Bundeskongress 2013 Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung

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1 Bundeskongress 2013 Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung Dokumentation zum Bundeskongress vom 19. bis 20. März 2013 in Berlin

2 Inhalt Seite: Einführung 5 Im Dialog 6 Dieter Hackler, Leiter der Abteilung Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege, Engagementpolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Podiumsdiskussion 7 Voneinander lernen: Potenziale von Mentoringprojekten für Kinder und Jugendliche in Deutschland Roland Bernhard, Landrat des Landkreises Böblingen, spricht für die Patenaktion des Landkreises Böblingen Beate Ramm, freie Journalistin, Autorin von Das Tandem-Prinzip Songül Incedal, Projektkoordinatorin des Mentoringprojektes Hürdenspringer+ Philip Bracker, Mentor bei Hürdenspringer+ Susanne Huth, Geschäftsführerin Institut INBAS-Sozialforschung GmbH Viola Breuer, Projektleiterin bei der Robert-Bosch-Stiftung Impuls Bildung als Zukunftsaufgabe für Deutschland: Stiftungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Wohlfahrt Dr. Arndt Schnöring, Generalsekretär und Vorsitzender Geschäftsführer der Stiftung der Deutschen Wirtschaft 10 Podiumsdiskussion 11 Unternehmerisches Engagement im Kontext von Corporate Social Responsibility Bürgerstiftung Jugend und Beruf (Prof. h. c. Hans-Ludwig Grüschow) mit örtlichem Lionsclub Neu-Isenburg Randstad Deutschland GmbH (Hanna Daum, National CSR Coordinator) mit dem Projekt Du bist ein Talent RWE AG (Dr. Marita Hilgenstock, CSR Konzernkommunikation/Umweltpolitik) mit den Projekten Ich pack das! und Jobpate IBM Deutschland GmbH (Peter Kusterer, Leiter Corporate Citizenship & Corporate Affairs) mit dem Unternehmensprojekt IBM und Gesellschaft Bildung und freiwilliges Engagement der MitarbeiterInnen Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 2

3 Vortrag 16 Soziale Kooperationen im Gemeinwesen Corporate Citizenship Stephan C. Koch, Bundesinitiative Unternehmen: Partner der Jugend (UPJ) Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR e. V. Vortrag 22 Wirtschaft und Schule - Im Dialog mit Wirtschaftslenkern Jan-Peter Nissen, Geschäftsführer, Initiativkreis Ruhr GmbH Fachforen 31 Forum 1 31 Wie können Patenschafts- und Mentoringprojekte von Unternehmensengagement profitieren? Stephan C. Koch, Bundesinitiative Unternehmen: Partner der Jugend (UPJ) Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR e.v. Forum 2 33 Kommunale Netzwerke für Patenschaften am Beispiel des Schönaicher Patenmodells Frank Arnold, Koordinator des Schönaicher Patenmodells Forum 3 35 Nachhaltige Sicherung von Mentoringprojekten Kooperationen, Fundraising und Nachwuchsgewinnung Dr. Jens-Uwe Böttcher, Forum Bürgerengagement, Universität Bremen Forum 4 37 Wertschöpfung durch Wertschätzung Stärkung von Engagement im Mentoring durch Anerkennung Prof. Dr. Birgit Leyendecker, Fakultät für Psychologie, Bereich Entwicklungspsychologie, Ruhr-Universität Bochum Forum 5 39 Patenschaften brauchen Partnerschaften. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bildungsunterstützung im Rahmen von interkulturellen Schulprojekten Ursula Frommholz, Vorstand des Vereins Lesewelt Berlin e.v. Forum 6 40 Interkulturelle Potenziale erkennen und nutzen - Zur Lage der Integration in Deutschland Ümmühan Ciftci, Projekt InteGREATer e.v. Frankfurt am Main Podiumsdiskussion 42 Mentoring als gesellschaftliche Perspektive Dieter Hackler, Leiter der Abteilung Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege, Engagementpolitik im BMFSFJ Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 3

