Qu Tex Handlungshilfe 2. Patenschaft Erfolg durch Begleitung

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1 Qu Tex Handlungshilfe 2 Patenschaft Erfolg durch Begleitung

2 Vorwort Der Beginn der beruflichen Ausbildung ist für junge Menschen ein zentraler Schritt in die ökonomische Selbstständigkeit. Dieser Weg ist allerdings nicht immer einfach. Mangelnde Identifikation mit dem Betrieb, den auszuführenden Aufgaben sowie als unzureichend empfundene Betreuung führen zu Motivationsschwierigkeiten und im schlimmsten Fall gar zu Ausbildungsabbrüchen, die für die jungen Menschen und die Unternehmen gleichermaßen Investitionsverluste bedeuten. Aus diesem Grund haben es sich die textilen Arbeitgeberverbände NRW und die IG Metall NRW im Rahmen der Qualifizierungsinitiative Textil NRW (QuiTex) gemeinsam zur Aufgabe gemacht, die Unternehmen dabei zu unterstützen, den Auszubildenden einen guten Start in die Ausbildung zu ermöglichen und damit einen Beitrag zur Optimierung der Berufsausbildung zu leisten. Patenschaften sind nach unserer Einschätzung und Erfahrung ein gutes Instrument, um die betriebliche Integration und die Motivation von Auszubildenden zu fördern. Im Rahmen der QuiTex wurde deshalb mit neun Textilunternehmen die Umsetzung eines Patenschaftsprogramms für Auszubildende erfolgreich erprobt. Für Unternehmen der Textilwirtschaft, die selbstständig ein betriebliches Patenschaftsprogramm einführen möchten, haben wir Erfahrungen und Tipps aus dieser Pilotphase zusammengestellt und möchten Geschäftsführungen, Ausbildungsbeauftragte und Betriebsräte dazu anregen, sich mit dem Thema der betrieblichen Patenschaften zu beschäftigen. Wir freuen uns, wenn dieses Element der Ausbildungsbegleitung in NRW Verbreitung findet und hoffen, mit dieser Handreichung interessierten Unternehmen den Einstieg zu erleichtern. QuiTex NRW Dr. Walter Erasmy Karlo Sattler Dr. Klaus-Peter Starke Verband der Nordwest- IG Metall Verband der Rheinischen deutschen Textil- und Bezirksleitung NRW Textilindustrie e.v. Bekleidungsindustrie e.v.

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4 Inhalt Seite 1. Patenschaft lohnt sich 3 2. Patenschaft heißt Im Vorfeld eines Patenschaftsprogramms Patenschaft organisieren: Die passende Lösung finden Vorbereitung der Paten 7 4. Es geht los Der Start des Patenschaftsprogramms 7 5. Das Programm lebendig halten 9 6. Lust auf Patenschaft bekommen? 11 Anlagen

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6 1. Patenschaft lohnt sich Qualifizierte Auszubildende zu finden und zu halten ist für viele Unternehmen nicht einfach dies gilt auch für die Textilwirtschaft. Mit dem Beginn der Ausbildung in der Textilindustrie betreten viele Jugendliche eine neue Welt und werden dort nicht nur eine Ausbildung, sondern häufig auch viele weitere Stufen ihres Berufslebens absolvieren. Der Wechsel von der Schule in die Berufswelt stellt für viele junge Menschen eine ganz besondere Herausforderung dar die nicht immer einfach zu meistern ist. Viel zu häufig werden Ausbildungsverhältnisse vorzeitig gelöst. Qualität und Attraktivität der Ausbildung verbessern Zum Vergleich: Im Jahr 2002 wurden neue Ausbildungsverträge geschlossen Vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge Im 1. Ausbildungsjahr im 2. Ausbildungsjahr im 3. Ausbildungsjahr Junge Männer Junge Frauen Quelle: Statistisches Bundesamt Grafik 1 Ausbildungsabbrüche im Jahr 2002 Ausbildungsabbrüche sind problematisch. Für den Auszubildenden bedeutet es sofern er keine neue Stelle findet ein verlorenes Jahr und einen ersten Bruch in der Erwerbsbiografie. Für das Unternehmen hat sich die Investition in die Ausbildung nicht gelohnt - und ein neuer Azubi für die unmittelbare Besetzung ist meist nicht zu finden. Und diese Investition ist nicht zu unterschätzen: Das Institut der deutschen Wirtschaft und das Bundesinstitut für Berufsbildung haben errechnet, dass sich die Gesamtausgaben eines Ausbildungsbetriebes je Azubi auf annähernd im Jahr belaufen. Da die Auszubildenden aber auch Leistungen erbringen, sinken die Kosten bereinigt auf unter im ersten Ausbildungsjahr. Abbrüche vermeiden helfen 3

