Spiel ein Adhoc-Fazit Runder Tisch Netzwerk Kinderbetreuung, 14. April 2016 Miriam Wetter. «Ja nicht pseudomässig erwachsen sein und cool reden»

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1 Spiel omnipräsent und doch ein Mythos? Spiel ein Adhoc-Fazit Runder Tisch Netzwerk Kinderbetreuung, 14. April 2016 Miriam Wetter «Das Spiel ist die höchste Form der Forschung» Albert Einstein Spiel und Exploration Unterschied Volksmund und Wissenschaft Freispiel und freies Spiel Lassen wir doch Kinder einfach noch spielen Das Fazit wurde während des Runden Tisches geschrieben und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Es dient nur als Beilage zum Protokoll des Runden Tisches. Prof. Hauser: Lassen wir uns auf die Kinder ein «Ja nicht pseudomässig erwachsen sein und cool reden» Ammensprache macht Sinn, aufs Kind eingehen Prof. Hauser: «Das chasch du besser» Wichtig ist die proximale Lernzone Oder anders gesagt, dass man den Horizont des Kindes gezielt erweitert, es begleitet um sein Potenzial zu erreichen, ihm die nächsten Schritte seines Lernen ermöglicht Und diese auch von ihm einfordert. Wir brauchen viel mehr Leistungserwartung gegenüber dem Kind. Das macht den Unterschied. Braucht mehr geführtes Spiel.

2 Steht das alles im Widerspruch zu unserer aktuellen Qualitätsdebatte? Wir sagen: Kinder lernen ab Geburt Spielen ist Lernen Lernen ist spielen Das Kind ist der Motor seines Lernens die Erwachsenen haben eine sekundäre Rolle Zentral ist das Beobachten Herr Hauser sagt: Kinder brauchen Anregung Wir müssen vom Kind mehr erwarten, als es einfach so zeigt Leistungserwartung ans Kind ist wichtig Der Erwachsene spielt zentrale Rolle in Entwicklung des Kindes Oder sind wir uns doch näher? Wir fordern «trauen/muten wir dem Kind etwas zu», das Kind ist wissbegierig, will sich entwickeln, will die Weltentdecken Ist das nicht ganz nahe an der von Bernhard Hauser formulierten Leistungserwartung? Wir sagen: Das Kind leistet den wesentlichen Beitrag zu seiner Bildung. Bernhard Hauser spricht von einer proximalen Zone: im Zentrum derer steht auch das Kind mit seinen aktuellen Interessen & Fähigkeiten. Wir sagen, es ist Aufgabe von uns Erwachsenen, das Kind in seiner Entwicklung zu begleiten ausgehend von seine Interessen. Bernhard Hauser sagt, eine hohe Interaktionsqualität zwischen Erwachsenen & Kindern macht den grossen Unterschied. Die Frage bleibt: Ist das Pendel evtl. aktuell zu stark ausgeschlagen auf die Seite «Das Kind steuert / die Erwachsenen sind sekundär» als Reaktion auf die Angst der Verschulung? Kern der Sache ist: die BALANCE Egal, woher wir kommen, die grosse Kunst ist das Finden der Balance: Die Interessen des Kindes als Basis nehmen wie wir nur dann auch wirklich eine proximale Zone mit dem Kind entdecken können. Die Weiterentwicklung der Kompetenzen im Auge haben ohne die Kreativität und die Selbstwirksamkeit des Kindes abzutöten. Was theoretisch so einfach tönt, ist in der Praxis ein alltäglicher Balanceakt. Welcher Impuls ist angebracht und bringt das Kind und die Gruppe weiter?

3 Freispiel unterstützt «wer hat, dem wird gegeben» Das Ganze hat eine politisch-gesellschaftliche Ebene Und dem sollten wir uns bewusst sein Im Freispiel profitieren diejenigen Kinder aus bildungsfernen Schichten wenig bzw. es sind sogar negative Effekte sichtbar. Kormann: Kinder brauchen Zeit Im Freispiel ermöglichen wir den Kindern im gegenseitigen Austausch ein Spiel, das von einer hohen Qualität ist: eigenständiges fantasievoll sich laufend weiterentwickelnd Die Antwort darauf sind nicht Trainings. Aber ein echtes Involviertsein der Erwachsenen (Interaktionsqualität) Kormann: Es braucht die Erwachsenen aber nicht mit geführten Spielsequenzen Es braucht eine Bereitschaft zu echten, tiefen Beziehungen, um solche Spiele überhaupt zu ermöglichen DerErwachsene ist nicht Teil des Spiels aber leistet sehr feinfühlig Vorund Begleitarbeit, um dieses Spiel zu ermöglichen Wir wechseln Materialien aus, sichern die Thematisierung von Jahreszeiten etc. Wir beziehen Kinder in Alltag mit ein Kormann: Spiel ermöglichen ist eine Kunst Räume und Materialien Notwendige Ruhe Balance aus Struktur und Freiheit Ordnung aber ja nicht alles sofort wieder wegräumen Brauchen nicht nur Bäbieggensondern auch Spiderman-Materialien (auch wenn wir den nicht so mögen) Braucht auch Möglichkeiten für Kinder, die den Zugang zum Spiel nicht finden Die Erzieherin, die das Spiel leitet, macht nur das (keine Telefone, Haushalt etc.) Ruhe & Verantwortung