4 Prof. Dr. Georg Cremer, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, Professor für Moderne Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen und wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung Essen Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a. D. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 4

5 Einführung Patenschaften brauchen Partnerschaften - Netzwerke für Integration und Bildung lautete der Titel des Bundeskongresses der Aktion zusammen wachsen, zu dem Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder und die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer für den 19. und 20. März 2013 in das Ludwig Erhard Haus in Berlin eingeladen hatten. Ziel der zweitägigen Veranstaltung war es, Rahmenbedingungen und die Gestaltung von Netzwerken für bürgerschaftliches Engagement in Form von Mentoring und Bildungspatenschaften zu diskutieren und die Bildung neuer Netzwerke anzuregen. Als potenzielle Partner für Bildungspatenschaftsprojekte kamen dabei Expertinnen und Experten sowie Persönlichkeiten aus relevanten Sektoren und Organisationen (z. B. Unternehmen, Stiftungen und Bildungseinrichtungen) zu Wort. Im Mittelpunkt standen sowohl der Informations- und Meinungsaustausch zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die strategischen Partnerschaften mit der Wirtschaft und Stiftungen als auch die Erwartungen und Bedürfnisse von ehrenamtlich Engagierten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Mitri Sirin. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 5

6 Im Dialog Dieter Hackler, Leiter der Abteilung Ältere Menschen, Wohlfahrtspflege, Engagementpolitik des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Gespräch mit Mitri Sirin. Sehr geehrter Herr Hackler, vor fast genau fünf Jahren wurde die Aktion zusammen wachsen gestartet. Welchen Anstoß hat es damals für diese Initiative gegeben? Mir war schon sehr lange bekannt gewesen, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger für die Integration junger Menschen einsetzen. Die Patenprojekte entstehen vor Ort und arbeiten für sich allein. Jeder musste das Rad wieder neu erfinden. Da wollte Frau Staatsministerin Böhmer mit der Aktion zusammen wachsen eine Plattform schaffen und auch etwas für die Qualitätsentwicklung in diesem Bereich tun. Mit den Materialien der Aktion unterstützen wir die zu großen Teilen sehr professionelle Arbeit. Und mit der Aktion wollten wir auch eine besondere Anerkennung ausdrücken. Es ist einfach großartig, was hier freiwillig engagierte Menschen für andere tun! Haben Sie besonders beeindruckende Momente im Hinblick auf Projekte der Aktion zusammen wachsen erlebt? Nun ein Projekt oder zwei Projekte herauszuheben aus der Fülle des Engagements, fällt nicht leicht. Es ist einfach jede Begegnung mit Patinnen und Paten vor Ort beeindruckend. Es ist faszinierend zu erleben, dass Menschen, die in ihrem Umfeld einen Bedarf an Unterstützung bei anderen sehen, sich auf den Weg machen, Zeit investieren und ihr Wissen und ihre Kontakte einsetzen, um zu helfen. Das ist eine besondere Qualität der Hilfe. Beeindruckend ist, dass die Kinder und Jugendlichen, denen geholfen wird, spüren: da ist jemand persönlich motiviert, der kommt nicht von Amts wegen und ist nur für mich da. Das ist auch der Grund für den großen Erfolg von Patenschaften. Der Kongress thematisiert unter anderem das Engagement von Unternehmen. Warum ist das aus Ihrer Sicht ein wichtiges Thema? Viele Großunternehmen und auch die mittleren und kleinen Unternehmen engagieren sich heute für soziale Projekte in ihrem betrieblichen Umfeld. Stichwort CSR - soziale Verantwortung der Wirtschaft. Da lag es auf der Hand, mit diesem Kongress einmal die Unternehmen und die Patenschafts- und Mentoringprojekte zusammenzubringen. Die Aktion zusammen wachsen erfüllt damit wieder ihren ureigensten Zweck: Wir wollen das Engagement aus unterschiedlichen Bereichen miteinander vernetzen und Synergieeffekte nutzen. Wir wollen Hemmschwellen abbauen und Zugänge schaffen. Manches Mal ist man dann überrascht, was alles gemeinsam möglich ist. Nach meiner Erfahrung haben Unternehmen grundsätzlich ein sehr großes Interesse an der Bildung und Integration junger Menschen - und das nicht nur, weil es um die Fachkräfte von morgen geht, sondern auch aus einer sozialen Verantwortung heraus. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 6