7 2.Ausbild 45 5 Kosten und Nutzen von Auszubildenden Kosten-/Nutzenrechnung von Ausbildungsbetrieben in Deutschland, Durchschnittswerte Von dem Auszubildenden erwirtschaftete Erträge in % der Bruttokosten Nettokosten 1. Ausbildungsjahr Bruttokosten % 2. Ausbildungsjahr Bruttokosten % 3. Ausbildungsjahr Bruttokosten % 55% 45% 66% Grafik 2 Kosten und Nutzen von Auszubildenden Das Patenschaftsprogramm erleichtert den neuen Azubis den Einstieg ins Unternehmen, schafft Vertrauen, gibt Orientierung und integriert die neuen Auszubildenden in das bestehende Azubi- Team. Zusätzlich ist Patenschaft eine Ergänzung der Ausbildertätigkeit. M. Shajek, Ausbildungsleiterin, Schmitz-Werke Unterstützungsmöglichkeiten durch Paten Wenn es Probleme gibt, kommt zu uns, wir können darüber sprechen und Abhilfe schaffen D. Dreibrodt, Pate, Sopp Zwei Drittel der Betroffenen sagen, dass ein Abbruch vermeidbar gewesen wäre. Insbesondere das Erleben der ersten Arbeitswochen entscheidet über die Motivation und die Identifikation mit Unternehmen und Beruf gerade hier können Patenschaften helfen und positiv auf den weiteren Verlauf der Ausbildung einwirken. 2. Patenschaft heißt.. Für die Auszubildenden sind die Ausbilder wichtige Ansprech- und Vertrauenspersonen. Aber nicht mit allen Fragen und Problemen, die gerade zu Beginn der Ausbildung auftreten können, möchten junge Auszubildende sich ihrem Ausbilder anvertrauen. Hier können Ausbildungspaten eine wichtige Rolle übernehmen. Die Paten stehen den neuen Auszubildenden für eine bestimmte Zeit beratend zur Seite und unterstützen die Ausbilder bei der Integration der Auszubildenden in den Betrieb. Paten setzen sich. z.b. mit o Orientierung und Eingewöhnung im Betrieb o Fragen der Über- oder Unterforderung, o beruflichen und schulischen Fragen, o persönlichen Problemen der Auszubildenden oder auch o Konflikten mit Vorgesetzten, Berufsschullehrern oder Kollegen. auseinander und können so zur Früherkennung von Problemen und zur verbesserten Integration der neuen Auszubildenden beitragen. Patenschaft erfordert eine gründliche Vorbereitung, sonst kann es zu Unzufriedenheit und Problemen kommen: o Unklare Zielgruppenauswahl o Chemie in der Patenschaft stimmt nicht 4

8 o Übersteigerte Erwartung an die Patenschaft o Falsche Erwartung an das Patenschaftsprogramm o Missachtung der Bedingungen für die Patenschaft o Zu wenig Akzeptanz in der Firma Klippen und Fallen Wir möchten mit den dargestellten Erfahrungen aus der Pilotphase des QuiTex-Patenschaftsprogramms helfen, diese Klippen erfolgreich zu umschiffen. 3. Im Vorfeld eines Patenschaftsprogramms 3.1 Patenschaft organisieren: Die passende Lösung finden Nach den Erfahrungen von QuiTex sind Patenschaftsprogramme ein gutes Beispiel für ein Vorhaben, dass gemeinsam von Geschäftsführung und der betrieblichen Interessenvertretung getragen wird. Die Rückendeckung beider ist für eine erfolgreiche Umsetzung unerlässlich ebenso wie ein Kümmerer, der sich dem Thema persönlich verpflichtet fühlt und Planung und Organisation federführend übernimmt. Dies kann sowohl eine Person aus dem Betriebsrat wo vorhanden gemeinsam mit der Jugendvertretung -, aus der Personal- oder Ausbildungsabteilung sein. Neben den eigentlich Beteiligten also Jungazubis und Paten sind unbedingt auch die Ausbilder im Vorfeld mit einzubeziehen. Für die Organisation eines Patenschaftsprogramms gibt es keinen Königsweg! Betriebliche Bedingungen sind unterschiedlich und so unterschiedlich sind auch die Konzepte. Geschäftsführung und Betriebsrat Ein Kümmerer sorgt für Erfolg Betriebliche Organisation im Vorfeld klären! Einige Punkte sollten allerdings im Vorfeld geklärt werden, bevor ein Patenschaftsprogramm gestartet wird: o Beteiligte ( in der Ablauforganisation im Betrieb) o Positionen des Paten/der Patin im Betrieb (s. Grafik 3) o Ressourcen (während der Arbeitszeit?) o Wie erfolgt die Auswahl der Paten? o Zielgruppe der Azubis ( wer, wie viele) definieren o Kommunikationsregel o Ort für Patengespräche o Begleitung durch Betriebsrat oder Personalabteilung o Länge der Patenschaft o Wie sind meine Terminabläufe und Schritte bis zum Starttermin in meiner Abteilung? o Starttermin / Kick off wie wird er gestaltet? 5