4 Ein Marienkäfer mit Zunge Muss der Marienkäfer wie ein Marienkäfer aussehen? Hohe Individualität in der Kita Wir lernen den Umgang mit den Materialien und nicht das Erstellen eines Produktes Sehen alle Frösche gleich aus? Wie individualisieren wir die proximale Lernzone? Gruppendiskussion I Achtung: Keine allgemeingültigen Standards definieren, nicht Individualisierung verlieren Widerspruch ist nur auf den ersten Blick: Fachperson hat Vorstellung von Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes Aber: Ich hole das Kind dort ab, wo es jetzt ist Ich gestalte dann das Umfeld und gebe Inputs Wichtig ist, dass wir wissen, wo sie jetzt stehen, damit wir überhaupt mit ihnen irgendwo hin gehen können: Dürfen nicht den Fehler machen, dass wir einfach definieren, wo Kinder sein könnten Gruppendiskussion II Wichtig: All das stellt hohen Anspruch an den Alltag Zentral ist die Beziehung zum Kind, um sowohl zu erkennen, wo es steht, als auch, was es braucht. Gibt Kinder, die brauchen Herausforderungen. Gibt aber auch Kinder, die brauchen primär Ermutigungen. Gibt Kinder, die können sich selber gut steuern. Aber bei Kindern «mit Defiziten» wäre ein Fokus auf die Elternarbeit zentral. Stellt aber auch Schwierigkeiten: Kann Kita gegenüber Kunden fordernd sein? Hohe Kunst des «Nicht-Kippens» und des Zusammenspielens. Bedürfnisse des Kindes, Möglichkeiten des Erwachsenen. Geht ja nicht nur darum, was das Kind kann sondern auch, was ich als Erwachsene kann. Es gibt nicht richtig und falsch Ui, da hast du dir was vorgenommen! Das kannst du nicht! Aber: Man unterschätzt Kinder permanent kognitiv Und überschätzt sie im Moralischen (Teilen, Zusammenspielen)

5 Zentrale Rolle des Fachpersonals Braucht es mehr Schulung der Erzieherinnen? Oder geht es dabei primär um interne Haltungen? Wir brauchen mehr Ressourcen Wir müssen mit dem Arbeiten, was wir haben On the job trainings/ betriebsinterne Weiterbildungen Junge Mitarbeiterinnen begleiten, Branche muss aktiv sein, Zeit für pädagogische Reflexion Wir müssen auch Mitarbeitenden dort abholen, wo sie sind und sie dorthin begleiten, wo sie hin können. Fehlt die Anerkennung für diese Qualitätsarbeit Und damit auch der Druck Wird von niemandem eingefordert Den Wert erkennen nur wenige Gemeinden ist es mehrheitlich egal Eltern können es nicht beurteilen Mehr Gelder kriegt man auch nicht Wer schaut da genau hin? Wer finanziert das? Branche musste sich nicht entwickeln Wir hatten immer genügend Nachfrage Jetzt sind auch wir gefordert in der Branche Spielen soviel mehr, als man meint Freispiel heisst nicht einfach «juhuu die Erzieherin hat Pause» Nicht alle Kinder können gleich gut spielen Sogar im Spiel (dem vermeintlich unverfänglichen Kind-Sein) sind wieder die Kinder benachteiligt, die wir eigentlich am meisten unterstützen möchten auf ihrem Weg Spiel entsteht nicht einfach so: Sicherheit, Vertrauen, Räume, Zeit, Materialien, Inspiration, Interaktion Kind-Kind / Kind-Erwachsene Spiel ist nicht nur zum Beobachten da sondern auch zum Mitspielen

6 Wir brauchen Entwicklungen auf mehreren Ebenen Intern in Branche Intern in Kita Aber auch gesamtgesellschaftlich und politisch Packen wir alle dort an, wo wir können. Das ist schon viel. Und vergessen wir nicht zu spielen.

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