7 Podiumsdiskussion Voneinander lernen: Potenziale von Mentoringprojekten für Kinder und Jugendliche in Deutschland Teilnehmende: Roland Bernhard, Landrat des Landkreises Böblingen, Patenaktion des Landkreises Böblingen Ehrenamt braucht Hauptamt - für ein gelingendes Patenschaftsmodell bedarf es Nachhaltigkeit in den Strukturen. Patenschaften sind ein ganzheitlicher Ansatz für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patinnen / Paten und Jugendlichen mit dem Ziel einer erfolgreichen Berufsfindung. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 7

8 Beate Ramm, freie Journalistin, Autorin von Das Tandem-Prinzip Patenschaftsprojekte stehen im Zusammenhang mit elementaren Zukunftsfragen: Gesellschaftlicher Zusammenhalt, bürgerschaftliches Engagement, Zukunft der Demokratie. In diesem Zusammenhang ist der Begriff Vorbild in den Fokus gerückt: Vorbild sein wie und wofür? Darin liegt eine der wichtigsten Aufgaben der Mentoringforschung: Den Begriff Vorbild in Wissenschaft und Praxis mit konkretem Inhalt zu füllen. Wodurch bin ich als Patin oder Pate ein Vorbild, bewusst oder unbewusst? Dabei geht es in erster Linie nicht um ein Tun, sondern um die Haltung, Bewertung oder Bedeutung, die da hinter steckt. Es ist nicht wichtig, als Patin oder Pate bzw. Vorbild möglichst perfekt zu sein, sondern Freude an den unterschiedlichen Möglichkeiten der Lebensgestaltung zu vermitteln und den Willen zur Gestaltung zu wecken. Songül Incedal, Projektkoordinatorin des Mentoringprojektes Hürdenspringer+, Berlin Der Bundeskongress ist ein gelungenes Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Politik und dem Dritten Sektor, damit die Nachhaltigkeit der Mentoringprojekte in Zukunft gewährleistet ist. Philip Bracker, Mentor bei Hürdenspringer+, Berlin Beim Mentoring versuchen mein Mentee und ich, seine Ziele ausfindig zu machen und nach Möglichkeiten zu suchen, wie er diese erreichen kann. Dabei versuchen wir Strategien zu entwickeln, wie der Mentee zukünftige Herausforderungen am besten meistern kann. Beim Mentoring geht es für mich vor allem darum, dass die Mentees Selbstvertrauen entwickeln und Selbstwirksamkeit erleben. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 8