9 QuiTex-Tool: der Anlage finden Sie den Arbeitsbogen Rahmenbedingungen des Patenschaftsprogramms der hilft, die Fragen zur betrieblichen Organisation eines Patenschaftsprogramms zu strukturieren! Die dann gemeinsam getroffenen Absprachen sollten schriftlich festgelegt werden. Grafik 3 Mögliche Patenschaften Auszubildende aus dem 2. Ausbildungsjahr begleiten die neuen Auszubildenden Auszubildende aus dem 3. Ausbildungsjah r begleiten die neuen Auszubildenden Ausgelernte / Junge Beschäftigte aus den jeweiligen Bereichen betreuen die neuen Auszubildenden Jugendvertreter betreuen als Paten die neuen Auszubildenden de Neben einer gut organisierten betrieblichen Einbindung sind folgende Erfolgsfaktoren für den Aufbau einer Patenschaft in der Pilotphase herausgearbeitet worden: QuiTex-TIPP: Patenschaft braucht... Jemand, der selbst noch nicht alles weiß, versteht besser, wie schwer es ist, so viel neues zu begreifen. Felix Hegemann, Azubi, Schmitz-Werke Ein ähnliches Berufsbild ist von Vorteil. Es ermöglicht Hilfestellung bei praktischen und theoretischen Problemen. Karsten Kemper, Pate, Ibena-Textilwerke o Vertrauen: Die gleiche Augenhöhe und ein unmittelbar gleicher Erfahrungshintergrund sind entscheidend für die Vertrauensbildung. Deshalb sollten Paten idealerweise selbst Auszubildende sein. o Zuverlässigkeit: Die persönliche Bindung und auch das Verantwortungsgefühl der Paten ist bei einer 1 zu 1-Patenschaft (ein Pate pro Jung-Azubi) am größten. o Zeit: Beachten Sie, welche Prüfungsbelastungen im 2. bzw. 3. Lehrjahr auftreten und wählen Sie die Paten entsprechend ihrer Zeitressourcen aus sonst sind Stress und beidseitige Unzufriedenheit vorprogrammiert! o Raum: Falls Ihre Auszubildenden das erste Lehrjahr im Ausbildungszentrum verbringen und nur in den Ferien im Betrieb sind, muss diesem Umstand Rechnung getragen werden 6

10 3.2 Vorbereitung der Paten Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine gute Vorbereitung der Patinnen und Paten auf ihre neue Aufgabe ein wichtiges Element für die erfolgreiche Durchführung eines Patenschaftsprogramms ist. In der Pilotphase wurden Seminare für Patinnen und Paten aus den beteiligten Unternehmen durchgeführt. Themen der Schulung waren das Training von Gesprächssituationen und techniken sowie die Erarbeitung von Rolle und Aufgaben eines Paten. Bei Interesse mehrerer Unternehmen ist es denkbar, dass Schulungen für Paten auch weiterhin im Rahmen der von den Verbänden und der IG Metall NRW getragenen ZiTex durchgeführt werden. Fragen Sie Unternehmen in Ihrer Region oder befreundete Unternehmen, ob sie ebenfalls Interesse an der Umsetzung eines Patenschaftsprogramms haben und erkundigen sich gemeinsam bei ZiTex, der IG Metall oder den Arbeitgeberverbänden, ob eine Schulung angeboten wird. (Ansprechpartner s. Rückseite der Broschüre) Die Schulung war hilfreich im Bezug auf meine neuen Aufgaben Michael Tzschoch, Pate, TAG QuiTex-Tool Der Leitfaden Worauf wir als Paten achten müssen... wurde in einem QuiTex-Seminar erarbeitet und ist als Anlage dieser Handreichung beigefügt. Der Leitfaden kann neuen Patinnen und Paten als Hilfestellung an die Hand gegeben werden 4. Es geht los Der Start eines Patenschaftsprogramms Der erste Ausbildungstag bietet sich an, um das Patenschaftsprogramm vorzustellen und die Jungazubis mit ihren betrieblichen Vertrauenspersonen zusammenzubringen. Als erste Aktion hat sich z.b. ein gemeinsamer Betriebsrundgang mit der Vorstellung der Auszubildenden in den einzelnen Abteilungen bewährt. Einige Unternehmen laden die neuen Auszubildenden schon vor der Ausbildung zu einem ersten Kennenlerntreffen ein, auf dem die Paten dann vorgestellt werden. Gestaltungsmöglichkeiten für Kennenlernspiele finden Sie im Anhang (Anlage 4). Im Vorfeld sollten auch die anderen Beschäftigten über diese neue Art der Ausbildungsbegleitung informiert werden, z.b. durch einen Aushang am Schwarzen Brett oder eine Mitteilung im betriebseigenen Infobrief bzw. in der Unternehmenszeitung Information schafft Akzeptanz! Die Veröffentlichung gab noch mal einen Kick K. Faulenbach, Betriebsrat, J&J 7

