inspiration seiner Mitarbeiter überlässt er nicht nur dem Zufall: Anders als üblich gibt es bei Evidanza über die Entwicklungsabteilung hinaus eine eigene Innovationsabteilung, die Kundenwünsche voraus denkt und über den Trends von morgen brütet. Schon früh hat man hier beispielsweise die wachsende Bedeutung von Smartphones und Tablet-PCs erkannt. Auch in der Kategorie Mobile BI und Kommunikationsfunktionen erreicht das Unternehmen laut einer aktuellen Studie Bestnoten. Damit das so bleibt, holt sich Groß hoch qualifizierte Nachwuchskräfte ins Boot. 70 Prozent der Belegschaft haben einen Studienabschluss, weitere 15 Prozent eine gleichwertige Fachausbildung. Für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland würde sich der Controller eine viel stärkere Vernetzung der verschiedensten Studienfächer wünschen: Das findet bisher überhaupt nicht statt. Die Firma mit Niederlassungen in Österreich und in der Schweiz ist auf Wachstumskurs und die Räume im Posthof Regensburg, gerade erweitert, werden voraussichtlich bald wieder zu eng sein. Mehr als vier Millionen Euro Umsatz hat Evidanza im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Die Investoren sehen den Weg in die schwarzen Zahlen mit Wohlgefallen. Auch 2012 rechnet Groß mit Neukunden aus verschiedensten Branchen. Nur in Regensburg und Umgebung haben wir komischerweise noch keine. Aber das kann ja noch werden. Info Business Intelligence (BI) ist die Auswahl, Auswertung und Darstellung aller in einem Unternehmen vorhandenen Geschäftsdaten. Das Ziel dabei: Das Management sollen Daten erhalten, die unternehmenswichtige Entscheidungen erleichtern. Informationen etwa, die Entscheidungsträgern darüber Auskunft geben, ob sich das seit mehreren Jahren auf dem Markt befindliche Produkt in Deutschland noch gut verkauft oder ob die Zweigstelle in der Schweiz wirtschaftlich arbeitet. Ein Data Warehouse ist die zentrale Datensammlung, deren Kerngehalt sich aus Daten unterschiedlichster Quellen zusammensetzt. Die Daten werden von den Datenquellen bereitgestellt, in das Data Warehouse geladen und für Datamining-Anforderungen vorgehalten. Eine Business Intelligence Software greift auf dieses Data Warehouse zu und nimmt die Daten als Grundstock für Reports und Analysen. Evidanza ist Technologie-Führer bei Collaboration-Themen. Das heißt, der Software- Entwickler unterstützt mit innovativen Funktionen die interdisziplinäre Zusammenarbeit über verschiedene Kommunikationskanäle. Mit der neuen Version ihrer Softwaregeneration Evidanza³ werden sämtliche Softwarelösungen auch aus der Cloud ermöglicht. So will das Regensburger Unternehmen mit neuartigen Apps für Management und Controlling Maßstäbe setzen in Skalierbarkeit, Flexibilität und Individualisierbarkeit auf dem BI-Markt. WIKO I 02 I

20 TITEL I Image So sieht die Welt die Oberpfalz Was glaubt ihr, wer wir sind? Das Bild, das die Welt von der Oberpfalz hat, hat Auswirkungen auf deren wirtschaftlichen Erfolg. Aber hat die Welt überhaupt ein Bild? Wirtschaft konkret hat nachgefragt. von Astrid Gamez Regensburg? Das berühmte Regensburg? Das liegt in der Oberpfalz? Der ungläubige Ausruf einer Kommilitonin aus Hessen stieß einem (in diesem Fall war es eine Nord-Oberpfälzerin) schon vor 20 Jahren sauer auf. Was glaubt ihr eigentlich, wer wir sind? Das ist nicht nur eine Frage von Stolz und Ehre. Fremdbild und Image entscheiden ganz wesentlich über Erfolg oder Misserfolg einer Region. Die Oberpfalz hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer innovativen Wirtschaftsregion entwickelt. Eine stattliche Zahl international erfolgreicher Unternehmen nutzt ihre Vorzüge seit vielen Jahren. Aber ist dadurch auch die internationale Wahrnehmung und Wertschätzung gestiegen? Vielleicht indirekt. Die Oberpfalz ist keine Marke, aber es gibt viele Oberpfälzer Marken, sagt Dr. Christian Götz, Pressesprecher bei der IHK in Regensburg: Und mit den Pfunden, die wir haben, müssen wir wuchern. Beliebter Irrtum: die Nähe zur Pfalz Eines ist unbestritten: Dem Leuchtturm Regensburg kommt eine Sonderstellung zu, denn die Stadt ist prominent bundesweit und international. Ein durchweg positives Bild lieferte vor zehn Jahren bereits eine Fremdimage-Analyse, die Regensburg mit Donau, Steinerner Brücke, Domspatzen, Altstadt und ähnlichem mehr assoziierte. Der Geschäftsführer des Regensburger Stadtmarketings, Michael Quast, freut sich über das außerordentlich gute Image der Domstadt. Er arbeitet daran, auch das Bild vom Wirtschaftsund Wissenschaftsstandort zu konkretisieren. Es soll eine Folgestudie zu der Analyse von 2001 geben. Daran arbeiten Quast und seine Mitarbeiter gerade. 20 WIKO I 02 I 2012

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