9 Projekte wie Hürdenspringer fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Projekt Hürdenspringer bereitet die Mentoren bestmöglich auf die Arbeit mit den Schülern vor und unterstützt die Zusammenarbeit außergewöhnlich gut. Susanne Huth, Geschäftsführerin Institut INBAS-Sozialforschung GmbH Ergänzend und begleitend zur Fachlichkeit in den Kindertageseinrichtungen und Schulen setzen Patenschaftsprojekte an den individuellen Förderbedarfen von Kindern und Jugendlichen an und stiften stabile, verbindliche und verlässliche Beziehungen, die den Kindern und Jugendlichen, aber auch ihren Eltern, Orientierung und persönliche Hilfen geben, die einen entscheidenden positiven Einfluss auf den Bildungserfolg und die gesellschaftliche Teilhabe der Begleiteten haben. Grundlegend für erfolgreiche Patenschaftsprojekte sind eine professionelle Koordination, eine qualifizierte Vorbereitung und Begleitung der Patinnen und Paten sowie verlässliche Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen zu vielfältigen Akteuren vor Ort, darunter bspw. Kindertageseinrichtungen, Schulen, Ausbildungsbetriebe, Unternehmen, Einrichtungen der Engagementförderung, Migrantenorganisationen sowie Stiftungen. Viola Breuer, Projektleiterin bei der Robert-Bosch-Stiftung Mentoringprojekte sind eine ausgezeichnete Form, Bildungsprozesse zu unterstützen und junge Menschen zu stärken. Es kommt vor allem beim Übergang von der Schule in der Arbeitswelt darauf an, Mentoringprojekte in lokale Netzwerke einzubinden und gut mit schulischen Maßnahmen der Berufsorientierung zu verzahnen. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 9

10 Impuls Bildung als Zukunftsaufgabe für Deutschland: Stiftungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Wohlfahrt Dr. Arndt Schnöring, Generalsekretär und Vorsitzender Geschäftsführer der Stiftung der Deutschen Wirtschaft Als eine der größten Bildungsinstitutionen des Landes fördert die Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) bundesweit über junge Menschen. Ihr zentrales Anliegen ist es, jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft faire Chancen auf Bildung zu ermöglichen und bestmögliche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bildungs- und Berufsweg zu schaffen. Im Bereich Schülerförderung bündelt die sdw ihre Aktivitäten für Schülerinnen und Schüler, in ihrem Studienförderwerk Klaus Murmann und ihren Studierendenprogrammen fördert die sdw Studierende und Promovierende mit Gemeinsinn und Unternehmergeist, darunter speziell Lehramtsstudierende im Programm Studienkolleg. Als rein operative Stiftung schmiedet die sdw Allianzen mit Partnern, denen die Themen Bildung, Nachwuchsförderung und Chancengerechtigkeit am Herzen liegen. Dazu gehören zahlreiche Institutionen wie andere wirtschaftsnahe Stiftungen, Unternehmen, Unternehmensverbände, staatliche Institutionen in Bund und Ländern sowie ein dynamisches Netzwerk aus ehrenamtlichen Unterstützern. Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen Mit den Worten des US-amerikanischen Staatsmanns Benjamin Franklin begann Dr. Arndt Schnöring, Generalsekretär der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, seinen Impulsvortrag zum Thema Bildung als Zukunftsaufgabe für Deutschland: Stiftungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Wohlfahrt. Mit seinem Beitrag zeigte er auf, wie junge Menschen darin unterstützt werden können, ihre persönlichen und beruflichen Potenziale gewinnbringend auszuschöpfen und Bildungschancen zu nutzen. Vor allem die prägnanten Übergangsstellen wie z.b. Schule Beruf oder Schule Studium sind dabei von großer Bedeutung hier sollten Förder- und Unterstützungsangebote gezielt ansetzen. Schlüsselfunktion für den Bildungsverlauf junger Menschen nähmen hierbei vor allem gut ausgebildete Lehrkräfte ein. Bildungspolitisch relevant sei daher vor allem die Einführung von Führungsthemen in der Lehrerausbildung: Schule sei nicht mehr nur das Vermitteln von Wissen, sondern eine komplexe Managementaufgabe. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 10

11 Podiumsdiskussion Unternehmerisches Engagement im Kontext von Corporate Social Responsibility Prof. h. c. Hans-Ludwig Grüschow, Bürgerstiftung Jugend und Beruf mit örtlichem Lions-Club Neu-Isenburg Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 11

12 Hanna Daum, Randstad Deutschland GmbH (National CSR Coordinator) mit dem Projekt Du bist ein Talent Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 12

13 Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 13

14 Dr. Marita Hilgenstock, RWE AG (Konzernkommunikation/Umweltpolitik) mit den Projekten Ich pack das! und Jobpate Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 14