11 B egrüßung durch den Betriebsinhaber oder Ausbilder / Vorstellung des Paten Mögliche Aufgaben des Paten B ekanntmachung mit dem Ausbilder & anderen Mitarbeitern Z eigen des Arbeitsplatzes, der Aufenthaltsräume, Toiletten usw. Der erste Tag im Betrieb! H inweis auf Arbeitszeit und Ruhepausen Z eigen des Schwarzen Bretts für betriebliche Bekanntmachungen u.ä. I nformation über Sicherheitsbestimmungen (UVV, Schutzkleidung, usw.) Quelle: BA N ach einiger Zeit: Aufsuchen des Azubis am Arbeitsplatz / Gespräch über seine Eindrücke Grafik 4 QuiTex-Tipp: Informieren Sie Ihre regionale Presse über den Start des Patenschaftsprogramms! Diese Meldung zeigt Ihr Engagement für die Auszubildenden und bietet eine gute Möglichkeit für ein Ausbildungsmarketing. Einen Mustertext finden Sie in der Anlage. In den meisten Unternehmen der Pilotphase hat sich ein fester monatlicher Termin während der Arbeitszeit für ein Patengespräch bewährt. Das ist gut und wichtig, damit der Kontakt nicht im Tagesgeschäft untergeht. Weitere Gespräche können dann nach Bedarf z.b. bei aktuellen Problemen stattfinden. Um Enttäuschungen und Missverständnissen vorzubeugen, empfiehlt es sich, dass Pate und Azubi eine Beziehungsklärung vereinbaren, im günstigsten Fall sogar schriftlich. Die Leitfragen für ein Gespräch mit anschließender Fixierung der Ergebnisse könnte wie folgt aussehen (erarbeitet von QuiTex-Paten): 8

12 Abb Das Programm lebendig halten Im Rahmen des QuiTex-Patenschaftsprogramms fanden regelmäßige überbetriebliche Erfahrungsaustauschtreffen zwischen den Paten und auch den Azubis statt. Falls Sie in Ihrem Unternehmen mehrere Paten-Duos einsetzen, können Sie einen Austausch betriebsintern organisieren. Dies hält das Patenschaftsprogramm im Betrieb lebendig und unterstreicht die Bedeutung, die dieser Maßnahme von Seite des Unternehmens beigemessen wird das fördert die Motivation. Mögliche Programme / Fragestellungen können sein: Erfahrungen austauschen! Zu Beginn: o Warum ich mich als Pate engagieren möchte.. o Erwartungen an das Patenschaftsprogramm o Wie ist der Einstieg verlaufen? (Zwischen)-Fazit: o Wie bewerte ich den aktuellen Stand? o Wie war die betriebliche Einordnung geregelt? o Wie ist mir der Umgang mit schwierigen Situationen gelungen? 9

13 QuiTex-Tool: Für viele der jungen Menschen ist eine Workshop-Situation zunächst ungewohnt. Um die Stimmung zu lockern und eine gute Basis für einen erfolgreichen Erfahrungsaustausch zu schaffen, eignen sich sogenannte Aufwärm-Spiele. Eine Auswahl von Kooperationsund Einstiegsspielen haben wir Ihnen in der Anlage zusammengestellt. QuiTex-Tool: Auf der Seite der Azubis könnte ein Erfahrungsaustausch mit einem Brief an die Paten enden in dem Dank, aber auch Erwartungen formuliert werden. Ein Beispiel für einen Brief an meinen Paten finden Sie im Anhang. Die Dokumentationen zu den Schulungen und Erfahrungsaustauschtreffen die im Rahmen der QuiTex-Pilotphase stattgefunden haben, stehen unter als Downloads (PDF- Dateien) zur Verfügung: o Patenschaftsprogramm Erfolg durch Begleitung, Juni 2003 (Auftaktveranstaltung) o Schulung von Patinnen und Paten, Juli 2003 o Wege und Grenzen der Motivationsförderung bei Auszubildenden, Dezember 2003 (Workshop für Ausbildungsbeauftragte) o Ausbildung und Patenschaft Wie läuft`s?, (Erfa-Austausch Azubis), Februar / März 2004 o Frust oder Lust Erfahrungen als Pate, (Erfa-Austausch Paten), April 2004 o Ein Jahr Patenschaft Ein Programm mit Zukunft?, (Bilanz-Workshop), Juli 2004 o Schulung von Patinnen und Paten, Juli

14 6. Lust auf Patenschaft bekommen? In dieser Handreichung haben wir die für uns wichtigsten Informationen zur Einführung eines Patenschaftsprogramms zusammengestellt. Für weitergehende Fragen stehen die Ansprechpartner der ZiTex, der IG Metall NRW oder der textilen Arbeitgeberverbänden gern zur Verfügung (s. auch Rückseite der Broschüre). 11

15 Patenschaft Erfolg durch Begleitung Anlagen Anlage 1 Arbeitsbogen Rahmenbedingungen Patenschaftsprogramm Anlage 2 Leitfaden Worauf wir als Paten achten müssen... Anlage 3 Mustertext für regionale Pressearbeit Anlage 4 Einstiegs- und Kooperationsspiele Anlage 5 Muster Brief an meinen Paten Anlage 6 Beteiligte Unternehmen in der Pilotphase Mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Sozialfonds und des Landes NRW

16 Anlage 1 Arbeitsbogen Rahmenbedingungen Patenschaftsprogramm Patenschaft Erfolg durch Begleitung. Eine Handreichung Anlagen

17 Rahmenbedingungen Patenschaftsprogramm Beteiligte im Betrieb (in betrieblicher Ablauforganisation) Positionen der Paten im Betrieb Ressourcen (Patentreffen während der Arbeitszeit?) Gewinnung und Auswahl der Paten (wer?, wie?) Zielgruppe der Azubis (z.b. nur 1. Lehrjahr?, kaufmännisch und gewerblich?) Kommunikationsregel (wie oft treffen sich Pate und Azubi?) Ort des Patentreffens Rahmenbedingungen 1 Mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Sozialfonds und des Landes NRW

18 Länge der Patenschaft Vorstellung des Programms im Betrieb Gestaltung des Starttermins im Betrieb Rahmenbedingungen 2 Mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Sozialfonds und des Landes NRW

19 Anlage 2 Leitfaden Worauf wir als Paten achten müssen... (erarbeitet von QuiTex-Paten im Rahmen der Schulung am 31. Juli 2004) Patenschaft Erfolg durch Begleitung. Eine Handreichung Anlagen

20 Worauf wir als Paten achten müssen... a) Wie muss Patenschaft beschaffen sein, welche Art von Beziehung sollte zwischen den PartnerInnen bestehen, was kann eine Patin/ein Pate leisten, was nicht, was sollte ein Pate eine Patin sein, was nicht? Beschaffenheit der Patenschaft: Vertrauensbasis Vermittlungsfunktion wahrnehmen Ansprechpartner sein Wegbegleiter für den Azubi Berater und Unterstützer Aufgabenbereich des Paten: Ja Auf den Azubi zugehen Offen sein für Privatprobleme Hinweise für Schulprobleme geben Erste Schritte beibringen für den Beruf Lockerer Umgang Orientierung im Betrieb Nein Kindermädchen Geschenke Den Vorgesetzten spielen Kompetenzen überschreiten Vertrauen missbrauchen Ausbilder mimen b) Aufbau und Ablauf (Was, Wann, Wo, Wie?) Pate = Vertrauensperson I. Interne Organisation II. 1.Tag Absprache mit Geschäftsleitung Vorstellen des Paten (ggf. schon Vorstellung der Paten in den verschiedenen Abteilungen Regelmäßige Treffen (ungezwungen) im geschlossenen Raum Kennenlerntreffen vor dem 1. Arbeitstag) Durch die Geschäftsleitung und deren Aufgaben Betriebsrundgang Jeder Azubi einzeln III. Angebote schulisch betrieblich privat Nachhilfe Konflikte lösen Unterstützung Prüfungsvorbereitung