15 Peter Kusterer, IBM Deutschland GmbH (Leiter Corporate Citizenship & Corporate Affairs) mit dem Unternehmensprojekt IBM und Gesellschaft Bildung und freiwilliges Engagement der MitarbeiterInnen Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 15

16 Vortrag Soziale Kooperationen im Gemeinwesen Corporate Citizenship Stephan C. Koch, Bundesinitiative Unternehmen: Partner der Jugend (UPJ) Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR e. V. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 16

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22 Vortrag Wirtschaft und Schule - Im Dialog mit Wirtschaftslenkern Jan-Peter Nissen, Initiativkreis Ruhr GmbH, Geschäftsführer Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 22

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31 Fachforen Forum 1 Wie können Patenschafts- und Mentoringprojekte von Unternehmensengagement profitieren? Stephan C. Koch, Bundesinitiative Unternehmen: Partner der Jugend (UPJ) Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR e.v. Zusammenfassung des Inputs zum Workshop: Stephan C. Koch diskutierte die Frage, wie Patenschafts- und Mentoringprojekte von Unternehmensengagement im Rahmen von Corporate Social Responsibility profitieren können. Er betonte, dass beim Kontakt von sozialen Projekten zu Unternehmen die Frage nach einer finanziellen Unterstützung nicht an erster Stelle stehen sollte. Vielmehr sollten die Projekte den Unternehmen ihre Leistung als ein Angebot präsentieren, durch das eine für beide Seiten vorteilhafte Situation entsteht. Als hilfreicher und erster Türoffner hat sich aus der Erfahrung von UPJ der Name des Projektes erwiesen, der zu einer Identifizierung des Unternehmens mit einer angestrebten Kooperation beitragen kann. Ein anderer wichtiger Punkt bei der Herangehensweise an eine Unternehmenskooperation ist, sich zunächst an kleinere Unternehmen zu wenden. Ein emotionaler Bezug zum Projektthema lässt sich bei diesen Unternehmen eher vermitteln. Entscheidend ist, dass die Patenschafts- und Mentoringprojekte deutlich darstellen, dass sie Kompetenzen in die Kooperation mit dem Unternehmen einbringen können. In die Ausrichtung der Projekt- Tätigkeiten sollten die Unternehmen zielführend durch ein ganzheitliches Konzept einbezogen werden, das die Wirkung der Projekttätigkeit in der Region in den Fokus stellt. Vielen Unternehmen muss das Prinzip des Mentorings mit seinen positiven Wirkungen dargestellt werden. Die Projekte sollten darauf achten, dass eine Kooperation für Unternehmen immer dann interessant ist, wenn sie den Unternehmen die Möglichkeit der aktiven Mitwirkung geben. Der Kontakt zu Unternehmen wird idealerweise durch eine bereits vorhandene Verankerung des Themas Mentoring in der Kommune unterstützt. Ist dies der Fall, kann eine Kooperation mit Unternehmen auch dafür genutzt werden, dass Thema Mentoring nachhaltig in der Kommune zu stärken und zu platzieren. Zwischen den Projekte und der Kommune nehmen die Unternehmen eine Mittlerposition ein, die sowohl die Unternehmens- als auch die Organisationssprache einer kommunalen Verwaltung spricht. Weitere Mittlerorganisationen in diesem Sinne können Freiwilligenagenturen oder Bürgerstiftungen sein. Wichtig ist es, sein Projekt auch dort bekannt zu machen. Zentrale Themenbereiche der anschließenden Diskussion: In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Frage aufgeworfen, welche Leistungen Unternehmen in einer solchen Kooperation bereitstellen können. Können sie z.b. Praktika für Mentees oder Ähnliches anbieten? Zum anderen war für die Teilnehmenden wichtig, bei Angeboten seitens der Unternehmen die verschiedenen Altersgruppen der Patenkinder und Mentees zu berücksichtigen; Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 31

32 die Bandbreite ist mit fünf bis 13 Jahren sehr weit und Angebote müssen auf die jeweiligen Altersgruppen abgestimmt sein. Ergebnisse aus der Diskussion: Unternehmen können zweierlei in einer Kooperation mit Patenschaftsprojekten bereitstellen: Ressourcen d.h. Unternehmen könnten Finanzierungsanteile für das Projekt übernehmen, Räumlichkeiten bereitstellen, bei der Organisation unterstützen, vor allem indem sie Zeit durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Projektarbeit einbringen. Und sie sind in der Lage, vielfältiges Knowhow für die Projektarbeit zur Verfügung zu stellen. Kommunikation Unternehmen können O-Töne für die projekteigene Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stellen; möglicherweise auch durch bekannte Unternehmenspersönlichkeiten. Die unternehmenseigene PR-Abteilung kann die Öffentlichkeitsarbeit des Projektes professionell unterstützen. Unternehmen stellen somit auch einen Rahmen für die Vernetzung bereit und eröffnen Räume der Mitgestaltung auch als Multiplikatoren. Eventuell weiterführende Erkenntnisse und Impulse für die Zukunft: Entscheidend für eine geplante Kooperation mit einem Unternehmen ist es seitens des Projektes ein fundiertes Projektkonzept zu entwickeln und zu präsentieren. Mittler sollten in die Ansprache von Unternehmen einbezogen werden und mögliche Projektbeiräte sowie die Kommune die Kooperation unterstützen. Durch das Konzept sollte eine Professionalisierung des Projektes erkennbar werden. Dies wird vor allem durch die Definition von Standards und die regelmäßige Evaluation der Projektarbeit sichergestellt. Die Stärken und das mögliche Alleinstellungsmerkmal des Projektes muss durch das Konzept deutlich hervortreten. Für eine Unternehmenskooperation ist ein bestimmtes Portfolio in der Projektarbeit wichtig, z.b. dass das Projekt ein Bewerbungstraining anbietet, die Patinnen und Paten während ihrer Tätigkeit begleitet oder über eine besondere Anerkennungskultur für die ehrenamtlich Tätigen verfügt. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 32

33 Forum 2 Kommunale Netzwerke für Patenschaften am Beispiel des Schönaicher Patenmodells Frank Arnold, Koordinator des Schönaicher Patenmodells Zusammenfassung des Inputs zum Workshop: Das Schönaicher Patenmodell wurde aus der praktischen Arbeit unterschiedlicher Patenschaftsprojekte heraus entwickelt. Für das entstandene Netzwerk gab es im Landkreis Böblingen keine Erfahrungen im Vorfeld. Ziel war es, dass das Schönaicher Patenmodell zum einen von Fördermitteln unabhängig ist und zum anderen einen verlässlichen und dauerhaften Partner für die Schulen darstellt. In jeder Gemeinde entwickelte sich in der Folge ein eigenes kleines Mikro-Netzwerk, die alle in einem landkreisweiten Netzwerk zusammengefasst wurden. Das Herzstück eines jeden Netzwerkes waren die Patengruppen, die sich regelmäßig alle sechs bis acht Wochen trafen. Auf der Ebene des Landkreises wurde ein Runder Tisch eingerichtet, der alle relevanten Akteure versammelte und einen Austausch aller Netzwerke erlaubte. Koordiniert wurde das Netzwerk durch den hauptamtlichen Mitarbeiter in der Landkreisverwaltung, Frank Arnold. In den Gemeinde-Netzwerken wurden Vorschläge für die Übernahme einer Patenschaft konkret mit Hilfe des Jugendamtes und der betroffenen Schulen geprüft und schließlich umgesetzt. Insgesamt verfügt der Landkreis Böblingen über ein hohes Potential an Patinnen und Paten. Zentrale Themenbereiche der anschließenden Diskussion: In der anschließenden Diskussion wurden die Schwerpunkte in der eigentlichen Projektarbeit des Schönaicher Patenmodell umrissen. Die Patenaktion richtet sich an Jugendliche im zweiten Halbjahr der 8. und der 9. Klasse sowie an Auszubildende des ersten Lehrjahres, die durch eine Patin oder einen Paten auf Winsch bis zum Ende der Lehrzeit begleitet werden. Der Schwerpunkt des Projektes liegt beim Übergang von der Schule in die Ausbildung bzw. den Beruf. Die besondere Herausforderung der Patenaktion im Landkreis Böblingen besteht darin, dass jede Gemeinde eigene Spezifika aufweist. Im Schönaicher Patenmodell wird daher besonders die Regionalität in der überregionalen Netzwerkarbeit berücksichtigt. Ergebnisse aus der Diskussion: Ein Schlüssel zum Erfolg des Netzwerkes ist die kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, die durch einen jährlich wiederkehrenden Aufruf der kommunalen Bürgermeister unterstützt wird. Ein anderer liegt in der Vernetzung unter der Regie der öffentlichen Hand. Zudem hat es sich als hilfreich erwiesen, dass bereits sehr früh gemeinsame Qualitätsstandards im Rahmen einer Qualitätsentwicklung für das Netzwerk im Landkreis Böblingen etabliert wurden. Eventuell weiterführende Erkenntnisse und Impulse für die Zukunft: Die Arbeit an einem solchen Netzwerk ist den Aussagen von Frank Arnold nach nie abgeschlossen; stattdessen müssen in einem kontinuierlichen Prozess Ziele immer wieder angepasst werden. Eine Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 33