21 Anlage 3 Mustertext für regionale Pressearbeit Patenschaft Erfolg durch Begleitung. Eine Handreichung Anlagen

22 Mustertext für Pressearbeit Patenschaftsprogramm Wir tun was! So attraktiv kann heute eine Ausbildung in der Textilindustrie sein. Bei der Firma x in y werden die neuen Auszubildenden von Paten unter die Fittiche genommen. Wir verstehen uns nicht als Kindermädchen. Wenn es Probleme gibt, kommt zu uns, wir können darüber sprechen und Abhilfe schaffen, so Pate z, der selbst seine Ausbildung bei x erst im letzten Jahr begann. Wir bemühen uns schon immer, die Auszubildenden von Anfang an in das Unternehmen einzubinden. Das Patenschaftsprogramm soll jetzt diesen Kontakt verstetigen und innerbetrieblich fest etablieren, erläutert Ausbildungsleiterin v, die gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden u die Organisation und Begleitung des Patenschaftsprogramms übernommen hat. Betriebliche Treiber braucht man immer, sonst ist die Gefahr zu groß, dass so ein Patenschaftsprogramm dem Tagesgeschäft zum Opfer fällt, so u. Neben fest terminierten monatlichen Treffen zwischen Azubi und Pate, finden Erfahrungsaustauschtreffen aller Patenduos bei x statt. Es ist schön zu wissen, dass ich mit Problemen nicht allein dastehe. Ich fühle mich sehr wohl hier, bestätigt Azubi t, der wie auch Pate z den Beruf des Textilmaschinenführers erlernt. Initiativen wie das Patenschaftsprogramm werden in den Unternehmen für die eigene Personalplanung und Imagepflege zusehens wichtiger. Grund: Es ist nicht einfach, qualifizierte Jugendliche für eine textile Ausbildung zu gewinnen. Viele Jugendliche konzentrieren sich bei ihrer Berufswahl auf nur wenige, bekannte Berufe. Die textilen Berufsbilder sind häufig gar nicht im Blickfeld. Mit der Präsenz auf Ausbildungsmessen und intensiven Kontakten zu regionalen Schulen sorgt das Unternehmen x dafür, dass sich dies zumindest in y und Umgebung ändert. Mit dem Patenschaftsprogramm machen wir unsere Ausbildung noch ein Stück attraktiver. Wir möchten uns unseren eigenen Nachwuchs ausbilden, der dann auch bei uns bleibt, erklärt Geschäftsführer w. Für dieses Jahr hat x alle Ausbildungsstellen besetzen können. Und für die nächsten Kandidaten kann das Textilunternehmen mit einem verlockenden Angebot aufwarten: Wir geben unseren Auszubildenden eine Übernahmegarantie, verrät Betriebsrat u selbstbewusst.

23 Anlage 4 Einstiegs- und Kooperationsspiele Patenschaft Erfolg durch Begleitung. Eine Handreichung Anlagen

24 Quitex-Patenschaftsprogramm Einstiegs- und Kooperationsspiele Einstiegs- und Kennenlernsituationen sind häufig Schlüsselsituationen für die Gestaltung einer späteren Beziehung bzw. arbeitsfähigen Gemeinschaft. In ihnen liegen Chancen, aber auch Risiken, die maßgeblich den weiteren Verlauf der Zusammenarbeit bestimmen können. Diese Situationen können durch Aufhänger, Spiele und unterstützende kommunikationsfördernde Elemente maßgeblich beeinflusst und gestaltet werden. Die Zahl solcher Spiele und Hilfsmittel ist riesig - eine kleine Auswahl wird hier vorgestellt, wobei darauf geachtet wurde, dass die vorgestellten Dinge jeweils möglichst wenig Vorbereitungsaufwand erfordern. Die Spiele sind unterteilt in die Bereiche: o Einstieg / Kennen lernen o Aufgaben zur Teamarbeit o Spiele / Übungen zur Auflockerung und für gute Laune Darüber hinaus sei auf die kleine Literaturauswahl am Ende verwiesen, die die Möglichkeit bietet, sich weitere Ideen und Anregungen zu verschaffen. 1. Vorstellung / Kennen lernen Ziele: Einstieg, kennen lernen, Vertrauen herstellen Partnerinterview Ablauf: Die Gruppe findet sich zu Paaren zusammen, die sich gegenseitig interviewen. Das Gehörte wird dann jeweils der Gesamtgruppe vorgestellt. Interessante Gesprächsthemen sind z.b.: Meine größte Stärke Meine größte Schwäche Meine größte Angst Was beschäftigt mich zur Zeit besonders Wie verhalte ich mich in schwierigen Situationen Welche Auswirkungen hat das auf meine Mitmenschen Welche Gemeinsamkeiten haben wir... Variationen: Das Gehörte wird dann jeweils der Gesamtgruppe vorgestellt.