34 zentrale Schnittstelle bzw. einen zentrale Koordination auf der Ebene des Landkreises hat sich dabei als sinnvoll erwiesen: Die Erfahrungen aus den regionalen Initiativen bzw. Netzwerken fließen an die zentrale Koordination zurück. Diese stellt die unterschiedlichen Erfahrungen dann den anderen Gemeinden zur Verfügung. Im Landkreis Böblingen sind die Koordinatorinnen und Koordinatoren der Netzwerke in den Gemeinden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Sozial- und Jugendämtern und nehmen die Aufgabe als Teil ihres Dienstauftrages wahr. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 34

35 Forum 3 Nachhaltige Sicherung von Mentoringprojekten Kooperationen, Fundraising und Nachwuchsgewinnung Dr. Jens-Uwe Böttcher, Forum Bürgerengagement, Universität Bremen Zusammenfassung des Inputs zum Workshop: Fundraising bedeutet Partnerschaften gewinnen. Um die richtigen Ansprechpartner für die jeweiligen Projekte zu finden, ist viel Recherchearbeit nötig, denn Fundraising ist in erster Linie eine emotionale und erst dann eine rationale Angelegenheit. Zentral ist der Aspekt, potentielle Geldgeber von den Vorteilen des Gebens nach dem Motto: Es tut gut, Gutes zu tun! zu überzeugen. Fundraising ist danach die Kunst, für ein gemeinnütziges Anliegen von Anderen Unterstützung zu erhalten, indem man sie dafür gewinnt, ein fremdes Anliegen zu ihrem eigenen machen. Im Vordergrund stehen hierbei der Teilhabegedanke und das Ziel allen Wirkens. Geld ist hierzu lediglich das Mittel, nicht jedoch das Ziel. Fundraising ist ein tendenziell langfristiges und systematisches Verfahren zur Beschaffung finanzieller Mittel. Die Beteiligten gestalten im Wesentlichen gemeinsam einen Prozess, der aus kreativen Marketingelementen, intensiver Kommunikation und solidem Management besteht. Es erfordert unbedingtes Engagement für die Sache, Geduld und Ausdauer. Da es sich um einen freiwilligen Austausch handelt, ist für beide Seiten entscheidend, wer welchen Nutzen hat und was sich die Beteiligten gegenseitig bieten können. Um Kontakt zu Unternehmen, Mäzenen, Stiftungen und anderen Förderern aufzubauen, bedarf es eines engen Vertrauensverhältnisses. Für die Projekte ist es wichtig einen Perspektivenwechsel zu vollziehen, um potentielle Unterstützer selbstbewusst von der besonderen Qualität ihres Anliegens zu überzeugen und gleichzeitig den Blickwinkel der Förderer zu berücksichtigen. Um erfolgreich Fundraising zu betreiben, sollten Projekte die persönliche Ansprache wählen. Kostenpositionen sollten differenziert aufgestellt und den betreffenden Unternehmen angeboten werden, bestimmte Positionen zu übernehmen. Wer verschiedene Förderer hat, kann so oft auch andere von seiner Sache überzeugen. Viele Förderer bieten auch immaterielle Unterstützung