25 Ziele: Einstieg, kennen lernen, Vertrauen herstellen Bekanntschaftsanzeige Ablauf: Alle Teilnehmenden bekommen Moderationskarten und werden vom Trainer gebeten, eine Bekanntschaftsanzeige zu formulieren. Die Teilnehmenden sollen sich vorstellen, sie sind in eine neue Stadt gezogen und möchten neue Freunde kennen lernen. Die Gestaltung der Anzeige bleibt ihnen überlassen wichtig ist nur, dass sie keinen Namen auf die Karte schreiben. Die Karten werden eingesammelt, gemischt und auf den Tisch gelegt. Nun darf sich jeder Teilnehmende eine Anzeige heraussuchen außer seiner eigenen auf die er sich gerne melden würde. Die Teilnehmenden lesen nun nacheinander die Karten vor und sagen, was sie besonders gelungen fanden und raten, wer die Bekanntschaftsanzeige geschrieben haben könnte. Wenn das Raten nicht klappt, darf die Großgruppe mithelfen. Derjenige, der erraten wurde, Ziele: Gebrauchsanweisung Einstieg, kennen lernen, kreatives Nachdenken über die eigene Person Ablauf: Die Teilnehmenden werden aufgefordert, anhand eines Arbeitsblattes eine Gebrauchsanweisung über sich selbst anzufertigen. Themen können z.b. sein: Aktuelles Einsatzgebiet Weitere Anwendungsmöglichkeiten Seit wann auf dem Markt Wartung und Pflege Haltbarkeit Risiken und Nebenwirkungen Vergleich mit Konkurrenzprodukten Verbrauer-Echo Testberichte Kosten / Nutzen-Relation Produktslogan (Je nach Personenzahl und Gesamtdauer der Einstiegsphase eventuell Stichworte weglassen oder ergänzen)

26 Danach erfolgt der Austausch der Gebrauchsanweisungen in Kleingruppen. Als Abschluss können die Teilnehmenden im Plenum vorstellen. Die Texte können aufgehängt werden und stehen dann zur späteren Einsicht zur Verfügung. Variation: Gebrauchsanweisung für Personen schreiben lassen, die sich kennen. Ziele: Einstieg, Hinführung zu Seminarthema Seminar-Vernissage Ablauf: Vor dem Seminar werden von dem Trainer vorbereitend Bilder / Szenen aus Zeitschriften, Zeitungen etc. zu dem jeweiligen Seminarinhalt gesammelt. Bsp: Bilder zum Thema Ausbildung, Betrieb, betrieblicher Alltag, Karriere, Pausensituation, Schule, Zusammenarbeit. Im Seminarraum werden die Bilder ausgelegt. Nach einem Rundgang wählt sich jede/r Teilnehmende das Bild, welches sie/ihn besonders angesprochen hat. Die Seminarleitung bittet die Teilnehmenden, ihre ausgesuchten Bilder vorzustellen. Impulsfragen können sein: Warum habe ich mir gerade dieses Bild ausgewählt? Welcher Aspekt des Bildes hat mit besonders angesprochen? Die vorgestellten Bilder können anschließende im Raum im Sinne einer Seminar-Vernissage aufgehängt werden. Variationen: Die Teilnehmenden können......sich mehrere Bilder aussuchen...ein Bild mit positivem und negativem Aspekt aussuchen...statt Bilder auch Gegenstände auswählen. Kommentar: Die vorbereitende Suche nach geeigneten Bildern erforderte einen nicht zu unterschätzenden zeitlichen Vorlauf.

27 Ziele: Unternehmensquiz Vertiefendes Kennen lernen des Betriebes nach Betriebsrundgang der neuen Azubis. Ablauf: Den Teilnehmenden soll spielerisch Wissen über Zusammenhänge im Unternehmen nahegebracht werden. Suchen Sie sich je nach Größe des Unternehmens einen oder mehrere Themenbereiche aus, die für die Auszubildenden relevant sind. Schritt 1: Sie recherchieren schon vorhandene Fragen bzw. Aussagen und Wissenszusammenhänge. Schritt 2: Sie bitten Kolleginnen und Kollegen aus den jeweiligen Arbeitsbereichen um Mithilfe, Fragen oder Statements zu formulieren. Schritt 3: Bilden Sie eine kleine Arbeitsgruppe z.b. mit den Paten -, die diese Fragen durcharbeitete und Quiz-Kärtchen erstellt, z.b. auf der einen Seite der Karte die Frage: Wo befindet sich die Notruf-Nummer? oder Wie heißt der Betriebsratsvorsitzende? etc.. Die Antwort wird auf der Rückseite notiert. Sie können dieses Quiz im Rahmen eines Zusammentreffens der Azubis einsetzen oder auch eine spezielle Veranstaltung zum Unternehmensquiz durchführen. Die Kärtchen können an die Teilnehmenden ausgeteilt werden oder selbstständig gezogen werden. Die Teilnehmenden werden gebeten, die Karten so hinzulegen, dass sie nur die Fragen sehen. Der erste Spieler liest seine Frage vor und beantwortet sie auch. Sollte der Teilnehmer dazu nicht in der Lage sein, darf die Gruppe antworten. Variationen: Sie können einen Kartensatz für neue Mitarbeiter/innen anfertigen, anstatt klassischer Hinweise Einarbeitung für Mitarbeiter und in kleinen Gruppen von den neuen Beschäftigten bearbeiten lassen. Ziele: Mein schönstes Erlebnis Lebendiger positiver Einstieg, Ressourcenaktivierung, kennen lernen Ablauf: Alle TeilnehmerInnen lassen ihr Leben (die letzte Zeit) im Schnelldurchgang vor dem geistigen Auge vorüberziehen und speichern schöne Erlebnisse aus dem Berufs- oder Privatleben z.b. aus der Schulzeit. Sie wählen das schönste Erlebnis aus, das sie bereit sind dem Plenum vorzustellen. Dieses Erlebnis wird auf einem Blatt Papier mit Symbolen o.ä. kurz skizziert und dann dem Plenum vorgestellt. Variationen:

28 Vorstellung des Erlebnisses durch einen Partner/Partnerin, dem /der es vorher geschildert wurde. Ziele: Einstieg, kennen lernen Lieblings-Kuchen Ablauf: Jede/ skizziert auf einem Bogen Papier einen Kreis, einen Kuchen. Auf der Rückseite wird alles gesammelt, was er oder sie in seinem Leben gern hat. Dann werden alle Punkte dieser Liste in der Form von Kuchenstücken in die Zeichnung eingetragen. Die Kuchenstücke haben die Größe, die der Bedeutung dieses Punktes entsprechen. In der Gruppe stellen sich alle mit ihrem Kuchen vor. Variationen: Es wird ein zweiter Kuchen zum Thema Ärger gezeichnet Ziele: Zuhören üben, kennen lernen Das Informationsnetz Ablauf: Alle TeilnehmerInnen stellen sich vor, in dem sie ein Wollknäuel weiterreichen (sich kreuz und quer zu werfen), den Faden dabei aber in der Hand behalten. Es entsteht ein Spinnennetz, das alle Gruppenmitglieder miteinander verbindet. Wenn alle Mitglieder sich vorgestellt haben, wird das Spinnennetz wieder aufgelöst, indem das Knäuel in der gleichen Reihenfolge wieder zurückgereicht wird und jedes Gruppenmitglied erzählt, was es von der Person in Erinnerung behalten hat, an die das Knäuel weitergegeben wird. Variationen: Die einzelnen Gruppenmitglieder stellen der Person, der sie das Knäuel zu werfen jeweils eine konkrete Frage; es werden bestimmte Fragen vorgegeben (Mein Name, meine Lieblingsspeise, meine Hobbys, mein nächster Urlaub,...was ich mir wünsche, meine größte Stärke, meine größte Schwäche, meine größte Angst, was beschäftigt mich zur Zeit besonders...)

29 2. Aufgaben zur Teamarbeit Aufgabe: Ein Fuß im Kreis Aufgabe der Gruppe ist es, dass alle TN mit einem Fuß im Kreis stehen. Grundsätzlich darf jeder aber nur auf einem Fuß stehen. Ziele: Erlernen von Problemlösungsstrategien, Zusammenarbeit, Abbau von Berührungsängsten. Ablauf: Ein kleiner Kreis wird auf dem Boden mit Hilfe des Seiles ausgelegt (14 TN maximal mit einem Durchmesser von 90 cm, bei weniger TN entsprechend kleiner) Zu beachten: Leichtes Spiel, um Zusammenarbeit zu üben. Es gilt, andere zu halten, aber auch gehalten zu werden. Keiner darf losgelassen werden, sonst versagt die ganze Gruppe. Eine Orange geht auf Reisen Aufgabe: Herumreichen einer Orange, ohne die Hände zu benutzen Ziele: Warming up, Abbau von Berührungsängsten, Teamarbeit. Ablauf: Die Gruppe stellt sich im Kreis auf. Auf ein Zeichen hin klemmt sich eine/e TeilnehmerIn die Orange unter das Kinn, dreht sich zum rechten Nachbarn um und gibt die Orange ohne die Hände zu benutzen weiter. Diese/r versucht dasselbe mit seinem/ihrer NachbarIn. Das Spiel dauert solange, bis die Orange wieder am Anfang angelangt ist. Fällt sie zwischendurch zu Boden, wird bei der Person neu begonnen, die sie als letztes unter dem Kinn halten konnte.

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