in Form von Know-how oder der Arbeitszeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Für die Nachwuchsgewinnung sollten Projekte frühzeitig beginnen, sowohl Patinnen und Paten als auch Patenkinder zu gewinnen. Zentrale Themenbereiche der anschließenden Diskussion: Um potentielle Unterstützer nachhaltig zu überzeugen, sollten Projekte besonders auf die Argumente, die für ihre gute Sache sprechen, achten. Es ist strategisch wichtig, verschiedene Akteure wie z.b. Kammern, Verbände oder Gewerkschaften einzubinden. Eine intensive und konkrete Kommunikation über die Inhalte der Projektarbeit macht deutlich, ob das Projekt zum Unternehmen und umgekehrt passt. Für die Projekte sind ein realistischer Finanz- und Zeitplan organisatorisch unverzichtbar. Angebote an die Unternehmen, aber auch die Bedarfe der Projekte sollten konkret formuliert werden. Zugleich wird auch die Unterstützung des Projektes für das Unternehmen signalisiert. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 35

36 Eine standortbezogene Argumentation und eine Marktanalyse ermöglichen den Projekten geeignete unternehmerische Unterstützer in unmittelbarer Nähe zu suchen und zu finden. Auch die Frage nach bereits vorhandenen sozialen Einrichtungen oder bestehenden Initiativen kann bei der Suche nach unternehmerischem Engagement von Bedeutung sein. Die öffentlichen Hände können oftmals Möglichkeiten der Unterstützung aufzeigen oder gegebenenfalls vermitteln. Ergebnisse aus der Diskussion: Um Öffentlichkeitsarbeit für die Projekte wirkungsvoll zu organisieren, ist es hilfreich, sie auf die jeweiligen Adressaten auszurichten und anzupassen. Projekte auf der Suche nach Unterstützung sollten Präsenz in der Öffentlichkeit, z.b. bei Veranstaltungen wie Ehrenamtstagen, zeigen und durch professionelles Auftreten überzeugen. Kontakte zu den Medien wie Zeitungen, Fernsehen und Radio wie auch zu den kostenlosen Werbezeitungen in den Kommunen sind für die Öffentlichkeitsarbeit ebenso wichtig. Projekte sollten auch den Kontakt zu Verwaltung und Politik suchen, um prominente Förderer für Schirmherrschaften oder Patenschaften zu gewinnen. Eventuell weiterführende Erkenntnisse und Impulse für die Zukunft: Zur nachhaltigen Sicherung von Mentoringprojekten bedarf es Kooperationen und Partnerschaften ebenso wie geeigneter Maßnahmen zum Fundraising und der Nachwuchsgewinnung. Diese Partnerschaften setzen eine enge Zusammenarbeit zwischen Partnern, die positive Signale ausstrahlen, voraus. Um eine wirkungsvolle Partnerschaft zu erreichen, bedarf es konkreter Vorüberlegungen, welche Partner sich für welche Aktivitäten zusammenfinden. Patenschaften brauchen Partnerschaften Netzwerke für Integration und Bildung 36

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